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36. Jahrgang.
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Fulda, Samstag den 26. Juni 1909
M 143
Irvertes
Was ist „Parfüm"? Mit einem .ehrlichen deut
schen Wort kann man die Sache nicht bezeichnen. ! Parfüm ist Heuchelei, Vorspiegelung falscher Lat-
tcitf
verdächtig; dahinter steckt Krankheit oder Un- laubetfeit.
lay Hasiö als gefährdet hin. Bislang sind keine Ereignisse zu verzeichnen, aus denen man schue- ßen könnte, daß diese Besürchiungen gerechtfeitrgt
Erscheint täglich mit Amnahme der $o.m= «nd§eiertage°viertel- tähMcherveMgrpreis ohne vringerlohn und vesteLgeld in Zulda sowie aurwärtss.SvM.
Wenn so ein wandelndes Riechkissen in die Straßenbahn steigt, so bildet sie sich in der Regel ein, sie errege Wohlgefallen und Bewunderung. Bei den meisten Umsitzenden ist aber die Wirkung seine ganz andere. Man sagt sich: dieses Men- -schenkind muß in natürlichem Zustande einen ^häßlichen Geruch von sich geben; denn das starke Parfüm hat sie wahrscheinlich angebracht, um die tvideüvärtige Ausdünstung ihres Körpers oder Hrer Kleider zu verdecken. Die Sache ist sehr
= Erne gerechte Besitzsteuer.
Die phrasenhafte Propagamda der liberalen! Presse für die Erbanfallsteuer hat den Erfolg gehabt daß werte Bolkskreise es säst als ern Dogma ansehen, die Erbanfallsteuer bilde die einzige Art einer gerechten und allgemeinen Besitzbesteuerung. Taß gegen die Steuer schwerste Bedenken bestehen. wird dabei vollständig übersehen, ebenso, daß sie nach ihrem Ertrage, der auf höchstens 80 Millionen zu schätzen ist, nur als Jammerbild einer Besitzsteuer angesehen werden kann, endlich auch jenes Bedenken, das sie rücksichtlich be'3 mobilen Kavitals, das so wie so schon verhältins- mäßig viel zu aering besteuert ist, der Stemar- drückerei Tür und Tor öffnet. Vor allem aber wird ganz übersehen die Frage, ob nicht eine and er e Art der Besitzbesteuerung möglich ist, der nicht die schweren Bedenken, die der Erbanfallsteuer entgegenstehen, die allgemein und ge- I recht wirkt und dabei einen angemessenen Ertrag
verant«- Redakteur;
Larl Schütte;
„illustrierte Sonntagrzellung"
wären.
Der Schah von Persien muß sich von Tag zu Tag sicherer auf seine „Pensionierung" vor- beroitzm. Die Russen haben die Beruhigung tn der Provinz Asherbeidschan, besonders in deren Hauptstadt Täbris, längst durchgesetzt, machen aber keine Miene, sich zurückzuziehen.
Oder ich komme in ein Zimmer, wo es nach Räucherkerzen oder einer anderen Verdampfung von Kunstduftstoffen riecht. Die Nase ist erstaunt, denn sie hatte geglaubt, hier eine reine frische Luft zu finden, wie sie in gut gepflegten Zimmern üblich ist. Warum hat man hier die Zrmmerluft parfümiert? Offenbar hat das einfache Lüften nicht genügt, um das Zimmer in anständigen Geruch zu bringen. Es gibt hier in der Stube eine Stankquelle, oder gar mehrere. Vielleicht hat der Fußboden eine faule Füllung, — oder die Wände sind faucht und hauchen Kellerlust aus —, oder es liegt Schmutz in den Ecken, unter den Möbeln, in den Teppichen, — oder in den Schränken stecken übelriechende Sachen, — oder der Ofen ist nicht in Ordnung, — oder die Insassen des Zimmers leiden an häßlichen Ausdünstungen. Etwas ist faul in dieser Behausung, denn sonst würde man nicht zu dem Deckmantel eines sogenannten Parfüms greifen. , . .
Ich glaube, das Parfum wirb zu den Errungenschaften der Kultur gerechnet. Ja, die Kultur ist ein buntscheckiges Ding, häßliches und schönes, vernünftiges und blösinniges, ehrliches und falsches macht sich durchsinander auf der langen Schleppe -er „Kultur" breit. A bissel Lieb und a bissel Treu, und a bissel Falschheit ist alleweil dabei. Die Falschheit tritt namentlich zutage bei der Kultur des äußerlichen Menschen. Der Mensch will in der Regel für schon und vornehm gehalten werden. Darum staffiert er sich gern so „elegant" hzraus, wie es ihm seine Mittel erlauben, ja häufig noch über seine Mittel hinaus. Er hält die Leute für so dumm, daß sie durch den Modeaufwand sich täuschen lassen und hinter den Toilettekünsten die Mängel des Körpers, die Jahre des Alters, die bescheidene soziale Stellung nicht merken können. Das Auge der Zuschauer isi meistens schärfer, als den Aufgedonnerten lieb ist Man merkt die Absicht des Betrügers, und man wird verstimmt . Manches Mädchen würde einen recht gefälligen Eindruck machen und Ehre einlegen, wenn es in einem einfachen Airzuge
wochen-Nun-schau.
f:s Fulda, 25. Juni 1909.
= Der mächtige Einfluß der Fürsten des Kapitals hat sich erst in den letzten Tagen wn„lpn nrH DIP ulc=, wieder einmal klar erwiesen. Die Inszenierung unanfechtbarer' Weise begründet. I des Hansabundes war eine Prachtletstung der
garantiert. , .
Auf eine solche Steuer hat in dein letzten Tagen Juftizrat Kausen in der „Köln. Volksztg." (Nr. 444 und 519) hinqewiesen, und es erscheint uns an der Zeit, daß die öffentliche Meinung sich etivas näher mit diesem Steuarvorschlag, der R e i ch s v e r m ö g e n s z u w a ch s st e u e r, beschäftigt. Justizrat Kausen hat die Vorteile die- ' C * jp..X-im QT)tf n ünnvit nXol
Unpolitische Zeitkäufe-
(u) Berlin, 17. Juni 1909.
(Nachdruck verboten.)
.. Von allen Steuern, die jetzt in der Mache sind, gefällt mir am besten die Parfümeriesteuer. Denn ich hasse die Parfüms.
Deutsches Reich.
X Die »ationalliberale „Geschlossenheit". Der Abg. Lehmann (Jena) ist, wie gemeldet, als prnndsätzlicher Gegner der Erbschaftssteuer aus der nationaliiberalen Fraktion ausgetreten und hat am Donnerstag mit den Konservativem und dem Zentrum gestimmt. Die beiden anderen nationalliberalen Gegner der Erbsckwftssteuer, die Abgg Frhr. v. H e y l und Graf O r i o I a haben
auf weiß doch auch die Anwesenheit der beider-1 seifigen Verantwortlichen Leiter der auswärtigen Politik hin. Es kann kein Zwäifel mehr bestehen, daß das offizielle Rußland das Bedürfnis suhlt, sich anzulehnen, sowohl um nötigenfalls einen Trumpf gegenüber England in öer Hand zu haben, als auch zur Stärkung der Autorität im eigenen Lande. Daß das offizielle Rußland bei solchem Bestreben die ganze russische öffentliche Meinung gegen sich hat, darüber gibt man sich in Deutschland keinem Zweifel hin, und da man so wie so in Deutschland für russische Verhältnisse und russische Menschen keine besondere Vorliebe hat so ist die Zweikaiserzusammenkunst bei un- l eigentlich nur unter dem einen Gesichtspunkte mit Genugtuung begrüßt worden, datz tn Zukunft vermutlich bei dem großen europäischen Seilziehn
I Rußland nicht mehr mit Einsetzung aller Gewalt am englischen Ende ziehen wird. ...
Auch sonst waren weite Kreise bemüht, für den europäischen Friden zu werben, so vor allem Cie englischen Geistlichen, die Deutschland ihren Besuch abstatteten. Dieser Bestich mag immerhin als ein Zeichen gelten, das nicht alle Engländer an der verrückten Denrschenfurcht leiden.
In I t a I i e n wird wieder ettogS Deutschen- I Hetze getrieben. Eine Gardasee-Konferenz tn Verona wendet sich gegen das Ueberhandnehmen der Deutschen an dem schönen Ufern des Gardasee-.
I Nationale Stänkereien!
I Die Kretafrage ist zwar noch nicht geregelt, scheint aber nicht mehr geeignet, bedeutendere Schwimigkeiien in der europäischen tn-
I ternatiomilen Politik hervorzurufen. . , ' Die Lage in Marokko hat sich seit einiger
Tie Erhebungsform wird verhältnismäßig einfach sein. Die Steuer wird zwar ebenso wie die Zölle in ben einzelnen Jahren Erträgnis von verschiedener Höhe bringen, das Steigen und Fallen wird aber schon mit Rücksicht darauf, daß zwischen den einzelnen Teilen des Reiches und zwischen den einzelnen Erwerbsständen ein gewisser Ausgleich stattfindet, voraussichtlich kein sprunghaftes sein. Jede erhebliche Vermögens- Vermehrung, auf welcham Gebiete sie auch eintre- ten möge, wird von dieser Steuer gleichmaß'-g ersaßt. Damir dürste die Steuer alle diejenigen befriedigen, die an -er Einssitigkeit der anderen Projekte Anstoß nehmen, denn einesteils unterliegen ihr ohne weiteres alle Vermögen, auch Fr- okikommisse, anderenteils bildet nicht nur der Erbschastsgewinn und der Bodengewinn, sondern auch jeder andere Gewinn einen Rech- nilngsfaktor bei der Berechnung des Vermögöns- weützuwachses. Dahin gehönen namentlich die großen Vermögenspermehrungen, die aus technischen und kaufmännischen Unternehmimgen er- i zielt zu werden pflegen. Selbstverständlich rommt nur der Mehrwert des ganzen Vermögens m Be- tracht, eingetretene Verluste und Abgänge müssen erst durch Gewinne und Zugänge ausgeglichen sein, ehe von einem Mehrwert des ganzen Vermögens gesprochen werden kann.
Der E r t r a g der Steuer wird bei niedrigen Sätzen, die Natürlich progressiv zu gestalten sind, mindestens 100 Millionen betragen. Einen ge- misten Anhalt geben die amtlichen Berichte über das Ergebnis der preußischen Ergänzungssteuer, die eine jährliche Steigerung des Gesamt-Ver-
I Mögensbestandes von über 3000 Millionen er- I kennen lassen. Dabei handelt es sich nur um Preußen. Die Vermögenszuwachssteuer darf als
I etne gerechte und allgemeine, dabei ertragreiche Besitzsteuer b zeichnet werden, die den besoNüeren Vorzug hat, daß sie gleichmäßig und sozial ber-
I söhnend wirkt. Im gegenwärtigen Augenblicke I würde sie noch den besonderen Vorzug haben, daß I sie geeignet erscheint, eine Lösung der Besitz st e u e r s'r a g e darzustellen, der alte Parteien gleichmäßig zustimmen können. Ihre Enn-
I siihrung würde sowohl die Erbanfallsteuer als auch die Reichswertzuwachssteuer überflüssig machen. .. . ... ..
j Es dürfte auch noch keineswegs zu spat an der I Zeit sein, an die Einfügung der ReichsvermogenZ- zuwachssteuer als Besitzsteuer in die, Finanzvs-
1 form zu denken. Die Unterlagen für die Be- j vecknung des Ertrages Würden nicht schwer zu beschaffen sein, sofern sie nicht bereits im Reichs-
I schatzamte zur Hand liegen. Für Preußen geben die Eraänzungssteuerveranschlagungen genugen-
1 des Material, es darf auch daran erinnert »erben, daß bei der Prüfung der Frage der Ver- I edelung der Matrikularbeiträge der Gesamtvermögensbestand der einzelnen Staaten einer Feststellung unterzogen worden ist. Wir sind gewiß, daß eine Reichsvermögenszuwachssteirer im Reichstage eine sichere Mehrheit findcm würde.
Es geschieht fortgesetzt ckrwas, aber von einem Durchdringen zu größerer Klarheit ist noch kerne , Rebe. Eine herrliche Zeit sur, Kannegießereren. Bebel als Prophet muß heute öte Waffen strecken. Die normalen Generalanzsiger-Polrtiker sind ihm um mindestens drei Pferdelängen, voraus. Die varlamentarischen Arbeiten schreiten energisch fort, aber was dabei vorauskommt, sind Bruck.m für den Weitermarsch, bei denen man meistens Nicht einmal weiß, ob sie halten werden, wenn es zur entscheidenden Belaftungsprob?< kommt. Zum Prophezeien ists noch zu früh. Es gibt Dinge zwischen zweiten und dritten Lesungen, von deNM sich die normale polftnche Weisheit nichts träumen läßt. Auch die Entscheidung über die Erbschaftssteuer, die am Donnerstag f-el gewährt noch keinen sicheren Blick in die Zukunft. Diese Vorlage, die die verbündeten Regierungen selbst als den Kernpunkt ihrer Vorschläge zar Finanzreform bezeichneten, ist vom Reich-- tage in einer einzigen Beratung und in knapp vier Stunden in zweiter Lesung ab gelehnt wor- den. Es trat damit der immerhin seltene Fall ein, daß schon in der zweiten Lesung von, der Vorlage nichts mehr übrig bleibt und damit eine o. Lesung hinfällig wird. Dieses Ergebnis gerade bei diesem Gesetzentwurf hat natürlich eine ganz besondere Tragweite, aber was daraus werden wird, weiß jetzt, wo wir dies schreiben, noch tun Mensch. Die Rade, die der Reichskanzler zu Beginn der Stsuevberatung vom Stapel gelassen, Hane, vermochte ebenfalls zur Klärung nichts beizutragen. Für uns war besonders interessant die Ab- techmmg mit d. Zentrum. Fürst Bülow führte aus, er habe damals den Reichstag aufgelöst, weil eres sich nicht gefallen lasten könne, unter dem Joche einer einzelnen Partei zu stehen. Damals aber habe das Zentrum direkt die Herrschaft tm Reiche inne gehabt. Er begreife aber nicht, weshalb das Zentrum infolge solcher politischer Meinungsverschiedenheiten ihm so offene Fehde angelegt habe, weshalb es gar so weit gegangen sei, ihn gesellschaftlich zu boykottieren. Ter Abg. Spahn hat am folgenden Tage dem Reichskanzler hierauf erwidert, daß die Sache so einfach doch !nicht liege. Der Reichskanzler möge sich doch nur erinnern, wie er sich seinerzeit über das Zentrum ausgesprochen habe, möge sich erinnern, daß er seinerzeit einer ausländischen Gesellschaft gegenüber von der „antinationalen Arroganz', des Zentrums gesprochen habe. Durch verschiedene Preßstimmen scheint nur der Kanzler versucht zu haben, sich rein zu waschen, er habe seines Wissens einen solchen Ausdruck gar nicht gebraucht usw. usw. Da es aber keinem Zweifel unterliegen kann, daß der Kanzler diesen Ausdruck tat- sächlich gebraucht hat — das Zentrum hat seiner- zeit auch sofort darauf zurückgegriffen — so Ware es zur Herstellung guter Beziehungen zwischen Reichskanzler und Zentrum erwünscht, daß der Reichskanzler diese Beleidigung, tn welcher Form es auch immer sei, zurücknähme. Bisher hat er es allerdings nicht getan. .
Der Kaiser hat in Hamburg eine Rede ge- jhalten, die sowohl die innere als die auswärtige Politik berührt. Die Kaiserrede geht nicht auf ftreitige Einzelfragen ein, deren Befprechung den Monarch in dm Kampf der Parteien oder dec Diplomaten hrnabziehen könnte, sondern gibt allgemein Mitteilungen und Anregungen, die alle ‘guten Bürger mit Beifall auf nehmen werden. Auch im Auslände, soweit es friedfertig ist, wird
erschiene, der nett und passend ist; aber wenn das liebliche Veilchen mit allerhand Moo'künsten sich zu einer japanischen Lilie hinaufschwindeln will, so wirkt das lächerlich oder gar verächtlich. Ehrlich währt am längsten. Das Auge läßt sich nicht so leicht betriign. Die Nase auch nicht. Ja, der Betrugsversuch gegenüber der Nase erregt noch mehr Anstoß, als der Augentäuschungsver- such. Denn, Wenn ich etwas Törichtes oder Häßliches nicht mehr sehen will, wende ich meine gingen anders wohin oder lasse die Augenlider fallen. Aber wenn ein parfümierter Mensch in meiner Nähe ist, so muß ich das Zeug riechen, da die ganze Umgckbungsluft verstänkert wird und die Nasenlöcher keine Verschlußklappe haben.
Lasset den Dingen ihren natürlichen Geruch! Die Rose soll nach Rose riechen, das Heu nach Heu und der Mensch — nun der soll Menschenduft ausströmen. Aber ist der Menschendust wohlriechend? Was heißt „wohlriechend"? So lange der Mensch gesund und taub er ist, stinkt er nichr, und das genügt. Hat er irgend eine Krankheit an sich, die einen schlechten Geruch verbreitet, so gehört, es in das .Kapitel der Medizin, der Hsilkunsl, diese unangenehme Ausdünstung möglichst zu unterdrücken, die Beläsftgung des Kranken selbst und seiner Umgebung nach Kräften zu beseitigen. Das kann durch entsprechende Behandlung der Ursprungsstelle geschehen; es mag auch im Notfälle zulässig sein, durch einen künstlich erregten Duft die unangenehme Ausdünstung zu verdecken, — soweit nicht durch diesen Kunstgriff, andere Interessen geschädigt werden, z. B. nicht etwa etne Ansteckungsgefahr herbeigeführt wird. Denn der Geruchssinn ist ein hochwichtiger, vielfach unersetzlicher Wächter gegenüber den Gefahren, welche die Gesundheft bedrohen. Aber die Fälle, in denen das Parfüm als Notbehelf in krankhaften Zustan- öen angewnedet wird, bilden nur seltene Ausnahmen gegenüber dem häufigen Mißbrauch in gefunden Tagen. Ein gesunder Mensch, der „wicht in schlechten Geruch kommm will," hat nur eins nötig: ununterbrochene Sauberkeit. Der
fachen, Lug und Betrug gegenüber der Nase. Der ^natürliche Geruch des Dinges oder einer Person zwird unterdrückt durch die künstliche Erregung feines Duftes, der nicht dahin gehört. Wenn ich 'an einen Heuwagen trete, so habe ich gegen den Hauge auch nichts einzuwenden; aber wenn ich leine Dame vor mir habe, die sich das beliebte Heuparfüm in ihre Kleider oder ihre Gliedmaßen 'getan hat, so werde ich ärgerlich und möchte die Frage stellen: Sekt wann sind denn die Gnädige stn Sm Heubündel verwandelt worden? Und der künstliche Heudnft gehört noch zu bett harmlose- ftett Gerüchen. Viel schlimmer wird das, Aerger- üis für die Nase, wenn die Damen sich mit irgend einem Moschusstoff, Patschuli oder dergleichen ^wohlriechend" zu machen suchen. , Dann möchte Wan gleich fragen: Bin ich vielleicht hier unter die St . . . tiere des Zoologischen Gartens gera-
Körper muß rein gehalten werden, und zwar von oben bis unten, von den Zähnen bis zu den Zehen, — auch in den Teilen, die unsichtbar bleiben. Und di: Kleidung mutz rein sein; nicht bloß daS Oberzeug, sondern vor allem das Unterzeug. WaS dem fremden Auge entzogen wird, läßt sich nicht immer der fremden Nase entziehen. Der Geruchssinn ist ein Spion, der vermeintlich verborgene Geheimnisse aufdeckt. War mit einer gesunden Nase unangemeldet eine Wohnung betritt, kann sofort die eindringlichsten Ermittelungen über bte Kulturstufe und die Lebensart der Familie malten. Alles Prunken und Protzen in der sogem guten Stube hilft nichts mehr, toenn der Besucher beim Eintritt eine Art Kasernenluft in die Rast bekommen hat. 'Darum kann man allen Leuten, die einen guten Eindruck machen wollen, nur beit dringenden Rat geben: Mißachtet nicht und miß- handelt nicht die Nasen eurer Mitmenschen, sondern sorgt für Reinlichkeit; für stetige und peinliche Reinlichkeit am Leibe und in den Stuben, damit ihr nickst in schlechten Geruch kommt.,
Nur die Reinlichkeit ist das wirksamste Mittel gegen Gestank. Es ist ein schlimmer und leider noch nicht ganz ausgerotteter Irrtum, daß man den Teufel durch Beelzebub, den vorhandenen schlechten Geruch durch einen künstlich erregten noch stärkeren Geruch „vertreiben" müsse. Nem, durch Räucherkerzen oder sonstige Parfüms wird die verunreinigte Luft in Krankenzimmern, Schlafstuben, Wohnräumen usw. „nicht beseitigt und auch nicht gereinigt; die häßlichen Stoffe bleiben in der Lust, welche die Insassen ein atmen, und durch die Verdampfung von,Riechstoffen wird nur noch eine weitere Verunreinigung in die Lust eingeführt, die Lufstöhre und die Lungen also mit weiteren Fremdstoffen beschwert. Die Fenster auf, frische Luft hereingelassen! Womöglich einen Durchzug geschaffen durch Oefsnung von Fenstern und Türen, die gegeneinander liegen. Ist oä» gründlich besorgt, dann hat man wieder ein woh^ riechendes Zimmer, d. h. es mutz darin na,0) gar nichts riechen. Sollte sich trotzdem wie-
man sich freuen über die beftimmte Mitteilung j von höchster Stelle, daß Zar und Kaiser oahin übereingefommen sind, die jüngste Zusammenkunft als eine „energische Bekräftigung de- Frie- den?' aufzufassen. „Alle Völker brauchen den Frieden". Tie feierliche Verkündigung dieser Wahrheit unter der Autorität der beiden Käfter hat unter den gegenwärtigen Verhältnissen eme realpoliftsche Bedeutung. Es, gibt zm Zeit Poft- tiker, die von der Notwendigkeit de» Friedens nicht' recht überzeugt zu sein scheinen, die wenigstens trtit der Kriegsgefahr spielen zu dürfen glauben. Man braucht nur auf England hinzu- toeifen, wo zur Zeit die Wortführer der beiden großen Parteien darin wetteifern, Den Chauvinismus der Massen auf die Siedehitze zu bringen, und zwar einen deutschfeindlichen Chauvinismus. Die innerpolitische Bemerkung de» Kaisers berührt natürlich die alles beherrschende! Tagesfrage der Finanzreform, aber sie begnügt sich mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß der Gemeinsinn sich über dem Parteisinn Bahn brechen werde. Der Anrufung des Gememiinns kann man 'ntuir den besten Erfolg wünschen. Liberale Blätter waren freilich gleich bet der Hand, um die kaiserlichen Worte zu ihren Parteizwecken auszubeuten und auszunutzen., ^ue liberale Presse hat ja längst sich angewohnt, jeden, Vertreter konservativer Grundsätze des einseitigen Parteisinnes oder gar der persönlichen Selbstsucht zu beschuldigen, dagegen die Vorkämpfer der Vörfeninteressmten und der liberalen Vor- herrfchast als wahre Patrioten zu feiern. Jetzt klammern sich die Liberalen an,die Wendung des M a r o r r o yat iiuj itu
Kaisers, er hoffe „immer noch , E daraus die . ■ < „ verschlechtert Die Franzosen stellen künstliche Schlußfolgerung zu ziehen, der Monarch Z ■ b 6e| ^nen r.id)t gut ungeschriebenen, L Ls ist ».„ttofrlnbliim *gm Wto»
eine unzulässige Deutelei, und gerade diejenigen I Leute, die im November so laut die Zuruckhal-1 tung des Monarchen gefordert haben, puteit letzt nicht versuchm, den Kaiser in die Parteistreitigkeiten hineinzuziehen. Wir können nut nu.hr Recht sagen, der Parteisinn hat die Erbinfall- , steuer zum kaudinischen Joch gemacht, also richtet I ich die Mahnung des Kaisers gegen dre Liberalen usw. Aber man unterlasse doch solche Wtgriffe und erforsche lieber ehrlich das eigene Gewissen.
Die preußischen Parlamente haben in ihrer kurzen Tagung schnelle Arbeit gemacht. ~ie I Verabschiedung des Berggesetzes und ver »Jenv pelsteuer im Herrenhause ist überraschend schnell vor sich gegangen, und man kann nicht einmal! sagen, daß das Ergebnis dieser Erörterungen ■ schlechter gewesen wäre als das, was das Abge- . ordneten Haus beschlossen hatte. Vor allem muß i man sich über die Beseitigung der Fahrradstc-uer freuen; denn abgesehen von der aus ihr erwachsenden Belastung' des Heinen Mannes hätte sie unzählige Aergereien mit sich gebracht.
Die Zusammenkunft des Kaisers mit dem Zaren in den finnischen Schären ist Pro-> grammäßig verlaufen. Als der Besuch vor für» zam an gekündigt wurde, hat er, wie erinnerlich, das größte Aufsehen erregt, zumal, wie es hieß, die Zusammenkunft vom Zaren direkt erbeten war. Als hinterher bekannt wurde, daß der Zar kurz daraus mit dem König von England und dem Präsidenten Fallieres zusammentreffen wird, legte sich die Erregung ein wenig, ja manche Stimmen gingen soweit zu erklären, es handele sich um einen ganz gewöhnlichen Fürstenbesuch. Das dürste nun allerdings ein wenig über das Ziel hinausgeschosson sein. Natürlich wird kein Mensch etwa erwarten, daß Kaiser und Zar in den nordischen Gewässern die europäische Landkarte umgestalten würden; aber auch wo das nicht bar Fall ist, können höchst bedeutende Poll- tische Dinge behandelt und erledigt werden. Dar-
______ Ä i Nttjilgen: Oie eht»
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Verlag der Zuldaer Ak-
E tiendruckerei in Zulda
monatsbellage: „Sulbaer Geschichtsblatter 8-rnsprecher Ur. 9.