36. Jahrgang.
Fulda, Samstap den 19. Juni 1909
M 137.
Drittes Matt
Von
(*) Marti« Greif,
Zu den aussterbenden Krankheiten in
hört, sich noch steigern wird.
-D.
sind
»«jitgen: vie et» spalttgePetitreUeoder deren Hauet 15 psg. Reklamen diepetttzellt 25 Psg., bet Wiederholungen wird eutspr. Rabatt gewährt.
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Verant». Redattenrt Lark Schütte,
— Ein abnormes Auswanderungsjahr. Das Jahr 1908 nimmt in der Geschichte der deutscl-en Auswanderung in mehrfacher Beziehung eine Ausnahmestellung eiiü. Zum ersten durch! dir außergewöhnlich geringe Zahl der Auswanderer. Sie blieb mit 19 833 Himer den Zahlen aller an- deren Jahre zurück. Die Ziffern schwanken ja seit 1871 sehr stark, sie sind aber nie auch nur annähernd so niedrig gewesen wie 1908, 1901 vielleicht ausgenommen, da sie 22 073 betrug. Die höchste wurde 1881 erreicht, da 220 902 Deutsche ihrem Vaterlande den Rücken kehrten und bis auf etwa 4000 nach den Vereinigten Staaten gingen. Zum ersten Male seit Gründung des Reiches sind in diesem Jahre auch deutsche Auswanderer von hollä-ildischen Häfen, Amsterdam und Rotterdam, aus befördert worden, wahrend Antwerpen und Havre, die früher öfter benutzt wurden, außer Berracht blieben.
Dr. Otto Thraenhart, Freiburg i. Br.
(Nachdruck nicht gestattet.)
Wenn du an Pult und Tische Erschafft dich lahm und krumm. Zum Teufel ging die Frische Samt dem Ingenium;
Dein Hirn wie zähes Leder, Wie Schwarzblech hart dein Kopf: Zerstampfe dann die Feder, Reiß aus, du armer Tropf!
Raus aus dem Haus! Raus aus der ©tobt I Nix wie raus!
Am Himmelfahrtstag harte der Dichter in München beim Ueberschreiten der Geleise einen Unfall erlitten uns stch eine schmerzhafte Sehnen- zerrung im rechten Arm zugezogen. Erst dieser Tage hat er das Krankenhaus wieder verlassen und stch zum Kurgebrauch nach Bad Adelholzen fr-1 Traunstein in Oberbayern begeben.
neigt ist, diese Bedingungen zu erfüllen, fehlr es uns heute nicht nur an Diakonissinnen, sondern die Mutterhäuser sehen sich genötigt, tn dn Annahme derjenigen, die sich dem Berufe, der Drako- nissin widmen wollen, recht weitherzig zu fein.
Ganz anders liegt die Sache bei den katholischen Silvestern. Diese bleiben fest und unerschütterlich wie das eherne Gebäude^rhrrr Dog- men, unerschüretrlich wie die Säulen ihrer , unwandelbaren Kirche. Der Zeitgeist hat kein« Gewalt über sie gewonnen. Hinsichtlich der Disziplin, ganz besonders aber hinsichtlich der Selbstverleugnung übertreffen die katholischen Ordensschwestern die Diakonissinnen bei weitem. Die starke katholische Lehre hat sie schon früh auf ihren Beruf vorbereitet; später wird es ihnen dann leicht, ihre Persönlichkeit dem Dienste der Nächstenliebe zu opfern und der Welt zu entsagen, weil sie durch ein Gelübde gebunden sind."
---DasGe flm-heitswesen in Preußen.
Dem von der Medizinalabteilung des Kul- ministeriums soeben herausgegebene Bericht über das Gesundheitswesen des preußischen Staates im Jahre 1907 entnehmen wir, daß der allgemeine Gesundheitszustand im Staatsgebiete wärhend des Berichtsjahres rechr befriedi-
Allerlei.
— Die staatswirtschaftliche Vedentniig bet Missionen. Wie wir dem neuesten (Juni-)Hest der „Katholischen Missionen" (Herder, Freiburg) entnehmen, stellte dckc italieiyische Staatsmann und Nationalökonom Pellegrino Rossi dem so segensreichen Einflüsse der Missionen auch auf das wirtschaftliche Leiben der Völker folgendes Zeugnis aus: „Die Eroberungen des Christentums ,nüssen nicht blos den Anhängern der Religion, den Philantropen. beit Staatsmann, sondern auch den Oekonomisten tL.chrec der Staats- wissenschafi) interessieren, i darum wird, um nur ein Beispiel anzufühien, . :r Oekonomist an den Erfolgen der verschiedenen Missionsgesell- schaften gewiß freudigen Anteil nehmen müssen Die Ausdehnung, die Errungenschaften, die Fort- schritie der Missionsgesellschasten bilden eine Tatsache zugleich von religiöser, politischer und ökonomischer Bedeutung. In der Tat, indem sie das Christentum verkünden, Beit reihn sie zugleich Bildung und Zivilisation. Sie lehren die Macht und Bedeutung der Arbeit, erwecken neue Bediirf- nisse, und regen dadurch zur Prosuktion an. Sie zerstören die Schranken dec Barbarei, Schranken, welche völlige Verschiedenheit der religiösen Anschauungen, der Mangel an Zivilisation und gemeinsamen Bedürfnissen zwischen den Nationen aufgerichtet. Sie bemühen fick, die Völker einander näher zu bringen, nicht durch Beseitigung ihres nationalen Charakters, sondern indem sie durch das Gesetz einer gemeinsamen Brüde>-lich- feit, durch das Gesetz der christlichen Liebe und Brüderlichkeit miteinander verbinden. Sie dehnen die vorhandenen Märkte aus und schaffen bereit neue. . . . Auch Rom hatte dereinst durch seine Kriege die Welt erobwr; man sprach Lateinisch überall, die römischen Institutionen finden sich allenthalben mir jenem R>cht, welches nicht entwurzeln konnte. Aber, war man römisch dem Heizen nach? Als die Barbaren sich auf Ro« stürzten, fand es keine Verteidiger. Die Völker waren erobert, zivilisiert, oder besser gesagt, nach Roms Bild geformt; aber der Haß war nicht erloschen, dem die Eroberung in der Regel erzeugt. Die friedlichen Siege der Missionare dagegen sind Siege der Intelligenz, der Vernunft. Sie bringen Nutzen den Eroberten wie dem eroberten Volke. Sie sind vorteilhaft für die menschliche Moralität, für die Philanthropie, für die politische Oekmo
Des Wanderns Einfluß auf die Nerven.
zen Einfall bei einer Beobachtung, der plötzlichen leisen Gemütsstimmung. Hier weiß er in wenigen, glücklich gewählten Worten ein Bild hervorzuzaubern oder eine reizvolle Empfindung zu wecken. Leidenschaft ist ihm fremd, dem Liebes- gedickt steht er ganz fern, dagegen bringt er der Natur ein tiefes Verständnis entgegen. Seine Dichtungen sind von frischer Ursprünglichkeit und zeichnen sich durch Tiefe der Empfindung und Schönheit der Sprache aus. Von seinen Dramen Nero", die vatei^äitdischan „Prinzen Eugen", „Heinrich der Löwe", „Ludwig der Bayer" und „Agnes Bernauer" die bekanntesten.
Diese Verse aus dem Fremdenbuche der Dou- glashütte am Fuße der Szesa Plana sind der Wonneschrei eines der vielen „Mühseligen und Beladenen", die, erschlafft unter dem Drucke des nervenzermürbenden Daseinskampfes, beim Wandern Erholung gefunden haben in dem uner- schöpflichm Labeguell der Natur. Jeder empfm- bet bei längerem Wandern diese wohltuende Erleichterung, die Erfrischung von Geist und Gemüt Wandern ist keine Gymnastik zur Erzru- gung von Athletenmuskeln oder zur Erlangung turnerischer Gelenkigkeit; sein Hauptwerk besteht in der Stärkung der lebenswichtigsten Organe (Herz und Lungen) und in seiner Gesundungs- kraft für Nerven und Gehirn.
Immer mehr I tritt die Wissenschaft kennen, von wie verhängnisvollem Einfluß die Stosfwech- elprodukte, Kohlensäure, Ermüdungsstoffe auf die Leistungsfähigkeit des Nervensystems sind und bezeichnet sie deshalb als „Selbstgifte". Die;e schwemmt nun das durch die körperlich: Bewegung schneller pulsierende Blut rasch und vollkommen weg. In einem hurtig,fließenden Bächlein setzen sich nie Schlamm, Fäulnis- und Der- wesungsstosfe an, Wohl aber in einem träge flw-
ßettden Graben.
Im Blutstrom tmsers Körpers schwimmen ungefähr 25 Billionen Frachtschisfchen, die den Geweben sortwähreitd neue Nahrung zuführen: das sind die Blutkörperchen. Natürlich können sie ihre Nährf rächt besser an den Bestimmungsort befördern, wenn sie eine flotte Fahrt haben. Es tritt also ein schnellerer. Ersatz der geschwächten ober verbrauchten Nervsnsubstanz ein.
Die wertvollste Ladung jener Frachtschiffchen ist Sauerstoff. Er wird kingeladen in den Lungen. Befindet sich aber in diesem Depot kein genügender Vorrat, so hat das schlimme Folgen. Ferner: wenn wir ruhen ober sitzen, atmen die Lungen nur ganz oberflächlich, nehmen also nur wenig Sauerstoff auf: und befinden wir uns in „schlechter" sauerstoffarmer Luft (geschlossene Zimmer, überfüllte Räume), .bann können die Lungen beim besten Willen nicht genügend von diesem Lebenselixier bekommen, Nerven und Ge- Hirn leisen not, wir werden schwach, matt, hinfällig, es tritt schließlich Schwindel und Ohn- macht eilt. Wie anders beim Wandern draußen in freier Natur, wo jedes Blatt und jeder Grashalm eine kleine Sauerstofsfabrik darstellt! Befreit vom drückenden Alp der Zimmerlufr atmen die Lungen in vollen Zügen die lebenspendende Luft ein. In vollen Zügen; denn auf das Fünffache (etwa 40 Liter in der Minute) steigt die Luftausna^ne infolge des tieferen und rascheren Atemholens schon beim Wandern von 6 Kilo- Metern in der Stunde. Da können die Blutkörperchen sich immer von neu am im Lungenüepot voll befrachten und beit Nerven sowi? Gehirn ihren Krastspender zuführen. Das ist eine durch- greifenbe Stärkungskur für das gesamte Nervensystem, welche die Wiberstandsfähigkeit, Spannkraft und geistige Elastizität ganz bedeutend erhöht. „Soll geistiges Lyben wohl gedeihen, so muß der Leib ihm Kraft verleihen.
Alle Abgearbeiteten, Hypochonder, Ncrvdwrt sollen wandern über Berg und Tal, so oft und so lange wie möglich. Ihr selbstquälerisches Grn- belu, das beängstigende Gefühl verringerter Leistungsfähigkeit, die drückenden Gedanken an Beruf und häusliche Sorgen werden verdrängt von den stets wechselnden Eindrücken in der herrlichen Natur, vom Kampf und Spiel der Tiere, oom Blühen imd Welken der Pflanzenwelt. Eine harmonische fröhliche Gemütsverfassnng stellt sich ein Durch bie allmählich verlängerten Wanderungen hobt sich das Vertrauen auf bi? eigene Leistungsfähigkeit. Man kehrt frisch und gestärkt von der Waivderttng heim, erfreut sich, wie nie zuvor, eines lebhaften Appetits und erquickenden tiefen Schlafes.
Frisch auf drum, frisch auf im Hellen Sonnenstrahl, Wohl übet die Berge, wohl durch das tiefe Tal; Tie Quellen erklingen, die Bäume rauschen all, Mein Herz ist wie 'ne Lerche und stimmet ein mit Schall.
. Was die Wohnungshygiene anbelangt, m ersehen wir aus dem Bericht, daß unter dem ®’nftuft strenger Baupolizeiorbmingen und regel- •ttüftiger Beaufsichtigung durch bie Gesunoheits- kommissionen und Wohnungsinspektoren, besonders aber auch infolge des wachsenden Wohlstan- 'deZ manches besser geworden ist. In recht schlech- “,m Zustande befinden sich zum Teil noch die Wohnungen auf dem Lande, und besonders in Mtelbi-n herrschen stellenweise noch geradezu uu- waubliche Zustande, wnngleich auch hier, wie der .^richt jogt bie Gutsbesitzer durch die Leutenot „vereitr gezwungen werden, bessere Wohnungen min ?' Die Ausgestaltung der Nahrung?- !An^t^°ufsicht har durch Errichtung einer lRonf<<L-ueuec Üntersuchunqsanstalten weitere ifuna Aurtacht. Für die segensreiche Wir-
beschau ^ftalk-n, der obligatorischen Fleisch-
Halt polizeilichen Marktkontrolle ent-
tigcr Beisp^^ eine große Menge beweiskräf»
ten.
— Feldarbeit im Maschinenzeitalter. AuS Amerika wird der „Franks. Zrg." geschrieben: Auf vielen Aeckern im Nordwesten wird jetzt Tag und Nacht gearbeitet. Die Zeit, da der Säemann mit der sinkendon Sonne seine Tätigkeit einstellte, ist vorüber, die moderne Landwirtschaft wird sozusagen fabrikmäßig betrieben. Auf den endlosen Weizenfeldern sieht man allnächtlich Lichtpunkte sich langsam voranbewegen, es sind die Lichter der Dampfpflüge, man hört die Kommandos der Arbeitsleiter, man sieht die Mannschaften schichtweise vom Felde kommen. Im Staate Süd-Dakotah sind nicht weniger als tau- send solcher Dampfpflüge in beständigem Gebrauch. Aber nicht dem Farmer gehören sie, sondern Unternehmern, die Maschinen und Bedienung stellen. Sie Pflügen einen Acre (40 Ar) in zehn Minuten um
— Woher kommt das Meuschenhaar für Fri- seurzweckc? Aus Hongkong wurden 1908 300 207 Kilogramm Menschenhaar ausgeschifft, das in China gekauft worden und bestimmt waren, bie Köpfe der Damen in Europa und Amerika in Form von Locken und falschen Zöpfen zu schmücken. — Man sollte annehmm, daß der „Konsum" an Menichenhaar bei den modernem Topf Hilten, zu denen ein entsprechend „üppiges" Haar gc-
Wir lassen nachstehend noch eine interessante Stelle folgen, die wohl nicht viele in einem medizinischen Werke suchen werden. Prof. Fischer ist kein Bigott, aber trotzdem schreibt ar: „Mit gutem Recht hat Fliedner behauptet, daß die den Kranken zu gebende Pflege ohne Religion und Tugend nicht gut denkbar ist. Der Arzt kann Fliedners Prinzip unterfchreiebii: „Gut gebetet ist halb kuriert!" Reben dem Körper verlangt auch der Geist seine Pflege und dieser letztere Teil darf im Heilungsprozeß nicht vernachlässigt worden. Das wird leider von verschiedenen Ho- spitaldirektoren verkannt. Diese teilen den Menschen in zwei Teile, in den Körper und den Geist, um nur den Körper zu pflegen. Dann behaupten sie ,ein humanitäres Werk zu tun."
Die Protestanten beneiban uns um unferie barmherzigen Schwestern. Zum Beweise hierfür führen wir ans der evangelischen Kirchenzeitung eine Stelle an, bie etwa folgenden Wortlaut bat: „Wenn man bie Tätigkeit der religiösen Orden, ihre uneigennützige Hingabe und Hilfe am Krankenbett betrachtet, wenn man sieht, wie sie sich £ur größeren Ehre Gottes und ihrer Kirche dem Sa- mariterbienft opfern, so ist es nicht zweifelhaft, baft diese Kongregation ein leuchtendes Beispiel des Gehorsams, der Entsagung und Hingabe bilden, ein Beispiel, das auf die Laienkrankenpflegerinnen nicht ohne Einfluß sein kann. Die gegenwärtige Generation droht durch einen immer stärker werdenden Zug von Religionslosigkeit, Unbotmäßigkeit, Mißachtung der Autorität und Unzufriedenheit verheert zu Werden. In dieser wie ein sturmgepeitschter Ozean bewegten Welt, in diesem Kampfe der guten Mächte gegen die bösen, stehen die koch. Orden fest wie ein Felsen, auf dem bie katholische Tradition unerschüttert ruhen kann. Die ktthol. Orden bilden einen Teil jener bewunderswerten disziplinierten Armee- korps, die Rom die Superiorirät verleihen über die Protest. Uneinigkeit. Die kath. Orden leisten durch ihre theologische Tätigkeit der kathol. Kirche und durch ihre soziale Tätigkeit der Menschheit große Dienste. Unter diesem doppelten Gesichtspunkt bilden sie eine Macht, die man nicht unterschätzen soll. Die kathol. Kirche und bas kathol. Volk wissen, daß diese Orden mächtige Bollwerke sind, an denen auch die wütendsten Angriffe der (Gegner machtlos abprallen."
3PantÄ«Sb«. Wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagrzeitung"
der Münchener Dichter, feierte am Freitag, den 18. Juni, feinen siebzigsten Geburtstag. In München haben bereits festliche Veranstaltungen zu seinen Ehren stattgefunden, und seine Vaterstadt Speyer schickt sich an, ihren Sohn besonders zu ehren
Martin Greif, mit seinem wirklichen Namen Hermann Frey, ist am 18. Juni 1839 zu Speyer geboren und war früher längere Zeit bayerischer Offizier. Es ist ihm nicht leicht geworden, sich zu literarischem Ansehen in weitern Kreisen durchzuringen. Das. lag zum Teil an einer gewissen Schwerblürigkeit und Unbeholfenheit seines persönlichen Wesens und der damit verbundenen Abneigung, gesellschaftlich sich geltend zu machen, teils an befonbern Verhältnissen bes früheren literarischen Lebens in München. Vor allem strebte er auch nach dem dramatischen Lorbeer, allein für feine historischen Dramen, die hauptsächlich ihre Stoffe der bayerischen Geschichte entnahmen, fand er nicht mehr als Achtungserfolge an der Münchener Hofbühne; es fehlte ihnen eben, wie vielen andern derartigen dramatischen Werken, das eigentliche dramatische Temperament. Ganz anders steht es um seine Lyrik. Als Lyriker bedeutet Martin Greif eine Eigenart, die in ihrem Besten nicht mit Unrecht an Goethe gemessen worden ist. Besonders glücklich ist er in dem kleinen Sinngedicht, dem für-
Maer W Zeitung
~ mottafsMW: „8uldaer GeschichkbMn"
P. Protestantische Stimme» über katholische barmherzige Schwestern.
Ehrende Worte der Anerkennung werden der aufopfernden Tätigkeit b:r katholischen barmherzigen Schwestern in einem von Hofrat Dr. Fischer verfaßten, „Die Chirurgie im Kriegsfälle" betitelten Buche gewidmet. Das den katholischen Ordensschwestern gezollte Lob ist umsohöher an- zuschlagen, als es aus dem Munde eines Mannes stammt, der auf medizinischem Gebiete eine Autorität ist und außerdem nicht unserem Glauben angehört. In dem Werke heißt es u. a.:
Die Zeiten haben sich geändert und leider Gottes die Diakonissinnen auch. Krankenwärterin sollte gleichbedeutend sein mit: Gehorsam, Selbswerlevgnung, Verzicht auf alle Vorzüge und auf jedweden Eigenwillen. Weil man nicht ge
gen d zu neunen war.
Die Sterblichkeit stellte sich mit 17,90 auf 1000 Einwohner noch günstiger dar als in dem bisher besten Jahr 1906, wo sie 18,04 betrug. Namentlich die Säuglingssterblichkeit war im Vergleich zu den früheren. Jahren bedeutend verringert, wohl unter dem Einflüsse des ungewöhnlich kühlen Sommers und den gesteigerten Bsmühungeii nm Erweiterung der saug- lingshygieu Die Geburtenziffer ist m stetigem, wenn auch knigfament Rückgänge begriffen; sie ist mit 33,23 Lebendgeborenen auf 10 NJ ^Einwohner so niedrig wie nie zuvor. Immerhin betrug der natürliche Zuwachs der Bevölkerung ldonk der Abnahme der Sterblichkeit 578687. Die Sterbeziffer war in bett östlichen Provinzen, besonders in Schlesien, höher als in bett westlichen, sie schwankt, weint wir von dem Landes- lpolizeibezirk Berlin absehen, von 22,46 in Schlesien bis 15,17 in Hessen-Nassau, wo sie am niedrigsten war. Von (vfonbernt Interesse ist die Feststellung, baß die Sterblichkeit tn den Großstädten mit durchschnittlich 16,80 unter dem Staatsdurchschnitf (17,96) blieb, daß also bte weitverbreitete Ansicht, das Leben in großen Städten sei mit einer Beeinträchtigung der Ge- sunbheit verknüpft, sei„ungesünder" als bas tn Kleinstädten und auf dem Lande, in uttfernt b"t- alter einer hochentwickelten öffentliche!: Gesundheitspflege jedenfalls nicht mehr zutrifst.
Unter den nicht übertragbaren Krankheiten ckpielt bekanntlich feit einer Reihe von Jahren bie Blinddarmentzündung in der Sierblichkeitsswtistik eine große Rolle, besonders 'für die Jugend. Im Jahre 1907 erlagen ihr 2090 Personen gegen 1868 im Vorjahr, unter ihnen mehr als die Hälfte trotz ijorgenommenee Operation: im allgemeinen ist indessen erfreulicherweise in der Sterblichkeit der Behandelten wnb besonders der Operierten ein Rückgang zu herzeichnen. Auf die Verbreitung dw Infektion % fronfbetten ist die sich allmählich vollziehende Di' -chfülirung des neuen Laudesseucheugefetzes nicht ohne Einfluß geblieben; namentlich erwies sich die Anzeige--'licht, durch die die Feststellung der ersten Fälle gefährlicher, übertragbarer Krankheiten erleichtert wird, als wertvoll. Tie igröftte Zahl von Opfern forderte unter allen In- lfekfionskrankheiten Wieser die Tuberkulose, stämlich 65 054 Personen. Immerhin bedeutet diese Ziffer eine weitere Verminderung der To- desfälle, denn auf 10000 Lebende starben 17,16 gegen 17,26 im Jahre 1906. Wenn man bedenkt, ibaft noch das Jahr 1890 eine Sterblichkeit von 28,35 Personen auf 10000 Lebende aufweift, so dürfen wir mit Befriedigung auf den bisher im Kampf gegen die Schwindsucht erzielten Erfolg flicken. Zu den aussterbenden Krankheiten in Preußen gehört der Typhus, an dem nur 9,57 saus 10 000 starben gegen 2,64 im Jahre 1887, jferner das Wechselfieber und bie Ruhr. Von 142 Pockenerkrankungen verliefen 23 tödlich. Bemerkenswert ist, daß keiner an den Pocken starb, der l'ibcr ein Jahr alt und innerhalb der letzten 19 Jahre geimpft war. Im Anschluß an die fast zwei Millionen Impfungen, die im Berichtsjahr vorgenommen wurden, kamen 11 Todesfälle vor; 6 davon ftanben nach eingehenden Ermittelungen sicher in keiner Beziehung zur Impfung, i)ie 5 anderen waren weder schlechter Beschafsen- Kwt der Lymphe noch fehlerhafter Jmpftechnik Mir Last zu legen. Es handelt sich um gewöhnliche Wundentzündungen, wie sie sich bei jeder Kleinsten Verletzung gelegentlich einstellen. Sebr günstig war auch die Sterblichkeit bei der Di p h- rherie, die innerhalb des kurzen Zeitraums ;bon zehn Jahren um mehr als 100 Prozent gesunken ist ,ohne Zweifel infolge der tegetinäftige- wen und frühzeitigeren Anwendung des Heil- feriuns.
mte.
— Wenn es brennt! Zur Belehrung be-_- Publikums hat die Berliner Feuerwehr Leiffätze aufgefteKt, die — dort wie anderwärts — beim Ausbruch eines Brandes Beachtung verdienen. Diese Leitsätze sollen in den Eingängen der Berliner Häuser angsbrachl werden und auch einen Hinweis auf die nächste Feuermeldestelle enthalten. Man kann bei Bränden sehr häufig beobachtest, daß die fundamentzalsten Grundsätze nicht beachtet werden, ja, daß oft ihnen direkr entgegen gehandelt wird- Folgendes ist der Inhalt der amtlichen Anweisung: Feuer! Ruhe und Beson- nenheitl 1. Feuerwehr alarmieren 1 2. Türen nach den Treppen geschlossen halten! 3. Nicht auf den Treppen aufhalten! 4. Gefährdete Personen haben sich der Feuerwehr bemerkbar zu machen. 5. Niemals auf Zuruf des Publikums herabsprin- gen! Nur die Anordnungen der Feuerwehr befolgen! 6. In verqualmten Räumen sich kriechend ^bewegen; nasses Tuch vor Mund und Nase Hal-