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MaerW Zeitung

36. Jahrgang

Fulda, Freitag den 11. Juni 1909

M 130

Zweites Wtcrtt

Ztteines Feuilleton

schädigt wird

X*i$fiew: die et* fpaltigepetttzeileobrr bereit Raum )5 pfg. Refiatnen diepetitzeile 25 Pfg., bei Wieder­holungen wird entspr.

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Rotationsdruckund Verla-der Kuldaer Ak- tiendruSerei i« Lulda Zernsprecher Nr. 9.

schäften zu einer Gemeinde erstrebt, um die Schullasten zu verringern. Die Gemeiirdevertre- ter von Bauerndorf widersetzen sich einer solchen Bereinigung, da sie nicht mit Unrecht eine Be­nachteiligung erwarten. Die Zuschrift verlangt nun Gewährung von größeren Zuschüssen, beson- lderZ zu den so drückenden Schullasten, um da­durch die Bereinigung hevbeiführen zu helfen. — Dahin führt also die preußische Polenpolitik. Erst teilt man die Güter und schafft neue Orte und Dörfer, die dann später an der Grenze der Leistungsfähigkeit stehen, ja vor dem gänzlichen Ruin. Nicht einmal mir 500 Prozent Kommu­nalabgaben läßt sich das Verhängnis aufhalten. „Samue'l hilf", heißt es jetzt. Der Staat soll wieder in seinen Säckel greifen.

Freiherrn v. Orlop-Staudy vor, gab an, Sohn eines Botschaftssekretärs in London zu sein und einem feudalen Korps in Erlpugen anzugehören. Es ist ihm gelungen, bei mehreren Geschäfrsleu- ten erheblichen Kredit zu erhalten. K. hatte hier zwei Wohnungen in verschiedenen Stadtteilen gemietet.

* Würzburg, 8. Juni 1909. Die städtischen Kollegien beschlossen die Errichtung einer Was­sergasfabrik. Für diese und einige andere gemeindliche Unternehmungen sind 1 Mill. Mark nötig, die durch Ausgabe von Obligationen bei verschiedenen städtischen Kassen und Stiftungen beschafft werden sollen.

Ordnung

-er Zronleichnamsprozesfion zu Zulda

Sonntag den 13. Juni 190 9.

Tier also, dessen Fleisch die Mohammedaner nicht essen dürfen; in einem christlichen Gebetbuch schrieb man neben die Worte: „Dein Reich kom­me", die einschränkende Klausel „natürlich, ohne daß das Reich Seiner Majestät des Sultans Ab­dul Hamid dadurch in irgend einer Weise ge­schädigt wird . . .* Man hielt also selbst^ den Herrgotr für einen Berschwörer gegen die Herr-

jZX’Ä. Wodtenbetay: „Austrierte SonntagzMng"

monatsixuage: „guldaer Seschichtrblätter"

Erscheint tii-ttch mtt Aurmchmr btt $e.m= imbKeierkSt Vlertel- jShrlichttveru-epreir ohne vringertohn und VesteRgelb in Zulba so­wie aurwärtr 1.50 M.

Verantw Redaktemr Lark Schütter

Metzger, Krüger, Brauer (Breuer) Schumann, Schubert, Sudermann (vom lateinischen sutor — ^Schuster). Daß die Juden' so häufig den Namen Meier oder einen ähnlich lautenden führen, hat seinen Grund in dem Gleichklang mit dem alt- hebräischen, sehr beliebten Vornamen Meir, der soviel als „Leuchtender, Glänzender" bedeutet. Länder- und Ortsnamen dienten ebenfalls häu- fig zur Bezeichnung von Einzelwesen und ganzen Familien; so haben wir jetzt die Sachs, Baier, Heß, Böhmer, Schlesinger, Preuß. Drei allgemein bekannte seien hier noch besonders erwähnt: Bis­marck ist ein altmärkisches, dem gleichnamigen Städtchen entstammendes Adelsgeschlecht und der Idame ist zusammengezogen aus Bischofsmark, wie Bistum aus Bischofstum. Die Bülows hatten ihren Sitz in Bülow in Mecklenburg, von dem wendischen bul — Beifuß. Und ein mecklenbur­gisches Torf hat dom berühmtesten Manne der Gegenwart ursprünglich den Namen gegeben: Zeppelin.

— Ei« neues Material für erdbebensichere Kirche» und Klöster hat ein sardinischer Geistli­cher -em Kardinal Merrv del Bal vorgelegt. Es besteht aus einer Komposition vo« Mineralien, die sich durch ihre große Leichtigkeit auszeichnen und dabei doch jede güvollte Form annehmen. Sollte ein aus diesem Material gebautes Haus einstürzen, so würde kaum ein Schaden zu be­klagen fein, denn dies leichte Baumaterial fällt zur Erde und ist nicht imstande, Menschen zu er­schlagen usw. Der Kardinal versprach, d em Papste davon Mitteilung zu machen. Außerdem hat eine japanische Gesellschaft ebenfalls eine Art von Zement, der mit vulkanischer Asche vermischt ist, vorgelegt, um damit Häuser in den vom Erd­beben heimgesuchten Gegenden zu erbauen, -b.

— Die Wahrheit. «Hat Ihnen die Wahrsagerin irgend etwas Richtiges gesagt?' — »Aber gewiß! Ich war noch nicht zehn Minuten bei ihr, da sagte sie mir, jemand wolle mich um mein Geld bringen.* — »Und das stimmte?' — „Jawohl l Sie selbst »Smlich '*

Aus dem Nachbargebleie.

* Burghaun, 7. Juni 1909. Die für gestern einberufene Versammlung zur Gründung eines Kaninchenzuchtvereins war gut besucht. Nach eingehendem Bericht über den heu­tigen Stand der Kaninchenzucht in Deutschland unter besonderem Hinweis auf die Provinz Hes­sen-Nassau und nach Klarlegung des Zweckes und der Ziele der Kaninchenzüchtervereinigungen wurde auch hier ein Kaninchenzuchtverein ins Leben gerufen.

* Geisa, 8. Juni 1909. Anstelle der aus dem Vorstande des Geismarer Da r l e h e n s k a s se n- Vereins, e. G. m. u. H., ausscheidenden Her­ren Karl Schuchert und Franz Joseph Schmelz sind Adolf Rexrorh und Karl Weidenböcner ein­getreten.

* Brückenau, 7. Juni 1909. Nach der heute ausgegebenen Fremd en liste Nr. 1 betragt die Anzahl der Fremden in hiesiger Sradt 208.

* Frankfurt a. M., 10. Juni 1909. Eine R e- solution gegen die Maifeier hat die in Frankfurt a. M. tagende Generalversamm­lung des Merallarbeiterverbandes mit 129 gegen 51 Stimmen angenommen. Es heißt in der Re­solution, daß die Maifeier durch die Arbeits­ruhe ohne eine Schädigung der wirtschaftlichen Interessen der Arbeiterschaft unmöglich sei. Auch sei sie faktisch unbrauchbar als gewerkschaftliches Kampfmirtel zur Erringung günstigerer Ar­beitsbedingungen. Daher könnte die Beteiligung an der Arbeirsruhe nicht den Mitgliedern zur Pflicht gemacht werden, sie wird den einzelnen unter Tragung der Kosten überlassen. — Durch die Kriminalpolizei wurde ein Spie t uest im Cafs Royal, an der Zeil, ausgenommen, wobei 30 Personen abgefaßt wurden. Der Wirt Harle seine im zweiten Stock leer stehende Wohnung zur Verfügung gestellt und die Polizei wurde durch Briefe der unglücklichen Frauen darauf aufmerksam gemacht, deren Männer ihren Ver­dienst dort verspielten.

* Darmstadt, 9. Juni 1909. Oberbürgermei­ster Morneweg ist heute nach langem schweren Leiden im Alter von 58 Jahren verschieden. Er stand 17 Jahre lang an der Spitze der städtikchen Verwaltung.

* Wiesbaden, 3. Juni 1909. Als gestern hier eine Fran aus einer Flasche Spiritus auf einen brennenden Spirituskocher Qilsgießen tonnte, entstand eine Explosion, wodurch die Kleider der Frau in Braud gerieten. Sie erlitt so schwere Verletzungen, daß sie bald darauf starb. Ihr Mann, der die Flammen ersticken wollte, trug auch schwere Brandwunden davon.

* Göttingen, 9. Juni 1909. Ein Hochstap­ler wurde in der Person des Handlungsgehilfen Kowalewski hier verhasret. K. hat etwa 20 Ge­schäftsleute in der raffiniertesten Weise anzu- pumpen versucht. Er legte Visitenkarten eines

vermischtes.

* Warum Zeppelin nicht nach Berlin gekommen ist suchte der Major von Parstval in einer Sitzung des Berliner Vereins für Luftschiffahrt aus recht eigentümliche Weise zu erklären. Im seien die Wetterkarten der drei Tage vom 29. bis 31. Mai abends vorgelegt worden, wobei sich, zu­mal die Karteu ganz unparteiisch seien, die folgende merkwürdige Tatsache ergeben habe: Am 29. Mai herrschte ein ausgesprochener Südwestwind der sich über ganz Mitteldeutschland ausdehnte und bis zum 31. Mai früh anhielt. Zu dieser Zeit befand sich Graf Zeppelin mit seinem Ballon über Bitter­feld. Sodann drehte sich der Wind nach Nord ost und hielt in dieser Richtung an, bis der Ballon nach Stuttgart kam. Es sei hier eine völlig ein­wandfrei Fahrt nachweisbar und würde ein Frei» ballon denselben Weg gegangen fein hätte also die gleiche Schleife gemacht, wie der Ballon des Grafen Zeppelin. Graf Zeppelin habe bei Bitterfeld versucht, ob die Bovenwind- strömung nicht etwa schwächer war, als die in den höheren Luftschichten. Als dies aber nicht der Fall war, sei er wieder aufgestiegen und nicht nach Berlin gekommen.

** Eine neue Handelshochschule wird in Mann­heim zurzeit errichtet. Der Syndikus der Magde­burger Handelskammer Dr. Behr end ist als Studiendirektor an dieses Institut berufen worden.

* Ein 70jährige- Arbeitsjubiläum ist gewiß eine Seltenheit. Dieser Tage konnte es der Arbefter Scheiwe aus Holzen bei der Firma Neuwalzwerk A.-G. in Bösperde (Westfalen) feiern. Von der Firma und seinen Mitarbeitern wurde der Jubilar in großartiger Weise beschenkt und beglückwünscht. Zu bewundern ist noch die Rüstigkeit, mit welcher der Mann seiner Arbeit nachgeht.

— Der furchtsame Abdul Hamid. Die schreck­liche Furcht, in welcher der entthronte Sultan Ab­dul Hamid während seiner ganzen Regierungszen lebte, gibt den Zeitungen noch immer Stofs zu zahlreichen mehr oder minder beglaubigten Anek­doten. Als im Jahre 1885 in Philippopel die Re­volution ausbrach, riet man dem Beherrscher der Gläubigen, Truppen neid) Ostrumelien zu schicken. Dem Padischah fiel es auf, daß alle Herren ferner Umgebung diesen Rat gaben; er schöpfte sofort Verdacht und sagte mißtrauisch zu seinen Ver­trauten: „Sie wollen nur, daß ich die Soldaten aus Konstantinopel entfernen soll; bann können sie mich ungehindert überfallen und töten . . “ Eines Tages kam nach Konstantinopel ein Deut­scher mit einer Schaubude, in welcher unter an­derem die Ermordung des Kaisers Alexander II. von Rußland im Bilde vorgeführt wurde. Der Schaubudenbefitzer wurde sofort ausgewiefen. „Man darf bem Volke nicht zeigen, daß auch Könige ermordet werden können", sagte der Sul­tan. Als einige Jahre später König Humbert £.° n Italien ermordet wurde, meldeten die tür- Blätter „freiwillig", daß der König einem Herzschlage erlegen fei! Die Fürstin aon Neuß riet eines Tages dem Padischah, sich den Solda­ten und dem Bolke öfter zu zeigen; dadurch, ^omte sie, würde er weit populärer werden, als er sich habe träumen lasten. Kaum aber war sie weggegangen, als der Sultan fragte: „Welches ^yntereiie mag wohl diese deutsche Dame haben, mich ermorden zu kaffen?" Die Aengstlichkeit des Sultans wirkte auch auf andere Kreise ansteckend. *7*1. Zollamt zu Trapezunt nahm man eines Tages samtlrche Apothekerwaren in Beschlag, weil öast aus den chemischen Produkten . hergestellt werden könnten; man

konfiszierte ern Kochbuch, weil auf dem Einband- deckel em kleines Schwein abaebildei war. ein

Deutsches Reich.

* Sparsamkeit! Ein „um das Deutsche Reiih hochverdienter Diplomat, der mehr als zwei Jahrzehnte in der Umgebung des Altreichs­kanzlers wirkte und jetzt im Auslande seine Ruhe­tage genießt, schreibt der,RH.-W. Zig/ folgendes:

Man beobachte mal bie Steifen, welche zum Zwecke vorübergehender Vertretungen diplomatischer oder konsularischer Armier bewerkstelligt werden. Es geht z. B. der Generalkonsul in Kapstadt auf Urlaub. Statt nun einen in der Nähe befindlichen Beamten mit der Vertretung zu beauftragen, wird ein Beamter aus Nordamerika oder Ostafien für diese kurze Zeit nach dem entfernten Posten entsandt. Eine solche Reife kostet natürlich mehr, als die Ersparniste einbringen würden, die bei Herabsetzung aller Kilometergelder zu erzielen wären. Mit anderen Worten: Die Rücksicht auf die Steuerzahler spielt bis jetzt eine sehr geringe Rolle bei diesen Delegierungen. Reicht der betreffende Etats- pofien nicht aus, so wird seine Ueberschreitung später vom Reichstag einfach gutgeheißen. In dieses selbe Kapitel schlagen die großen Ausgaben, die das Um­herziehen unserer hohen Beamten mit sich bringt. Wenn z. B. der Reichskanzler wochenlang tn Sorrent oder in Venedig zubringt, so erhalten die zahlreichen Beamten, bte er mit sich führt, hohe Reise- und Tagegelder. Wir glauben, daß dieser Posten in keinem anderen Staate so hoch ist, wie bei uns im Reich. Da hier das Thema „Spastamkeit", über das Bülow gelegentlich so schön im Reichstag zu reden verstand, in Frage steht, so wollen wir gleich auf einige andere Möglichkeiten aufmerksam machen. Der Reichstag hat, wie bekannt, die in den letzten Jahren enorm gesteigerten Telegramm­kosten um mehrere tausend Mark herabgesetzt, als durch einen Zufall bekannt geworden war, welche Nichtigkeiten auf dem kostspieligen Seekabelwege be­richtet worden waren und zwar handelte es sich damals u.a.um ein Telegramm aus Peking, worin der Dank der Gesandtschaft für den Empfang einiger Orden in byzantinischen Wendungen für 950 Mark Telegramm gebühren ausgedrückt war. Viel scheint die Streichung nicht genützt zu haben. Denn dieser Tage berichteten die Zeitungen, daß der Reichs­kanzler dem Minister des Auswärtigen in Brasilien telegraphisch zum Geburtslage gratuliert babe._ Der­artige Gratulationen sind im allgemeinen nicht üblich; sie sind bei uns in den letzten Jahren, entsprechend dem Charakter unserer Politik, eine Art von Traditwn geworden. Natürlich wird bei uns darauf gerechnet, daß die fremden Minister sich am Geburtstag des Reichskanzlers revanchieren, und es macht dann einen sehr guten Eindruck, wenn die Zeitungen zu melden wissen, daß zahlreiche Telegram ne aus dem amtlichen Auslande in Berlin eingelausen seien und den Beweis liefern, welch „hohe" Achtung wir tn den fernsten Ländern genießen.

* Auch eilt Erfolg der Polenpolitik. Die preu­ßische AnsiedelungÄommission strebt bekanntlich mit allen Mitteln danach, möglichst viele große Güter zu parzellieren und mit evangelischen Deutschen zu bevölkern. Es ist von National­ökonomen darauf hingewicsen worden, daß dies Verfahren nicht ohne Schaden für eine gesunde und ständ-ige Entwickeßung des wirtschaftlichen Lebens bleiben würde. Wie zutreffend Liefe Bc- hauptunpeN waren, kann man aus einer Zuschrift erkennen, die in der „Ostd. Rundschau", dem übernationalen alldeutschen Blatte der „deutsche­sten Stadt der Ostmark", Bromberg, enthalten ist. Danach stehen die beiden beieinander liegen­den Dörfer Bauerndorf und Großkomnwrsk bei Schlvetz vor dem Ruin. Bei der llebernahme Westpreußens 1772 war auf dem Vorwerk Groß- kommorsk, Las etwa 17 kulm. Hufen umfaßte, nur eine Haushaltung mit neun katholischen Be­wohnern vorhanden, heute sind aus der gleichen Fläche Hunderte von Kätnerstellen entstanden, die mehr als 1400 Bewohner haben. Diese zah­len 470—480 Prozent Kommunalabgaben. Aehn- liche Verhältnisse liegen in Bauernsdorf vor. In letzter Zeit wird die Bereinigung beider Ort­

fchaft des Sultans.

— Wie entstehe« Familienname«, wie sind vor allem unsere deutschen Familiennamen entstanden? Diese interessante Frage beantwor­tet im 16. Hefte des Deutschen H a u s s cha tz e s ein sachkundiger Germanist, Dr. Rosenberg, in ziemlich eingehender Weise. In Deurschland sind die Familiennamen etwa seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts allgemein in Gebrauch, gekom­men. Das Anwachsen der Bevölkerung, ihr Zu- fammenströmen in den Städten, vor allem aber die Unzulänglichkeit und Eintönigkeit der Taus­namen erklärt die Ausbreitung der Familien­namen. Daß Lab« mancher Einzemame zur Kennzeichnung des ganzen Geschlechtes wurde, liegt nahe. Verkürzungen, Koseformen, bequeme Abkürzungen spielten dabei eine bedeutende Rolle. Wer würde z. B. heute hinter einem Tieck, Tietz, Dietz, Dirks, Tiedge den Urnamen Dietrich su­chen? oder hinter einem Götz einen Gottfried wit- tern? Wie das Volk verfuhr, wenn es galt, die Träger des gleichen Taufnamens voneinander zu unterscheiden, das zeigen Namen wie: Kieinpnul, Grotjohann, Großmann (Graßmann) Kleeotte (Kleinotto) usw. Daß die Namenbildung häufig an menschliche Glieder anknüpfte, braucht nicht Wunder zu nehmen. Langbein, Kurzhals, Breit­fuß, Schmalbein und viele andere Namen sind solcherart entstanden. Wieder andere sind als so- genannte Spitznamen anzusprechen; Ziegenfuß, Esekshaupt, Brathering, Schopenhauer, Zuckman- tel, Hellriegel u. ’ögL gehören zu den Spitznamen. Natürlich haben auch die Gewerbe und Hand­werke eine Menge von Familiennamen geliefert; es fei hier nur erinnert an die Recker iMöckbl

+ Man öffnet das Bifier.

Im freisinnigen Lager ist man offenbarzuder An­schauung gekommen, daß man dem Fürsten Bülow gegenüber eine deutlichere Sprache reden muß und man läßt die bisher zur Schau getragene Maske der Bescheidenheit nunmehr fallen. DaS »Ber­liner Tagebl/ diktiert dem Reichskanzler die Be­dingung für das weitere Mitwilken des Frei­sinns an der Finanzkommission. ES schreibt:

„Unb bas ist bei bem jetzigen Stadium sehr inte­ressant, baß ber Versuch, bte Reichsfinanzreform mit bem Block zu machen, die Undurchführbarkeit einer liberal-konservativen Reform gezeigt habe. Bei ber ganzen Geschichte würbe selbst, wenn sich die libe­ralen Parteien günstige Bebingungen herauszuschlagen verstänben, die ganze Finauz- reform am Ende doch nur einem Blockhirsch gleichen. Sollen bte liberalen Parteien ber Finanzreform zu­stimmen, so muffen sie wissen, wofür sie bi es tun; sie müssen neue Steuern für politische Macht ein­tauschen. Es kann sich einzig unb allein um bie Be­seitigung de? Dreiklassenwahlrechts handeln. In 24 Stunden kann eine Vorlage fertig fe.n, bie das geheime unb birette Wahlrecht in Preußen einsührt."

Falls diesem Verlangen des Freisinns nicht Rechnung getragen wird, empfiehlt das ,Berl. Tagebl/, um einer Ueberrumpelung von Seiten der Konservativen entgegenzuwirken, ihnen im Reichstag gründlich die Suppe zu versalzen. Eine gröbere Art von politischem Kuhhandel ist uns noch nicht zu Gesicht gekommen. Welches Wutgeheul würde durch die gesamte sogenannte nationale Presse gegangen sein, wenn es das Zentrum früher einmal gewagt hätte, in einer solchen Weise Stellung zu Staalsnotwendigkeiten zu nehmen. Aber nachdem Fürst Bülow den freisinnigen Gernegroß einmal an die Staats­krippe gelaffen, ist sein politischer Größenwahn in ungekehrtem Verhältnis zu seiner Stärke und seiner Bedeutung gestiegen. Wir glauben nicht, daß Fürst Bülow die Bedingung des freisinnigen Blattes akzeptieren wird, aber ebensowenig glauben wir, daß die im .Berliner Tageblail' zum Ausdruck gekommene Auffassung das letzte Wort des Freisinns in dieser Angelegenheit ist.

In letzter Zeit ist viel davon die Rede ge- wesen, daßdiewirlschastliche Vereinigung von der Mehrheit des Reichstags sich absplittern werde. Zu dieser Frage hat nun der Abg. Liebermann v. Sonnenberg das Wort im ,Tag* ergriffen. Für diejenigen, die auf die Ab­schwenkung der wirtschaftlichen Vereinigung ge­rechnet hatten, dielet seine Auslassung eine herbe Enttäuschung.

Herr Liebermann v. Sonnenberg hebt den „Willen zur Tat" imb bas „bemerkenswerte gesetzgeberische Geschick" hervor, bie bas Borgehen bet konservativen Partei auSzeichneten. Die wirtschaftliche Vereinigung habe nicht zögern können, auf biefen Weg zu treten, „auf bem man auS bem bürten Irrgarten sich tzeraus- sinden konnte, in welchem sich die Finanzkommfffion tatenlos feit Monaten herumgebreht hatte." Er kommt zu dem Schluffe, daß die Regierung bie Finanzreform mit bet neuen Parteikonstellation machen werde, west sie müsse. Er schließt ben Artikel: „Der Sesamtlibe- ratismuS hat sich wieder einmal groß im Nörgeln, aber unfähig zu positivem Schaffen bewiesen. Man soll ihn in bie Ecke stellen, bis es wieder einmal etwas zum Einreißen gibt."

Die »Deutsche Tageszeitung« bemerkt hierzu zutreffend: „Das ist vielleicht unsnundlich aus- gedrückt, aber man wird schwerlich behaupten, daß es sachlich nicht zuträfe/'

A. Reihenfolge der Prozession.

1. Volksschulen.

2. Erste Musikkapelle (inmitten ber Schul» jugenb).

3. Töchterschule.

4. Kongregation der Englischen Fräulein.

5. Handwerksschule bezw. Forlbildungsschnle.

6. Marianische JünglingS-Kongregatton.

7. Zweite Musikkapelle.

8. Katholischer Gesellen-Berein.

9. St. Josephs-Verein.

10. Winfribia.

11. Meister- unb Männer-Verein.

12. Dritte Musikkapelle.

13. Katholischer Kaufmännischer Verein.

14. Die marianische Männersodalität mit Fahne unb die Bürger.

15. Lehrer-Seminar unb Präparandenkurs.

16. Oberrealschule.

17. Gymnasium; m besten Mitte

. 18. Vierte Musikkapelle (zur Begleitung ber lateinischen Gesänge).

19. Weißgekleidete Mädchen.

20. Barmherzige Schwestern.

21. Barmherzige Brüder.

22. Konvent ber PP. Franziskaner.

28. Das Priester-Seminar unb bet Übrige Klerus.

24. Der Hoch«. Herr Bischof «tt bem Sank tisfimnm.

25. Die Honoratiore«.

26. Marianische Jungfrauen-Kongregation.

27. Dienstmädchen-Kongregation.

28. Arbeiterinnen-Kongregation.

29. Jungfrauen unb Frauen.

B. Bemerkungen.

1. Nach ber Stomwunia« bei Bischöflichen Hoch­amtes stellen sich auf ein Zeichen mit bet WandlunaS- Glocke unb auf bie gleichzeitige Aufforderung der Ordner bie einzelnen Gruppen in ber unter A. be­zeichneten Reihenfolge auf unb setze« sich sofort in

2. %a! Zeichen zum Stillstehe« an ben 4 Altäre» sowie das Zeichen zum Weitrrgehen wirb mit dem Mehglöckchen der Stadtpfarrkirche gegeben. Ma« bittet bringenb, dieses Zeichen sofort zu beachten.

3. Bei Rückkehr zum Dom ziehen nur bie Gruppen von Nr. 15 an (Lehrerseminar usw.) in ben Dom; btt übrigen (9h. 1—14) bilden Spalier auf dem Domplatz unb warten dort ben letzten Segen mit dem Aller- heiligsten ab. Auf ben Augenblick deS Segen# machen bie städtischen Beamten in Uniform aufmerksam Dann erst löst sich bte Versammlung auf.

0. Reihenfolge der Gesänge für das Volk.

1. Vom Dom zum ersten Altar: Nr. 91: „Auf, Zion preise deine» König".

3. Vom ersten zum zweiten Altar: 9h. 93: „Deinem Heiland Deinem Lehrer".

3. Vom zweiten lum dritten Altar: 3h. 99: „Kommt und lobet ohne <tnb .

4. 2So« dritten zmn vierten Altar: 9h. 103: „D Mattes ew aer Sohn".

5. Born vierten Altar zu» Dom: 9h 86: „Großer (Sott, wir loben Dich".

Da» Domkapitel.