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verantw- Redakteur r Sarl Schütter

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3 wachende!,ax«: „Illustrierte Sonntagszeitung"

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M 142.

Fulda, Freitag den 25. Juni 1909.

36. Jahrgang.

Zweites Wtcltt.

Die Wirkung der «eue» Handels­verträge.

Was für ein Geschrei machten doch damals die HandelÄkammerstr und industriellen Koeiss, als der Zolltarif beraten unb die neuen Handelsver­träge angenommen werden sollten. Es wurdj der Untergang jeglicher Industrie und Vernich­tung des deutschen Wohlstandes prophezeit. Die Reichstagsmechrheit hat sich aber durch das Ge­schrei der Interessenten nicht irre machen lassen, B-n fest und Aielbewuht den Zolltarif und die Handelsverträge zur Annahme ge-

Und tote haben «tun diese Prophezei­ungen sich erfüllt?

Das Reichsamt des Innern hat auf Grund der monatlichen statistischen Nachweise der Ein- uild Ausfuhr mengen im Zusanuneirhang mit *m vierteljährigen Nachweis des Wertes der Waren eine Zusammenstellung gemacht und diese jamt Schlußfolgerungen den industriellsn Kreisen zugehen lassen. Diesen war zwar das Resultat nicht angenehm, wohl aber besten Feststellung. Deshalb suchten sie es «richt an die Oeffentlichkeit gelangen zu lassen. Angesichts des neuen Stur­mes der Handels- und Börsenkreise gegen die Kotterungssteuer, wobei dieselben Klagen und Vorwürfe erhoben werden, lohnt es sich aber doch, die obengenannte Veröffentlichung anS Tageslicht zu ziehen.

Obwohl wir im Jahre 1908 auf dem ties­st e n Standpunkt des wirtschaftlichen Nieder­ganges angelangt waren, war doch unsere Waren- »usfuhc nur um 97,8 Millionen Mark ge­ringer als im vorhergehenden guten Wirtschrsts- fahre 1907; das ist ein Ausfall von noch nicht einmal 1% Prozent unsrer Gesamtausfuhr im Werte von 6753 Millionen.

Die Freihändler behaupten auch immer, das Ausland hätte, durch unseren Zolltarif gereizt. Nunmehr auch seine Zölle erhöht und so unserer Ausfuhr -inen Riegel vorgeschoben. — Gerade das Gegenteil ist der Fall. Allerdings ha- den auswärtige Staaten ihr^ Zollsätze erhöht, aber es geschah, weil sie gedrängt wurden von ihrer eigenen Industrie, die gegen die deutsch: Konkurrenz nicht mehr wehren konnte. Bei den Handelsvertrogsverhan-lungen gelang es nun aber, diese Zölle des Auslands entweder direkt, od:c auch auf dem Umwege der Meistbe^ünsti- gung mit dritten Staaten zum großen Tetl wie­der herabzudrücken. Freilich gelang dies nicht bei allen Waren und allen Ländern.

Aber selbst die Zollerhöhungen des Auslandes gegen uns haben uns n ich t g e s ch a- bet.

Beweis: Die chemische Industrie fürchtete, wegen der russische und österreichischen Zoller­höhung auf Te^rfarbenfabrikate gänzlich den rus­sischen und österreichischen Markt zu verlieren. Aber es ist trotz des erhöhten Zolles die Ausfuhr nach Oesterreich von 29807 Doppelzentner auf 38 048 D.-Ztr. gestiegen. Rußland gegenüber ist sir zwar etwas gefallen, aber verhälmismäßig weniger, als den Staaten gegenüber, die keine Zollerhöhung hatten eintreten lassen. So ist z. B. die Ausfuhr von Indigo nach China von 48 990 D.-Ztr. auf 45 400, nach Japan von 16000 auf 13000 gefallen.

Am schlechtesten ist im Wirtschaftsjahre 1908 unsere Textilindustrie gefahren. Ihr Ausfall gegen das Vorjahr beträgt 152 Mill. .Mk., — 10 Proz. dec Ausfuhr des Vorjahres. Aber auch da sind nicht die Zollechöhung-N schuld, denn gerade solche Waren, für die im Ausland der Zoll erhöht wurde, sind stärker ausgeführt worden, als andere. Zum Beispiel ist die Aus­

fuhr in Baumwollspitzen und Stickereien nach Oesterceich-Ungarn nicht unbeträchtlich gedie­gen, trotz der Zollerhöhungen, während die Aus­fuhr nach Großbritannien und Nordamerika, mit denen kein Handelsvertrag abgeschlossen ist, stark gefallen ist. Dieselbe Erscheinung zeigt sich auch bei Wollwa r en. Bei manchen Warengattun- gen ist der Exportrückgang gleichmäßig eingetre- tsn, sowohl bei Ländern, mlit denen wir Handels­verträge haben, wie bei denen, mit denen kein Verwog bestecht. Das ist aber ebenfalls ein Be­weis, daß nicht die Zollerhöhung des Auslandes und auch nicht die Handelsverträge eine Schädi­gung unserer Industrie verursacht haben, sondern daß der Rückgang in der allgemeinen wirtschaft­lichen Lage begründet ist.

Am meisten hatte unsere Eisenindustrie getobt wegen der Zollerhöhung für österreichische Werkzeuge und Kleineisenwaren, Messerschmiede- erzeugnisfe ufto. Trotz der schlechten Zeit ist die Ausfuhr der meisten Waren nicht zurückgegan­gen, für eine große Zahl von Waren, Ivie Aexie, Hacken, Bohrer, Bau- und Möbelbeschläge, Schlös­ser und Schlüssel, ist die Ausfuhr gestiegen.

Auch die Maschinenindustrie hatte Furcht vor dem neuen österreichischen Handelsver­trag wegen dessen enormer Zollerhöhung für Ma­schinen aller Art. Und was ist geschehen? Fast für die meisten Maschinen, besonders aber für Werkzeugmaschinen, ift die Ausfuhr ganz bedeu­tend gestiegen. Am auffälligsten ist die Stei­gerung der Maschinenausfuhr irach Rußland; sie hat sich verdoppelt und verdreifacht — trotz der enormen Zollerhöhungen im deutsch-russischen Handelsvertrag.

Auch die Le ü e r i nd u st r i e sieht ihre Be­fürchtungen wegen der Zoü^rhöHungen im öster­reichischen und schweizerischen Handelsvertrag nicht erfüllt. Auch hier ist eine Steigerung der Ausfuhr bemerkbar. Dasselbe gilt für die Kaut­schuk-, für die Buntpapier- und für die Ansichts­postkartenindustrie. Die hohen österreichischen und Schweiz Zölle auf Ziegel, Blendsteine und Tonwaren haben die Ausfuhr unserer Waren nicht verhindert, sondern sogar eine Steigerung des Exportes im Gefolge gehabt.

Ein recht interessantes Beispiel bietet auch unsere Spielwarenindustrie. Während die Ausfuhr von Spielwaren »ach all' den Län­dern, mit denen wir Handelsverträge haben, teils sogar gestiegen ist. zeigt sie nur einen Rückgang gegenüber den Länder», mit denen wir keine Handelsverträge haben.

Diese Beispiele zeigen ganz deutlich, daß un­sere neuen handelsvertraglichen Abmachungen, weit entfernt unsere Ausfuhr zu hemmen, ihr vielmehr gerade in Zeiten eines wirtschaftlichen StillstandeZ und Niederganges eine feste Stütze AU geben vermocht haben. Das kann auch nicht Wunder nehmen, denn gerade in der Sicherung, die durch Handelsverträge für unsere» Absatz auf Jahre hinaus geschaffen wird, liegt offenkundig thr hauptsächlicher Wert. Daß die deutschen Handelsverträge durchaus -im Stande find, diese ihre Hauptaufgabe zu erfüflen, das hst auch das Jahr 1908 voll erwiesen.

Soweit der wesentliche Inhalt des amtlichen Berichtes.

Hoffentlich lassen sich unsere Bundesregie­rungen durch den neuen Sturm lauf gegen die Belastung -er Börse zugunsten der Nüchswohl- fahrt ebensowenig schrecken, wie damals bei den Handelsverträgen.

Deutscher Reich.

* Haftung der Schulverbände für die Lehrer. Die Finanzkommission des $et,ren- Hauses har d"n Entwurf über die Haftung des Staates und aller Verbände für Amtspflichtver- letzung von Beamten bei Ausübung der öffent- lichen Gewalt mit einer Abänderung des § 5 an­

Kleines Feuilleton

—Der Struwwelpeter-Dichter. In diesen Ta­gen sind 100 Jahre verflossen, seit dar Dichter des bei Groß und Klein wohlbekannte Struwwel­peter geboren wurde. Dr. Heinrich Hoffmann — dies ist der wenig bekannte Name des Dichters und Zeichners — war Arzt in Frankfurt a. M., wo er am 13. Juni 1809 das Licht der Welt er­blickte. Er find am 20. September 1894. Sei­nen literarischen Ruhm verdankt Hoffmann, der noch eine große Anzahl Vers- und Kinderbücher herausgegeben hat, vor allem dem »Struwwel­peter". Die Entstchnng dieses toeltbkannten Buches hat Hoffmann selbst erzählt. Der »Struw. toelpeter" war anfangs nur für die Familie des Dichters bestimmt. Zu Weihnachten 1844 fand Hoffmann für feine Kinder kein ihm zusagendes Buch auf dem Weihnachtsrnarkt, dafür brachte er ein leeres Heft mit nach Hanse; et begann dann selbst Situationen und Szenen aus dem Kinder- leben zu zeichnen — nach dem Leben, wobei ihm sein ärztlicher Beruf sehr zu stattgn kam —, es wurde ihm oft schwer, die rechten Farben zu fin- den, die Motive zuzuspitzen, aber es gelang schließ­lich. Als das Buch auf dem Weihnachtstische lag, da wollten alle Freunde der Famjlie auch ein Exemplar haben. Man entschloß sich, das Buch drucken zu lassen; bald war eine Auflage von 1500 vergriffen. Nach 50 Iahten wurden von dem Verleger jährlich 50 000 Exemplare abgeseht.

— 28709 Konvertiten zählte man nach -en Catholic Times in dem verflossenen Jahr in den Vereinigten Staaten. Hierbei sind nur jene Ueber'tritte zum Katholizismus berücksichtigt worden, welche die Spendung der hl. Taufe er- jeischben. Die Zahl der nichtkatholischen Ehrt- ten, die sich in die katholische Kirche aufnehmen iegen, aber gültig getauft waren, war ebenfalls ehr groß.

— Ein Arzt als Schmuggler. Die aus Europa nach ihrer Heimat zurückkehrenden Amerikaner greifen beim Einlaufen der Dampfer in die ame­rikanischen Häfen zuweilen zu den raffiniertesten Mitteln, um der Zollbehörde ein Schnippchen zu schlagen. Ein mit einem transatlantischen Dam­pfer in Newyork angenommener amerikanischer Arzt führte unter anderen Gegenständen auch eine Medizinflasche bei sich. Beim Passieren der Zoll­schranke gab er an, daß sich in der Flasche Pillen vefändsn. Einem Zollbeamten schienen diese Pil- len für eine amerikanische Kehle doch etwas zu dick. Er öffnete daher die Flasche, nahm eine die- [er Pillen heraus, kratzte die Oberfläche ab, und siehe da — es waren wertvolle Perlen, die der Arzt, um sie nicht verzollen zu müssen, angestri- chen hatte. Der Arzt wurde zum mehrfachen Be- trage der Zollabgaben berurteilt, die er auf die ».Pillen" eigentlich zu bezahlen gehabt hätte, -p.

— Eine neue Mark Twain-Anekdote. NLen dem berühmten Novellisten saß kürzlich eine Junge hübsche Dame vom Lande, die mit besonde­rer Aufmerksamkeit seine Tischkarte studierte, auf der fein bürgerlicher Name stand: Samuel L. Clemens. — „Interessiert Sie mein Name so, Wein Fräulein?" fragte der Schriftsteller freund- kuh. „Ach ja", plauderte vertraulich die junge Dame, „ich hörte nämlich, Mark Twain sei hier, und hatte solche Angst, daß ich vielleicht neben wn zu sitzen käme, und mit ihm über seine alber- hen Novellen sprechen müßte, von denen ich, of­fen gestanden, noch nicht eine einzige gelesen Babe." „Nun", lächelte Mark Twain, „wir kön- g«n uns ja von etwas anderem unterhalten, z.

von der Gänsezucht Ihres Herrn Vaters." MUI „Der Guckkasten". Herauisg. Paul Kell'r)

genommen. Im § 5 wurde festgesetzt, daß die Schulverbände für die Lehrer und. Lehrerinnen die Haftpflicht zu übernehmen haben. Die Be­stimmung über die Uebernahme der Haftpflicht durch den Staat wurde infolge des Widerstandes der Regierung gestrichen.

— Die Unruhen auf Samoa. Der in der „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlichte Bericht des Gouverneurs von Samoa S o l f über die Vor­gänge in Samoa, die zu der Verbannung deS Häuptlings Lauati geführt haben, läßt erkennen, daß die s. Zt. verbreiteten Nachrichten von einem schwächlichen Verhalten gegenüber Lauati doch übertrieben gewesen sind. AuI der Darstellung des Gouverneurs Dr. Solf geht hervor, daß es Lauaft „mit feiner geradezu genialen redneri­schen Begabung und mit seiner von keinem ande­ren Häuptling erreichten Kunst, seine Lands­leute zu beherrschen" fast gelungen wäre, ganz Samoa zu offener Rebellion gegen die deu'rsthe Regierung aufzuwiegeln. Der Ausbruch von offenen Feindseligkeiten wurde nur durch die ge­schickte Taktik des Gouverneurs vereitelt, dessen Ueberredungskunst es gelungen war, einen Teil der Samoaner gegen Lauati umzustimmen. Der Kern der Bewegung Ivar folgender:

Früher wurde der sogenannte samoanische König (zurzeit ist es der alte Mataasa) von den Häuptlingen der politischen Vororte Lealumoega, Lustlufi (Tumua) und Safatnlaifai (Pule) gewählt Tumua und Pule waren die KömgSmacher und die eigentlichen Herrscher über die samoanischen Inseln. Seit Jahrzehnten waren Tumua und Pule die Ursache der nie aufhöreudeu Kriege und Feindseligkeiten unter den großen Häupl- lingsfamilien des Landes. Der Gouverneur hatte des­halb iw Jahre 1905 die Herrschaft von Tumua und Pule gestürzt und an ihrer Stelle eine europäischen DerwaltuugSgepflogenheite« angepaßte Regiernngsform eingerichtet. Es wurde seither wiedecholt versucht, die Herrschaft von Tumua und Pule wieder aufleben zu lassen. Auch die von Lanati, der selbst der oberste Bertreter von Pule war, inszeniert« Bewegung ver­folgte diesen Zweck.

Der Bericht Dr. Solfs schließt mir der Der- suherung, daß mit der ©ntrmuinj Lauatis aus Samoa ein bedeutsamer Schritt für die friedliche Weiterentwicklung de? Schuirgeb'.etes getan und die Sicherheit der Weißen Ansiedler gewährleistet fet Da noch dem Tode Maiafaas bei den Kö- n:gZwahlen jedoch neue Nnruhcn zu befürchten seien, so sei es dringend erforderlich, auch weiter­hin einen Kreuzer in den samoanischen Gemäs­sere zu stationieren.

* Geisa, 24. Juni 1909. Der Bücherrevisor Max Lusftg, 23 Jahre alt, aus Geisa und der 33jährige Kaufmann Fr. Albert Keimgort aus Reutlingen wurden 'im Monat März d. I. von der erstm Strafkammer in Mainz zu je 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Auf die Revision des Lu­stig, der sich seit November v. I. in Haft befhibet, hob das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache zur erneuten Verhandlung an die Strafkammer, welche am 18. d. 3?L darüber ber- hanbelre. Tas Gericht nahm bei Kenngott Urkun­denfälschung und ^Betrügereien an und beließ es bei der erkanntem Strafe von 2 Jahren. Sei Lustig wurde Hehlerei angenommen, das Gericht verurteilte ihn zu 1% Jahre« Gefängnis.

' Bad Salzschlirf, 23. Juni 1909. Nachdem die neulich erfolgte Wiederwahl des bisherigen hiesigen Bürgermeisters nicht beftätigt und die hiergegen erhobene Beschwerde von der Regie­rung zurückgewiasen worden ist, hat nunmehr die Gemeinde eine neue Wahl vorgenommen und den bisherigen Gemeindesekretär Pütz zum Bürger­meister gewählt.

* Göttirgeil, 24. Juni 1909. Der berüchuÄe Nechlslehrer und Vater des Bürgerlichen Gesetz­buches, Wirklicher Geheimer Rat Dr. Planck feierte heute feinen 8 5. Geburtstag. Desm noch recht rüstigen alten Herrn tourdan zahlreiche Ehrungen zuteil. Planck ist Mitbegründer der natioealltberalen Partei mit feinen verstorbenen Jugendfreunden Rudolf v. Bennigsen und Fi- nanymnifter v. Miquel.

* Hauu.Mündkli, 22. Juni 1909. Ein hie­siger Lehrer hatte einem Jungen in der Schule eine wohlverdiente Züchtigung verabfolgt. Darob mar der Vater erbost und schrieb an — die Frau des Lehrers, in-sm er sie ersuchte, ihrem Manne das Prügeln der Kinder in dec Schuld zu untersagen. Sollte dies Ersuche« kei­nen Erfolg haben, so würde er sich an eine höhere Behörde wenden.

* Heiligenstadt, 24. Juni 1909. Der Magistrat hat beschlossen, im Hospitalneubau eine öffentliche Warmwasser-Badeanstalt einzurichten. Es sind vorläufig vier Wanne« uitb vier Brausen für die öffentliche Benutzung in Aussicht genom­men. — Im benachbarten Heuthen stürzte die Ehefrau Diegmann infolge eines Fehltrittes vom Speicher auf die Tenne u»b erlitt einen Schädelbruch, dem sie nach stundenlangem Leiden erlag.

AuslaNd.

** Neber die Lage der ungarische« Krisis wird ans Budapest gemeldet, daß nunmehr nach einer erfolglosen Audienz Wrkerle's beim Kaiser Franz Josefch der Rücktritt des Kabinets Wekerle als vollzogene Tatsackch gelten kann, und daß Lukaes feine Verhandlungen mit Kossuth über eine etwaige weitere Bereiligung der Unab- häugigkeitzpartei an der Regierung eifrig fort­sehen und in kurzem zu Ende zu bringen bemüht sein wird. Bisher sei es dem Grafen Apponyi gelungen eine Verständigung zwischen Lukars und Kossuth zu hinterireiben. Für den Fall des Scheiterns dieser Kombination habe Lukaes den Auftrag, die Bildung eines Kabinets aus der alten liberalen Partei mit Ausschluß der 48er Partei zu versuchen. Sollte auch dieser Versuch scheitern, so würde der Graf Khuan-He-ttvary beauftragt werden, ein reines GesthäftZminMe- rium zu bilden. Man gibt sich der Hoffnung hin, daß bis zum 4. Juli, dem Termine der Abreise des Kaisers nach Ischl das neue Kabinet gebildet sein wirb.

’* 3« Rußland hat man jetzt endlich auch einige Beamte entbedt, die ausnahmsweise ehr­lich sind: Bei -er Revision der Intendantur durch den Senator Garin wurd festgestellt, -aß in der Jntendanturverwaltung von Moskau im Ver­laufe der letzten dreißig Jahre ganze vier In­tendanten nicht gestohlen unö unter- schlagen haben. Allerdings fügt der Bericht erklä­rend hinzu, -aß alle vier reiche Leute Waran, de­ren Väter für sie bereits genug zusammengestohlen hatten. Die bevorstehende Revision der Inten­dantur in Irkutsk hat den Rentmeister des 26. Schützenregiments zur Flucht veranlaßt, da er sich bei verschiedenen Lieferungen schwer kompro­mittiert hatte. Der Rentmeister erhob vor -er Flucht auf einem gefälschten Scheck eine halbe Million Mark.

vottrmrtschaftlicher und Sozialer.

)( Mit dem S«bmiffi»ns>«fen beschäftigte sich hier in Berlin tagende dritte Kongreß deuffcher Kunstgewerbetreibender. Er stellte mit Rücksicht auf die vielen Auswüchse des Subrnissionswesens die Forderung auf, daß zur Prüfung und Rich­tigstellung der Voranschläge Sachverstän­dige heranzuziehen seien. Offerten, die sich 10 Prozent unter den von den Sachrerstöndigm sestgeegtm und von Behörden gchelm zu hal;cn- den Voranschlägen bewegen, sind auszuschlie- feen. Als Sachverständige find der Reihe nach die tüchtigsten Meister heranzuziehen. Der Sach­verständige darf sich in den Fällen, in denen er den Voranschlag prüfte, nicht an der Ausschrei­bung beteiligen. — Das wäre allerdings ein gang­barer Weg, um endlich mit den schon jo häufig gerügten Mißständen aufzuräumen.

Aus dem Nachdargebiete.

* Hünfeld, 24. Juni 1909. Herr Präparan- deulehrcr Strecker bestand in Kassel die Mft- telschullehrerprüfung.

vermischter.

* Schiller's „Jnngfran boe Orleans" in eng- fischet Sprache wurde vor 20 000 Zuschauer« ist Cambridge unter Leitung der deutschen Ab­teilung der Harvard-Universität mit großem Er­folg aufgeführt.

' Dir Leiche im Sefftt! Unsere Leser er­innern sich noch -es sensationellen Falles der Er- morbung der Witwe Bogel in Wildungen, der vor etwa drei Jahren viel AufsehM erregte. Bon verschiedenen Blättern wird nun zur Zeil bie Nachricht verbreitet, daß -er frühere Mabel- Händler SHHjehn Meyer aus Bildungen, der augenblicklich im Zuchaus zu Wehlherden eine Strafe von 15 Jahren wegen schweren Mürbes an der als Leiche in einem Koffer Vorgefundenen Witwe Vogel verbüßt, das Wiederaufnahmever­fahren öurchgesetzr hat, nachdem gegen den Haupt- belaftungszeugen, den Stewart Wrdrttbe, -re Un­tersuchung wegen Meineids eiwgeleitet tvovden ist. Die Meldung ist der Hefl. Post" Msolge Tin- zutreffend. Das Verfahren gegen Wigreche ist be­reits wieder eii^estelli. Don einer Wiederauf­nahme des Verfahrens gegen Meyer kann also nicht die Rede fern.

* Aus Amerika, wo es zurzeit unmenschlich heiß sein soll, wird folgendes berichtet: In Den- der wettete ein Klaviervirtuose, daß er 6 Stunden hintereinander spielen könne. Er gewann seine Wette glänzend, sieht ab« ein« Anklage wogen fahrlässiger Tötung entgegen. Einer -er Schiedsrichter soll nämlich irrsinnig geworden und bald darauf gestorben fein. — Möglich kann der Fall immerhin fein, 6 Stunden Kftwierspbel, das häft kein Mansch aus l

Literarischer.

Das Automobil in F«ye und Antwort für Freunde «mb Gegner. HerauSgegeben vorn Kaiser l. Automobil-Klub. 8°. 525 S.

Dai Büchlein, dar kostenlor bezöge« werden kam» durch dar General-Sekretariat des Kaiser!. Automobil-Klubs, Berlin W. Leipziger Platz Nr. 16, will dir noch bestehenden Vvrurtelle gegen dar Automobil zerstreuen, Aufklärungen geben, über dessen Wesen, Leistungsfähigkeit unb Gebrauchsmög- l«Aeit durch Ratschläge und praktische Winke dre Augst des Publikums beseitigen; es ist bereits in 50,000 Exemplaren gedruckt und verdient tatsächlich von Automobilisten und von dem gehenden Publikum gelesen zu werden. Dr. S.

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ÖMANOLI |ciCARETTES UEBERALL