Jahrgang
Fulda, Dienstag den 27. Juli 1909
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Verlag der Lukdaer At- E . , , , , , . .. tiendruckerei in Lulda
Monatsbeilage: „Zuldaer Geschichtsblatter 5-rnsprecher Rr.y.
„Vielleicht enthüllt die Seit, was so verworren feteint, daß niemand die krausen Fäden ordnen kann", dachte Bernhard.------—
Die beiden neuen Hochöfen brachten so viel Arbeit mit sich, daß dem jungen Chef keine Zeit zum Grübeln blieb.
Luis« und Ines hatten jetzt einige Male in der Woche Verabredungen. Sie lasen zusammen, besuchten ihre Armen und nähten für sie. Die Frau Amtsrichter- mußte noch länger fortbleiben und bat Fräulein Krause sie zu vertreten. Luise blieb nur zu gern. Sie hatte Rohlingen lieb gewonnen. Das Hochofenmerk, der ganze Betrieb, die Arbeiter, alles interessierte sie, und dieses Interesse ging von dem ans, der die verschlungenen Fäden in den kraftvollen Händen hielt, der i rastloser Tätigkeit an der Spitze des großen, schwierigen Unternehmens stand. War es ein Wunder, daß das Mädchenheez denjenigen liebte, dem sie bewundernd gegenüberstand? Und etwas von dieser geheimen Liebe war Bernhard im Laufe der Zeit bewußt geworden. Etwas sprach auch in seinem Herzen für Luise, in der er die Frau sah, die treu durch Stürme und lichte Tage mit dem Manne ihrer Wabl geben würde.
Hertas Briefe an die Geschwister klangen tn dieser Zeit schon viel weniger siegesgesviß. Bernhard und Ines waren ihretwegen unruhig und beschlossen, ihre Reise zuerst noch München zu machen, um zu sehen, wie es der Schwester ging.
Ende Mai trat Bernhard feinen Urlaub an, und für drei Wochen sagte er feinen Oefen Lebe- wohl, schüttelte den Arbeiterstaub von sich, um ein freier Mensch zu werden, dem die schöne Gct- teswelt entgegenlachte.
Sie reiften mit einem kurzen Aufenthalt in Nürnberg weiter, und kamen spät abends in der Jsarstsdt au. Es hatte Bernhard und Ines befremdet, daß sie auf ihr« letzten Briefe von Herta keine Antwort erhalten hatten. Eine große Unruhe bemächtigte sich ihrer, als sie in der Herrenstraße bei der Wirtin ansragten, und öiefe ihnen nichts näheres über den Verbleib ihrer einstigen
sie die Haltung der konservativen Reichstags- raktion gebilligt, sodaß es also mit der auf iberaler Seite erträumten Trennung der sächfi- chen von den preußischen Konservativen wieder nichts geworden ist.
* Sozialdemokratische „Volks"- Vertreter. Wie die sozialdemokratischen Abgeordneten bet der Abstimmung über die neuesten Steuergesetze im Reichstage die Interessen des „Volkes« Betreten haben, ergibt sich aus den Tatsachen, daß te stimmten:
1. gegen die Steuer auf Wertpapiere.
2. gegen die Zollerhöhung auf ausländischen Champagner. , . „ ....
3. gegen die Steuererhöhung auf mlandtschen Champagner. .
4. gegen die Zuwendung von mer Millionen Mk. an arbeitslos werdende Tabakarbeiter.
Wahrlich, die Genoflen haben alle Ursache, ehe sie gegen die „Volksräuber« in den bürgerlichen Parteien wettern, vor der eigenen Türe zu fegen. Sie haben sich bisher immer als Beschützer des Großkapitals, insbesondere des Börsenkapitals, erwiesen und sind stets gegen jede Verteuerung des „Volksgetränks" Champagner eingetreten. Was aber durch die Schuld der sozialdemokratischen Abgeordneten die Börsenmänner und Champaguertrinker an Steuern nickt zu zahlen brauchen, wird auf die breiten Masten abgewälzt. Daß die Genosten gegen die Zuwendung an die arbeitslos werdenden Tabak- arbeitet stimmten, ist besonders interestant.
* Landau (Pfalz), 26. Juli 1909. Die Zen- trumsparteileitung hat in völliger Ueberemsttmmung mit den Vertrauensmännern der Partei für bte Stichwahl am 30. Juli einstimmig Wahlenthaltung proklamiert.
* Die Bierpreiserhöhung.
Die Bierpreiserhöhung für Berlin ist jetzt festgesetzt. Die vereinigten Berliner Brauereien haben sich in Abänderung ihrer früheren Be- schlösse jetzt damit einverstanden erkärt, daß der Mindestpreis von 17 Mark pro Hektoliter aus SO Mark, also nur um 3 Mark, statt um 5 M. herausgesetzt wird und als Normalpreis 21 M. pro Hektoliter gelten sollen. Die Brauereien der norddeutschen Brausteuergemeinschaft können also doch auch anders, nachdem sächsische, mittel» ,md süddeutsche Brauereien eine geringere Preiserhöhung beschlossen hatten. — Die Brauereien im Reiche haben sich zum größten Teil mit einem Preisaufschlag von 3 und 4 Mark pro Hektoliter begnügt, nur in Ausnahmefällen wurde zu einem höheren Satz gegriffen. — In Mainz haben die sämtlichen Brauereien sich auf einen einheitlichen Bierpreis mit ihren Abnehmern geeinigt. Es kosten vom 1. August ab in allen Wirtschaften drei Zehntel 12 Pfennig (bisher 10 Pfennig), vier Zehntel 14 Pfennig (bisher 12 Pfennig); Flaschenbier in V» Liter-Flaschen 15 Pfennig (bisher 12 Pfennig), (lieber die Bierpreiserhöhung in Fulda vergleiche Lokales.)
zuschicken, damit ihre Anträge keine Aus- sicht auf Annahme hätten! Sie wußten, daß ihre Forderungen für die Regierung unannehmbar seien und hofften, daß sie auch von der Mehrheit deS Reichstages abgelehnt würden. Um so großer mm ihre Verlegenheit, als bei der zweiten Lesung ihre Anträge wider ihr eigenes Erwarten Annahme fanden und dadurch die ganze Vorlage zu scheitern drohte.
Unsere Beamten wissen ohnehin schon, daß der Liberalismus mit seinen Redereien weiter nichts vor hatte, als ihnen Sand in die Augen zu streuen! Im übrigen sind wir gespannt, ob und wie sich der Liberalismus zu der Mitteilung des Abg. Dröscher äußern wird. ,
)( Ein interessantes Ergebnis hat die erste Wahl der Ortsschul - Inspektoren in Sachsen-Altenburg gebracht. Daselbst sind nach der Aufhebung der Ortsschulaussicht der Geistlichen die Ortsschulinspektoren zu wählen, und zwar sind sämtliche Wahlberechtigte auch wählbar. In 170 Gemeinden befinden sich nun unter den Gewählten nicht weniger als 70 Geistliche, während die übrigen Gewählten sich aus allen Berufsklassen regulieren. Dies zeigt uns zur Genüge, daß der Protest gegen die Ortsschulaufsicht der Geistlichen vom Volke keineswegs allgemein geteilt wird, sondern daß man in sehr vielen Gemeinden trotz der heftigsten sozialdemokratischen und liberalen Agitation an den Geistlichen als den berufensten Ortsschulinspektoren festhält.
* Hebet die Beaufsichtigung der Drogenhandlungen waren im preußischen Landtage Beschwerden geführt worden, weil die aus den Revisionen den Gemeinden zur Last fallenden Kosten in keinem Verhältnis zu dem Nutzen stünden. Berliner Blättern zufolge sind darauf- hin die Regierungspräsidenten vom Kultusminister zu Berichten aufgefordert worden, ob imd in wiefern in den Bestimmungen über die Beaufsichtigung der Drogenhandlungen eine Milderung eintreten könne.
)( In Sachen der Arbeiterlegitimatlonskarten ist die preußische Regierung Italien insofern ent- gegenaekommen, als durch einen soeben erfolgten Erlaß des Ministers des Innern die zuständigen Behörden angewiesen werden, Arbeiter, die ohne den Auslandsnachveis angetroffen werden nicht sofort auszuweisen, sondern sie vorher mindestens einmal und je nach Lage der Sache öfter zu verwarnen. Außerdem sollen die Polizeiorgane den um Rat fragenden ausländischen Arbeitern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Der Forderung Italiens, die Angelegenheit einem Schiedsgerichte zu überweisen, bat Preußen abgelehnt.
X Größere Sichcrheitsmaßregeln sind seitens des Reiches aus Anlaß der Zaren reise in dieser Woche getroffen worden. Zur Sicherung des Nordostsee-Kanals, den der Zar am Mitt- woch mit seiner Jacht „Standart" auf der Reise nach Kiel durchfahren wird, find je zwei Schwadronm des Wandsbeker und des Schleswiger Husaren-Regiments ausgerückt, um nebst Infanterie beide Kanalufer auf der ganzen Linie zu besehen und alle Uebergänge und Brücken zu bewachen. __ „ .
♦ Politik in Fachblättern. Die Leitung des A-B-C der Schuhsabrikation erklärt die letzthin hur gerügte Entgleisung als „versehentlich mit durchgerutscht«. Eine entsprechende Erklärung werde in der nächsten Nummer des A-B-C folgen.
)( Die sächsischen Konservativen haben ihre von ihren preußischen .jarteisreunden abweichenden Stellungnahme zur Reichsfinanzreform ausgegeben. In einer Generalversammlung in Dresden haben
Ausland.
** England ist keine Insel mehr! Nach deir glücklich verlaufenen Kanalfluge des französischer Aviatikers BlSriot, zittert wieder ganz England und befürchtet jetzt aufs neue einen Hebet- fall aus den Lüften. In der englischer Presse ist denn auch die Stimmung über den Erfolg Blsriots keineswegs gehoben. Wenn curf ein Londoner Blatt meint, eine Schwalbe mach« noch keinen Sonmier, so sind doch die meister anderen englischen Zeitungen geneigt, dem glück
■xulöaer
toodicnteimee: „Illustrierte Sonntagsjcitung
Mieterin sagen konnte. Professor Beyersteir war Verreist und die Akademie geschlossen bi) zum Herbst. ,
„O, was sollen wir tun, Hardy? fragt, Incks.
„Einfach auf der Polizei nachfragen, Schwe sterchen. . , .
„Vielleicht ist Herta überhaupt nicht mehr u München. Wo finden wir sie? Am Ende ist ihi etwas zugestoßen.« , ,
Ines Augen flössen über. Endlich erführe, die Geschwister, daß eine Frau von Randen ii der Arcisstraße in einer Dachkammer lebte. All die Eiches das hohe häßliche Haus sahen, schtw eine trübe Vorahnung in ihre Herzen. Sie touro bestätigt durch die Wirtin, die Herta di- L-tnd Vermietet (Kitte.
„Die Frau Baronin ist im städtischen Kranken hause! vorgestern hat man sie fortgebracht", sagt die Frau in ihrem gleichgültigen Ton. „Si muß schon lange krank gewesen sein, sie schleppt sich nur noch umher. Ja, ja, das viele Malei für das Geschäft ist daran schuld und die schlecht Kost. Ra, ich habe es ihr gesagt, sie wollte nid) hören."
„Ich möchte das Zimmer sehün", flüstert Ines dem Bruder zu. „Unsere liebe, arme Herta.
Die Vermieterin öffnete eine schmale nieder Tür. Bernhard und Ines standen in dem dürf tigen Raum.
„Hier hat sie gewohnt.«
Die Sonne beschien grell seine ganze Arm seliakeit, die häßliche, gelbe Tapete mit den « ten'Blumen, das eiserne Bett mit der dumie! Matratze, die abgestoßenen, wenigen Model. Un auf dem Tisch einige der gemalten Facher int Disitenkai tentäschchen.
Die Vermieterin deutete darauf. „Ich soi ne zu Münster u. Strauß bringen«, sagte fd Le? ist das Geschäft, für das die Frau Baron» arbeitete."
(Fortsetzung fotaP
nachher unglücklich zu sein. Aber jetzt Isar sie frei und besaß das, wofür sie sich schnöde hingegeben, das rote Gold des alten Mannes.
„Weiß man nicht, wo Gerard lebte, ehe er nach Europa kam? Was war er, ehe er das Vaterland verließ?" fragte Bernhard.
„Er soll in seiner Jugend preußischer Gardeoffizier getoefen sein", entgegnete Osterfeld, „dann wanderte er aus und war bald in Amerika, dann in Australien. Wie er zu tem vielen Geld gekommen ist, mag Gott wissen. Mehrere Jahre war er Farmer im fernen Westen, dann Plantagenbesitzer in CaNada, Goldgräber in Kalifornien. Landsleute haben ihn gesehen, aber er vermied es, mit ihnen in nähere Berührung zu treten. Etwas Scheues haftete seinem Wes.n an. Erst als man sich kaum mehr seiner erinnerte, tauchte er in Europa auf, lebte einige Jahre in Rußland, wo er in Eisenbahnaktien spekulierte, und fabelhaft gewann. Er legte einen großen Teil seines Geldes hier in den Rößlinger Aktien an; man kann sagen, daß ihm zwei Drittel des Werkes gehörten. Damals, als Gerard Aktionär wurde, versprach das Unternehmen guten Erfolg, nach und nach verschlimmerten sich die Aussichten, und Sie wissen selbst, es stand nicht zum besten, als Sie hierher als .Hochofenchef kamen, Herr Baron."
Das Gespräch ging auf geschäftliche Tinge über.
Bernhard von der Eiche fuhr in seltsamer Erregtheit von Mon Repos fort. Das ihm von seinem Vater anvertraute Geheimnis schien irgendwie mit dem Gatten Irmgards in Verbindung zu sein. Daß der Name Gerard nicht der eigentliche des Millionärs war, ahnte der Hochofenchef. Ein dichter Schleier hüllte alles ein, ohne sicheren Anhalt war er nicht zu heben. Und wie sollte es Eiche tun? War das Original des Oelbildes mit der verblichenen Photographie im Album seiner Mutter, der Majorin von her Eiche, identisch?"
sreundlichkait des Hansabundes, dieser national- iberalen Gründung, glauben. Wer sich trotzdem von den mittskstandsfreuMichen Phrasen zum Beitritt verführen läßt, dem werden ob der Ta- en des Hansabundes gar bald die Augen aufgehen. ___________________________
Deutsches Reich,
! Berlin, 26. Juli 1909. Das preußische Staatsministerium hielt am Montag eine Sitzung ab. — Die Reise des deutschen Kron- prinzenpaares nach England, die gelegentlich des Besuches des englischen Königspaares in Berlin im Februar d. I. in Aussicht genommen wurde und im Juli stattfinden sollte, scheint aufgegeben worden worden zu sein. Die Gründe dafür sind zweifellos ganz privater Natur, wie auch der Besuch selbst als ein reiner Familien- besuch geplant war. — Der „Reichsanz." ver- öffentlicht eine Bekanntmackung des Reichs- kanzlers, wonach wegen der Cholera in Riga alle von dort kommenden Schiffe und deren Insassen vor der Zulassung zum freien Verkehr ärztlich untersucht werden sollen.
(♦) Der Kaiser wird am 3. August von seiner Nordlandreise in Swinemünde eintreffen.
(*) Reichskanzler von Bethmann-Hollweg wird Berliner Blättermeldungien zufolge Ende August nach Jsckl reifen, wo er eine Zusammenkunft mit dem österreichischen Minister des Aeußeren Freiherrn von Sehren tat und vielleicht auch mit dem italienischen Minister des Aeußeren Tittoni und dem ungarischen Ministerpräsidenten Weckerle baten wird. Ein Zusammentreffen mit König Eduard von England soll entgegen anders lauten« ben Nachrichten nicht stattfinden.
)( Es scheint doch geholfen zu haben. Wie Ber- liuer Blätter mitteilen, ist infolge der offiziösen Kundgebung der Regierung in der weiteren vorzeitigen Ausgabe von Zinsbogen ein Still- stand eingetreten. Allgemein ist man der Ansicht, daß der Bundesrat im Herbst eine geichgeberisck-e Maßregel herbeiführen wird, die die Stenerdrücke- berger energisch anfaßt.
)( Eine Weinzollordnung soll auf Beschluß des Bundesrates am 1. September in Kraft treten. Danach iinterliegen Weine re. einer amtlichen Untersuchung auf ihre Einsichrsähigkeit. Indes werden italienische und österreich-ungarische Erzeugnisse ohne Unterschied zngelafien, wenn für sie ein entsprechendes Zeuonis des Urivrimg- landes beigebracht wird. Besondere Vorschriften find für Verschnittweine und Verschnittmoste erlassen. Nachdem der Bundesrat schon früher den Eingangszoll auf Schaumwein von 180 auf 130 Mk. ermäßigt hat, ist jetzt auch der Ein- fuhrzoll für ausländische Weine, Kognak, Spirituosen, Liköre usw. bedeutend herabgesetzt worden.
)( Schwer blamiert hat sich der Liberalismus, wenn sich folgende sensationelle Meldung bewahrheiten sollte. Der konservative Abgeordnete Dröscher macht in der „Meeklenb. Warte« den Liberalen den Vorwurf, daß ihre so oft in den Parlamenten von ihnen in allen Tonarten gepriesene Fürsorge für die Beamten plumper Schwindel ist. Es heißt dort:
Wie wenig ernst es ihnen seihst (den ßiberalen) mit ihren weitgehenden Anträgen tbei der Besolvungs- vortagei war, wie sehr es ihnen nur auf die Agitation nach außen, nicht auf eine ernste Verwirklichung erfüllbarer Forderungen ankom, geht am deutlichsten daraus hervor, daß sie in der Budgetkommission mir anboten, eines ihrer Mitglieder Hinaus
ri- Hansabund und Mittelstand
Lwei Begriffe, die in der letzten! Zeit viel in tinem Atemzuge genannt sind und die doch in Wirklichkeit ein Gegensatz von Wgrundtrefe trennt. Dieser Gegensatz hegt so klar Mage, daß es unbegreiflich ist, da ß fid) nod) Seitte ftn- ten, die sich von den Phrasen von der Mtttel- standsfveundlichkeit des Hansabundes betören las. L, eines Bundes, der. nach seiner Zusammen- fetzung unmöglich mittslstandsfreundlich und handwerkerfreundlich sein kamt..
Diese Erkenntnis hat sich ja auch schon bei zahlreichen Mitttstands -und Handwerkervertre- tunqen Bahn gebrochen, intern sie den Beitritt «blehnten. Aber es gibt doch noch ewige, die sich betören lassen. Von jeher hat zwischen Handwerk und Industrie der denkbar schärffte Konkurrenz, kampf getobt; das wird sich auch niemals andern, denn die Industrie ist ter naturgemäße Femd des Handwerks. Auch ter Hansabund wird da nicht alle Verhältnisse auf den Kopf stellen können. Seine mit so vielem Lärm verkündete Mtt- telstandsfreundlichkeit ist nur ein Mäntelchen, mit denen die eigensüchtigen Pläne des grotzkapita» Mischen Hansabundes verdeckt toeroen sollen. Darüber sollte sich doch niemand täuschen. Ueb- irigens schon die eine Tatsache, daß der Hansabund eine Gründung der Nat i o n allibe r a - len ist, daß die Nationalliberalen die geistigen -Führer sind, genügt, um die angebliche Mittel- jstandsfreundlichkeit des Hansabundes in das stechte Licht zu rücken. Zwar haben die national- liberalen Wortführer im Reichstag bei jeder '©elageriteit das Wort „mittelstandsfraundlich" oder „mittelstandsfeindlich" im Munde geführt. Aber das waren Phrasen, nichts wie Phrasen. Denn die Tatsachen sprechen eine andere, aber beredtere Sprache.
Was haben denn die Nationalliberalen für den Mittelstand geleistet? Nichts! Wohl aber -haben sie sich im Reichstag fast allen mittelstands- freundlichen Maßnahmen feindselig gegenüber gestellt. So hat sich die nationalliberale Partei in den Jahren 1881, 1383 und 188-1 gegen jede Erweiterung der Rechte der Innungen erklärt, im Jahre 1883 stimmte sie auch geschlossen gegen das Gesetz zur Einschränkung des Hausierhan- tels: 1887 stimmten die Nationalliberalen mit «iner einzigen Ausnahme gegen das Gesetz betreffend Erhebung von Beittägen für Jnnungs- zwecke von Nichtmitgliedern. In den Jahren 4884 und 1890 stimmten die Nationalliberalen gegen den allgemeinen Befähigungsnachweis und 1896 gegen ten kleinen Befähigungsnachweis. Sie beantragten ferner ten § 100 q, der den Innungen verbieten sollte, Mindestpreise festzn- fetzen. 1897 stimmten sie gegen den Befähigungsnachweis im Bauhandwerk und gegen den Ausschluß der Konsumvereine von der Herabsetzung ;'ter Warenhaussteuer. 1905 widersetzten sie sich -der Beischränkung des Hausierhandels und 1908 Sem Antrag auf Ddaßnahmen gegen die Kahlen» teuerung. Die diesjährige Haltung gegen den KohleimuIsuhrzoll ist wohl noch in aller Erinnerung.
Das also ist die vielgerühmte Mittelstands- freundlichkeit der Herren Nationalliteralen. Wie ein roter Faden zieht sich durch die ganze Geschichte der nationalliberalen Partei die — M i t- telstandsfeindlichkeit. Und diese Leute Malten den Mut, sich im Reichstag und außerhalb sdesselben als Freunde des Mittelstandes aufzu- spiclen! Wer sich diese so oft betätigte Mittel- tstaildsseindlichkeit der Nationalliberalen vor Augen hält, kann unmöglich an die Mittelstands
Bernhard von der Eiche.
Mo man von Baronin Gabriele von Schlippenbach 39] (Nachdruck verboten.)
> „Ja. ja", begann Osterfeld, „der da«, — er wies nach dem Gemälde hin, — „ter hat verstanden, reich zu werden. Ich sage Ihnen, Herr Maron, das war ein Schlauberger, der wußte, wo fein Vorteil zu erhaschen war. Solch ein getriebener Fuchs, wie Robert Gerard, verstand zu ^rechnen. Er lebte erst einige Jahre vor feinem jobe in Europa. In Petersburg lernte er seine Drau kennen, er konnte ja ihr Großvater fein. Sra, wer kann es ihr verdenken, daß sie die abhängige Stellung aufgab, um eine reiche Fran &u werden."
von ter Eiche hörte schweigend zu pfterfelb fuhr fort, nachdem er einige Züge °us ferner Zigarre getan hatte.
den alten Gerard so gut gekannt, tonr nj ^ner' he.ißt, ihn ganz zu fennem, ß-r 6,^, ement verschlagenen, mißtrauischen ,Ty*1,ustwgllch. Ich habe oft das Gefühl I er SnSa l 60 ^ttoüS in seinem Vorleben, was ,er amzftlich versteckte, irgend ein dunkler Punkt, ein m te‘z ®le fetzfe" Monate war er durch ! suckle Schlaganfall der Spracte beraubt. Ich be- 6ei iihmtcti^r’TV t VEs-tt- wo er damals einen jufeüen Es war schrecklich an-
mühte «Urb. ®etät’mte sich vergebens ab- licke Larn. nk ^tenubrinoen, die Unverstand- n>ü5 Ä rourJ*n- Als ob er sich bemühte, et-
Bern:'. ,<ttoQd "m quälte.
! Schicksal Jrma«Ü Sntercffe zu. Tas
sdem sie sich nnaetrautP be3 Maimes,
toe;en. Sie so schön n„x ^DQr em trauriges ge- lig, ein Greis an Jahren 1U£9'tUm-er W1'