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Fulda, Freitag den 6.

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votationrdruckunb Verlag der Luldaer Ak. tiendruckerei in Lulda Zernsprecher Rr. 9.

Lloyd.

* Uebrr Menschenfresserei in Kamerun führt Hauptmann Dominik in einem Bericht über die Straferpedition gegen die Süd maka, die un März stattfand, nach dem „Deutschen Kotonialbl. u. a. folgendes aus: Im Interesse der fortschrer- tenden Kultur der Kolonie ist es als eine Not- Wendigkeit zu bezeichnen daß der bei den Maka so verbreiteten Menschenfresserei ein Ende ge­macht und ein Stamm der Weiterentwicklung zu­geführt wird, welcher in hervorragendem Mähe bildungsfähig ist. Die Hauptforderung für die Stammeskultivierung und die Abschaffung der barbarischen Gebräuche bietet möglichst reger Ver­kehr mit Europäern und fortgeschrittenen Stäm­men. Die Maka fressen Menschenfleisch als Nah­rungsmittel, verschonen auch ihre eigenen Toten nicht, kaufen Menschen und machen sie »um Schlachten fett. Am nächsten stehen ihnen wohl die Njem, die aber ihre eigenen Toten verscho­nen und sie im Walde aufrecht an Bäumen fest- gebunden bestatten, angeblich, damit sie sich, tote sie glauben, um so schneller in Leoparden ver­wandeln können. Möglich ist es, daß die tolle Menschenfresserei der Maka sich aus der Fleisch­armut ihres Landes erklärt, in desien Sümpfen man zurzeit keinem Stück Wild begegnet.

volkswirtschaftliches und Soziales.

** Der Streik der städtifcheu Arbeiter in Kiel, der eine zeitlang von den Streikenden mit Anwendung von Gewalt und mit Mafsen- demonstralionen geführt wurde, hat nach acht- wöchentlicher Dauer sein Ende erreicht. Die Arbeiter erklärten sich zur Wiederaufnahme der Arbeit zu den alten Bedingungen bereit.

«rscheiut täglich M Htt$taS*e der Sm» Md Feiertage, viertel- jShAichervtMrprek ohne vringerlohn «nd vestellgeld in Fuldas». »itmw»5rt$t-50inL

verantro- Redaktemr «arlSchAtter fSrdieAnzetgen:

I.ParzeLer in Fulda.

Aus Airche und Schule.

B Rom, 3. Äug. 1909. Der Urteilsspruch des Friedensrichters von Le Mans in Sachen der Fahnen in den päpstlichen Farben hat großes Interesse in den vatikanischen Kreisen und in Rom icherHaupt erregt. Bekanntlich hatte man einige Franzosen dem Gerichte angezeigt, werl sie gelegentlich der Festlichkeiten zu Ehren der Jungfrau von Orleans solche Fahnen ausgestellt hatten. Das angebliche Verbot dieser päpstlichen Fahnen gründet sich auf einer Verordnung aus dem Jahre 1895; diese bestimmte, daß in Frank­reich nur die Fahnen in den Farben der Natio­nen g^ißt werden dürfen. Hauptsächlich richtete sich diese Verordnung gegen die vielen Fahnen der Umsturzparteien, zu denen man auch das

Lilierchanner der französischen Royalisten Pechs» nete. Bereits im Jahre 1901 wurde ein Advokat in Dijon gerichtlich verfolgt, weil er eine päpst­liche Fahne gehißt hatte. Er wurde freigespro- chen. Der Fall hatte so großes Aufsehen gemacht, daß sogar der damalige Justizminister Monis sich an feinen Kollegen der Auswärtigen An- gelegeuheiten wenden mußte, um zu erfahren, wie im internationalen Recht die päpstliche Flagge zu behandeln fei. Die Entscheidung ging dahm, daß diese die Fahne eines Souverains sei. Anders dachte der Prokurator dep Republik von Ls Mans: er erklärte, daß die Zeiten . seit dem Jahre 1901 sich gewaltig geändert hätten; da­mals habe Frankreich noch einen Botschafter tn Rom gehabt; heute beständen keinerlei diploma­tisch^ Beziehungen mehr zwischen Frankreich und dem Vatikan. Diesen Ausführungen trat de» Richter entgegen: er führte aus, daß das Sepa­rationsgesetz zwar die inneren Angelegenherten der Kirche in Frankreich regele, indessen niemals eine Wirkung auf die Stellung haben könne, welche das Papsttum schon vor diesem Gesetz ge­lebt habe. Außerdem werde der Papst von allen Mächten als Souverain behandelt. Es habe somit ein Freispruch zu erfolgen. Diese sc gen. päpstlichen Fahnen waren von gelb- weißer Farbe. Viele. glauben, dies sei die Farbe der Kirche; diese ist indesien gelb-rot gleich der alten kaiserlichen, und auch heute noch ist das Band, welches die päpstlichen Bullen am Siegel befestigt, von dieser Farbe. Die gelb- weiße Farbe ist vielmehr die politische Farbe des Papstes und wurde erst von Pius VII. ein ge­führt, weil Napoleon die bisherigen päpstlichen Farben, die ja auch die kaiserlichen waren, für sich in Anspruch nehmen wollte. Die heutigen Farben der Fahne der Stadt Rom sind noch immer diejenigen der Kirche: gelb und rot.

Ausland.

* Ueber die russische Politik im Osten äußerle sich Iswolsky in CoweS zu Journalisten. Von russischer Seite beabsichtige man die Trup- pen aus Persien sobald als möglich zurück­zuziehen, das heißt, sobald in Täbris, Teheran und Kamin Männer die Verwaltung übernommen hätten, die imstande feien, die unruhigen Elemente im Zaum zu halten. Bezüglich Kretas hoffe er zuversichtlich, auf eine glückliche Beilegung der Schwierigkeiten zur Zufriedenheit aller be­teiligten.

$ Russische Revolutionäre, die wegen polt» tischer Verbrechen bestraft waren, sind, zu mehreren Hunderten, vom Zaren begnadigt worden. Die Begnadigungsurkunde wurde vom Zaren an Bord seiner Jacht bei Cowes unter­zeichnet. Sie stellt einen Versuch dar, den Widerwillen der Engländer und Franzosen gegen den „blutigen" Gast zu mildern.

; Korea ist der Einverleibung in das Reich des Mikado nahe. Telegramme aus Söul melden die Uebcrnahme der bisher mit Japanern und Koreanern gemischt besetzten Justizverwaltung durch Japan allein, ferner die Aufhebung des wrerGlfchen Kriegsministeriums und die Ein­richtung einer Zenlkawü»! für Korea. Bekamit- lich ist Fürst Ito, der in der^Bry-?idlpnq Ko­reas zu viel Milde zeigte, von seinem Posten als Regent vor kurzem abberusen worden. Jetzt geht Japan entschiedener auf sein Ziel los. Das Ende wird Pensionierung des jetzt als japanische Puppe regierenden Kaisers fein und die Einver- letbung des Reiches als japanische Provinz.

nur ein Zehntel unter ffaws Steuer von .....

!H. müssen zwischen 8 und 12 %, 29 v. H. zwischen 12 Md 15 % und 5 v. H. zwischen 15 und 20 % ihres Einkommens als Steuer abführen.

Belastung durch Grundsteuer, Gewerbesteuer usw. ES bedarf keiner weiteren Ausführung, daß sich hieraus eine wesentlich stärkere Belastung, beson- derS der großen Einkommensteuerklasien ergeben würde.

Die mitgeteilteu Zahlen dürsten unwiderleg- lich dartun, daß die Heranziehung der direkten Steuerquellen heute bereits in einem Umfange erfolgt, daß ihre Nutzbarmachung für das Reich, die die Liberalen immer verlangen, in irgendwie erheblichen Maße schlechthin unmöglich ist, wenn nicht den Einzelstaaten und den Kom­munen diese Steuerquellen gerade unterbunden werden sollen. Im großen und ganzen wird das Reich zur Deckung seiner Bedürsnisie auch weiterhin auf die indirekten Steuern ange- wiesen fein.

Manche Blätter liberalerKouleur trieften gerade- au von Frömmigkeil, darunter K. btc ,/Psälz. Presse", deren Artikel an kirchlichen Feiertagen den krassesten Atheismus predigen, während jetzt der frömmste Augenaufschlag dort zu finden war. In Kaiserslautern und auch sonst m der Pfalz brach darob ein stürmisches Gelächter aus." ,

Hier haben die Liberalen 6te Bestätigung über ihre unklare, charakterlose, unaufrichtige Taktik, die ihnen den Hals gebrochen hat._____________

Alle 470 Gemeinden verteilen sich auf die Staaten Preußen, Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen, Großherzogtum Sachsen, Sachsen-Wei- mar, Oldenburg und Braunschweig. Die oben LlNgeführteu Prozentsätze ergeben sich auS einer 'Zusammenzählung der Staats-, Gemeinde- und evangelischen Kirchensteuern, da» Ergebnis ist bei Berücksichtigung der katholischen Kirchensteuern ungefähr daS gleiche. Die Zahlen sind Durch­schnitte; nach oben zu finden sich der kom- «nunale Zuschlag zur Einkommensteuer auf mehr Bl- 150, in 231 aus mehr als 200, in 74 auf aus mehr als 250, in 14 auf mehr als 300, vereinzelt bis aus 425^ Die Kirchensteuerzuschläge betrugen in 103 evangelischen und 153 kalho- Ilifchen Kirchengemeinden mehr als 100%, in 14 -evangelisch n und 18 katholischen mehr als 200% Der Staatssteuer, vereinzelt wurden Zuschläge His zu 420% festgestellt.

Wohl gemerkt ist die vorstehend mitgeteilte ^Belastung nur die Belastung durch die Einkommensteuer; nicht berücksichtigt ist die

(*) Das ausführliche Programm der Katho­likenversammlung in Breslau wird heute, tote vor zwei Wochen angekündigt, im Anzeigen­teile veröffentlicht. Die lange Reihe der dort aufgeführten „besonderen Veranstaltungen", dte von Vereinen und Körperschaften für dte Tage vom 29. August bis zum 1. September neben dem offiziellen Programm vorgesehen sind, können als ein Zeichen dafür gelten, daß der diesjährtge Katholikentag wohl eine gleich rege Teilnahme aufzuweisen haben wird, wie seine Vorgänger. — Auch auf die inzwischen eingetretenen Ver­änderungen in den „Bemerkungen zum Pro- gramm", z. B. betr. Studemtenkarten, fei beson­ders hingewiesen.

♦ Zur Neustadt-Landauer Reichstagswahl f52t die liberale ,Bad. Landeszlg/ ein intereffan- tes Urteil. Sie schreibt;________

„Wenn uns etwas unangenehni bMührp dann ist es der Umstand, daß auf der nationalliberalen Sette da und dort der Bund und sogar leider auch das Zentrum um Wahlhtlfe angegangen wurde. Dem Bund mußte ganz freigestellt werden zu tun, was er für gut findet. Und was das Zentrum betrifft, so sollte, heute, wie die Dinge liegen, ein nationaler Kan­didat jede Zentrumsstimme, die ungebeten auf ihn fallen sollte, als etwas Lästiges empfinden. Da muß es heißen: lieber in Ehren untergehen! Um so ficherer folgt dann der neue Aufschwung, an dem nicht zu zweifeln ist. voS Zentrum allzu laut jubiliert, mßsrr§ daran denken, daß es auch einmal m die Lage kommt, Sitze gegen die Sozialdemokratie verteidigen zu müssen. Dann soll wieder von Sanbau« Neustadt die Rede sein." ....

Für den Haß, dessen ein liberales badtsches Blatt fähig ist, ist diese Außlasiung sehr bezeich- nend. Bald heißt es, lieber Rot als Schwarz, bann wird das Zentrum mit frommem Augen- aufschlag um Unterstützung angebettelt, dann bann heißt eS, man müsse stolz wie ein Spanier lieber untergehen, als um eine einzige ZentrumS- flimme betteln. Die wahre Sachlage bei der verfloßenen Reichstagswahl saßt die »Pfälzer Zeitung' in fo'gende treffende Worte zusammen:

„Au der liberalen Niederlage ist lediglich die liberale Partei, ihre Redner und ihre Pr"- schuld. Niemand anders darf verantwortlich gern, . werden, denn wer so agitiert, wie fie es gerade in diesem Wahlkampfe taten, der braucht sich nicht zu wundern, wenn er beim Entscheidungskampfe feine Unterstützung bekommt. Von der riesenhaften Ko­mödie der Kandidatenaufstellung angefangen bis zum Tage vor der Stichwahl haben die Liberalen im Wahlkreise und darüber hinaus das Maß von Un­geschicklichkeit an den Tag gelegt, welches wir rhnen auf Grund unserer Erfahrung zugetraut haben. Man nehme nur dte Presse. Eie schonte vor der Hauptwahl die Sozialdemokraten und kämpfte wütend gegen das Zentrum. Zwischen Haupt- und Stichwahl drehte sich der Spieß um, da lobte fie sogar das Zentrum und tobte gegen die Sozialdemokratie.

Die Einkommen von 1000 Mark haben nur in wenigen Fällen mehr als 3 •/» zu bezahlen, dagegen in 63 •/» aller Fälle ein bis zwei Prozent und in 27 > aller Fälle 2 bis 3 %. Wesentlich höher sind schon die Einkommen von 3000 Mark belastet. Fast nirgends beträgt der Steuersatz unter 2«/., nur in wenigen Fällen mehr als 7 •/., in der überwiegenden Wehrzahl zwischen 3 und 7 «;«, und zwar beträgt er 4 bis k» °/o in 32 v. H., 5 bis 6 °/e m 3r>'/, v. H., « bis 7 •/« in 12,8 v. H. aller Fälle. Bei den Ein­kommen von 6000 Mark ist der Steuerantell nur Letten unter 5 •/<>, geht andererseits auch nur tn ver­hältnismäßig wenigen Fällen über 9 % hinaus. Hier ließt die Hauptmasse der Belastung zwischen 5 u. 9 •/• vom Einkommen. In 38 v. H. aller Fälle muffen 5 -bis 7 e/o, in 44 v. H. aller Fälle 7 bis 9 •/« des Ein­kommens an Steuern abgeführt werden. Bei den 1£iuiommen von 10000 Mark betragt die Steuer fast durchgängig mehr als 6 "/., 12 über- schreitet sie nur selten. In 38 v. H, aller Fälle liegt sie hier zwischen 6 bis 8 %, nur tn 33 S. H- aller Fälle zwischen 8 bis 10 %, in 17 v. H. aller Falle Zwischen 10 bis 12 •/-. Größer ist die Belastung bei «einem Einkommen von 20 000 Mark. Nur in 17 v. H. aller Fälle bleibt sie unter 7 •;« zurück, da­gegen beträgt sie zwischen 7 dis 9 °/o in 42 v. H. aller Hälle, zwischen 9 und 12 °/e in 37 v. H. aller Fälle. Wei den Einkommen von 40000 Mark sind in fber weitaus überwiegenden Zahl der Fälle, nämlich in Sind 70 v. H., zwischen 8 und 12 % zu bezahlen, nter 8 •;<> bleibt nur ein Viertel, während 5'/. v. H. janehr als 12 % vom Einkommen zu entrichten haben. Wei Einkommen von 70 000 Mark ist es nur ein Siebentel, das weniger als 8 °/o zu bezahlen hat, während 68 v. H. zwischen 8 und 12 %, 17'/, v. H. Sber 12 °/o Steuern zu entrichten haben. Bei den Einkommen von 100000 Mark kM».-bleibt Mur ein Zehntel unter kinex StNisr von 8 »/», 66'/, v.

Deutsches Reich.

X Die Belastung des Einkommens in Deutschland.

Die Denkschrift zur Vorbereitung der Reichs- finanzreform enthält eine dankenswecke Unter­suchung darüber, wie hoch dte Belastung nut Einkommensteuer auf den verschiedenen Ein­kommenstufen im deutschen Reiche ist. Durch eine besondere Enquete ist für 470 Gemeinden mit mehr als 10000 Einwohnern die prozentuale Belastung der verschiedenen Einkommen ermittelt morden. Das Resultat ist folgendes:

Maer W Zeitung

roo<6e«M(ase: «Mustrierte Zonntagrzeitung" Monat-b-iiag«: „zuldaer Geschlchtrblätter"

vermischtes.

* Das Schicksal des „Seestern". Wie schon ge- . .jnelbet war, ist der deutsche Regierungsdampfer iSeeilerii* vöm Neuauinea-Schutzgebiet von emer Fahrt in See nicht zurückZekÄck und seitdeni per­scholl e n. Im Reichskololonialamt betrachtet man den „Seestern" als verloren, da auf der Suche nach dem „Seestern" von dem überfälligen Schiff nichts zu entdecken war. Man nimmt an, daß der Dampfer untergegangen ist. Das Schiff war vom Nord- dentschen Lloyd für eine gewiffe Zeit gecharteck worden; auch die Matrosen waren Angestellte des

vernhard von der Eiche.

Moman von Baronin ©abriele von Schlippenbach. 47] (Nachdruck verboten.)

Ihre Hände berührten sich flüchtig. Sie spra­chen von allerlei gleichgültigen Dingen.^ Es war iso, als ob fie sich gestern noch ge'ehen hätten.

<r „Wie Ines mir sagt, gedenken Sie, jetzt einige Deit in Mon Repos zu bleiben, gnädige Frau. lWerden Sie es nach dem bunten Wechsel Ihrer Eindrücke hier aushalten?"

„Das klingt spöttisch," rief Irmgard, bitte, ^beurteilen Sie mich nicht falsch."

j „Wieso?" fragte er erschreckt, „es liegt mir Lern, Sie zu kränken."

Ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Ich jtveiß es, ich muß Ihnen launisch erscheinen, weil Id) damals so plötzlich abreiste," sagte sie.

’ '■ „Ich messe mir keine Kritik an, ich bin dazu stricht berechtigt, gnädige Frau."

Immer dieser förmliche Ton seinerseits; sie ärgerte sich darüber. „Mißverstehe mich doch stricht l" — so möchte sie es rufen und kann eS dach

Sie schlug einen Trab an. Ihre geschmeidige Westalt sah zu Pferde besonders vorteilhaft aus. Wiche folgte ihr; fie sprengten Seite an Seite zdurch das grüne Waldrevier. Irmgards zuerst Uttvas bleiche Wangen röteten sich. Sie sah bild- gchon aus. Ohne daß er es wußte, sagten es ihr Heine Augen.

!Er fand sie verändert, nicht äußerlich; ihre gliche Erscheinung war dieselbe vielleicht nur, em neuer Ausdruck ht den beweglichen Zü- lag, etwas wie stilles Entsagen, so als habe *u Grobe getragen. Nach und nach beriangfamte Irmgard Gerard ihres Pfer- Tchntt. Sre fand den Mut, über das zu chm, was — sie fühlte es —> gesagt werden iw nannte Luisens Nomen in einer Art, ben Mann an ihrer Seite von drsr warmen

darauf nieder.

Da tut Ines arglos die Frage, die ihrem Bruder auf der Seele brannte: „Wer ist das, Irmgard?"

Ines beutete auf die alte Photographie.

„Mein verstorbener Mann in seiner Jugend/ versetzte Frau Gerard ruhig, „er war früher Offi­zier und stand in Potsdam."

Bernhard zuckte heftig zusammen.

„Denke Wr. dann haben unsere Eltern ihn gekannt;" rief Ines lebhaft. „Vater war Major in Potsdam; ich erinnere mich, dieses Bild in Mamas Album gesehen zu haben."

Ines war so mit dieser Entdeckung beschäf- ligt, daß sie des Bruders Bewegung nicht be­merkte. Er stand auf und trat an das Fenster. Irmgard zögerte etwas, dann folgte sie ihm.

Hier haben Sie schon einmal gestanden, an ihrem Geburtstage, als das Unglück mit dem Kesselbruch sich auf dem Hochofen ereignete.

„Herr Baron, warum so düster?"

Ihre Stimme fragte es neben ihm. Was sollte er antworten? Wußte sie etwas von dem, was ihm immer klarer wurde? War sie eine Mitschuldige des Mannes, dessen Reichtum ihr alle Freuden des Lebens schenkte? Nein, nein, diese Augen konnten nicht lügen; klar und furcht­los blickten fie auf ihn.

„Haden Sie Sorge?" fragte Irmgard, als er stumm blieb.

„Sa," rang es sich gepreßt aus seiner Brust.

Können Sie sie mir nicht anbcrt rauen?" Eine flehende Bitte lag ht ihrem Ton.

Er schüttelte den Kopf. „Es geht nicht, gna- dige Frau." „ , . ___,

„Ist es etwas, was mit dem Hoch»f«twerr in Verbindung steht?" fuhr Irmgard fort.

„Nein gnädige Frau, es hat nrchts bamtt zu w"'Dann ist es etwas, was Sie persönlich be­trifft/ „

^Betrachten Sie mich als Freund, ich möchte Ihnen das tragen helfen, was Sie bedrückt." 8-1

und innig, so wie er Luise geliebt, nein, mit einer verzchrenden Glut, die alles niederwirft, vor der er sich fürchtete. Da half kein Kampf, kein lieber* legen. Einmal mußte die hochgehende Flut den Damm durchbrechen, den Vernunft und Zweifel aufgebaut, — ja, dann würde Vernhard von der Eiche sprechen ,und sollte er ans ihrem Munde ein Nein hören, sollten Eigennutz und Berech­nung dieses Nein diktieren---

Es schwebte etwas wie Gewitterschwüle zwi­schen dem -Hochofenchef »nd Fran Gerard; sie suchten und mieden sich abwechselnd.

„Wird er nicht sprechen," dachte sie, „warum zögert rr noch?"

„Ich warte ein Zeichen ihrer Liebe ab," dachte er, vielleicht tausche ich mich."

Wie jeder Liebende hatte auch Bernhard Zwei­fel; er wurde hin- und hergeworfen zwischen ihnen.--

„Hardy," sagte Ines, „sieh Dir doch dresss Bild an. Ist es nicht dasselbe, das unsere Mutter in ihrem Album hatte? Später war es daraus verschwunden."

Bruder und Schwester waren in Mon Repos; Irmgard war eben aus dem Zirnm-u: gegangen, um etwas anzuordnen. Ihr Photographiealburn lag auf dem Tisch. Ines besah es. Sie reichte Bernhard das Bild hinüber. Es stellte etneh jungen -hübschen Offizier dar, der die Uniform des Majors von der Eiche trug; war es auch der- blaßt und gelblich geworden, durch bte Zett — Bernhard erkannte doch sofock, daß tznes recht hatte. Und wie ein Blitz durchftchr es ihn: „Dre­ier junge Mann und Robert Gervrd sind ein und derselbe Mensch. Es sind dieselben Züge, derselbe schlaue Ausdruck bei beiden; nur treten sie im Alter verschärft hervor.

Und wieder fühlte der Hochofenchef, daß das Geheimnis seines Vaters mit Gerard in Verbin­dung stehen mußte. Irmgards Eintritt laßt ihn den Faden seiner Gedanken nicht weiter spimren: er hielt das Albmn in seinen Händen und blickt

Anteilnahme der Herrin von Mon Repos über­zeugte. Er dankte es ihr in schlichten Worten; ein seines, zartes Band schlang sich von Herzen zu Herzen. —

Der Verkehr zwischen dem Hause des Hochofen- chefs und Frau Gerard war jetzt viel lebhafter, als das erste Mal bei ihrer Anwesenheit in Roh­lingen, und das Bindeglied bildete der kleine Her­bert. Die kinderlose Frau lernte jenes Glück kennen, das ihr versagt ward: sie hörte das leffe Tönen einer Saits, die für jedes echte Weib das reinste Glück in sich schließt.

„Sie verwöhnen meinen Jungen, gnädige Frau," tagte Bernhard eines Tages, als er mit dem Kinde und Ines in Mon Repos neilte und Irmgard den Kleinen mit Spielsachen beschenkt hatte.

„Ach, lassen Sie mir die Freude," bat sie, „Bettie ist ein zu herziger Kerl, ich habe ihn sehr Heb gewonnen." Sie hob de» Knaben auf. Ein warmes Licht strahlte in ihren dunklen Augen. Es war ein reizendes Bild, die schlanke, schöne Frau und der hübsche Bube, der die Aermchen um sie geschlungen hielt und mit seiner zwit­schernden Stimme noch kaum verständliche Worte lallte, die nur ein liebendes Mutterherz verstchen konnte.

eS möglich?" dachte Eiche, „daß dies die- selbe Frou ist, die ich vor zwei Jahren gesehen? Wamm hat sie damals die Maske getragen? Jetzt zeigt« sich ihr wahres Gesicht."

Die ernsten Männeraugen mußten wohl eine magische Kratt haben, Irmgard errötete tief un­ter ihrem Blick, es lag etwas Zwingendes darin. Langsam und befangen hob sie die Wimpern und stand beut Hochofenchef gegenüber. Und er, der fast grollend von ihr geschieden, er, der sich gesagt, daß er der Leidenschaft für diese Frau Nicht nach- geben durste, der sie nieberfämpfte und in der Ehr mit Linse, die ihm das Ideal des WeibeS schien, ein glückliches harmonisches Jahr verlrbte. Bernhard von der Eiche wußte setzt, daß er Irm­gard Gerard, die KkiLwnLrin liebte, -richt ruhig