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Ks«6frnt derS--m- undLeirrtage Viertel, abne vrwgerishn und «.»«Saeld in Fulda so- ^wSrtr^SSM.

Airantw. Redakteur:

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Zeitung

Monatsbeilage: „Fuldaer GeschichtrblStter"

snzctgen: Vie ei» fpaltigepetitzeileoder der«« Rau» 15 pfg. Reklam«nd,epetitzeil« 25 pfg^ bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

üotationrdruckund Verlag der Fuldaer Ak- tiendruSerei ht Fulde Fernsprecher Nr. y.

Fulda, Donnerstag den 17. Juni 1509.

36. Jahrgang.

Zweites Wtcrtt.

a Es gelingt nichts mehr.

Die Aufnahme, die die Ersatzsteuern in der Presse und bei den zunächst beteiligten Jnieres- sentengcuppe gefunden haben,ist für Bülow und seine Blockregierung geradezu' ni e d e r s chm et­ter n d. In den (gestern hier verspätet einge­gangen) Blättern wird ihm Wohl noch schroffer als in der ersten Ueberraschung über die neuen Steuervorlagen der Stuhl vor die Türe gesetzt, und die Leute, die sich im Zirkus Schu­mann so eifrig als wütende Anhäibger des Bü- lowschen Systems gebärdet haben, erklären sich nicht minder energisch gegen die geringe Be­lastung, die Bülow ihnen mit dieser Steuervor- lage zugedacht hat.

Es ist sonderbar, daß gerade die Elemente des neuen „Ha n s a b u n d e s" sich sehr unzufrieden gebärden. Ein Berliner Blatt bat bei Großin- teressenten Umfrage gehalten. Aus dem, tvas »n Antworten eingegangen ist, muß Bülow jetzt erfahren, daß von keiner Seite Begeisterung für feine Pläne vorhanden ist. G.vien die Scheck­steuer macht die Korporation der Kaufmannschaft von Berlin Front. Auch die Banken sind da­gegen. Eine mittlere Berliner Bankfirnia er­klärt entschieden: „Der Scheck muß frei bleiben" und verweist darauf, daß diese kleinen Anfängen — bekanntlich 10 Pfennig Fixstempel — weitere Erhöhungen folgen würden. Die Darmstädter Bank, die fttiher von Drrnburg geleitet wurde, erklärt, gegen die Schecksteuer müsse auf alle Fälle Front gemacht werden. Das ist nicht begeisternd, zumal es von guten Freunden herrührr.

Das offizielle Fraktionsblatt der Freisinnigen Volkspartei, die „Freisinnige Zeitung", gibt sich in einer Besprechung der neuen Vorlagen alle Mühe, der Fraktion keine Möglichkeit des Um­falles zu nehmen. Aber auch sie ist außerstande, ihrem Herrn und Meister zu Hilfe zu eilen. Tie Besteuerung der Feuerversicherungsprämie vaßt ihr nicht; und sie meint ganz richtig, nian stelle sich unter einer „Besitzsteuer" doch ganz etwas anderes vor. Die Erhöhung des Efsektenstempels empört sie ganz besonders, weil sie darin eine „aus dem konservativ-klerikalen" Programm adoptierte Steuer sieht, das Gleiche gilt von der Umsatzsteuer und dem Scheckstempel. Auch der Wechselstempel paßt ihr nicht und sie prophezeit dem Reichskanzler, er werde im Parlament einen schweren Stand haben. Biel deutlicher als die­ses offizielle Fraktionsblatt ist die unabhängige Freisinnspresse. Das „Berl. Tagebl." erklärt die Erbschaftssteuer für ein „höchst schwächliches Pro­dukt". nennt die Steuer auf Feuerversicherungs- Policen „verwerflich" nnd bekämpft entschieden die Effektensteuer, den Scheckstempel und den Wechselstempel

Bei der verhätschelren Blockliiikeu stößt Bülow also mit seinen Bersöhnungsversuchcu aus ent­schiedene Ablehnung- Nicht besser ergeht es ihm bei der Rechten, der er doch mit diesen Plänen enigegenzukonunen beabsichtigt hatte.

Unter solchen Umständen ist c? verständlich, ivenu jetzt wieder einmal Bülows Rücktritt in der Presse erörtert wird. Bon den verschie­densten Seilen verlautet, daß er sein Schicksal Von dem der Reformvorlage abhängig machen /volle. Der Korrespondent des Pariser „Petit Parisien" will zuverlässig erfahren haben, daß der Reichskanzler fest entschlossen ist, seine Ent­lassung zu nehmen, toemr der Reichsrag die von der Regierung vorgslegten Steuerprojekte »blehnt, und die Projekte der Finanzkommission a mummt. Ter Reichskanzler sei nicht g e -

. Der fleißige Mann.

Als der Handarbeirer Knabe eines Mittags nach Hause kam, empfing ihn ferne Frau mit hochrotem Kopfe und rief: „Das ist doch wirk­lich zu arg! Haban uns diese Nacht Spitzbuben

Kartoffeln herausgeholt! Ich war vorhin auf hem Felde.

Knabe warf einen eigentümlichen langen Blick tuf seine Frau und sagte: „So? Herausgeholt?

„Na ja, hörst Du denn nicht?" rief die bes­sere Hälfte erregt aus. „Und henngeschleppt Ha­len sie sie! Unsere schönen Kartoffeln, 's ist eine Sünde und Schande!"

Damit hob Frau Knabe den Zipfel ihrer Schürze an die Augen und weinte sich eins.

„Da soll nun doch gleich der und jener drein- Mlagen!" fuhr nun der Mann los. „Na wart, wenn ich die Kerle erwische! Ich mache nun aber nachts einmal 'naus und lauere sie ab; die wol­len wir schon kriegen!"

Nach diesen erheblichen Drohungen ließ sich der Hausvater sein Essen schmecken und pflegte dann der Ruhe, worauf er sich wieder an seine Arbeir begab.

; Seine Frau aber lief zum Feldhüter Knerzer und klagte dem ihre Not.

= „Nur Geduld, Knabe", tröstete dieser, „die Nacht Passe ich auf, die wollen wir schon erwi­schen!"

'' . Es hatte eben neun Uhr geschlagen, und nächt­liches Dunkel lag über den herbstlichen Fluren, zwei mit Hacken und Säcken versehene Gestal- wn auf das Feld hinauszogen.

„Weißt Du", flüsterte der sine der beiden = •aItneV^nem Kumpan zu, „da ist es mir heute mittag doch ganz anders geworden, wie mir mit tUKmai meine Alte sagte, uns wären die Kar- staffeln gemaust worden. Es war mir doch eine «Mlme Sache; na, ich habe geschimpft und mir V» darüber weggeholfen."

willt, auf irgend ein Kompromiß einzu- gehen.

Kann 'stimmen! Bülow wird solange bleiben, wie der Kaiser ihn in dieser Stellung duldet. Gerät aber, diese Akrion wieder daneben, dann dürfte des Kaisers Geduld dock endlich erschöpft sein.

Deutsches Reich.

m Ein Zwischenfall ist aus der Sitzung des Reichstags vom Dienstag nwhzntragen, der eine zsitlang stürmische Erregung im Hanse her- vorcief. In der Jnterpellationsdebatle über die mecklenfburgische Verfassung hatten sowohl der mecklenburgische Bundssrarsbevollmöchtigte wie auch die beiden Redner der Rechten, da es sich um eine prinzipielle Stellungnahme und somit um eine programmatische Erklärung handelte, ihre Ausführungen vom Blatt abgelesen. Ter Vizepräsident Paa sch e sah sich daraufhin ver­anlaßt, den Scherz zu machen — wenigstens sagte er später, er habe das mehr scherzhaft gemeint — er müsse bitten, daß nur von solchen Abgeord­neten Reden verlesen würden, die der deutschen Sprache nicht genügend mächtig seien. Auf dec Rechten erblickte man in diesem „Witz' eine beab­sichtigte Bosheit; die betroffenen konservativen Redner meldeten sich zur Geschäftsordnung und lebhafte Hallo- und Oho-Rnfe protestierten gegen die Worte Paasches. Die Linke dagegen rief Bei­fall und suchte die Rechte durch ZnstinimnngS- kundgebungen zu übertönen. „Maulhalten!" „Ruhig!" „Sehr richtig!" „G.ineinhett!" .Un­verschämt!" und allerlei sonstige Zurufe über­tönten aus den erregten Gruppen heraus den Lärm. Mit lebhafien Gestikulationen und ge­röteten Köpfen gaben die Abgeordneten der Rech­ten ihren Protest gegen Masche immer deutlicher kund. Paasche läutete mit Macht und bekam endlich Ruhe zur Wiederholung seiner ersten Er­klärung. Wettere Kritik verbat er sich kurz, o« seiner nervösen Erregtheit machte er gar noch die Dummheit, das Wort zur Geschäftsordnung zu verweigern. Andauernder Lärm im ganzen Saale; überall bildeten sich kleine Gruppen die den Zwischenfall eifrig diskutierten. Aber schließ­lich löste sich die Sache in Wohlgefallen auf. Herr Paasche erklärte, er habe die Sache gar nicht bös gemeint und er habe jedenfalls niemanden ver­letzen wollen.

— Der „kranke Manu" beugt vor. Eule n- b u r g fcheiut doch riesige Angst vor der neuen Schwurgerichtsverhandlung zu haben. Wie der „Freis. Ztg." mitgeteilt wird, hat er seit seiner Rückkehr aus Gastein sein Beir noch nicht wieder verlassen. Seine Freunde verbrei­ten eine Auslassung aus ärztlichen Kreisen, in de­nen gegen die Ansetzung eines frühen Termins für das neeuc Verfahren „Bedenke n' erhoben werden. Es wird behauptet. Eulenburg leide au Aterienverkalkung. Diese Krankheit führe aber in der warmen Jahreszeit eine starke körperliche Erschlaffung herbei. In der kalten Jahreszeit zeige sich dieses Leiden nicht so schlimm. Es werde dem Fürsten nicht möglich sein, in der heißen Julihitze, iin heißen Gerichrsiaale der Verhand­lung zu folgen. — Tie Kriminalpolizei macht sich Eulenburgs wegen andauernd sehr erhebliche Un­kosten; sie hat bekanntlich eine ganze Abteilung von Schutzleuten in die Umgegend von Lieben­berg zur Bewachung des Fürsten Eulenburgs ent­sandt. Eulenburg hat dagegen protest'-err, weil er nicht gerne „fremde Gesichter" sielst!!

)( Ans Kamerun laufen durch die ausländi fche Presse allerlei ungünstige NachrWten. So fallen die Angehörigen des Njrmstamms aus Südkongo in großen Scharen nach französisch

„Höre Gottlieb", murmelte der andere, „da brauchst Tu Dir keine Kopfschmerzen zu machen. Die Frau kannst Du ruhig bemucksen, s Geld bleibt ja in der Familie. Ob die es ausgibt, oder Tu, das ist doch eine Wichse."

„Ja freilich, sie ist so wie so zähe mit den Bieroroschen."

„Ta muß man sich eben helfen, wie es geht."

„Na, natürlich, es hat sich auch gelohnt mit den Kartoffeln, die wir gestern Nacht herausge- buddelt haben, und heute, na da wird wieder was bleiben."

Dabei waren die beiden Gestalten an Knabes Feld angelangt und begannen die Arbeit. Mit großem Eifer Hollen sie die Kartoffeln aus der Erde heraus, befreiten sie vom Kranr und war­fen sie auf Haufen, um sie nachher in Säcken auf­zunehmen.

„Hall, verdammte Spitzbubenbande!" tönte es da plötzlich durch die Nacht. Zugleich stürmte eine kräftige Mannesgestalt mit langen Schrit­ten auf sie zu.

Sehr hurtig sprangen die beiden Kartoffel­gräber davon, doch der Verfolger, an defsen Stim­me sie den Feldhüter Knerzer erkannt hatten, eilte ihnen nach. Den Hügel hinab gings aus die Chaussee zu.

Zwei Bauern kamen gerade des Weges.

„Halt aus!" brüllte der Feldhüter.

Der eine der Ausreißer, der vornweg lief, schlug einen Bogen um die Bauern, der zweite jedoch, der vorhin mit Gottlieb Angeredete, lief diefen gerade in die Arme.

„Haltet ihn nur fest!" rief der Feldhüter. „Ich stecke Nur meine Laterne an."

„Na, was soll denn?" sagte der Erwischte. „Sie sind'S, Knerzer? Wenn ich das gewußt härte! Ich bin's ja, der Knabe, ich will eben meine Kartoffeln raus machen — am Tage habe ich ja keine Zeit — der HennickeS Karl hilft mir dabcki, und da springen Sre dazu, und wir denken, es will uns einer überfallen."

Kongo ausgewandert sein, lieber die Gründe dieses Fortzuges werden nur Anoentun- gen gemacht. Sie gehen dahin, daß die Schlvar- zen sich das deutscherseits beliebte Regi­ment nicht gefallen lasten wollen. Amt- licherfeits wird betont, es lägen Nachrichten jüngeren Datums darüber nicht vor. Es dürste sich vielmehr lediglich um eine Wiederholung der bereits vor einigen Wochen amtlich richtig ge­stellten Meldungen handeln. „Sollen die Schwar­zen zur Arbeir herangezogeii iverdei, rücken sie eben ans, d. h. sie wechseln, genau wie aufgestör­tes Wild, eilends über die Urwaldgrenze auf französisches Gebier hinüber, kehren von dort aber ebenso schnell wieder auf oeutschcs Gebiet zurück, sobald die Franzen ein gleiches, ihnen so verhaßtes Arbeitsansinnen an sie stellen." — Gan; zu verstehen ist diese Entschuldigung der Regierung kaum, denn in unseren Kolonien sol­len doch die Schwarzen nicht gczwmigen werden körnen, bei den Ansiedlern Dienste zu nut.

* Wegen den „Simpirzisiimus" schreibt der „Schwab. Merkur":

„Der tn tagt ein scheußliches Titel­

bild: der Kaiser, dem man einen Maulkorb um­geb unb en bat; um ihn lauernd und grinsend eine An­zahl Reichstagsabgeordneter. Der .Simplizissimus' gilt manchen immer noch als ein Witzblatt, dessen Sa­tire sich gegen gesellschaftliche und politische Aus­wüchse kehre. In dem letzten Titelblatt wird auch die lritillosesie Begeisterung eingeschworener Freundschaft schwerlich einen satirischen Einfall zu entdecken ver­mögen. Das tft — wir wiederholen's — einfach scheußlich. Es ist würde'»?, das Oberhaupt der Nation, in dem wir un? selber ehren, mit derlei schalen Späßen zu besudeln. Und es ist daneben noch von einer kaum zu überbietenden politischen Kind­lichkeit. In einer unsagbaren schweren Stunde haben Kotier und Volk sich ausemandergesetzt und haben — nicht sörmlich, aber doch der Sache nach — einen neuen Bund geschlossen. Den hak — man kann das nur immer w eder dankbar anerkennen — der Kaiser bisher heul d) gehalten. Dann soll man aber auch auf der anderen Seile Treue zu üben ivstsen und die lang­sam verheilende Wunde nicht immer von nettem wieder ausreißen. Am wenignen eignen sich diese ernsten und behtaten T inne, die tobt leicht zum Schicksal der Deutschen bäncu werden hinnen, zum Gegenstand plumper u«d sader Scherze. Es gibt Fragen, an die der W h nickt rühren (atm, ohne zur Rohheit zu iverden. In die ist die Satire des Münchener Witz- blailcs fttilich schon längst versunken."

Jeder anständige Mensch wird diejen Werttm beipflichten. Eine gleiche Huber dnmtbeit leistet sich bvtfrfßc „Simpkizisfintns" gegen' den B i - s ch o f von R o 11 e u b u r g. Ueb»rschrift. Alles fnr's Zenrruin. Der Bischof ist mit Mitra und Stab in vollem Ornat, segnend inmitten einer zahlreichen Herde schwarzer Schweine ab­gebildet. im Vordergrund sind einige besonders fette, mit der Sutane bekleidete Exemplar? zu sehen. Uni'rm Strich heißt es: Durch sein Ein- treten für den Pfarrer Bauer hat der Bischof Keppler von Rottenburg gezeigt, daß er nicht nur über Schafe, wildern auch über Schweine ein gu­ter Hirte ist". — Das ist dne gern nne Beschimp­fung Tas Bild spielt auf den bedauerlichen Fall an, das; ein Pfarrer namens Bauer fich ver­fehlt haben soll. Wenn der Pfarrer sich verfehlt hat, kaiin denn dafür der Bischof? Sind die an- dereii Geistlichen schuld an diesen Versehlnngeu? Ihm lvas bai das Zentrum u.:t der Sache z-i tun? Der Pfarrer versicherte dem Bischof eidlich er sei unschuldig. Hierauf hat der Bischof in seiner Rede zu Schramberg gesagt, er wisse nicht, ob der Pfarrer schuldig sei wenn er ober verurteilt werd?, werde et ihn keines Annes für immer entsetzen. Heißt man das eintreten für einen Schuldigen? Jeder ballstv gs anständige Mensch wird das Gebaren ees Tnnplizissinutt- verurteilen und wir hoffen, daß seine Leistung nicht ungeahndet bleibt. Soweit ist es gekom-

„Ach Sie sind's, Knabe!" sagte nun der Feld­hüter, mit seiner Laterne dem Flüchtling in's Gesicht leuchtend. ,.9ia, den laßt nur los. dem gehört ja das Feld, dein können wir sreilich nichts tun. Na, dann nichts für ungut! Gute Nacht!"

Damit schlug sich i>?r wackere Feldhüter in einen Seitenweg.

Während die Bauetit noch über die komische Verwechselung lachten, rief Knabe seinen Freund Honnicke, der hinter einem Busche .telanfcht harte, zurück und beide holten nun ihre Kartoffeln herein.

„Danke fchün, Gottlieb, Wenn Du einmal wie- der was brauchst . . sagte Hennicke zu Knabe, als dieser die Kartoffeln an eine Händlerin ver- kauft hatte und ihin etwas in die Hand drückte.

Am nächsten Tage sand Frau Knabe aus ihrem Felde die neue Bescherung. Betrübt schlich sie durch Feld und Flur, bis sie -en Feldhüter endlich erblickte.

„Ihnen gehts gut, Frau Knabe!" rief der ihr schon entgegen.

„Ach, hören Sie nur", jammerte sie, „heute sind schon wieder Kartoffeln gemaust."

Der Feldhüter achtete dessen nicht, sondern rief wieder: „Ihnen kann s nicht fehlen. Sie haben Glück!"

„Aber hören Sie denn nicht?" kreischte die Frau erbost., „die Kartoffeln sind schon Widder gemaust."

„Sie sind eine glückliche Frau k" sagde der Feldhüter nun ganz nahe, und dabei zuckt- es ihm so eigen um den Mund und Augen. „Sie haben einen guten Mann! Der arbeitet nicht nur tüchtig am Tage, der ist auch nachts fleißig; denken Sie nut, wie ich gestern abend an Ihrem Felde vorbeikomnie, da ist er mit noch einem da- bit und macht die Kartoffeln heraus! Na, Sie haben wirklich einen fleißigen Mann!"

— Den Südpol beinahe erreicht hat bekannt­lich per enalische Leutnant Süackleton der

Ausland.

** Die nationalen Kämpfe in den tschechisch- deutschen Grenzgebieten Böhmens lassen sich nicht unterdrücken. Blutige Zusammenstöße fan­den in Altrohlau bei Karlsbad in einer Versarmn- lung zwischen Sozialdemokraten und Dcrntsch- Narionalen statt. Zahlreiche Personen wurden vorletzt. Die Abgeordneten Wolf, Lößl und Spieß wurden von Sozialdemokraten angespuckt. men im heurigen Deutschen Reich! Heute reißt man eine geistliche Obrigkeit in bet! Kot, morgen eine weltliche, heute den Papst, morgen den Kai­ser, und dann wundert man sich über den Fort­schritt der Sozialdemokratie, dec Anarchie, der Zügellosigkeit, des Ungehorsams usw. Nur so weiter! Die Früchte reifen heran!

* Die Deutschensurcht wird in E n g I a nd von der Regierung trotz aller ihrer eifrigen Be­teuerungen ihres „seelischen Gleichgewichts" wei­ter genährt. Im Standlager zu Aldershot wurde am Mo mag in aller Herrgottsfrühe eine Mobil- rnachnngsübung veranstaltet. Ein Funkensignal brachte den Truppen die Nachricht, es sei im Laufe der Nacht ein fremder Feind an Englands K ü st e gelandet nnd sei beschäftigt, Gepäck und Kriegsvorrat auszuschiffen, um den Vormarsch ins Land hinein anzurreren. Der kommandie­rende General und sein Stabschef waren um sechs Uhr in voller Tätigkeit, und Ofsiziere, Militär­beamte und Schreiber wurden znsammengetrom- meli und an ihren Dienststellen versammelt, um die im Kriegsfälle erforderlichen Vorräte auszu» geben. Es gatt, ertoa 18 000 Mann unverzüglich marschbereit zu machen. Sechs Stunden Zeit wur­den dazu gelvährt, rtnd um Mittag soll, wie ver­sichert toiro, alles ganz ober doch so ziemlich fertig gewesen sein, so daß mit der Einladung in 6e- rettstehende Züge Härte begonnen werden können. Soweit wurde indes die Uebung nicht fortgesetzt, sondern der fjmmanbierenbe General hielt nur Besichtigung, überzeugte sich, wie weit alles ge­diehen war, und dann konnte in Frieden und Ruhe dos Miiragsmahl eingenommen werben.

** Alle Jahre wieder flatt.ct die „Enste" durch den Blätterwald, baß Verhandlungen zwischen dem heiligen Stuhle und den beteiligten Regierungen schwebten wegen des Besuches ka­tholischer Fürsten am italienischen Kötrigshose. Bekanntlich widersetzt sich der Vatikan seit dem Raube des Kirchenstaates durch Italien den Be­suchen katholischer Fürsten am italienischen .K « nigshofe. Vor einiger Zett hieß es nun, Oeste • reich habe sich im vorigen Herbst? die Zustin - inuug Italiens zur Angliederung Bosniens un > der Herzegowina durch das Versprechen einest Besuches des Kaisers Franz Joseph beim Qui ' tinol „erkauft". Als die Tatfachen dieses Mär eßen Lügen straften, behauptete eine gewisse ita lionische Presto kürzlich, wenigstens hcfbo der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand sich beim Vatikan bemüht, um dessen Zustimmung zu einem Besnckie in Rom zu erlangen. Nun komm'! die neueste Meldung, nach welcher über die Frage des Besuches katholischer Staatsoberhäupter am römischen Königshofe zwischen dem Kaiser Wilhelm II. und Pins X. ein Briefwechsel stattgefunden haben foll, der mit einer abschlägi­gen Antwort des Papstes geendigt habe. Auch das ist reine Erfindung. Der deutsche Kaiser har niemals einen entspr hcnden Bries an den Papst gerichtet.

** Prinz Georg von Serbien spielt sich jetzt andauernd als Retter dos Vaterlandes auf. Er will einen Brief bekommen haben, worin gedroht wird, daß das Ende der Dynastie Karageorgie- witsch bald eintreten werde, wenn der König seine Beziehungen zu den Mördern seines tlorgängers foitsetzon werde. Dieser Brief soll unterzeichnet gewesen sein von Offizieren der Garnisonen Pi-

jetzt nach England zurückgekehrt ist. Natürlich ist er in seinem Vaterland der Held des Tages. Der kühne Forscher hat die bereits bekannte Schilde­rung seiner Reise durch einige lebhafte Schilde­rungen bereichert, die er Interviewen gemacht hat. Neckst interessant ist unter anderem, was er über das Aufpflanzen der britischen Flagge er- zählt. Tagelang Hatto der Lchneosturm^gedanort, der es nicht rötlich erscheinen ließ, die Schlafsäcke zu verlassen. Es herrschte eine Kälte von fast vierzig Grad unter dem Gefrierpunkt. Endlich, am 9. Januar, machten sich die Forscher wieder auf den Marsch nach Süden, aber gegen 10 Uhr begann der Sturm von neuem, undShackleion be­schloß, zurückzukchren. Man trieb zuvor noch einen Bainbusstamm in den hartgefrorenen Boden unö befestigte daran die Flagge, die die englische Kö­nigin dem Forscher zu dem Zwecke mitgogeben hatte. Es war unter dem 88. Grad 23 südlicher Breite, 111 englische Meilen vom Pole entfernt. Das Land tounoe formell im Namen des Königs von England für britisch erklärt. Von der Szene wurde eine Photographie ausgenommen. Ein Dokument, in dem man die Besitznahme festgestellt hatte, wurde in einem Zylinder hinterlassen. Noch einmal wandten die Forscher den Blick nach dem Pol und suchten den Horizont ab. Nirgends 3tn Berg in dieser Eiswüste. Tann machten sie sich auf die Heimreise. Hätten sie mir noch wenige Pfund Proviant mehr gehalst, so würde Shackle- ton trotz allem den Südpol erreicht haben. So aber hätte er auf erreichtem Ziele Hungers ster­ben müssen. 1

— Luftschiffahrt als „Klimawechsel" tft das Neueste . Anstatt in langen Reisen den Segen des Klimawechsels zu erproben, werden die Aerzte ihren Kranken täglich so und soviel Stunden Luftschiffahrt verordnen, und große Luftschiffe, von sachkundigen Medizinern begleitet, werden die Kranken in die verschiedenen Luftschichten, die ihrem Gesundheitszustand angemessen erscheinen, führen.