ZMaer W Zeitung
Monatrbeilage: „SulbttCt GeschichtsbMek"
SZÄ«. MchEaxe: .Mustriefte Sonntagszettung"
Lnzrige«: Vie de« fpalttgepetttzelleoder deren Raum 15 Pfg. ReUamendiepetitzeil« 25 Pfg., bei Wiederholungen wird entspr.
Rabatt gewahrt.
Sotationsdruckund Verlag der Lukdaer M- tiendruckerei in Lulda Zernsprecher Rr. 9.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Zomi- «ndLeirrtage-viertel- MrNcherv«zUgrpre!r ohne vringerlohn und Bestellgeld in Zuldafs- Wie auswärts 1.50 Mit verantw. Redatteur, «arl Schiitter
Fulda, Mittwoch den 4. August 1909.
M 175.
36. Jahrgang.
Kustes Wtcrtt.
0 Die liberale Zukunft.
Unsere Liberalen haben einen Glauben, der ?9erge ersehen könnte. Sie glauben an die Zukunft ihrer Partei noch und wenn sie schon in den letzten Zügen liegt. Ke schlimmer es ihnen geht, um so felsenfester sind sie von großen kommenden Tagen überzeugt, um so weiter sehen sie den Himmel offen und um so entzückter schwelgt ihr Herz in Seligkeit. Wenn die Not am größten, dann soll allemal die „große liberale Partei" am nächsten sein.
Herr Wiemer rief im Reichstage aus, die jetzige Niederlage werde die Mutter des zukünftigen Sieges sein, und in dem Augenblicke, wo die Wahl in Neustadt-Landait alles andere als einen siegreichen Vormarsch des liberalen Gedankens kundgetan hat, veröffentlicht der freisinnige Abgeordnete Professor Eickhoff im „Tag" einen hofsnungsfrohen Artikel über die Zukunft des Liberalismus. Unter dem Eindruck von Neu- sladt-Landau hört es sich wirklich wie Selbstverhöhnung an, wenn Herr Eickhoff sagt:
Der Liberalismus Hal eine Niederlage eiltiten- .Ibft der Abgeordnete, der in seine Heimat zurück- iriaie und sich auch sonst im Vaterlands umzusehen > nd umzuhören Gelegenheit halte, merkt nichts davon! Zm Gegenteil, überall herrscht in den liberalen Reihen eine kampfessrohe, zuversichtliche Stimmung; man fühlt, daß diese Niederlage die letzte gewesen ist; man beginnt sich aufs neue zu rüsten, um spätestens in zwei bis drei Jahren mit der Partei abzurechnen, von der Füist Bülow sagte, daß sie mit den Interessen des Landes und der Monarchie ein frivoles Spiel gespielt habe.
Die Probe auf das Exempel haben wir am Freitag gesehen. Die Hoffnungsfreudigkeit der Liberalen gründet sich in der Hauptsache darauf, daß augenblicklich wieder einmal Einigung s- lesirebungen zwischen den linksliberalen 1 wen im Gange sind. Auch Herr Eickhoff spricht davon. Wenn er aber verlangt, daß die neue Partei den Namen und die Organisationen der Freisinnigen Polkspartei als Grundbestandteile übernehmen müsse, so muß er sich bei einigem Nachdenken selber sagen, daß solche Bedin- gungen die gewünschte Einigung nur erschweren können; denn sie sind gleichbedeutend mit der Forderung, daß die beiden anderen linksliberalen Parteien einfach in die Volkspartei übergehen oslletl. Noch allem, rvas bekannt geworden ist, haben diese Parteien aber dazu wenig Neigung. Nimmt man hinzu, daß schwerwiegende Bedenken aus sachlichen und persönlichen Rücksichten gegen die Einigung bestehen, so wird man es uns nicht übel nehmen können, wenn wir an die „Elniguug" nicht eher glauben, als bis sie da ist. Aber auch, loeim sie da ist, ist die große liberale Partei noch lange iticht vorhanden. Herr Eickhoff bemerkt mit Recht: „Ohne die national- liberale Partei wird dec Liberalismus nie- inals die Macht erringen können." Bei den Na- tioualliberalün hat man aber bislang wenig Neigung, in die „große liberale Partei" aufzugehen. merken können. Bezeichnend dafür sind die Vorgänge in Koburg, wo bei der Reichstagsersatzwahl Nationalliberale und Bündler zusam- inengehen und die Freisinnigen einen eigenen .Kandidaten aufstellen wollen.
Wenn etivas Aussicht auf Verwirklichung hat, .dann ist es das. daß der ganze Liberalismus allmählich von der Sozialdemokratie aufgefressen wird. Dann gibt es keine große liberale Partei, sondern eine noch größere rote Partei. ,Km Lager der Sozialdemokraten reibt man sich -über den jetzigen liberalen Feldzug gegen den ^schwarzen Block" und gegen die angeblich so
Bernhard von der Eiche.
Roman von Baronin Gabriele von Schlippenbach-
46] (Nachdruck verboten.)
Ein und ein halbes Jahr waren seitdem vergangen. Ter kleine Herbert war ein strammes Bübchen gelvorden ,das seiner Tailte überall nachlief, dessen Sprechversuche so drollig waren, daß der ernste Vater über den herzigen Schelm lächeln mutzte.
Bertie glich den Eiches, hatte aber auch etivas von seiner Mutter. Er war ein reizendes, kleines Menschleim und beachte wieder Licht urrd Lel'en in das stille Haus des Hochofenchefs.
Es ist gut, daß die Zeit jeden Schmerz ab- tont, daß die tiefen Wunden heilen, die der Tod schlägt. Bernhard war zu jung; er stand in der Blüte seiner Mannesjahre. Die Arbeit, die er hatte, beanspruchte fein Interesse und sie befriedigte ihn immer mehr, seit das Hochofenwerk unter ferner Leitung gedieh. Die Produktion war groß, der Ruf Rößlingens verbreitete sich und b« Name dessen wurde genannt, der die große Arbeit auf seine kraftvollen Schultern genommen hatte.
Sonntags wanderten Ines und ihr Bruder oft -um Friedhof im Wald hinaus, wo Luisens Grab Ünter den hohen Bäumen lag und ein weißes Mvnnvrkrouz in goldenen Buchstaben folgende Inschrift trug:
»o^use von der Eick-e, dreiundzwanzig Jahre alt."
Jetzt brachte Ines auch den kleinen Herbert dorthin. Eines Tages im Mai saß sie wieder mit bDn Kinde auf der Bank neben dem stillen Hü- M. Sie hatten die ersten Blumen aus dem Garten gebracht: weiße Narzissen und Hyazin- rhen. Ines war so tief in Gedanken versunken, pöß Re erst aufsah, als Bertie Re am Kleide rupfte.
„Da," sagte er und wies mit den kleinen Hän- auf eine hohe Frauengestalt die eben durch Die Krrchbofspforte trat und sich zögernd näherte.
miserable Finanzreform vergnügt die Hände; man weiß, daß es kein besseres Mittel gibt, der sozialdemokrattschen Partei neue Rekruten zuzuführen. Haben die Liberalen ihr Publikum erst in die gewünschte „Entrüstung" über die neuere Entwickelung unserer Politik gebracht, so wird sich für die so bearbeiteten Wähler schließlich kein anderer passender Zufluchtsort mehr finden als das sozialdemokratische Lager,
Deutsches Reich.
** Berlin, 3. Aug. 1909. Der Bundesrat hat die Ue bergan gsabgabe von dem an die Norddeutsche Brausteuergemeinschaft aus Bayern, Württemberg, Baden und Elsaß-Lothringen eingeführten Biere mit Wirkung vom 1. August 1909 ab auf 5 Mark für 1 Hektoliter festgesetzt.
♦ Der Kaiser traf gestern nachmittag von seiner Nordlandreise in S w i n e m ü n d e ein und und begibt sich, wie schon gemeldet, von dort am Samstag zur Begrüßung des Zarenpaares nach Kiel. In Begleitung beider Monarchen werden sich keine Minister besinden. — Dienstag abend reiste der Reichskanzler v. Bethmann-Holl- weg zum Vortrage beim Kaiser nach Swine- münde.
)( Den deutschen Botschafter in Paris, Fürsten Radolin, will man wieder seinen Posten verlaffen machen. Diesmal ist es der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Frhr. v. Schoen, der von der Presse als sein Nachfolger auserfehen wird. Daß Fürst Rgdolin während seiner langjährigen, erfolgreichen Tätigkeit im diplomatischen Dienste sich nicht die Sympathie mancher Kreise erworben hat, weil er nach diesen mit dem — Zentrum sympathisiert, ist bekannt. Aber daraus dürfen sie doch nicht schließen, daß der Kaiser nun nichts anderes zu tun habe, a'S den greisen Botschafter von seinem Posten abzuberusen. Daß Fürst Radolin nicht mehr lange im diplomatischen Dienste bleiben kann, ist schon aus dem hohen Alter des Diplomaten erklärlich. Aber an einen Wechsel im gegenwättigen Zeitpunkte ist nicht zu denken.
X Unterstützung arbeitsloser Tabakarbeiter. Der Bundesrat hat die Bestimmungen festgesetzt, wie und unter welchen Bedingungen Tabakarbeiter, die durch die Einführung der neuen Tabaksteuer und die dieser voraussichtlich folgende beträchtliche Produktionseinschränkung arbeitslos werden, die ihnen infolge eines Zentrumsantrages durch das Gesetz zugebilligte Entschädigung erlangen können. Die Bestimmungen besagen u. a.:
„Tabakarbeiter und Hausarbeiter die Anspruch auf Unterstützung erheben, haben ihre Gesuche bei dem Hauptzo llamt ihres Bezirkes schriftlich einzureichen. Wird der Anspruch auf Unterstützung als berechtigt erkannt, so ist in dem Falle der Arbeitslosigkeit eine wöchentliche Unterstützung in Höhe vvn drei Vierteilen des im Durchschnitte des Vorjahres im Tabakgewerbe verdienten Wochenlohnes zu zahlen. In geeigneten Fällen kann die Zolldirektivbehörde die be- wMigte Unterstützung auf den vollen Betrag des früheren Durchschnittslohnes erhöhen. Liegt nur eine Verdienst'chädigung vor, so kann die zu bewilligende Unterstützung so hoch bemessen werden, daß sie zusammen mit dem jeweils bezogenen Wochenlohne drei Vierteile des von dem Gesuchsteller im letzten Jahre im Tabakgewerbe durchschnittlich verdienten Wochenlohnes erreicht. Die Unterstützung kann bis zu einem Zeitraum von höchstens zwei 3 Aien bewilligt werden. Die gewährte Unterstützung hat für den Empfänger nicht die Bedeutung einer Armenunterstützung aus öffentlichen Mitteln im Sinne des Wahlgesetzes für den Reichstag."
„Irmgard, wo kommst Du her?" rief Ines erstaunt.
„Ich bin heute früh in Mon Repos an gekommen," versetzte Frau Gerard, die Freundin umarmend, „willst Du diese Blumen auf dem Grabe — auf hem Grabe — Frau Luisens von der Eiche ordnen?"
Sie hielt Ines einen Korb mit auserlesen schönen .fchneerveiißen Blumen hin. Irmgards Blicke richten auf dem Marmorkreuz und dem grünumrankten Hügel. Also hier hatte Bernhard von der Eiche sein junges Weib zur Ruhe gebracht, hier hatte der Schmerz um sie sein stolzes Haupt gebeugt. —
Eine kleine Hand zupfte Irmgard am Kleide.
„Oppa," sagte Bertie und stteckte ihr zutraulich die Aermchen entgegen.
Sie beugte sich zu ihm nieder und hob ihn auf, ihn, sein Kind! Mit einem hungrigen Blick musterte sie das Gesicht des Knaben. Sie entdeckte die Achnlichkeit mit dem Vater. Aber auch von der verstorbenen Mutter waren Züge da. Es war dasselbe braune weiche Haar, das sich in Ringeln locktet derseSbe Zug um den fälschen Mund. Wie mußte Bernhard das Kind lieben, westhes Glück lag in seinem Besitz! Und sie, die dort in kühler Erde ruhte, sie hatte es ihm schenken dürfen, ihr Andenken lebte in chrem Sohne weiter.
Ines kniete am Hügel und verteilte die Blumen. Irmgard stteichelte des Buben Köpfchen und küßte die reine, weiße Stirn Betties. Ihr war so weh zu Mute und so wohl. Nicht länger batte sie es fern von Rohlingen geduldet, es zog sie gewaltsam dorthin zurück, wo sie den Mann wußte, der ihr ein Interesse eingeflößt hatte, das sich zur Liebe steigerte.
Als Irmgard seinerzeit die Nmhricht von Eiches Verlobung erhielt, als sie später durch einen Brief von Ines hörte, daß ihr Bruder und Luise verheiratet und glücklich waren, da vermied die reiche Frau sogar den Gedanken an den Hoch-
)( Die Berufsehre der Handlungsgehilfen wird jetzt.aufsTapet gebracht, umdemHansa- bunde neue Mitglieder zuzuführen. So heißt es in einer Aufforderung, die mehrere Vorsitzende kaufmännischer Vereine ergehen lassen:
„Wir sind der Ansicht, daß in dem wirtschaftspolitischen Kampfe der Handlungsgehilfe der natürliche Bundesgenosse des Geschäftsinhabers ist, und erachten es deshalb für jeden Handlungsgehilfen und für jeden kaufmännischen und technischen Betriebsbeamten als ein unbedingtes Gebot der Verufsehre, Mitglied des Hansabundes zu werden und zur Verwirklichung der Ziele desselben mitzuarbeiten."
Nach Ansicht der Herren scheint die Berufsehre der Handlungsgehilfen nur in untertänigster Unterwerfung unter den Willen ihrer Brotgeber zu bestehen.
■-%- „Klerikale Steuerdrücker". Die „Freis. Ztg." hat vor einigen Tagen mit großem Be- Hagen die Mitteilung gebracht, daß unter den Aktiengesellschaften, die durch vorzeitige Ausgabe von Zinsscheinbogen der Talonsteuer zu entgehen trachteten, sich auch die Aktiengesellschaft „Hotel zum König von England" in Münster besiude, zu deren Aktionären eine Reihe mit Namen genannter katholischer Adliger (Herzog von Aren- berg usw.) gehöre. Diese Meldung ist natürlich von der ganzen gegnerischen Presse übernommen und als „klerikale Steuerdrückerei" in bekannter gehässiger Weise ausgeschlachtet roorben. Die „Freis. Ztg." muß nun eine Berichtigung ausnehmen, in der die genannte Gesellschaft erklärt, daß keiner der genannten Herren Aktionäre der Gefellfchast sei und daß sämtliche genannte Namen dem von der Gesellschaft erlassenen Inserate im „Münst. Anz." völlig fern ständen. Die „Freis. Ztg." will sich weiteres vorbehalten und bemerkt, daß ihr Gewährsmann ihr als durchaus zuverlässig bekannt war. Auch wir sind der Meinung, daß das Blatt alle Veranlassung hat, sich zu äußern, wie es zu der falschen Darstellung gekommen ist, wenngleich wir verstehen, daß es auf ein so gefundenes Fressen nicht gern verzichten wird. Es wird interessant fein, zu sehen, ob auch die Blätter, welche die Mitteilung der „Freis. Ztg." kolportiert haben, von der Richtigstellung Notiz nehmen werden.
-f- Hansabund und Sozialdemokraten. In den letzten Tagen ging eine Meldung durch die Presse, der zufolge in Straßburg i. E. auch ein sozialdemokratischer Handlungsgehilfe in den Vorstand gewählt worden sei. Die ,Berl. Neueste Nachr/, eines der Leibblätter des Hansabundes, sind darüber ganz aus dem Häuschen geraten und fordern den Hansabund auf, „dieser Ente — vorausgesetzt, daß sie eine ist — baldigst den Garaus zu machen. Wir finden es gar nicht so sonderbar, daß in dem Hansabunde auch die Sozialdemokraten vertreten sind, denn die Sozialdemokratie hat doch den liberalen Parteien in der Bekämpfung der Steuerpolitik des sog. neuen Blocks, die ja auch den Hansabund ins Leben gerufen hat, treu zur Seite gestanden.
* Ein Vorwurf wegen Steuerhinterziehung des flachen Landes ist durch die öffentliche Abbitte des Autors einer solchen falschen Meldung hinfällig geworden. Es bekennt da ein Rendant Z,, eine Notiz im Breslauer General - Anzeiger unter der Ueberschrift „Steuereinschätzung auf dem Lande" veranlaßt und teilweise verfaßt zu haben, durch deren Inhalt sich Oberamtmann Sch. auf Sp. beleidigt fühlen mußte. Herr Z. gibt in
ofenchtt. Sie zog einen Strich unter die Vergangenheit, und preßte ihr blutendes Herz zusam- men. Frau Gerard wanderte von Ort zu Ott. Sie saü die herrlichsten Gegenden, bunte Geselligkeit nahm sie in den Städten in Anspruch, aber eine Stelle blieb immer leer in ihrer Brust. Armselig uitd weltfremd lag das kleine Luxemburger Dorf da und doch kehrten ihre sehnsüchtigen Träume dorthrn zurück .nachdem sie die Trauerkunde ereilte. Sie hatte ein brennendes Heimweh nad) Röstlingen, nach dem Hochofettwerk mit seinen Schlockenbergen, nach den Feuern, die den Nachthimmel blutig rot färbten, wenn die flüssige Schlacke ausgegossen wurde in Deutsch-Oth, Villerupt und in Röstlingen, wo Eiche dem Heer der Arbeiter gebot. Impulsiv, wie Irmgard zu handeln pflegte, reiste sie von Berlin Tag und Nacht, bis sie im Morgengrauen Mvn Repos erreichte. Sie hatte niemand vorher benachrichttgt, so sand sie auf der Bahnstation nur das bescheidene Wägelchen Backers vor. Sie bestteg es, ihm strenges Schweigen anempfehlend, und es mit einem Zehnmarkstück erkaufend.
„Wie heißt der Kleine?" fragte Irmgard, das strampelnde Kind zu Boden setzend.
„Herbert-Bernhard," antwortete Ines und auf den Hügel weisend, fügte sie hinzu: „Sie hat es so gewollt."
Irmgard Gerard schlang den Arm um das junge Mädchen. Der ganze Zauber, der ihrer Persönlichkeit eigen war, machte sich geltend, als sie in herzlicher, einfacher Art noch Luise fragte. Auch über sich selbst sprach sie offener als früher; etwas Trauttges klang hindurch, es berührte Ines sonderbar.
„Bleibst Du jetzt in Mon Repos, Irmgard?" „Ja, ich habe das Umherreisen satt. Mitten im bunten Wechsel der Szenen überkam es mich oft wie Heimweh nach dem kleinen, stillen Ort. Meine gute Körner, die Dienstboten und das Gepäck kommen heute an. Ich werde mich wieder gemütlich einttchten und bitte Dich, oft mit Her
seiner Abbitte zu, von seinem Gewährsmann belogen worden zu fein, aber auch selbst leichtfertig gehandelt zu haben. Er. bittet um Verzeihung und bezahlt 50 Mark als Buße.
)( Der bevorstehende Katholikentag i« Breslau hat den „Tatendrang" der Sozial- demokralie wachgerufen. Man erfährt nämlich, daß in Breslau für die Zeit vom 29. August bis 2. September eine „große sozialdemokratische Gegendemonstration" geplant ist. — Jeder blamiert sich, so gut er kann.
4- Das .Berliner Tageblattt macht sich die Polemik eigentlich etwas arg leicht. In der bekannten Broschüre „Zentrum und Reichsfinanzreform" wird die Vorgeschichte der Finanzreform erläutert und ausgesührt, wie die Finanzmiß- wirtschaft des Blocks die große Steuernot des Reiches verschuldet hat. Dagegen schreibt das ,Berliner Tageblatt':
„Dabei trifft doch in jeder Weise die Hauptschuld, soweit von einer solchen gesprochen werden kann, das Zentrum und seine berühmte Franckensteinsche Klausel. Auf Grund der clausula ftranckenstein haben die Bundesstaaten von 1883—1898 nicht nur keine Matrikularbeiträge bezahlt, sondern aus den Zollüberschüffen noch mehr als eine halbe Milliarde herausbezahlt de.ommen. Ohne diese Klausel würden heute wahrscheinlich die Reichsfinanzen weniger zerrüttet sein."
Wenn man das liest, muß man glauben, daß die Ueberweisungen an die Bundesstaaten die letzte Finanzmisere verschuldet haben. , Wie das möglich sein kann, bleibt das Geheimnis der Redaktion des .Berliner Tageblattes'. Jeder einsichlige Politiker weiß, daß bis 1900 die clausula Franckenstein ihren Zweck, die Hinzielung auf Sparfimkett, tatsächlich bestens erfüllt hat, daß aber seit 1900 sie einen wirksamen Einfluß auf die Gestaltung unserer Reichsfinanzen absolut nicht mehr ausübt. Daß das Reich im letzten Jahre eine halbe Milliarde neuer Einnahmen notwendig hatte, daran hat wirklich nichts weniger die Schuld als die vielgenannte und viel verleumdete, aber recht wenig in ihrer Bedeutung bekannte clausula Franckenstein.
* Mit den neuen Diamanten - Funden in Deutsch-Südwestafrika scheint es, wie wir gleich befürchtet haben, wieder nicht allzuweit her zu sein, da nunmehr eine amtliche Warnung ergangen ist. Nach einem Telegramm über di« aus dem Bergwerks - Gebiete der South Afrika« Territories gemeldeten Diamant-Funde glaubt der Gouverneur auf Grund der in der Zwischenzeit angestellten weiteren Ermittelungen, daß die Angaben derProspektoren über dieFunde mit der größten Vorsicht aufzunehmen find. Der Gouverneur ist angewiesen worden, die Angelegenheit durch die Bergbehörde untersuchen zu lassen, bis zu deren Bericht daS Vorkommen als sicher sestgestellt nicht gelten kann.
w. Saarburg (Lothr.), 2. Aug. 1909. Gestern fand hier der 2. Parteitag der elsaß-lothringischen Zentrumspartei statt. Bürgermeister a. D. Meyer aus Walscheid, den die Regierung bei den letzten Gemeindewahlen wegen seiner Zentrumsgesinnung nicht bestätigte, beleuchtete in volkstümlicher Weise die Einwände, die man gegen die Einführung des Zentrums in Lothringen erhebt. Er wandte sich besonders scharf gegen den Lothringer Block, der der schärfste Gegner des Zentrums in Lothringen ist und mahnte zur Einigkeit und Geschlossenheit.
bett zu mir zu kommen. Wie lieb und zutraulich er ist!"
Sie verließen nun den Friedhof und trenn» ten sich. >
Ines erzählte rhrem Bruder, daß Irmgard Gerard wieder in Mon Repos sei und dort zu bleiben gedenke, lieber das gebräunte Gesicht des Hockwfenchefs ging feine Veränderung; ruhig rauchte er weiter. Hätte Ines geahnt, welchen Sturm sie durch ihre Mitteilung in der Brust ihres Bruders entfesselte.
Bernhard von der Eiche hatte in der Zeit seiner Ebe und während der Trauer um sein Weib kaum mehr an jene Frau gedacht, deren Zauber auch er gefühlt, zuerst auf ihrer gemeiusamenWerz- Partie, später im Verkehr in dem kleinen Ort, wo sie wie eine Königin geherrscht hatte. Mir kann nur Leid aus diesem Wiedersehen erwachen," dachte der Hochofenchef. „Soll das, was ich vor Jahren int Keim erstickte, nun wieder aufleben, habe ich nicht ein reines Glück besessen und verloren?" Er sagte es sich, und dennoch konnte er es kaum erwarten, bis er Irmgard Gerard sah, bis er ihre Stimme hörte, den Druck ihrer Hand füllte.
Sie trafen sich auf einem Spazierritt, zwei Tage, nachdem Mon Repos wieder bewohnt war, uni) abends das Licht von seinen Fenstern von der bewaldeten Anhöhe herüberschimmerte. Das Wiedersehen war von beiden ersehnt. Als Irmgard den 91 eiter auf dem schmalen Waldwege herantra- ben sah, dachte sie: „Es mußte fo kommen, meine Sehnstrcht hat ihn herangezogen."
Wie ihr Herz unter dem blauen Tuch des Reitkleides Pochte, als er den Hut luftelld:
„Guten Abend, gnädigste Frau," sagte.
Und wie ernst er aussa-h. Eine Falte, die früher nicht da gewesen wir, zeichnete sich zwischen seinen Brauen.
„Guten Abend, Herr Baron," entgegnete _fie ruhig.
(Fortsetzung folgt.)