36. Jahrgang
Fulda, Samstag den 7. August 1909
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Drittes Hälcltt
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einer von ihm für gut befundenen Weise von einem Bischof verwaltet roetbe.
er sofort einen Arzt. Diesem gelang es, der Angeklagten mit vieler Mühe klarzumachen, daß \it sich durch ihre törichte Handlungswelse unter Umständen in schwere Lebensgefahr gebracht habe, da sich doch wohl erhebliche „Verdauungsstörungen" einstelleu würden. . Nun bekam es dl« Angeklagte mit der Angst zu tun. Sie.genoß aus Anraten des Arztes einen ganzen Berg gekochter Kartoffeln, um den in ihrem Magen befindlichen Fremdkörper einzuhüllen. Sodann wurden lhr einige recht kräftig wirkende Mittel verabfolgt Der kostbare Wertgegenstand erblickte dann auch nach einiger Zeit wieder das Licht der Welt, und die Uhr wurde der Firma wieder überrelcht Diese Pfändung mit Hindernissen hatte für die Angeklagte recht unangenehme Folgen, da gegen sie Anklage erhoben wurde. Das Gericht liefe, da die Angeklagte ihre Handlungsweise schon selbst sehr schmerzhaft hatte büßen müssen,. Milde walten und erkannte auf eine Gefängnrsstrafe von einem Tage.
* Die Reisegelder der Könige. Recht hübsche Summen sind es, die das englische Parlament . für Staatsbesuche zur Zivilliste des Königs wird nachbewilligen müssen. Der Besuch des Königs- paares in. Skandinavien kostete 73 400 M. Der Staatsbesuch des Prinzen von Wales in Kanada verursachte „nur" 40 000 M, der Besuch des Präsidenten Fallieres aber erforderte schon 90 500 Je. Am teuersten stellte sich der Besuch, den der Köiig und die Königin von Schiveden in London machten; er verursachte dem englischen Hofe einen Ko stenaufwand von 153 600
Aus Ulrche und Schule.
* Bistum Aachen. Die Anwesenheit des päpstlichen Legaten, des Kardinals Vannutelli, auf dem Eucharistischen Kongreß in Köln, wird möglicherweise dazu dienen, eine schon seit Jahren angestrebte Neuordnung in der Kölner Erzdiözese zu erörtern und vielleicht auch zum Abschluß zu bringen. In einer Denkschrift des Aachener Stadtrats und des Oberbürgermeisters von Aachen an den Vatikan ist die Bitte ausgesprochen, es möchte das alte Aachener Bistum wiederhergefiellt werden. Wie es jetzt unverbürgt heißt, interessiert sich der Papst außerordentlich für die Aachener Bistumsfrage, da er die Erzdiözese Köln für »u groß hält, als daß sie in
die polilisch« Situation und die sich daraus sur die christlich-nationale Arbeiterbewegung ergebenden Probleme beherrscht, daraus ergibt sich dann em gewisser Sauherdenton und das Allheilmittel aller Beschränkten: die konfessionelle Hetze. Beschämt werden wir evangelische Arbeiter durch die katholischen Arbei- tervrreinsblätter. Diese hatten gewiß eine schwierige Situation zu überwinden, aber von konfessioneller Hetze habe ich zum Beispiel in der.Westdeutschen Arbeiterzeitung' nichts gefunden. _
— Der Haus- und Grundbcsitzertag in beschäftigte sich im weiteren Verlauf einer Verhandlungen auch mit der Reichsfinanzreform. Rechtsanwalt Cohn-Dessau wollte der Versammlung vormachen, die Hausbesitzer müßten vor allem die Agrarier bekämpfen und die Bestrebungen des Haiisabundes unterstützen. Von anderer Seite fand diese Anregung aber lebhaften Widerspruch. Eine, die Finanzreform kritisierende Resolution fand Annahme.
— Köln, 6. Aug. 1909. Die Großstädte des Jndustriebezirks haben jetzt zumeist die Lehrerbesoldungsfrage geregelt, die Wünsche der Lehrer wurden dabei nicht im entferntesten berücksichtigt. Für die Gewährung der Ortszulagen, für die das Gesetz im Hinblick auf die teueren Orte bis zu 900 Mark vorgesehen hat, sind geringfügige Staffelungen vorgesehen, die diesen Satz längst nicht erreichen. Vielfach gelang es den Zentrumsstadtverordneten, wenig, stens kleine Verbefferungen gegenüber den Magistratsvorlagen durchzusetzen, die liberalen Mehrheiten, die früher, als es nichts kostete, sich so überaus lehrersreundlich gebärdeten, wenn es auf die Taten ankommt, waren jetzt ganz zugeknöpft. In Köln hat die dort herrfchende Zentrumsmehrheit weit höhere Zulagen festgesetzt und das trotz der dort billigeren Lebensverhältnisse als im Jndustriedezirke. _________
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Monatsbellage: „Zuldaer Geschichtsblatter Fernsprecher Ur. 9.
G. Geistige Getränke sind Kindern nnd jugendlichen Personen schädlich.
Das Reichsgefuudheitsamt sagt hierüber in seinem „Gesundheitsbüchlein: „Für Kinder ist der Alkohol ein schlimmes Gift; Bier, Wein und namentlich Branntwein sollte man Kindern brS zum Ablauf der Entwicklungszeit (14.—16. Lebensjahr) überhaupt nicht geben."
Es gibt aber leider nicht wenige Eltern, die Söhne, die kaum aus der Schule entlassen sind, ungehindert ohne jegliche Aufsicht den Erwachsenen gleich die Wirtshäuser besuchen lassen. An solchen Trinkstellen sprechen nicht selten jugend- liche Personen geistigen Getränken mehr zu, als ältere Jünglinge und Männer.
Es ist deshalb mit Freuden zu begriißen, wenn die berufenen Polizeiorgans dem allzu frühen Wirtshausbesu.he energisch entgegentre- ien. So wird im Hünfelder Kreisblatt vom 31. Juli d. I. eine diesbezügliche f>" den Umfang des Kreises Hünfeld am 8. Juni 1907 erlassene Polizeiverordming durch das Kgl. Landratsamt erneut veröffentlicht und eingeschärft.
Nach dieser Verordnung dürfen Personen unter 17 Jahren Elast- und Schankwirtschaften, sowie andere Verkaufsstellen, mit welchen eine Verabreichung von geistigen Getränken zum Genuß auf der Stelle verbunden ist, nur in Begleitung ihrer Eltern bezw. deren Stellvertreter besuchen, einige besonders angeführte Fülle ausgenommen.
Wirte und Kleinhändler mit geistigen Ge- tränkem' welche in ihren Räumlichkeiten solche jugendliche Personen dulden, sowie c.uch diese jugendliche Personen selbst werden mit Geldstrafe bis zu 30 bestraft. Die Kgl. Gendarmerie des Kreises soll darüber wachen, daß die Bestimmungen der angegebenen Volizeinerordnung genau beachtet und Zuwiderhandlungen unnach- sichtlich zur Bestrafung gebracht werden. Gewiß lassen es auch die andern Kgl. Landratsämter der preußischen Monarchie es sich recht angelegen sein, den Wirtshausbesnch seitens jugendlicher Personen unter 17 Jahren zu deren eigenem Besten nach Möglichkeit zu verhüten.
Aus dem Nachbargebiete.
---- Kassel, 5. Aug. 1909. In dem Kampfe zwischen Schönheitssinn und Verkehrsbedürsnis, der hier gelegentlich des Planes einer Straßen- bahnlinie über den Friedrichsplatz entbrannt ist, siel bis jetzt noch keine Entscheidung. Stach dem Beschluß der Stadtverordneten wird die Genehmigung der Krone zur Führung der neuen Linie an der Palaisseite des Friedrichsplatzes nachaesucht werden. Im Falle der Zustimmung dürfte die Gefahr der Platzverschandelung end- ailtig abgewendet fein. -
* Hadamar, 5. Aug. 1909. Gestern überreichte der König!. Landrat dem hiesigen Bürgermeister Herrn Hartmann den Kronenorden 4. Kl. als höchste Anerkennung für dessen eifrige Tätigkeit bei der Hochwasserkatastrophe tm Februar. Ferner erhielten Herr Karl Maier und Herr Joh. AHIbach die Rettungsmedaille nebst 15 Mark Belohnung. z
Reklamen- und Anzeigenteil.
Wen« Sie Ihr Kind
gesund, munter und geistig frisch sich entwickeln sehen wollen, so geben Sie ihm De. Hommel's Haematogen. Lasten Sie sich jedoch leine der vielen Nachahmungen aufreden!
Deutsches Reich.
— Mit den gehässige« Auslassungen des Hessen-Nassauischen Bolksboten', des Organs evangelischer Arbeitervereine, über die Reichsfinanzreform beschäftigt sich im konservativen -Reich' der Abg. Behrens. Zu der auch von unerwähnten Aeußerung des genannten Blattes, die deutsche Politik werde jetzt wieder in Rom ge- macht und beaufsichtigt werden, bemerkt er: »Wie mag sich wohl im Kopfe des H.-N. Volksboten' die politische Welt malen!" Die Auslassung zeuge von „politischer Einsichtslosigkeit und Wauwau-Verblendung". Es schließt seine Ausführungen folgendermaßen:
ist bedauerlich, daß ein großer Teil der ^angetischen ArbeitervereiSpresfe, wie die ^estrttüuug der durch die Steuerpolitik geschaffenen Polnisch«, Lage zeigt, so wenig ihrer Aufgab gewachsen ist, daß solche unerfreulich« Dinge vor« Kommen Bomtten, wie ich sie in diesem Artikel dargelegt Aaoe. Well eben unsere evangelische Arbeitrrvereins- mit rühmlichen Ausnabmv» natürlich, so wenig
Ausland.
* Die französische Armee erhält am 30. Aug. in General T r e m e a u, dem Nachfolger des aus dem aktiven Dienste scheidenden Generalissimus ßacroi$, einen neuen Oberbefehlshaber. Tro- meau hat sich während der letzten Manöver den Ruf des besten französischen Taktikers erworben. Er steht gegenwärtig im 60. Lebensjahre und ist also noch rüstig genug, um die geplanten Reformen durchzuführen.
t In Frankreich rst die Todesstrafe, die man vor 10 Jahren abgeschafft hatte, wieder eingeführt. Zum erstenmale hat am Mittwoch die Guillotine in Paris wieder „gearbeitet". Bei Tagesanbruch wurde der Multermörder Duchemin, ein 28 jähriger Bursche, auf dem Boulevard Arago, 120 Meter von dem Sante- GefängniS, hingerichtet. Die Hinrichtungen sind in Frankreich nämlich öffentlich. Da§ Gesetz schreibt außerdem vor, daß Verwandtenmörder ztw Richtstätte geführt werden sollen, das Haupt mit einem schwarzen Schleier verhüllt, im bloßen Hemd und barfüßig. Diese Bestimmungen des Gesetze- wurden aufs genaueste befolgt.
* Das russische Kaisrrpaar hat an Bord des „Standart" die englischen Gewässer verlästern Vorher empfing der Zar Deputationen der Städte London und Portsmouth, sowie der Handelskammern von London und Liverpool, die Willkomm- Adressen überreichten. Wie wir kurz mitteilten, hat der Beherrscher aller Reußen sich auch ans Land gewagt. Er hat in Begleitung Eduards, der Zarin sowie des Prinzen und der Prinzessin von Wales dem unweit Cowes gelegenen Sommerschloß des Königs von England, Osborne, einen Besuch abgestattet. Zur Vorsicht hatte man eine kleine Komödie inszeniert, um die Landung möglichst zu verheimlichen. Morgens war ange- kündigt worden, daß die kaiserlichen und königlichen Herrschasten zu einer bestimmten Zeit bei er Trinitylverft in Cowes an Land kommen würden. Um den Schwindel glaubhaft m machen, wurden an der angegebenen Stelle Militär, Polizisten, Hofbeamte und Lakaien stationiert. Während sich nun an der Triuitywerft das Volk in der Erwartung der Dinge, die da kommen sollten, drängte, schlichen sich der Zar und König Edua^> nebst Begleitung an einer abgelegenen Stelle an Land und begaben sich im Automobil nach Osborne.
** Die Verhältnisse in Indien waren im englischen Unterhause Gegenstand der Erörterung. Ter Unterftaatssekretär für Indien bemerkte, die Regierung werde in der Behandlung anarchistischer Gewalttaten und Verbrecher- ischer aufrührerischer Handlungen keine Schwäche zeigen. Er betonte sodann die Notwendigkeit von Reformen in der indischen Verwaltnug, bestritt jedoch, daß diese ReformvorschLige durch das Gefühl der Angst abgezwungen worden seien.
vermischtes.
* Einen nachträglichen Zuschlag zur Einkommensteuer in Hohe von 25 Proz. muß die Stadt M.Gladbach erheben, sodaß hier der Kommunal- steuerzuschlag von 200 auf 225 Proz. steigt. Die Ursache dieser nachträglichen Steuererhöhung ist darin zu suchen, daß außer Etat ein Mehrbedarf von 240,607 M entstanden ist, wovon 127 000 «M, auf die Erhöhung der Lehrergehälter entfallen.
♦ Auf dem Oberbilker Blechwalzwerk bei Düs- seldors schlug beim Herauskommen aus der Walze ein glühender Eisenblock im Gewichte von 750 Kilo um. Er fiel auf einen Schweitzer, der vor den Angen seiner Mitarbeiter bis zur Unkenntlichkei t ' r:rbramr: md sofort getötet wurde.
* Einer Bestechuugsgeschichte ist man in Köln auf die Spur gekommen. Zwei Schutzleute wurden verhaftet. Es handelt sich um Bestechung von Beamten in großen Spielerprozessen.
(’ An der deutsch-russischen Grenze kam es vor einiger Zeit zu einem Konflikt zwischen den widerseitigen Grenzbeamten, bei dem die Russen einen Deutschen bis auf preußisches Gebiet verfolgten. Vonseiten der deutschen Regierung wurde gegen das Verhalten der russischen Grenzwächter Einspruch erhoben und vorgeschlagen, den Streitfall dem Haager Schiedsgericht zu überweisen. Rußland ist jedoch mit diesem Vorschläge nicht einverstanden und hofft die Beilegung der Affäre auf anderem Wege.
* Eine Pfändung mit Hindernisien. Eine Kellnerin in Berlin batte bei einem Abzahlungsgeschäft eine mit Perlen besetzte goldene Uhr im Werte von 250 Mark aus Ratenzahlung entnommen. Nachdem sie einige Monate lang ihren Verpflichtungen nachgekommen it>ar, blieb sie plötzlich die fälligen Raten schuldig. Die Folge war, daß sie auf Klage der Firma zur Herausgabe der Uhr verurteilt wurde. Eines Morgens kam der Gerichtsvollzieher. Sofort nahm die Angeklagte die Uhr und steckte sie in den Mund. Nach einigen Würgetönen war die allerdings sehr kleine Damenuhr spurlos verschwunden. Nun war guter Rat teuer. Nachdem sich der Beamte von seinem Erstaunen erhölt hatte, reauieriette
y. Ein eigenartiger Stnrrn ist in diesen Tagen im Vaterland entstanden, nämlich ein Sturm auf die bon feen neuen Steuern bedrohten Konsumartikel. Was aus Ber- lin berichtet wird, geschah auch an fierneren Plätzen: es entstand ein Sturm auf die Laden, Ziaarrengeschäste, die Büros der Sektvertretun- gen als ob efele Menschenfreunde begehrenswerte Sachen unentgeltlich ans Volk verteilen ließen. In feen Restaurants dehnten die Gaste den Abendschoppen um eine Stunde aus, um vor der Verteuerung des Biers noch möglichst viel zu bergen, lieber das Inkrafttreten der neuen Steuern herrschte feie größte Verwirrung und die oben« steuerlichsten Ansichten gingen um. In den Laden verschwanden ganze Berge von Zundholzschachteln im Nu vor den Augen kaufgieriger Zuschauer; 'in den Zigarrenläden begegnete jeder, feer seine Hausmarke nicht in „Milles" mitnahm, mitleidigen Blicken, weil seine vollständig Kapitalarmut dem Verkäufer dadurch über allen Zweifel ! deutlich wurde. Die Geschäftsleute Man, sich nicht mehr um die Kunden; die Kunden rissen sich um feie Waren.
Das ist übers Ziel geschossen! Wenn einer .sich noch seinen Vorteil wahren will, wer will es ! tadeln. Aber alles mutz Matz und Vernunft Habern Die Zündholzsteuer (15 Pfennig für das Pake« tritt erst am 1. Oktober in Kraft. Bis ! dahin hätte also das Paket wie bisher 10 Pfennig zu kosten. Der Ansturm der Hausfrauen aber, die sich einen großen Vorrat sichern wollten, hatte zur Folge, daß die Preise schon jetzt plötzlich in die Höhe schossen; die Konjunktur wurde ausge- . nutzt. Und die Fabriken steckten den Nutzen ein, der dem Staate entzogen wird. Die Hausfrau aber, die sich zurückgehalten hat, wird vielleicht am beste» fahren, da der Preis in den nächsten Monaten sehr leicht wieder sinken kann. Aehn- lich ist es mit den Glühkörpern, die ebenfalls erst vom 1. Oktober ab mit 10 Pfg. für den Strumpf besteuert werden. Die Kaffee- und Teesteuern sind mittlerweile schon in Kraft getreten; wenn dex von mancher Hausfrau angehäufte Vorrat Mir nicht „klamm" wird! Die Zigarren werden vom 15. August an teurer, aber nicht so erheblich, daß sich das sammeln auf Vorrat besonders rentiert. Bon dem Bier trägt nur das nach dem 1. August gebraute die Steuer, gleichwohl ist auch der eingebraute Vorrat schon im Preise gestiegen.
Die Hausfrau wird die neuen Steuern zwei- 'ellos merken. Aber sie belasten den Haushalt wch nicht so, wie es gewisse Parteien und Blätter nit Neben«bsi^en darstellen. Sie sind fast _mrchweg Gen u ß steue rn, die sich der Haushaltungskasse sehr leicht anpaffen lasten; und eine verständige Hausfrau bringt das auch zuwege. Zu diesen Hausfrauen gehört freilich eine aus Magdeburg nicht, die im Berliner Tageblatt stich wie folgt Luft macht:
„Wir rooBen gesunde und kräftige Kinder erziehe"- Dazu aber ist es nicht gleichgiltig, womit der Hunger gefüllt wird, und der Staat wird rS spüren, wen" unsere Kinder herangewachsen sein werden. Schlecht genährte Knaben werden keine tüchtigen Soldaten und stchlecht genährte Mädchen kein« kräftigen Mütter. Um das zu verhüten, sollten die Frauen, in einer Zeit, in der die Männer versagen, selbst den Kampf aufnehmen gegen biefe volksfeindlichen Steuern. Um Lebensmittelpreise zu erringen, die eine gesunde Ernährung der Kruder — und auch der Männer — ermöglichen, sollten sich alle deutschen Frauen vereinigen "
Seit wann sind Schnaps, Bier, Tabak „Lebensrnittel, die eine gesunde Ernährung der Kinder ermöglichen?" Und essen die Kinder Iber Magdeburger Hausfrau Zündhölzchen oder trinken sie Sekt? Auch Kaffee und Tee sollte sie dem Kindern bester nicht geben. Ganz starke Registraturen zieht eine andere Briefschreiberin an das obengenannte Blatt:
„Ich werbe meinen Mann dahin bringen, daß er, bet Seiner Majestät schmuckster Soldat war, künftig nur noch „rot" wählt.'
Das nennt man Ueberzeugung. Die streit- bare Dame kann mit Rosa Luxemburg Schivester- fchaff trinken.
Aber die Sache hat auch eine ernste Seite. Man sieht eine sachlich unbegründete, mit den Tatsachsn in Widerspruch stehende Verhetzung der Massen, eine öffentliche Bniimenvergiftung durch Gegner der Reichssteuermehrheit. Um so mehr _ift es Pflicht unserer Parteifreunde, für Aufklärung über die neuen Steuern zu sorgen.
Literarisches.
WerdegangderTerkarienkunde. VonDr. F. Knauer- München. Verlag der Zeitschrift ,Natm und Kultur". Viktoriastt. 4. Preis 50 Pfg.
Der auf dem Gebiete be8 Terrarien- und Aquarien- wesens als Autorität rühmlichst bekannte Verfasser gibt hier einen dankenswerten Ueberblick über die Geschichte und Entwickelung der Terrarienpflege. Die Monographie bedeutet also zugleich auch eine äußerst wertvolle Bibliographie über Terrarien- Haltung und Terrarienbewohner und verdient als ebenso zuverlässiges wie billiges Orientierungsmittel wärmste Empfehlung.________________
f. Monatskalender des Gartenbau. Vereins.
Gartenarbeiten im August.
Obstbau. Alle Aepfel, die jetzt von den Bäumen fallen, werden für die Küche gesammelt; die größeren und reiferen geben Apfelmus, die kleinsten und unreifsten noch ein prachtvolles Apfelgelee. Beim Frühobst beginnt schon die Ernte. Vollbehangen« Bäume sind zu stützen, um das Abbrechen der Aesto zu verhindern. Volltragende Spätsortenbäume düv» fen jetzt noch einen Düngerguß erhalten. An den Obstbäumen sind Madensallen anzubringen. Blott- unb Blutlaus müssen bekämpft werden. Junge Bäume werden jetzt mit ausgewählten für unsere Gegend Vassenden Sorten okuliert. Die Kirschen kommen zuerst an die Reihe. Das Spalierobst muß angehestet und in Ordnung gehalten werden. Im ' Beersnobgarten verlangen die abgeernteten Sträucher Reinigung des Bodens, und wenn sie sehr erschöpft find, einen Dungguß. An den Himbeeren kann das abgetragene Holz entfernt werden. Zum Anlegen neuer Erdbeerbeete ist jetzt die geeignete Zeit, man nehme dazu junge, kräftige Rankenpflanzen. Auch vflanzt man jetzt Ableger von Johannisbeeren und Stachelbeeren.
Gemüsebau. AuSgesät werden Spinat, Kerbel- riiben, Teltower Rüben, Radies; Ende des Monats Mntersalat (Schmalzkräutchen), ferner Blumenkohl, Rotkraut, Weißkraut und Wirsing, um die Pflanzen zu durchwintern und frühes Gemüse zu erzielen. Gepflanzt werben Endivien, Blautohl, Kopfsalat und Kohlrabi für den Herbst- und Wintergebrauch; Esdragon, Schnittlauch, Perlzwiebeln für das nächste Jahr. Auf den verschiedenen Krautbee- ten zeigen sich jetzt die lästtgen Kohlweißlingsschmetterlinge. Die Eier sind fleißig abzusuchen, wenn man später derRaupenplage nicht machtlos gegenüber« stehen will; auch die Schnecken find zu vertilgen. Ad- gerdumte Beete werden gedüngt und, auch wenn sie jetzt nicht mehr bestellt werden, umgegraben und gehackt, damit sich kein Unkraut ansiedelt imb der Boden mürbe wird. Die reifen Samen find abzunehmen und an lustigen, trockenen Orten «mszube- -ahreu.
Blumenpflege. ES ist notwendig, von Pelargonien, Fuchsien, Monatsrosen und anderen Teppichblumen Stecklinge zu machen. Weiter macht man Aussaaten von Stiefmütterchen, Glockenblumen, Vergißmeinnicht usw, Gehölze laßen sich noch durch krautige Stecklinge vermehren. Die Blumenzwiebeln sind rechtzeitig zu bestellen. Blumenbeete, auf denen die alten Pflanzen unansehnlich geworden, find neu zu bepflanzen. Die Rosen werden aufs schlafende Auge veredelt. Soll das Auge schlafend bleiben, dürfen wir den Wildling wenig stören, ihm vor ollem keine Zweige nehmen, denn je mehr wir von seinen jetzigen Trieben entfernen, desto mehr geben wir ihm Veranlaflung, seinen Saft zur Ausbildung von schlafenden Äugen zu verwenden. Alle Blumen find gleich nach dem Verblühen abzuschneiden. In dem Augenblicke, wo sich die Frucht bildet, beginnt eine gesteigerte Rahrungsentnahme und damit eine Schwächung der Pflanze.