Einzelbild herunterladen
 

Maer W Zeitung

3.ÄÄ-M wochrnbellage: „Illustrierte Sonntagyeitmg"

Auzri-en: Vie et» fpattigeprttt;eil«od«r deren Könnt (5 Pfg. 8eNa«endiepetit;eile 25 Pfg., bet wieder- Holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

SotationrdruÄund Verlag der Fuldaer Ak- tiendruckerei i* Fulda Fernsprecher Ur.

Moxatrbellag«: „Fuldaer GeschichtrbMer"

Erscheint täglich mit Ausnahme der $o.m= n»dFeiertage.viertel- fährlichttVeMgrpreis ohne vringerwh» «"d Bestellgeld in Fulda so­wie auswärts 1-50 Wk.

Perantw- Redakteur r LartSchiitter

Fulda, Montag den 26. Juli 1909.

jw 167.

36, Jahrgang.

y. Cirre gefüllte Kaffe findet der neue Reichskanzle bei seinem Amtsan­tritt vor. 600 Mill, neuer Steuern gleißt ihm entge- fleti. Cs gibt nun Staatsbürger, die mit der un- geheuren neuen Steuerlast sich aus vaterländi- scheir Gesichtspunkten abzufinden bereit sind, aber befürchten, daß die alte Verschwender-Wirtschaft von neuem anheben wird. Diese Leute sind im Laufe der Zeit, wo unter der Flagge „national" die Millionen verpulvert wurden, Pessimisten ge­worden und glauben einstweilen nicht an eine Vef- serung. Höchstens finden sie einige Garantie darin, daß der in Ausgaben so bewilligungs­lustige, in deren Deckung aber so schmählich ver­sagende Block von der Bildfläche verschwunden und damit die alte Hurra-Politik im Reichstag nicht mehr gang und gäbe ist.

Ob auch in Regierungskreisen eine Wandlung eintreten wird, ist abzuwarten. Der neue Reichs­kanzler wird sich die denkbar größten Sympathien erwerben, wenn er auch darin ein neue r Mann ist. Kein lvahrer Deutscher wird in Militär- und Marine-Fragen das Notwendige verweigern; aber alles hat seine Grenzen. Wenn England so und soviel neue „Fiirchtsmchtse" baut, brauchen wir nicht gleich zu folgen. Sonst haben wir in ein paar Jahren eine neue Finanzrform.

Fürst Bülow sprach bei Einleitung der Finanz- resorm vom Sparen. Bethmann-Hollweg möge an ihrem Schluß nicht bloß vom Sparen spre­chen, sondern dieses sehr löbliche Wort in die Tat umsetzen. Es gibt so viele, viele Gelegen­heiten dazu. Vor kurzem wies ein alter Diplo- nmt in einem Blatt des Industriegebietes auf die Erörterung im Budgetausschuß des Reichstags hin, in 'denen über die hohen Entschädigungen ge- sprachen wurde, die das Reich bei Umzugs- rrisen der Beamten, besonders solcher ,die dem Auswärtigen Dienst angehören, zu zah­len habe, und wobei vorgeschlagen wurde, daß die Beamten die wirklichen Auslagen liquidieren soll­ten, während sie jetzt Pauschalbeträge erhalten.

Dieser Diplomat, ein Kenner der tatsächlichrn Verhältniffe, meinte hierzu, die durch eine Aen- derung der Berechnung erzielten Ersparnisse seien weit geringer als die, welche durch E i n s ch r ä n. k u n g der R e i s en zu erreichen wärsn. Das gilt besonders — so schreibt er — von den Aus­landsreisen. Man beobachte mal die Reisen, die zum Zwecke vorübergehender Vertretungen diplomatischer oder konsularischer Aemter bewerk­stelligt werden. Es geht z. B. der Generalkonsul in Kapstadt auf Urlaub. Statt Nun einen in der Rahe befindliche:, Beamten mit der Vertretung zu beauftragen, wird ein Beamter aus Nord­amerika oder Ostafien für diese kurze Zeit nach dem entfernten Posten Entsandt. Eine solche Reise kostet natürlich mehr ,als die Ersparnisse einbringen würden, die bei .Herabsetzung aller Kilometergelder zu erzielen wären. Mit anderen Worten: Die Rücksicht auf die Steuerzahler spieü bis jetzt eine sehr geringe Rolle bei diesen Dele­gierungen. Reicht der betreffende Etatsposten nicht aus, so wird seine Ueberschreitung später vvm Reichstag einfach gutgeheißm.

In dieses selbe Kapital schlagen die großen Ausgaben, die das Um her ziehen unserer hohen Beamten mit sich bringt. Wenn z. B. der verflossene Reichskanzler wochenlang in Sor­rent oder in Venedig zubrachte, so erhielten die zahlreichen Beamten, die er mit sich führte, hohe Reise- und Tagesgelder. Wir glauben, daß die­ser Posten in keinem anderen Staate so hoch ist, wie bei uns im Retch. —

Da hier das Thema „Sparsamkeit" in Frage steht, so wollen wir gleich auf einige andere Mög­lichkeiten aufmerksam machen. Der Reichstag hat, tme bekannt, die in den letzten Jahren enorm ge­steigerten Telegramm ko st en um mehrere

Tausend Mark herabgesetzt, als durch einen Zu­fall bekannt geworden war, welche Nichtigkeiten auf dem kostspieligen Seekabelwege berichtet wor- deN waren, und zwar handelte es sich damals u. a. um ein Telegramm aus Pefing, worin der Dank für dan Empfang einiger Orden in byzantinischen Wendungen für 950 Mark Telegrammgebühren ausgedrückt war. Viel scheint die Streichung nicht genützt zu haben. Denn vor kurzem berichteten die Zeitungen, daß der Reichskanzler dem Mini­ster des Auswärtigen in Brasilien telegraphisch zum Geburtstag gratuliert habe. Derartige Gra­tulationen find im allgemeinen nicht üblich; sie sind bei uns in den letzten Jahren, entsprechend dem Charakter unserer Politik, eine Art von Tra­dition geworden. Natürlich wird bei uns daraus gerechnet, daß die fremden Minister sich am Ge­burtstage des Reichskanzlers revanchieren, und es macht dann einen fehr guten Eindruck, wenn die Zeitungen zu melden wisien, daß zahlreiche Telegramme aus dem amtlichen Ausland in Ber­lin eingelaufen feien und den Beweis liefern, welch „hohe" Achtung wir in den fernsten Län­dern genießen.

Viele Tausende würden sich im preußischen Etat sparen lassen, wenn die Verleihung von Brillantorden eingeschränkt würde. Wäh­rend unter Wilhelm I. Brillantorden überhaupt nur an Ausländer gegeben wurden, deren Länder nach Deutschland ähnliche kostbare Auszeichnungen geschickt hatten, also mit Riicksichten auf Gegensei- ti gleit, Inländer aber nur ganz ausnahmsweise bedacht wurden, ist seit einem Jahrzehnt die Ver­leihung von Brillanten an preußische und Reichs­beamte immer häufiger geworden. Wir haben in Preußen mehr Orden, als irgendein Staat der Welt; an der Möglichkeit, in diesem Falle eine Wahl zu treffen, gebricht es also nicht. Es ist nicht erfindlich, warum der Staat so kostbare Geschenke verteilen soll, wo der Zweck auf viel billigere Weise erreicht werden kann. —

Das sind einige Gesichtspunkte, die der neue Reichskanzler scharf in Augenschein nchmen möge. Er weiß, welch unsägliche Arbeit und Mühe es gekostet hat, das finanzielle Elend zu heben. An­gesichts der 500 Millionen Spende muß für ihn die Losung sein: H an d drauf halten!

D Das neue preußische Wasser­gesetz.

Wir haben vor kurzem gemeldet, daß die Vor­arbeiten für das preußische Wassergesetz nunmehr soweit gediehen sind, daß die Vorlage dem preu­ßischen Landtag bereits im Herbst zugehen kann.

Ein früherer Entwurf war den interessierten Kreisen zur Begutachtung vorgelegt worden; auf Grund der Ergebnisse dieser Begutachtungen ist dann der Entwurf einer gründlichen Umarbei­tung unterzogen, aus denen der jetzige Entwurf hervorgegangen ist. In dem ersten Entwurf war namentlich di? wichtige Abwässerreinigungsfrage (d. h. die Frage der Reinigung der städtischen Abwässer an ihrer Einführung in die Flüsse) nur sehr nebensächlich behandelt. Diese Frage soll in dm neuen Gesetz in weitgehender Weise geregelt werden. Nähere Einzelheiten über diesen Punkt sind leider Noch nicht bekannt geworden, doch wird versichert, daß die Aüwässerreirfigungsfrage in ganz anderer Weise geregelt werden soll, wie in dem Entwurf von 1893, der auf Grund der öffent­lichen Kritik von der Regierung fallen gelassen worden ist. Eine wichtige Nuerung der neuen Vorlage wird sein, daß die Einrichtung von W a s- serbüchern vorgesehen wird. In den Begut­achtungen war bemängelt worden, daß diese Was- serbücher keine Beweiskraft haben sollten. In dem umgearbeiteten Entwurf soll nun den nach dieser Richtung geltend gemachten Wünschen Rech­

nung getragen werden. Weitere Neuerungen von Wichtigkeit sind, daß das Deich recht und das Recht des Hochwasserschutzes in dem Ent­wurf gesetzlich festgelegt werden sollen. Ein Wi- derspruch hiergegen dürfte kaum laut werden, da es sich in dec Hauptsache um alle, schon be- stehende Bestimmungen handelt. Eine weitere wichtige Aenderung ist die Aufnahme der u n t e r- irdischen Gewässer in den Gesetzentwurf. Dagegen enthalten die Vorschläge der Regierung leider keine Bestimmungen, die dis Benutzung der Wasserkräfte für die Gewinnung des elek- irischen Stromes und die Förderung des Baues und Betriebes von Talsperren erleich­tern. Wir sind der Ansicht, daß eine durchgrei­fende Regelung des ganzen Wasserrechts an diesen, in der letzten Zeit zu so großer Wichtigkeit ge- langlen Fragen, keinesfalls vorübergehen darf. Es sollen ja Erwägungen darüber im Schoß der Re­gierung stattfinden, ob diese Regelung in den Entivurf ausgenommen werden soll ober nicht. Man kann nur wünschen, daß die Regirrung sich dahin entscheidet, auch diese beiden wichtigen Fra- gen in das Gesetz aufzunehmen, weil es sonst eine Lücke aufweisen würde, die 'das ganze Gesetz nur als Stückwerk erscheinen ließe.

Sehr wünschenswert wäre es, wenn die Regie­rung sich entschließen könnte, den fertigen Ent­wurf der öffentlichen Kritik zu unterbreiten, ehe sie ihn dem Landtag zur Beschlußfasiung vorlegt. Es scheint jedoch nach Blättermeldungen zu ur­teilen, daß die Regierung die Absicht hat, den Entwurf, nachdem er wie bemerkt auf Grund der gutachtlichen Aeußerungen der interessierten Kreise eine umfassende Umarbeitung erfahren hat, so,wie et daraus hervorgegangen ist, dem Staats- minifterium zu unterbreiten. Dieses dürste ihn dann ohne weiteres dem Abgeordnetenhaus zu- gcihen lassen. Es wird damit gerechnet, daß der Wassergesetzentwurf eine der ersten Vorlagen sein wird, dis ban preußischen Landtag in seinem nächsten TaMNgsabschnitt beschäftigen werden.

Deutsches Reich.

** Berlin, 25. Juli 1909. Eine Cholera- konferenz wurde aus Anlaß des Königsberger Cholerafalles am Samstag im Kultusministerium abgehalten, an der sich auch der neue Kultus­minister v. Trott zu Solz beteiligte. Es sind weitgehende behördliche Maßnahmen getroffen worden, um eine Weilerverschleppung der Seuche zu verhüten.

* Die Talonsteuer. Offiziös wird vom Samstag mitgeteilt: Bei den heutigen Beratungen im Bundesrat ergab sich Einhelligkeit darüber, daß den bekannten Versuchen, die Talonsteuer durch vorzeitige Neuausgabe von Zins­bogen zu vermeiden, „unter allen Umständen" entgegengetreten werden muß.

X Die Novelle zur Gewerbeordnung, die durch den Schluß der Reichstags-Session nicht zur Verabschiedung gelangt ist, soll nach einer Berliner Korrespondenz im nächsten Winter dem Reichstage nicht mehr vorgelegt werden, da der Reichstag sie bereits mit einer Reihe von Be- schlüffen bepackt habe, die nach der Ansicht der Regierung im gegebenen Rahmen der Novelle ent- weder überschreiten oder sonst unannehmbar find. Offenbar sind damit die Beschlüsse über Lohn- ämter für Hausarbeit, Achtuhr-Ladenschluß, Han- dels-Inspektoren und Maximal - Arbeitszeit für Kontore gemeint. Freilich gehen diese Beschlüsse iemkich weit über die Regierungs-Vorlage hinaus, aber das kann noch kein Grund für die Regierung sein, die Vorlage einfach in der Versenkung ver­

schwinden zu lassen. Einzel-Gesetze zur Aushilfe bestimmter Mängel der Gewerbeordnung würde nur notdürftige Flickarbeit sein. Hoffentlich be- sinnt sich die Regierung rechtzeitig und kommt den Wünschen des Reichstages in der neuen Vor­lage in etwa entgegen.

* Eine Handfeuerwaffe der Feldartillerie. Die Bewaffnung der Feldartillerie mit der Pistole 08 scheint nunmehr endgültig entschieden zu sein. Jedenfalls ist den Truppenteilen jetzt der Entwurf einer Vorschrift für die Pistole 08 und für die mit dieser Waffe abzuhaltenden Hebungen zugegangen. Die Pistole hat em neun Millimeter-Kaliber und ist ein Selbstlader. Der Gasdruck des abgeseuerten Schusses wirft zu­gleich die Patronenhülse heraus, schiebt eine neue Patrone vor, schließt und spannt die Pistole, die dann wieder schußfertig wird. Sicherung ist bei gespannter und abgespannter Pistole mög­lich. Das Magazin enthält 8 Patronen. Die Pistole, die einen sehr sicheren Schuß hat, ist jedenfalls eine wertvollere Feuerwaffe, als der bisherige Revolver. Zum Tragen der Waffe dient eine Pistolentasche, die am Koppel befestigt wird.

X Zur Bewertung der Diamantenfunde in Deutsch.Südwestafrika bietet der soeben erschienene Geschäftsbericht der deutschen Kolonial­gesellschaft für Südwestasrika interessantes Ma­terial. Bekanntlich ist die Gesellschaft zwar schm 1885 gegründet worden, wurde aber erst in letzter Zeit in weiteren Kreisen bekannt, da ihr« Papiere infolge der Diamantenfunde enorm stiegen. Darum ist eS intereffant, zu lesen, was der Bericht über dir Diamantensrage enthält. Es heißt darin u. a.:

„Die Diamantenfunde im Süden von Deutsch. Südwestasrika, welche in das Gesellschaftsgebiet fallen, haben naturgemäß die Bewertung der Gesellschafts- Anteile außerordentlich gesteigert. Wie weit dies be- rechttgt ist, kann heute noch in keiner Weise über­sehen werden, da die Erforschung des Diamanten­gebietes noch zu wenig vorgeschritten ist, demnach erst die Zukunft die Ertragsfähigkeit deS FundterrainS ausweisen kann, und vor allen Dingen, ob sich in dem­selben Diamanten führender Blaugrund findet."

Der übrige Geschäftsbericht interessiert hier weniger, nur sei bemerkt, daß der Erfolg auf den übrigen Tätigkeitsgebieten der Gesellschaft äußerst mäßig gewesen ist. Die Zukunft des Unternehmens ruht also einzig auf den Diaman­ten. Der Bericht meint dann auch, wenn auch die Entwicklung deS Handelsgeschäfts unsicher bleibe, so stehe dennoch zu hoffen, daß die durch die Diamantenfunde neu erschlossene Quelle der Gesellschaft auch künftighin gemessene Einnahmen zuführen werde. Wir glauben auch, daß trotz der großen Zurückhaltung in der Beurteilung der Diamantenfunde seitens der Gesellschaft die Diamautenpapiere immer noch steigen werden. Die Spekulaiion ruht eben nicht eher, bis sie mal gründlich hereingesallen ist.

(*) Zur Biersteuer ist der Gesamtvorstand deS Verbandes der Gast- und Schankwirte für Berlin und Provinz Brandenburg den Beschlüflen der Gastwirtekorporationen in Ge- meinschastmit dem Schuhverband der norddeutscher! Brausteuergemeinschaft vom 16. Juli beigetreten, In einer Resolution sagen sie, es sei eine zwin­gende Notwendigkeit, die Ausschankpreise zu er­höhen, da daS Gastwirtsgewerbe nicht nur mb den 100 Millionen für die Brausteuer belaftei werde, sondern auch noch weitere zirka 150 Mill. Verbrauchssteuern zu tragen habe. DaS Gast-

38]

(Nachdruck verboten.)

Bernhard von der Siche.

Roman von Baronin Gabriele von Schlippenbach.

Herta ließ den Wortschwall geduldig über sich ersehen. Sie fühlte sich von Theas Gutmütigkeit wohftuend berührt. Endlich ein Mensch, der ihr Interesse erwies in ihrer Verlassenheit.

„Nein, nein, liebe Thea, ich brauche nichts," versetzte Herta. ..Ich verdiene so viel, als ich gerade nötig habe."

„Na, viel kann es nicht sein, siehst etwas re­duziert aus," meinte Thea in ihrer burschikosen Art. „Für wen malst Du denn?"

„Für den Laden von Münster u. Strauß; Betz- erstem riet mir dazu, — als — als er mir sagte, daß ich kein Talent habe." Ueberhastend fielen die letzten Worte über Hertas Lippen.

„So, — hm, — na, es tut mir leid, ich hatte mehr in Dir vermutet, hätte Dir sonst wirklich nicht zugeredet, herzukommen."

„Und wie gebt es Dir?" fragte eHrta, die das Gespräch von sich abzulenken wünschte.

„Mein Bild ist von der Kunstausstellung ab- belehnt," entgegnete die Schönhausen verdrieß- uch, „sie verstehen dort nichts von der wahre!» Kunst. Ich nehme es mir aber nicht sonderlich zu Hrrzen. Weißt Du, ich heirate nach sechs Wo­chen."

„Mandel?" fragte Herta lebhaft.

r ."\5 bewahre," lachte die Malerin, „einen Ko» ^Ä^^"^"dler in der Arcisstratze, einen

Abenden älteren Witwer mit drei Kindern;

annst mir Glück wünschen."

fragt"si°. t<2t herzlich. „Liebst Du ihn?"

gerade nicht, aber ich habe die Ab- ® M «ne gute Frau zu fein. Ich freue befifcan & et9ie.nti3 Heim und einen Menschen z« veptzm, der mir da bietet, was ich entbehre: Ruhe

und Wohligen. Es hat mir oft in meinem jetzi­gen Dasein gefehlt."

Thea sah sehr zufrieden aus. Es gab Herta einen Stich ins Herz. Das, was die Malerin so hoch schätzte, die Freiheit und Ungebundenheil des Künstlerlebens, gab sie auf, um die Gattin 'eines Mannes zu werden, der ihr nicht einmal lieb war. Aber hatte es Herta nicht ebenso getan? Auch sie heiratete Randen ohne Liebe.

Thea fuhr fort, allerlei zu erzählen, sie be- merkte nicht, daß ihre fdtmeigfame Gefährtin kaum hinhörte.

„Du kommst doch natürlich als mein Gast mit ins Wirtshaus zum grünen Baum, Liebste?" äußerte die Schönhausen.

„Nein, — ich — ich kann nicht, ich habe Kopf- weh. Hier kommt gerade die Bahn, lebe wohl, Thea —'

Hastig stieg Frau von Randen ein.

„Schade!" rief die Schönhausen. „Auf Wie­dersehen»" Erst als die Elektrische verschwunden war, fiel es ihr ein, daß sie versäumt hatte, nach Hertas Adresse zu fragen. In ihrer leichtlebigen oberflächlichen Art dachte Thea aber nicht weiter an die Freundin.

Als Herta das nächste Mal die bestellten Ar­beiten zu Münster u. Strauß brachte sand man allerlei daran auszusehen und der Preis wurde herabgedrückt. Mutlos und traurig Mich sie durch die bei&en Straßen ihrer elenden Wohnung zu. Unterwegs bot eine Blumenverkäuferin ihr herr­liche Rosen an.

„Es ist sehr leichtsinnig, sie zu kaufen, wenn man so arm ist", dachte Frau von Randen.

Aber sie tat es doch und zahfte ban für ihre Verhältnisse hohen Preis. In ihrer dürftigen Stube stellte sie die Rosen in eine schadhafte Vase, die sie von ihrer Hauswirfin erbat. Sie legte das große, von Münster u. Strauß erhaltene Packet beiseite, eS waren zwölf Fächer und sechs Vifiten- ßartentäschchen, die sie in drei Wochen malen

Frauenfeld nicht vielleicht auf ihren Reisen ir­gendwo trifft; vielleicht rührte sie seine Treue doch."

„Ich glaube nicht . Frau Gerard hat wenig von dem, was der Frau sonst eigen ist, es nennt sich Herz."

„Du tust ihr unrecht l" rief Ines entrüstet. „Du kennst sie nicht, mit mir allein war sie ganz anders."

Bernhard liebkoste das blonde Haar seiner kleinen Schwester. „Gutes Kind," sagte er, „Du legst in andere das hinein, was Du selbst fühlst."

Er stand auf und setzte sich an den Schreib­tisch. Ines wußte, daß sie ihn dann nicht stö­ren durfte. Sie ging zum Piano und spielte leise. Der Bruder liebte es, er meinte, es be­ruhige seine Nerven, und daß ihn heute etwas erregt hatte, merkte das junge. Harmlose Mäd­chen.

„Er schreibt gar nicht," dachte Ines. „Er sitzt ganz still, da und die Zigarre ist ausgegangen; er muß viel Aerger auf dem Werk gehabt haben, der Arme. Schade, daß Luise nicht da ist. Mit ihr spricht er sich am liebsten aus, und sie ver­steht es, ihn auf andere Gedanken zu bringen. Morgen muß sie kommen."

Der Rechtsanwalt Osterfeld war noch zwei Tage nach Irmgards Abreise in Mon Repos ge­blieben. Es gab einiges in Angelegenheit dec Hüfte zu besprechen und die Privatsachen der Fran Gerard zu ordnen. Sie hatte ihn gebeten, in Mon Repos zu bleiben bis alles erledigt war. Der alte Herr bat Bernhard, sich zu ihm zu be­mühen, da er die Papiere und Rechnungen die juristischen, das Werk betreffenden Sachen, nach Mon Repos mitgebracht hatte.

Eich« fand Osterfeld an einem großen Maha­gonitisch in einem Zimmer sitzen, das er noch nicht betreten hatte. Nachdem die beiden Männer sich begrüßt hatten, sagte der Rechtsanwalt:

„Hier war Gerards Schreibzimmer; dieses ist sein Sekretär gewesen; schon Sie, welch solides,

sollte. Professor Beyerstein und feine Frau wa­rn im Hochgebirge. Ein Gefühl grenzenloser Verlassenheit schlich lähmend über Herta. Wie süß dufteten die Rosen. Der Duft erinnerte sie an Randenha-M ,dort blühten wohl auch die könig­lichen Blumen. Heiße Sehnsucht nach dem ver­lorenen Heim übermannte sie. Sie legte den schmerzenden Kopf in beide Hände und bittere Tränen quollen zwischen den Fingern hervor.

♦ ♦

♦

„Hardy, Hardy, denk Dir, Irmgard Gerard ist heute ftüh weggereist!" Ines eilte dem Bru­der mit diesem Ruf entgeggn, als er drei Tage, nachdem die Oefen angeblasen waren, am Abend vom Hochofemverk heimkehrte.

„Warum?" fragte Eiche. „Sie wollte doch noch einige Zeit in Mon Repos bleiben."

sie behauptet, lange genug hier gewesen zu sein und sehnt sich nach Abwechslung und will nach Paris gehen, dann später eine weite Reise machen. Als sie heute auf dem Wege zur Eisen- bahnstation einige Minuten bei uns anhielt, sagte sie es mir. Nach Dir hat sie garnickst gefragt. Ich dachte, sie würde Dich wenigstens grüßen las- sen, wahrscheinlich hat sie es vergessen."

„Bernhard zuckte die Achseln. „Wohl möglich. Kleines."

Ines wunderte sich über des Bruders Schweig­samkeit, als er am Kamin saß und sinnend ins Feuer blickte.

„Hast Du Verdruß gehabt?" fragte sie teil- nehmend.

„Der bleibt bei dem großen Betrieb selten auS," versetzte er.

Wieder fötoiegen sie.

Vor dem Kamin lag Barrys weiß und ge'lbes Fell. Eiche hatte das Fell des treuen Hundes tn Metz zurichten lassen, Ines kauerte gern zu Füßen des Bruders daraus . „Hardy," sagte sie zögernd, „yfc Irmgard Artur, will sagen, Gras