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tzrschelnt tSglichmit Ausnahme btt 5»-m- lmd Feiertage, Viertel- Mrttcherve,ugspreir ohne vringerlohn und vesteLgeld in Fulda so­wie auswärts 1-50 Mk.

verantw. Redatteurr Lari Schütter fürdie»n;etgen:

I-ParzeLer in Fulda.

MtzaerWZMng

wochEase: „Illustrierte Sonntagszeitung" Monatrdeiiage: „Fuldaer Geschichtsblätter"

/»airigen: Vie ei» fpaMge Petitzeileoder deren «au» 15 pfg. Reilamendiepetitzeile 25 Pfg.. bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Rotationrdruckund Verlag der Fuldaer Ak- ttendruckerei in Fulda Fernsprecher Ur. 9.

36. Jahrgang

Fulda, Samstag den 3. Juli 1909

M 148.

Drittes ^latt

Mit Tommy s Hülfe!

Mark

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zession hätten dulden wollen. Der Bischof hatte aber vorher der Polizei erklärt, daß in der Pro­zession keine Monstranz getragen werde, und dies war durch die Polizei den Führern der Protestan­ten mitgeteilt worden. Diese sagten zuerst, daß man sich auf derartige Versprechungen nicht ver­lassen könne (!), und als ihnen dann noch einmal von der Polizei mitgeteilt wurde, daß es sich um eine ausdrückliche Zusage der Geistlichkeit han­dele, meinten sie, es sei nun zu spät, um die be­reits organisierte Demonstration aufzuheben, und alles müsse dem Progpamm gemäß zur Durch­führung gelangen. Wie bereits mitgeteilt, wur­de die katholische Prozession auf einen kleinen Rundgang in der Nähe der Kirche beschränkt, aber trotzdem führten die Protestanten ihren bru­talen Angriff aus.

* Der Newhorker Polizeipräsident Bimg- Ham, unter dessen Regime die Mißstände in der Newhorker Polizeiverwaltung den bekannten Umfang annahmen, wurde feines P o st e ns entsetzt.

Bayonne hatte der Untersuchungsrichter, als er 'ich auf Weisung aus Paris mit dem Hrrten- Briefe beschäftigte, erklärt, er finde nichts darin, was ein gerichtliches Einschreiten rechtfertige: es handle sich lediglich um die Wieüergabe kirchlicher Bestimmungen, die von Gerichtswegen nicht be­straft werden können. Auf Anordnung dec Re­gierung mußte Berufung eingelegt werden, wor­auf das Tribunal von Pou die Sache an das Strafgericht in Bayonne zurückwies. Es gibt auch gefügige Richter in Frankreich und dec Un- lersuchuiigscichtec, der noch an die Freiheit der kanonischen Satzungen glaubt, wird wohl bald schon durch einen anderem ersetz: werden, der solche Anwandlungen von Gerechtigkeit und Frei- hoit nicht aufweist.

In den nächsten Woch.M und Monaten wird lioch viel von gerichtlichem Einschreiten gegen Bischöfe die Rede sein, denn inzwischen sind auch andere Bischöfe in gerichtliche Untersuchung ge­zogen worden, weil sie die Gefahren der sogen, neutralen Schule gezeigt haben und den Eltern nahelegten, die religionsfeindlichen Pläne der Machthaber von heute zu durchkreilzen. Die ra­dikalen Herrscher Les Landes kennen nur eine Freiheit, die der Mrbeschränkten Knechtung der Gewissen.

Betty ging auf die Ablenkung ein und so währte es mehrere Minuten, ehe Sutton die Un­terhaltung in das richtige Fahrwasser leiten konnte.

„Wir sind doch schon so lange Freunde," Hub er endlich wieder an, „möchten Sie mir nicht sagen, ob eine Möglichkeit für mich besteht —"

„Jetzt wird es gleich halten," kündigte Tommy an, als der Zug langsam in die Station einfuhr. Ach, da könnten wir doch etwas spazieren geljen. Komm doch mit mirl"

„Bitte tun Sie ihm den Gefallen," bat Betty, „der arme kleine Bursche ist schon so müde und unruhig."

Gehorsam führte Sutton den kleinen Plage­geist auf dem Bahnsteig hin und her, bis der Schaffner das Zeichen zur Abfahrt gab. Zurück­gekehrt, fühlte sich Tommy bewogen, seiner Schwe­ster die eben gemachten Beobachtungen in ein­gehendster Weise mitzuteilen und so verstrichen nutzlos weireoe zehn Minuten der kostbaren Zeit.

Endlich berrchigte sich der kleine Störenfried und Sutton versuchte abermals, die entscheidende Frage zu tun. . , ,

„Wissen Sie denn nicht, daß ich Sie liebe vom ersten Augenblick, da ich Sie kennen lernte? Kön­nen Sie mir nicht mit einem Wörtchen Hoffnung geben, daß eines Tages —"

„Borg mir Deine Uhr!" verlangte jetzt Tom­my. Suiton händigte ihm, ohne ein Wort zu sagen, dieselbe ein. Wenn er nur den Knaben da­durch beschäftigen konnte, dann war es ihm jetzt s.hon gleich, was ntit der Uhr geschah.

„Da ich Hoffnung hätte," fuhr er dann fort, „Sie eines Tages mein nennen zu dürfen, als mein Weib? Manchmal schien es mir, als wenn ich so glücklich wäre, Gnade in Ihren Augen zu sinden und dann wieder —"

„Räder sehen," mit diesem sehr nachdrücklich geäußerten Wunsche, wandle sich Tommy jetzt wie­der an Sutton, ihm die Uhr einhändigend. Doch Liefer, sich zur rechten Zeit noch daran erinnernd.

Tommy liebte seine „große Schwester" innig und dasselbe tat Jack Sutton. Betty Travers ihrerseits liebte Tommy offenkundig und Mack Outton im Geheimen. Tommy Haiti? «atton auch sehr gern, doch wurde diese Neigung auf der ändern Seite nicht immer erwidert. So standen die Sachen, als Sutton eines Tages auf der Heimfahrt begriffen, im Zuge unversehens nm Betty und Tommy zusammentraf.

„Welch angenehme Ueberraschung," lächelre Betty, ihm ihre Hand entgegenstreckend. Out- ton's Gesicht strahlte bei diesen Worten.

„Und ich fürchtete schon, es würde eine sehr langweilige Fahri werden," entgegnete er.

i „Ach, wir werden viel Spaß haben,", beeilte sich Tommy hinzuzufügen, indem er seine sich bedenklich feucht und klebrig anfühlende Hand in die Sutton s schob.

Betty Travers gehörte nicht zu den Mädchen, die ihr Herz auf der Zunge haben. Seit, langer als einem Jahre bemühte sich Suiton, die Ent- tscheidung seines Schicksals herbeizuführen und im­mer hatte Betty ihm auszuweichen gesucht und sein Vorhaben vereitelt. Nun bot sich ihm die Gelegenheit. Wenn nur Tommy--

Das Sausen und Brausen des Zuges ermög- .lichie es Sutton, frei heraus zu sprechen und nach einigen konventionellen Redensarten ging er denn auch kühn auf den Gegenstand los, der ihm so sehr am Herzen lag.

„Wissen Sie auch," fragte er, „daß ich schon lange auf diese günstige Gelegenheit gewartet habe, mit ihnen einmal allein sprechen zu kön- !nen?"

„Wir sind nicht allein," bemerkte Betty, etwas Herstimmi mit ihren Blicken auf einen Mann im -jAjsijengaryg deutend, der ihnett sein Jnkseresie Mehr als nötig zuzuwenden schien.

Deutscher Reich.

* Nationalliberale Frechheit. Der „Kreuz- nacher General-Anziger", der die Katholikenhetze — nicht bloß die Zenlrumshatz — im großen Stile betreibt, gibt in seinem Rückblick (dir. 147) über die Ablehnung der Erbschaftssteuer seinem Aerger u. a. in folgender giftgesch wo l - lener, ebenso sinnloser wie ungeheuerlicher Weise Ausdruck:

Und doch hat das deutsche Volk der Abstimmung vom Donnerstag dankbar zu sein, da sie den offenen Beweis erbracht hat, daß die Zeutrumsp arlei keine Volkspartei ist, sondern den Hochverrat in großem Stile betreibt, denn dem Soldatenverrat vom 13. Dezember 1906 hat sie den Volksverrat vom 24. Juni 1909 folgen lassen. Wahrheit, Freiheit und Recht hat diese Pariei am Donnerslag mit Füßen getreten, scheinheilig blickend zum deutschen Kaiserthron, triumphierend aber über die Alpen zu dem Bal­dachin des Römers! Von Fanatismus und Haß getrieben gegen den Fürsten Bülow und das so macht­voll dastehende deutsche Reich, das den anstürmcnden römischen Sölldlingen so mannhaft Trotz bietet, sucht diese Partei lauernden, eifersüchtigen Feinden auszuliefern. . . Die Abstimmung vom 24. Juni war ein Bubenstück, doch die Akteure keine „betrogene Wahnsinnige", sondern Leute — Männer ist zu viel gesagt —, sogar Staatsbeamte.

Und das Blättchen, das solche- Bnbenstücke tragen kann, ist nicht nur Organ der Partei von „Bildung und Besitz", sondern auch amt­liches Kreisblatt!

* Masienaustritt aus der Hannoverschen Landeskirche. Das Ergebnis einer Freidenker­versammlung in Hannover, in der her bekannte „Zrhn-Gebote"-Hoffmann aus Berlin als Refe­rent auftrat, läßt sich insofern als ein Erfolg im Sinne der Freidenker charakterisieren, als nicht weniger als 1250 Personen, meist der Arbeiterschaft angehörend, ihren Austritt aus der Landeskirche erklärt haben. Andererseits hat aber auch das polternde Auftreten Hoffmanns die Folge gehabt, daß zahlreiche, meist den ge­bildeten Ständen angehörenden Mitglieder des Freidenkervereins ihren Austtitt aus dem Verein angemeldet haben. In dem von bürgerlichen Kreisen gegründeten Verein gewinnt die Sozial- demokratte immer mehr die Oberhand.

Ausland.

* In Konstantinopel trimmt der Einsluß von Schevket Pascha und der andern bedeutenden Armeeführer von Tag zu Tag ab. Die eigent­lichen Herren der Situation sind jetzt General Hassan Riza Pascha, der, unterstützt von 40 jün- aeren Offizieren, seinen Willen jedermann auf­zwingt. Da die Okkupationsarmee unter ihren direkten Befehlen steht, behandeln diese Offiziere das jrurgiürkische Komitee und das Parlament als Luft, sie fertigen nach Belieben Proskriptions­listen an und bestehen auf der Verbannung der ihnen verdächtigen Personen. Die Regierung versuchte durch eine List der Gesellschaft Herr zu werden und beförderte die Hauptführer, um sie nach verschiedenen Teilen des Reiches auseinan- derznbringen, doch sie weigerten sich offen, dre Versetzung hinzunchmen. Die Offiziere find glühende Patrioten, die das Parlament nicht als eine der türkischen Nation zuträgliche Institution betrachten. Sie wünschen ein Militärkabingtzl, das eine offizielle Armeediktatuc schaffen soll und die Nationalitäten des Reiches zwingen möchte, Nationaltürken zu werden. Erst dann, wenn alles die türkische Sprache spricht, fei das Land reif dazu, ein Parlament zu erhalten. Dre Nationalisierung der Nichttürken wollen sie mit- telft der Schulgesetzgebung durchführen, die stur das Türkische! als Unirerrichtsssprache kennt. Daß dieser Plan am Widerstand der Nichttürken «scheitern würde, sehen dis nationa- listischon Offiziere ein und wollen daher dre Nationalisierung auf dem in der Türkei nicht ungewöhnlichen Wege der Militärherrschaft durch­führen. Auch die Zulassung der Christen zum Heeresdienst soll lediglich dem- Zweck dienen, die Narionalitätsn mit der türkischen Sprache vertraut zu machen. Es ist nicht ausge­schlossen, daß das türkische Reich wieder in hef­tige Wallungen gerät.

* Russischer Vormarsch auf Teheran. Die Vennutung, daß Rußland die augenblick­lichen Wirren in P e r s i e n dazu benutzen werde, sich Hoheitsrechre in Persien anzmnaßen, findet durch ein Telegramm dec PeterÄmstgec Tele- gcaphenagentuc eine gewisse Bestätigung. Da­nach ist nämlich „in Anbetracht der beunruhigen­den Lage in Persien der Statthalter von Kau­kasien beauftragt worden, Truppen in Bereit­schaft zu stellen, um sie auf die russische Straße Enseli-Teheran zu senden, wie auch Fahrzeuge zur Uebecführung diesr Truppen von Baku nach Enseli. Diese Maßregeln werden rechtzeitig unternommen für den Fall, daß eilte weitere Bewegung der Bachtiaren und der Fidais von Kaswin nach Teheran eine Anarchie nach sich siebt. — Das bedeutet natürlich nichts anderes, als' daß Rußland gewillt ist, die bedrohte Herr­schaft des Schahs gegen die anftürmenben natio­nalistischen Truppen zu schützen und dadurch den ohnehin nicht sehr Willensstärken Ali Moham­med ganz in feine Gewalt zu bekommen.

* Die Lage in Liverpool. In Liverpool ent­stand in der Nacht zum letzten Montag eine P a - nik, die zeigt, in welcher Aufregung sich dre ganze Bevölkerung der Stadt befindet. Zwischen 3 und 4 Uhr wurden plötzlich die Glocke!n einer protestantischen Kirche aus einem bisher noch nicht erklärten Grunde geläutet, und sofort verbreitete sich das Gerücht, daß dies das Zeichen zu einem neuen Angriff auf die Katho­liken sei; die Leute strömten aus den Häusern auf die Straßen, und innerhalb weniger Minu­ten herrschte die wildeste Aufregung. Es gelang der Polizei indes bald, hie Leute zu beruhigen. I Die Vernehmungen über die kürzlich gemeldeten Ruhestörungen haben festgestellt, daß die Oran- aernen keine Monstranz in der St. Josephspro-

gegenüber:

Wohnung: für 2 Zimmer und Küche pro Monat 20 Mk........ .

Brennmaterialien: Holz, Kohlen, Spiritus Haushaltungsgeld der Frau pro Woche

16 Mark...........

4 Ztr. Kartoffeln zu 2.80 Mk Schuhe und Reparaturen Kleidungsstücke..........

Taschengeld des Mannes wöchentlich inkl.

Sonntag zu 1.50 Mk.......

Todesfall eines Kindes . - Verbandsbeitrag, konfessionelle Vereine und

Krankenkaffe

Waffergeld, Kehrichtgebühr und Feuerver­sicherung ...........

Invaliden- und Gemeindekrankenverficher.

Steuer- Eink. 4 Mk., Gemeinde 5.20 Mk.

Kreis 1.80 M., gleich ......

Die Ausgaben betrugen

Die Einnahmen betrugen

Weniger eingenommen

Wo spart man nun?

Oder an wen wendet man sich?"

X Born Kulturkampf in Frankreich.

Die Kundgebungen der französischen Bischöfe gegen die Anwendung des TrMnungsges«tzes mehren sich. Sie richten sich zum Teil dagegen, daß in Anwendung des Trennungsgesetzes noch immer Kirch engüter zum Ser tauf aus­gesetzt sind, teils gegen die fortschceliende Ver­weltlichung der Schulen. Durch Hrrtenschrel- ben wird von 6er Kanzel herab den Käufern der Kttchengüter der Kirchenbann angedroyt und ihnen angekündigt, daß ihnen später das kttchlichv Begräbnis verweigert wersden wurde. LVelche Strafen die Kirche gegen die anwendet, die sich gegen ihre Anordnungen vergehen, ist Natürlich eine Sache, die nur die Kirche, nicht aber den Staat etwas angeht. Im Lande der „Freiheit" ist das aber anders.

Die Bischöfe D u p a r e von Quimper und Marty von Montauban hatten sich bereits vor dem Gericht zu verantworten, wurden aber frei« gesprochen. Der Bischof ©teure von Bayonne fleht jetzt unter derselben Anklage. Vorher hatte Kardinal Andrieu in Bordeaux erklärt, sein geistlicher Charakter erlaube ihm nicht, sich dem Spruche eines nichtgeistlichen Gerichtes zu unter­ziehen. Bischof ©teure folgte diesem Beispiele. Er erschien zwar vor Gericht, verlas dort aber #ine energische Erklärung, worin er kurzweg die ^Zuständigkeit des Gerichts ablehnte und die, Un­abhängigkeit der geistlichen Gewalt in diesen Angelegenheiten gegenüber dem Staate verkün­dete.

„Dem Erzbischof Andtteu von Bordeaux", erklärte der Bischof von Bayonne dem Gerichte, „sende ich den Ausdruck meiner achtungsvollen Verwunderung und vollständigen Zustimmung zu seinen Worten: »Ich er­kenne keiner menschlichen Justiz das Recht zu, den Unterricht, den ich erteile, zu überwachen, und erst recht nicht, ihn zu zensuriere». Ich hänge darin nur vom Papst und von Gott ab.« Und was das Vergehen angeht, das man mir vorwirst, so erblickt man in meinem Hirtenschreiben »eine unmittelbare Heraus­forderung zum Widerstand gegen die Gesetze«. Daß ich gewisse Gesetze verurteilt und gebrandmarkt habe, ist richtig. Daß ich gesagt habe, es gebe gewiss« Gesetze, denen nicht zu gehorchen, Pflicht sei, ist auch wahr. Als Grundsatz hinstellen, daß man dem Gesetz in allem, was es befehle und verbiete, blindlings gehorchen muffe, ist albern und ungeheuer­lich. Das ist die Verherrlichung der Knechtschaft und der Tyrannei. Wenn ein Gesetz mit dem göttlichen Gesetze in Widerspruch ist oder das Gewissen verletzt, ist es nicht mehr das Gesetz."

Das Gericht von Bayonne wird fein Urteil Aber die gegen den Bischof ©teure erhobene Klage in nächster Woche verkündigen. Wegeit ^„Aufreizung gegen die Staatsschule" verurteilte bas Gericht fchon den Bischof Laurans von Cahors zu dec gelinden Strafe von 25 Frcs. Schärfer wurde schon, wie telegraphisch berichtet, 'feer Erzbischof Ricard von Auch und die Pfar- jter des Bezirks Auch herangezogen, die zu 500 ^ezw. je 50 Fr. verurteilt wurden. Sie hatten Irin Hirte ^schreiben von dein Kanzeln verlesen, Has die Staatsschule als das, was sie ist, eine religionsfeindliche Anstalt.

i Wie man aus den oben angeführten Gerichts­entscheidungen sieht, ist die französische Rechis- Rprclchung nicht einig. Außer Montauban und «Guimper hat auch der Appellationshof von Tou- louse entschieden, in der Aufzählung der kanoni­schen Strafen der Kttche liege keine Beeinflus­sung der menschlichen Freiheit, denn es stehe der Kirche wie jeder anderen Genossenschaft zu, die Bedingungen festzusetzen, unter denen jemand ihr Mitglied fei. §m Fall des Bischofs Andrieu von

„Es ist immerhin besser hier, als im Ballsaal," entgegnete Sutton, „oder im Theater. Ich möchte Sie fragen ob" —

„Sieh doch Lote die Kühe!" jauchzte Tommy, seiner Schwester auf Len Schoß springend, und lebhaft auf die an ihnen vorüber fliegende Land­schaft beutend. „Ich wollte Sie fragen," fuhr Sutton fort, „ob ich irgend etwas getan habe, was Sie bäranlaffcn konnte, mich zu meiden. Sie--"

„Ich habe auch eine Kuh bekommen," ließ sich jetzt Tommy von gegenüber wieder vernehmen, „Großmama verwahrt sie mir."

'„Da ist sie gewiß am besten aufgehoben," sagte Sutton zu Tommy und damit Len Gegen stand fallen lassend. Dann sich zu Betty wendend, nahm er das unterbrochene Gespräch '.nieder auf:

„Sie scheinen es absichtlich zu vermeiden, mir einen Augenblick des Alleinseins zu gewähren. Fürchten Sie, daß ich —"

„Mach doch ein paar Kunststücke," fiel jetzt Tommy ein, auf Sutton's Knie kletternd Äa- Mieb diesem übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen? Nachdem er ihm einige Kin­derspiele gezeigt, schien der Kleine befriedigt und wandre seine Aufmerksamkeit wieder dem Fen­ster zu.

„Fürchten Sie die Frage, die ich so gerne an Sie richten möchte und die so viel für mich in sich schließt?" drängte er.

„Ich habe Sie nicht absichtlich gemieden," ent­gegnete Betty leicht errötend. „Sie hatten in die­ser Saison doch viel Gelegenheit, mit mir zusam­men zu sein."

„Ja gewiß", stimmte er bei. Aber seit Mona­ten habe ich versucht, Ihnen etwas zu sagen und Sie sind mir immer ausgewichen, gerade wie Sie es jetzt tun . . ."

„Jetzt fahren wir über einen großen Fluß", ließ sich Tommy wieder vernehmen. „Sieh doch die Schiffe 1

volkswirtschaftliches und Soziales.

* Das ebenso intr.essante wie betrübende Haus- haltungsbndget eines verheirateten Schreiner» g es eilen ist im Zusammenhang mit der Schreiner­aussperrung in Würzburg bekannt geworden. Als der Arbeitgeber-Schutzverband auf die Forde­rung der Schreiner um Erhöhung des Stunden­lohnes um 2 Pfg. für dieses und um 1 Pfg. für das nächste Jahr mit der Aussperrung antwortete, richtete ein verheirateter Schreiner an das .Frän­kische Volksblattt folgendes „Eingesandt": „Mein, Einnahmen betrugen im vorigen Jahre für 2760 wirk­lich geleistete Arbeitsstunden zu 42 Pfg. gleich 1159.20 Mark. Zur Berechnung sind gezogen 296 Arbeits­tage zu 91/2 Stunden. Das übrige sind 68 Sonn- und Feiectzage, sowie Fastnacht und Kirchweih 1 Tag, wo das Geschäft geschloffen, Imal 3 Stun­den für Kontrollversammlung, 8 Stunden 6« Todesfall -eines Kindes, 38 Stunden wegen Krankheit und 3 Stunden für verschiedene Gänge — Diesen Einnahmen standen folgende 91 u s > gaben eines Schreiners, Vaters von 3 Kindern

△ Bauer» gegen -enGrotzgrundbefitz

Der Kampf für und gegen Bülows Politik nimmt immer mannigfaltigere Formen an. Erst hat man „Handel, Gewerbe und Jndusttie" un­ter Führung der Börse mobil gemacht, als man den „Hansabund" gründen ließ. Jetzt sollen auch die Steuern gegen den Großgrundbesitz auf int Schanze gerufen werden. Man will den Bund was das Gehäuse derselben barg, erklärte dem Knaben, daß sich der Deckel nicht öffnen lasse.

„Es gab Zeiten, wo ich fürchtete, es läge eine gewisse Absicht Larin, daß Sie mich immer zu ver­meiden suchten und mir dadurch das Peinliche einer Zurückweisung ersparen wollten. Doch mögt Ihre Antwort fein wie sie wolle, ich muß endlich Güvißheit haben, ob ich Hoffnung habe, mir die lieblichste der Frauen zu erringen — mein Schick­sal liegt in Ihrer Hand. Können Sie mir nicht sagen, Laß ich Ihnen nicht gleichgültig bin — Laß Sie —"

In diesem Augenblick entglitt die Uhr Tom­my - Häirden und klirrend fiel sie zur Erde.

„Sie ist mir aus der Hand gewrungen," er- klärte der erschrockene Kncwe, indem er von ^sei­nem Sitz herunterglitt, um sie aufzuheben. „Dec Deckel ist zerbrochen", fügte er bestürzt hinzu.

Sutton sprang auf, um sie an sich zu nehmen, aber der Kleine war schneller als er. „Da ist la ein Bild drin, — Vetiy's Bild!" rief er ver­wundert, als er den Deckel umdrehte. „Haben alle Uhren Bilder?"

„Nein," entgegnete Sutton kurz, den Teckel wieder auf Las Gehäuse drückend.

„Aber Bettys Uhr hat eins," beharrte der Knabe.

„Tommy, Du mußt wicht so was reden," rief Botty über und über rot werdend.

„Ja, aber wohl, sie hat eins," bestand ei daraus und ehe Betty es verhindern konnte, hatte er nach ihrer Gürtal-Ketzte gegriffen und das Gehäuse geöffnet.

„Da — siehst Du?" sagte er triumphierend Sutton warf einen langen Blick auf

ne» Bild und bann noch einen längeren tn Bettys ihm zärtlich zugewandte Augen.

„Sott segne Dich, Tommy," sagte er dann weich.