36. Jahrgang
Fulda, Samstag den 26. Juni 1909.
M 143
Drittes Wtcrtt
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üotatlonrdrnckunb Verlag der Luldaer Aktiendruckerei in §«lda Zernsprecher Ur. 9.
Bernhard von der Eiche trat nach einem heißen Arbeitstage in seine Wohnung: er sah erhitzt und ntiiöe aus. Seine Kleider, die er auf dec Hütte trug, waren die eines Arbeiters, aus derben Stoffen angefertigt, man sah ihnen an, daß sie start in Gebrauch gewesen waren.
An den Füßen trug der erste Assistent Schuhe aus stark«» Leder, die an der Sohle mit Nägeln beschlagen Wauen. Es war dies notwendig, da ein feines Schuhwerk leicht vurchgvbrannt wäre; die glühmden Schlacken spritzten aus den Hochöfen und ost trugen die Kleider der Arbeiter Löcher davon. Meist arbeiteten die Leute bis zum Gürtel nackt, denn die Hitze war schier unerträg- lrch. _
Bernhard war verstimmt. Da war wieder einer der Arbeiter durch eigene Unvorsichtigkeit zu Schaden gekommen. Es war ein junger Bursche, der Ernährer seiner asten Mutter. Er hatte böse Brandwunden davongetragen,, man mußte ihn ins Krankenhaus der Hütte bringen. Biele Wochen würde es dauern, bts er wieder gesund würde. Solche Fälle kamen oft vor, aber jedesmal gingen sie dem Assistenten der H.'schen Hochöfen nahe, denn er hatte ein warmes Herz für seine Arbeiter und befaß ihre Liebe und ihr Bec- rraucn in nicht geringem Matze.
Nachdem Bernhard die Kleider gewechselt und sich vom Staub der Hütte gereinigt hatte, trat er in sein Schreibzimmer. Ein Brief lag auf dem Tisch: er trug am Kopf die Ueberschrift der Ge- ireraldirektion der Rötzlinger Hochöfen-Aktienge- sellschaft. Rößlingen lag im Luxemburgischen und hatte ein riesiges Hochofenwerk, aber es war eine verfahrene Geschichte. Die Erz- u. Kohlenverhältnisse lagen ungünstig, das Volk war unangenehm und aufsässig, kurz, Rößlingen wechselte fortwährend feine Angestellten. Bernhard war genau orientiert. Er wußte, daß eS eine Herkulesapbeit war, das Werk hochzubringen unö daß es bisher noch keinem geglückt war.
(Fortsetzung folgt.)
* Vor „drei Tagen Mittel" bewahrt. Ein Offizier der Jäger zu Pferde in Langensalza unternahm am vergangenen Sonntag mit einer Dame einen Ausflug mit Automobil nach Arnstadt. Auf der Rückfahrt holte er vor Gotha zwei NtuZ'ketiere vom Gothaer Regiment ein, die im Laufschritt ihrer Garnison zueillen. . Der Offizier, der in Zivil war, hisst fein Gefährt an und fragte die beiden nach dec Urfache des Dauerlaufs. „Wir haben den Zug versäumt und haben nur bis 12 Urlaub," war die Antwort. Deik Offizier sieht nach der Wjr. „Sie können unmöglich 'noch bis 12 Uhr Gotha erreichen, los, schnell herein, und die Mütze festgehalten!" Schnell wie der Blitz haben beide neben der Dame im Auto Platz genommen und wenige Minuten vor 12 Uhr hast dieses am Eingang der Kaserne.. Mit herzlichen Dankesworten verabschieden sich die beiden Daterlandsverteidiger von dem freundlichen Automobilbesitzer und erfahren vermutlich nun erst durch die Zeitung, daß es ein Offizier dec Nachbargarnison Langensalza war, der sie durch seine Gefälligkeit von „3 Tagen Mittel" wegen Ausbleibens über Urlaub bewahrt hatte.
Erscheint täglich mit rlurnahm« bet So.m- imd Feiertage viertel« jährlicher vezug^reir ohne Vringerlohn und Bestellgeld in Mda so« wie (m$to5rts 1.50 Alt. verantw. Redakteur:
Lar? Schütter
Das Beispiel zeigt einmal wieder, tote die „farblose" Presse die christliche WeltaN- schanung «bekämpft. Man wundeck sich vielfach über den Verfall der Religion in Frankreich und kann es nicht verstehen, wie die Masse des Volkes um öen Glauben gekommen ist. Eine Hauptursache! war die schlechte Presse. Däs hat der bekannte Kirchenversolger Combes selber zugegeben. Der katholische Glaube sei jahr- zchntelang „dem täglichen Ansturm der Frei- denkersi im populären Pfennigblatt und in der billigen Broschüre ausgesetzt gewesen. " Diese „gefährliche in die Massen eindringende Arbeit der Kritik fei wirksam gewesen", „zwei Drittel, vielleicht drei Viertel ihrer Gläubigen seien dadurch der katholischen Kirche entrissen worden". Ein 'furchtbares Wort, es ist aber leider wahr. Die traurigen französischen Zustände sind nur möglich gewesen, weil die 'Presse einen großen Teil des Volkes mit Gleichgültigkeit oder mit Haß gegen die katholische Kirche erfüllt und dem Volk den Glauben gemußt hat. Gott sei Dank, ist es bei uns nicht, wie in Frankreich, versäumt worden, der vÄigioNsfeindlichen Presse den Damm einer stark en katholischen Presse entgegenzusetzen. Pflicht eines jeden Katholiken ist es aber, auch dis katholische Presse zu unterstützen und die farblose und kirchenfeindliche Presse, diese papierenen Prediger einer natura- listtschen Weltanschauung und des Unglaubens, diese Pflegestätte der religiösen und politischen Gleichgiltigkeit, die besonders der katholischen Kirche gleichgiltig, wenn nicht feindselig, gegen- überstehen und nie einen Finger regen zur Verteidigung der katholischen Lehre und Wahrheit — diese gefährlichen Feinde der Familie mit allen erlaubten Mitteln zu bekämpfen.
Hinaus aus den Häusern mit der farblosen Presse!
Aus -em Nachbargebiete.
* Kassel, 25. Juni 1909. Die Fulda zwischen Schleuse Wolfanger und Spiekershausen war gestern bedeckt von zahllosen toten und st e r ß e n- den Fischen, die in den schilfigen Uferßuchten durch di« Strömung zu silberweißen Ketten zu- sammengeschoben wurden. In Fischerkreisen tst man der Ansicht, daß dies Sterben auf den Wtt- lerungsumschlag ilnd nicht auf Vergiftung durch Abwässer zurückzuführen ist.
* Aus dem Ohmtal, 25. Juni 1909. Die Preise für Heugras besserer Qualität sind iit diesem Jahre sehr hoch. Dieser Tage wurden für 13 Hektar Wiesen, die ein Marburger Oekonom in der Gemeinde Kirchhain besitzt, bei »er Verpachtung 4178 M erzielt. Ein Hektar brachte demnach über 300 Mark.
* Göttingen, 25. Juni 1909. Was bisher nicht allgemein bekannt war, daß eine Robert- B 1 um-Ei che in den hiesigen Hambergsanlagen stehr, wird von einem alten Göttinger in der „Göttinger Zeitung" mitgeteilt. Hiernach wurde die Eiche, die auf dem Plateau des Hainholzhofes steht, im Jahre 1849 zum Andenken an den im vorhergehenden Fahre zu Wien erschossenen Freiheitskämpfer Robert Blum gepflanzt, und zwar von dem damaligen Göttinger Rechtsanwalt Miguel, dem fpäteren Sranffurter Dberbürgermei- ster und preußischen Finanzminister.
C. Abschiedseffe«
der beiden Zentrnmsfraktionen.
Nach langer, arbeitsreicher Kampagne fanden sich die beiden Zentrumssraktionen aus dem Reichstag und dem preußischen Abgeordnetenhause am Donnerstag abend, als dem Vorabend des Schlusses der preußischen Landtagssession, im großen Saal des Berliner Zoologischen Gartens, einer alten Gewohnheit gemäß, zu einem gemeinschastlichcn Abend zusammen.
Die Mitglieder beider Fraktionen waren ziemlich vollzählig erschienen. Außerdem waren eine Reihe von Gästen anwesend. Den Vorsitz an der Ehrentafel, an die sich vier Längstaseln anschlossen, führte der Vorsitzende der Zentrumsfraktion des Reichstags, Frhr. v. H e r t l i n g. Nach dem zweiten Gang ergriff das Wort Excellenz Freiherr v. Hertling. Er gedachte in Worten der Wehmut des Hmscheidens des Grasen Hompesch und widmete sein Glas der Einheit der beiden Fraktionen des Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses. Den zweiten Toast brachte der Vorsitzende der Zentrumssraktion des Abgeordnetenhauses Justizrat Dr. Porsch aus. Er teilte mit, daß er den früheien Präsidenten des deutschen Reichstages Grafen Ballestrem, der bekanntlich erkrankt sei, in Wiesbaden besucht habe. Aber zu seiner großen Freude habe er den Grasen Ballestrem in' völliger geistiger Frische ange- troffen. Es habe ihn besonders gefreut, daß der Graf Ballestrem über die Verhandlungen des Reichstags bis in das kleinste Detail unterrichtet gewesen sei und sich über die Haltung des Zen- Irnms gefreut habe. Er habe ihm den Auftrag
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Las neue Quartal
stcht vor der Tür. Im politischen Leben gibt es Hauke feine Zeit zur Ausspannung mehr; und insbesondere in diesem Sommer, wo die politische Lage so außerordentlich gespannt ist, wo jeher Tag die folgenschwersten Mtscheibungen bringen kann, ist für jeden, der sich mit den öffentlichen Angelegenheiten befaßt, ine tägliche Zeitungslektüre eine dringende Notwendigkeit.
Als zuverlässiger Führer hat sich die
„Fuldaer Zeitung"
erwiesen. Seit mehr als dreiundeinhalb Jahr- zshnten hat sie es verstanden, starkmüttg die verfassungsmäßigen Rechte des Volkes zu vertreten und gleichzeitig die nach wie vor gefährdeten Interessen der Katholiken nachdrücklich wahrzu- «ehmen. — Dem lokalen und dem provinziellen Teil widmet sie daneben eine ganz ßefoncfcre .Aufmerksamkeit, und ebenso ist sie eifrig bestrebt, der Unterhaltung in der mannigfachsten Werse gerecht zu werden.
Leider hat in das Fuldaer Land auch die farblose Preise Eingang gefunden. Diese i „farblosem" Berlins und Frankfurter Blätter gleichen dem Wolf, der in Schafskleidern kommt. Unter dem Vorgehen, „neutral zu sein", „nur ob- tzekiiv zu berichten", „keinen Leser verletzen zu wollen", „ein Blatt für Alle zu sein, ohne Rücksicht auf Konfession", sind diese farblosen Blätter in Wirklichkeit Preßerzeugnisse, die verdeckt und für den harmlosen Leser oft nicht leicht erkennbar, auf religiösem Gebiet für den modernen Unglauben, auf politischem Gebiet für den Liberalismus Propaganda machen, der katholischen Kirche und ihren Einrichtungen verblümt Fußtritte geben, wo sie können, niemals ein Wort der Anerkennung und Verteidigung für die katholische Kirche haben, wenn sie auch ab und zu, um ben gutmütigen Lesern Sand in die Singen zu streuon, einen Bericht über eine katholische Feier, z. B. Einführung eines katholischen Pfarrers, 50jähriges Priesterjubiläum bringen. Das gilt auch von dem besonders in Fulda und in der Hanauer Gegend viel gelesenen „F rauf- für ter Generalanzeiger" mit seinen 135 000 Abonnenten. Er hat sich nicht nur zu einem zentrumsfeindlichen liberalen Block- blatt entwickelt, das bei jeder Gelegenheit das Zentrum bekämpft, sondern öffnet seine Spalten auch Artikeln, die die Geheimnisse des Glaubens, die jedem Christen heilig sind, bekämpsen und herabwürdigen. Der diesjährige Pfingstartikel des Blattes beweist dies wieder einmal recht deutlich. Der Verfasser macht sich luftig über das Geheimnis der hl. Dreifaltigkeit und über den chl. Geist, den er eine Art „Popanz" nennt, „der aus aller Not heraushelfen unb das Undankbare und Widerspruchsvolle als höhere göttliche Weisheit — dem Glauben annehmbar machen solle". Von einem „Pfangstwunder" will er nichts wissen, was die hl. Schrift berichte, ist alles nur eine schöne „bildliche und symbolische" Erzählung, er glaubt überhaupt nicht an die Herabkunft des hl. Geistes am Pfingstfest, dagegen faselt er von einem „Wesen des hl. Gottesgeistes, das auch in späteren Zeiten durch die Völker ging, wo einzelne ihrer Apostel, Propheten, Dichter, Künstler und sonst begnadete Männer mit neuen Zunge», den Willen Gottes verkündeten". „Der Geist sei kein unter der Verwaltung der Kirche stehendes Gnadengut für alle Zeiten, der Geist weht, wo er will". '
vermischtes.
* Das Urteil im Mordprozesi Remy ist Mittwoch in später Nachtstunde vom Versailler Kassationshose gefällt worden. Der wegen Erntordung des Bankiers Remy angeklagte ehemalige Tafeldecker Renavd wurde zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt, zu der gleichen Strafe, wie sie die Vorinstanz des Pariser Schwurgerichts verhängt hatte. Das Publikum ließ sich zu leidenschaftlichen Demonstrationen gegen das Urteil hinreißen.
* Die trüben Familienvcrhältnisse am belgischen Königshofe werden wieder enthüllt durch die Klage, die Prinzessin Luise von Koburg gegen ihren Vater, König Leopold, auf Zahlung einer höheren Apanage einreichen will. Die Prinzessin bezieht jetzt 50 000 Franks jährlich, sie beansprucht aber durch ihren Rechtsbeistand mindestens 500 000 Franks. Die Prinzessin hält sich zurzeit in Berlin auf, wo sie einen großen Aufwand entwickelt.
Herta."
Der Mann, der diese wenigen Zeilen las, faltete das Briefblatt, und es schimmert- faucht in seinen Augen, dann schrieb er:
„Ich wünsche Dir Glück auf dem selbstgewählten Weg. Solltest Du je enttäuscht und flügellahm werden, so erwarte ich Dich
Friedrich von Randen."
sagen? Sie toaren auf dem Standpunkt angelangt, wo jedes Wort mißdeutet wird. Wie einer fremden Dame küßte Randen Herras Hand. „Lebewohl," sagte er kurz.
„Ich danke Dir."
Es kam seltsam gepreßt von ihren Lippen.
„O, bitte sehr."
Das war alles, was er entgegnete. Ein gewisses Etwas Ivar in ihm wie gestorben. TaS, was er erwarte: hatte, war von einem grausamen Rauhreif geknickt, und es war doch die Frau, die er so heiß begehrt, so treu geliebt, die das über ihn brachte. Ihre weiße Hano hatte den Dolch gezückt ,ber allen seinen Hoffnungen auf Glück ein Ende bereitere. —
Sie zögerte eine Sekunde.
Es war, als ob sie ihm noch ein letztes gutes Wort sagen möchte, aber er drängte zum Einsteigen, die Zeit war verpaßt. Der gellende Pfiff traf das Ohr des einsamen Mannes. Da stöhnte er auf unb wandte sich seinem Heim zu, das niemals dasjenige Hertas gewesen war.
Vierzehn Tage später schrieb sie ihm.
„Ich bleibe in München. Ich kann nicht wieder in die engen Verhältnisse zurückkehren, in denen ich mich nie wohl fühlte. Ich muß mich nach meiner Eigenart ausleben; hier werde ich es. Ich brauche Dein Geild nicht, ich habe von meiner Tanne, bei der ich vor der Hochzeit lebt-, die Mittel zum Besuch der Akademie vorgestreckt erhalten. Ich hoffe, mein Können bewährt sich und bricht mir die Bahn. —
Lebe wohl und vergiß mich. Unsere Ehe war ein Mißgriff für beide Teile.
gegeben, die Mitglieder der beiden Fraktionen zu grüßen und er habe dabei die Hoffnung ausgesprochen, daß er die Herren bei Gelegenheit der Katholikenversammlung in Breslau, wohin er kommen werde, sehen werde. (Lebh. Beifall.) Die weiteren Ausführungen des Redners galten ebenfalls der Einheit der beiden Fraktionen des Reichstags und des preußischen Landtags. Im weiteren Verläufe des Abends teilt der Reichsund Landtagsabg. Kirsch mit, daß der Abg. Opfergelt, der bei der heutigen Abstimmung allein gefehlt habe, durch Krankheit am Erscheinen gehindert gewesen sei, er bittet und erhält die Ermächtigung, ein Telegramm an Herrn Dr. Opfergelt zu senden, worin die Versammlung ihrer Hoffnung auf baldige Genesung Ausdruck gibt. Ein weiteres Telegramm mit einem Festgruß der Versammlung wird an den Grafen Ballestrem nach Wiesbaden entsandt. ,
Nach Aufhebung der Tafel blieb die Gesellschaft bei einer Taffe Kaffee und bei einem Glase Bier noch längere Zeit in angeregter Unterhal- tung zusammen.
Bernhard von der Eiche.
Roman von Baronin Gabriele von Schlippenbach 15j (Nachdruck verboten.)
„Die Gnädige ist wieder einmal bei schlechter Laune", sagte sie in der Lemestube. „Sie hat mich angeschnauzt, und dabei tut sie den ließen langen Tag nichts. Eben jetzt gibt es viel in der Wirtschaft zu inn. Ta war dis verstorbene tfrau Mutter des Herrn anders. Die wußte üßerall Bescheid. „Na, ich sage bloß, mir tut unser guter Baron leid."
Um sich zu zerstreuen, fuhr Herta aus, ober lud Nachbarn ein. Als sie zuerst nach Randenhagen kam, freuten sich alle, baß eine junge Frau in das Schloß zog. Man kam ihr freundlich em- 'gegen, aber Herta verstand es schlecht, sich beließt !zu machen. Ihre Interessen gingen von denen Über anderen Damen weit auseinander, und sie chatte kein liebenswürdiges Anpassungsvermögen. >So blieb sie eine Fremde in dem Kreis-, in dem >jhr Gatte verkehrte, in dem er manche treue Freunde besaß. Natürlich gab Herta sich kerne Schuld an dem Mißverhältnis, man, nahm die Einladungen in Schloß Rand en Hagen ja an. Was .irgend der Reichtum bieten konnte, wurde,bei sol- !dßert Gelegenheiten nichl gespart. Ohne ein Wort zu sagen, gab ihr Gatte ihr in diesem Punkte nach, ; obgleich geräuschvolle Feste ihm eine Plage wa- i rdn; sie widerstrebten seinem schlichten Srn'n. i Viele von den weniger Begüterten füllten sich da- ! durch ßebrücft, ihre bescheidenen Lebensvgrhält- inisse erlaubten ihnen nicht, die Gastfteihett in ^demselben Maße zu erwidern. Nach und nach i blieben sie fort. Herta war gehäuft und äußerte iss ihrem Manne gegenüber. Er bat sie, in Zu- ■ fünft weniger prunkvoll zu betonten, da schall sie ihn kleinlich und geizig. So entfernten sie sich !immer mehr von einander, immer lockerer wurde ilbas Band, das sie verknüpfte. Kein gemeinsamer ^Gedanke, kein gegenseitiges Tragen und Stützen herrschte in dieser Ehe.
Randen war es endlich müde geworden, um die Liebe der Frau zu werben, der er sein warmes Herz entgegengebracht harte. Er hatte es ja auf alle Art versucht, den zündenden , Funken zu toe- cken, aber Herta verstand ihn nicht ober wollte ihn nicht verstechen. Unb hoch, wenn sie ihn mit seinen Arbeiiern unb Untergebenen sah, wenn sie sah, wie fürsorgend und freundlich er gegen sii war, wenn sie sein Lob aus ihrem Munde hörte, dackte sie: „Er muß ein guter Mensch sein, er steht geachtet und geliebt da. Warum verstehen wir uns nicht?"
Zuweilen versucht sie es, sich ihm airzupasjen, aber bald wurde es ihr langtoeilig und sie ging wieder ihre eigenen Wege. Lange schon harte sie ihn gebeten, sie für einige Wochen nach München reifen zu lassen, er hatte es immer verweigert. Jetzt war dort eine Kunst-Ausstellung unb Herta brannte darauf, sie sich anzusehen; Thea Schönhausen lud sie dringend ein.
„Randen," sagte seine Frau eines Tages, „Du mußt mir erlauben, in diesen Tagen nach München zu reifen. Ich weiß, Du könntest es schon, aber die Wirtschaft geht bei Dir natürlich vor, meine Wünsche sind nebensächlich."
Er blickte zu ihr hinüber, e-ttvas wie Zorn Mtzte in feinem Gesicht. Aber er blieb ruhig.
„Damit Du sichst, daß ich Dir keine Fessel anlege, so reise."
Sie sprang auf und wollte ihn umarmen; sanft aber sehr entschieden wahrte er sich da- gegen.
„Laß das", sagte er fall, „Du sollst Dir keinen Zwang an tun."
Er verließ sie und ritt auf das zweite Gut. Er kam an dem Tage nicht heim. Herta packte chre Sachen in fieberhafter Eile. Frei sein, wenig- stens auf einige Zett! — Fort aus diesem Hause, das ihr nie lieb geworden war! Es erschien ihr gar zu schön, um wahr ssin zu können.
Am -wetten Tage begleitete Staube seine Frau zur Bahn. Sie schwiegen auf dem ganzen Weg bis Mur Station. Was sollten sie sich auch
vurchfchmttrpreife für Hafer, Heu u. Stroh
Das Amtsblatt der königl. Regierung bringt folgende Nachweisung der für die Lieferungsverbände des Regierungsbezirks Kassel festgestellten Durchschnittspreiseder höchsten Tagespreise für Hafer, Heu und Stroh mit einem Aufschlag von fünf vom Hundert, welche für die Vergütung der im Monat M a i 1909 verabreichten Fourage maßgebend sind:
MaerW Zeitung
w-ch-nbİL°: „Illustrierte Zonntagrzeitung"' ~ „Zuldaer GeschichtrbMer"
Bezeichnung des Lieferungs- verbaudes.
Haupt- marktort.
pro Zentner
Hafer Jk\ 'S)
Heu
Jt>\ 'S)
Stroh
Stadtkreis Kassel
Kassel
10
73
3
53
2
52
Landkreis Kassel
dgl.
10
73
3
53
2
52
Kreis Eschwege
Eschwege
11
03
3
68
3
15
„ Witzenhausen
dgl.
M
03
3
88
3
15
Fritzlar
Fritzlar
10
24
4
20
2
63
„ Homberg
dgl.
10
24
4
20
2
63
„ Ziegenhain
dgl.
10
24
4
20
2
63
„ Fulda
Fulda
11
02
3
68
3
15
„ Hünfeld
dgl.
11
02
3
68
3
15
„ Gersfeld
dgl.
11
02
3
68
3
15
„ Schlüchtern
dgl.
11
02
3
68
3
15
Stadtkreis Hanau
Hanau
10
11
4
46
2
63
Landkreis Hanau
dgl.
10
11
4
46
2
63
Kreis Gelnhausen
dgl.
10
11
4
46
2
63
„ Hersfeld
Hersfeld
10
77
4
20
3
26
„ Hofgeismar
Hofgeismar
10
57
3
15
2
26
„ Wolfhagen
dgl.
10
57
3
15
2
26
„ Marburg
Marburg
10
45
4
62
3
89
„ Kirchhain
dgl.
10
45
4
62
3
89
„ Frankenberg
dgl.
10
45
4
62
3
89
„ Rotenburg
Rotenburg
10
32
4
07
2
94
„ Melsungen
dgl.
10
32
4
07
2
94
Grafs.Schaumb.
Rinteln
10
50
4
20
2
63
„ Schmalkalden
Schmalkald.
11
55
3
15>
3
63