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zur
56. Generalversammlung d. Katholiken Deutschlands
in Breslau vom 29. Rugust bis r. September I9»9.
Deutsche Katholiken!
»um viertenmate und zwar für die Tage von Sonntag, den 29. August bls Donnerstag, den 2 September d. Js., erbittet sich die altehrwürdige Bischossstadt Breslau, die Hauptstadt des schönen Schlesiens an der Ostgrenze unseres deutschen Vaterlandes, die hohe Ehre, eine Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in ihren Mauern aufnehmen zu dürfen, und hofft, daß ihrer Einladung auch diesmal eine recht große Schar von Glaubensbrüdern Folge leisten werde.
»um ersten Male tagte hier die Versammlung im Jahre 1849, umgeben von vollem Auf. rühr und Straßenkampf: und sie hat damals nicht wenig zur Wiederherstellung geordneter Zustände beiaetragen. — AIS dann die zweite Breslauer Generalversammlung der deutschen Katholiken m Abend deS 9. September 1872 mit einer Ansprache des Fürstbischofs Heinrich Förster eröffnet wurde, waren bereits die ersten Schläge des „Kulturkampfs" gegen die Katholiken gefallen. Nicht lange mehr, und derselbe große Bischof, der damals mit apostolischem Freimute die Gebietenden dieser Grde an die stets und eben noch im Kriege gegen Frankreich so glänzend bewährte Staats- treue der Katholiken erinnert hatte, mußte, um dem Kerker zu entgehen, in die Verbannung ziehen. Lebend ist er zu seiner treuen Herde nicht mehr zurückgekehrt.
Bessere Zeiten waren in unser Vaterland emgezogen, als rm Jahre 1886 zum dritten Male unser Breslau die Generalversammlung begrüßen durfte —„als Merkstein an hochbedeutsamem und
Breslau, am 3. Juli 1909.
hocherfreulichen Wendepunkt zum Frieden". Die Segnungen dieses Friedens treu, und zumal in ge- wissenhaster Achtung vor der Ueberzeugung Andersdenkender zu bewahren, war und blieb die wichtigste Ausgabe aller unserer großen Zusammenkünfte Galt es doch für uns immer vor allem, in stiller sozialer und charitativer Arbeit zur Heilung der Schäden der Zeit beizutragen und un« serem Volke die idealen Güler christlicher Weltanschauung und Gesittung erhalten und vermehren zu Helsen.
Dieser Ausgabe soll und will nun auch die vierte Breslauer Generalversammlung dienen; sie wird für diele wichtigen Kulturarbeiten dem katholischen Volke neue Anregungen und neuen Mut zuführen ans jener zündenden Begeisterung, von der bisher noch alle unsere jährliche Heerschauen im Zusammenströmen und gemeinsamen Beraten so vieler Tausende von überzeugten Mitstreitern unter der Kreuzesfahne begleitet waren.
Auf denn nach Breslau! Unseren Beratungen wird die Fürbitte der hl. Landespatronkn Hedwig und des fel. Geslaus nicht fehlen, die einst in unseren Mauern die Werke der christlichen Liebe in furchtbar schweren Zeilen vollbracht haben. Die Breslauer aber werden alles aufbieten, ihren Gästen die Tage der Generalversammlung recht angenehm und diese selbst recht fruchtbar und segensreich zu gestalten.
WWee für die 56. Sentraloerfaminliiiig der Katholiken ZeutWaM.
I. Vorstand
A. Ehrenpräsidium.
Ehrendomherr Böer, Pfarrer. Böse, Rentier. Veh. Regierungsrat Dittrich, KonMorialrat. Prätat Dr. Koenig, UniversitLtsprofefsor, Dompropst. Weihbischof Dr. Marx, Domdechant. Justizrat Nadbyl, Rechtsanwalt. Kgl."Kammerherr Hans Ulrich Graf Schaffgotsch-Breslau. Prälat Schmidt Marrer Universnätsprofessor Dr. Edralek, Domkapitular. Universttätsprofestor Dr. Srckenberger, Dekan der kath. theol. Fakultät. Prälat Stiller, Seneralvikar. Geh. Justizrat Thiel, OberlandesgerichtSrat a. D. ZreschL, Rektor, Landtagsabgeordneler.
B. Präsidium.
Geh. Justizrat Dr. Porsch, Vorsitzender. Geistlicher Rat Belkel, Pfarrer, 1. Stellvertreter. Sanitätsrat Dr. Croce, 2. Stellvertreter. Stadtrat Mann, 3. Stellvertreter.
C. Schriftführer.
F«nnig, KuratuS, 1. Schriftführer. Prozessor Dittrich, Gymnasialoderlehrer, 2. Schriftführer. Müldner Rechtsanwalt, 3. Schriftführer. Krisch, Lehrer, 4. Schriftführer.
D. Schatzmeister.
Kommerzienrat Dr. Heimann, Bankier. Max Dietrich von Stein, Bankier, 1. Stellvertreter.
B. Vertreter der Ortsgeistlichkeit.
Erzpriester Dr. Berget, Pfarrer. Professor Dr. Buchwald, Pfarrer. Dr. Eymmer, Pfarrer.
F. Vorsitzende und stellvertretende Vorsitzende der Kommissionen.
1. Rednerkommtsston: Prälat Dr. Koenig, Universitätsprofeffor, Dompropst, Dr. Herschel, Rechtsanwalt. 2. Preßkommtssion: Boenigk, Direktor, Dr. Trimborn, Chefredakteur. 3. Finanzkommisfionr Kominerzienrat Dr. Heimann, Bankier, 3)iax Dietrich v. Stein, Bankier. 4. Anmeldungskommifsto«. Lorcke, Kaufmann, Vogel, Franz, Kaufmann. 5. Wohnungskommission: Tauber, Aug, Fabrikbesitzer' Knetsch, Rektor. 6. Baukommission: Ebers, Domdaurat, v. Scholtz, Stadtbaurat. 7. AusschmückunaS« kommission: Buhl, Alfred, Fabritbesttzer, Scholz, Paul, Kaufmann. 8. Ordnungskommifsion: Reschke, Kaufmann, Uhr, P„ Photograph. 9. Berkehrskom Mission: Pohl, Albert, Kaufmann, Schulz, Eisenbahnsekretär. 10. FestzugSkommission: Rovack, Georg, Pfarrer, Pfeffing, Pfarradministrator. 11. Fest- ko m in i s s i o n: Prof. Dr. Sprotte, Domkapitular, Kgl. Musikdirektor Filke, Domkapellmeister. 12. Ausstellung skommission: Geistlicher Rat Pros. Dr. Jungnttz, Archivdirektor, Justizrat Heer. 14. Altarkommission: Ehrendomherr Augustin, Generalvikariatsamtsrat, Michael, Pfarrer.
Römisches Stadtleben.
Skizze von L. Fisch.
Greif hineiu ins volle Menschenleben, und wo dus packst, da ist es interessant.---
Vom Corso Umberto her kommen wir durch eine enge Gasse, in der Noch ein rotglimmendes Lämpchen vor einem Madonnabildchen brennt, auf den Markt, Campo d'Fiori — da wimmert die niedere Bevölkerung Roms durcheinander, fast ohne Bedürfnisse, ost anmutig, oft in Lumpen; laute Stimmen, ewiges Gebärdensplel, Esel und verlegenes Obst, halbsauler gesalzener Fisch, Zwiebeln und viel Knoblauch, überall die berühmten schmutzigen Weinschenken. Ost sieht es aus, als käme es da drinnen zu einem hitzigen Streit. Aber das täuscht, es sind alles friedliche anspruchslose Leute, welche für wenige Saldi ein Fläschchen von dem guten Wein trinken und dazu etwas essen; denn das Trinken um des Trinkens willen kennt der Italiener nicht.
Auf Schritt und Tritt begegnen uns zweirädrige Karren, beladen mit kleinen Weinfäßchen, der Gaul zum Lachen komisch aufgeputzt; sie kommen aus den Weingärten, und haben am Tore ihre Steuer erlegt. An diesein schwerfälligen Gespann fliegen unter Peitschenknall die vielen Fiaker vorbei, von raschen klugen Pferden gezogen, die selten dem sich stauenden Volk etwas Leides zu- kugeu. Vergebens suchen wir in den Straßen Ronis jene hochgetürmten Lastwagen, wie sie an» oerswo nirt Fässern, Ballen, Kisten und Säcken dec Ersenbahn zuströmen, oder von ihr kommen. Roms Handel und Gewerbe beschränkt sich eben r ouf die Fremdenindustrie, auf die Fabrikation goldener und musivischer Schmucksachen, die dem Fremden gefallen sollen, aber reine Fracht für Güter und Eisenbahnen ab geben.
Zu den besuchtesten Einrichtungen Roms ge- ooren die zahllosen Cafss. Für manchen Römer ist das Cafd vom Nachmittag bis Mitternacht kwe zweite Heimat, in der er Zeitungen liest, rOlstrsiert, Verbindungen ankniipft, Geschäfte ab» “ete schreibt und spielt. Besonders ü» erhaltend ist es, an einem schonen Abend vor r”£m. zu sitzen und die bunte Menge an sich ^rbetztehen zu lassen. Und was einem so eigen- auffallt: der Offizier und der Gemeine ülV” ^urselben Kaffechaus an demselben Ti- R?, "er Bauer, auch wenn er einen durchdringen
den Knoblauchgeruch um sich verbreitet, neben dem Parlamentarier, nicht unterwürfig und krie- chend, sondern immer höflich, durch gleichen Anstand verbunden, ein Erbteil alter Kultur. Der Kaffeehausbesitzer legt freilich eine ungeheure Bescheidenheit bezüglich seiner Reinlichkeit an den Tag; auch der Kaffee ist nicht zu loben, ein bitte- rer tintenschwarzer Trank, der niemand beleben kann und der nur den Vorwand herzugeben scheint, einige Stunden in Müßiggang hirrzu-- bringen. Und wer zu seiner Tasse Kaffee noch eine Zigarre zu rauchen wünscht, der wird bald daran erinnert, daß er weit weg von Hause ist: es wird einem Deutschen schwer, über die Beschaffenheit der italienischen Zigarren sich in parlamentarisch zulässiger Redeweise auszudrücken.
Sonst ist der Tabakhändler der Vertrauensmann des großen Publikums und der Regierung. Man findet bei ihm alles; er vrkauft die schlechten und teuren Monopolzigarren ebenso zum vorgeschriebenen Preis, wie alle Brief- und Stempelmarken u. dergl., alle gangbaren Zeitun- gen; er führt Tabakpfeifen, Wachszündhölzchen, Briefpapier, Kognak und Likör, Zwirn und Faden, Stinte und Siegellack, hält das Adreßbuch, und alle Fahrpläne, 'er kann auch schreiben, er besorgt für Ungeübte Postkarten, übernimmt Geldeinzahlungen und ist sozusagen Mädchen für alles.
Wer nachmittags durch die römischen Straßen geht, begegnet nebst den Leichenzügen mit sozialissischem Aufputz oft noch jenen religiösen Bruderschaften, die einen Toten auf den Fried- Hof hinausbegleiten. Die Mitglieder derselben legen bei Ausübung ihrer Vereinspflicht eine ganz unheimlich aussehende Maske an. die auch den Kopf mit einer larvenartigen schwarzen Hülle umgibt. Es gewährt ein eigenartiges ergreifendes Bild, wenn aus das Glockenzeichen der Bruderschaft die Mitglieder in diesen Ver- mummungen zum Totenhause eilen, um dann in feierlichem Zuge, Fackeln in den Händen, mit tiefer Stimme das De profundis murmelnd, um den Sarg herum durch die Straßen ziehen, unter ihnen edle Gestalten, die sich trotz der Kutte in ihrer Haltung und in Eleganz der Fußbekleidung als Mitglieder der obersten Gesellschaftsklassen erkennen kaffen.
Der traurige Zug ist vorbei, Trommelwirbel ertönen. Die Lazzaroni, die ausgestreckt vor den Kirchenportalen, auf Stufen und Treppen an der Sonne hermnlungern, strömen herbei und starren mit schwarzen Augen neugierig in die Straße hinein: die „Rincreatorii" kommen, d. h. ein Zug aus jenen privaten Volksschulänstalten, welche die schulentlassene Jugend Roms vom 9. bis 16. Le- bensjahre sammeln, um nicht allein ihre Grund- kenntniffe zu befestigen, sondern ihnen auch sitt
liche und körperliche Ausbildung zu geben. Voran marschiert die Musik der Anstalt, dann folgen kleine Bersaglieri mit wehendem Hahnenfederbusch — um nämlich den verlotterteu Straßenjungen den Beitritt begehrlich zu machen, kleidet man sie in schmucke Uniform — Garibaldianer mit blutroten leuchtenden Jacken, Grenadiere, Alpensoldaten, mit kokettem Federhut, Infanterie, rmddlle anderen Uniformen, die sich nur die Einbildungskraft ausdenken kann.
Zu den römischen Straßentypen gehört auch der Cacciatore, der Jäger. In hohen Wasseifftte- feln, um den Bauch den Patconengürtel, in der Hand die Doppelflinte an der Leine zwei oder drei magere Hunde, so sieht man den Römer aller Stände auf die Jagd ausziehen, oft nicht einmal vor die Stadt hinaus, sondern in die großen Wein- und Gemüsegärten zunächst den Stadtmauern. Und am Abend schlendert der Cacciatore durch den belebtesten Korso, stolz auf seine Jagdbeute, ein paar armselige Vögel, von denen oft die Hälfte als Nicht eßbar weggeworfen werden muß. Solcher Jäger macht auf den deutschen Reisenden eilten lächerlichen Eindruck.
Man kann behaupten, daß Rom mit Neapel eine der lärmendsten Städte in Europa ist. Schuld daran ist, neben dem lebhaften Verkehr, das laute Anpreisen aller Waren und Dienste. Die größten Schreier nebn den Zeitungsjungen sind die um- herziehenden Viktualienhändler, die den ganzen Tag ihren hohen kastenförmigen Karren durch die Straßen stoßen. Jede angebotene Ware hat ihren besonderen Ruf. Ohne die Worte zu verstehen, hört der Italiener aus dem eigentümlichen Tonfall und Rythmus heraus, welche Ware feilgeboten wird. Doch weit über alle hinaus vernimmt man den kreischenden Lärm der „kohlensaurm Jungfrauen", die ein fades, aus Wasser, etwas Zucker, Brausepulver und Zitronensaft zusam- mengebrautes Gettänk offerieren. — Und wenn dann alle Industrien schweigen, beginnt die Tätigkeit der Lumpen- und Stummelsammler.
Frisches Gemüse.
Von Dr. Otto Gotthilf.
Ein großer hygienischer Fehler in der Ernährungsweise wird 'noch vielfach begangen: zu einseitige Wahl der Nährstoffe. Die Kost leidet meist an einer appetittötenden Eintönigkeit und Reizlosigkeit, die sich entschieden zum Vorteil der Bekömmlichkeit andern und beffern ließe. Erbsen, Bohnen, Lmsen, Konserven, Kartoffeln und Brot herrschen zu sehr vor. Die geringe Abwechslung beeinträchtigt die Säftemischung, schädig Magen, Darm und schließlich den ganzen Körper- haushalt. In höchst vorteilhafter Weise wird Liefern Üebelstande abaebolien bur/ti friMie CBemüfe
Deshalb mutz man besonder s in jetziger Jahreszeit, wo die Gemüse frisch, zart und im Freiland gewachsen sind, dieses wertvolle Gesundungsmittel sich in ausgiebigem Maße zu nutze machen. Frühbeet-Gemüse haben viel weniger hygienischen Wert.
Die Gemüse und Salate sind von der Natur auch mit Nährwerten ansgestattet, da sie 'etwas Eiweißstoffe, Kohlehydrate und Nährsalze enthalten. Ihr Hauptbestandteil bildet allerdings Flüffigkeit. Dadurch setzen sie naturgemäß daS sonstige Trinkbedürfnis der Menschen herab, waS aber kein Schaden genannt werden kann. Auch ist es entschieden zuträglicher und gesunder, man befriedigt das Flüssigkeitsbedürfnis des Körpers mit natürlichen aromatischen nährsalzhaltigen Gemüsesäften als mit zweifelhaften künstlichen Gärungsprodukten.
Auch unverdauliche Zellulose enthalten die Gemüse mehr oder weniger. Aber diese bildet let- neswegS unnützen Ballast .sondern regt mechanisch die Verdauungsorgane zu Arbeit und Verdauung an. Zudem sind die Prozeniberechnun- gen der Zellulose, die man öfter liest, sehr unzuverlässig; denn junge frische Gemüse haben ent- schieden einen viel geringerem Zellulosengehalt als der in den Tabellen (für ausgewachsene gelagerte) angegebene. Ueöerhaupt beweisen d« Berechnungen, die den angeblich geringen Nährwert der Gemüse dartun sollen, sehr wenig. Wenn es z. B. heißt: für einen kräftigen Mann braucht man 16 Kilogramm Salat oder 9% Kilogramm Spinat täglich zur ausschließlichen Ernährung, so sagt das eben nur, daß ein einziges Nahrungsmittel zur alleinigen Ernährung nicht auS- reicht, weil keines alle die verschiedenartigen Stoffe, die zum Aufbau der Organzellen nötig sind, in richtiger Mischung enthält. Es lebt auch Niemand ausschließlich nur von „nahrhaften" Speisen wie z. B. Eiern.
Don unschätzbarem Wert für die Gesundheit ist der hohe Gehalt der Gemüse an Nährsalzen, die ein Hauptersatzmittel für unsere Blut alze bilden. Setzt man die Menge an organi chen Salzen beim Weißbrot gleich 1, so enthält die gleiche Menge Weißkohl lömal soviel, und die gleiche Menge Spinat sogar 28mal soviel Nährsalze. Letzterer bildet zugleich das eisenhaltigste Gemüse und ist deshalb besonders zu empfehlen der Heranwachsenden Jugend, allen schwächlichen, blutarmen und bleichsüchtigen Personen.
— Durchschaut. Herr: »Ich habe dringend zu arbeiten: bin also düsen Nachmittag für niemand zu sprechen!" — Diener: »Auch für die Waschfrau nicht, Herr Baron? ... Di« wiegt nur neun- lia sßfennio l*