36. Jahrgang
Fulda, Dienstag den 15. Juni 1909
JW 133.
Iwertes Wlcrtl.
Deutsches Reich.
Kleines Feuilleton
zu Tage getreten.
Der katholische Vo'iksteil hat das lahczehnte- lana geduldig über sich ergehen lassen, jetzt wo er sich aufrafft, wo er in Liese, Nester der Engherzigkeit hineinleuchtet und eine geradezu unglaubliche Zurücksetzung der eingeborenen katholischen Bevölkerung vorführen kann, da glaubt die „Köln. Zig." mit spöttischen Redüvendungen, wie „Paritätsschnüffelei", darüber hinweggehen zu können. Der katholische Vollsten handelt hrec in berechtigter Notwehr. Er muh sich auf diese Weise geltend machen, schon um dem Vorwurf der wirtschaftlichen N ü ck st a n * Ligkeit wirksam zu begegnen, der ihm, so ■gerne von der liberalen Presse angehangen wird. Diese systematische Zurücksetzung auf dem Gebiete der Verwaltung ist eine der Hauptursacben für die nicht wegzuleugnende Rückständigkeit oer Katholiken im wirtschaftlichen Leben.
Vor Jahresfrist hat Dr. R o st eine in diesem Blatte mehrfach besprochene recht lehrreiche Broschüre über die Rückständigkeit der Katholiken geschrieben. Das Merkchen litt nur an dein einen Fehler, daß es etwas zu einseitig Len Hauprtell der Schuld den Katholiken selbst zuschob und zu wenig die tatsächlichen Verhältnisse berücksichtigte. Es ist zunächst eine feststehende Tatsache, daß in den großen Städten die höheren Lehran- stalten in besonders hohem Maße von den Söhnen der Beamten (Staats- und Gemeindebeamten) besucht werden. Schwerlich lvird sodann die Behauptung auf Widerspruch stoßen, daß die Erleichterungen, die für den Besuch dieser Lehranstalten in Form von Stipendien gewährt werden, prozentual am stärksten von oen Söhnen dieser Beamten in Anspruch genommen werden, schon deshalb, weil sie an der Quelle sitzen und die besten Verbindungen anfzuweiscn haben. Geleugnet kann auch nicht werden, daß bei den Neuanstellungen der Nachwuchs ans den 'Kreisen der. Beamten in der männlichen uns weiblichen Linie in erster Linie berücksichtigt zu werden pflegt. Ist es da, so fragen wir, bei der starren Aufrechterhaltung des imparidätisckeN Systems nicht selbstverständlich, daß die Katholiken im Besuche der höheren Schulen zurückbler- ben müssen? Tas Gesetz von Ursache itrtb Wirkung übt hier eben seine nieversagende Kraft aus.
In der Mitte der 1890er Jahre hatte der katholische Volksteil den Kampf um die Parität wieder einmal mit größerer Lebhaftigkeit ausgenommen, und speziell auf der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands 1896 in Dort-! mund hat der Abg. Karl Bachem angekündlgl, das Zentrum werde mit dec Energie, die man beim Kulturkampf btzi ihm kennen gelernt habe, eine gerechte Handhabung der Parität sich zu erzwingen wissen. Als dann aber gelegentlich einmal ein katholischer Ober- und Regierungspräsident oder auch ein katholischer Justiznrini- ster ist Mischehe mit protestantischer Kindererziehung lebend berufen ivar, da, hat man sich durch diese Parade-Aufstellung vielfach blenden lassen, zumal als der Freikonservative Frhr. v. Zedlitz im preußischen Abgeordnetenhause mit der ihm eigenen Verdrehungskunst die wenigen vorgünommenen Ernennungen von Katholiken dazu benutzte um von einer unerträglichen V o r-
sondern namentlich auch an Schwefelsäure gemacht worden sind, haben geradezu verblüffende Ziffern ergeben. Demgegenüber bcerbr es fast fraglich, ob die Blitze noch besonders viel zur Reinigung der Luft beitragen, zumal das erfrt- schende Gefühl nach einem „trockenen Gewitter auszubleibstn pflegt. Immerhin ist , es sicher, daß elektrische Entladungen die Befreiungen der Luft von Fremdkörpern herbeiführen können, gleichviel ob die damit verbundene Bildung von Ozon mehr als eine Ursache oder mehr als eine Folgeerscheinung aufzufassen ist. Die, wissenschaftlichen Beobachtungen über diese wichngen ! Fragen sind weit genug gediehen, um auch in die Praxis übergeführt werden zu können, und es ist daher ein vernünftiger Gedanke, einen Apparat zu konstruieren, der die Reinigung der Luft durch Elektrizität bezweckt. Einen solchen hat Sartory in einer Sitzung der Pariser Gesellschaft für Biologie vorgeführt. Er besteht aus einen, in drei Kammern eingeteilten der- nickelten Zylinder. Tie Luft wird in die untt- lere Kammer eingesogen, und gelangt, von dort in die untere Kammer, um dort sterilisiert zu werden. Sie wird in dieser auf etwa 160 Grad erwärmt, dann in die obere Kammer weiterge- leilet und von dieser wieder ins Freie abgegeben. Der Vorgang besteht also in einer starken Erhitzung und Filtrierung, wodurch die Befreiung von allen Verunreinigungen und Keimen er- Mat — alles durch Elektrizität l In zwei Stunden können hundert Kubik,neter auf diese Weise
den Folgen.
* Vom Eichsselde, 12. Juni 1909. In Werx- Hausen (Kreis Duderstadt) wurde am 20 Februar 1897 ein Kriegerverein gegründet, der am 7 März 1898 dem Preußischen Lanoeskriegerver- bände und dem Deutschen Kriegerbunde ange- schlossen wurde. Im Sommer 1906 reichte dec Vorstand des Kriegervereins bei dem Landrat tft Duderstadt ein Gesuch ein, in dem um Genehmigung zur Führung einer Fahne gebeten wurde. Bei einer persönlichen Unterredung, die der oa- malge Kriegervereinsvorsitzende im Januar 1907 mit dem Landrat hatte, erklärte dieser, der Kne- gerverein in Werxhausen habe ebensowenig tote der in Langenhagen, der ein gleiches Gesuch ein* gereicht hatte, irgendwelche Aussicht, die Genehmigung zur Führung einer Fahne zti erhalten, da seine Mitglieder, wie in früheren Fallen, so auch wieder bei der lehren Reichstagswahl dem Baron v. Olekchusen, also, einöm Weifest, ibre Stimme gegeben hätten. Denselben Bescheid hat auch der Kriegerverein in Langen- Hagen erhalten, und zwar vom Regierungspräsidenten in Hildesheim. Auf ein am 21. Ma, 1907 erneut eingereichtes Gesuch bei dem Vorsitzenden des Südhannoverschen Kriegerverbandes, Professor Dr. Esser in Göllingen,ist jetzt nach zwei ^ah- ren abermals Ablehnung erfolgt. Daraufhin haben die Kriegervereine in Werxhausen und Langenhagen ihren Austritt aus dem Preußischen Landeskriegerverbande und dem Deutschen Krie- gerbunde erklärt. __,
= Eine Wüste der Imparität
ist durch die jüngsten Mitteilungen aus reinischen und westfälischen Stadtverwaltungen bloßgelegt tvorden. Soweit die besoldeten, vor allen, die höher besoldeten Stellen in Betracht kommen ist da eine schreiende Zurücksetzung der Katholiken
nese der seinem Vaterlande als Postbeamter die. nen will, muß eine gefährliche Prüfung abl^en.
«rschelnt täglich mit W ft.
Ausnahme bet $o.m= xk Ä ÄA
und Zeiertage viertel- M Ä M I
jährlicher Bezugspreis K M M 1*1 ■ ft JF |
ohnevringerlohnund K ■ ■ ■ ■■ H
vestellgelbinzulbaso- ■ ■ I BV1| VA,
wie auswärts 1 s« M. . W ft* * ftr verautw. Redakteur:
«ar» Schütter
w-ch-nb°i,°s«: „illustrierte Somtagszecktng
(*) Fürst Eulenburg war noch am Samstag abend um 9 Uhr durch seinen Rechtsbetstand von dem Beschluß der Beschlußkammer des Landge- richts Berlin, die Kaution von 100 000 auf 500000 <M zu erhöhen, verständigt worden. Schon
- E 1 »nzrigen: Vie et»
▼ A spallige Petitzeile aber
/ deren Raum 15 pfg.
■ ■ ■ ■ Reklamen biepetitzeile
1/ ■ ■ II Hill 25 Pfg., bei wieder-
■ ■ W W W W M W Holungen Wirb
■ ^L, ■ M, Rabatt gewährt.
«otationrbrnlkund Verlag der Zulbaer Ak. _ . , , , , ,. ,, tienbruckerei in Zulba monatrbellage: „Sulbaer Geschichtsblatter sernsprecher m.9.
zu erwarten. Den Blättern zufolge setzte das Kammergericht den Beginn der außerordentlichen Schwurgerichtsperiode, worin gegen oen Fürsten Eulenburg verhandelt werden soll, aus den o. Juli fest.
* Eine hübsche Zusammenstellung sozialdemokratischer Prophezeiungen bringt die Zett
werk. ,
* Gießen, 14. Juni 1909. Der ehemalige
Rechtsanwalt Kla r enaa r, welcher bekanntlich wegen seiner Beteiligung cm dem Raubzug, den Hofrat Rothschild gegen die OberMockstadter Kasse unternommen hat, und wegen Unterschla- gungvonGeldern zum Nachte,! von Klienten von der Strafkammer Gießen zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt worden ist, hat seine Straf- Haft in Butzbach antreten muffen. Das Reichsgericht hatte die Revision gegen das Urteil verworfen und darauf betrieb Klarenaar da-, Wiederaufnahmeverfahren.
» Kassel, 14. Juni 1909, Der Neuba u d e s Kgl. H o f t he a t e r s ist soweit gediehen, daß er am 1. August d. I. vollendet sein wird. Das alte Haus schloß heute seine Pforten für immer. Ein Stück Geschichte ist damit abgeschlossen. Da-, alte Gebäude, das im Jahre 1822 ersten gänzlichen Umbau erfuhr, so wie es sich heute noch re- präsentiert, wurde nnt 28. Juli 1822, am Geburtstage des Kurfürsten Wichelm H. eröffnet I und zwar mit der erstmaligen Aufführung oe-, „Freischütz". Der monumentale Neubau, an dem 2U Jahre gearbeitet wurde und dec einest Kostenaufwand von 3300 000 jK erforderte, ist an der Stelle des ehemaligen Auetores, am Sudende des Friedrichsplatzes, nach den Entwürfen des Architekten Karst-Kassel errichtet. Die Eröffnung öben verftänoigr woroen. öu;uh des Musentempels erfolgt am .Freitag, en . »ie Summ, *m N»»m Si., R7; t -' ch w L
lers wurde eine in der Wolfhagerstcaße wohnende Frau. Vor einigen Tagen mietete sich bet ihr ein in den 30er Jahren stehender Mann ein, der beim Gaswerk beschäftigt zu fern astgab. Frühmorgens begab er sich, wie er sagte, aus die Arbeit, kehrte aber schon nach kurzer Zett zuruck und gab an, er müsse 60 M hinterlegen, da ihm Schlüssel anvertraut seien. An diesen GO M fehlten ihm aber 20 M und diese möge ihm die Wtr-
schubleistung der Katholiken zu reden, die , er noch auf politische. Erwägungen zucuckfuhA' . Wer vergleichend die in der Denkschrift uberdie „Parität in Preußen" aus dem ^ahre 1897 vor- geführten Zahlen mit den heutigen Zustanden , innerhalb der Staatsverwaltung prust, wer weiter die geradezu erschreckenden imparitattschen Verhältnisse innerhalb der Kommunalverwaltungen auf sich einwirken läßt, der toirö zugesteben müssen, daß das System der 3uruck- setzung unverändert auf r echt erhal- test worden ist. Die in diesem System hegenoe souveräne Mißachtung, Geringschätzung und Ver- kennung des Katholizismus, verbündest mit grenzenloser Selbstzufriedenheit _ und Ueber» schätzung des eigenen Wertes auf oer anderen Seite, ist einer der hauptsächlichsten Grunde, die dem friedlichen Zusammenleben der Konfession sich entgegenstellen. ..
Es heißt jetzt endlich gründlich zu greifen, denn so kann es nicht wettergehen. Zu- nächst ist das allerdings die Aufgabe der aka- demischen Stände; ihre Existenz kommt hier zunächst in Frage. Stüber. biben Liesse Kreise sich auch schon mal recht kräftig nach dieser Richtung hin gerührt. Anlaß hierzu bot tm Februar 1862 die Vorstandswahl des akademischen Lesevereins in Bonn, bei der der letzte Katholik herausgewahlt worden war. 300 Studierende aller Fakultäten unter Führung de>, späteren Justizrats Fuistmg tn Munster sorder- tcn damals in einer Eingabe an den Kurator Geheimrat Beseler, der imparttatischen Zusammensetzung des Lehrkörpers endlich cm Ende zu machen. 'Das Unerschrockene Vorgcheit vemn- lüßte Zttstimmungserklärungen der «tuoenten- schäft aus Münster, Tübingen, München, Breslau Berlin, Innsbruck und Freiburg.
Möge ihr mutvolles Beispiel die Kommilitonen in der Gegenwart und mehr stoch die „alten Herren" zu gleichent tapferen Vorgehen veranlassen. Es ist ein Kampf um die Gerechng- keit und die wirtschaftliche Existenz des katholischen Volksteils. Wer sich da von falschen Ruck sichten, gesellschaftlichen Verpflichtungen letten lassen wollte, der verkennt ist rücksichtsloser Weise die Pflichten, die er seinen Mitmenschen und seiner Nachkommenschaft gegenüber zu erfüllen hat. Da nun aber die Kommunal- Verwaltungen sich als w a h r e N e st e r de r o n toi e- ranz erwiesen haben, ist es zunächst geboten, daß die akademischen Kreise in den Orten,die da ist Betracht kommen, dem Io mm u na en Leben eine höhere Beachtung schenken, als es bis jetzt durchgehends der Fall gewesen ist.
i Hier heißt es Farbe bekennen und tapfer zu- I greifen. Geschieht das, dann Mrd es möglich I siin, auf die Dauer eine Besserung der Verhalt- nisse zu erzwingen. j.
Aus dem Nachbargebiele.
* Vom Vogelsberg, 14. Juni 1909. An gemei n großen Schaden habest die Schnee- und Eis- massen des verflossenen Winters tn des-Ztchten- beständen angerichtet, indem die Spitzen der Bäume zum größten Teile glatt abgel'rochen wurde. In den neu angepflanzten Bestanden treibt der Fichtenrüsselkäfer sein Zerstorung--
um 10 Uhr war i— —......- - ■ ■ , ,
na.'izleuten, welche die erste Kaution aufgebracht hatten, beschafft, und dein Oberstaatsanwalt au->- gehändigt worden. Fürst Eulenburg ist darauf Sonntag mittag stach Liebenberg abgerelst. Unter- dessen tattert die zuständigen Stellen auch Aerzte über den Zustand des Fürsten gehört. Nach deren Gutachten ist der Kranke augenblicklich noch nicht verhastdtungsfähig. Werl er sich aber auf dem Wege der Besserung bestndet, so ist seine Verhandlungsfähigkeit tn absehbarer Zett
tin leihen. Sie tat es und der Mann ward nicht meV tzistnach, 9. Juni 1909. Der MitteU deutsche Automob iUlub veranstaltet auch in diesem Jahre wieder eine Tourenfahrt und ein Bergrennen, welche vom 12. bis 15. August ftcitb findest sollen. Das Bergrennen soll diesmal nach der hohen Sonne führen. , , ,
* Wiesbaden, 14. Juni 1909. Hier ist die tm hundertsten Lebensjahr stehende Rent- 'nerswitwe Maria Geiter nach kurzem Kranksein gestorben. Sie war die zweitälteste Frau hiesiger Stadt. — Für die durch den Tod des Bürgermeisters Heß sreigewordene Stelle des Z w e t- ten Bürgermeisters sind von 81 Beiver- bern 8 zur engeren Wahl vorgeschlagen. ,
* Aus der Grafschaft Schaumburg, 14. Juni 1909. In Rodenberg trank das dreijährige Mäd- djen eines Kutschers in Abwesenheit der Eltern aus einer Flasche Petroleum und st a r b an
a“»-sä» SÄ ff K ÄÄ LM aU S-i-mitt-I m und «ch» d-s Regens mcht nur gar auszuschalten? Die Sonne als HaiidelSarti- kel — den versammelten Ingenieuren schien das nicht so seltsam vorzukommen. Aber dre xetzige Generation dürfte wohl den Prospekt einer „Aktiengesellschaft für Sonnenlieferung nicht mehr erleben. Oder doch? Wer will heute, in den Tagen der Flugmaschine, über dergleichen „Aben- teuerlichkeiten" zu lächeln wagen?
— Der Regen und btt Tiere. Löwen, Tiger, sowie die anderen Angehörigen des Katzelnge» । schlechtes fürchten den Regen. An einem Regen- tage laufen sie ruhelos in ihren Käfigen au und ab unaufhörlich brüllend und zitternd. Cr,t eine Ertraration heißer Milch beruhigt sie, denn nun können sie schlafen. Die Wölfe bagegen lieben einen trüben, regnerischen Tag, an diesen Tagen möchte man ihr Wesest fast freundlich nennen. So hinterlistig der Wolf sonst ist an oiesen Tagen braucht ihn kein Wärter zu furchten, er ist zu glücklich, um auch nur einer Fliege etwas zu leibe zu tun. Auch Schlangen lieben den Regen. So-1 bald das Barometer fällt, erholen sie sich ganz wunderbar. Die Affen macht der Regen traurig. Wenn sie durch die Fenster den Regen sehen, verschlingest sie die Hände über dem Kopf und sitzen so stundenlang. Diese Haltung schützt natürlich den Kopf, es ist ein primitiver Regenschirm, -p.
— Elektrische Luftreinigung. Die Ueberzeu- gung von der luftreinigenden Wirkung des Bli- tzes ist gewissernmßen in den allgemeinen Sprach-
»neu «u«, au,
nicht zu übersehen, daß sich die zweifellose Er- behandest werden Postbeamter wissen
MWMHM SMM M-M d-r a!3 sSeitaBrinun» Mt M» AST ÄS.“'Äeomterti«.
> auftretende heftige Regen, der ungeheure Men- ; | aen von Staub. Ruß und andern Derunretni-
— Die Sonne als Handelsartikel. Aus London wird der Frankfurter Zeitung geschrieben: Noch sind die Aktien der „Gesellschaft für Lieferung von Sonnenschein" sticht an der Börse handelbar, denn noch ist die Gesellschaft nicht wirklich gegründet, aber als Scherz will man es hier durchaus sticht betrachtet wissen, daß es möglich sei, die Sonnenhitze zu anzusammeln, beliebig weiter zu leiten und in Pferdekräfte umzusetzen. Bei der 50. Jahresversammlung der britischen Bergwerks- Ingenieure, die soeben in London stattfand, stellte man wiederum, wie schon so oft, Kalkulationen darüber an, wie lange wohl der Kohlenbestand der Welt stoch ausreichen werde. Zwar werden immer neue Kohlenselder entdeckt; Amerika z. B., das bis vor verhältnismäßig kurzer Zeit in der Kohlenproduktion eine untergeordnete Rolle spielte, liefert heute 40 Prozent des Koblentzer-1 brauchs der Welt, und auch Deutschland und England finden neue Kohlenlager in der Erde. Aber auf der anderen Seite wird der Bedarf der Welt an Kohle von Jahr zu Jahr größer, trotz der Fortschritte, die Chemie und Technik auf dem Gebiete der Kohlenersparnis herbeigeführt haben. Wie lange unter diesen Umständen die Kohlenschätze der Erde Vorhalten werden, wollten die | versammelten Ingenieure nicht festzustellen wagest. 300 Jahre, scheint es, geben sie uns noch Zeit; dann mögen wir in unserer Bedrängnis die in Europa gebrauchte Kohle aus China holen; oder — besser noch — wir gebrauchen gar keine Kohle mehr. Wir beziehen die Hitzs von der Sonne. In Amerika, im Staate Philadelphia, so erklärte einer der Anwesenden, habe man bereits ein Verfahren int Betriebe, das zweifellos bartue, daß es möglich fei, 500 bis 1000 Pferde- fräfte per Acker Landes aus der Sonne heraus- zuziehen. Warum also, so fragte man sich, sollte man nickt eines Taaes imstande sein, den Son-
vermischtes.
* Durch riesige Waldbrände wurden in K a- nab a 24 000 Morgen Wald vernichtet.
* Bom Amtsstil erzählt der .Vorwärts' eine amüsante Geschichte. In Darmstadt tft wegen einiger Tollwutfälle die Hundesperre verfügt worden. In der Ministerialversugung, die sich mit dieser Sache befaßt, ist folgende liebliche Wendung zu lesen: „Die beteiligten Kreisämter, Kretsvetennär- ämter und Ortspolizeibehörden haben sich gegen- seiti« bei vorkommenden Tollmutsansallen so schnell wie möglich, wenn nötig telegraphtsch oder telephonisch, zu benachrichtigen.« - Kommen denn bei den betreffenden Aemtern Tollwutansalle öfter vor * Bei den Polizeibehörden können sie für den unbeteiligten Staatsbürger allerdings unangenehm werden.
** Plündernde Parlamentarier gibt es in Kalifornien. Der Kustos des kalifornischen StadtkapttolS, wo die gesetzgebende Körperschaft Kaltformens tagh hat umfassende Maßregeln dagegen getroffen, daß die Männer, di« in diesen Räumen Gesetze geben, alles aus ihnen fortnehmen, was nicht ntet- und nagelfest ist. Anläßlich der jüngsten Vertagung dieser Körperschaft stellte der Kustos hundert Polt-
christ ,Der Hammer":
Sväteffens in Hehn Jahren kommt der große Kladdnadatsch«, L/Auaust B-del 1875 - da stand die bürgerliche Welt noch 30 Jahre und wollte noch immer nicht unteraehen. „Mit unfehlbarer Sicherheit eilen wir von Sieg zu Sieg", sagte Singer vor den letzten Wahlen - da verlor dte Soztawemokratte die Hälfte ihrer Sitze. „Wenn dte neuen Wucherzölle em- geführt werden", sagte Ledebour, „so wird niemand mehr das teure Brot bezahlen können", da wurden die Zölle eingesührt und das Brot wurde so btllig, wie es nie gewesen war. „Wählt keinen von den Ordnungsparteien", sagten dte Sozialdemokraten 1 ,
„sonst kommt das Pfund Fleisch bald auf 3 Mark zu leben." — Aber das Volk wählte doch Burgerltche. da sanken die Schwetnepretse von 75 ^f 45 Mark. ..Das deutsche Volk verkümmert an Unterernährung , sagten dte sozialdemokratischen Volksbeglucker da stieg der Fleischverbrauch m Deutschland von 25 aus 52 Kilo auf Kopf und Jahr und war fast doppelt so hoch wie in Schweden, Belgien und Dänemark.
ehe ihm Briefe und Geld zur Beförderung an- vertraut werden. Nicht seine wtssenschafrltchen Kenntnisse werden einem Examen unterworfen, sondern et muß seinen Mut, lerne Energie und seine Ausdauer im Lausest dadurch bewetien .dall er große Prüfungsmärsche über steile Gebirge, durch wilde Schluchten und gefahrvolle Walder in denen noch Raubtiere und Wegelagerer hau- sen, ausführt. Hat er diese allein und tn einer bestimmten Zeit zurückgelegt, dann muß er oe3 Nachts die gefährlichsten und verrufensten Orte der chinesischen Großstädte aufsuchen um zu her- gen, daß er auch die in diesen Winkeln auf ihn lauernden Verbrecher nicht furchtet. Erst wenn er auch diese Prüfung glücklich und ohne Gefahr bestanden hat, wird er als P»Beamter ange nomnien und darf seinen gefährlichen Dienst^ver W- Ter Tiger tn Indien. In Indien sind in den Iahtest 190t' .ns 1904 nicht weniger als 40G Personen von Tigern zettissen und auf^-^es ci- worden. Hauptsächlich in Zeiten groger Ttockert beit, wenn der Tiger von Hunger und Durst ge plagt wird, ist er am schlimmsten. An solchen Ta gen legen die Bestien nicht selten 80 bis 100 Kilo meter zurück, indem sie nächtlicherweile voiDor au Dorf ziehen. Wehe dem spaten Passanten, bei
fünf Saiten 6«6en »„.DM ' "i,
Niger als 109 000 Stiere zerrissen. Nickst a l« Tiger fressen Menschenfleisch.. Hat aber etm.3 bie (er Tiere, vom Hunger getrieben, eiiimal Men schenfleisch gerochen, so sturzr es sich 9tettg ba auf osm südlichen Indien ist ein Tiger ganz besonder, aesiirchtet La derselbe bis jetzt über 200 Personet zettissen hat. Ein anderer, der am be< Himalaya sein Wesen treibt soll bereits ick« 300 Menschenleben auf dem Gewissen haben. D Tier hat eine derartige Korperkrash oaß es oyn Schtvietigkeit mit einem Pferd, rmem 1»ng^ Stier oder einem Esel in der Schnauze ube drei Meter hohen Zaun springt. P*