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Maer

Zeitung

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36. Iahrqana

Fulda, Dienstag den 3. August 1909

M 174

Bernhard von der Siche

ig.ung und Sorge Lachte sie nicht daran. Sie schlug den wohlbekannten Weg von der Eisenbahnstation

LFortsetzung folgt.)

es wissen.

«njrise«: Vie ei» fpalttge Petitzeile oder deren San» 18 Pfg. ReNamendiepetitzeile 25 pfg., bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Rotationrdrucknnd Verlag der Zuldaer A!-

tiendrnckerei in §ulda

Monatsbellage: „Zuldaer Geschichtrblatter Zernsprecher Nr. 9.

w°ch<ni>«i,ae«-.Illustrierte Somtag^eitung"

* 101 Gründe gegen die Reichstagsauf­lösung. Auf einem Adschiedsfest hat der frühere Reichskanzler, wie die,Kreuzzig/ berichtet, drastisch auseinandergesetzt, warum er nicht zur Reichs- tagsauflösung wegen der Reichsfinanzresorm ge­griffen hat. Man hielt ihm vor, bei einer Reu- wähl wären das Zentrum und die Rechte sicher besiegt worden; er habe dann mit den Liberalen regieren können; warum er also nicht zu diesem Gewaltmittel gegriffen habe? „Aus denselben Gründen", antwortete der Reichskanzler, „die ein Araber geltend machte, als er gefragt wurde, warum er auf seine Gegner nicht geschoffen habe. Dafür hatte ich 101 Gründe, sagte der Araber; der erste war, ich hatte kein Pulver.." — In der Tat, unt eine liberale Mehrheit zu gewinnen, dafür war und ist auch heute nicht die geringste Aussicht.

— Neber die Präsidentenwahl im Reichs« tag zerbricht sich, sehr frühzeitig, die liberale Preffe den Kopf. Die ,Vossische Zeitung' schreibt neuerdings:

„In einem süddeutschen Blatte wird abermals ein- gehend erwähnt, wie das Präsivium des Reichstages in der nächsten Session ausfehen und weichen Anspruch das Zentrum erheben und in eine wie unerquickliche Lage die konservative Partei geraten wird, wenn sie dem Zentrum den Bügel halten soll usw. usw. .... Im übrigen hat die konservative Parier das Zentrum bereits „auf den Herrscherthron zurückgefvhrt", nämlich ihm zur Macht »erhoffen, wobei es von untergeord- neter Bedeutung ist, ob dieser Sachverhalt auch in der Zusammensetzung des Präsidiums Ausdruck findet. Aber auch an der Erhebung eines Zentrums­mannes auf den kurulischeu Sessel hat die konserva­tive Partei schon vor Jahren keinen Anstoß ge­nommen und wird sie auch setzt nicht Anstoß nehmnr, sobald das Zentrum den Platz verlangt. Nur der erst, Schritt ist frei, der andere notwendig."

Die .Kreuzztg/ erinnert demgegenüber mit feinem Spott daran, daß eS gerade der Frei­sinn gewesen ist, der 1895 dem Zentrum da­rr stemäl zum ersten Präsidenten verhalfen habe. Das stimmt; aber der Freisinn scheint im parla­mentarischen Leben den Grundsatz zu vertreten, daß ihm alles erlaubt sei, daß aber anderen Parteien verboten ist, was er für sich in An­spruch nimmt. Im verfloffenen Blockreichstage sind es liberale Einflüffe gewesen, die das Zen­trum vom Präsidium ausschloffen, wie es zur Zeit der unbeschränkten liberalen Herrschaft in den 1870er Jahren regelmäßig der Fall war. Der angeblich konfessionelle Charakter des Zen­trums wurde zur Verbrämung dieses lenden- zwsen Verhaltens angeführt. 1879 während der Beratung des Zolltarifs, als Fürst Bismarck mit dem Liberalismus gebrochen und die Herren von Forckenbcck, Mommsen, Dr. Lasker tm Zoolo­gischen Garten zu Berlin ihre Protestversamm­lung gegen die „Schnapspolitik" des Fürsten Bismarck abgeha'len hallen — man sieht, es ist nichts Reues, wenn die Sieuermehrheit mit dem Schnaps in Verbindung gebracht wird —, legten die Herren v. Forckenbeck und Freiherr v. Stauffenberg das Präsidium nieder, und zum erstenmal w nde ein Miiglied des Zentrums in der Person des Freiherrn zu Franckenstein in das Präsidium gewählt, und seitdem ist es bi- zur Blockära darin verblieben, seit 1895 an erster Stelle. Ein 1880 gemachter Versuch, Frhrn. zu Franckenstein auszuschalten, weil er sich von der Kölner Dombaufeier ferngehalten hatte, mißlang trotz der Treibereien des Grafen v. Arnim-Boitzenburg und des bisherigen Präsi­denten Grafen zu Stolberg. Das Zentrum hat.

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3 parzeller in Mda.

Deutsches Held)

, * Ter Kaiser trifft von seiner Nordlandreise am 7. August in Kiel ein, wo er tags daraus bas von England zurückkehrende Zaren paar begrüßen wird.

* Die Ausführungsbestimmnngen zum Tabaksteuergesetz, die soeben erlassen morden sind, fetzen fest, daß der Zollzuschlag mit 40 Prozent von ollen unbearbeiteten und bearbeiteten Tabatblältern und Abfällen von solchen oder von Tabakerzeugvisjen erhoben wird. Ausge­nommen sind nur ziaarettensteuelpflichtiqe Er­zeugnisse. Der Zuschlag ist nach dem Preise zu berechnen, den bei den Tabakblättern der Ver­arbeiter, bei den Zigarren der Ernbringer dem Verkäufer sechs Monate nach dem Kaufabschlüsse zu zahlen hat. Etwaige Kosten für die konsu­larischen Beglaubigungen gelten nicht als ein Teil des Kaufpreises. Ausführliche Vorschriften sind gegeben über die Fälligkeit des Zuschlages, die Anmeldung, die Umrechnung iremder Wäh­rungen, die Abfertigung von Tabakmustern, die zuschlagfreien Tabakblätter, die Verarbeitung in gemischten Betrieben usw. Zur Zigareltensteuer wird von neuem bestimmt, was unter Zigaretten- papier zu verstehen ist, auch die Steuerklassen werden neu begrenzt, sowie eine Reihe von Aus- gangsbestimmungen getroffen.

Hatto seiner Mutter den Tod gebracht und er war ihr Vermächtnis. „Bleibe bei uns, Ines," sagte er leise, „Luise bat noch kurz vor ihrem Tode darum."

„Ja, Hardyl" Sie sagte es einfach und schlicht. Es war ein Gelöbnis und es kam ihr im Augenblick so selbstverständlich vor. Sie hatte es der Schwägerin versprochen und Ines war ein viel zu ehrlicher Charakter, um wortbrüchig zu werden.

Später — später erst, da hatte sie erkannt, wie viel eigenes Glück sie aufgegeben, wie schiver sie es getan.

Tie Geschwister saßen beieinander und Bern­hard erzählte von den letzten Stunden Luisens. Er tat es mechanisch, wie etwas Auswendigge­lerntes;' seine Augen blieben trocken; es lag eine Starrheit über seinem ganzen Wesen. Ines saß, wie sonst so oft, neben ihm auf Barrys Fell; sie schmiegte sich liebevoll an den Bruder. In dieser Stunde sollte er fühlen, wie nahe sie sich standen. In dem Zimmer sprach noch alles von der Verstorbenen, die welkenden Blumen, die bun­ten Astern in der hohen Vase. Sie hatte sie noch geordnet; ihr Bild hing über dem Kamin.

„Es ist Zeit für dich, zu Bett zu gehen," sagte die müde Stimme Bernhards von der Eiche, der man großes Leid anhörte.

Als Ines gegangen war, kehrte der Hochofen­chef in das Zimmer zurück. Er saß am verglim- wenden Kamin allein mit seinem Leid, denn es gibt Stunden, in denen auch der liebste Mensch nichts vermag, wo die Seele allein fein muß und Zwiesprache mit dem hält, was sie in ihren Grundfesten erschüttert.

Endlich erhob sich Eiche. Bleierne Müdigkeit senkte sich auf ihn, der die beiden letztem Nächte gewacht hatte. „ Wie er die Kerze anzündete, stieß seine Hand zufällig an das Arbeitskörbchen seiner Frau. Cs fällt zu Boden, sein Inhalt kollerte über den Teppich. Es waren lauter bekannte Gegenstände, die er aufhob, er hatte sie stets in Verbindung mit feinem toten Weibe gesehen. Da

zu Fuß ein, ein trauriges Vorgefühl beschleunigte ihre Schritte. Das Haus des Hochofenchefs lag dunkel da, und sonst erstrahlte es in elektrischem Licht, das vom Werke hergeleitet wurde. Nur im oberen Stock schimmerte es schwach, wie von einer brennenden Kerze und beide Flügel des Fensters standen weit offen. Sollte der Tod an des Hauses Tür augeklopst haben, dem Kind die Mutter, dem jungen Gatten sein treues Weib nehmend?

„Ines, gottlob, daß Du da bist."

Bernhard von der Eiche trat der Schwester im Flur entgegen. Er sah fo verändert aus, daß Ines sofort das Schlimmste erriet. Sie warf die Arme um ihn und schluchzte: „Mein lieber armer Hardyl"

„Sie ist sanft vor einigen Stunden entschla­fen; willst Du sie nicht sehen?"

Sie gingen in das Sterbezimmer. Bernhard drehte das elektrische Licht auf und trat an das Bett seines toten Weibes. Sehr friedlich lag Luise da, ein Lächeln auf dem Gesicht; es sagte: „Ich bin sehr glücklich gewesen."

Ines war neben der Leiche niedergesunken und betete. Und er, der Manin, der dieses treue Frauenherz besessen, der seine selbstlose Liebe be- seffen, er stand wie betäubt dabei, er konnte es noch nicht fasten, daß er sie verloren, die seines Hauses guter Engel gewesen."

Aus dem Nebenzimmer kam der Schrei des Neugeborenen, der mutterlosen Waise. In Ines Herz erwachte etwas Neues; das mütterliche Ele­ment, das in jeder Frau lebt, regte sich.

„Dein Sohn, Hardy."

Mit diesen Worten ging sie in das Neben­zimmer des Kleinen, und wie sie das hilflose Wesen in den Armen hiell, wie sie auf das rote Gesichtchen niederblickte, da fühlte sie es: „Ich werde dich lieb haben, du armes Kind."

Bernhard war ebenfalls eingetreten. Mit ge­mischten Gefühlen betrachtet er den Knaben. Er

Ueibertreibungen nur allzuoft Lugen. Und bann. Wo werden denn die größten Gewmne erzrelt? Sind s nicht gerade die Aktiengesellschaften, die da obenan stehen mit Gewinnen, die manchmal gewaltig hoch sind? Und da sollte die Erhöhung des Effektenstempels unerträglich fern? Was ha­ben denn die Herren der liberalen Parier nach Ablehnung der Erbschaftssteuer voraeschlagon? War's nicht eine Tividendensteuer? Dre wurde die Aktieugesellfchaften noch weit niehr belüftet haben Und doch wollten sie dre liberalen Man­nen I Wenn die-Aktiengesellschaf ten eine Dividenden st euer hätten tra­gen können, so müssen sie doch noch viel mehr eine weit leichtre Erhöhung des Effekteustempels und die milde Talonsteuer ohne Schaden ertragen fönnem. Die Liberalen widersprechen sich da ^^Nun der Scheck- und W echse lste m pel! Die kleinern Geschäftsleute können dem Scheck- stempel entgehen durch Benutzung des Postschecks, der fteuerfrei bleibt. Was die Ausdehnung des Wechselstempls anlangt so trifft er nur die lang­fristigen Wechsel, die vielfach Kautionswechsel find, ausgestellt von reichen, oft sehr reichen Leu- ten. .■■ .

Fassen wir zusammen, so sehen wir, daß der Besitz, und gerade der leistungsfähige Besitz von den neuen Steuern getroffen wird. , Und wah­rend man ans der letzten von der Regierung vor­geschlagenen Besteuerung des Gatten- und Kin­dererbes nur 55 Millionen heransgebracht hätte, bringen die Neuen Steuern HO Millionen ein!

Warum also die Hetze gegen die Desitzsteuern? Aus Verärgerung! Eins freilich unter­scheidet die neuen Besitzsteuern von der Besteue­rung des Gatten- uni) Kindererbes: Bei den neuen Besitzsteuern kann sich der beweg­liche Besitz nicht drücken, was.gerade für die Reichsten bei der Erbschaftssteuer möglich ge­wesen wäre. Daß der bewegliche Besitz sich gern um die Steuer herumdrückt, beweisen in eklatan­tester Weise die jüngsten Manöver zum Zwecke der Umgebung der Talonsteuer, die allerdings gründlich daneben gelungen sind!

* Die Hetze gegen die neuen Befitz- steuern.

Liberale und Sozialdemokraten suchen sich gegenwärtig zu übertreffen m schmetternden Der dammungsurteilen gegen die »^n Bchtzstouer Man könnte die endlosen Nörgeleien un Schimpfereien auf sich beruhen /affen, wenn mch vielfach unter dem Deckmantel.einer fauchen Kritik die neuen Besitzsteuern wirklich S^nz und aar verdreht und damit das.Urteil beS Pub» Iums in vollkommen unsachlicher ^^fcbeeur- fkifd würde. Das Großartigste, was sich diese ^Kritik" leistet, ist entschieden die Behauptung, die neuen Besitzsteuern träfen den leistungs­fähigen Besitz nicht. Das ist eine geradezu Pha- uomenale Entdeckung! .,

Der normale Untertanenverstand, soweit er nicht von sozialdemokratischer oder liberaler Weisheit „erleuchtet" ist, rechnet gemeinhin die Besitzer von Wertpapieren, die Besitzer undEr- tocrber von Grundstücken, die Inhaber von Bank- guthaben und die Aussteller von Kcmttonswsch- seln nicht zur besitzlosen Klasse, zum darbenden „Proletariat '. Die größte Maffe solcher Leute sind vielmehr Besitzende in des Wortes vollster Bedeutung.

Was wird denn durch die neuen Steuern ge­troffen? Antwort: Das bewegliche und un­bewegliche Kapital! Das letztere durch ben Grundstückstenipel. Wer ein Rittergul be- . .sitzt oder wer Grundstücke verkauft und kauft, ist im allgemeinen kein Bettler ohne Habe, fonbern in geringerm ober höherm Grade zu den Be­sitzenden zu rechnen. Aber wenn ärmere Leute, kleine Bauern zu ihrem kleinen Gütchen ein neues Fleckchen Land hinzukaufen, gehören die auch zu den Besitzenden? So könnte ein Gegner her jetzigen Steuer fragen. Dem müßte man jedoch erwidern, daß er das neue Gesetz auch nicht mit einem Blicke betrachtet hat; denn fönst könnte er einen solchen Unsinn nickt reden. Das Gesetz bestimmt nämlick, daß Grundstück- Übertragungen, bei denen der Wert eines (mit Gebäuden) bebauten Grundstücks 20 000 M, eines sonstigen, also auch landwirtschaftlich ge­nuteten Grundstücks 5000 dH, nicht über­steigt, auf Antrag steuerfrei bleiben, wenn der Erwerber fein Grundstückhändler ist und ein Jahreseinkommen von nicht mehr als 2000 dH hat. Ein Bauer aber, der 2000 JC Jahreseinkommen hat, ist fein Zwergbauer. Da die Landwirtschaft nur geringe Renten abwirft, so ist ein viel größerer Besitz zur Erlangung eines solchen Einkommens nötig. Nimmt man unter Einrechnung des Arbeitsverdienstes eine Rentabilität von 8 Prozent für die bäuerlichen Verhältnisse an, so würde zur Erlangung eines solchen Einkommens von 2000 M ein Gut im Werte vom 25 000 dH notwendig sein. Die klei­nen dauern und die Arbeiter, ivelche ihre Spar- gelber zum allmählichen Ankauf eines Gütchens verwenden, bleiben also vollkommen frei von der Besteuerung. Der Grundstücksstempel trifft also tatsächlich den Besitz.

Welter: Von allem mobilen Kapital ist das leistungsfähigste das, welches in Wertpapie- ren angelegt ist. Das wird nun getroffen durch den Effekten stempel, der erhöht worden ist, und durch die neu eingeführte Talon­steuer. Die Niesenvermögen, die in den letz­ten Jahrzehnten sich angeffammelt haben, sind zum großen Teil angelegt in Wertpapieren. Der Fabrikant, der sich zur Ruhe setzt, der Geschäfts­mann, der aus praktischen Rücksichten sein Ge­schäft nicht mehr ausdehnen kann oder will, legen ihre ersparten Gelder meist in Wertpapieren an. Und je größer dasBarvermögen ,desto wahrschein­licher und sicherer ist die Wertpapieranlage. Das

aus Zinsen fließende Einkommen tst aber allbe- kanntermaßen am steuerkrastrgsten von allen Einkommensarten. Das durften auch ine «er- ren von der Sozialdemokratie und vom liberalen Laaer wissen soweit sie nur irgendwie Frnanz- fragen studiert haben. Darum ist der Zugrrsf des Fiskus an dieser QuÄle voll gerechtfertigt.

Ja, aber auch die in Wertpapieren angelegte Habe der Witwen und Waisen wird durch den Esfektenstempel und die Talonsteuer mit er­faßt, hört man einen Liberalen ober Sozialdemo­kraten einwenden. Schön! antworten wir. Da hätten wir also den Gegner tn seiner eig­nen Schlinge, Wer war es denn, der die Witwen und Waiseii besteuern wollte vermittels einer durchaus nicht geringen Steuer auf das Gatten- und Kindererbe? Dre Erbschafts­steuer würde wegen der relativen Höhe ber tm Einzelfalle zu zahlenden Summe die Familien mit mittlerm Vermögen ungleich schwerer bela­stet haben, welche kein einziges Wertpapier ihr eigen nennen, sofern ihr Erbteil über 10 000 Mark lag. Sie würde ferner mit einem mal etne nicht unerhebliche Summe vom Besitze genommen haben. Darin liegt ihre große Härte für den Mittelstand. „ „ r.

Und der Effekten- und Talonstempel? Erstens besteht beim Mittelstände das Erbe zum weitaus überwiegenden Teil in andern Vermögens­stücken als Wertpapieren und zweitens werden gerade die Wertpapiere der „kleinen Leute" von her Steuer nu rin seltenen Fallen erfaßt. Warum? Weil die inländischen S t a at s p a p ier e, in denen erfahrungsgemäß die meisten kleinen Rentner und die sonstigen weniger bemittelten Klassen ihr Vermögen und ihre Spargelder an­legen, überhaupt nicht von der Steuer, weder von der Talon st euer, noch vom Esfektenstempel getroffen werden. Zudem wandern diese Svarkapitalien der toesni- gcr kapitalkräftigen Leute vielfach in die Spar­kassen ober suchen Anlage in den zahlreichen land­wirtschaftlichen und fonsttgen Spar- und Dar- lehnskassen und Genossenschaften oder,werden ge­gen hypothekarische Sicherheit ausgeliehen. Der kleine Kapitalist kann sich das Risiko nicht leisten und sein kleines Vermögen in Aktiengesellschaf­ten oder ausländischen Werken anlegen. Dies ist nur allzu begreiflich. Die Jndusiriepapiere, die ausländischen Wertpapiere und dergleichen sind in allererster Linie Gegenstand der Spekulation. Sie unterliegen erheblichen Kursschwankungen und bringen vielfach keine gleichmäßige Verzin­sung. Beides aber ist für den kleinen Kapitali­sten höchst verhängnisvoll. Er muß unter Um­ständen von dem kleinen Zinserträge leben. Hat er nun Wertpapiere, die in einem Jahre hohe, im andern niedere oder gar feine Zinsen bringen, fo widerspricht das seinen Interessen. Noch viel getährlicher wird für ihn die Situation, wenn er Wertpapiere hat, die großeii Kursschwankungen unterworfen sind, mit denen ein großes Risiko verknüpft ist. Der kleine Kapitalist muß sichere und gleichmäßig zinstragende Anlagen su­chen, wofern er nur irgend vernünftig handelt. Diese findet er in den Staatspapieren, Spar­kasten und Hypotheken. Bestenfalls kauft er sich Hypothekelipfandbriefe ober Kommunal- und Eisenbahnobligationen. Die letztem sinb aber nur sehr gering belastet, wie wir in spätem Ar­tikeln barlegen werden. Was also den Effekten- stempel und die Talonsteuer anlangt, so treffen sie wiederum den Be s i tz i m w a h r st e u S i n ne des Wortes.

Da schallt es aus dem liberalen Lager: „Ja, das ist alles recht, aber die Aktiengesellfchatfen werden unerträglich belastet." Was das Wort unerträglich anlangt, so muß man vorsichtig damit sein; denn die Wirklichkeit straft solche

ihr silberner Fingerhut, die kleine Schere, die sie benutzte, Garnrollen und hier ein rosiges Kinder- strümpfchen, noch unvollendet. Sie hatte noch am letzten Tage daran gearbeitet und dabei so glück­lich über das Geschenk gesprochen, das Gott ihnen geben würde.

Und da stürzten die Tränen aus den brennen den Augen Bernhards von der Eiche.---

Tie Gruft über Luisens weißem Sarge hatte sich geschlossen, ihre Eltern und Geschwister die zur Beerdigung gekommen, tt-aren fortgefahren, Fnes und ihr Bruder blieben allein, allein mit dem Kinde, das am Sarge seiner Mutter auf den Namen Herbert Bernhard getauft worden war Luise hatte es so gewünscht. — Das Söhnchen ber Verstorbenen war ein schönes, kräftiges Kind, das gut gedieh, dank seiner Amme, der Frau eines Arbeiters des Hochofens. Dank ber Pflege seiner jungen Tante, die zuerst sehr ängstlich war, aber schnell die nötigen Handgriffe lernte. Es war für Ines eine neue tiefe Freude, das rosige Kör­perchen Berttcs, so nannte sie den Knaben, zu baden und zu pflegen, und es half ihr über ihr eigenes Leid hinweg, sich aufopfernd dem Bruder und seinem Sohne zu widmen.

Dierzehii Tage nach Luisens Scheiden schrieb Frauenfeld an Fräulein von der Eiche. Er sagte ihr, daß — obgleich jetzt wohl nicht der geeignete Zeitpuntt sei, von feiner Liebe zu sprechen — er es doch nicht Unterlasten könne.

„Als ich am Abend unserer letzten Zusam­menkunft im Walde in die Forstes kam, wollte ich Ihnen sagen, wie sehr ich Sie lieb gewonnen habe, da erfuhr ich von Ihrer plötzlichen Ab­reise, und der traurigen Veranlassung dazu. Ich will märten, bis die erste Zeit vorüber ist, aber geben Sie mir Gewißheit, beantworten Sie die Frage, von der mein Lebensglück ab­hängig ist: „Sieben Sie mich, Ines?"

„Nein", schrieb sie zurück, „vergessen Sie mich."

Was diese Worte sie gekostet Niemand durste

Roman von Baronin Gabriele von Schlippenbach

15] (Nachdruck verboten.)

Er hatte die Mädchenhand ergriffen; es zit­terte etwas wie ein Geständnis junger Liebe zwi­schen ihm und ihr. Da galoppierte des Försters brauner auf sie zu, und seine fröhliche Stimme '»ef: ,Lallo, Herr Graf, schnell in den Sattel, eben sagt mir der Jägerbursche, daß er die Spur ches Hirsches entdeckt hat, dem wir so lange ver­geblich nachstellten. Nun gibts eine famose Beute, 1«$ hoffe. Sie kommen zum Schuß auf den Kerl."

Ines blieb allein. Träumend ging sie durch den Wald, träumend, das Herz voll Seligkeit, denn jetzt verstand sie, was schon lange in ihr schlummerte ,bie Liebe zu Artur, Gras Frauen­feld.

^^Tante Emma eilte ihr aufgeregt entgegen. Es float eine Drahtnachricht von Bernhard angefom- ,!?en- ~ut>e fei ein Sohn beschert worden, aber (S; Zustand fei besorgniserregend, daß er Ines fen"^' °$ne Sawwins nach Röblingen zu rei-

-Ick komme nach," sagte die Försterin, als sie deni jungen Mädchen einpacken half, „der Zug ®Tfc Stunde. Du kommst gerade zur

Seit. Gott wolle unsere Luise erhalten." yen te tränen tiefen der Mutter über die Wan- Da muftte^n-^"^ Preise bereit. Ihr Bruder rief, -Müße Eg-^ere daneben schweigen.

Emma.' J Ee, auch — den Grafen, Tante ^«nd^tt"^en Worten umarmte sie die Försterin

Es war fÄL?Atfe -«ch Röblingen an. - "ermüdenden Fahä^^' als Ines am Ziel ihrer itet keine batte dem Bru-

09 gegeben; in der Stufte-