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36. Iahrqanq

Fulda, Donnerstag den 29. Juli 1909

30 170.

(Nachdruck verboten.)

41]

Rerchslasten herangezogm wird, während die von den Liberalen geforderte Befihsteuer, die Erban- fallstener, den mobilen Kapitalbesitz die schönste Gelegenheit geboten Härte, sich der Steuer zu entziehen. Daher der ganze Jammer.

Diese Nebeneinanderstellung ergibt ohne wei­teres eine Art von Schematik; mit der Bülow- begeisterung des Kaisers dürste es also doch wohl nicht so weit her sein.

* Fürst Bülow und „seine" Minister. .Er wollt« gerecht sein und sich nicht überheben. Glitt, eingehüllt in gefälligen Wahn, allgemach aber in ein Heldmbewußtsein. Auch in die Form einer fast königlichen Existenz. Der Bundes­rat sah ihn kaum noch. Staatsminister laten staunend, sie seien von dem Vorsitzenden Kollegen in Audienz empfangen worden." — So liest man in der .Zukunft'. DaS eS dem Fürsten Bülow in der Tat an Selbstbewußtsein seinen verfloffenen Ministerkollegen gegenüber nicht gefehlt hat, geht

LrscheM »glich mit rlnmahme der S<r.m» Mid-Zetertaqe viertel» jSkMcherVeMgrpreir vhneVringertohn und vefteÜgelbwMdaf». wie onsroirts 1-50 Mr. yerentto. Redakteur: «arl Schütter

Gott der Herr schenke Ihnen nach einem so taten« reschen geben noch viele Jahre ungetrübte« Glückes.

Indem Ich Ihnen als äußeres Zeichen Meiner Dankbarkeit, Anerkennung und Zuneigung den Hohen Orden vom Schwarzen Adler mit Brillanten ver­leihe und die Insignien desselben hierneben zugehen kaffe, verbleibe Ich Ihr Ihnen ffetS wohlgeneigter, dankbarer Kaiser und König.

Bernhard von der Eiche.

Roman von Baronin Gabriele von Schlippendach.

im Juli 1909:

Es ist Mir ein Bedürfnis deS Herzens, Ihnen für die Hingebung und Aufopfe­rung. mit denen Sie in den verschiedensten Stellungen und Aemtern Ihrer ehren­vollen und segensreichen Dienstlaufbahn Meinen Borfahren, Mir und dem Balerkande so hervorragen­de Dienste geleistet haben, meinen wärmsten Dank noch besonders anszusprechen.

Nahrungsmitteln zu leiden hat, beseitigt werden können. Zu einer solchen Behörde soll der Aus­schuß des Reichsgesundheitsamtes unter Einver­leibung einer Anzahl von Praktikern misgestatret werden.

-f- Depeschrnbriefe. Die Reichspostverwal­tung plant die Einführung von Depeschenbriescn, die abends abgegeben, während der Nacht zum Sah von 1 Pfg. für das Wort antelegravhielt und am anderen Morgen bei dem ersten Beste!!- gange ausgetragen werden sollen. Bon den Großfirmen und Geschäftshäusern, die Staats­sekretär Krätke um ihre Ansicht befragt hat, wird der Plan auf das lebhafteste begrüßt. In Frankreich besteht eine ähnliche Einrichtung schon seit Jahr und Tag.

DerkonfervativeLandesverein in Sachsen, der bei der Reichsfinanzresvrm der konservativen Reichstags - Partei in der Erbschastssteuerfrage sehr lästig in den Rücken gefallen war, hat sich bekanntlich nachträglich f fit die Haltung der kon­servativen Fraktion ausgesprochen. In der Re­solution, die der Landesoerein aus diesem Anlaß gefaßt hat, wird zur Ehre der Vergangenheit Vas „Prin ip" der Erbanfallsteuer hochgehalten, aber dann gegenüber den liberalen Verdächtigungen festgeftellt, daß durch die jetzt beichlostencn Be- fitzsteuern der Grundbesitz nicht in geringerem, sondern vielmehr in stärkerem Maße, als es durch die Erbschaftssteuer geschehen sein würde, zu den Reichsbedfirsniflen herangezogen wird. Ferner wird anerkannt, daß die Liberalen bei der unbedingt notwendigen Finanrresorm ver­sagt haben, sodaß den Koniervatioen »nichts anderes übrig blieb, als den Versuch zu machen, die Finanzreform mit Hilfe des Zentrums zustande zu bringen*. In drei Absätzen der Re­solution wird dann zur Bescbwrchl gung der protestantischen Eiferer und Angstmeier ans. geführt, daß keinerlei Bfindnis zwischen den Konservativen und dem Zentrum abge- schlosten fei, daß auch künftig „etwaigen ultra­montanen Bestrebungen und Uebeeariffen stets auf da? energischste entgegen getreten werden" solle, daß die Liberalen viel häufiger mit dem Zentrum gegangen seien und daß von einer „Wiederanfrrchtung der Zentrumsherrschast" nur dann die Rede jein könne, „wenn die Liberalen, wie sie dies bei der Finanzreform getan, sich auch weiterhin selbst auSschalten und ihren An­teil an den nationalen Ausgaben des Reiches im Stiche Lffen." — lieber die „taktischen" Seitenhiebe gegen die „Ultramontanen" regen wir uns nicht im mindesten auf. Wir wollen ja auch keinen „schwarzen Block" und keine „Zen­trumsherrschast", sondern nichts weiter, als Gleichberechtigung und Freiheit zur Mitarbeit für das Zentrum. DaS scheint nach der Resolution sogar der Landesoerein für daS Königreich Sachsen uns zugestehen zu wollen. Es ist also unter der Wucht der Tatfachen eine Ernüchterung eingetreten selbst in jenen Kreisen, wo die Zentrumsscheu und das kon­fessionelle Vorurteil rhren Stammsitz haben. Man darf hoffen, daß die Klärung der Ansichten und Wiederherstellung der Einigkeit auch in den preußischen Bezirken der konservativen Partei nun flott vorwärts geht Einzelne „Stürme im Waflerglase", wie sie z. B. in Militsch bei einer Versammlung von Wählern des Herrn o. Heydebrand sich ereignet haben sollen, braucht man nicht tragisch zu nehmen. Solche verein-

Deutsches Reich.

r Berlin, 28. Juli 1909. Die Meldung, daß der Reichsinvalidenfonds am 1. Ott. d. I. vollständig aufgelöst werden soll, ist un­richtig. Nur die eigene Verwaltung des Fonds wird aufgehoben und der Fonds kommt unter die Verwaltung des Reichsschatzamtes. — Der Der UnterstaatSsekretär im preußischen Handls- ministerium, Richter, ist zum Unterstaalssekretär im Reichsamt des Innern ernannt worden.

** Der Kaiser ist auf seiner Jacht .Hohenzollern" am Mittwoch abend in Bergen eingetroffen.

* Das Abschiedsschreiben des Kaisers an den Fürsten Bülow wurde von den liberalen Verehrern des vierten Kanzlers vielfach als der Ausdruck eines besonders herzlichen Ver­hältnisses bezeichnet. Da ist es nicht ohne Interesse, daß der an den Fürsten Chlodwig Hohenlohe einst gerichtete Abschiedsbrief saft genau denselben Wortlaut trägt, wie das jüngste Dokument. Man kann lesen:

meine Hochöfen wivderzrrsehen", sagte ?r, „ohne Arbeit hielte ich es auf die Dauer doch nicht au?."

„Hardy, Randens bitten mich, mit Jhncin nah Randenhagen zu ziehen", teilte Ines dem Bruder am Abend mit.

„Ich habe es fd)on gedacht, Kleines. Du kannst dort viel gutes stiften, ich freilich werde T«h sehr vermiflen."

Es übermannte Ines: die Trennung fiel ihr namenlos schwer. Sie schmiegte sich an Bern­hards hohe Gestalt; stumm hielten sie sich um­schlungen.

„Mein guter älter Hard:)", wie wirst Du es einsa» haben ohne mich", sagte Ines mit schluch­zender Stimme:

„Kleines, daran denke ich nicht, wir sind cs Herta shuMg."

„Ich wäre ruhiger, wenn — wenn Du heira­ten würdest", kam es zögernd hervor. „Ich weiß auch, wer Dich glücklich machen würde."

Sie nannte Luisens Namen nicht, aber Bern­hard wußte, wen sie meinte. Mit d^n Verspre- chen, fleißig zu fchreiben, reiste der Hochofenchef nach Röstlingen zurück. Er fand so viel Arbeit vor, daß er oft vierundzwanzig Stunden nicht atti den Kleibern kann Ein alter Ofen war ausgegang/n, ein anderer hatte Reparatur nö­tig, die Bernhard beaufsichtigen mußte. An d>-n beiden neuen von ihm angelegten Oesen hatte der junge Chef seine Freude. Sie leisteten mehr als alle übrigen. Nach und nach hatte Eiche sich auch baS Vertrauen der hartköpfigen luxemkur- gischen Arbeiter gewonnen. Zwar gab es noch manche Widerspenstige unter, ihnen, aber die Mehrzahl neigte auf seine Sette.

„Streng aber gerecht ist er, und hat ein Herz für seine Leute." So lautere bas allgemeine Urteil.

Wie fchr Bernhard Ines vermixte, fühlte er täglich. OLe und einsam toar sein Leben außer­halb der Arbeit. Nun hatte er niemand, der ihn auf der Schwelle feines Hauses erwartete, mit dem er nach des Tages Last und Mühe ein bet­

SÄ»“Ä«- w-chM-wLe: „Illustrierte Sonntagszeitung"

Hertas Herzen gewinnen die edlen Triebe an Kraft. Jetzt leuchten ihre Augen auf, toenn Ran dm ins Zimmer tritt, sie eilt ihm entgegen, wenn er durch die Allee reitet und ruft ihm ein frohes .Willkommen" entgegen. Es hat wohl alles so kommen müssen, damit diese beiden sich finden. Sobald Herta Wohler ist, will sie bei mir einen kleinen Kursus in der Wirtschaft neh­men. Wie danke ich es der lieben Tante Emma, daß ich bei ihr erlernte, was im Haushatt not tut."

Weißt Du übrigens, baß Luise demnächst Röstlingen verläßt; sie schrieb ei mir. Die Fran Amtsrichter ist jetzt gesund, Luise will eine andere Stelle suchen. Es fällt ihr sehr säpver, von Röstlingen fortzugehen.

' Deine Ines'

Immer wieder dachte Bernhard daran. Er hatte eine kleine Geschäftsreise nach Trier ma­chen muffen und war mehrere Tage fort gewesen. So sollte auch dieser lichte Punkt feines Lebens ihm entschwinden. Er sollte die sanften, freund­lichen Augen nicht mehr sehen, die das weiche Frauenherz verrieten.

Eines Sonntags machten Amtsrichters, der Doktor und seine Frau einen Nachmittagsaus­flug nach Luxemburg. Die reizende Stadt liegt knapp eine Stunde Eisenbahnfahrt von Röb­lingen entfernt. Bernhard schloß sich der Ge­sellschaft cm, er sehnte sich darnach, mit Luise allein zu sein. Auf dem Spaziergang durch den schonen Park war es im Sommer recht unruhig, da Kinder und Großkinder dorr waren, und Luise stark in Anspruch genommen war. Die Röstlinger nahmeu in Luxemburg mehrere Droschken und sichren rund um die Stadt. Der Luxemburger Park ist ausgedehnt und hat breite Kieswege, lauschige Plätze mit Banken, und hübsche Gartenanlagen. Was bqni Deutschen aufsällt, es gibt keine Restaurationen, nur CafSs in der Stadt. Das feinste Hotel ist das von Brafleur, teuer, aber sehr gut. Dorthin wollten die Nöstlinger gehen, um zu speisen. (F. f.)

auch aus dem AbschiedSerlaß hervor, den er, als eine seiner letzten Amtshandlungen, an diese gerichtet hat. Er spricht darin seinen Dank auS für die „ihm geleisteten" mehr oder minder langjährigen Dienste. Wie das Schreiben in dem einen oder anderen Ministerium gewirkt hat, läßt sich leicht vorstellen.

-f- Die Reform des Auswärtigen Amtes, über die im November vergangenen Jahres so viel gesprochen und geschrieben wurde, schien etwas in Vergessenheit geraten zu sein. Heute bringt die ,Neue gesellschaftliche Korresp/ von „zuständiger Stelle" Mitteilungen über den Stand der angekündigten Reformen. Danach sind Ver­handlungen eingeleitet worden über eine Verein­fachung des Geschäftsganges, diese Verhandlungen sind aber noch nicht zum Abschluß gelangt. Da- gegen hat sich bezüglich des zweiten Teiles der Reform bereits die dringende Notwendigkeit er­geben, für die politische Abteilung einen neuen Direktorposten einzuführen, die allgemeine Zunahme der Aufgaben vornehmlich in der politischen Abteilung wird aber auch n och andere St ellenvermehrungen erforderlich machen. — Bereits im November haben Kenner der Verhältnisse darauf hingewiefen, daß die ganze große „Reform" schließlich sich in einer Vermehrung bei Personals deS Auswärtigen Amtes erschöpfen werde.

* Eine neue deutsche Kaiserjacht. Wie ver­schiedene Blätter berichten, wird bei der Beratung des nächsten Marineetats die Regierung eine Vorlage für den Neubau einer kaiserlichen Dampf­jacht einbringen, da die „Hohenzollern" nach fachmännischem Urteil in keiner Weise mehr den Anforderungen entspreche, die an ein mo­dernes Schiff gestellt werden müssen. Die Jacht, die nach den eigenen Angaben und Wünschen deS Kaisers erbaut werden soll, wird ungefähr 8 Millionen Mark kosten DaS Modell ist be­reits auf der kaiserlichen Werft sertiggestellt.

X Die Kaffee- und Tee-Nachverzollnngs- ordnung ist soeben amtlich veröffentlicht worden. Die erhöhten Zölle treten bekanntlich am 1. Angnft in Kraft. Befreit von der Nachverzollung sind Kaffee und Tee im Besitze von Privaten, wenn die Menge nicht mchr als 10 Kilogramm beträgt.

br. Neuregelung der Sonntagsruhe. Der erste Entwurf einer Novelle zur Neuregelung der Be­stimmungen über die Sonntagsruhe wird demnächst im Reichsamt des Innern fertiggestellt werden. Im Anschluß hieran sollen erneut Konferenzen mit den Vertretern der verschiedenen Gewerbezweige statt« finden. Der Entwurf will die Sonntagsruhe im Interesse der Handelsangefielllen noch mehr er­weitern und für gewisse Geschäftszweige nur noch die Zeit vor dem Hauptgottesdienft frei geben.

X Eine Reform des Nnhrnngsmittelgesrtzes ist vom Reichsamt des Innern ins Auge gefaßt worden. Nach dem Nahrungsmittelgeseh von 1879 wurdem eine Anzahl von Sonder gesehen über die Verwendung bleihaltiger Gegen­stände, gefundh'itsschädlicher Farben, von Sa­charin usw., über die Herstellung von Mar­garine und Käse, über den Vorkehr mit Wein usw., sowie Bestimmungen über die F l e i s chbes ch e. u erlasse!». Für die übrigen Nahrungsmittel aber bestehen keine Schutzgesetze. Es soll daher zunächst ein: Stelle geschaf­fen werden, die von Fall zu Fall Entscheidungen trifft, in welcher Art und Weife Nahrungs- und Genußmittel unterfucht und begutachtet werden sollen und die z. Z. bestechenden großen Miß- stände, unter denen der redliche Verehr mit

4- Zur Rechtfertigung der neuen Befitzstenern.

Die liberale 'Presse hat noch immer schwere Arbeit damit, das Werk der Finanzreform schlecht zu machen. t ,

8nr Zeit machen Ausführungen des bekannten Geheimrats Helfferich, des Direktors der Deut- -scheu Bank in Berlin, die Runde durch die liberale Presse, die zu dem Ergebnis gelangen, daß die Bcsitzftenern in Wirklichkit fast ausschließ­lich Stauern auf Verkehr, auf Kapitalbeschaffung und auf Schulden seien. Das wird des näheren jaus geführt bezüglich des Scheckstempels und der Erhöhung des WMelstsmpels. Nun geben wir 'zu, daß eine Polemik gerade gegen diese Steuern, die ober zusammen nur 20 Millionen erbringen soll, verhältnismäßig leicht ist. Für den Sche ck- stempel htchen wir von Anfang an nicht be­sondere Sympathie gchabt; nebenbei bemerkt, dürfte der von der Regierung geschätzte Ertrag chon 13 Millionen sich als kolossal überschätzt her- ausstellen. Mit der Erhöhung des Wechsel­stempels kann man sich schon eher befreunbea, den» sie trifft nur die langfristigen Wechsel, wie sie bei Kautionswechseln und Bankkreditoperatt i nen üblich sind, während der gewöhnliche Ge- schäftAierikkhr nur ausnahmsweise Wechsel von längerer Laufzeit als 90 Tagen ausstellt. Die Erhöhung des Wechselstempels trifft in Wirklich­keit fast nur die Banken, Großhandelskreise und Feuerversicherungsgesellschaften — diese Feststel­lung wird von Herrn Helfferich wohlweislich un-

Bei fier Beurteilung dieser beiden Ste>- >t übrigens daran zu erinnern, daß sie nicht von der Finanzkommission „erfunden", fon- Jberti von der Regierung vorgesckllagen toor- t>en find.

Herr Helfferich polemisiert dann weiter gegen t>ie Talon steuer, von der er eine große Be- lästinnng und Beunruhigung des Verkehrs und »eine schwere Schädigung unserer wirtschaftlichen itnb finanziellen Position erwartet. Wir können -nicht einfehon, wie das der Fall sein soll, und ändere Leute, die von den Verhältnissen in Han­del und Verkehr auch etwas verstehen, vielleicht nicht weniger als Herr .Helfferich, vermögen dies Ebenfalls nicht einzusehen. Der Hmipttrumpf <cgcn die neuen Besihsteuern ist nun der, daß sie en Besitz nicht „in seiner Reife, sondern in sei­nem Werden" ergreift. Ja, was heißt denn Bs- ' ckitzsteuer? Besitzsteuer ist eine Steuer zu nennen, Hie von dem Besitz im Sinne von Vermögen8- ,macht erhoben wird. In diesem Sinne find Be- stysteneru die Vermögens- und die Erbschafts­steuer. Bositzsteuec darf aber mit dollem Rechte auch eine solche Steuer genannt werden, die aus­schließlich von den Besitzenden, von den reichen Leuten, den großen Gesellschaften und Unterneh- nmnaen erhoben wird. Solche Steuern, welche die Besitzenden ,und zwar vor allem die Besitzer mobilen Kapitals, treffen sollten, wollte die Reichstagsmehrheit schaffen, und sie hat sie ge­schaffen irt. der Erhöhung des Stempels auf Aus­gabe neuer Wertpapiere und in dem Talonstem- pel, die zusammen einen Ertrag von 50 Millio­nen aufbringen sollen. ES ist kein Zweifel mög­lich,'daß diese beiden Steuern allein und aus­schließlich die besitzenden Kreise treffen. Wenn mau ihnen die Bezeichnung ..BesiWeuenr" vor­enthalten will, weil sie nicht von den» g e s a m - tcn Vermögen stütze berechnet werden, so dünkt uns-das ein leeres Spiel mit Worten. Nach Unserer Ansicht kommt ihnen die Bezeichnung Be- sitzsteuern mit Recht zu.

Die ganze Erregung hat tu nichts weiter ihren Grund, als in dem Aerger darüber, daß der mobile Ktwitalbesitz durch sie in einem üb» girens noch viel zu geringem Maße zu ben

Ines reifte allein nach München zurück, wah­rend Bernhard noch einen Abstecher nach Salz- bürg machte, um über München hemizukehren. Er wollte sich noch einmal von der völlige, Kvei. fachen Genesung Hertas überzeugen.

Ines war über die Fortschritte überrascht, die grau von Randen zur Besserung gemacht hatte. Sie saß schon einige Stunden am Tage in dem sonnigen Garten des Krankenhauses; ein leises Rot färbte das durchsichtige Gesutz und die Stimmung war gehoben und glücklich. Was hc-ucfte Liebe ersinnen konnte, brachte ihr Maun ihr entgegen und sein Werben blieb nicht wie früher incherücksichtigt, es fand einen Widerhall in der Seele der Frau, die von des Schicksals wuchtiger Hand gebamütigt worden war, um zu der Eitkermtnis zu kommen, daß sie einen Krv» weg gegangen war.

„Ines", sagte Randen eines Tages, „ich möchte Dich um etwas bitten, aber ich wage eS nicht recht."

„Sprich Dich aus, Friedrich"

„Könntest Du nicht zu uns nach Rondenhagen übersiedeln? Herta bedarf noch der Pflege und tfj bin oft in Geschäften abwesend. Bitte, komm mit uns."

„Gewiß, ich will es, Friedrich."

„Es ist viel, was ich von Dir verlange, Lieb­ling."

„ Wieviel es war, wußte Ines am besten, aber sie 'zeigte es nk&t. Ein Opfer muhte stul ge­bracht werden, sonst verliert es an Wert.

Brnhard konnte nur einen halben Tag bei dcii Geschwistern bleiben; « sah frisch und ge­bräunt aus.

„ES war sehr schön, aber ich freue mich doch,

ständiges Wort reden konnte. In dieser Zeit war er osl bei Amtsrichters. Tort fühlte er sich hnmisch Was ihn hinzog, war nicht allein das biiderc. freundschastli^e Wesen des Hausherrn, Luffenz gleiche Sanft,»»-, ihr Eingehen auf seine Interessen, fesselten den ernsten Mann, der sich mit ihr am liebsten unterhielt. Noch war ihm der Gedanke nicht klar, daß er sie gern als sein Weib und treuen Kamerad.>n an seiner Seite sehen möchte, aber der Keim dazu lag in seinem Herzen; es bedurfte mir eines kleinen Anlasses, um ihn zur Blute zu bringen.

Ines schrieb aus Nandsndagen: „Mein lieber alter Hardyl

Nun bin ich schon über zwei Monate hier und kann Dir über Hertas Gesundheit nur Gutes berichten. Sie hat sich zwar noch nicht völlig von ihrer fd)tvcren Krankheit erholt, eine gewisse Schwäche ist noch geblieben, aber auch die wird bald verschwinden, und unsere liebe Schwester wird sich ganz erholt haben. So schwer ich unter der Trennung von Dir und Rößliugen leibe, so sehe ich es dock ein, daß mein Platz jetzt hier ist, wo ich mich nützlich machen kann. Randen sagt es mir oft, daß ich ihnen unentbehrlich geworden bin. Das ist wohl etwas zu viel behauptet. Nein, wie herzensgut »Nd rücksichtsvilll Randen ist, wie ä Herta auf Händen trägt und ver­wöhnt. Man vergißt sein Aeußeres über den Zug reinster Güte, in seinem Gesiht. Kein Manu kann so um einer Frau Liebe wettben wie Randen. Und Herta sieht es ein. Sie ist ganz anders geworden, viel weicher und fug- famer; ihr Trotz ist gebrochen in der Schule des Lebens. Sie hat mir erzählt, wie es ihr in Mün­chen ergangen ist, sie hat viel ausgestanden und das Bitterste erlebt, die Einsicht, daß sie in ihren kühnen Hoffnungen getäuscht wurde, daß sie ein großes Unrecht an ihrem Gatten begangen hat. Wenn ich .Herta körperlich hege und pflege, so tut es Randen seelisch; er verbindet die tiefsten Wunden, die das Leben schlug und seine Liebe weckt einen Widerhall. Ich sehe es deutlich, in

im Oktober 1900:

63 ist Mir ein Bedürfnis, Ihnen bei dieser Gelegen­heit, wo Sie im Begriffe stehen, eine lange und ehrenvolle Dienstlaufbahn abzufchließen, für die lang­jährigen, treuen und aus­gezeichneten Dienste, welche Me dem Reiche, dem Staat sowie Meinen Vorfahren und Mir mit aufopfernder Hingebung und unermüd­licher Pflichttreue unter den fchwierigsten Verhältnissen geleistet haben. Meinen wärmsten Dank noch be­sonders auszusprechen.

Möge Ihnen nach einer fo tatenreichen Vergangen- beit durch Gottes Gnade ein langer, glücklicher Le­bensabend beschiede» sein.

AlS äußeres Zeichen Meiner Anerkennung und MemeS dauernden Wohl­wollens verleihe Ich Ihnen den Hohen Orden vom Schwarzen Adler mit Bril­lanten und lafle Ihnen deffen Insignien hierneben zugehen. Ihr Ihnen stets wohlgeneigter, dankbarer Kaiser und König.

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