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J yarzeller in Fulda.

Zuldaer W Zeitung

Wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagszeitung" "'^SNgilllS’ Momtsbeiiage: „Fuldaer GeschichtrbMer"

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üotationrdruckunb Verlag der Fuldaer Ak- tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr.y.

36. Jahrganq

Fulda, Samstaq den 12. Juni 1909

JV3 131.

Drittes Wl^crtt

tciligen. Seitens der Jury werden für die Sie-

Nun ergiebt sich aber auch die Notwendigkeit, sogenannte Nothallen zu errichten für jene Fälle, itvo ein Luftschiff plötzlich vom Sturm überrascht .wird oder infolge einer Havarie nisdergehen muß. .Deutscherseits ist man bereits mit der Konstruk- jtion solcher demontablen Hallen beschäftigt, die .sich in kurzer Zeit auf- und abschlagen lassen.

Somit mutz das Schwimmen in der Tat als die beste Körperbewegung, als der gesundeste Sport bezeichnet werden. Dies ist auch von den bedeutendsten Koryphäen 'bet medizinischen Wis­senschaft oft anerkannt und betont worden. Es wird eben bei keiner anderen Körperbewegung eine so große Menge von Muskeln in Tätigkeit versetzt und eine ähnlich;« harmonische Anspannung des gesamten Organismus erreicht, als beim Schwimmen. Außerdem fällt dabei ,was von sehr großem Vorteil ist, die mit allen anderen Arten der Bewegung verbundene Erhitzung fort. Dazu kommt der reinigende und stärkende Einfluß deS kalten und kühlen Wassers auf die Haut und der starke, auf die Hautnerven geübte Reiz, welcher in Verbindung mit den beim Schwimmen^ nötigen tieferen Atemzügen und kräftigen MuskeraktioneN den Stoffwechsel mächtig anregt. Alles in allem bildet also das Schwimmen ein Haupthilfs-mittel zur Kräftigung und Erhaltung der Gesundheit und zur Verlängerung des Lebens.

ger Preise bis zu 150 000 =H ausgesetzt. Die Be­sucher der Ausstellung sollen bis zu 25 Personen auf einmal zu Versuchsfahrten im Ballon .Preu­ßen" mitgenommen werden. Diese Fahrt tst je» doch keine Spielerei, sondern bietet Gelegenheit zu ernstem Studium über die zukünftige Verwen­dung der Luftfahrzeuge. Ter Ballon „Preußen" ist früher bereits bis zu einer Höhe von mehreren Kilometern gestiegen. Leider wird die Zahl ter Personen, die die Probefahrten mitmachen kön­nen, keine allzugroße fein, da nicht ein jeder in der angenehmen Lage ist, 200 M — soviel kostet eine Probefahrt nämlich — locker machen zu kön­nen. Aber das Neuartige übt einen eigenartigen Reiz aus und sicher werden alle diejenigen, die es sich leisten können, den Flug in die Lüfte nut- machen.

Lassen wir noch etliche Jahre vergehen, dann hoffen wir so weit zu sein, daß Fahrten durch dre Lüfte keine 200 M mehr kosten.

Gleichgewicht der Wärme und des Wassergehaltes der Atmosphäre örtlich vermitteln. Sicher ist, daß das einst walüreicke Palästina heute, cntlval- det, nur noch eine spärliche Menge von Menschen ernähren kann; die Flösse Griechenlands und Spaniens sind teilweise versiegt, und es bestehen ernste wissenschaftliche Gründe zu der Annahme, daß ein großer Teil des afrikanische» Wüstenge- biete- erst Wüste geworden ist, weil die Flüsse in- fivlge Zerstörung der Wälder versandeten. Dar­auf fußt ein Teil der Hoffnungen, die mau an DcutschSüdivestafrika knüpft; man glaubt, wenn es gelingt, große Bezirke aufzuforsten, daun die jetzt nur noch zeitweise Walser führenden Fluß- laufe zu neuem Sprudeln beleben zu können.

. An mahnenden Tatsachen ist also kein Man­gel. Trotzdem wehren sich die Völker nur lang- faut gegen den Waldraub. Die furchtbarste Wald- Verwüstung, die speziell das moderne Preußen erlebt hat ,fällt in die Zeit nach der rnsiisch-pol- nifchen Revolution von 1863, wo bei Regulierung der gutsherrlich-bäuerlichen Verhältnisse aller Wald an die Gutsherren siel, die nichts Eiligeres zu tun hatten, als ihn abschlagen zu lassen. Das geschah diesseits und jenseirs der russischen Grenze und zog sich bis in die neueste Zeit hin. Die Po­lenpolitik der preußischen Regierung rechnet heute noch mit dem Schaden, der damals entstand; aber nicht minder gut zu machen sind die klimatischen Schäden, die durch die Entwaldungen in Russisch- Polen entstanden find; man muß deshalb in dem angrenzenden Preußisch-Polen die Aufforstungen vorzugsweise mit dem minderwertigen Nadelholz vornehmen.

Bekanntlich haben die deutschen Staaten durch Gesetze und forstliche Maßnahmen der weiteren Waldverarmung Deutschlands einen Riegel vor­geschoben, aber Deutschland steht hinsichtlich der klimatischen Folgen der W-tldverwüstung schutzlos da, wenn das Uebel überall in der weiteren und näheren Nachbarschaft seinen weiteren Gang nimmt. So wird zum Beispiel in Schweden seit Jahrzehnten geradezu mörderisch gegen den Wald­bestand verfahren, ebenso in Rußland, und dort zumal längs der sibirischen Bahn im Norden von Kleinasien und im Kaukasus. Auf der andern nördlichen Erdhälfte haben anscheinend nur noch Kanada und die amerikanischen Staaten Oregon und Washington ausgedehnte Waldungen. Die Regierung von Kanada, die ihren Waldbestand durch amerikanische Holzhändler bedroht sieht, fängt jetzt an, ihn mit Holzausfuhrzöllen zu schützen.

Man sieht, daß die Wald frage allmählich dahin gediehen ist, eine W e l t f r a g c der inter- nationalen Politik zu werden. Die Staaten kön­nen durch eine eigene gute Waldwirtschaft sich ge­gen die Folgen fremder Raubwirtschaft nicht mehr schützen, und so werden wir kurz über lang inter- . nationale Konferenzen zum Schutze des Wald- i bestandes der Welt erleben.

der 3,9 Klm. langen Straße hat bis einschließlich April 1908 rund 15 000 M gekostet! Die Kosten hat zu zwei Dritteln die Eismbahnverwaltung, zu einem Drittel die Provinz getragen. Auch eilte kurze mir Großpflaster versehene Strecke in Ponteu-Besseringen konnte den Motorwagen nicht widerstehen, es hat sich dabei herausgestellt, daß dies nur der Fall ist, wenn die Pflasternng nach städtischer Weise auf Beton oder grober Packlage erfolgt. Vierzehn Querschnitte der in Rede stehende» Straße und drei nach Photogra­phien gefertigte Ansichten veranschaulichen leb­haft den trostlosen Zustand der Strecke.

Zu der Frage, wie sich der Verkehr mit schwe­ren Autoomnibussen gegenüber den Chaussee» stellt, ist dieser Aufsatz sehr lehrreich für alle Ge­meinden und Provinzialverwaltungen. Es ist zu beachten, daß es sich hier nur um Personen­wagen, nicht um eigentliche Lastautomobile han­delt.

Schwimmen als gesundester Sport.

Bon Dr. Krumbach.

(Nachdruck verboten.)

ScAvimmen ist ein Wasserturnen, es bildet die einzige Leibesübung, den einzigen Sport, bei dem alle Teile des Körpers tätig sind und da­durch gestärkt werden.

" Landstraßen und schwere Aiito- mobile.

Wie die Landstraßen von bett schweren Automobilen beschädigt werden, legt Herr M. Görz-Düfieldorf in Nummer 45 des Zentral­blattes der Bauverwaltung vom 5. Juni d. I. in Wort und Bild dar. Am 27. Nov. 1907 stürzte, wie s. Z. gemeldet, der in der Eisenbahnlinie Trier-Saarbrücken zwischen Mettlach und Pon- ten-Besseringen gelegene Tu Nnel teilweise^ ein, wodurch die Königliche Eifenbahnbirektion Saar­brücken gezwungen wurde, die Reisenden und ihr Gepäck von Mettlach und Pouten-Besseringen und umgekehrt auf dem Landwege zu beför­dern, während sie den Güterverkehr über Dieden- hofen umleitete. Der Landweg ,setzt sich zusam­men aus einer Gemeindestraße in Mettlach, dec Provinzialstraße Trier-Saarlouis 03 Klm.) und einem Gemeindewege in Ponten-Besseringen. Die Provinzialstraßenstrecke steigt ungefähr bis zur Mitte mit durchschnittlich 6,9 v. H.. läuft bann etwa 350 Meter wagereckt unb fällt darauf mit durchschnittlich 8 v. H. Die Straße war in bester Technik chausseemäßig ausgebaut, die Quardztt- decken bedurften gewöhnlich erst nach 17—-19 Jahren der Erneuerung, das Alter der Stein- | decken im Herbst 1907 schwankte zwischen 1—19 1 Jahren, ältere Decken waren durchweg sehr sau­ber geflickt, so daß die Straße zur Zeit des Tun­neleinsturzes sich in tadellosem Zustande befand.

Anfangs wurde der Personenverkehr durch Landfuhrwerke und Düoschken, 30 —40 Stück, wahrgenommen. Diese genügten aber nicht, des­halb wurden am 6. Dez. 1907 zwei geschlossene Kraftwagen der Autfabrik Gaggenau, zu je 12 bis 15 Personen, hinzugenommen, am 12. De­zember 1907 ein großer Motorwagen der Gro­ßen Berliner Omnibusgesellschaft eingestellt, | dem nach wenigen Tagen sechs gleich große Om­nibusse derselben Gesellschaft folgten, die beiden Gaggenauer Wagen aber entlassen. Von den zehn großen Autoomnibussen der Berliner Gesell­schaften verbrannten am 4. Febr. 1908 vier, so daß seitdem und also für die längste Zeit der Sperrung des Tunnels, nur 6 Auioomnibusse verkehrten und durchschnittlich zusammen SO Fahrten täglich zwischen beiden Stationen aus- fübrten. Die Gaggenauec Wagen hotten mit voller Personenbelastuna je etwa 3200 Klg. Ge­wicht, die Felgenbreite der Vorderräder war 10 Zentimeter, die der Hinterräder 19 Zentimeter, die Geschwindigkeit bergab und wagerecht ge­wöhnlich 30 Klm, bergauf 13 Klm. in der stunde. Die Berliner Wagen wogen dagegen mit voller Personenbelastung (25—26 Personen) je rund 7800 Klgr. bei 5875 Klgr. Eigengewicht, die Vor­derräder hatten 10, die Hinterräder 22 Zenti­meter Felgenweite.

X Waldverwüstuug.

’ Bisher hat noch jede Kulturarbeit angefangcn mit der Niedeclegung des Waldes. Als dec hl. Sturmius das Kloster Fulda gründete, war die ganze Gegend von einem schauerlichen Urwalde bedeckt. - Die Mönche des Klosters rodeten den Wald aus und machten das Land urbar. Weniger glimpflich als sie gingen germanische Ansiedler in de» slawischen Wäldern östlich der Elbe vor, sie hausten dort wie die Vandalen. Von den europä­ischen Auswanderern, die Amerika besiedelten, weiß man, daß ihr Hauptgerät von Anfang an die Axt war, mit der sie den Riesenbäumen des Ur­waldes zu Leibe gingen, und heute noch wird jedem Farmer, der nach Brasilien geht, auf die! Seele gebunden, daß er mit Axt und Säge firm sein müsse.

Das liegt in der Natur der Sache, denn. Men­schen, die nicht wie die Milden allein von der Jagd leben wollen, müsse» zuerst für ausgerode- ten Boden sorgen, auf dem ihnen das Brotkorn wächst. Aber eine geläuterte Kultur sollte dafür Sorge tragen, daß nicht ohne vorsorgliche» Ersatz ein Naturgut zerstört wird, dessen wir »ach dem Stande der heutigen Erkenntnis unbedingt in großem Umfange bedürfen, falls nicht die Grund­lagen unserer ganzen Kultur, Wetter und Klima, I einem unheilvollen Wandel anheimfallen solle». Bekanntlich wird im Innern der Vereinigten Staaten von Amerika das allzu häufige Auftre­ten von Wirbelstürmen, die ganze Städte ver­heeren, auf die Waloniederlegungen juriirfge­führt. Bei uns zulande glauben die Metvoroio- gen die so oft eintretenöen großen Unterschiede zwischen Regen und Trockenheit auf bett Mangel an Waldbestättben zurückführen zu sollen, die das

Allerlei.

— Was die Augen verraten. In etwas pri- ntinver Form gibt der bekannte Vers „Des Auges Bläue — bedeutet Treue" usw. Regeln über die Charaktereigenschaften, die die verschiedenen Aar- Len der Auge» verraten sollen. Auch die Wissen­schaft hat sich mit dem Aussehen der Augen be­schäftigt und gewisse Sätze darüber aufgestellt. Wenn man vorsichtig fein will, so kann man sa­gen, Augen von bestimmter Form und Farbe be­zeichnen nicht die Charaktereigenschaften, die ihren Besitzern eigen sind, aber sie erwecken den Eindruck, als ob er diese Eigenschaften habe. Tief­liegende Augen lassen klug, aber auch unheimlich aussehen, hervorstchende Augen dumm und geifi- los. Eine kleine Pupille hat etwas Forschendes, Stechendes und deutet auf einen cholerischen Cha­rakter, eine große macht gemütvoll, unschuldig und schwärmerisch. Kleine blinzelnde Augen ge­ben den Eindruck des Verschmitzten, Treulosen und Selbstsüchtigen. Strahlenförmige Falten am äußeren Augenwinkel sind Kennzeichen eines Sau- ernben, Argwöhnischen. In der Rege! ist der I obere Teil ber Iris vom Libe gedeckt. Wird die Iris aber ganz frei, so sicht das Auge ängstlich und erschrocken aus. Auch übergroße Freude macht übrigens die Iris frei. Niedergeschlagene Augen können Demut, Scham, aber auch Verstocktheit und Hochmut andeuten. Hängt das obere Lid über, so gibt das das Bild des Zornes. Bei vie­len Leuten ist das Lid von Natur so, sowie sie einigermaßen die Stirn runzeln, erscheinen sie fürchterlich zornig. Markige, buschige Brauen bezeichnen sowohl einen festen, klugen, aber ie Nach Form und Farbe auch ungezügelten, wilden Charakter. Schwache, insbesondere hellblonde I Brauen geben etwas Gehaltloses, Unsicheres, | Leeres.

Um das große Publikum für die Luftschiffahrt zu interessieren, ist für den Monat Juli b. Js. in Frankfurt a. M. eine Luftschifffahrtsaus­stellung geplant. Gewaltige Hallen von 140 Me­ter Länge sind bereits im Bau begriffen und Graf Zeppelm wird, tote es heißt, sich gleichfalls an der Ausstellung beteiligen und seinen Ballon eigen- händig nach Frankfurt dirigieren. Als Clou der Ausstellung ist ein großes Wettfliegen geplant, an dem sich die bekannten Luftschiffer, wie: Graf Zeppelin, Comte de la Vaulx, Houry, Baden- Powell, Welz, Edrich, Santos Dumont usw. be-

Besonders die infolge des WasserwiderstanbeZ doppelt nötigen kräftigen Arm- und Brustbewe- gungen entwickeln den Brustkorb und die Musku­latur des Oberkörpers in der auffallendsten Weise. Daher gibt es für die bieien Schwachbrüstige» Knaben und Mädchen kein besseres Mittel, als geregeltes Schwimmen. Hierbei tritt eine fort- währende ßungeabentilation und Atemgymnastik ein. Denn ber Körper wird im Wasser erst da­durch schwimmfähig, baß man bic düngen mit recht viel Luft anfüllt. Wie ber Fisch feine Schwimmblase erweitern muß, wenn er zur Ober- fläche strebt, so halten uns die Lungen gewisser­maßen als Schwimmblase nur dann über Wasser, wenn wir recht tief eingeatmet haben. Geschieht dies tagtäglich immer wieder, so hat das auf die Kräftigung ber Lunge natürlich einen sehr gün­stigen Einfluß.' Durch bas energische Zerteilen unb Zurückstoßen des Wassers mit den Armen werden auch die am Rücke» und an den Rippen befestigten Armmuske'm bedeutend gekräftigt. Dies erzeugt bei längerer Ausübung Nicht nur einen wohlgeformten, gerundeten, in den Schul­tern nicht hängenden Brustkorb, sondern dient auch als wertvolles Heilmittel gegen drohende ! Erkrankung ber Lungenspitzen, gegen die begiN- I »ende Tuberkulose. Da zur Vorwärtsbewegung im Wasser auch die Beine tätig sein muffe», wird die Blutzirkulation in ihnen rege befördert. Sehr viele Menschen klagen stets über kalte Füße und Hände, über ein aufgeregt arbeitendes Herz und eine schwache, asthmatische Atmung, ohne irgend zu ahnen, wo 'eigentlich die Wurzel ihres UebeiS steckt. Tummelten sie sich fleißig im Wasser her­um, sie würden bald merken, baß bie Ursache in mannetnber Tätigkeit ber Außenorgane und dem Zurückdrängen des Blutes nach dem Körperm- »er» liegt, unb das Räderwerk ihres Organis­mus würbe bald wieder seinen geregelten Gang | haben. Auch viele» Nervösen hat das Schwim- j nie» schon zur Gesundheit verhalfen. Bekanntlich I find derart Leidenden schon einfache kalte lleber- spülunge'n ober Bäder sehr heilsam, aber beim Schwimmen kommen hierzu noch alle die Vor­teile ber mächtig angeregten Blutzirkulation, wo­durch hauptsächlich eine bessere Ernährung der Nervensubstanz bewirkt wird. Ungefähr, diesel­ben Vorteile mache» sich geltend bei bleichsüchtigen I Personen. Das Herz wird zu energischer Tätig­keit gezwungen, das Blut pulsiert wieder kräfti­ger durch die kleinen, fast blutleeren Aederchen und oer Appetit wird durch die Beförderung ber Verbauung ganz bedeutend angeregt.

Es stellte sich heraus, daß bie Gaggenauer Wagen die Chaussee nicht merklich angriffen, ol5 aber die berliner Wagen am 12. Dez. 1907 ihre Fahrten aufnahmen, zeigten sich sofort bedeu­tende Beschädigungen der Steinbahn. Die Spuren ber Räber bildeten keine glatte Flä­che mehr, wie man sie bei jedem Wage» allerorts betrachten kann, sondern sie erschienen als ein dicht mit kleinen Löchern durchsetztes Band. Die Löcher waren 3—5 Millimeter tief. Die Gummi- reifen hatten aber das Bindemittel zwischen den einzelnen Steinstückchen herausgesogen und fort­geschleudert. Die nächsten diese Spur treffenden Wagen rissen lose gewordene Steinchen und wei­tere Mengen Bindestoff heraus, und schon nach zweitägiger Fahrt war die Decke mit Rollsteine» — aus der Decke herausgerissenem Kleinschlag — dicht bestreut. Besonders ungünstig wirkte es bei diesem Eingriffe in die Steindecke, daß die Wagenführer teils aus Gewohnheit, teils aus Furcht vor dem Ausgleiten — ganz besonders bet Glatteis — nach Möglichkeit die vorhandene Spur benutzten. So bildeten sich nach einigen Tagen Rinnen, die, gewöhnlich 12—15 Zenti­meter tief, eine Breite von 20—30 Zentimeter erreichten, weil Vorder- und Hinterräder nicht genau spurten. Das ausgehobene und fortge­drückte Gestein schob sich seitlich zu hohen Wülsten neben den Rinnen zusammen. In den Rinnen lag die Steinschüttung als ein loses Durch- unb Nebeneinander von einzelnen Stemstückche» ohne Bindemittel do, das jeder Kraftwirkmg dcw saugenden, stoßenden und schiebenden Gummi­ringe folgte. Was nicht zertrümmert wurde, flog seitlich aus den Gleisrinnen heraus. Nach­dem das eine Gleisvaar so tief geworden war, daß die Rader sich darin klemmten, suchten die Wagen daneben ein anderes. Alles Ausflicken, so kostspielig es auch war, hatte, namentlich bei Frostwetter, wenig Erfolg. Die Unterhaltung

- Eine nicht minder wichtige Frage ist die Un­terbringung der Luftschiffe. Für jedes ist eine Dalle von etwa 70 Meter Länge und 20 Meter Höhe erforderlich. Bis jetzt bestanden solche Hal­len nur in Friedrichshafen und an verschiedenen 'anderen festen Plätzen. Augenblicklich ist man Wit der Errichtung von Ballonhallen auf der .Strecke von Düsseldorf nach Basel beschäftigt, da beabsichtigt ist, zwischen diesen beiden Städten seinen regelrechten Luftschiffahrtsdienst eiuzurich- ;ten. Auch in Frankreich ist man eifrig dabei, Ballonhallen zu errichten und hat auch dort be- ,Veits bestimmte Linien für den Luftschiffverkehr Lfeftgelegt, so von Paris Nach den Vogesen und Mach dem Süden der Republik. Ballonhallen »lüs- Fen geschaffen werden, denn es geht unmöglich an, ldie Luftschiffe bei Fahrtunterbrechungen auf -freier Erde, den Winden preisgegeben, stationie­ren zu lassen. Dabei müssen die Hallen von außerordentlicher Widerstandskraft sein. Man wird isich noch des Schicksals Der Ballonhalle auf dem »Exerzierplätze Frescaty bei Metz erinnern. Diese Mallonhalle war etwas leicht unb auch nicht genug .widerstandskr ästig erbaut worden, was zur Folge chatte, daß dieselbe beim ersten Sturmwetter vom sfiBinbe auf den Kopf gestellt und zerstört wurde. «Die Luftschiffer, um eine Erfahrung reicher, mach- jten sich erneut ans Werk und konstruierten eine |neue Halle, von der man annimmt, daß sie den jStürmen Trotz bieten wird, auch wenn diese noch ifo fest daran rütteln.

P. Die Fortschritte der LrrMchiffahrt.

Wenn Gras Zeppelin auf seiner letzten Dauer­fahrt auch nicht nach Berlin gekommen ist, so muß doch jeder Unbefangene zugebe», baß diese Fahrt eine außerordentliche Leistung war, eine Leistung, die noch von keinem anderen Luftschiff erreicht 'worden ist. Es mutet daher etwas sonderbar an, 'wenn Leute außerhalb der deutschen Grenzpfahle von einer mißlungenen Fahrt sprechen und die Leistung Zeppelins in den Augen ber Öffentlich­keit zu verringern suchen. Wir wollen uns jedoch hier nicht in Widerlegungen der Gegner Zeppe­lins einlassen, sondern uns mit der Luftschiffahrt -überhaupt beschäftigen.

\. Mit dem Fortschreiten der Lustschiffahrt unb >er Verwendung bet lenkbaren Ballons zu mtliia- stschen und Verkehrszwecken ergibt sich auch die Notwendigkeit der Absteckung ber Reiseroute». Die Reisenden ber Lüste, mögen sie sich nun in Lenkbaren ober in Flugapparaten befinden, be­schweren sich samt und sonders, daß es so unge- ’Jnein schwer sei, die Landstriche zu erkennen, über jne das Fahrzeug dahinfliegt. Tagsüber geht bie Ortsbestimmung ja noch einigermaßen, aber was fim bei Nacht? Da ist eine Ortsbestimmung meist -anz ausgeschlossen. Der Berliner Aero-Klub hat jn der Lösung dieser eminent wichtige» Frage bie Initiative ergriffen und zwecks Ermöglichung hiner genauen Ortsbestimmung ein originelles .Verfahren ersonnen unb zur Diskusiion gestellt. Diesem Projekt zufolge würbe in Form von Rie- ienbuchstaben Merkzeichen aufgestellt, bie ben ^Luftschiffen genau angeben, in welcher Gegend sie Ach befinden. Diese Riesenlettern würden nachts erleuchtet. Als Standort sind vorgesehen Berg- llpitzen, Kirchtürme oder sonstige erhöhte Punkte, von wo aus die Lettern weithin ins Land leuch­ten. Die Leitern, welche die Nähe einer Laiides- ' grenze oder die nahe See anzeigen, würde» rot unterstrichen, sodaß sie, wie auf dem Meere die Leuchttürme, zugleich auch als Wahrzeichen die- ■‘iten. Auf diese Art hofft man zahlreiche Un- dglückssälle zu vermeiden und manches internaho- nale Mißverständnis aus dem Wege zu räumen.

Der Berliner Aero-Klub schlägt vor, das Deutsche Reich in 90 Sektionen einzuteilen, bie durch neunzig Letternkombinaiionen zu bezeich­nen wären. Er gedenkt, seinen Vorschlag allen Duftschiffahrtsvereinen von Frankreich, Belgien, Oesterreich, Holland usw. zur Diskussion zu un» y erbreiten unb hofft, daß nach ausgiebiger Be- 'sprechung und Akzeptierung seines Vorschlages Ifich auch die Regierungen ber betreffenden Lan­der für denselben erwärmen und ihm zur Durch­führung verhelfen werde». Der Vorschlag hat ^vieles für sich und ist anzunehmen, daß dieses ^System der Orientierung wohl überall eingeführt "werden wird, wen» die Luftfchiffahrt erst weiter in den Dienst der Allgemeinheit gestellt ist.