Fulda, Mittwoch den 4. August 1W9
Jahrgang
M 175.
Zweites Wtcrtt
Weizen
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Leo Stern, Fulda,
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Aus dem Nachbargebiete.
— Oberbimbach, 2. Aug. 1909. Den Gemeinden Unterbimbach, Oberbimbach und Magd los sind vom Landesausschuß in Kassel g« den Kosten der Herstellung neuer Wasserleitungen einmalige Beihilfen von 2600, 2900 und 3600 Mark aus Mitteln der Brandversicherungsanstalt bewilligt worden. Außerdem wurde ihnen zu der gesamten Baukostensumme ein ZinSzuschuß von jährlich 1 Prozent auf die Dauer von 5 Jahren gewährt.
* Schlitz, 3. Aug. 1909. An dem hier zu errichtenden städtischen Elektrizitätswerke wird sich Graf Görz zu Schlitz nicht beteiligen. Er läßt jetzt die Hallenmühle zu einer elektrischen Kraststation umbauen; die nötige Wasserkraft soll durch die Anlage einer Turbine gewonnen werden.
* Gersfeld, 3. Aug. 1909. Die Schloßbrauerei dahier erhöht den Bierpreis von 14 auf 18JJ pro Hektoliter. Die Wirte werden wahrscheinlich
Erscheint tSgttchmtt Ausnahme der $o.m= mid Feiertage, vlertel- jShrlicherve;«grpreis ohne vringerlohn und veftekgeldinZttldaso- wit auswärts 1.50 flli.
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* Warburg, 3. Aug. 1969. Am 31. Juli vormittags wurden die vor einen Wagen gespannten beiden Pferde des Herrn Vesper tcheu und rannten in das Haus des Malermeisters Beine. Die Frau, die sich im Zimmer befand, wurde durch einen Glassplitter schwer verletzt; Vesper erlitt schwere Verletzungen, ebenso die beiden Pferde. Das Haus wurde stark beschädigt.
* Weinheim a. d. Bergstraße, 3. August 1969. Vorgestern mittag waren die Arbeiter der Hildebrandt'schen Mühle damit beschäftigt, einen neuen Walzgang aufzustellen. Dabei brach das Auszugsgerüst und die Walze siel dem Arbeiter Weber auf den Kopf; er war sofort lot. Ein zweiter Arbeiter wurde tödlich, ein dritter schwer verletzt.
* Fritzlar, 3. Aug. 1909. Nach der ,Fritz- larer Ztg.' hat der Vorstand der Kreissparkasse Fritzlar beschlossen, vom 1. Januar 1910 ab den Zinsfuß für Einlagen und Ausgaben um Vs % herabzusetzen.
Handel und Industrie.
. „A" Berlin, 3. August 1909. Infolge der osfi- zrellen Richtigstellung der bei der South African Teriltories Co. gemachten Diamantenfunde gingen
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* Die französischen Kirchenfeinde sind unermüdlich in der Anordnung von Gewaltmaßregeln. In Murat in Südsrankreich ereigneten sich wegen des vom Maire erlasienen Verbots einer zu Ehren der Jeanne d'Arc geplanten Prozession große Unruhen. Der Prozessionszug wurde trotz Verbots in Szene gesetzt. Bei dem Zusammenstoß mit der Gendarmerie kam es zu einer wüsten Schlägerei, wobei das Banner der Jungfrau, das die Gendarmen konfiszieren wollten, in Fetzen geriffen wurde.
Rurzer Setreide-wochenbericht der Preisberichtsjtelle des deutschen Landwirtschafts- rats vom 27. Juli bis 2. August 1909.
Das Ergebnis der am 1. August seitens der Preisberichtstelle borgnommenen Ernteschätzung, wobei die Zahl 100 eine gute Mittelernte darstellt,
Weizen Roggen Hafer 275 (+ 5 ) 193 193 (— 1 )
196 (4- 2 ) 216 (4-3 ) 1 ) 197 210
ist für Winterroggen 96,6 gegen 92,2 am 1. Juli d. I., Winterweizen 89,0 gegen 99,7 am 1. Au- gust 1908, Sommerweizen 95.4 (94,5), Winterspelz 98,6 (99,9), Gerste 99,3 (91,7), Hafer 100,8 (88,1), Kleeheu 68,5 und Wiefenhm 66,4. Haben die reichen Niederschläge im Juli die Ent- wickslnng sämtlicher Feldfrüchte sonach günstig beeinflußt, so wäre jetzt warme und trockene Witterung nötig, wenn sich die Erwartungen auf eine gute Ernte auch in qualitativer Hinsicht erfüllen fallen. Leiden haben die ohnchin Mv verspäteten Erntearbeiten in der Berichtswoche wieder unterbrochen werden müssen. Diese neuerliche Verzögerung und die Befürchtung, daß die sich infolgedessen immer mehr zusammen- drängsnden Arbeiten den Landwirten zunächst wenig Zeit zum Verkauf übrig lassen dürften, haben im Gegensatz zum Auslande an den deutschen Märkten in der letzten Woche eine recht feste Stimmung 8iim Durchbruch kommen lassen und die Kauflust für alte Ware kräftig angeregt. Besonders lebhaftes Interesse bestand für alten Roggen, und da solcher nur noch in geringen Mengen aufzutreiben ist, so machte man auch von den russischen Angeboten in stärkerem Maße Gebrauch. Gleichzeitig reflektierte auch Skandinavien auf bald lieferbaren deutschen Roggen und bewilligte hohe Preise. Wie sich das Exportgeschäft in neuer Ware entwickeln wird, dürfte einerseits von der russischen Konkurrenz, andererseits von der Qualität unserer Ernte abhängen. Aber gerade in dieser Beziehung tauchen in letzter Zeit Befürchtungen auf, und daraus erklärt es sich, daß die Verkäufer augenblicklich besondere Vorsicht walten lassen. Die Auffassung, daß vor 3—4 Wochen mit stärkerem Wei- zeuangebot vom Inlands auch nicht zu rechnen sein dürfte, hat das Interesse für das in letzter Zeit wesentlich ermäßigte Auslandsangebot wieder stärker hervortreten lassen, und so erklärt sich das in der Preisbewegung zum Ausdruck kom- wende Bestreben, eine Annäherung des Herbstpreises an die Weltmarktparität herbeizuführen. Auf die Preisgestaltung für alten Hafer haben die guten Ernteaussichten zunächst keinen Einfluß, und wenn sich der Konsum auch nach Möglichkeit einschränkt, so müssen bei dem herrschen- den Mangel an Ware int Bedarfsfall« sogar erhöhte Forderungen bewilligt werden. Futtep- gerste war in greifbarer Ware fest Und auch per Herbst „ entwickelte sich ein lebhaftes Geschäft. Auch für Mais schien sich der Konsum zuletzt mehr zu interessieren.
Es stellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage in Marr pro 1000 Kilogr. je nach Qualität, wobei das Mehr (-f-) bezw. Weniger (— gegenüber der Vorwoche in Klammern 0 beigefügt ist wie folgt:
vermischtes.
* De« 150. Jahrestag der Schlacht bei Minden, in der friederizianische, englische und auch hessische Truppen unter dem tapferen Generalfeldmarschall Ferdinand von Preußen die Franzosen aufs Haupt schlugen, hat der 1. August gebracht. In Minden fand eine militärische Gedenkfeier statt. Recht interessant ist, daß auch englische Offiziere die Absicht hatten, sich an dieser zu beteiligen, sie aber auf Befehl ihrer Regierung anfgeben mußten.
* Eine harte, aber gerechte Strafe erhielt ein Automobilist, der sich vor der Strafkammer in Lüttich zu verantworten hatte. Am 13. Mai fuhr das Automobil eines Herrn G., von diesem selbst geführt, gegen eine Mauer, die ein Eisenbahngleis von der Schossee abschloß. Dabei wurde ein lOjähr. Mädchen, das sich gegen die Mauer gestellt hatte, zermalmt und einem dreijährigen Knaben ein Bein gebrochen. Der Automobilist hat bereits eine Entschädigungssumme von ungefähr 40 000 Franks beHahllln müssen. Die Strafkammer verurteilte ihn zu sechs Monaten Gefängnis und 100 Franks Geldstrafe.
* Auch ohne Motorschrittmacher sind die Radrennen nicht ungefährlich. In Aachen stürzte bei einem Radrennen infolge Gabelbruchs der holländisch« Schrittmarbar Wolters aus Aachen eine Gehirnerschütterung und erhebliche Verletzungen.
Literarisches.
Das Einmachen der Früchte in 260 erprobten Haue- rezepten von Maria Aabel. 25. stark vermehrte Jubiläums-Auflage, zweite Ausgabe. Preis 1 Mk., gebunden 1,50 Mk. Gotha, P, Hartung's Verlag.
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Deutscher Keich.
* Die Karriere eines Prinzen. Wie schnell Prinzen Kenntnisse und Erfahrungen sich aneig- len, die jeder andere Staubgeborene erst in Wochen, Monden oder Jahren erwirbt, dafür gibt folgende Meldung Beweis: „Der Landrat des Kreises Frankenstein (Schlesien) ist bis zum 7. September beurlaubt und wird durch den Kreisdeputierten Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen vertreten. Der Prinz hat die landrätlichen Geschäfte bereits übernommen. Wie verlautet, wird der Prinz demnächst zum Landrat des Kreises Frankenstein oder des Kreises Glatz ernannt werden." — Prinz Friedrich Wilhelm ist erst vor wenigen Tagen Amtsoorsteher in Kamenz geworden, demnächst rückt er also zum Landrat vor. Wann wird er Oberpräsident sein?
* Koburg, 2. Aug. 1909. Für die Reichstagsersatzwahl ist bekanntlich als national liberaler Kandidat Dr. Hermann Quarck, der Sohn des verstorbenen Vertreters dieses Wahl- kreises, mit Zustimmung und mit Hilfe des Bundes der Landwirte aufgestellt worden. Mit der liberalen „Einigung" ist e4 demnach also vorläufig nichts. Die Freisinnige Volkspartei in Koburg hat die Unterstützung Dr. Quarcks verweigert. Die ,Voff. Ztgck hofft noch, daß der nationalliberale Kandidat Quarck nötigenfalls „im Interesse der Sache" von seiner Kandidatur zurücktreten werde, um ein Zusammengehen zwischen Nationalliberalen und Freisinnigen zu ermöglichen.
1921/,(— 2V») 210
München 298 (— 6 ) 190 (-4- 2 ) 223 (— 8 ) Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Sept. 229.75 (4- 3.50), Oktober 226.25 (-1- 3.50), Budapest Oktober 233.35 (4- 4.25), Liverpool Sept. 186.40 (— 2.10), Chicago Sept. 160.75 (— 1.85), Roggen: Berlin Sept. 183.00 <4- 2.50), Okk. 180.25 (4- 0.50), Hafer Berlin September 167.00 (4- 1.50) Mark per 100t Kilogramm.
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die Kolonialwerte an der heutigen Börse ein wenig herunter. Dagegen wurden die Montanwerte nach und nach fester. Der ziemlich fest eröffnete Weizen- markt litt unter Käufermangel. Weizen für Sept. 230-230,35- 229,25, Roggen für September 184,50—184.
Märkte.
' Frankfurt, 2. Aug. 1909. (Getreidemarkt.) Am heutigen Markte war das Geschäft sehr ruhig. Der Konsum verhält sich sehr zurückhaltend und kauft nur das Allernotwendigste. Neuer Roggen war erstmals migcbottn, doch lassen die Quantitäten noch zu wünschen übrig. Hafer bleibt gesucht und fest. Futtergerste ruhiger, sie notiert 14,30—15.00 Mark. Mais stetig. — Die Notierungen sind je nach Qualität: Weizen hies. u. Wetterauer, 00.00 - 00.00 Mk. kurhess. 00.00- 00.00 Mark, norddeutscher 00.00—00.00 Mk., russ. 26.75-27.50 M., Redwinter 00.00—00.00 Mk., Kansas 00.00-00.00 Mk., La Plata 26.75-27.50 Mk., Rumän. 26.75—27.50 Mark, Roggen, hiesiger, 18.75 bis 19.00 Mk., russischer 00.00-00.00 Ml., rumänischer 00.00—09.00 Mk., Gerste hies. u. Wetterauer 00.00-09.00 Mark, Pfälzer 00.00- 90.00 M., Ried 00.00—00.00 M., Hafer, hies. 20.00-21.00 Mk., bayer. 20.00—21.00 Mk., württbg. 00.00-00.00 Mk., russischer 19.50—20.50 Mk., rmnän. 00.00 - 00.00 Mk., La Plata 19.00—20.50 Mk., Mais (Mixed) 00.00-00.00 M„ russ. 17.00—17.25 M., Donaumais 18.00-18.10 M., La Plata 16.50—16.75 Mk. Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl: ruhig. Weizenmehl Nr. 0 35.50—00.00 M., Nr. 1 34.00 00.00 Mark, Nr. 2 33.00 - 00.00 M , Nr. 8 32.00-00.00 Mk., feinere Marken 0.50—1.06 M. höher. Roggenmehl Nr. 0 27.00—27.50 M., Nr. 1 24.00-24.50 M., Nr. 2 20.00-00.00 M. Alles per 100 Kilo inklusive Sack loko hier. Futtermittel: stetig. Weizenschalen 10.90-11.00 Mk, Weizenkleie 10.75-11.00 Mark, Roggenkleie 11.50—11.75 Mark, Futtermehl 13.09-00.00 M , Biertreber, getrocknet, 12.75-13.00 Mark. Alles per 100 Kilo netto effektiv loko hier.
* Frankfurt a. M., 2. Aug. 1909. Amtliche Notierung der Viehmarkt-Preise. Zum Verkauf standen 420 Ochsen, 52 Bullen, 912 Kühe unv Jungrinder, -70 Kälber, 157 Schafe und Hämmel und 1512 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen: a. vollfleischige, auSgemästete höchsten Schlacht- wertes bis zu 6 Jahren 80—82 M., b. junge fleischige nicht ausgemästete und älrere ausgemästete 76—78 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 64-66 M., d. gering genährte jeden Alters 00—00 9JL Bullen: a. voilfleischige höchsten Schlachtwertes 63—65 Mark, h. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 59—61 Mk., c. gering genährte 00—00 Mark. Kühe und Jungrinder: a. vollfleischige, ausgemästete Jungrinder höchsten Schlachtwertes 72—74 Mark, b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlacht- wertes bis zu 7 Jahren 62 bis 64 Mark, c. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Jungrinder 46 bis 48 M., d. mäßig genährte Kühe und Jungrinder 00—00 M., e. gering genährte Kühe u. Jungrinder 00—00 M. Bezahlt wurde für 1 Pfd. Schlachtgewicht: Kälber: a. feinste Mast- (VoUmilchmast) und beste Saugkälber 86—92 Pfg., b. mittlere Mast- und gute Saugkälber 76—82 Pfg., e. geringe Saugkälber 70 —74 Psg„ d. ältere, gering genährte Kälber (Fresser) 00-4)0 Pfg. Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Masthämmel 78—80 Pfg., b. ältere Masthämmel 68—72 Pfg., c. mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merz-Schase) 00—00. Schweine- a. vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Aller bis zu 1'/« Jahren 77 —79 Pfg., b. fiesi chige 76—00 Pfg., c. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 68—75 Pfg., d. ausländische Schweine (unter Angabe der Herkunft) 00— 00 Pfg.. Bezahlt würbe für 1 Pfund Lebendgewicht: Ochsen 00-00 Pf., Kälber: a. 50-54 Pfg., b. 45—48 Pfg., c. 40—44 Pfg., Schweine a. 61—61V» Pfg., b. fleischige 60 — 60V» Pfg. Geschäftsgang in allen Gattungen gut, Ueberstand keiner. Aus Oesterreich-Ungarn standen 42 Ochsen zum Verkauf.
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