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MaerW Zeitung

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Fulda, Samstag den 17. Juli 1909

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A«ZNgen: Vie et* spaltigepetitzetleoder deren Raum 15 Pfg. Reklamen rnePetitzeU« 25 Pfg., bei Wied«. Holungen wird entspr.

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üolationrdruckuub Verlag der Luldaer Ak- tiendruckerei in Kulda Zernsprecher Rr. 9.

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Monatrbellage: „zuldaer Geschtchtrblötter"

Bernhard van der Siche.

Roum» von Baronin Gabriele von Schlippenbach.

Ines hatte ihre Freundin nun schon einige Wochen in Rätzlingen: sie war überglücklich Luise an demselben Ort zu haben. Das sanfte, stets heitere Wesen Luisens wirkte auf Bernhards Ner­ven wohltuend. Wenn er am Abend von seiner angreifenden Tätigkeit kam, freute er sich immer, wen- er die Freundin der Schwester vorfand. Es dauerte nicht lange, so gewann auch Luise an dem Werk das lebhafteste Interesse.

Sie hatte es unter der Führung des Hoch­ofenchefs genau angesehen, und die stille Liebe, die sie schon lange für ihn empfand, war ihr voll und ganz zuni Bewußtsein gekommen. Sie durch- drang ihr Wesen: es war, als sei es von einer schönen, großen Flamme durchleuchtet. Und er, dem ihr Herz gehörte, merkte es noch und noch. Er fing an, sich mit dem jungen Mädchen über seine Sorgen und Hoffnungen auszusprechen: er ließ sie daran teilnehnien. Sie verstand es, ihn aufzurichten, wenn er ost mutlos wurde: sie fand immer das rechte Wort und er dachte: „Welch ein guter Kamerad sie ist, auf diese zarte und feste Hand kann man sich verlaffen."

Irmgard Gerard war mit ihrer Gesellschafte­rin nach Paris gereist. Sie blieb länger fort, als sie wollte. Sie stürzte sich in den Strudel des Vergnügens, es war ihr oft. als müßte sie etwas, was sie oualt, vergessen.

Drei Wochen vor Weihnachten kehrten die Damen nach Mon Repos zurück. Ines führte ihre Freundin Luise dort ein; es entwickelte sich ein lebhafter Verkehr zwischen dem ^Schlößchen ttnb dein Hause des Hochofenchefs. Stoffe und wai me Sachen wurden verarbeitet, um die armen Lin­der zum Christfest zu beschenken: die Kamn er- jungfer Irmgards half mit. Lustig klapper en die Nähmaschinen, ein Stück nach dem andern entstand unter den fleißigen Frauenhänden. Fr iu Gerard war Feuer und Flamme bei allem. T ie hatte eine zierliche, iveiße Latzschürze vorgebu t- den, ihr stets peinlich frisiertes Haar hing etnx s wirr in die Stirn, als Bernhard eines Tagt t seine Schwester und Luise abzuholen kam.

„Wollen Sie auch arbeiten, Herr Baron? fragte Irmgard munter, wir können Hilfe brau­chen."

Sie waren allein im Salon, wo Irmgard et­was holen wollte. Noch nie war sie ihnr so haus­fraulich reizend erschienen. War dieses wieder eine neue Laune ihres eigenatrigen Wesens? Wie oft wechselten bei chr Stimmungen und Gefühles Unter seinem bewundernden Blick errötete sie und senkte die Wimpern.

N'arm fühlen, tote andere ihres Geschlechtes; sie ivar anders, als sie sich zil zeigen bemühte.

Eiche stand am Fenster und sah in die Dunkel­heit hinaus; da sagte Ines Stimme:

„Hardy. die Damen wollen nach Hause."

Ruhig und gesammelt stand Irmgard Gerard da, ruhig verabschiedete sie sich, aber konnte ihren Zügen nicht gebieten. Eine tiefe Erregung, et­was sehr Trauriges lag darin. So hatte der Hochofenchef sie noch nie gesehen, und sie erschien ihm neu, und sehr anziehend durch seine Ent­deckung.

„Ich danke Ihnen", sagte sie, „aber nicht zu viel?"

Erscheint täglich mit Ausnahme der $o.m= «nb Zeiertagt. viertel­jährlicher vezugspreir ohne vringrrlohn «nb vesteLgelbinZuldass- »ie auswärts 1.50 Alt. verautw. Redakteuri

Lari Schütter

* Der Reichskanzler und die neu ernannten Staatssekretäre und Minister haben ihre Amts- geschäfte bereits übernommen.

+ Die Abreise des Fürsten Bülow von Berlin zunächst nach Klein-Flotlbeck wird am Sonntag nachmittag erfolgen. — Fürst Bülow ist bekanntlich als Repräsentant des Familien­verbandes derer von Bülow Mitglied des Herrenhauses. Wie Berliner Blätter zu be­richten wissen, wird Fürst Bülow an den Ver­handlungen des Herrenhauses regen Anteil nehmen. Für den nächsten Winter dürste die Anwesenheit Bülows im Herrenhause indes kaum in Frage kommen, da er bekanntlich den kommenden Winter in Rom zu verbringen gedenkt. — Fürst Bülow hat sich kurz vor seinem Rücktritt noch einmal vom Photographen in seinem Arbeitszimmer verewigen lasten. Das Bild wird auf besonderen Wunsch des Kaisers vergrößert werden und in seinem Arbeitszimmer Platz finden. Als Gegengabe hot Kaiser Wilhelm dem Fürsten ein eigenes Porträt mit einer persönlichen Wid­mung übermittelt.

(*) Die Ernennung eines Vizepräsidenten des preußischen Staalsministeriums soll einst­weilen nicht in Aussicht genommen sein.

(*) Joseph Guerber, Ehrenkanonikus und Superior der barmherzigen Schwestern in Straß- mrg, bis 18*J8 Reichstags - Abgeordneter (Els.) lr Gebweiler, ist, 85 Jahre alt, gestorben. :r war als Parlamentarier wie als Volksschrist- teller und als frommer Priester gleich hoch geschätzt,

X Die Auszahlung der erhöhten Gehälter und Wohnungsgeldzuschüsie und die Nachzahlung )er Beträge für 19t 8 an die Reichsbeamten oll, nach einer Vertügung des Reichsschatzamtes, mit tunlichster Beschleunigung erfolgen. Die Behörden sind angewiesen worden, noch fehlende Gehaltsberechnungen sofort vorzunehmen, damit

„Gnadrge Frau", sagte der Hochofenchef, „ich möchte gern etwas zu der Weihnachtsbescherung unserer STrmeit beitragen. Wollen Sie mein be­scheidenes Scherflein freundlich empfangen und es nach Ihrem Gutdünken anwenden? Uh denke, daß wir in dieser Sache Hand in Hand gehen."

Er zog ferne Brieftasche hervor und ihr einen Hundertmarkschein. Irmgard ihn entgegen.

Dunkel stieg ihm das Blut ins Gesicht.

ist, denke ich, mene Sache", sagte er schroff. ____

wollen mir andeuten, daß ich der arme Hochofen­chef bin. ES bedurfte dessen nicht; ich vergess« meine Stellung Ihnen gegenüber nicht."

Deutscher Reich.

** Berlin, 16. Juli 1909. Von dem Direk­tor des preußischen Abgeordnetenhauses war an­geregt worden, nach dem Muster des steno­graphischen Landesamts in München und Dresden auch in Berlin eine derartige Anstalt einzurichten. Diese Anregung wird von der Re­gierung augenblicklich erwogen. Es werden be­reits zweischen den einzelnen Refforts Verhand­lungen gepflogen, die die Organisation und die Kostensrage betreffen. — Die Vorberatungen über das preußische Wassergesetz zwischen den beteiligten Ministerien sind beendet. Der neue Entwurf liegt jetzt dem Handels-, Kultus­ministerium und dem Ministerium des Innern zur Begutachtung vor. Man hofft, im Laufe des Sommers zu einer Verständigung zu kommen, so daß im Herbst dem Landtag ein entsprechender Gesetzentwurf vorgelegt werden kann.

* Ter Kaiser hörte am Freitag vormittag den Vortrag des Stellvertreters des Chefs des Mililärkabinetts v. Oertzen. Er verließ noch am selben Tage Berlin. Am heutigen Samstag wird die Nordlandreise angetreten.

* Der Reichskanzler und die neuen Minister beim Kaiserpaar. Zuc Frühstückstafel bei den Majestäten im königlichen Schloß war n gestern geladen außer dem Gefolge und den Chefs der Kabinette Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg, die Staatsminister und Staatssekretäre v. Rhein­baben, v. Einem, Delbrück, Beseler, Sydow, v. Schön, v. Arnim, Trott zu Solz, Wermuth und Dberpräsident v. Löbell.

lich seines Ausscheidens aus dem Amte die Bitte gerichtet, die Ehrenmitgliedschaft der ge­nannten nationalen Arbeitervereinigungen anzu­nehmen. Der Bund vaterländischer Arbeiterver­eine betont, daß er dem glücklichen Ausgange der letzten Reichstagswahl seine Entstehung ber- danke und daß er in kurzer Zeit auf 85 Orts­gruppen angewachsen sei. Fürst Bülow hat „unter dem Ausdrucke der Freude" über die ihm von den genannten Verbänden bezeugte Anerkennung die Ehrenmitgliedschaft angenommen.

Eine Taktlosigkeit dem Reichstag gegenüber leistet sich der Generaldirektor der Hamburg- Amerika-Linie, Ballin. Er hat nämlich ein Tele­gramm an den Fürsten Bülow gesandt worin es heißt:

Wenn Euer Durchlaucht nunmehr aus Ihrem hohen Amte scheiden, so finden wir darin den Beweis, daß Sie eine verkehrsfeindliche Politik, wie sie auch in den jetzt genehmigten Steuern gegen Handel und Wandel zum Ausdruck kommt, nicht führen können und wollen. Für diese Ihre Fürsorge sür Deutschlands wirtschaftliche Interessen bleiben die Ver­treter von Handel, Gewerbe und Industrie zu un­wandelbarer Dankbarkeit verpflichtet. Zum Gedächtnis besten werde ich der Hamburg-Amerika-Linie vorschlagen, den nächsten größeren Dampfer durch den Rainen „Först von Bülow" zu ehren.

„Ja, das glaube ich auch", meinte Frau Gerard.

„Vorige Nacht bellte Barry im Garten und M Äx iu verfolgen", erzählte Ines. „Wahrschemlich war es einer der Arbeiter vom Hochofen, der sich die letzten Aepfel vom Baum

•I*? i.sollte. Wenn er nur dem armen Tier nicht durch vergiftetes Fleisch geschadet hat. Wir haben esimmer gefürchtet, Hardy und ich. Ach Ware er »och schon da, was sollen wir tun?"

Irmgard Hilt den Kopf des sterbenden Tieres rn ihrem Schoß. Barry lag ganz still, nur hin unb toieber toinjeite er leise. Jetzt zuckten seine mächtigen Glieder, es traten Krämpfe ein- es war jammervoll anzusehen.

Bernhard war früher als er glaubte, in Metz mit seinen Geschäftsgängen fertig geworden Er vermutete Frau Gerard schon zu Hanse, als er die Schwelle seines Hauses betrat. Er stutzte als er die Gruppe am Kamin erblickte, dann eilte er auf sie zu. Er vergaß, guten Abend zu sagen- neben Irmgard niederknieend, beugte er sich über seinen vierbeinigen armen Liebling. Ein scharfer Geruch nach bitteren Mandeln kam aus dem halb­geöffneten Rochen des Bernhardiners; sein Herr bemerkte es. „Sie haben ihn vergiftet ', sagte er dumpf.

Bei der Stimme Elches öffneten sich noch ein­mal die treuen Hundsangen. Barry versuchte, die Hand seines -Herrn zu lecken, aber er konnte es nicht mehr. Lang streckte er die mächtigen Glieder auS, der Tod machte seinen Qualen ein Ende.

Ines schluchzte laut, auch Fräulein Körner weinte. Aus Irmgards Augen fielen zwei war­me Tropfen; sie fielen auf die Hand des Man­nes, der sie auf dem Kopfe des toten Hundes ruhen hatte. Er surfte, wie von einem elektrischen Funken getroffen, zusammen, aber er vermied es, Frau Gerard anzusehen; —er fürchtete, ihren Stolz im verletzen. Sie konnte also doch weiblich

die Reichsvtamten am 1. August in den Genuß der langentbehrten Erhöhung gelangen können. 1 Bei der Reichspost werden sich die Berechnun- gen, da sie schwieriger sind als bei den übrigen Reichsämtrrn, nicht so schnell abschließen kaffen, doch hofft man, im Lause des August auch die Postbeamten befriedigen zu können.

X Der Beteranenehrensold scheint den Kriegs- teilnehmern gesichert zu sein. Der Reichstag hat bekanntlich noch kurz vor dem Sessionsschluß einen Gesetzentwurf endgültig angenommen, der den Kriegsteilnehmern die Gewährung eines Veteranenehrensoldes sicher stellt. Nach dem Gesetz werden alle Kriegsteilnehmer, die unter­stützungsbedürftig oder älter als 60 Jahre sind, und deren Einkommen im Jahre 600 Mk. nicht erreicht, jährlich eine Beihilfe von 120 Mk. er­halten. Anträge und Bewilligung der Beihilfe sind an die Ortsbehörde des Wohnortes zu stellen, jedoch erst nach Inkrafttreten des Gesetzes. — Wie jetzt gemeldet wird, wird der Entwurf vom Bundesrat demnächst in der Fassung des Reichstages angenommen werden, so daß der lang gehegte Wunsch des Reichstages, die alten Veteranen zu unterstützen, endlich in Erfüllung gehen wird.

* Ueber die Novelle zum Schankgefäßgesetz und deren Bedeutung sür das Schankgewerbe sind folgende Angaben von Jntereffe:

Das Gesetz verfolgt zwei Ziele. Durch die ®e- siimmungen unter Nummer 1 soll dem Schankwirt er* leichert werden, die Bransteuererhöhung auf den Konsu- menten überzuwälzen dadurch, daß er in die Lage ge­bracht wird, in etwas kleinerem Gemäß, als disher, ein geringeres Quantum Bier für den unver­änderten bisherigen Preis abzugeben. Zu diesem Zweck soll es durch Einführung der Zwanzigteilung ermöglicht werden, neben den bisher zulässigen Gläsern von zehn Teilen eines Liters, wie e/io, «, *ho auch wiche von " k, ’/»• usw. zu führen. Der Wirt ist dann beispielsweise in der Lage, statt bisher */t» Liter für 15 Pfg. *,io für diesen Preis zu verschänken. Hierbei ist baranf aufmerksam zu machen, daß, wie bereits der Regierungsvertreter im Reichstag hervorgehoben hat, diejenigen Gesäße, welche dem Zehnteil eines LiterS entsprechen, keineswegs unbedingt nach Zwanzigsteln bezeichnet zu werden brauchen, da das Gesetz über die Bezeichnung keine positive Vorschrift in dieser Richtung enthält. Es können vielmehr ‘,’ie nach wie vor ebenso gut als ‘/io wie als 8/k> bezeichnet werden, •/i« wie bisher als '/,, ’/« als als 0,35, •/« als V« oder 0,25 Liter.

Die Nummer 2 des Gesetzes bezweckt, den Unzu­träglichkeiten, die mit einem übergroßen Schaum« ran de beim Bierausschank verbunden sind und zur Benachteiligung des Konsumenten führen, dadurch ent­gegenzutreten, daß der Mindeftabstaud deS Füllstriches bei Schankgefäßen sür Bier allgemein auf 2 Zentimeter vom Rande und entsprechend der Höchst­abstand auf 4 Zentimeter erhöht wird. Dadurch wer­den die Vorschriften über den Abstand des Füllstrichs mit den tatsächlichen Verhältnissen beim Bierausschank einigermaßen in Einklang gebracht. Für andere als Bierschankgefäbe verbleibt es bei den bisherigen Bor­schriften. Nach den Erfahrungen in gereiften Gegenden des Reiches ist aber bei größeren Bierschankgefäßen von l/i Liter und darüber der Mindestabstand des Teilstrichs von 2 Zentimetern noch nicht ausreichend, um den Konsumenten gegen Uebervorteiluua durch übertriebene Schauinerzeugung zu schützen. Deshalb soll die höhere Verwaltungsbehörde befugt sein, den Mindestabstans bei solchen Gefäßen bis auf 3 Zmtr. zu erhöhen.

Um die vorhandenen Bestände an Schank­gefäßen, Gläser roie Krüge, in Wirtschaften, Fabriken und Handlungen einstweilen weiter verwertbar zu machen, ist schließlich als UebergangSbestimmuug zu dem im übrigen gleichzeitig mit der Brausteuer­novelle am 1. August d. I. in Kraft tretenden Gesetze zugelassen, daß Schankgefäße für Bier mit einem Mindestabstand von 1 Zentimeter bis zum 1. D!t 1913 in Gebrauch bleiben. Auch abgesehen hiervon können die vorhandenen Gläserbestände, bei-

[] Allerlei zuw Kanzlerwechsel.

Die Blätter aller Parteirichtungen bringen täglich noch spaltenlange Artikel, die sich mit ber Person des gewesenen Kanzlers befaffen. Die einen zerpflücken erbarmungslos und suchen ihn womöglich „noch toter" zu machen, die anderen geben sich den Anschein, als ob sie seinen Abgang aufrichtig betrauerten und wieder andere sind ehrlich bestrebt, ihn gerecht zu beurteilen Auch das Ausland beschäftigt sich mit ihm und seiner Politik und sucht dien Schleier von der dunklen Zukunft, die sich mit dem Namen Bethmann-Holl- weg verbindet, nach Möglichkeit zu lüften. All- gemein herrscht im Auslande die Ansicht vor, daß die Kanzlerschaft Bethmamf-Hollwsgs der deutschen auswärtigen Politik keine wesentlich an­dere Richtung geben wird.

Die Angriffe, die Fürst B ü l ow in seinem be­kannten Interview wenige Tage vor senem Ab­schied gegen die Konservativen gerichtet hat, sind begreiflicher Weise von konservativer Seite nicht unbeantwortet geblieben. Die konservative „Krc.-rzzeitung" führt zur Verteidigung u. a. aus:

„Zu bet Behauptung, daß die Reichsfinanzreform «chne Sprengung des Blockes bei einer anderen Hal­tung der Konservativen besser ausgefallen wäre, sei auf einen Ausspruch deS Fürsten Bülow im Fe­bruar 1907 zu verweisen. Damals sagte der Fürst auf die Vorhaltungen eines konservativen Abgeordneten, daß die Liberalen so wenig staatsmännisch veran­lagt feien, daß schon deshalb ein längeres Zusammen­halten des Blockes sehr unwahrschernlich sei. „Eie mögen darin recht haben, ich bin ganz zufrieden, wenn der Block nur noch 1 oder IV» Jahre zusammenhält."

Tie „Deutsche Tageszeitung" sagt, der Vor- iourf des Fürsten Bülow, die Konservativen hät­ten schroff die Brücke zur Linken abgebrochen, zeige, wie weit sich Fürst Bülow mit seinen un­begründeten Vorwürfen gegen die Konservativen vom Standpunkte des über die Parteien stehenden Staatsmannes entfernt habe, wie sehr er im Ver­lauf des Streites bereits zur liberalen Partei übergegangen sei. Fürst Bülow habe selber kei­nen Zweifel darüber gelassen, daß er das Opfer (der Zustimmung der Konservativen zur Erb- > schaftssteuer) nicht um der Sache, sondern um des Blockes willen verlangte. Nach der ganzen Loge habe er dadurch nur die Befürchtung der Konser- । vativen bestätigt, daß der Block nicht eine gleich­berechtigte Gemeinschaft der Rechten und Linken darstellen, sondern zur einseitigen Förderung liberaler Interessen dienen sollte. Die Konservativen sollten also ihre Ueberzeugung preisgeben, um dem Liberalismus zu einer stärke­ren Stellung im politischen Leben zu verhelfen."

Die Liberalen haben sehr wobl begriffen, daß Fürst Bülow sich mehr zu ihnen hingezogen fühlte als zu den Konservativen. Es sind auch gerade die Freisinnigen, die ihm jetzt große Ehrungen entgegenbringen wollen. Der freisinnige Magi­strat der Stadt Berlin hat in seiner Sitzung am Freitag beschlossen, zu Ehren des scheidenden Reichskanzlers einen im Norden der Stadt bele­senen Platz dm Namen „F ü r st B Ü lo W-'P I a tz" zu geben, und in der Berliner Presse wird jetzt tagtäglich für eine größere Ehrung des Exreichs­kanzlers seitens :ber Berliner Bürgerschaft agi- iiert. Es besteht die Absicht, dem Fürsten bei fernem Scheiden aus der Reichshauptstadt eine

b at i on barzubringen, Wohl wie in der Wahl- \ nacht vam Januar 1907. Der Bund vaterlän- drscher Arbeiterve reine, sowie der Ge- ■

evangeb Arbeitervereine Deutschlands haben an den Fürsten Bülow anläß-

Man hätte vom Fürsten Bülow doch erwarten dürfen, daß er die Aufdringlichkeit des Herrn Ballin in etwas anderer Weise beantwortete, als es geschehen ist. Das folgende Telegramm an den Geueraldirekor ist doch einigermaßen befremdend:

Herzlichen Dank für Ihr freundliches Tele­gramm. Die meiner politischen Arbeit gezollte A n - ertennung hat mirwohtgetan. . . . Lassen Sie mich aber der Ueberzeugung Ausdruck geben, daß die Reichs­politik nie die gewaltigen Interessen aus den Augen verlieren wird, die sich in Handel, Industrie und Schiff­fahrt verkörpern.

Diese Dankbarkest Bülows für eine derartige „Anerkennung" seiner politischen Tätigkeit ist durch­aus nicht geeignet, das Urteil, das der weitaus größte Teil des deutschen Volkes sich über Bü ow gebildet hat, nach bet’ besseren Seite hin zu korri­gieren.

Angeblich hat Fürst Bülow die Geschäfte sei­nem Nachfolger übergeben, ohne die F i n a n z- gesetze mit seiner Unterschrift zu ber- ehen. Diese Unterschrift soll bon seinem Nach­folger, Herrn v. Bethmann-Hollweg. geleistet werben. — Dieses kleine Vorkommnis ist vom Standpunkte ber Gesetzgebung aus zwar bedeu­tungslos, politisch aber bemerkenswert. Fürst Bülow scheint sich inzwischen eine andere Grab­schrift auserkoren zu haben, die nicht mehr an den „agrarischen Reichskanzler" vergangener Zei­ten erinnert, sondern die Inschrift trägt: „Hier ruht ein liberaler Reichskanzler." —

In der Frankfurter Ztg. widmet Jrenaeus >em Fürsten Bülow einen Nachruf, der folgen­dermaßen anhcbt: „Vor zwei ober drei Jahren war es. wenn ich nicht irre, vor der Auflösung )e§ Reichstags im Dezember 1906, da erzählte er- tcnml, wie über eine unerwartete Entdeckung, ein Staatswürdenträger, daß er in einer Unterre­dung mit dem Reichskanzler diesem eingeNwrfen !>abe: „Aber Durchlaucht das sind ja ganz libe­rale Idee u" — und daß Bülow ihm lachend geantwortet habe: „tza Verehrtester, id> ft erbe auch noch einmal als Liberaler, und ogar die Frankfurter Ztg. wird mir einen an­erkennenden Nekrolog schreiben müssen." Das ist denn auch in reichlicher Weise geschehen.

, Wie die Korrespondenz Hofsmann meldet, hat >er P r i n z r e g e n t von Bayer n an den Flir­ten v. Bülow aus Anlaß seines Rücktritts ein HaNdschr«iben gerichtet.

Sie schien den frohen Weisen tu lauschen, di: die helle Mädchenstimme am Piano sang, aber ihr Gesichts hatte wieder den gequälten Ausdruck, der »etzc häufig daraus lag, der von inneren Seelen- kämpfen sprach, von denen Niemand Etwas ahnen fcurfte. Auf Ines Birte nahm Frau Gerard ihren Piatz am Instrument ein.

Öhre schlanken Finger glitten über die Tastern „ spielte wieder die Sibeliusschen Kompo- sttionen, dre Valse triste, mit so tiefem Gefühl, Daß Ines davon erschüttert war, dann ein Nok- turn® von Chopin, das sie variierte.

„Du bist eine Künstlerin, Irmgard", rief 3ne§, „rote schade, daß Du nicht Konzerte gibst."

„Einst war es mein Wunsch, Kleine — siehst Du, tch habe das Praktischere erwählt, ich wurde lieber eine reiche Frau."

„Und hat Dich das glücklich gemacht?" rief Ines leidenschaftlich. „Konnte es Dir genügen?"

„Darüber sPrM man nicht." Eisige Abwehr lag in foim Ton der Worte.

Ein leises Stöhnen aus dem Kaminzimmer Unterbrach das Gespräch. Barry hatte sich halb erhoben und winselte kläglich. Frau Gerard und Znes eilten zu ihm. Irmgard kniete neben dem Hund nieder, der arge Schmerzen haben mußte, penn er sah mit fast menschlich leidenden Augen R als Ines ihn streichelte. Gleich darauf W s-hwerfällig zur Seite. T

Armgard, was fehlt ihm?" schluchzte

Neffen“krank, er muß etwas ge- L» ihm. Schmerzen bereitet",