uldaer
36. Jahrgang
Fulda, Freitag den 16. Juli 1909
M 159
Vtrantw.»«datteun Carl Schütter
ÄS«. w-qEase- „Illustrierte Sonntagrzeitung"
veutsches Reich.
** Berlin, 15. Juli 1909. Der Kaiser wohnte am Donnerstag in Döberitz dem Scharf- schießen des 1. Garde-Regimentes z. F. bei. — Ter Bundesrat hat gestern dem Gesetzentwurf über die zollwidrige Verwendung von Gerste in der vom Reichstage angenommenen Fassung zugestimmt. — Vizeadmiral Schmidt ist in Genehmigung seines Abschieds-Gesuches mit der gesetzlichen Pension und unter Verleihung des Charakters als Admiral zur Disposition gestellt, und der Kapitän zur See, v. Dombrowski, Direktor der Marine-Akademie, zum Kontre-Ad- miral befördert worden. — iie Ratifikationsurkunden über den d eutsch - amerikanischen Vertrag betr. Patente sind zwischen dem deutschen "Botschafter Grasen Bernstorff und dem Staatssekretär Knox ausgelauscht worden. — Der Landesverein preußischer Volksschullehrerinnen hat in einer Eingabe an den Handelsminister die Bitte ausgesprochen, bei der Neuregelung des Fortbitdungs-SchulwesensdieFortbildungs-Schul- psticht auch aus die gesamte weibliche schulentlassene Jugend unter 18 Jahren auszudehnen.
4- Bei dem Wechsel in den höchsten Reichsbeamten ist das Vize Präsidium des preußischen Staatsministeriums dem Nachfolger des Herrn v. Bethmann, der bisher dieses Amt bekleidete, nicht mit übertragen worden. Es wird angenommen, daß der Grund dafür ist, daß diese Würde dem preuß. Finanzminister Freiherrn v. Rheinbaben vorbehalten sein soll. Db diese Annahme zutreffend ist, wird man einstweilen abzuwarten haben. — An Stelle des zum Reichs sch atz« sekretär ernannten Unterstaaissekretärs Wermuth ist, wie die ,sJlalionaI$lg/ erfahren haben will, der Direktor im Reichsamt des Inneren, v. Jonquicres in Aussicht genommen. — Als kirn tiaer tlnterflaatssekretär der Reichskanzlei an Stelle v. Loebells wird der Vertrauensmann des jetzigen Kanzlers, der gegenwärtige Nnterstaats- setretär Dr. v. Günther genannt.
* Ter bisherige Kultusminister Dr. Holle, der sich in Godesberg am Rhein niedergelassen hat, ist in Dortmund eingetroffen, wo er bei seinen hochbetagten Eltern längeren Aufenthalt nehmen wird. Der Minister leidet nach wie vor an starker Gedächtnisschwäche. — Dr. Holle hat sich als Untersiaätssekrelär im Arbeits- ministerium sehr gut bewährt; im Unterrichtsministerium hat er wenig Gelegenheit gehabt, sich zu betätigen. Seine Gesundheit war von Anfang an nicht die stärkste und brach bald so zusammen, daß er auf Urlaub gehen und sich ichon fast seit einem Jahre jeder geschäftlichen Tätigkeit enthalten mußte.
Tie Erhöhung der Stempelsteuern. Durch die am 1. Juli d. Js in Kraft getretene Novelle znm Slempelsieuergesetz sind zum Teil neue Stempelabgaben eingeführt, zum Teil bereits bestehende Stempelsteuersätze erhöht worden. Für die Anwendung der in dieser Hinsicht in Betracht kommenden Stempeltarissteven hat^der Finanzminister den Regierungspräsidenten folgende Aus- führungsanordnungen zugehen lassen:
Für Jagdscheine, die bisher einer Stempelsteuer nicht unterlagen, ist ein staatlicher Jagdschein- stempel eingeführt, der für Jahresjagdscheine 7,50 Md, für Tagesjagdscheine 1,50 Md, für Ausländerjahresjagdscheine 50 Mk., für Ansländertagesjagd scheine 10 Mk. beträgt.
Erscheint tiiglich mit Ausnahme der Zo.m- «ildZeiertage viertel- Mrlichetzvervgrpreis ohne Sringrrtohn und Bestellgeld in Zuldaso- ivie auswärts 1.50 Ulf.
mit dem Bau der beiden neuen Hochöfen vollauf beschäftigt; sie schritten ihrer Vollendung entgegen. Ein Fest war immer damit verbunden, tonn sie zum ersten Mal angesteckt wurden. Es war Sitte, daß eine Dame es tat. Frau Gerard und die Schwester des Hochofenchefs waren in Rößlinzen dazu auserfehen worden.
Bernhard war in Geschäften nach Metz hin- übergafahrem, Ines lud Fräulein Körner und Irmgard zu sich ein. Bisher waren die Damen aus Man Repos noch nicht im Hause der Geschwister gewesen. Eine kleine Entfremdung war zwischen dem jungen Mädchen und Frau Gerard eingetreten. Seil Ines Zeugin des Gespräches zwischen dem Grafen und seiner Cousine g^vesen, fühlte sich das warmherzige, jung Geschöpf von ihrer anfänglichen begüterten Schwärmerei zurückgekommen. Irmgard litt darunter, daß Ines sie jetzt seltener besuchte. Sie nahm die Einladung an mit der Absicht, das Eis zu brechen, sie wollte den Grund dieses veränderten Benehmens wissen. Neben dieser Absicht trieb sie auch eine große Neugier, das Heim des Mannes kennen zu lernen, der ihr immer wieder durch seine männliche Ruhe und Sicherheit imponierte.
Es war schon herbstlich kalt. Ein rauher Wind fegte die letzten Blätter von den Aesten; wie in ein graue« Kleid schien die Erde eingehüllr. Das Obst an den Spalieren war eingeerntet und füllte die großen, luftigen Vorratskammern der unteren Räume. Ines wählte heute die schönsten Exemplare der goldgelben Riesenbirnen, der rotbäckigen Aepfel und ordnete sie in einer großen Kriftallschale. Zufrieden überblickte sie den Kaffeetisch, auf dem ein prächtiger Napfkuchen von der Kunst der jungen Wirtin zeugte.
Das Feuer im 'niederen, weiten Kamin prasselte, und das.Wohnzimmer der Geschwister sah shr gemütlich aus mit den alten Mahagonimöbeln. Tas große Bild des Majors in voller Uniform hing über dem Schreibtisch des Sphnes.
„Jncks", sagte Frau Gerard plötzlich, „warum bist Du seit einiger Zeit so anders gegen mich? Hast Du einen Grund dazu? Birte, sei offen."
„Da Du fragst, muß ich Dir antworte«", entgegnete das junge Mädchen, und sie eMähnhe dessen, was sie, ohne es zu wollen, gehört hatte. Sie hätte es lieber für sich behalten, aber eine Lüge war ihrer geraden Natur unmöglich.
Irmgard schien davon unangenehm berührt, denn sie versetzte ziemlich kurz: „Was zwischen mir und meinem Vetter geschehen, ist nicht zu ändern. Warum mußte er auch herkonunen, da ich es ihm schon einmal sagte, er habe nichts zu hoffen." . ..
„Aber er liebt Dich doch treu und aufrichtig."
Frau Gerard lachte. „Mein Gott, er ist noch ein Knabe", meint sie achselzuckend, „er verwindet es leicht."
„Du bist kaum ein Jahr älter."
„Ja, aber ich bin so viel reifer, und könne das Leben von seinen Schattenseiten."
Es kam qualvoll heraus. Ines gutes, Herz neigte sich der Frau zu, die das so traurig äußerte: sie kniete neben ihr nieder und legte die Arme um sie.
„Du Liebes", sagte Ines weich,,, ich will nicht fragen, ich will nur Gott bitten, daß er Dir einst großes Glück schenkt."
„Ein großes Glück? Gibt es ein solches?" fragte Jvmgard träumerisch. „Ich glaube nicht recht daran, wenigstens nicht in dem Sinn, wie Du es meinst." .
Rätselhafte Worte, die das arglose Kmü nicht recht begriff. Auf dem Tisch lag ein auf geschlagenes Buch, es war der Trompeter von Säckin- gen, in dem Ines gelesen hatte. -
„Behüt dich Gott, es wär so schön gewejen, Behüt dich Gott, es hat nicht sollen sein."
Da stand es schwarz auf weiß. Irmgards Auge las die Verse. Sie stand schnell auf.
„Bitte, singe mir etwas," bat sie, „etwas Heiter Ls, willst Du?"
tFortsetzung folgt?
Frau Gerard und Fräulein Körner begrüßten Ines. Sie waren auf der Fahrt durchgefroren und freuten sich über die behagliche Wärme, die von den großen Buchenscheiten ausströmte. Barry lag lang ausgestreckt davor; er bewegte schwerfällig den schönen Kopf, stand aber nicht auf, um feine Gönnerin freudig bellend, wie er sonst zu tun pflegte, willkommen zu heißen..
„Nun, Barry, alter Junge, Lu willst mich heute gar nicht kennen", sagte Irmgard.
„Ich weiß nicht, was hm ist; feit, gestern ist dar fonst fo muntere Hund ganz verändert", be- inerkie Ines. Er frißt nicht und liegt immer apatisch da. Hardy meint, es werde fchon herüber geben, es fei nichts Schlimmes."
„Mein Vetter läßt sich Dir empfehlen", fugte Frau Gerard. Er ist nach Genua gereift und will mit dem Schiff eine mehrere Monate dauernde Reifs nach Indien machen."
Aus dem Ton, wie es gesagt wurde, merkte Ines, daß Frauenfeld nichts von ihrer Dazwischenkunft, als er in dec Laube allein blieb, er- wähnt haben mußte; dies war ihr fehr lieb. Frau Gerard war heute in ihrer liebenswürdigsten Laune. Sie plauderte heiter und angeregt, machte Pläne für den Winter, iw sie in Mon Repos zu verbringen gedachte.
„Ich fange an, mich hier-heimisch zu fühlen", sagte die schöne Frau. „Wir wollen recht gemütlich leben, ßefeabenbe einridjtm. Und den Armen des Ortes zu Weihnachten bescheeren. Ich habe lange keinen deutschen Christbaum gäschen."
„In der nächsten Woche kommt meine Freundin Luise zu Amtsrichters", erzählte Ines, „an der werden wir eine gute Hülfe bei den Arbeiten zum Fest haben. Ich hoffe. Dir gefällt mein So- wising; ich kenne kein Ivettes so selbstloses, bescheidnes und dabei so tüchtiges Mädchen."
Irmgard erwiderte nichts darauf, sie brachte das Gespräch auf ein anderes Thema. Fräulein Huilda war sanft eingeniidt in rhrem bequemen Lehnstuhl.
Bernhard von der Eiche.
Roman von Baronin Gabriele von Schlippenbach.
ißOj (Nachdruck verboten.)
, Wundert es Dich?" fragte Bernhard scharf. j„Jch habe Frau Gerard nie anders taxiert. Diese ;grait berechnet, ehe sie ihr Herz zu Worte kom- imen läßt." . . .,
„Nein, nein, ich kann und will es nicht glau- 'ben, HardyI" rief Ines. „Irmgard ist besser, /yls Du denkst. Du urteilst ungerechr."
„Ich glaube es nicht, Kleine."
Sie saßen am brennenden Kamin, Barry zu jihren Büßen. Er hebt hin und wieder den klu- ißen Kopf und sah die Geschwister an.
< „Wissen Sie nicht jemand, der zu Amtsrichter jGrünwald als -Stütze der Hausfrau kommen lörnte?" fragte Frau Generaldirektor Müller »Ines einige Tage fpärer. „Die Frau Anttsrich- ^ter mujjjiuf längere Zeit ihrer Gesundheit toegett in den Süden, sie ist aber unruhig wegen der bei- ben nmgjten Kinder, die sie uichi allein lasten teiu. Sie kann erst reisen, wenn sie ihr Haus
<gut vcrlorgt weiß."
! sprang auf, ihr Gesicht strahlte. „Ge- iw-ll Kvi3 ich eine geeignete Persönlichkeit, Frau ! E-uerattirktor, meine liebst: Freundin Luise i i-tateb mir erst kürzlich, sie sucht eine , Srel.e ui ver von Jhnm erwähnten Art. Jetzt, ^sibens Schwester Gretchen erwachsen ist, und der Mittler hilsr, möchte meine Freundin gern mehr leisten."
erzählte Frau Müller von dec Forstei und •jtanie Emma, von der glücklichen Zeit, die sie selbst dort verlebt hatte.
' Briefe gingen hin und her Und die Sache wurde abgemacht. Ines war glücklich, als es so weil 'war. Sie erzählte es ihrem Bruder erst, nachdem alles verabredet Ivar. Bernhard {reute sich für feine Schwester. Er selbst war eben jetzt
.Wenn auch Herr v. Bethmann durchaus das volle Vertrauen des Monarchen besitzt, wird er jenen Einfluß erlangen, den Fürst Bülow infolge langiahrigen engsten persönlichen Verkehrs mit seinem Herrn gewonnen hatte? Die Gestaltung dieses persönlichen Ver- häliniffes ist von größter Bedeutung für die künftige Entwickelung unserer Politik."
Die konfervaiive Presse äußert sich zwar sehr zurückhaltend, heißt aber den neuen Kanzler willkommen, als einen Mann, den feine Parteigruppe und keine Partei für sich reklamieren könne.
Von den führenden Zentrumsblätteru schreibt die .Köln. Volksztg/:
„Auch Optimisten werden die Ernennung der neuen Männer nicht als eine Konzession an die Frnanzresorm- mehrheit, speziell an die Konservativen, belrachten können. Man kann eher dc.von sprechen, dag sie die Absicht kund tut, die bisherige p olrtische timte inne zu halten. Sie bilden aber, wenn man nach dem Muster anderer Länder flch so ausdrücken darf, kein politisches, sondern ein Bramienkabinett, nach außen wenigstens, politisch farblos, im Innern allerdings wohl dem Liberalismus elwas näherstehend als den Konservativen, nicht dem Liberalismus der Barth und Breitscheidt oder des seligen Richter, sondern dem aouvernemenialeir Liberalismus der .Köln. Zeitung. Der neue preußische K u l t u s m i n i st er allein scheint eine Ausnahme davon zu machen. Der bisherige Oberpräsident der Provinz, Kammerherr v. Trott zu Solz, ist politisch konservativ, steht als Politiker auf positiv christlichem Standpunkt und ist als evangelischer Christ Anhänger der positio gläubigen Richtung."
Q Dem Fürst Bulow
sucht man offiziell das Scheiden leicht zu machen. In einer längeren Betrachtung widmet ihm das Regiermitzsoroan, die „Nordd. Allg. Zig", ganze Berge von Lobsprüchcu. Bor allem wird er als ein gelehriger und erfolgreicher Schüler des ersten Reichskanzlers gepriesen. So schreibt das Organ:
„Während seiner ministeriellen Wirksamkeit hat Fürst v. Bülow wiederholt Ge'egenheit genommen, sich über sein inneres Verhältnis zu dem größten Meister deutscher Staatskunst w äußern, seiner unbegrenzten Verehrung sür den Gründer des deutschen Reiches Ausdruck zu geben nnd zugleich scharf zu präzisieren, inwieweit Bismarck einerseits für alle Zulunsi em unvergängliches Vorbild bleiben wird, anderseits aber als Sohn s einer Epoche doch auch der Zeitlichkeit Tribut -Syrien muß. Fürst v. Bülow hat mehrfach den Ver- gtejch mit dem großen Amtsvorgänger als ungerecht zuMkßewiesen. Daß et aber neben jenem Titanen als staalsmünnische Perjönl'chke.t gleichwohl mit Ehren zu bestehen vermag, ist dem lttnstande zu danken, daß er der Lehren Bismarckjcher Weisheit stets eingedenk blieb, ohne sich durch ängstliches Anklammern an Worte oder Handlungen des großen ersten Kanzlers die Bewegungsfreiheit nehmen zu kaffen."
Es wird dann auf Bülows Erfolge in ter äußeren wie inneren Politik hingcwie en.^und als besonderer Erfolg die Bekämpfung der ^rozial- demokratie geschildert. Das offizielle Organ führt als Beweis die letzten Reichstagswahlen an; aber es steht außer Zweifel, daß infolge der zahlreichen Mißerfolge der Reichsregierung in der inneren Politik in letzter Zeit den „Genossen" zahlreiches Agiiationsmatcrial gegeben wurde, das sie sicherlich mit großem Erfolge bei den nächsten Wahlen verwenden werden. Tann ist es mit der „Bekämpfung der Sozialdeuiokralie" wieder Essig.
)( Ein Abschiedsdiner gaben Fürst und die Fürstin v. B ü l o w am £ onnerstag abenb. Außer den Staatsministern und höchsten Beamten des Reiches sand auch das Kaiserpaar sich ein. — Ihre offiziellen Abschiedsbesuche Haden Fürst Bülow und seine Gemahlin bereits gemacht. Der Fürst wird sich Ende dieser Woche zunächst auf einige Zeit nach Norderney begeben und dann seinen Aufenthalt in Kleinflottbeck nehmen. Spater gedenkt er auf sechs Monate nach R o in uberzu- siedeln.
zs Die neuen Männer
Auf die Zeit hochgradiger Aufregung wird eine Reihe stiller Wochen folgen. Die deuttche Nation här die Kämpfe um die Finanzreform hurchgemacht, sie hat eine schwere rnnerpolittsche Krisis hinter sich. Jetzt ist die Lösung erfolgt, die Spannung ist gewichen, die Vechalrnisse halbem sich gekläcjt. Und rnännigilich wird abzu- sparten haben, tote sich die Dinge tociterentwi- ckeln. Der Reichstag wird srühestens Mitte No- dernber wieder zusammentreteu. Erst dann wird znan zuverlässig erfahren, welchen Kurs wtr steuern. . ,
■ Indessen hält das die Presse Nicht ab, nach dem ersten mehr zurückhaltenden Urteil über die Heuen Männer jetzt schon deutlicher mit ihrer Meinung hervorzutreten. ,
In der liberalen Presse, findet der jteue Reichskaitzler im allgemeinen keine günstige Auf nähme; besonders die freisinnige Presse äußert sich ziemlich mißtrauisch. Tas „Berliner Tageblatt" grollt ihm, weil er „der verständnisvollste Mitarbeiter" des Blockkanzlers, die neuen Steuern mir dem „schwarzen Block" gemacht habe. Der Liberalismus habe keine Veranlassung, „dem Heuen Kanzler enthusiastisch entgegenzukommen, fihm das Spiel mit doppelten Mehrheiten zu erleichtern oder sich als Lückenbüsser gebrauchen zu fassen." Sehr schlecht kommen in dem Blatte der steue Kultusminister und Herr Sydow 'toeg. Von Herrn von Trott heißt es:
i „Nach allem was man aus der durchaus konservativen Vergangenheit des neuen Kultusministers und auS seinen mannigfaltigen Beziehungen zu Berlin weiß, wird man die Erwartungen sehr niedrig spannen müssen. Jetzt wird es heißen: Ob Siudt ob Solz, schwarz ist der Stamm bis in das Holz."
Und von Herrn Sydow sagt das ,B. T/:
Das Tollste an dem ganzen Revirement sei die Ernennung Sydows zum preußischen Handelsminister. Herr Sydow habe sich bei der Finanzresorn^als völlig unfähig und unzuverlässig gezeigt.
Die,Voff. Ztg/ registriert mit Genugtuung, daß sich unter den neuen Männern keiner befinde, der sich der besonderen Gunst des Zentrums rühmen dürfte, lieber den neuen Kanzler äußert sich das -Blatt weniger mißtrauisch als das ,Berl. Tagebl/ Die .Freisinnige Ztg/ schwankt zwischen Hoffnung 'und Zurückhaltung: Die liberalen Parteien würden 'ohne Mißtrauen und Voreingenommenheit, aber ■piit kühler Ruhe und kritischer Zurückhaltung die Megierungshandlungen des neuen Kurses prüfen 'und danach ihre Haltung einrichten.
Die nationalliberale und freikonservative Presse setzt im allgemeinen von Herrn ^Bethmann voraus, daß er die Politik Bülows fort- setzen werbe und ist zum wenigsten nicht unzusriedeu. Mißtrauisch dagegen ist der nalionalliberale ,Maunh. Generalanzeiger', dessen Aussichtsrat der nationalliberale Führer, Abg. Basser mann, präsidiert. Das Blatt läßt sich mitteilen,
daß die führenden Kreise der Nationalliberalen die Ernennung Bethmann-Hollwegs nicht für eine glückliche Lösung der Kanzlerkrisis ansehen. Bethmann-Hollweg sei nicht der starke Kanzler, der heute unbedingt gebraucht werde. Er habe den Umfall in der Finanzreform mitgemacht und sei vor allem der auswärtigen Politik ganz abgewandt. Belh- manns Ernennung muffe man entschieden als einen Mißgriff betrachten. Man sei in liberalen Kreisen allgemein der Ansicht, daß die Kanzlerschaft Bethmann- 'Hollwegs nur für kurze Zeit bestimmt sei, bis der geeignete Mann komme, der in diesen Tagen anscheinend nicht gefunden worden sei.
s Warum hat der Kaiser auch nicht den national- liberalen Abg. Bassermann ober ben freisinnigen Abg. Wiemer zum Reichskanzler gemacht? _ Die ^Berliner Reuest. Nachr/ werfen bie Frage auf, wie sich das Verhältnis zwischen dem neuen Kanzler und dem Kaiser gestatten werde:
Für Genehmigungen zur Veranstaltung von Lustbarkeiten sind die bisherigen Sätze von 1.50 Mk und 50 Pfg. auf 10 Mk.. 5 Mk., 3 Mk., 2 Mk., 1 Mk. und 50 Pfg. bemessen worden. Die gegenwärtig für diese Genehmigungen zur Anwendung kommenden Formulare sind durch Verwendung von Stempelmarke» auf die höheren Sätze zu ergänzen.
Für Genehmigungen der Verlängerungen von Polizeistunden ist an Stelle des fetzigen Satzes von 1 Mk. ein solcher von 25 Mk. emgefuhrt und für Genehmigungen auf die Dauer von weniger als einer Woche ein Stempel von 1,50 Mk. ungeordnet worden. Diese Genehmigungen dürfen nur schriftlich erteilt werden und find von den ausfertigenden Behörden durch Entwertung einer Stempelmarke zu versteuern. ... r„.
Wesentliche Erhöhungen der bisherigen Lteuerlätze sind ferner eingetreten bei Erlaubniserteilungen, insbesondere sind zum Betriebe der Pf andleih-, P and- uermittlei«, Gesindevermieter, oder S teil en - vermittlergeschäste Stempel von 25—500 Mk. eingesührt, bei Namensänderungen Erhöhungen von 30 auf 100 und 200 Mk., bei Naturalisationsurkunden von 50 auf 150 Mark bei amtlichen Zeugnissen von 150 auf 3 Mk., bei beglaubigten Abichristen Ausfertigungen, Auszügen, Duplikaten von 1.5') am 3 Mk.
Was die Versteuerung der A u 1 o m a r e n und Musikwerke anlangt, so bleibt die lieber- Weisung der Jahreskarten und der Erlaß der Aussührungsbesümmungen noch vorbehalten.
)( lieber verschiedene Fragen des Univrrfitäts- wesens sollen im Beginn dieses Herbstes gerne infame Beratungen zwischen den Universttats-Ver- waltungeu der größeren Bundesstaaten ftattftn- Len. Wie eine Berliner Korrespondenz mittailr. soll bei Liefer Gelegenheit auch Lie Entscheidung über Lie Verleihung der tierärztichenDok- tortoüröe herbeigeführt werden, La man versuchen will, möglichst eine einheitliche Gestaltung in Deutschland herbeizuführen. Dte Berarungen zwischen Leu llnterrichtsverwaltungen der Bundesstaaten dürften sich auch mit der Frage beschäftigen, ob der Erlaß eines llniverstta rs- aesetzes als notwendig erscheint.
-d „Schwarzer Block", „Schnapsblock", sind die Hauplkosenamen, die von Liberalismus und Sozialdemokratie der Reichstagsmehrheit, welche die Finanzreform schuf, beigelegt worden. Ist es auch Unsinn, fo hat es doch Methode. Unsinn ist es schon deswegen, weil es nach dem unrühmlichen Ende des „Hottentotten-Blocks" überhaupt keinen Block mehr gibt. Das Zentrum wenigstens bedankt sich entschieden für eine solche Schöpfung. Wenn in politischen Fragen der Zurunst die Konservativen mit unS gehen, so soll uns das recht sein. Aberzweiselloswerden unsere und der Konservativen Wege auch häufig auseinandergehen. Wir hoffen zwar, daß sich noch ost in segensreicher Weise ein Zusammengehen ergeben wird auf Grund der gemeinsamen christlichen Weltanschauung, des gemeinsamen Sinnes für das historische und natürliche Recht, fowie der verwandten wirtschaftpolitischen Grundsätze und Jntereffen. Aber auf die Freiheit der Bewegung hat das Zentrum nicht verzichtet. Frei nach allen Seiten wird das Zentrum seine, auf Ueberzeugung und Tradition basierende Politik machen. Am allerwenigsten denkt aber das Zentrum daran, die anderen Parteien „auszuschalten", von der positiven Mitarbeit aus- zuschließen.
* „Bom Katholizismus durchseucht." In einer Versammlung tn Altona, in der über die Wahl eines Magistratsmitgliedes beraten wurde, erklärte, wie die ,Germanictt berichtet, der evangelische Lehrer Johannsen, die Provinz Schleswig-Holstein fei leider bereits vom Katholizismus durchseucht (die Pro-
a 1 Anzeigen: Vie ei»
V 1 fpaltige Petitzeile oder
deren Kaum 15 Pfa. Kd V Ib M ■ Ktklamenditpefttzeitt
> W ■ l| IO E 25 Pfg., bei wieder.
M Mr ■ ■ | | ■ H Ä ■ Holungen wird entspr.
F M W |1 ML B |L U Rabatt gewährt. A L KotationrdruSu«»
„ Verlag der Fuldaer Ak-
.. «endruSerei in Mda
Monatsbeüage: „Fuldaer Seschichtrblamr 5«rnsprecher ur.y.