MaerW Zeitung
Monatsbellage: „Fuldaer GeschichtrbMer
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ÄÄu wschmb-uas«: „Illustrierte Sountagzzeitung"
36. Jahrgang.
Fulda, Freitag den 9. Juli 1909
M 153.
A«;rkge«: Vir et»* fpaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. ReNamendiepetitzeile 25 Pfg., bet Wiederholungen wird entspr. Rabatt gewährt.
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verantw. Redatteurr «arl Schütter
Zweites Wtcrtt.
(Nachdmck verboten.)
25]
Aus dem Nachbargebiete.
* Hilders, 7. Juli 1909. Das Reichs? ost« amt zu Berlin hat den von Meiningen üsw. angestrebten Kraftwagen-Personenv erkehr von Meiningen nach Hilders abgelehnt, da für den Postverkehr ausreichende Postverbindungen zurzeit beständen, auch die Finanzlage ungünstig hierzu fei.
* Burghaun, 5. Juli 1909. Der Vorstand' jer hiesigen Molkerei-Genossenschaft hat die diesjährige Frühjahrs-Generalversammlung auf nächsten Sonntag, nachmittags 3 Uhr, in den Saal des Gasthauses „Zum Engel" dahier einberufen. Es soll darüber Beschluß gefaßt werden, daß diejenigen Genossen, welche weniger als 500 Liter Milch im Jahr liefern, 5 Mack zu den Verwaltungskosten zahlen sollen. Auch soll eine Besprechung über Erhöhung des Milchpreßfts und Verminderung der Betriebskosten stattfinden und über den Beitritt der Genossenschaft zum Raiffeisenbund beschlossen werden. — Seit Monaten ist man damit beschäftigt, in dem nahe unserem Orte gelegenen Eisenbahn tu n n e l das gesamte Mauerwerk zu erneuern. Die vielen Züge, welche die Strecke passieren, müssen, vor der Durchfahrt ihre Geschwindigkeit mäßigen, weil infolge der umfangreichen Reparaturarbei- ten nur eingleisiger Betrieb aufrecht erhalten werden konnte. Wie man hört, sollen , gegen Mitte September die Arbeiten vollendet sein und dann der zweigleisige Betrieb wieder ausgenommen werden.
* Frankfurt a. M., 8. Juli 1909. In der Klosterbacherstraße dahier stürzte ein 4 Jahre alter Knabe aus dem Fenster des zweiten Stockwerkes in den Hof und verletzte sich derart, daß er nach einigen Stunden starb. — Im Par- lerrestock des Hauses Oberweg 42 wurde der Tee- Importeur Emil Ochsenreuter tot in der Küche aufgefunden. Der KochgaShahn stand offen. Vermutlich liegt ein Unglücksfall vor.
besitze?, und sie rufen den Hans ab und zu Htlfe aeam die neue Steuer, als ob nicht dir Wertzuwachs- fteuer allein den Grundbesitz um Millionen belastete. (Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) möchte bei dieser Gelegenheit mein Bedauern ausdröcken, daß durch die Gründung des HansabundeS eine neue Kluft in unserem Volk geschaffen ist. (Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Noch bedauerlicher ist es, daß einzelne Handelskammern sich in den Dienst des Hansabundes gestellt haben. Es wäre da in der Tat interessant, wenn der preußische Handelsminister sich darüber äußern wollte, ob ein solches Vorgehen seine Billigung findet. (Beifall rechts und im Zentrum, Unruhe links.) Eine gewisse Schwierigkeit bei der neuen Steuer bereitet die Heranziehung der ausländischen Papiere; aber ich hoffe, daß wir auch hierfür noch bis zur dritten Lesung eine einwandfreie Lösung finden werden. Der Antrag Bärwinkel geht entschieden zu weit und auch der Antrag Gothein ist aus finanziellen Gründen für uns unannehmbar. Auf jeden Fall möchte ich bitten, das Inkrafttreten des Gesetzes möglichst zu beschleunigen. Wir find der Ueberzeugur-g, daß dieser neue Weg der richtige ist, um ohne Eingriffe in die Finanzhoheit der Emzelstaaten das mobile Kapital zu treffen. (Lebhafter Beifall im Zentrum und rechts.)
ReichSschatzsekretär Sybow: Von der Erhöhung des Wechselstempels und des Umsatzstempels bitte ich dringend abzusehen, auch bitte ich, an der Befreiung der Reichs- und Staatspapiere unbedingt festzuhalten. Bezüglich der Talonsteuer haben wir noch manche Bedenken, aber sie ist erträglicher als die Kotierungssteuer, und deshalb können wir dem Kompromißanlrag unsere Zustimmung geben. Wir haben unsere Bedenken auch deshalb zurückstellen müssen, weil sonst die Finanz- resorm nicht zustande kommen würde. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zum 1. August bin ich einverstanden.
Bernhard von der Eiche.
Ron-all von Baronin Gabriele von Schlippenbach
Preußischer Haudelsminister Delbrück bittet, es bezüglich der Besteuerung der Zinsbogen ausländischer Papiere bei dem ursprünglichen Antrag zu belassen.
Deutsches Reich.
?5 Die Entrüstung der liberalen Schreihälse über die Beschlüsse der neuen Reichstags- mehrheit kennt noch immer keine Grenzen. Was für erbauliche Steuern wir aber bekommen hätten.
wenn die Finanzreform mit Hilfe der Liberalen gemacht worden wäre, das läßt sich leicht ausdenken, wenn man sich erinnert, daß die Liberalen bereit waren, Steuern für politische Macht zu bewilligen. ,
„Es ist höchste Zett, daß wir endlich auch einmal an das Parteiinteresse denken.....Eine so j
gute Gelegenheit, in unsere Scheunen zu sammeln, bietet sich so bald nicht wieder."
So schrieb der nationalliberale hannoversche Kourier' zu Anfang Juni, und zahllose liberale Blätter druckten es zustimmend nach. Noch deutlicher aber wurde das freisinnige,Berliner Tageblatt'. In seiner Nr. 285 brachte es folgende Auslastung unter der Ueberschrift „Bedingung"
„Sollen die liberalen Parteien der Finanzreform zustimmen, so müssen sie wissen, wofür sie es tun: fie müssen neue Steuern für politische Macht eintauschen. . . . Die Finanzreform ist vom liberalen Standpunkte aus in toto (im ganzen) verfehlt. Sie kann nur ertragen werden, wenn sie mit politischen Konzessionen bezahlt wird."
Mit größerer Ungeniertheit ist die Absicht eines Kuhhandels noch niemals eingestanden worden. Das Geschäft ist den Liberalen versalzen. Daher das liberale Geschrei gegen die „volksfeindliche", „mittelstandsverräterische", „antinationale", „polnisch-klerikal-konservatioe" Mehrheit. —
braune Barry aus dem Gebüsch brach und ihn anfiel? wir hatten Mühe, ihn zurückzurufen."
„Die Obstdiebe verscheucht er auch in der Nacht," saqte Ines, „ich fürchte immer, daß sich einer oder der andere rächt."
„Das könnte leicht sein," bemerkte Bernhard. „Diesen Italienern traue ich es zu, daß sie schon aus Rache gegen mich mir den Hund entweder erdolchen oder vergiften."
Als die Geschwister sich empfahlen, bat sie Frau Gerard, zum Diner um sieben wioderzükom- men d
„Lasten Sie mir Ihre Schwester schon jetzt hier, Herr Baron," bat Frau Gerard. „Ich hoffe, sie hilft mir beim Schmücken der Tafel und leistet mir Gesellschaft." _ ____
„Aber gÄviß, gnädigste Frau," versetzte Bernhard zuvorkommend.
Als der Hochofenchef nachmittags auf das Werk ging, sagte ihm der Generaldirektor, daß er in dringenden Geschäften sofort nach Köln reisen müsse. „Ich bedauere wirklich, es nicht aufschiebein zu formen'," bemerkte Müller, „ich wäre heute abend gern in Man Repos gewesen, aber mein Zug geht um sieben fort, und ich muß ihn benutzen. Nun werden Sie wohl meine Stelle vertreten und Frau Gerard zu Tisch füh- ren Sie erwartet übrigens Besuch,"^_____
Als Bernhard schwieg, erzählte der etwas schwatzhafte alle Herr, daß der Vetter Irmgards, Graf Frauenfeld aus Livland," haute mit dem Fünftchczuge aus Straßburg erwartet werde.
„Er ist einer der reichsten Majoratsherren des Vaktenlandes; man glaubt, daß er sich um feine schöne Kusine bewirbt. Nun, vielleicht nimmt sie ihn zum Gatten, obgleich sie durch eine zweite Ghe ihr Vermögen nach des alten Gerard Bestimmung verlieren würde."
Bernhard tat, als interessiere ihn diese Mitteilung Nicht, aber die ganze Zeit beschäftigte er
salbst paßte in dieses auserlesene Ganze. Sie trug ein schlichtes, kremefarbenes Voilekleid und sah darin mädchenhaft lieblich aus, nicht wie eine Frau, die zwei Jahre verheiratet gewesen war. Aber war sie nicht die größere Hälfte davon die Krankenpflegerin des greisen Mannes gewesen, dessen großes Oelbild im breiten, vergoldeten Rahmen Bernhard gerade gegenüber hing? Er stutzte, als er in dieses scharf geschnittene, bartlose Antlitz mit dem schlauen, verschlagenen Zug um den Mund blickte. Mo hatte er doch dieses Gesicht früher gesehen? Vor vielen Jahren, als er noch ein Kind war?"
„Sie sckhen das Bild meines Mannes an, Herr Baron," sagte Frau Gerard. „Es ist sprechend ähnlich und von Lenbach gemalt. Sie scheinen Kunstkenner zu sein, da Sie es so eingehend betrachten."
„Wenn auch nicht gerade das, gnädigste Frau, entgegnete Bernhard, „so bewundere ich doch die charakteristische Auffassung, in der Lenbach Meister ist."
Es knüpfte sich an diese Aeußerung ein Gespräch über Kunst und Malerei, das Ines unterbrach, indem sie sagte:
„Herta müßte jetzt hier sein. Sie als Malerin könnte mehr mitsprechen, als ich armes, un- wissendes Hausmütterchen."
Bernhard sich seine Schwester so liebevoll an, daß sie ihm gern um den Hals gefallen wäre. Barry fühlte sich hier als verzogwer Liebling. Er lag zu Frau Gerards Füßen und hob hin und wieder den Kopf zu ihr empor; dann streichelte ine feine Frauenhand das weiche Fell des Hundes.
„Wie ich sehe, ist Barry hier lieb Kind," bemerkte Eiche.
„Gewiß, Herr Baron. Neulich hat er Ines und mich auf einem Spaziergange gegen einen betrunkenen Italiener verteidigt. Der schwarze Kerl hätte leicht zudringlich werden können, ergriff aber schleunigst das Hasenpanier, als der
sich mit der Frage. „Würde sie ja sagen? Ko tote fie einen Mann so lieben, daß sie alles um seinetwillen aufgibt? Müßte derjenige, der lackseS stolze Frauenherz zu erobern versteht, nicht grenzenlos glücklich zu preisen sein?" i
Daß Irmgard unter der Maske kühler Zu- rückhalftmg ein warm pulsierendes Herz barg, hatte ihr seelenvolles Klavierspiel verraten. Und zeigte es Nicht der Blick ihrer Augen, wenn etwas sie erregte? Warum spielte sie eine Komödie, die Bernhard durchschaute, die ihn mcht täuschen konnte? Er war gespannt, den Gmfen kennen zu lernen; er fürchtete, daß Frauenfeld Fran Gerards Tischherr sein werde. So wur als Notnagel zu dienen, war Elche em psmlrcher Gedanke.
UmV25 Uhr fuhr der offene Wagen mit den beiden schönen Rappen am Hochofenwerk vorbei zur Station. „Der Gast wird abgeholt," dachte Bernhard. „Ich dachte, sie würbe ihm entgegen-, fahren. Ist es Koketterie oder Gleichgültigkeit, ivenn sie es unterläßt?" }
Der Pfiff der Lokomotive sagte dem Hochofenchef um fünf, daß der aus Luxemburg kom- ‘ mente Zug in teil Rößlinger Bahnhof eingelau- ( fen war. Bald darauf fuhren die Rappen int schnellen Trabe vorüber; ein Herr lehnte in den seidenen Polstern. , I
Recht unlustig kleidete Eiche sich an, als die Stunde des Diners heranrückte. Er wäre ar< liebsten unter irgend einem Vorwande weggeblre- ben, er bunte es nicht ohne unhöflich zu fern.
Bernhards hohe, geschmeidige Gestatt sah tat Frack besonders stattlich aus. Seme mannltche Erscheinung kam auch hellte zur Geltung, als er ten schon von den Geburtstagsgastem gefuHrey Salon Frau Gerards betrat. Ines eilte tem Bruder entgegen. Ihr Gesicht glühte und sie flüsterte ihm zu: Ach, Hardy, gut, daß Du kommst denke Dir, Graf Frauenfeld ist gekommen."
Gortsetzung folgte
Abg. Dr. Weber (ntl.): Zum Reichsschahsrkretär kann ich nur sagen: o, wie hast du dir verändert! (Große Heiterkeit und lebhafte Zustimmung links.) Redner wandte sich in längeren Ausführungen gegen die Vorlage, die er als mittelstandsfeindlich bekämpft. Wenn der Abg. Speck sich darüber beschwert hat, daß sich Handelskammern in den Dienst des Hansabun- des gestellt haben, so möchte ich erwidern, daß die Handelskammern freie Organe des Handels und des Gewerbes find, die tun und lassen können, was sie wollen. (Widerspruch rechts und im Ztr.) Namens meiner politischen Freunde habe ich zu erklären, daß wir, ganz abgesehen von der politischen Lage, schon aus sachlichen Gründen niemals der Talonsteuer unsere Zustimmung geben können. (Lebh. Beifall links.)
Inzwischen ist ein Antrag Speck lZtr.) eingegangen, der die Besteuerung ausländischer Papiere dahin regeln will, daß deren Zinsbogen zur Steuer herangezogen werden sollen, sofern sie „für Rechnung inländischer Besitzer ausgegeben oder in das Inland eingeführt werden". (Nach dem Steuervorschlage selbst sollen sie nur herangezogen werden, sofern die Bozen „im Inland ausgegeben werden".
Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben: Der Abg. Weber hat eine ganze Anzahl von Bedenken gegen den jetzt zur Beratung stehenden Antrag geäußert, die ich in einzelnen Fällen teile. (Hört, hört! links.) Aber er hat sich die Sache doch etwas leicht gemacht. (Unruhe links.) Er hat uns die Frage nicht beantwortet, wie er sich denn das Z ustand ekomm en der Reichsfinanzreform denkt. (Große Heiterkeit. Von links ruft man: Auflösen! Auflösen! Heiterkeit rechts und im Zentrum.) Wir haben mit Ihnen (nach links) zunächst für einen anderen Vorschlag gekämpft; aber es hat sich herausgestellt, daß für ihn eine Mehrheit nicht zu finden war; deshalb mußte nach einem Ersatz für ihn gesucht werden. Ist denn das Bedürfnis, die Reichsfinanzreform zustande zu bringen, heute geringer als vor 6 Wochen? (Unruhe links. Sehr gut: rechts.) Ich glaube, daß die Talonsteuer weit weniger einen Eingriff in die Finanzhoheit der Einzelstaalen bedeulet als die von den politischen Freunden des Vorredners vorgeschlageue Reichsdividendensteuer. (Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Ich kann nicht anerkennen, daß der vorliegende Antrag mit der Kotierungssteuer int wesentlichen identisch sei. Da die Erbschaftssteuer abgelehnt ist, bleibt den verbündeten Regierungen nichts anderes übrig, als die Vorlage anzunehmen.
scher Handelsminister Delbrück bittet, Besteuerung der Zinsbogeu auslär
Wir haben uns nur schweren Herzens, um dte Fmanz. «form nicht scheitern zu lassen, entschlossen, dtese in vieler Beziehung höchst mangelhaften Steuerpro,ekte zu akzeptieren. (Laute Rufe: Hört, hört! und Gelächter links.) Erschweren Sie uns die Situation nicht noch dadurch, daß Sie uns zu immer weiteren Konzessionen drängen, die wir vor unserem Gewiffen nicht verantworten können. (Lebh. Rufe: Hört, hört! links.)
Abg. Mommsen (srs. Vag.) führt aus, die beiden Minister hätten wirksame Reden gegen diese Steuer gehalten, die nichts weiter sei als die Kotierungssteuer.
Abg. Singer (Soz.) lehnt die Talonsteuer ab, die den Handel und Verkehr und Wirtschaftsleben auf das schwerste gefährde, nur um das Agrariertum zu schütz^en.g. j, Gamp (Rp.) bestreitet, daß die Talonsteuer eine verkappte Kotierungssteuer sei und führt aus, daß bei einer von der Linken gewünschten Reichsvermögenssteuer die Psandbriesbesttzer 75 Pfg. pro 1000 zahlen müßten, während sie bei der Talon- steuer nur 20 Pfg. pro 1000 zu zahlen brauchen. (Hort, hört! rechts.) Wir können mit gutem Gewissen der Vorlage zustimmen, wir haben mit der Vorlage bewiesen, daß wir 100 Millionen Besitzsteuern ausbringen wollen, und haben unsere Aufgabe glänzend gelöst. (Lebh. Beifall rechts.)
Reichsbankpräsident Havenstein wendet sich kurz gegen den Antrag Speck.
Abg. Kämpf (frs. Vp.) nennt die Vorlage eine Steuer auf den Besitz in der unvollkommensten
Abg. Speck (Ztr.) befürwortet nochmals feinen Antrag.
Nach weiterer unwesentlicher Debatte schließt die Diskussion. Die Anträge Gothein und Bärwinkel roereen abgelehnt. Abg. Speck (Ztr.) zieht feinen Antrag zurück. Der Kompromißantrag (Talonsteuer) wird in namentlicher Abstimmung mit 222 gegen 134 Stimmer bei l Stimmenthaltung angenommen, ebenso wird angenommen der . Antrag Gamp, diese Steuer am 1. August in Kraft treten zu lassen. Der Ilmsatzstempel für Wertpapiere (Kotierungssteuer) wird entsprechend dem Kompromißantrag g e - strichen. . v
Bei dem Scheckstempel wird zunächst entsprechend einem Kompromißantrag Frhr. v. Gamp und Genossen die Regierungsvorlage wiederhergestellt, wonach Quittungen auf Banlguihaben den Schecks gleich- zustellen sind; hierauf wird der fo gestaltete Artikel 2 (Scheckstempel) bei 2 Stimmenthattungeu mit 217 gegen 131 Stimmen angenommen.
Jetzt folgt das
Finanzgeseh.
Hierzu liegt ein Antrag der Mehrheit vor auf Uebernahme der gestundeten Matrikutarbeiträge auf das Reich und zwar auf Anleihe. .
Frnanzminister v. Rheinbaben: Auch wenn ich mit Enaelszungen redete, würde ich wohl keine Aenderung der Beschlüsse mehr herbeiführen können. Ich kann daher nur mein Bedauern darüber ausdrücken, daß es nicht gelungen ist, eine feste Bindung der Matrikular- bei'räge, wie die Regierung sie vorschlug, herbeizu- sühren und dadurch eine reinliche Scheidung zwischen den Finanzen der Einzelstaaten und denen des Reiches zu bewirken. , . ~ ,
Abg. Paasche (ntl.) wendet sich gegen den Antrag der Mehrheit. Weiter erklärt sich Redner aber gegen eine Bmdnng der Matrikularbeiträge und verurteilt den Fortbestand des Systems der „Klausula Frankenstein", also der Ueberroeifungcn.
Reichsschatzsekretär Sydow empfiehlt den Kompromißantrag. Die Regierungen tonnten den Antragstellern nur dankbar sein dafür, daß die Einzelstaaten auf diese Weise von alle» aus den Jahren bis 1909 gestundeten Beiträgen entlastet würden.
Abg. Dr. Pachnicke (Fr. Vgg.) lehnt namens seiner Partei den Kompromißantrag ab.
Hierauf vertagt sich das Haus auf abends 8V- Uhr: Fortsetzung. ,
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 8. Juli 1909.
Die zweite Lesung der
Reichsfinanzreform
wird fortgesetzt beim Stempelgesetz.
Nach der Vorlage soll der Stempel auf Aktien, Anteilscheine, Kuxe, Renten- und Schuldverschrerdungen erhöht werden. Ferner hat die Kommission beschlossen, einen Umsatzstempel auf Wertpapiere einzuführen. Ferner enthält die Vorlage einen Scheckstempel in Höhe von 10 Pfg.; die von der Vorlage vorgeschlagenen Versicherungsquittungen sind von der Kommission gestrichen. Endlich enthält die Vorlage einen Umsatzstempel für Grundstücksübertragungen. Zu der Vorlage liegt ein Kompromißantrag Gamp (Rp.) — Frhr. v. HerUing (Zentr.) — v. Norman» (lons.) — Raab (wirtsch. Vgg.) - Schultz (Rp.) und v. Mielzynskr (Pole) vor. Danach soll anstelle der von der Regierung vorgeschlagenen Besteuerung von Feuerversiche- rungspolieen eine Talonsteuer gesetzt werden. Die Steuer soll betragen: 1 Prozent für Gewinnanteil- 'febeinbogen von in- und ausländischen Aktien und Anteilscheinen, Reichsbankanteilscheinen, Anteilscheinen für Kolonialgesellschasten; für Zinsbogen: 5 Promille bei inländischen für den Handelsverkehr bestimmten Stenten« und Schuldverschreibungen, 5 Prozent bet solchen ausländischen Staaten, Kommunen usw., Korporationen, Aktiengesellschaften, sofern diese letzteren Bogen tm Jnlande ausgegeben werden; zwei Promille bei inländischen auf den Inhaber lautenden Kommunalpapieren. Befteit sind: 1. Zinsbogen von Renten und Schuldverschreibungen der Reichs, und Bundesstaaten, 2. Gewinnanteilscheinbogen von Aktien der in der allgemeinen Befreiungsvorschrist aufgesühr- ten Aktiengesellschaften, 8. Gewinnanteilscheine u.-d Zin-bogen, die bei der ersten Ausgabe der Wertpapiere mit diesen in Verkehr gesetzt werden. Die Befteiung greift nicht Platz, soweit die Bogen für einen längeren ,ls zehnjährigen Zeitraum ausgegeben werden, 4. Ge- wimtanteilschein- und Zinsbogen, die vor dem Jnkraft- fteten dieser Vorschriften ausaegeben sind. Den Stempel für Kauf- und sonstige AnschaffungSgeschäste, den zie Kommission beschlossen hat, soll gestrichen werden. Unter die Echecksteuer sollen auch fallen Quittungen über Geldsummen aus Bankguthaben, welche die Kom- iuission von der Steuer befreit hatte. Die Bestim- inungen sollen am 1. August 1909, bezüglich des Scheck- Rempels am 1. Oktober 1909 in Kraft treten. Für Zinsbogen, die Anteilscheine für einen längeren als zehnjährigen Zeitraum enthalten, erhöht sich die Abgabe für jedes fernere Jahr um ein Zehntel. — Ferner (Regt ein freisinniger Antrag vor, wonach bezüglich der Stempelerhöhung für Aktien, Kurse rc., die niedrigsten Sätze der Regierungsvorlage wiederherge- Pellt werden sollen. — Ein Antrag Bärwinkel (ntl.) rptll nicht nur die vom Reich und den Bundesstaaten ausgegebenen Papiere sondern auch alle Mündelstcheren Papiere von der Steurr sreilassen.
: Abg. Speck (Ztr.): Nachdem die Nachlaßsteuer abgelehnt und die Kotierungssteuer seitens der verbündeten Regierungen als unannehmbar bezeichnet ist, mußten wir eine neue Form finden, durch die der Besitz zu den Lasten des Reiches heranzuziehen ist. Durch die Sanierung der Reichsfinanzen wird die Ausgabe neuer Schatzanweisungen eingeschränkt, der Kurs der festverzinslichen Retchspapiere wird fich heben, und so find gerade diese Kreise, die wir heranziehen wollen, an der Sanierung der Reichsfinanzen besonders interessiert. Ich gebe zu, daß diese Art der Besteuerung der Gewinnanteilscheine und Zinsbogen eine rohe Form ist, und daß sich dabei gewisse Härten und Ungerechtigkeiten nicht vermeiden lassen. Aber bei welcher Steuer gibt es nicht solche unangenehme Nebenwirkungen? Es wäre gerechter, die Rentabilität und nicht der Nominalwert zugrunde zu legen; aber die Einzelstaaten wurden hierin einen Eingriff in ihre Finanzhoheit erblicken. Die neue Steuer bildet von Anfang an eine dauernde Einnahmequelle für das Reich. Im großen und ganzen ist die Annahme, die die neue Steuer bisher in der Prefle gefunden hat, verhältnismäßig günstig. Einzelne Börsenorgane fingen natürlich wieder das alte Lied, daß es nur darauf abgesehen sei, das mobile Kapital einseitig zu belasten zugunsten des Grund-
Barry lief neben dem Wagen her, ter dte Ge- schwister nach Mon Repos brachte, ter fchone Huttd und Frau ®erarö waren große Freunde geworden. Ines hafte Recht gehabt. Sie waren ine letzten, die ter Herrin des Schlößchens Glück zu wünschen kamen. Irmgard war heute vierund- zwanzig Jahre alt. Sie stand im Zenith ihrer Jugend und Schönheit. Heute lag ein weicher Ausdruck auf ihren gewöhnlich ernsten, ost sogar strengen Zügen. Sie hatte viele Freundlichkeiten entgegen genommen; Briefe und Depeschen Warrn aus ter fernen Heimat angelangt. Eine frohe Stimmung beherrschte sie. Es war doch güt, reich und umworben zu fein, jung und — frei. —
Frau Gerard dankte Ines herzlich für, ihre Gaden und umarmte sie; Bernhard stand einige Schritte zurück. Auch er sprach einige beguck- wünschende Worte und üterrsichre den Strauß.
„O, welch herrliche Blumen!" rief Irmgard überrascht, „und noch dazu Rosen in der Zusammenstellung, die ich besonders liehe. Ich danke Ihnen, Herr Baron."
Mit einem reizenden Lächeln bot sie ihm die Hand, die er an die Lippen zog und flüchtig küßte. Er ließ sie dann sogleich fallen; es sah aus, als habe er einer gesellschaftlichen Pflicht genüge.
Zum ersten Male war der Hochofenchef in dem teim Frau Gerards. Man faß in dem Salon, «r an tes Boudoir der Hausfrau stieß. Bern- >ards feiner Geischmack fühlte sich angenehm be- Ährt durch -je gediegene, harmonische Zusam- menstellung, ter Möbel, Portieren und Teppiche. Wahrlich, dreser reiche, alte Mann hatte es vec- stantech fentfern jungen Weite ein mir jedem Komfort ausgestartetes Nest zu bauen. Und sie