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MaerW Zeitung

36. Jahrganq.

Fulda, Samstaa den 12. Juni 1909

131.

Iwertes W^crtt

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Verantw. «edakteurr Lark Schütte;

durch die weite Ausdehnung der Prozession. Jeder fühlt sein Herz höher schlagen, wenn er als treu­gesinnter Kamerad mitmarschiert in der großen, wohlgeordneten Heerschaar des Königs dec Kö­nige, über der die Friedensfahne d. Kreuzes weht. Wenn die Prozession hinausgeht in den unendlr- chen Dom, dessen Gewölbe der blaue Himmel und dessen ewige Lampe die Sonne selbst bildet, — dann fühlt man so recht deutlich die Gegenwart des allgütigen Schöpfers und Erhalters lowie unsere Abhängigkeit von dem unendlichen, all­mächtigen Vater.

Dort, wo dem Festzug die Straßen und Fluren verschlossen sind, hält man mit Recht noch» an den zulässigen Resten der erbaulichen Prozession fest. Der Umzug findet innerhalb der Kirche statt, und wo sich etwas Garten- oder Hofraum auf dem Kirchengrundstück verwerten läßt, sucht man auch einen kleinen Weg unter blauem Himmel einzu- flechten. Die Hauptsache wird auch bei einem Umzug in der Kirche gerettet, nämlichste gemein- same körperliche Fortbewegung als Symbol der Nachfolge Christi.

Die Gegner, welche die katholischen Prozessio- neu befeinden, wissen selbst die Schönheit und Er- baulichkeit von festlichen Aufzügen sehr Wohl zu schätzen und machen bei allen möglichen weltli­chen'Veranlassungen, auch bei ihren konfessionel­len Gedenkfesten von dieser Form Gebrauch. Wir haben nichts dagegen, aber wir möchten für uns auch die Freiheit haben, religiöse Festzüge zu ver­anstalten.

Die Prozession ist ein sehr inhaltsreiches Sinn­bild Das irdische Leben ist gleich einer Pro­zession. Der Pilgerzug ourch die Erdenwelt soll uns hinführen bis zu dem ewigen Altar des Lam­mes im Jenseits.

Dec einzelne Mensch wechselt seinen Platz in der Prozession mit dem zunehmenden Alter., Emst marschierten wir in der Schar der Kinder, dre mit leichten Füßen und hoffnungsfrrsthen Herzen nicht schnell genug vorwärts kommen konnten.

56. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Breslau

(29. August bis 2 September 19'19.)

Zum viertenmale bereits ist es Breslau ver­gönnt, die Katholikenversammlung in seinen Mauern, zu beherbergen.

Vor allem dürfen wir daran erinnern, daß vor nunmehr 60 Jahren die zweite Generalocr- sammlung in Breslau tagte. Breslau hatte da­mals Tage tiefster Erniedrigung gesehen. Kaum irgendwo in Preußen harte der Staat den Katho­liken so große Opfer zugemutet, wie in Schle­sien Im September 1839 hatte die Regierung 123 katholische Pfarreien willkürlich für erloschen erklärt, ohne daß Pfarrer und Gemeinden eher etwas von derartigen Verfügungen erfuhren, als

ihre Anhänger zu überwältigen. Da gilt es, auf der Wacht zu stehen für alle, die treu zur Fahne halten, denn nur mit vereinten Kräften kann dem vereinigten Ansturm der Feinde be­gegnet werden. Deshalb ist es nötig, daß auch in diesem Jahre die Katholikenversammlung einen glänzenden Verlauf nimmt. Das kann aber nur geschehen, wenn nicht nur die Katho­liken Schlesiens, sondern aus ganz Deutschland, ja der ganzen Welt sie durch ihr Erscheinen oder wenigstens finanziell und moralisch unterstützen. Wer nicht persönlich erscheinen kann, der lasse sich wenigstens in die Liste der ständige n Mit­glieder aufnehmen. Durch die Beiträge der ständigen Teilnehmer wird ein fester Garantie­fonds geschaffen, der dem Lokalkomitee, speziell der Finanzkommission, ein leichtes und Zuverläs­siges Arbeiten ermöglicht. Die ständigen Mit­glieder erhalten jedes Jahr von dem Lokalkomi- tee ihre Mitgliedskarte gegen Nachnahme (ca. 8 zugestellt und haben alle Rechte der Teil­nehmer. Um die durch die Einrichtung der stän- digen Mitgliedschaft erstrebten Ziele zu erreichen, ist es notwendig, daß immer weitere Kreise aus allen Gauen unseres deutschen Vaterlandes sich an dieser so höchst wertvollen Einrichtung, betei­ligen. — Anmeldungen nehmen entgegen die Her- ren Justizrat Heer, Breslau, Tauentzienplatz la, und Generalsekretär Kaplan Donders, Münster i. Wests., Krummestraße 46.

_ r . -««11 ii tienbrudeiei in Fulda

Monatsbeilage: ®cf(f)lu)i$viäitcr Fernsprecher Ur. 9.

jHÄ MchEage: „«rieste Sonntagsjeitung-

Rosenkranzandacht. Wie erbaulich wirkt ferner das Wechselgebet zwischen dem Vorbeter und den Kommunikanten, das bei der ersten hl. Kommu- nion allgemein üblich ist und bei der gemeinsa­men Kommunion von Vereinen gern wiederholt wird? Die Andachtsübung ist um so vollkomme­ner, je besser sie beides vereinigt: die stille In­nerlichkeit und die entsprechende Betätigung der Stimme und des übrigen Körpers.

Die Fortbewegung des Körpers kann nun zu einem besonders eindrucksvollen Ausdruck der Seelenstimmung werden. Die Kreuzweg- andacht bietet das erste Beispiel. Man kann natürlich im Geiste den Leidensweg des Herrn verfolgen, ohne sich vom Platze zu rühren. Aber lebhafter werden die edlen Gefühle erregt, wenn der Körper von Station zu Station eine Fortbe­wegung macht, die als tätige Teilnahme, als eine leibhaftige Begleitung des Erlösers betrachtet werden kann. Diese körperliche Bewegung ist ein natürlicher Akt von der höchsten Einfachheit, aber er ist zugleich von ganz hervoragendem Schön- heits- und Erbauungswerte.

An die Begleitung auf dem Leidenswege schließt sich von selbst die Begleitung des Herrn auf dem Wege feiner Herrlichkeit.

Während der Verlesung des Evangeliums muß sich die Gemeinde mit dem Aufstehen begnü­gen: das ist die erste Handlung, mit der die Folgsamkeit einaeleitet wird. Bei einer Prozes­sion aber kann.die Nachfolge Christi in weiter- gehender Weise zum feierlichen Ausdruck gebracht werden. Die Andächtigen folgen wirklich nach — in derselben körperlichen Bewegung, mit der einst die Jünger in den Spuren des Meisters gewan­dert sind. Und während unsere Fuße auf dem Wege des Allerheiligsten vorwärts schreiten, klin­gen im Herzen eindringlich und warm die Mah­nung und das Gelöbnis: „Folg? mir nach." „Deine Wege will ich wandeln I"

Der erbauliche Eindruck wird natürlich der- stärkt durch die große Zahl der Teilnehmer und

X Die kretische Frage.

Die Insel Kreta ist seit etwa 100 Jahren der Schauplatz beständiger Aufstände gegen die türkische Herrschaft und blutiger Kämpfe zwischen den christlichen und mohammedanischen Bewoh­nern.

Die ewigen Streitigkeiten hatten schließlich so völlig unhaltbare Zustände herbeigeführt, daß sich England, Frankreich, Rußland und Italien veranlaßt, sahen, einzuschreiten, um der Massenmörderei ein Ende, zu macheii. Sie erklärten die Insel für selbständig (autonom,', beließen aber dem türkischen Sultan eine gewiße Oberherrschaft (Suzeränität). Sie versprachen einerseits der Türkei, daß die ottomanifche Su- zeränität über die Insel unverändert beibehal­ten bleiben solle, anderseits ließen sie, aber auch die Kretenser wissen, daß die Vereinigung, mit Griechenland sich eines schönen Tages vollziehen werde.

Es wurde zunächst ein griechischer Prinz als Gouverneur eingesetzt, der unter dem Schutz der vier Mächte die Verwaltung der Insel führen sollte. Er betrieb sehr lebhaft den Anschluß Kre­tas an Griechenland. Damit kam er aber nicht durch, und da ihm auch die Kreter das Leben herzlich sauer machten, so schüttelte er den Staub der Insel von den Füßen und zog sich nach Athen zurück. An seiner Stelle übernahm ein anderer Gi ieche, Zaimis, die Regierung.

Das kretische Abkommen war erfolgt noch zu einer Zeit, 'da die Türkei anscheinend in den letz­ten Zügen lag. Inzwischen raffte sie sich auf und besteht jetzt mit starkem nationalen Nach­druck auf ihrem Schein: keine weitere Zerstücke­lung des türkischen Reiches. Aber auch die Kre« te'nsec erinnern an das moralische Versprechen, das die Mächte eingingen. Sie wollen dieselbe Unabhängigkeit, wie sie den Bulgaren bewilligt wurde. Die Autonomie,' deren sich bis jetzt Krera erfreute, geht normalerweise nach den vor Pro­klamierung der türkischen Unabhängigkeit getrof­fenen alten Vereinbarungen im Juli dieses Jah­res zu Ende, die letzten der europäischen Besatz­ungstruppen ziehen sich bann von der Insel zu­rück.

Ivochen-Rundjchau.

[:] Fulda, 11. Juni 1909.

Wenn man die Blockpresse liest,sollte man mei­nen ganz Deutschland durchzittere augenblicklich eine furchtbare Erregung. Die Beschlüsse her Fi­nanzkommission des Reichstages sollen die Geister überall mächtig aufgerüttelt haben. Run ja, an lärmenden Oppositionskundgebungen fehlt e? Nicht Die Führer der Blocklinken und u»re Presse schüren mächtig. Aber von einer Entrüstung der Masse merkt man auch beim schärfsten Zusehen Nichts. Woher sollte auch z. B. die Entrüstung der großen Menge über die Kotierungssteuer kom­men? Wie gering ist doch die Inanspruchnahme derer, die eine gut angefüllte Wertpapiermappe haben! Was will der Widerspruch außerdem be­sagen angesichts der Tatsache, daß andere Länder diese Steuer haben und sich dabei wohl befinden? Nicht anders, vielfach vielleicht gar noch besser, ist es mit dem Widerspruch gegen die übrigen Sten- vrvorschläge 'der Kommission. Handelte es sich Nicht um den Block bedeutete der Beschluß der Kommission nicht eine Beseitigung dieses komi­schen, ober von Bülow so eifrig gepflegten partei­politischen Gebildes, wäre das Zentrum nicht we­sentlicher Bestandteil der Mehrheit, die hinter die­sen Beschlüssen steht, dann würde sich außer den Interessenten keine Hand zur Abwehr erheben. Gegen die Kotierungssteuer, die Müh len Umsatz­steuer, die WertzuwacMsteuer, die Schönheilsmit- telsteuer schreit man und das Zentrum meint man.

Der deutsche Kaiser wird im nächsten Monat mit dem Zaren zusammentreffen. Darob hat sich ein zorniges Wehgeschrei bei allen unseren „Freunden" jenseits der deutschen Grenzen, be­sonders jenseits des Kanals, erhoben. Als die deutsche offiziöse Presse die Begegnung ankün- digte, wurde sofort hinzugefügt, daß die Anre­gung von russischer Seite ergangen sei. Man wollte dadurch einer Falschmeldung Vorbeugen, die nach den bekannten Sitten und Tendenzen der deutschfeinblichen Presse zu erwarten war. Aber die tendenziöse Unwahrheit blieb doch nicht aus. Trotz der halbamtlichen Feststellung der Wahrheit wurde von englischen Blättern keck be­hauptet, die Anregung sei von Berlin ausgegan- gen. Damit wollte man die öffentliche Meinung in Rußland vor Deutschland gräulich machen. Eigentlich sehr überflüssig, denn seit dem Aus­gange der Orientkrisis hat sich die Volksstimmnng in Rußland in einer Weise gegen Deutschland er­hitzt, wie es bisher wohl noch nicht dagewesen ist.

Wenn darum jetzt der rustische 3ar und die veranrwortlichen Leiter der russischen auswärti­gen Politik plötzlich eine so ganz andere Haltung einnehmen, so wird das schon seine Gründe ha­ben. Mau hat in Rußland offenbar eingesehen, daß man mit der Feindschaft gegen den Dreibund, und der Freundschaft mit der „Entente" doch Nicht recht toeiter kommt. Die persische Frage vor allem ist noch immer nicht recht geklärt: vor eini­gen Tagen fauchte die Nachricht auf, daß Eng­land und Rußland sich auf ein neues persisches Programm geeinigt hätten, das die persische Selbständigkeit sozusagen vernichtete. Bisher ist 'diese Nachricht aber nicht bestätigt worden, es scheint mehr eine Vorahnung gewesen zu sein.

Eine weitere Frage von großer politischer Be- ibeukuNg bietet Kreta dar. Tein allen Vertrage gemäß sollen die Schutzmächte, England, Frank­reich, Italien und Rußland, am 1. Juli d. I. Are Besatzung zurückziehen. Augenblicklich ist tie Oberherrschaft über Kreta in drei Teile ge­

teilt, die Bevölkerung selbst hat eine gewiße Au- ronomie, neigt dabei von den Griechen 'eifrig ge- schürt, nach dem Anschlüsse an Griechen.aiid hin. Die Türkei hat eine gewisse Oberhoheit, ähnlich wie früher bei Bosnien und der Herzegowina und wie bei Bulgarien, und ist nicht gewillt, sich Kreta in ähnlicher Weise wie jene Geotete ent­gehen zu lassen. Im Gegenteil haben die maß­gebenden tückischen Kreise auf» deutlichste und wiederholt erklärt, daß sie sich einer Losreitzung Kretas von der Türkei Und den Anschluß an Griechenland mit allen Mitteln widerfetzen wer­den. Griechenland scheint sich dagegen einer ge- wissen Hoffnung hinzugeben, daß der Anschluß Kretas an Griechenland nunmehr erfolgen könne. Natürlich kommt es jetzt darauf an, was die vier Schutzmächte über Kreta beschließen Serben, die der britte Teilhaber an der Herrschaft über Kreta find. -

In Oesterreich ist es tm Aogeocdneten- hause zu einem kleinen Intermezzo gekommen, das aber glücklicherweife ohne Folgen für die Stellung des Kabinetts geblieben ist. Die Süd- siaven, die erklärlicher Weise den Madjaren nicht grün sind, haben sich in einem Anträge darüber beklagt, daß die Regierung ihre Zustimmung da­zu gegeben hat, daß für die Aufgabe dec Kmeten- ablösung in Bosnien eine ungarische Privatbank privilegiert worden ist, die dazu noch nicht die Gewähr gibt, daß das Geschäft in einer Weise durchgeführt wird, die dem Interesse der loszu- kaufenden bosnischen Bauern entspricht. Um zu verhindern, daß sich für dieses Mißtrauensvotum eine Mehrheit fände, mußten die Regierungs­parteien zur Obstruktion fchreiten, sodaß die Ab­stimmung auf eine Sitzung verschoben wurde, bei der die Mehrheitsparteien vollzähliger erschienen.

In England, das augenblicklich in über­aus starkem Stüdien-Reise-Verkehr mit Deutsch­land steht, ist eine Konferenz von Vertretern der Presse des britischen Weltreiches zusammen,ie- ireten. Die englische Regierung zeigt, mit der Veranstaltung dieser Pressekonferenz, die wegen der weiten Entfernungen der meisten britische« Kolonien große Summen verschlingt, eine außer- orbenti'iche Einsicht in die Bedeutung dec Presse, eine Einsicht, die sich mancher laue Freund der politischen Parteien zu Herzen nehmen fön nie, auch bei uns. Man räumt der Prelle damit das Recht ein, mitzusprechen in den wichtigsten An­gelegenheiten des Reiches. Wann wird man bei uns in Deutschland zum Kultiirstande kommen, der etwas derartiges ermöglicht?! Wohl nie! — Auf dieser Konferenz sind sehr viele Reden über die Stellung Englands in der Welt gehalten mor­den. Fast alle richteten sich gegen Deutschland. Jeder Redner betonte nachdrücklich, wie entsetzlich hoch die Last werde, ine diese Rüstungen dem eng­lischen Volke ailfladen. Aber alle waren einig darin: Wir rüsten weiter!

Unpolitische Zeitlaufe.

(::) Berlin, 9. Juni 1909.

(Nachdruck verboten.)

Warum lieben wir die Prozessionen fo sehr?

Wenn man der Sache auf den Grund gehen will, so muß man meines Erachtens zurückgreifen :«uf die allgemeine Neigung, beim Gottesdienst Xnittätig zu sein. Natürlich in der Weise, ^vie es dem Laien zusteht, ohne Eingriff in das Priesterliche Amt. Wer still in seiner Bank an­dächtig dem Gottesdienste beiwohnt, darf sich auch ■fdjon sagen, daß er mitwirkt an dem heiligen und irebau'lichen Vorgang. Aber da der Mensch aus Leib und Seele zusammengesetzt ist, so möchte er idec inneren Teilnahme auch einen äußeren finnenfälligen Ausdruck geben durch geeignete kör­perliche Betätigung. Daher ist es der Stolz und chie Freude aller braven Knaben, am Altäre die­nen zu dürfen. Durch ihre bescheidene Mitarbeit tan Altar fühlen sie sich gehoben bis an die Grenze ber priesterlichen Würde. Für die Erwachsenen ist das Aufftehen beim Evangelium eine erfri­schende und erbauliche Sitte. Sie greifen han- Delnd mit ein in die heilige Handlung, und indem sie die sog. Bereitschaftsstellung einnehmen, be- stunden sie ihre Absicht, das Wort nicht bloß zu K, sondern auch zu befolgen. Die symbolische gung erhebt die Herzen, dahin gehört auch das Einstimmen in die Antworten auf den Ge­lang des Priesters, sowie in den allgemeinen Ge­sang. Die Gelegenheit, das Lob des Herrn mit lautem Klang der eigenen Stimme zu verkünden And dabei die Teilnahme an der heiligen Hand­lung hörbar zu bezeugen, sollte dem andächtigen Volke möglichst reichlich geboten werden. Auch das gemetnfame Sprechen der Gebete bient sehr hur Belebung und Hebung der Stimmung. Darin (regt dec besondere Reiz der Litaneien und der

Dann kamen wir zu den Jünglingen und Jung­frauen, die noch flink und frisch vorwärts schrei­ten, aber die schon den Ernst des Lebens zu ahnen beginnen. Darauf machten wir die bedächtigen Schritte der würdigen Väter und Mütter mit. Und es dauert gar nicht lange, da kamen wir un­ter die alten, mühseligen Nachzügler. Und noch eine Weile, dann werden wir nicht mehr hinter dem Kreuze geben, sondern man wird uns hinter dem Kreuz hiaustragen, zu der letzten Ruhestätte, wo wir das Ende der irdischen Pilgerfahrt abzu- toarten haben, um uns am jüngsten Tage wieder einzureihen in die Prozession der Auferstandenen, die zum allgemeinen Gericht sich hinaufbetoegt.

Zahlreiche Maler haben den Zu g d es To­des auf der Leinwand oder an den Kirchenwän­den dargestellt. Der Tod schreitet voran mit der mahnenden Klingel in der knöchernen Hand, und ihm folgen die Todeskandidaten in langer bunter Reihe — jung und alt, starke und schwache, hohe und niedere, reiche und arme neben- und durchein­ander. Diese Prozession des Todes zeigt, uns, daß wir allzumal auf das Grab hinmarschiecen. Wer sich losgesagt hat von den Glauben und der christlichen Hoffnung, der sieht als Ende feines Daseins nur das Sterben und das Verwesen vor sich: kennt keine andere Prozesiion, als die des Todes. Der Christ aber kennt die Prozession des Lebens, des etoigen Lebens, und wenn er seine Pflicht und Schuldigkeit tut, so findet er in Gna­den den Anschluß an den Zug des Lebens, an die Prozession zum Himmel. An den KreuzeÄveg schließt sich der Hoffnungsweg, und durch das enge Tor des Grcwes führt der Pfad des Heiles auf­wärts zur letzten Station des etoigen, glückseli­gen Friedens.

— Widerspruch. Johannes: „Für einen Philosophen ist Freund Tauber merkwürdig wider­spruchsvoll." Kunz: „Wieso denn?" Johannes: „Erst behauptet er, daß die Menschen nichts wettet seien als Tiere, und wie ich ihn darauf einen Affe« nenne, gerät er in Wut!*

bis die königl. Kommissare das Vermögen mit Beschlag belegten und die Kirchen den Prole- stanfen überwiesen. Nunmehr kämpften ote schle­sischen Katholiken in vorderster Reihe um ihre Freiheit, und kein anderer als Fürstbischof Mel­chior v. Diepenbcock stellte sich an die Spitze, ihm treu zur Seite der Klerus. Unter Führung des Privatdozenten Sic. Wick, der als Vorkämpser der katholischen Bewegung die Notwendigkeit dec katholischen Presse erkannte und spater die ..Vce,'- laner Hausblätter" gründete, deren Fortsetzung die „Schlesische Volkszeitung" ist, organisierte sich auch das katholische Volk Schlesiens m mehr als hundert Piusvereinen mir solchem Erfolge, daß die auswärtigen Gäste der Generalversamnilnng, wie I. May in der im Verlage von P. Bachem in Köln erschienenen Geschichte dec Generalver­sammlungen dec Katholiken Deutschlands schreibt, für die Beratungen das Nebergewicht der Schle- fier beinahe fürchteten", allerdings eine unnötige Besorgnis. Doch das ganze katholische Denkich- land schaute damals mit Bewunderung auf den heldenmütigen Kamps, den in Schlesien die Ka­tholiken nm ihre Rechte führten und das war nicht der letzte der Gründe, weshalb 1349 be­schlossen wurde, die Generalversammlung in Breslau tagen zu lassen, denn, so heißt es mdem oben angeführten Werke: Die Haupistadt Schle­siens verdiente diese Ehre. ,

Die Breslauer Generalversaynniung 1849 tagte auch in einer kritischen politischen Zeit. Wie an anderen Orten war es auch in Breslau zu offener Empörung gekommen. Das Militär hatte sich mit den Auf ständigen in blutigem Stratzenkampf zu messen, Bürgerblui rötete be­reits den Boden der Stadt und eben war über die Stadt der Belageruitgsznstand verhängt wor­den, als die Abgeordneten der auswärtigen Vms- vereine in Breslau eintrafen. Trotz dieser hoch- ernsten Lage gestattete der kommandierende Gene­ral den katholischen Delegierten, sich au sammeln, und er sprach dabei die denkwürdigsten Worte: „Ware ganz Breslau ein katholischer Verein, so gäbe es keinen Belage­rn n g s z n st a n d." Die Tagung gab dem General recht, aber auch der moralische Er­folg für interne katholische Verhältnisse blieb nicht aus: die hier gehörten zündenden Worte leuchteten hinein in die kathol. Vereine Deutsch­lands und ließen die Flammen dec Begeisterung für alles Katholische Häher auflodern.

Sah 1819 die erste Versammlung in BceSlaii den blutigen Angriff der Revolution auf die Staatsgewalt, so stand 1872 die Kirche an der Schwelle des Kampfes gegen die sie ringsum be­drohenden Feinde im Kulturkämpfe. Gleichwohl war diese Versammlung eine erhebende Kund­gebung katholischer Ruhe, einer Ruhe, die dabei der Entschiedenheit nicht ermangelte.

Und der dritten Vecsammlmig in Breslau im Jahre 1886 drückte wie dec ganzen Epoche ein W indt h o r st das Gepräge auf. Waren zwei­mal schon die deutschen Katholiken in schwere^ Zeit dort versammelt, so schien diesmal der An­fang einer besseren Zeit gekommen. Diese Ta­gung zeichnete sich vor allem aus durch die außer­gewöhnliche Begeisterung, wie sie kaum jemals zum Ausdruck gekommen war, und Windthorst schloß seine damalige Rede mit den Worten: „Halten Sie die Begeisterung fest, handeln Sie danach und lassen Sie uns nicht im Stich, wenn wir vorrücken."

Diese Worte Windthorsts möchten wir vor allem zu der bevorstehenden Tagung unseren Glaubensgenossen wieder ins Gedächtnis zurück- rufen. Wir wollen nicht prophezeien. Aber jeder Unbefangene wird zugeben müssen, daß die Feinde der katholischen Kirche ihr wieder die Fehde angesagt haben, nein, nicht angesagt, irrt Dunkeln auf Schleichwegen sucht man sie und