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M 157.
Fulda, Mittwoch den 14. Juli 1909.
36. Jahrgang.
C. Die Finanzreform.
Nachdem die Finanz- und Steuergesetze vom Reichstag und Bundesrat endgültig angenommen worden sind, halten wir es, namentlich mit Rücksicht auf die Beurteilung der Finanzreforry von gegner- sicher Seite, für angezeigt, im Zusammenhang eme Darlegung über den Zweck dieser Reform, den Verlauf der Verhandlungen und die Stellungnahme der Parteien zu geben.
Die Vorlage der verbündeten Regierungen bezweckte hauptsächlich die Beschaffung neuer Geldmittel, um der ständigen Rot in der Reichskaffe abzuhelfen.
A. Der Bedarf
wurde auf rund 500 Millionen jährlich veranschlagt und zwar, im Durchschnitt für die nächsten fünf Jahre berechnet, zur
1) Deckung des schon bestehen
den regelmäßigen Defizits rund M. 200 000 000
8) Deckung der Beamtendesol-
dungsaufbesserung .... „ 110 000 000
3) Durchführung einer regel- -
mäßigen Schuldentilgung * , 55 000 000
4) Ermäßigung der Zucker
steuer .......„ , 35 000 000
5) Aufhebung der Fahrkarten
steuer ....... , 20 000000
6) Aufrechterhaltung des Reichsinvalidenfonds ..... »30 000 000
7) Tilgung der Fehlbeträge
aus den Jahren 1906/08 , „ 50 000 000
also jährlich insgesamt M. 500 000 000
Der Reichstag erkannte die Berechtigung dieser §orderung im allgemeinen an; während jedoch die iberalen und die Sozialdemokraten mit der Aufhebung der Fahrkartensteuer und der Ermäßigung der Zuckersteuer einverstanden waren, vertraten Zentrum, Polen, Konservative und Freikonservative die Anschauung, daß man lieber die bestehende Fahrkartensteuer und Zuckersteuer aufrecht erhalten und den Bedarf entsprechend geringer ansetzen solle, als daß man erst andere drückende neue Steuern einsühre. Daher lehnten die konservativen Parteien, die Polen und daS Zentrum (die neue Mehrheit) die Aufhebung der Fahrkartensteuer und die Ermäßigung der Zuckersteuer ad und beschränkten damit den Bedarf an neuen Mitteln auf 445 Mill, anstatt 500 Mill. Dieselbe Mehrheit war sich aber auch darüber einig, daß dieser Bedarf nicht ganz durch neue Steuern aufgebracht, sondern daß davon seitens der deutschen Bundesstaaten mindestens jähüich 25 Millionen an erhöhten Riatrikularbei- trägen an das Reich gezahlt werden sollten. Hiernach beschränkte sich der Bedarf auf rund 420 Mill., während die Liberalen 475 Millionen außer der Erhöhung der Matrikularbeiträge bewilligen wollten.
B. Verteilung der Steuerlasten int allgemeinen.
Das Finanzprogramm der Liberalen unterschieb sich von dem der neuen Mehrheit sehr wesentlich; erstere wollten 400 Millionen auf den Massenkonsum und nur 75 Millionen (Erbschaftssteuer) auf den Besitz, die Rechte und das Zentrum dagegen nur 310 Millionen auf den Massenkonsum und 110 Millionen auf bett Besitz nehmen. Die Polen fcbloffen sich der neuen Mehrheit an, weil auch sie erkannten und dies in einer feierlichen Erklärung ausdrücklich aussprachen, daß das Steuerprogramm der Rechten und des Zentrums mehr geeignet war, die breiten Volksinaffen zu schonen und die Leistungsfähigen heranzuziehen, als das Programm der Liberalen und Freisinnigen. Die Polen behielten sich jedoch vor, gegen einzelne Steuern zu stimmen, auch wenn sie das Programm der neuen Mehrheit im ganzen unterstützten, um nicht das volksfeindliche Steuerprogramm der Linken siegen zu laflen.
Zwei weitere Kapitel werden die „Verteilung der'Steuerlast im einzelnen* und „Die Steuern* behandeln. ______________________________
Deutsches Reich.
X Ein neuer „Jungbrunnen". Der sozialdemokratische Parteitag in Dresden hat von Bebel den Namen „Jungbrunnen* erhalten. Dort lagen sich nämlich die Unentwegten mit den Re- visionisten fürchterlich in den Haaren, wobei die Revisionisten besonders auch von Bebel persönlich bedenklich zugerichtet wurden. Jetzt rüstet man sich zum diesjährigen sozialdemokratischen Partei- .tage, der nach dem Beschluß der vorjährigen Stagung in Nürnberg in Sachsens zweiter Haupt
Zweites KZtcrtt.
volkswirtschaftliches und Soziales.
* Ein Warenhaus-Trust, das ist das neueste auf dem Gebiete der amerikanischen Vertrustungsbestrebungen. Die Größten schlucken, die Großen. Ein neuer amerikanischer Warenhaus-Trust ist, wie ,Der Consectionär^ mitteilt, in Newyvrk gegründet worden. Der neue Trust ist mit einem Kapital von 10275000 Dollar eingetragen worden.
Aus Rirche und Schule.
* Kloster Kreuzberg, 12. Juli 1909. Gestern abend traf, von Kloster Frauenberg kommend, der Provinzial bet Fuldp-Thüringischen Franziskanerprovinz P. Maximilianus Brandys hier ein, um in Vertretung des Ordensgenerals die alljährlich übliche kanonische Visitation des Konvents vorzunehmen.
Aus dem Nachbargebiele.
* Lauterbach, 12. Juli 1909. Der hiesige Gewerbeverein und die hiesige Webschule haben gemeinschaftlich die Erbauung einer Web- und Handwerkerschule beschlossen. Mit der Ausführung wird in den ersten Tagen begonnen.
* Frankfurt a. M., 13. Juli 1909. Nach- dem das Wetter sich gebessert hat, entwickelt sich in der Luftschiffahrts-Ausstellung ein äußerst lebhafter Verkehr. Zwischen dem Oberbürgermeister Dr. Adickes, dem Direktor Cols- mann von der Lustschiffbau-Zeppelin-Werst und dem Grafen Zeppelin jun. sand eine Besprechung statt, die sich mit dem Projekt beschäftigte, in Frankfurt den ersten deutschen Luftschiff- Hafen zu bauen. Oberbürgermeister Dr. Adickes zeigte sich dem Plane der Fachmänner entgegen- kommend und glaubte die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung in sichere Aussicht stellen zu können.
* Hofgeismar, 13. Juli 1909. Unser Dragonerregiment feiert im Mai 1910 die fünfzigste Wiederkehr seines Stiftungstages. Das Regimentskommando bittet alle ehemaligen Angehörigen des Regiments, welche der Feier beiwohnen wollen, ihre Adieffen baldmöglichst, spätestens zum 1. Oktober 1909 an das Regiment einsenden.
* Wiesbaden, 12. Juli 1909. Die dahier verstorbene Witwe des General - Direktors der Köln - Düffeldorser Dampfschiffahrts - Gesellschaft, Frau Elise Letoy, vermachte ihr nahezu 1 Million Mark betragendes Vermögen der Stadt Wies- baden. Die am 9. Juli tagende Sladtverordnelen- Versammlung hat jedoch in geheimer Sitzung das Vermächtnis auf Vorschlag des Magistrates abgelehnt, da gegen das Testament von wenig bemtttelten Verwandten Einspruch erhoben worden war und auch Bedingungen an die Erbschaft ge- knüpft waren, welche ihre Annahme für die Stadt nicht- als zweckmäßig erscheinen ließen.
' Wiesbaden, 11. Juli 1909. Der offizielle Schluß der Ausstellung für Handwerk, Ge- werbe, Kunst und Gartenbau ist nach dem Programm Auf den 15. September festgesetzt.
* Bom Eichsfeld, 13. Juli 19Ö9, Ein ge- wattiges Schadenfeuer äscherte im benachbarten Bernterode Freitag früh halb 4 Uhr sämtliche Hintergebäude von fünf Anwesen ein. Das Feuer, das auf bisher unbekannte Weife zum AuSbruch kam, verbreitete sich mit Windes- eile. Ein Pferd und ein Bulle kamen in den Flammen um, ein Wohnhaus wurde stark beschädigt.
vermischtes.
'* 89 Zertifikate zu je 1000 Mark, ausgc- geben von delr Bayerischen Bodenkreditbank
stadt, Leipzig, abgehalten werden soll, und zwar von 12. September ab. Anscheinend wird auch da wieder der Jungbrunnen quillen. Dort wird nämlich die Geldsammlung der revisionistischen sozialistischen Monatshefte^ bei bürgerlichen Politikern angeschnitten werden, und davon darf man sich allerlei Liebenswürdigkeiten der üblichen Art versprechen. Sonst freilich sieht die Tagesordnung ziemlich gleichgiltig au8. Den Hauptgegenstand der Verhandlungen bildet die Reichsversicherungsordnung.
Handel und Industrie.
A. Berlin, 13. Juti 1909. Die Tendenz an der heutigen Börse war wieder sehr schwach. Ein gut Teil ist die Ferienzeit daran schuld. — An der Produktenbörse war die Haliung ebenfalls nicht allzu aünstig. Wetzen für Juli 261,25-261,50, Roggen 191.
Märkte.
* Frankfurt, 12. Juli 1909. (® e t r e i b e m a r t L) Bei mattem Geschäft war die Grundstimmung des heutigen Marktes fest. Weizen ist sehr gefragt und wurde schlank abgesctzt. Roggen war etwas fetter gegen die Vorwoche. Futtergerste gut gefragt. Hafer war fest und kaum angeboteu. Mehl anziehend. Futtermittel waren ruhig. Es notieren nach Qualität und Herkunft: Weizen dies. it. Wetterauer, 0'.():) 00.00 Mk. turhess. 00.00 - 00 00 Mark, norddeutscher OO.CO-OOOO Mk., russ. 27.50 - 28.50 M., Redwinter 00.00-00.00 Mk., Kansas 00.00—00.00 Mk., La Plata 27.50—28.50 Mk., Ruma». 27.50—28.50 Mark, Roggen, hiesiger, 19.50 bis 60.00 Mk., russischer 00.00—00.00 Mk , rumänischer 00.00—00.00 Mk., berste hies. u Wetterauer00.00- Oa.OO Mark, Pfalzer 00.00 - 00.00 M., Ried 00.- 0-00.00 At., Hafer, hies. 20.00-21.00 Mk., dayer. 20.09—21 00 Mk., roürttbg. 00 00-00.00 Mk., russischer 19.50—20 50 Mk., rumän. 00.00 - 00.00 Mk., La Plata 19.00—20.00 Mk.. Mais (Mixed, 00,00-00.00 M., russ. 00.00 - 00.00 M„ Donaumais 18.00—18.10 M., La Plata 16 7-5—17.00 Mk. Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl: seit. Weizenmehl Dir. 0 36.25—36.50 Mark, Nr. 1 34.75 35.00 Mark, Nr. 2 33.75 - 34.09 M, Nr. 3 32.75—33.00 Mk , feinere Marken 0.50—100 M. höher. Roggenmehl Nr. 0 27.25—27.75 M., Nr. 1 24.25—24.75 Ai., Nr. 2 19.50-20.00 M. Alles per 100 Kilo inklusive Sack toko hier. Futtermittel: ruhig. Weizenschalen 10.75—11.00 Mk.,Weizenkleie 10.50—10.75 Mark, Roggr iflete 11.75—12.00 Mark, Futtermehl 13.00—13.5u M., Biertreber, getrocknet, 12.75—13.00 Mark. Alles ver 100 Kilo netto effektiv loko hier.
• Frankfurt a. M., 12. Juli 1909. Amtliche Notierung der Viehmarkt-Preise. Zum Verkauf standen 522 Ochsen, 34 Bullen, 862 Kühe und Jungrinder, 293 Kälber, 178 Schase und Hämmet und 1905 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen: a. voll fleischige, ausgemästete höchsten Schlacht- wertes dis zu 6 Jahren 76—80 M., b. junge fleischige nicht ausgemästeie und ältere ausgemästete 70—73 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 60 —64 M., J. gering genährte jeöeu Alters 00—00 M. Bullen: ।
Würzburg, tvnvdcn einem Bürgin aus Lauf auf der Bahnfahrt von Nürnberg nach Lauf gestohlen.
** Ein sozialdemokratischer Parteisekretär, nämlich der für Elfaß-Loth ringen, Knauf, ist von der Strafkammer zu Kalmar in Elsaß unter Ausschluß der Oeffmtlichkeit wegen Majestätsbeleidigung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden.
* Von einem Schwarm Bienen überfallen wurde bei Eupen ein mit 3 Pferden bespannter Karren. Die Pferde suchten sich der Angreifer zu erwehren und wälzten sich auf der Erde, aber je mehr sie sich verteidigten, um so stärker wuchs der Bienenschwarm. Ein Pferd ist seinen Verletzungen erlegen, die übrigen hofft man zu retten.
♦ Einen neuen Flug-Apparat hat der Student an der Dresdener technischen Hochschule, Jospe, erfunden, den er dem Kriegsministerium vorführte. Er überflog mit ihm die Gebäude des elektrotechnischen Institutes. Kapitalisten gründen zur Verwertung der Erfindung eine Gesellschaft.
* Herzlos. Im Dorfe Wienkowice bei Buk in Posen ging ein Landwirt mit brennender Zigarre mit feinem kleinen Sohn in feine Scheune. Der dort befindliche Getreidevorrat fing durch die Zigarre Feuer, so daß binnen kurzer Zeit die ganze Scheune in Flammen stand. In der Ausregung brachte der Besitzer, so meldet die ,Pos. Ztg/, zunächst feine wertvolle Mähmaschine in Sicherheit. Inzwischen war aber sein Söhnchen verbrannt.
* Hunde gehören nicht in Fleischerläden, das ist eine Forderung, die schon oftmals erhoben worden ist. Neuerdings hat sich die Charlottenburger Freie Fleijcherinnung an die Polizeiverwaltung mit ber Btlie gewanbt, bas Milbringen von Hunben in bie Fleischerläbcn im Interesse ber Hygiene und des Bolkswohlcs zu verbieten.
* Tas ncuerstandkire San Frail.isco ist schöner als vordem aus Schutt und Asche hervor- g.igangen. Bekanntlich bat das Erdbeben ölen geringsten Schaden angerichtet, am ärgsten, wütete dagegen die Feuersbrunst, die nach diesem entstand, und die, da die Wasserleitung durch das Erdbeben zerstört wat, nicht bekämpft werden konnte. Rohbauten sind in der neuen Siadt, die n dem überraschend schnellen Zeiirauin von 3 Jahren wieder aufgebaut worden ist, nicht mehr zu finden. Am 13. Oktober wivd ein Fest zur Feier der W i e d e r e c st e h n n g San Franciskos begangen wenden, unld zwar wird es ein Nationalfest werden, an dem auch auswärtige Staaten 'reilnehmen.
a. vollfleischige höchsten Schlachtwertes 64—66 Mark, b. mäßig genährte süngere und gut genährte ältere 59—61 Mk., c. gering genährte 00—00 Mark. Kühe und Jungrinder: &. vollfleischige, ausgemästete Jungrinder höchsten Schlachtwertes 72— 74 Mark, b. vollfleischige, ansgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 60 bis 62 Mark, c. ältere auSgemäftete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Jungrinder 46 bis 48 M., d. mäßig genährte Kühe und Jungrinder 00—00 M , «. gering genährte Kühe u. Jungrinder 00—00 M. Bezahlt wurde für 1 Pfd. Schlachtgewicht: Kälber: a. feinste Mast» (Bollmilchmast) und beste Saugkälber 92—94 Pfg., b. mittlere Mast- und gute Saugkälber 78—85 Pfg., geringe Saugkälber 62—70 Pfg., d. ältere, gering genährte Kälber (Fresfer) 00— 00 Pfg. Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Maflhämmet 78—80 Pfg., b. ältere Masthämmel 70—74 Pfg., c. mäßig genährt« Hämmel und Schafe (Merz-Schafe) 00— 00. Schweine: a. vollfleischige der feineren Raffen und bereit Kreuzungen im Alter bis zu l‘/< Jahren 75 - 00 Pfg., b. fleischige 74—00 Pfg., c. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 67—73 Pfg., d. ausländische Schweine (unter Angabe der Herkunft) 00—00 Pfg.. Bezahlt wurde für 1 Pfund Lebendgewicht: Ochsen 00 - 00 Pf., Kälber: a. 52-55 Pfg., b. 44—50 Pfg., c. 36—40 Pfg., Schweine a. 53'/, Pfg., b. fleischige 57V,-58 Pfg. Geschäftsgang in Hornvieh mittelmäßig, Ueberftanb unbedeutend, in Kleinvieh gut, Ueberftanb keiner. Aus Oesterreich-Ungarn standen 43 Ochsen zum Verkauf.
Kurzer Eetreide-Wochenbericht bet Preisberichtsstelle des deutschen LandwirtschaftS« rats vom 6.—12. Juli 1909.
Dqr Bericht des Washingtoner Ackesibcm- bnreaus hat insofern sntlänscht, als er für Win- tiwweizen nur eine mäßige Besserung, für Früh» jahrsweizen aber einen ungünstigeren Staub als iin Vormonat konstatiert, wobei bie in ber letzten Woche durch Regen unb UeberschwemmüNMN angerichteten Schäden noch nicht einmal berücksichtigt find. Dlach dec Schätzung vom 1. Juli ist ungefähr mit »er gleichen Erntemenge tote im Vorjahre zu rechnen, indes darf bei Beurteilung der amerikanischen Loistungsfähigteit der Mangel an alben Vorräten nicht übersehen werben. Auch Oer amtliche Bericht für Rußland entspricht nicht ganz den gehegten Erwartungen. Dazu kommt noch, daß auch dort Stegen die Ernte M schädigen und zu verspüren droht. Das Gleiche ist an ber Donau der Fall, und auch in Westeuropa erweckt das andauernd kühle und regnerische Wetter ähnliche Befürchtungen. In anbe- trächt der allgemein schwachen Versorgung würde sich eine Verzögerung der Ernten tun so empfindlicher fühlbar machen, zumal das ausländische Material, di'scn man bis dahin bedarf, knapp rind teuer bleibt und auch auf Abladung neuer Ernte von Aineril'a und Rußland Preise gefordert Iverden, die weit über Parität der Berliner Herbstlieferung auskommen Aber auch auf Bails des ungefähr 30 M höheren Julipreises läßt sich weder vom Jnlande noch vom Auslande Weizen nach Berlin legen, sodafi die Erfüllung von Verpslichtungrn per laufenden Monat mit Schwierigkeiten verbunden ist. Damit zusam- .nciihöngeude Deckuiigen haorn in den letzten Tagen eine Wertbessetung von 41/, Mark veranlaßt. Bei Roggen macht sich die Schwäche bcZ Angebots angesichts schlechten Mehlabsatzes und der darauf zurückzuführenden Anspruchslosigkeit der Mühlen kaum sonderlich bemerkbar, viesl- niehr mußten sich Verkäufer mit dürchsch wirtlich 2-3 Mark niedrigeren Preisen abfinden. Heobst- licfenutg hatte zeitweise unter dem Druck stärkerer Verkaufaufträge dec Provinz zu leiden, doch waren Abgeber infolge der ungünstigen Witterung zum Schluß wieder vorsichtiger. Auch bei Hafer hat knappes Angebot eine Abschwächung nicht zu verhindern vermocht; das Konsrungle- fchäft stockt und auch die günstigen Ernteaüssich- ten find nickt ohne Einfluß geblieben. Etwas fester war Futtevgerste, nachdem dis in letztest Zeit eingetrosfenen Zusichren Ausnahme gesunden (jaben. Auch für Mais regt üch bei leicht erhöhten Preisen etwas mehr Kauflust.
Es stellten sich die Preise jüt rnländilches Getreide am letzten Marktlage in Mark pro 1000 Kilogr. je nach Qualität, wobei das Mehr (-f-) bezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Riammern () beigefügt ist wie folgt:
Weizen Roggen Hafer
Danzig 265 (- 5 ) 186 (— 2 ) 190 (— 5 )
Berlin 192 (—2 ) 210 (— 4 )
Hamburg 267 (4- 2 ) 200 (-s- 2 ) 217 (Z- 2 )
Frankfurt 195 210
München 302 (4- 4 ) 183 226 (4- 8 )
Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Juli 260.50 (4- 4.50), September 232.75 (-s- 3.75), Budapest Okt. 234.30 (4- 8.20t, Paris Juli 210.25 (— 1.15b Liverpool Sept. 193.90 (4- 0.55), Chicago Juli 182.80 (-+- 6.45), Roggen: Berlin Juli 192.75 (— 1.75), Sept. 185.00 (4- 0.50), Hafer: Berlin Juli 181.75 (— 0.25), September 170.00 (— 1.00) Mark per 1000 Kilogramm.
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