Einzelbild herunterladen
 

krschettrt täglich mit W* Ä

MMloaer

S<r«ntv>.«eratteur, MN

Lart Schütter

3.%S*toÄ”i«. woch-nb«ic°Le:„IllustrierteSonntagszeitung"

Zeitung

Monakbellage: „Fuldaer Geschichtsblätter"

»«jrtgen: Vie et» spaltige petitzeile oder der«» Baum |5 pfg. Bellamendiepetitzeile 25 Pfg., btt wieder- Holungen wird entspr.

Rabatt gewährt.

«otatkonrdruSund Verlag der Fuldaer Ak» üendruckerei itt Fulda Fernsprecher Br. 9.

M 171.

Fulda, Freilafl den 30. Juli 1909.

36. Jahruanq.

♦

(Nachdruck verboten.)

42]

»Ich kann es nicht fassen, nicht glauben Es hat ein Traum mich berückt, Wre hat er doch unter allen

_ Mich Aermste erhöht und — beglückt."

So mrgefähr antwortete sie ihm in ihrer an mutigen Demut.

Bernhard von der Siche.

'{Roman von Baronin Gabriele von Schlippenbach-

Niemand ahnte, daß sie es fortgetcieben hatte, weil sie sich ihrer Liebe zu Bernhard von der Eiche bewußt geworden, weil sie fürchtete, ein Gefühl zu verraten, bas nicht erwidert wurde. Daß dem so war, sagte ihr die Verlobungsan­zeige, die sie in Riva erhielt. Sie ruderte allein auf dm See hinaus.. Stundenlang blieb sie fort. Was sie durchkämpfte, durfte niemand wißen, sie hat es einsam getragen und als sie wieder unter Menschen war, da hob sie das schöne Haupl noch swlzer, da war sie nur die Dame der großen Welt, nicht mehr das leidende, schwache Weib, das um verlornes Glück weinte.

Bernhards und Luisens Hockett fand im Ok­tober statt. Das Forsthaus faßte kaum die Gäste. Im bunten Herbstschmuck prangte der Wald, als man zur Kirche nach Liebenau fuhr.

Herta konnte nicht kommm, sie mußte sich schonen, aber Randen und Ines geleiteten den Bruder, der einen ruhigen befriedigten Eindruck machte. Luise war strahlend und sah sehr lieblich int bräutlichen Schnuck aus. —

Tas Grab des Vaters besuchten die Geschwi­ster, auch Randen und Luise schlossen sich ihnen an.

Er zog das zitternde junge Geschöpf in die •Ärnte. Was er für Irmgard Gerard zu fühlen geglaubt, es entschwand, als sei o-3 nie böge- sielen. Ein Gefühl zufriedenen Glücks erfüllte pes Mannes Seel-, der die reine Liebe einer gu- '^lv*nd edlen Frau gewonnen hatte.

’S? jubelte bei der Nachricht der Verlobung. ?riä Wunsch erfüllte sich. Sie sah in Luisens jJWwter die sichere Gewähr, daß ba geliebte das große Los gezogen hatte. Bon Jrm- r»rn£eI?m f* zuerst einige Male Briese, sie war Enu-t$cri£l^en und wollte im Winter in ihre

Deutscher Reich.

(*> Von den diesjährigen Kaifermanöveim. Die Vorberestuugen für den Besuch des Kaisers m Meraentheim während der Kmsermanover sind beendet. Es waren zu diesem Zwecke mehrere Um­bauten erforderlich. Außerdem wurde em Postamt eingerichtet, das ausschließlich für, die Benutzmtg des Kaisers und seiner Gaste reservtert bleibt. Die Manöoergäste des Kaisers werden zum Teil nut dem Kaiser zusammen im Kurhaus wohnen.

f Die Aeudcrungeu und Ergänzungen des Warm- verteichnisses zmn Zolltarif sind vom Bundesrat ge- nehmiqt worden. Die Abänderungen werden bt- . dingt durch das Brausteuergesetz, die Besteuerung der Beleuchtungsmittel und Zündwarm, durch das Schaumweinsteuergesetz und das Brarmtweinsteuer- gesetz. Der Zollsatz für Branntwein, Arrak, Kognak und Rum ist auf 225 Mark normiert. Der Zoll­satz für Liköre ist auf 300 Mark ermäßigt worden. Der Eingangszoll auf Schaumwein wurde auf 130 Mark festgesetzt.

)( lieber die Nachbesteuerung der vorzeitig vusgegebenen Talons sind die bundesratlichen Bestimmungen nunmehr veröffentlicht. Sie be­sagen, daß auch die Zinsbogen zu besteuern sind, die schon vor dem 1. August aus­gegeben wurden, deren letzter Zinsschein aber erst nach dem 31. Juli 1909 zahlbar ist; das­selbe gilt von den Gewinnanteilschein-Bogen. Bism zu 1. September 1909 sind von den Direk- tivbehörden Listen der inländischen Gesellschaften aufzustellen, die vom 10. bis 31. Juli solche vorzeitige Zinsbogen oder Anteilscheine aus­

„Jch komme bom Geheimnis, das Du mir an­vertraut, nicht näher, Vater", dachte Bernhard von der Eiche, „die Fäden lassen sich nicht lösen." Im Februar wurde in Randenhagen ein Mädchen geboren. Herta und ihr Gatte waren überglücklich Immer tiefere Wurzel schlug die Frau, die einst ihr Haus verlassen, in dem wie­dergewonnenen Boden der Heimat und ein dauerndes Glück schlang sich um die einst ge­trennten Herzen der Gatten. Unter Ines An­leitung bildete Herta sich zu einer tüchtigen Wir­tin aus, die allmählich imstande war, das große Hauswesen zu leiten. Wenn Randen sein ge­liebtes Weib fröhlich schalten und walten sah, wenn sie in schneeweißer Latzschürze, das Schlüs- b u.t, . — —— — -----— ... ' selkörbchen in der Hand, durch die Zimmer schritt

Hermot und nach Petersburg. Wie ein . ober wenn sie ihm auf der Treppe entgeg.'neilte, Lrx v*. t®01 P? in Rohlingen erschienen, um i an feinen Interessen teilnahm, unA dabei so ■ ö Gebier rastlos in die Weite zu schweifen. I hübsch und vosig auSsah, dann beugte das Herz

X Auch die Reichsbankbeamten, die be­kanntlich nicht unter die neue Besoldungsordnung fallen, haben eine Erhöhung der Besol­dung zu erwarten. Die Festsetzung steht dem Kaiser zu. In Kürze ist, wie ein halboffiziöses Blatt mitteilt, eine entsprechende Verordnung zu erwarten.

+ Die erste Million von Reuiueru, die auf Grund des Jnvaltdenversicherungsgesetzes Renten beziehen, ist erreicht. Nach dem neuesten Ausweis des Reichsversicherungsamtes gab es am 1. Juli d. I. 877 269 lausende Invaliden-, 104931 laufende Alters- und 18819 laufende Kranken­renten, zusammen 1001019 laufende Renten auf Grund des Jnvalidenversichernngsgesetzes. — Die Alters- und Jnvaliditätsversicherung ist bekanntlich am 1. Januar 1891 eingeführt worden. Die große §ahl der Rentenbezieher zeigt, wie segensreich diese inrichtung wirkt.

— Die neuen 25 Pfennigstücke werden voraussichtlich im Oktober zur Verausgabung gelangen. Gegenwärtig werden in der Königl. Münze nach den preisgekrönten Modellen Probe­stücke geprägt. Nach der Ende August zu er- wartenden Fertigstellung dieser Modellaus- sührungen werden die zuständigen Reichsstellen über die Gesamtwerthöhe der neuen Münzsorte Beschluß saffen und die Anzahl der neu zu prägenden 25 Pfennigstücke bestimmen. Gleich­zeitig wird auch eine Vermehrung der 5 Pfen­nigstücke durch Neuprägung erfolgen.

|| Das russische Zarenpaar ist am Donners­tag in Kiel eingetroffen. Große Absperrungen wurden bei der Ankunft durch Militär und

erfolgt daselbst Freitag abend. — Unter der treffenden Ueberschrift „Die Angstreise des Zaren" bringt die .Berliner Volkszeitung^ interessante Nachrichten über die Bewachung des Kaifer- Wilhelmkanals.

Außer je zwei Schwadronen der Wandsbccker und der Schleswiger Husaren sowie den in Schleswig garnisonirrendeu Bataillonen des Schleswm'lchen In­fanterieregiments Nr. 84 ist noch das m Neumünster, stehende Schleswig-Holsteinische Infanterieregiment Nr. 163 zur Bewachung des Kaiser>Wsthcbn-Ka.ia!k während des Durchpafsierens des russischen Kaiserge- schwaders herangezogen worden. Abgesehen von den Streifpatrouillen find alle Zugangsstraßen nach dem Kanal durch Unteroffiziers- und Doppelposten be­setzt, die Hochbrücken mit O>stzierspost«n; auch find sämtliche Privat schiffe, die im Kanal liegen, mit Militär besetzt. Am Kanal stehen alle 300 Schritt Posten von drei Mann und zwischen je zwei be­nachbarten Posten patrouitlert ein Soldat hin und her, während außerdem die Husaren die Flottclle den ganzen Kanal entlang zu beiden Seiten reitend eskortieren?! Zuschauer dürfen sich dem Kanal auf ebener Fläche höchstens bis auf 10 Meter, aus hügeligem und waldigem Terrain höchstens bis auf 60 Meter nähern!! Wenig Freude am Zarenbesuch hatten auch die Eckernsörder. illicht nur, dau im Hasen kein Verkehr mit Ruder- und Segelbooten gestattet war, es wurde sogar in dem eine halbe Stunde von Hemmelmark entfernten bekannten Seebadeort Borby das Baden am Strande untersagt!

Derartige, zum Lachen herausfordernde Einzel­heiten melden die offiziösen Telegraphenbureaus natürlich nicht. Dafür melden sie aber in wivriger Weise haarkle n die Einzelheilen beim Frühstück und Diner, ebenso haarklein wird die Gesolg- schäft der „Allerhöchsten" russischen Zarenfamilie aufgezählt, jeder einzelne Minister, je'er russische

Bernhard und Luise blieben wie auf Verab­redung etwas zurück, als man die schattigen Gänge des Parkes betrat. Obgleich Luise sonst ruhig und selbstbeherrscht war, heute versagten diese Eigenschaften bei dem Gedanken, daß sie vielleicht zum letzten Male mit dem geliebten Mann allein war. Ein feuchter Schimmer stieg ihr immer wieder in die Augen und ihre Stimme hatte einen; traurigen Kijang. Bernj>ard verf- langsamte den Schritt, die Rößlinger verschwan­den hinter den Bäumen.

„Wollen wir uns nicht setzen, Fräulein Luise?" sagte Eiche. Dann, als sie auf der einsamen Bank Platz genommen, als kein Lauscher in der Nähe war, brachte er das hervor, was ihn be­wegte.

Und Luise war in der Stimmung, wie sie das Gedicht ausdrückt:

folgendes Geschichtchen:

Als die Gestalt der nun zur Annahme gelangten Finanzreform erkennbar war, wurden dem Kaiser eine ganze Reihe von Persönlichkeiten, die in ihren amtlichen Eigenschaften an den Arbeiten für das Finanzgesetz teilgenommen hatten, zu Oidensauszeichnungen vorge­schlagen. Der Kaiser Hal jedoch die Auszeichnungen mit der Begründung abgelehnt, daß es für „solche Finanzresorm" Auszeichnungen nicht gäbe. Es bedurste erst einer erneuten Vorstellung bei dem Monarchen, um wenigstens für die unmittelbar an den Arbeiten beteiligt gewesenen Herren die inzwischen veröffent­lichten Auszeichnungen zu erwirken und damit einer alten Gepflogenheit zu genügen, nach der bei wichtigen Vorlagen deren Vertreter und Bearbeiter ausgezeichnet werden.

Liberale Blockblä e geben diesen Klatsch mit Behagen wieder, weil ihnen jedes Mittel recht ist, um ihren Aerger über das Fiasko des Blockes Lust zu machen. Es spricht alles dafür, daß die Geschichte erfunden ist.

— Eine neue konservative Partei? Einer Berl. Korrespondenz zufolge sind am Mittwoch eine Anzahl von Vorstands-Mitglievern der kon­servativen Vereine Berlins und Umgegend in Ber­lin zusammengetreten und haben gegen die Hal­tung der konservativen Reichstags-Fraktion zur Reichsfinanzreform Stellung genommen. Die Ver­sammlung beschloß die Gründung einer neuen konservativen Partei „auf volkstümlicher Grund- läge". Das Procymmm und der Ausruf zum Beitritt sollen bereits in den nächsten Tagen ver­öffentlicht werden. Die konservative Reichstags- Fraktion dürste sich über diese Gründung kaum graue Haare wachsen lassen. Die liberale Presse wird natürlich nicht versehlen, jetzt den Ruin der konservativen Partei zu prophezeien.

Gegeben haben.

Für solche Finanzreform gibt's keine Polizei vorgenommen. Der Aufenthalt in Kiel Orden!" Eine ,Berliner Korrespondenz-erzählt. dauerte nur eine halbe Stunde, alsdann gmg ----- - die Fahrt nach Cherbourg weiter. Die Ankunft

Spitzel wird namentlich erwähnt. Es fehlt nur noch, daß die Maschinisten des „Standart" mit Namen genannt werden und daß auseinander- gesetzt wird, wie viele Wutkys ein Russe trinken muß, um sich seinen normalen Rausch anzu- ttinken.

)( Der lleberarbeit in Zigarrensabrikeu will die badische Regierung ein Ende machen. Die Besitzer von Zigarrensabriken lasten jetzt Tag und Nacht arbeiten, um noch so viele Zigarren als nur mög­lich auf den Markt zu bringen, ehe die Tabaksteuer in Kraft tritt. Man befürchtet, daß infolgedessen mit diesem Termin Arbeitslosigkeit eintritt, denn die Lager sind gefüllt, die Konsumenten Haden sich mit teils erheblichen Mengen versorgt, und außerdem geht der Konsum zurück. Die badische Regierung hat nun -die lleberarbeit in den Zigarrenfabriken verboten, soweit dieselbe mit der Tabaksteuer zusammenhängt.

* „O, wie beglückt ist doch ein Mann, wenn er Gedichte machen kann." So ein Be- gnabeler sitzt in der Redaktion eines westfälischen Blattes, der dem Fürsten Bülow folgende Grab- inschrift gewidmet hat:

„Hier ruht der einstige Kanzler des Blocks Um ihn trauert der Esel, das Schaf und der Ochs, Als Redner und Gaukler war er enorm, Er stolperte über die Finanzreform.--

Diese Verse waren von der liberalen Preffe als Beispiel für den „Ton einer gewifsen Zentrumsprefse" zitiert worden. Das Blatt war aber merkwürdigerweise nicht genannt, wo-- aus man schließen konnte, daß es sich wieder um einen kleinen liberalen Schwindel handelte. Mittlerweile hat diese Auffassung Recht bekommen. Das beireffenbe Blatt ist nämlich die.— West­fälische Rundschau', dasselbe Blatt, das von der liberalen Presse bei der Reichstagsersatzivahl im Kreise Lüdinghausen-Warendorf-Beckum und in den Reichsfinanzresormsragen als Eideshelferiu gegen das Zentrum mit besonderer Vorliebe zttiert wurde, ein Blatt, das mit dem Zen­trum gar nichts zu tun ha!. Auch di: ,Deutsche Tagesztgtt erkennt an, daß es völlig unberechtigt sei, die Roheit der ,Westf. Rund­schau- dem Zenlrum in die Schuhe zu schieben, und fugt hinzu: „Da das aber von Zeitungen geschehen ist, denen die Abschüilelung der,W. R.- durch das Zentrum auf das Genaueste bekannt war, fo bedeutete es zugleich eine bewußt unehr­liche Kampfesweise. — Ein anderes merk würdiges „Zentrumsblatt" ist auch das.Schwarz­wälder Vollsblatt' das jetzt plötzlich zu einer Tagesberühmtheit geworden, da die liberale Presse von einem Artikel dieses „Zentrnmsblaües" Notiz nimmt, worin von einem Mißmut in seinem Leiertteise über die neuen Steuern be­richtet wird. Darin will nun die liberale Preffe einen neuen „Riß im Zenttumslwcm" enibedt haben, indem das .Schwarzwälder Volksblaitt als ein waschechtes Zentrumsblatt hingestellt wird. Das ist aber nicht der Fall. Wenigstens rechnet das führende Organ der Zentrumspartei in Württemberg, das .Deutsche Volksblattt, das in Horb erscheinende .Schwarzwälder Vollsdlattt nichk zu den Zent'.umsblättern, sondern zu den „unsicheren Kantonisten". — Die liberalen Blätter werden deshalb im .Schwarzwälder Volksblattt eben oroenig einen Kronzeugen siuden, wie in der .Wests. Rundschau-.

* Rinteln, 29. Juli 1909. Bei der heutigen Landtags-Ersatzwahl wurde anstelle des

des Mannes sich in heißem Dank vor Gott, der alles so herrlich hinausgeführt hatte.

Herr van Thümer war ein häufiger Gast in Randenhagen. Er sah jetzt Herta an dem Platz, wo sie hingchärte, und er sagte es ihr, daß er sie in München ausgesucht, um 9tanben direkte Nach­richten zu bringen.

Ter Tauftag nahte, aber der Name der Stei­nen war noch nicht bestimmt, da sagte Randen zu seiner Frau: „Laß sie uns Frieda nennen, denn wir haben bett Frieden gefunden."

„Und mit ihm das Glück, Liebster", versetzte Herta, sich innig an den Gatten schmiegend.--

Im Hause des Hochosenchefs von Rößlingeu waltete jetzt eine junge Frau, die wie ein guter Engel ein- und ausging, zu bet die Armen und Leidenben kamen, zu benen sie in bie Häuser ging, hier tröstend, dort ratend, stets bereit, zu helfen und betzustehen.

Bernhard beeilte sich jetzt, heimzukehren. Bei feiner Arbeit, bei seinen Mühen und Sorgen, um das Hochofenwerk ging ihm der Gedanke an sein jutmes Weib und spornte ihn zu frischer froher Tätigkeit an.

Ja, sie wurde ihm der gute Kamerad, der durch lichte und dunkle Tage an seiner Seite blieb, deren weiche, aber habet feste Hand in bet des Mannes lag, bet ihr seinen Namen gegeben. Unb biefer Name hatte einen guten Klang, nicht allein durch bie Ahnen, bie das Wappenschild des Eiches aufwies, bie eigene Tüchtigkeit Bern­hards, fein unter fo schwieligen Verhältnissen angetretenes Arbeitsfeld, bas jetzt reiche, goldene Früchte trug, erhoben ben Hochofenchef zu einer bevorzugten Stellung.

Wie Müller beim Antritt der Stelle gesagt, es sei eine Herkulesarbeit, bie er unternommen, so war es gewesen. Es gehörte eine so männliche, kraftvolle Persönlichkeit, wie Bernhard sie be­saß, dazu um daS vernachlässigte Werk hochzu- bringen. Jetzt war es mehr als zur Hälfte ge­lungen. Wie erfüllte e8 Luisens Herz mit Stolz, faß, dazu, um da? vernachlässigte Werk bochzu-

bisherigeu Landtags • Abgeordneten Landrates Ritterguis-Besitzers v. Ditfurth (konservativ), der sein Mandat niedergelegt hat, dessen Bruder, Ge- neral v. Ditfurth-Berlin (konservativ) einstim­mig mit allen abgegebenen Stimmen gewählt.

]•[ Stuttgart, 29. Juli 1909. Die Finanz- Kommission der württembergischen Kammer nahm einen Regierungs - Vorschlag an, die Fahrpreise für die 4. Klasse von 2 auf 2,3 Pfg. zu erhöhen, nachdem der Minister diese Preiserhöhung im Hinblick auf die ganze finanzielle Lage Württem­bergs als unumgänglich bezeichnet.

Ausland.

** Frankreich. Der neue französische Kriegs- Minister scheint ernstlich bestrebt zu sein, mil der Lotterwirtschaft in der f r a n z ö s i s ch e n Marine aufzuräumen, denn kaum ist er am Ruder, so werden auch schon durchgreifende Veränderungen im Marineministerium gemeldet. So werden beispielsweise die Direktionsstellcn in den Ressorts der Artillerie, des Schiffbaues und der hydrau­lischen Werke neu besetzt. Gleichsam zur Recht­fertigung seiner Maßnahmen sind jetzt in den Arsenalen von Toulon ansehnliche Diebstähle von Pulver und Sprengmaterial ermittelt worden, während man in Brest die Entdeckung machte, daß in verschiedenen Forts das Platin der Blitz­ableiter gestohlen worden war. Das Personal der Arsenale scheint mit im Spiele zu fein. — Das Polizeigericht in Paris verfügte die Auf- löfung der Postbearnten-Syndikate, die sich bei dem letzten Ausstande konstituiert hatten. 16 Postbeamte wurden als Gründer der Syndi­kate zu je 16 Francs Geldstrafe verurteilt. — Die kürzlich vom Kriegsgericht in Casablanca über die Deserteure der Fremdenlegion verhängten Strafen sind vom Präsidenten Fal» liöres gemildert worden.

* England. Das britische Kriegsministerium hat beschsoffen, die Territorialarmee durch Bildung einer Reserve aus drei Klaffen zu er­weitern. Der ersten Klaffe sollen 100000 Mann angehören als Ersatz bei Verlusten im Kriege. Die zweite Klaffe soll eine technische Reserve darstellen. Die dritte Klaffe besteht itt einer Veteranenreferve aus gedienten Offizieren und Mannschaflen, um die Behörden in wirk- fame Beziehungen zu dem militärisch Nichtorgani­sierten Menschenmaterial zu bringen.

volkswirtschaftlicher und Soziales.

* Die Streikgefahr im schottischen Kohlen­revier, worüber wir mehrfach berichteten, ist noch nicht vorüber. Die in Glasgow abgehaltene Kon­ferenz zwischen den Bergwerks-Besitzern und den Führern der Bergarbeiter zur Herbeiführung eines Kompromiffes führte zu keiner Verständigung. Bei der inzwischen erfolgten Abstimmung unter den Mitgliedern der Vereinigung der britischen Gruben­arbeiter stimmten 518,361 Arbeiter für den Aus­stand zur Unterstützung der schottischen Gruben­arbeiter und 62,980 dagegen.

Aus Uirche und Schule.

* Münster, 27. Juli 1909. Ter Bischof Dr. Hermann Dingelstab hat bie ihm aus Anlaß sei- toar er in jeder Beziehung. In seiner Arbeit, in seinem Beruf, in feiner Ehe, bie ihm ruhige, harmonische Tage brachte. Einst chatte er an ein -anderes Glück geglaubt, an eine himmelhoch jauchzende Seligkeit, voll leidenschaftlicher Glut, --jetzt fragte er fick oft, ob es fo nicht besser war, und ob ein bauernbe3 Glück bei solchem Rausch nicht vergänglich gewesen wäre. Irm­gard Gerards verführerisches Bild tauchte bann wohl empor, aber es verschwanb gleich wieber vor dem Genügen ber Gegenwart, Vor dem, was er durch Luisens Besitz empfing.

Ines schrieb einige Monate nach ber Tauss der kleinen Frieda:

„Ihr Sieben in Rätzlingen!

Ich mochte gern auf drei Wochen zu Euch kommen. Hcrta kann mich jetzt entbehren, sie ist Wohl eine echte deutsche Laubfrau geworben. Denkt Euch doch, neulich ist ihre Freundin aus München, Thea Schönhaufen, jetzt Frau Albert Biittchen, einige Tage in Rcmdenhagen zum Besuch gewesen. Eine sonderbare Frau mit vielen Eigenheiten unb Kraftausbrücken, aber ttotzbem muß man sie gern haben, weil sie sehr gutmütig ist. Hnta sagte, baß Thea recht be­häbig geworben ist, bank dem Geschäft, welches ihr Mann betreibt, er ist nämlich Kolonialwa­ren- unb Delikateßhmrdler. Von einem ge­wissen Porträtmaler, Alfrebo Mandel, war viel die Rede, ein verkanntes Genie, bas sich nach Afrika begeben hat, um dort eine Be­rühmtheit zu werben. Er will zur Abw«hs- lung versuchen, bie Kongoneger zu malen. Vielleicht ist ihm bie schwarze Farbe wohl ge- sinnier.

Heber meine Zukunftspläne kann ich auch schon mit Euch sprechen: Tante Emma, unsere Lawising Mutter, bittet mich, zu ihr zu kam- men. Sie braudjt eine Hülfe Ich gehe gern in bie mir so lieb gewordene Forstei zurück. Also auf baldiges Wiedersehen!

Eure Schlvester Ines." (Fortsetzung folgt.)