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I.parze»er WZulda.

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36. Iahrqcmi

s^ulda, Samstag den 17. Juli 1909

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Zweites Wicrlt

von

von

Neichsmarineamt v. T i r -

im

Reichsjustizamt Dr. N i e-

im

*) Bergl. Nr. 157 u. 158.

Wermuth:

R-üchsschatzsekretär

Haire ein SchnapAmsnopol vorges Wa-gen, Mehrheit des Reichstags lehnte dieses ab beschloß eine einheitliche Verbranchsabga.be 125 dl aus das Hektoliter einzuführen, also

die und von eine

Das Preußische Staatsministerium wird folgenden Herren gebildet:

Präsident des Staatsministeriums Dr.

Bethmann-Hol lweg;

Finanzminister Frhr. v. Rhein haben;

Kriegsminister v. Einern;

Handelsminister Sydow;

weg;

Staatssekretär Delbrück; Sraatssekretär vitz: Staatssekretär berding;

im Reichsamt des Innern

Erhöhung um 55 dl pro Hektoliter. Dagegen fällt die bisher erhobene Maischraumswuer weg, sodaß die tatsächliche Sreuererhöhung nur etwa 40 cit pro Hektolirer Alkohol oder 1 0 P f g. p r o

Staatssekretär im Reichskolonialamt Der n- bürg;

Staatssekretär im Reichspostamt Stätte.

Liter Lrinkbranntwein von 25 Pcvz. Gehalt beträgt.

Die liberalen Parteien hatten eine noch höhere Steuer beantragt. Die Behauptung, daß den Brennereibesitzern durch Las Gesetz neu; Lie­besgaben Angewandt worden seien, ist falsch, im Gegenteil sind ihnen durch die Aufhebung dec Dtaischraurnsteuer und der daraus bisher gäzahl- ten zu hohen Rückvergütungen etwa 12 Millio­nen Extranutzen jährlich in Wegfall gekom­men. Außerdem wird sich der Ertrag der so­genannten Liebesgabe für die Brenner durch den aus der höheren Steuer zu erwartenden Konsum- riickgang erheblich vermindern, vielleicht uan 6 bis 10 Millionen jährlich, sodaß ihr Gesamtscha­den 17 bis 21 Millionen Mark jährlich bckrägt.

C. Tie Tabaksteuer. Während die Regierung die Zigarrenbanderolesteuer mit einem ErÜrsag von 70 Millionen Mark jährlich und eine Er­höhung der Zigarettensteuer um 7 Millionen dl jährlich forderte, wollten die Nationalliberalen eine Wertzuwachssteuer auf Rohtabak in Höhe von 80 Millionen und außerdem noch eine Er­höhung der Zigareltensteuer bewilligen, die Frie­sinnigen eine Erhöhung der Rohtabak-GÄvichts- steuer um 60 Millionen neben der Erhöhung der Zigarcttensteuer. Dem Zentrum gelang es, durch Entgecrenkommen der Konservativen die Bela­stung des Tabaks wie folgt zu beschränken. 40 Millionen Mark auf Nohtabak in Fo>m der Wertzuschlagssteuer und 5 Millionen auf Ziga­retten.

D Die Erhöhung des Ter- und Kaffeezolls be­trägt 10 Pfg. auf das Pfund Kaffee; für Te*l wurde der alte Zollsatz, wie er bis zum Jahre 1906 bestand, wiederhergostellr.

Die Liberalen hatten sich schon dem Neichs- sihatzamt gegenüber bereit erklärt, den Kaffeezoll noch weit mehr zu erhöhen (20 Pfg. pro Pfund). Diese Absicht wurde durch das Eingrei­fen des Zentrums verhindert.

E. Die Schaumweinsteuer (Sekt- oder Cham­pagnersteuer) wurde auf Antrag des Zentrums für billigere Sorten von 50 Pfg. aus 1 dl pro Flasche erhöht, teurere Sorten zahlen künftig 2 »n>d 3 dl Steuer pro Flasche. Diese Steuier wurde in der Kommission einstimmig angenommen. Im Plenum des Reichstags dagegen stimmten die Liberalen und Freisinnligen dagegen

F. Die neue Steuer aus Glühstrumpfe und elektrische Lampen im Betrage von 20 Millionen trat anstelle der Regierungsvorlage, die eine Gas- unö Elektrizitätssteuer in Höhe von 50 Millionen Mark einführen wollte. Mir Rück­sicht darauf, daß das Belsuchtungsmittel der gro­ßen Masse der Bevölkerung, das Petroleum, schon s.it 30 Jahren sehr hoch besteuert ist, wurde es für gerecht erachtet, das elektrische >unb Gaslicht durch Besteuerung der Glühstrümpfe und elektrischen Lampen auch etwas zu den Lasten heranzuztehsn.

G. Die Steuer auf Zündhölzer int Betrage von.1% Pfg. für jede Schachtel ist Verhältnis-, mäßig sehr hoch, sie besteht in ähnlicher Weise je­doch in vielen anderen Ländern und hat ixm gu­ten Nebenzweck, saß sie zur sparsameren Verwen­dung und sorgfältigeren Aufbewahrung der. Zündhölzer veranlaßt. Alljährlich entstehen in Deutschland hundert von Bränden durch die „mit Streichhölzern spielenden Kinder", wobei biete Millionen an Eigentum und auch viele Menschen­leben dem Feuer zmn Opfer fallen. Wenn die­sem Mißstand durch die hohe Steuer auf Zünd­hölzer künftig gesteuert werden sollte, wäre das nur mit Freuden zu begrüßen.

gezogen sein, und es wird sich dann zeigen, wie die nächste Gestaltung der dortigen Verhältnisse aussällt.

In Persien drängt alles auf die Entschei­dung hin. Die von den persischen Konstitutiona­listen ,den Anhängern der Verfassung, herbeige- ruseneii Bachtiaren haben ihrem alten Rufe als gefährliche Krieger alle Ehre gemacht Sie ha­ben sich trotz tapferer Verteidigung der Stadt durch die Sultanstruppen und die russischen Ko­saken 'den Eingang in die Hauptstadt Teherans erzwungen und dort Straßenkämpfe entsetzlichster Art herbei geführt, bei denen die Regierungstrup­pen rind die russischen Kosaken anscheinend im Nachteil waren; denn sonst wäre es nicht zu er­klären, daß sich die Masse der Bevölkerung auf ihre Seite geschlagen hat. In Petersburg wird man von dieser Wendung der Dinge nicht sehr erbaut fein und sicher größere Truppenmassen -rachschieben. Dadurch wird dann voraussichtlich ein langwieriger Krieg entfesselt werden, bei dem Persiens Selbständigkeit verloren gehen muß. Die einzige Rettung für Persien wäre, wenn es den Bachtiaren gelänge, den Schah seiner ge­samten russischen Schntzmannsthaft zu entledigen und dann in kürzester Zeit die Ruhe derart wie­der herzustellen, daß Rußland sich nicht mehr auf Unruhen im Lande berufen kann. Aber dahin wird es wohl nicht kommen. Rußland wird sein Ziel schon erreichen.

Auch Südamerika macht von sich reden. Tie Staaten Peru und Bolivien, die sonst ein still beschauliches träumerisches Dasein führen, hatten Grenzstreitigkeiten, einigten sich aber in der Ernennung des Schiedsrichters Argentinien. Dieses hat natürlich erheblich zu Gunsten seines Nichtnachbarn Peru entschieden, und darüber ist man in Bolivia zornig geworden, hat den Schiedsspruch nicht anerkannt und die Fenster­scheiben der argentinischen und peruanischen Ge- sädtschaft demoliert.

C. Die Frnanzreform.*)

D. D i e einzelnen Steuern.

A. Die Brausteuer wurde sehr stark erhöht; wahrsiib sie bisher per Doppelzentner Malz je nach Größe Ser Brauerei 4—10 Mk. betrug, wurde sie auf 14—20 Mk. mhöhr, also durch­schnittlich um 10 Mk. pro Doppelzentner, was einer Verteuerung des Bieres um 2 Mk. vom Hektoliter oder 2 Pfg. auf das Liker Bier entspricht. Diese Steuererhöhung soll einschließlich der von den süddeutschen Staaten, die ihre eigene Biersteuer besitzen, zu zahlenden Ausgleichsabgaben jährlich 100 Millionen Mark Ertrag bringen. Die Brauereibefitzer hatten sich ausdrücklich für die Regierungsvorlage und ge­gen jede Abschwächung der Steuer erklärt, weil eine solche ihnen nichts nütze und sie nur hindere. Sie Steuer auf den Konsum abzuwälzen. Auch die Liberalen und Freisinnigen ftimmtm in der Kommission für diese Erhöhung der Brausteuer.

B. Die Branntweinsteuer. Die Regierung

Justizminister Dr. Beseler;

Eisenbahnminister Breitenbach; Landwirtschaffsminister v. Arnim;

Minister des Innern v. Moltke;

Kultusminister v. T r o t t z u S o l z.

Außerdein gehören dem Staatsministerium noch an die Staatsminister v. Tirpitz rind Del­brück.

Die Reich sfinanzcaform ist on-dlich unter Dach und Fach. Wie schwer es gehalten hat, dahin zu kommen, wie dabei der Block in die Brüche ging, wie dabei die Liberalen, erst die ersten Rufer im Streit, ganz ins Hintertreffen kamen und nur durch die bereitwilligste und opfer- mütigste Hilfe des Zentrums das große nationale Werk möglich wurde — das ist alles noch in zu frischer Erinnerung, als daß es hier noch ein­gehend dargelegt zu werden brauchte. Neber die Bedeutung des getanen Werkes wollen wir folgen­des Urteil einer itationalliberalen Zeitung, also einer Partei, gegen deren entschiedenstes Prote­stieren das Werk zustande gekommen ist, hierher setzen: Wenn jetzt von den ausgeschalteten Par­teien an dem Werk herumgemäckelt und genörgelt wird, so müssen wir doch bekennen, daß es in der endgültigen Form nicht unorganischer und weni­ger großzügig ist, als in der Regierungsvorlage. Es ist doch eine große Sache ,daß dem deutschen Reiche in einem Winter eine halbe Milliarde neue Einnahmen bewilligt worden sind." Es ist außer­ordentlich erfreulich, daß eine Zeitung, die den Parteien, die die Arbeit geleistet haben, sonst so feindlich gegenüber steht, wie die „Rheinisch-West- fälische Zeitung, sich zu solch objektiver Anschau­ung aufschwingen kann. Um so mehr aber haben wir Anlnß, unfern VoMk ertretern, die keine Sonnenhitze, keine nie gesehenen Dauersitzungen gescheut haben, es Dank zu wissen, daß sie ein wei­teres Emporblühen Unseres Vaterlandes ermög­licht haben.

Fast zur selben Zeit wie in Berlin schlossen sich auch in Oesterreich-Unga rn die Paria- menten?re, oder sie mußten vielmehr, wenigstens in Wien, geschlossen werden, weil doch feine ruhige und sachliche Verhandlung infolge der tschechischen und slowenischen Obstruktion mehr möglich war. Ob das österreichische Parlament im Herbst ruhi­ger arbeiten wird, ist bei den Nationalitäten­kämpfen noch fraglich.

Während die Balkanangelegenhei­ten im allgemeinen sich immer mehr festigen — Bulgarien biedert sich mit üec Türkei an und ist auf dem Weg, seine auswärtige amtliche Vertretung in die sich für einen souveränen Staat gebührende umzuwandeln, Rumänien verfolgt die Richtung feiner auswärtigen Politik mit Glück weiter, die es einer Anlehnung an den Dreibund zuführt — liegt eine endgültige Ver­ständigung über Kreta immer noch in weiter Ferne. Es ist auch nicht anjunelmten daß der Druck der Schutzmächte hmreicken wird, alle drei Par leien, die Türken, die Kreter und die Grie­chen zur Ruhe zu halten. Am 27. d. M. werden die Truppen der Schutzmächte von Kreta zurück-

wochen-ttun-jchau.

sts Fulda, 16. Juli 1909.

Wir stehen im Beginn einer neuen Zeit. Eine ganze Bank neuer Minister nut etnam neuen Kanzler an aer Spitze ist erstanden. Es ist schwer, etwas über den neuen Kurs zu lagen; die mellten der neuen Herren haben sich in ihrer bisherigen Betätigung einer schärferen Stellurrgnahme tu irgend einer Richtung enthalten. Der neue Reichskanzler v. B e t h m a nn -H o llw e g hat immer darauf gehalten, daß sich keine Mißver- stänoniste zwischen ihn und den Fürsten Bülow schoben. Ob er unbefangen und ungetrübt von Bülowschem Blockgeist sein Amt antritt, wird sich geigen. Hat er aus den Ereignissen gelernt und erkannt, daß ein Kanzler über den Parteien stehen muß, so wird er Erfolg haben, zumal ihm große Fähigkeiten und ein größeres soziales Den- ken, als es bei seinem Vorgänger der Fall war, Kur oeite stehen. Dr. Sydow, der neue prou- Hisckie Handelsminister, stand als Reichsjchatzfekre- ftär' beim Block im Rufe ängstlicher Vorsichts- Meierei im Verhältnis zu Bülow. Dr. Del- ch r ü ck, der neue Staatssekretär im Reichsamt des Innern, der zweite Nachfolger Posadowskys, war als preußischer Handelsminister ungemein ar« MfSeifrig; er hat aber kaum Zeit gefunden, sich zu einer programmatischen Klarheit auf dem in seinem neuen Amte überaus wichtigen Gebiet der Sozialpolitik durchzuringen. Hernn Wecmu th, den neuen Reichsschatzsekretär, begleitet der Rus, einer der bevorzugten Mitarbeiter Pofadowskys gewesen zu sein. Von dem neuen Kultusminister Trott zu Solz weiß man, daß er konservativ toiii Anhänger der positiv gläubigen Richtung ist.

Fürst Bül.ow hat mindestens ein Dutzend mal im Reichstage versichert, daß er kein „Kleber" sei, daß ec nicht an seinem Amre hänge. Der Ab­schied ist ihm aber so schwer geworden, daß ec den: Zentrum zum Abschiede noch ein paar eMe Grüße zu widmen sich veranlaßt fühlte. Einem Shtefraget- eines Hamburger Blattes hat er er­klärt : Er habe sich zum Rücktritt entschlossen, jkveil durch oie Haltung der konservativen Partei eine politische Konstellation herbeigeführt wor­den sei, die das Zentrum wieder zur aüsschlag- gcklucrden ParÄ» gemacht habe. Das, hält er, .'wie er weiter erklärte, für einen „schweren Scha­den". Früher, Jahre lang, hat er anders gedacht, ganz anbette, und das waren die Jahre seiner segensreichen Wirksamkeit. Nachher, als er sich ,verärgert vom Zentrum zarückzog, brach oas Un- glüei über ibn herein. Nun soll das Zentrum der Sündenbock sein. Nicht er selber mit seiner Wahnwitzigen Blockidee! Das zu glauben kann er doch nur den Einfaltspinseln unter den Zen- truutegegiicrn zumuten.

Stach den jüngsten Ernennungen besteht die Reichsregierung aus folgenben Herren:

Reichskanzler Dr. v. Bethmann-Holl-

ob. Wenn der gegenseitige Verkehr weniger innig ist, so wird die gegenseitige Einwirkung weniger stark, aber sie besteht doch. Daß böse Beispiele gute Sitten verderben, ist als traurige Wahr­heit allgemein anerkannt. Das gute Beispiel kommt freilich nicht so leicht und sicher zu dem entgegengesetzten Ziele, doch läßt sich seine segens­reiche Wirkung häufig erkennen, wenn man nur genau und geduldig nachsieht. Es ist schon viel gewonnen, wenn in einer vernünftigen und bra­ven Umgebung sich die spitzen Ecken und scharfen Kanten eines Menschen allmählich abschleifen, wenn er sich emordnet in den soliden, friedlichen Geist und Gang seiner Umgebung. Das Eisen ist wahrlich kein Wachs; aber wer das Eisen rich­tig zu behandeln versteht, dec macht daraus, was er braucht.

Da taucht z. B. in eurer Gegend ein neuer Kaufmann auf. Vielleicht gründet er ein neues Geschäft, „um einem tiefgefühlten Bedürfnis ab­zuhelfen", — oder er übernimmt ein altes Ge­schäft, um neuen Schwung in den Betrieb zu bringen. Wenn der Mann klug ist, so geht er mit seinen Neuerungen nur bedächtig vor, nach- dem er erst das Terrain erkannt har. Zu dem „Terrain" gehören vor allem die Gewohnheiten, Bedürfnisse und Wünsche seiner Kunden. Dem Manne wird seine Aufgabe wesentlich erleichtert durch die aufrichtigen Kunden, die ihm höflich, aber klar sagen, was ihnen gefällt und nicht ge­fällt, was sie so ober anders haben möchten.

In-deinen Hausstand oder in deine Werkstatt kommt ein neuer Genosse, es fei ein Dienstmäd­chen ober ein Gehilfe ober auch ein angehendes Schwiegerkind. Ihr seid nicht gleich am ersten Tage miteinander 'eingelebt; es gibt sogar etwas Reibung ober gewisse Mißverständnisse. Deshalb braucht man aber nicht gleich verzagt oder wild 'zu werden. Es kommt darauf an, ob die Fähi g- feit da ist, allmählich sich zu verstehen und sich einander anzupassen. Dieser Prozeß der An­schmiegung muß nun von beiden Seiten mit Ver­nunft und Geduld befördert werden. Auch die allen Elemente müssen den neuen Elementen einen Schritt entgegenkommen.

Recht poetisch ist bekanntlich die Erziehung auf Gegenseitigkeit, die sich zwischen zwei

Also mit dem Personenwechsel ist die Sache noch nicht entschieden. Im Gegenteil, damit fängt der Entwicklungsprozeß erst an. Darum soll man die Zeichendeuterei aus dem Kaffeesatz der Vergangenheit nicht übertreiben und die Gra­tulationen nicht überschätzen, sondern lieber den praktischen Entschluß fassen: Halt, jetzt muffen wir erst recht uns an die Arbeit machen, um den rechten Einschlag in die neu aufgezogene Kette zu liefern. Jetzt lohnt es sich noch mehr als sonst, auf dem Posten sein und das Stückchen Volkswille, das in unserer Brust, in unserem Stande, in unserer Partei steckt, in geordneter Weise geltend zu machen. Die neuen Männer werden Rücksicht nehmen müssen auf die leben­digen Kräfte, die ihnen fühlbar werden. Die Kraftentfaltung braucht nicht leidenschaftlich zu fein und soll nicht Vorurteil und Feindfeligksif verraten; je sachlicher und solider sie auf tritt, desto sicherer darf sie auf Beachtung und Wirkung rechnen.

„Das Volk hat die Minister, die es verdient", hat jemand gesagt. Darin steckt etwas wahres. Namentlich seit der konstitutionellen Staatsfocm. Der König ober Kaiser wählt die Minister aus und ernennt sie; das Volk aber wirkt bei der Erziehung und der Prüfung der Berufenen sehr wesentlich mit. Ich sehe auf die neuen Männer immer mit einer ruhigen Zuversicht. Man kann ja voraussetzen, daß sie außer der geistigen Be­fähigung auch den guten Willen zum Schaffen mitbringen. Ist das der Fall, so darf man hof­fen, daß sie bald lernen werden, mit den gegebe­nen Verhältnissen zu rechnen und sich den vorhan­denen guten Kräften anzupafseN. Sollten sie den Anschluß nicht finden können oder wollen, so wird sich bald die Notwendigkeit eines neuen Wechsels Herausstellen. Es kommt auf den Versuch an. Also tue jeder sein bestes! Uns wird ja der Auf­schwung in unserem gemeinnützigen Streben be­sonders leicht, weil wir alle durchdrungen sind von dem Gefühl: Schlechter, wie es zuletzt ging, kann es fortan nicht gehen, aller Wahrscheinlich­keit nach wird es besser gehen.

Uff! Mit Volldampf vorwärts! Wirfürbauch zur Stelle!

Neuvermählten abspielt. Im Brautstaude hat daS lickende Paar fick eingebitoet, daß sie am Trauungstag mit beiden Füßen zugleich in em fixes und fertiges ißarabies sprin­gen würden. Nachher geht der schöne Wahn bald hier, bald da entzwei: sie erkennen, baß sie nicht vollkommene Engel sind, die in himmlischen Höhen frei schlveben können, sondern schwache Menschen, die mit dem Staub und der Enge des Erdendaseins sich mühselig abfinden muffen. Sie müssen erst lernen, miteinander und mit dec üb­rigen Welt auszukommen in all den Irrungen und Wirrungen, die immer aufs neue wie über­raschende Dornen in der Rose sich einstellen. Wohl denen, die immer den guten Willen und die Fädigkeiten bewahren, 'ich gegenteilig zu tragen, zu stützen, zu verstellen und zu fördern, sich all­mählich zu erziehen zu der vollen Einlracht!

Lehren und lernen in stetem Austausch — das gehört sich auch für die Minister und das Volk. Die persönlichen Ansichten und Neigungen des Ministers spielen ja eine große Rolle, aber man. darf nicht glauben, daß er alles kann, was er möchte, und daß nach feiner Pfeife die ganze Welt tanzen werde. Nein, wenn er ein guter Musikant fein will, so muß er beachten, welche Tänze die Leute verstehen und lieben. Die Kin­der sind nicht des Lehrers wegen da und die Völ­ker nicht der Minister wegen. Umgekehrt würde eher ein Schuh baraus. Der vernünftige Haus­vater nimmt Rücksicht auf die Wünsche und Be­dürfnisse von Frau und Kindern; der Bürger­meister merkt auf die Stimmung der Bürgerschaft und rechnet mir seinem Gemeinberat; dec Mini­ster muß das Volksleben beobachten und mit der geordneten Volksvertretung sich in Harmonie setzen. Der Minister hat viele Mittel und Wege, um in Wort und Schrift und Tat auf die öffent­liche Meinung belehrend und anregend einzuwir­ken. Aber der Volkswille gibt sich auch in der mannigfaltigsten Weise kund und wirkt auf den Staatsmann belehrend, anregend, warnend oder auch bremsend ein. Wenn dec Minister die soge­nannten Zeichen der Zeit nicht richtig beachtet, so gerät er in den Graben. Auch der begabteste und älteste Minister muß in feiner neuen Stellung sich noch erziehen lallen.

Unpolitische Seitläufe-

(N.) Berlin, 15. Juli 1909.

(Nachdruck verboten.)

Ter eine geht, der anb're kommr; Man kondoliert, man gratuliert Doch wie der Wechsel uns bekommt. Das weiß man erst, wenn's ausprobiert.

Das Gratulieren wird mir nicht schwer; denn erstens wollte ich keine von den neubesetzten Stel­len für mich ober einen Parteivetter haben, und zweitens haben die beförderten Herren bisher uns nicht auf das Hühnerauge getreten. Also: ich gratuliere, d. h.: wenn die neue Stellung Dir recht ist, so soll es mir auch recht sein, und wenn Du was tüchtiges leistet, so werde ich mich freuen! Mit dem Gratulieren übernehme ich keine Ver­antwortlichkeit; es soll keine Vertrauenskund- gebung auf Vorschuß sein, sondern nur ein vor­urteilsloses, wohlwollendes Abwarten be- j deuten.

Dec eine geht, der andere kommt. Personen- !wechsel gibt es immer und überall, nicht bloß auf ben politischen Höhen. Auch im geschäftlichen und gesellschaftlichen Leben haben wir forfwäh- ^rend mit neuen Leuten uns einzurichten. Manche haben Freude an dem Personenwechsel in ihrer Umgebung ,da sie sich einbilden, es werde nun anders und besser werben. Manche aber scheuen bie neuen Gesichter und die neuen Manieren; sie möchten in dem alten Milieu bleiben, weil sie das beguemfte für das beste halten. Der kluge Mensch Halt sich in der Mitte: er ist weder "neuerungS- füchtig, noch neuecungsfiirchfig, sondern sagt sich einfach: Es kann ja nicht immer so bleiben, hier unter dem wechselnden Mönd;■ es blüht eine Seit und verwelkt, was mit uns die Erde be- tooljni Sehen wir zu, ob bei dem unvernteid- jlichen Wechsel etwas gutes herauskommt!

; Meistens kann man Noch etwas mehr tun, als tzusehsn. Die Menschen erziehen sich nämlich (jegenfettig. Ob jung oder alt, jeder ist zugleich Erzieher und Zögling. Recht scherzhaft klingt ja der Spruch, daß die Kinder die Eltern erziehen; Iber W ist fo. Alle Familienmitglieder schleifen ssich unter einander ab und färben auf einander