36. Jahrgang.
Fulda, Freitan den 11. Juni 1909
M 13<l.
Erstes Vlatt-
Deutsches Reich.
MW
v»e et* fpalttge Petitzeile oder deren Raum 15 pfa. Neklamendrepefttzeile 25 pfg., bet Wiederholungen wird entfpr. «adatt gewährt.
Sotationrdruäund Verlag der Luldaer Ar-
halten bleiben. .
Eine Neuregelung erfahren die Bestlmmun- gvn über die dienstliche Stellung des ^Bürgermeisters und der Beigeordneten, die .-tätigten des Gemeinderats, die Bildung und die Tatig-
keir der Konimisfionen und Deputationen, über die Werwaltung des Gemeindevermogcns und die Rechtsverhältnisse der Gemeindeverbande. Diese Regelung lehnt sich im allgemeinen an mehrfach im Landtag geäußerte Wunsche an. Auch wird im Gesetzentwurf dafür Sorge getragen, daß die Gemeinden ihren Beamten und Bediensteten eine den an sie gestellten Anforderungen entsprechende Besoldung geben; die Aufsicht darüber steht dem Kreisrat zu. I» Gemeinden vdn mehr als 3000 Einwohnern sind die Anstel- lungs- und Besoldungsverhältnisse der Gemernde- I beamten durch Kreis- oder Ortssatzung zu regeln; auch soll in Liesen größeren Gemeinden mindestens alle drei Jahre eine Visitation des Gevneinderechners durch Beamte der Oberrech- nuNgskanmner stattfinden.
Der Entwurf enthält zweifellos eine Reihe von wesentlichen Verbesserungen, die sowohl in Form von Anregungen als auch Beschlüssen bei der Bertaung des vorigen Gesetzentwurfs im Schoße des Sonderausschusses der zweiten Kam- I mer von dar Volksvertretung gefordert wurden. Es muß die Aufgabe der demnächstigen Beratün- gen in der zweiten Kammer sein, den Entwurf I noch weiter so zu gestalten daß er allen billigen I Anforderungen gerecht wird, die das Sewstver- I waltungsrecht der Gemeinden in sich schließt.
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verantiv. Redakteur:
Lark Schütte»
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auflösung."
Es wird manches Zutreffende hier gesagt; estzustellen ist vor allem das Anerkenntnis, daß die Mitglieder des Zentrums nicht ihren direkten Vorteilen nach gehen und daß darin vor allem das Geheimnis seiner Stärke zu suchen ist. Darin zeigt es sich, daß das Zentrum in der großen Wmdlhorstschen Schule Politik gelernt hat, anderseits ist darin auch die beste Widerlegung ür die Beschuldigung zu finden, daß es Neben- getrieben habe, die das Vorgehen am 13. ®e,8. 1906 rechtfertigten. Gründlich falsch ist die Charakterisierung Windthorsts, der durch i^ne parlamentarische'Täiigkeit feinen heißen politischen Machthunger habe stillen wollen. DaS hätte er billiger haben können, denn an diesbezüglichen Angeboten hat es nicht gefehlt.
Die Grubenmagnaten und B örsenjoboer ( schlagen Lärm. Den ersteren kann dre Kuxen- Umsatzsteuer und den letzteren die schärfere Heran-. ziehung der Wertpapiere absolut nicht gefallen. Die amtlichen Vertretungen der größten deutschen Handelsstädte haben an den Reichstag eine Petition gerichtet, worin sie gegen die Kotierungssteuer protestieren und der Kommission vorwerfen, daß- sie bei der Behandlung dieser Steuer leichtfertig vorgegangen sei. Freisinnige Blätter behaupten, daß in der Petition die „Schädlichkeit und Unsinnigkeit' der Kotierungssteuer „schlagend" nach- gewiesen sei. Die Kuxen-Jnhaber gehen in ihren Lamentationen noch ein Stückchen weiter und sprechen gleich von einem völligen Ruin zahlreicher Existenzen. — So schlimm wird die Sache nun doch wohl nicht sein, wenn auch nicht abgestrrt- len werden kann, daß nach Einführung dieser Steuer die Dividenden etwas geringer sein werden. Ob sich die Mehrheit des Reichstages durch all' diese „schlagenden Beweise" irre machen lassen wird? Die Sprüchelchen von der Vernichtung zahlreicher Existenzen, von dem wirtschaftlichen Ruin re. kennt man.
(*) Oberlehrerinnenprüfung. Der Unter» richtsminister hat in einer vor kurzem an dte Provinzialschulkollegien gerichteten Verfügung gestattet, daß die Volksschullehrerinnen, welche die 1 Befähigung für das Lehramt an Mittel- und
.. tienüruckerei in Fulda
Movatsbeilage: „zuldaer Geschichtrvlatter" 8.rusprecher «r.9.
50 Millionen übersteigen wird, so sollen die noch ! fehlenden 50 Millionen durch eme R eich s wert- zuwachssteuer aus Immobilen (etwa 20Mill. Mary sowie durch eine Erhöhung des Effekten- und des Wechselstempels (zusammen etwa 30 Millionen) aufgebracht werden. Als Ersatz» teuern für die abgelehnten und aussichtslosen Inseraten- und Effektensteuern soll eine Erhöhung des Kaffeezolles und eine Zündholzsteuer einaeführt werden. Außerdem foll noch eme neue Steuer geplant sein, über die ledoch noch Stillschweigen beobachtet wird. Im Gegensatz zum Tag' behauptet die ,Deulsch. Tagesztg., daß sich eine'Reichsweltzuwachssteuer auf Immobilien nicht unter den Entwürfen befindet, die das Reichsamt den Vertretern der verbündeten Regierungen bisher vorgelegt hat.
X Die Finanzkommifffon des Reichstages tritt am Samstag noch einmal zu einer Sitzung zusammen, um den Bericht festzustellen. Die Blocklinke hat inzwischen cingesehen, daß sie sich mit ihrem Streik in der Steuerkommifsion des Reichstages selbst kalt stellt, denn jetzt liest man in der freisinnigen „Lib. Korr.":
Die nationalliberalen und freisinnigen Mitglieder der Reichsfinanzkommission werden an der am 12. Juni stattfindenden Sitzung der Kommission zwecks Feststellung des Berichtes teilnehmen. Entsprechend der früher abgegebenen Erklärung haben diese Parteien lediglich wegen Verletzung der Geschäfts' ordnunq an der Beratung der neuen Steueranträge nicht teilgenommen Der Mitwirkung an der Feststellung des Berichtes werden sie sich ebensowenig entziehen, wie der Mitwirkung an der Beratung der Regierungsvorlagen.
Wenn die Herren sich nicht selbst allen Em- flusies berauben wollten, dann blieb aber ihnen nichts anderes übrig, als reuig zurückzukehren.
(*) Die zweite Lesung der Finanzvorlagen soll im Reichstage auf die Tagesordnung des 16. Juni gesetzt werden, nachdem am 14. Ium Der Bericht der Finanzkommission zur Verteilung aelanqt fein wird. Berliner Blätteimelvungen zuiolae wird Reichskanzler Fürst Bülow in dieser Sitzung den Standpunkt der Verbündeten Regierungen darlegen und Schatzsekretär Sydow die neue Erbanfallfteuer begründen. Wahlschein- lich werden die einzelnen Fraktionen Erklärungen über ihre Stellung abgeben. Man rechnet noch mit einer vierwöchenllichen Sitzungspertode und will neben den Finanzgesehen nur die Besoldungsgesetze und eventuell noch das Arbeits- kammergesetz beraten.
)( Was plant man? In der linksliberalen, dem Reichskanzler nahestehenden ,Franks. 3*g.' ' findet sich die auffallende Aufforderung an die * Mitglieder der Blocklinken:
„schon am Dienstag vollzählig zur Stelle zu ' sein, weil von jetzt ab nicht nur die mitgeteilten Ent- > schlösse, sondern auch Abstimmungen geschäftsordnungsmäßiger Art von entscheidender Bedeutung sein können."
Es fröstelte ihn unwillkürlich und ec gab sie rei. **
„Verzeihen Sie, ich habe also nichts zu hoffen", sagte er und kämpfte die Erregung gewalt- am zurück. Wie er sich gemessen vor ihr verneigte und im Begriff war, zu gehen, kam Leben in Herta. Sie machte einen Schritt auf lhn zu und mit leiser, aber unbewegter Stimme sagte sie
, Bleiben Sie, Baron Randen. Ich kann Ihnen heute noch nicht die Antwort geben, cm Brief meiner Schwester ruft mich zu meinem kranken Vater. — Sie begreifen — ich werde Ihnen schreiben."
Sein Blick leuchtete auf.
„So nehmen Sie mir nicht jede Hoffnung,' rief er und ehe sie es hindern konnte, drückte er die bärtigen Lippen auf ihre Hand.
Und wieder duldete sie es. Nicht einmal leises Rot färbte ihr bleiches Gesicht. Als er ge- gegangen war, warf sie dieArme wie erlöst empor, ihre maßlose Eitelkeit war befriedigt. Ihr Herz schlug im ruhigen Takt und doch war eben eme ernste Lebensfrage an sie herangetreten, sie jtcind am Wendepunkt ihres Frauenschicksals. Was wurden die Wellmers sagen, bei denen sie Lehrerin war, wenn sie sich als Braut Naudens vorstellte, der in dem reichen KaufmannZhause als geehrter Gast und entfernter Verwandter verkehrte. Ter Gedanke, daß die arme, abhängige Herta von der Eiche die Kusine der reichen Frau Kommerzien- rätin würde, daß sie eine gleichbereck)tigte, wenn nicht höhere gesellschaftliche Stellung als Gattin Randens einnehmen würde, entlockte Herta em Lächeln. Gewiß, man war recht rücksichtsvoll gegen die junge Lehrerin, ober man ließ ihr es doch gelegentlich fühlen, daß man sie engagiert hatte öaß man sie nach Gefallen entlassen formte. Uno Herta liebte das Wohlleben, den Komfort des reichen Hauses, ihn zu entbehren, wäre ihr schrecklich gewesen. Wenn sie an die bescheidene Häuslichkeit des Vaters dachte, fühlte sie einen gelinden
Schauer. Ines war solch hausbackenes, anders geartetes Wesen, für die war alles gut.
Randen war im Ostpreußischen begütert. Er kam nur ab und zu nach Königsberg, wo Wellmer ein großes Aktienunternehmen leitete, bei dem Randen mit einem Teile seines Vermögens beteiligt war. In letzter Zeit war der Gutsbesitzer oft hergereist unter dem Vorivande, Geschäfte zu erledigen, ober Herta wußte, daß er jede Gelegenheit suchte, um sie wiederznsehen.
Erst nach drei Tagen sollte sie nach Liebenau reifen. Sehr höflich aber sehr bestimmt hatte es die Frau Kommerzienrätin gewünscht, da sie einige gesellschaftliche Verpflichtungen erledigen mußte und die Kinder dann ohne Aufsicht blieben.
Ja, das Gefühl der Abhängigkeit," dachte Herta, „unfrei sein ist bitter, darum will ich ein Ende machen, so oder so.
Der Augenblick war für Randen trefflich gewählt, um seine Werbung anzubringen. Sie war entschlossen, ja zu sagen, nur wollte ne es ihm nicht zu leicht machen. Er mußte fühlen, daß sie ihren Wert kannte, daß sie sich der Huld voll bewußt war, die sie ihm erwies. .Herta reiste abends ab. Sie hatte einen weiten Weg und konnte erst am anderen Morgen in Liebenau ankommen. Randen mußte von Hertas Abreise erfahren haben. Er war auf dem Bahnhof, nahm für sie das Billot, besorgte das Gepäck und brachte ihr einen Strauß köstlicher Rosen. Es war ihr lieb, so als Königin behandelt zu werden und doch mischte sich etwas wie leise Ungeduld in dieses Gefühl, kennte er denn nicht warten bis sie ihm ihre Antwort gab? In der Jagdjoppe mit der Kappe erschien er ihr noch häßlicher als im Gesellschasls- anzuge. Nein, nein, sie hatte sich ihren, Lebensgefährten ganz anders gedacht; er glich in Nichts Friedrich Randen.
„Ich hoffe, Sie finden zu Hause Ihren Herrn Vater nicht allzu krank," sagte Randen kurz, che der Zug abging. „Jedenfalls erinnern Sie sich, daß ich Ihnen tief ergeben bin. Em Wink von
disziplin doch dir taktischen Fähigkeiten der neben, einander stehenden Führer gewissermaßen zu einem Kollektiv-Windthorst. Gerade das Am gehe» des einzelnen in den Gedanken an das Ideal de, herrschenden Machtstellung der Partei gibt dem Zen- lrum so viel Kraft. Die größere, tiefere und aNere politische Schulung la» ursprünglich aus etteu de, Konservativen; aber das außerordentlich start« Bordrängen der materiell en Interessen Hal d« idealeren politischen Fähigkeiten der Konservativen im letzten Menschenalter sehr stark beeinträchtigt. Und das ist der Vorteil des Zentrums, daß sein, Mitglieder nicht den direkten materiellen Vorteilen nach geh en, sondern sich trogen lasten von dem Streben nach Herrschgewalt der Parte,. Da» ist das Erbe eines Windthorst, der selbst in ti-sster Seele durchaus kein eigentlicher Ultramontaner war, sondern nur deshalb mit dieser Partei ging, wen mit ihrer Hilfe fein heißer politischer Machthunger am besten gestillt werden konnte. Politische Elemente, di« ihre persönliche Eitelkeit nicht zu zügeln vermögen, widerstreben dem Wesen der wohldisziplmterlen Zen- trumspartei; und wenn gleichwohl ur einer Zett, m der es an fester, einheitlicher Führung etwas gebrach, ein Erzberger stark mit seiner von ihm selbst so wert- aeschätzien Persönlichkeit in den Vordergrund treten durfte, so hat die Partei ja in voller Starke die ent- sprechenden Rückschläge zu fühlen bekommen. Seit dem Dezember 1906 hat sie verspätete Lehrzahre durchzumachen gehabt; jetzt aber sühlt sie sich innerlich wieder gefestigt und sicher, und zweifelt nicht, daß sie em« neue Herrschaft klüger und bedachter zu nutzen wisten werde, als in den letzten Zetten vor der Reichstags«
am Mittwoch vormittag fand eine Vorbesprechung statt, an der neben dem bayerischen Finanzminister Ritter v. Pfaff, nach dem ,Berl. Tgbl/ auch Reichsfchatzfekretär Syvow und die Finanzminister von Preußen, Bayern. Württemberg, Baden, Hessen u. a. teilnahmen. Die Zufaminen- kunft ist, wiejetzt bekannt wird, deshalb um wenige Tage hinausgeschoben worden, weil die im Reichsschatzamt vorbereiteten Gesetzentwürfe bis zum Dienstag noch nicht ganz ferliggestellt waren. Die aus den Berhand'ungen hervorgehenden neuen Steuerentwürfe sollen vom Bundesrat schnellstens erledigt werden, sodaß sie der Reickstag bei seinem Wiede,zufammentritt am 15. Ium sogleich vorfinden wird. Der .Tag' behauptet, daß in erster Linie der Entwurf eines Reichserbanfallsteuergesetzes in Betracht ! komme. Da der Ertrag hieraus schwerlich
Es foll doch wohl nicht etwa die Obstruktion unseligen Andenkens eine „vermehrte und verbesserte Auflage" erleben?
= Neber die Stellungnahme des Zentrums zur Reichsfinanzreform äußert sich die,Neue Zür. Ztg/ in einer Zuschrift aus Berlin wie folgt:
„Wie immer man innerlich zu der den t | ch e n Z en trumspa rt ei stehen mag— man wird in jedem Falle eintöumen müssen, daß das Zentrum im Reichstag dauernd dir klügsten — um nicht zu sagen: gerissensten — Politiker ins Feld zu führen patte Ist auch der em,eine Zentrumssührer von heute kein Windthorst, so ergän en sich unter straffer Partei-
Ihnen und ich eile dorthin, wo Sie find, wo Sie wollen, Gott segne Sie."
Die Worte waren sehr warm gesprochen. Noch einmal ruhten die Hände ineinander, Ranue'l» lüftete die Kappe und der Zug fetzt sich tn Be
Herta dachte: „Er ist ein guter Mensch, ich müßte wirklich versuchen, ihn zu lieben." Sie seufzte und lehnte sich in die Polster zuruck.
Ein Plan wurde von ihr erwogen. Sie ahnte nicht, tote krank der Vater war, sie wußte auch nickt, wie schlimm es um die pekuniären Berhält- uisje zu Hause stand. Ihr glühender Wunsch war, nach München zu gehen, um sich im Malen auZ- zubilden. Sie wollte fetzt die Frage auregeu, vielleicht konnte der Vater ihr das Geld geben. Sie hotte selbst gespart und sich oft vieles versagt, nm von der hoben Gage etwas zu erübrigen, und dock, hätte sie gern elegantere Toiletten gehabt, schönen Sck>muck, alles, was der Reichtum der- gönnte. Verächtlich sah sie auf ihr schlichtes, graues Reifekleidchen nieder. Frau,Wellmer ließ bei einer Wiener Schneiderin arbeiten, 'trotzdem faßen die teuren Sacken nicht gerade schön auf ihrer kurzen, starken Figur. Ja, wenn Herta dte dreihundert oder vierhundert Mark für solch etn schikes, helles Tuchkoftüm bezahlt hätte, wte wnee da erst ihre gertenschlanke, ebenmäßige Gestalt zur Geltung gelangt.
In ihrer Eitelkeit tarierte Herta ihr allerdings recht hübsches Talent zu hoch; sie war über- zeuot, daß sie es zu Ruhm und Ehre dringen mußte. Bisher hatte sie ja ganz gute Stunden gehabt, wenn sie erst sich in München ausbildete, dann — sie schloß die Augen. Goldene Visionen zogen an ihrem Geist vorüber; sie dachte nicht mehr an den Mann, der sie so treu und aufrichtig liebte.-- . . -
,Jm grauen Dämmern des Morgen- kam die Reisende auf dem Friedrichbahnhof m Berlin an. Sie fühlte sich müde und zerschlagen- Der Zug nach Liebenau ging erst in einer stunde. Herta setzte sich in den Wartesaal und bestellte Kaffee.
ten eine Neuregelung erfuhren zunächst die Bestimmungen über die Bürgermeister- und Gemeindewahlen. Da- aktive Wahlrecht wird statt vom vierjährigen, vom dreiiabrigen Wohnsitz in der Gemeinde abhängig gemacht. Beibehalten wird das direkte Wahlrecht. Der Wähler muß die deutsche Reichsangehorigkeit besitzen und vom 1. April des Rechnungsjayres an, das der Wahl vorangeht, gemelndesteuerpsllchtig sein. Diese Bestimmungen, namentlich dte erstere über die Karenzzeit erweiteren nicht unerheblich den Kreis der Wahlberechtigten. , ,
‘T'er Verlust des Wahlrechts wird für die Folge nicht mehr durch solche Armenunterstiitzun- gen herbeigeführt, die nicht den Verlust der wir»' schädlichen Selbständigkeit für den,Unterstützten zur Folge haben. Neu ist die Destiminung, daß auch Geistliche, Lehrer. Staatsanwaltichastsve- amte, Richter und Eerichtsschreiber das vosuve Wahlrecht erhalten. Seither gehörte dem Ge- meindera't derjenige H ö ch st b e st e u e r t e i er Gemeinde an, der wenigstens ein Dritten der m
*♦ Berlin, 10. Juni 1909. Wie eine Berliner Korrespondenz erfahren haben will, beabsichtigt da? Kultusministerium die Gehälter der Mittelschullehrer neu zu regeln und dabei eine Reihe von Stellen zu erhöhen. Es wird sich
SSSSSS'KXäU 2um bi.ww,»w*- richtete oder ein Grundsteuerkapltal von wenig- Harten handeln. — Auf Anordnung des Kaisers stens 1500 Gulden in der Gemeinde hatte. Fortan soll eine Jmmediatkommifsion gebildet werden, soll den veränderten Anschanunaen und Bedürf- hjx unter dem Vorsitze des Ministers des Innern nisfen entsprechend dieses Privileg des Groß- ^plante Vermal tun gsr es or in in Preußen grundbesitzes in Wegfall kommen. Die Re-1 oorzuberaten hat.
gierung glaubt dieser schon oft im Landtag ge- Konferenzen der einzelstaatlichen
"M-i^ber^S^eMtvertrmltung^ÄEaui'la^ira-! Fin^lzminister haben gestein im Reichsamt des ;en wstl und utüeJYen heutigen wirtlchoftlicken Jnnerrn unter dem Vorsitz des Relchsschah^lre- krerhältnissen eine solche Sonderstellung des tärs ihren Anfang genommen. Als Vertreter Rroßgrundbesitzes fick nicht mehr aufrecht erbat-1 des Reichskanzlers wohnt den Verhandlungen len 'läßt Noch wie vor soll aber der Gemeinde- Unterstaatssekretär v. Loebell bei. Die Verhand- rat zim Hälfte aus dem höchstbe steuert en luiigen, die noch forldairern, sind streng vertrau- Drittel der zum Gemeinderat Wählbaren zu- Bei den beteiligten Rerchsämtern wird ------r.u.1 r.:_ ffi, »Ttor^rntotfter- i n^t Einmal über die sämtlichen an den Konferenzen teilnehmenden Herren Auskunft gegeben. Rur in einem Punkt wurde die Diskretion etwas gelüstet, nämlich darin, daß nach Schluß der
Bernhard von der Eiche.
Roman von Baronin Gabriele von Schtippenbach gj (Nachdruck verboten.)
„Sie müssen es feit langem erraten haben, Fräulein von der Eiche, daß ich Sie Vtcfct. O, geben Sie mir heute, ehe Sie vielleicht aw lange teetreifen, eine Antwort. Haben Sie mit mir gespielt? Haben Sie einen wärmere» «cklag Ihres Herzens für den Mann, der Sie als sein kostbares Eigckntum auf den Hände» tragen will?" . ... .
Der, welcher diese Worte mit dem Ton tiefster Leidenschaft hervorstieß, war ein untersetzter, nicht mehr junger Herr, dessen Aeußeres nichts Bemerkenswertes an sich hatte, es feier, denn die dunklen Augen, die in flehender Bitte auf Herta von der Eiche gerichtet waren. Sie stand hoch tiMfgeridjtet da in ihrer königlichen Schönheit, im Zauber ihrer Jugend und Anmut; etn leises, triumphierende- Lächeln zuckt um ihren roten Mund. .
„Also doch", dachte sie, die hefteJßarhe in der Gegend, der Besitzer des fchönen schioifes Ran- denhagen, er steht vor mir wie ein Bettler, em Wort von mir macht ihn glücklich. Wenn er nur Nicht so häßlich wäre und so alt.
Friedrich v. Randenhagen war erst Mitte der Dreißig, wenn er auch älter aussah durch seine wenig iuge'ndlkche Gestalt, und das bereit- an den Schläfen gelichtete Haar. Allerdings war der erste Eindruck, 'den er hervorrief, derjenige eines häßlichen Menschen; wer ihn aber aufmerksam betrachtete, fand, daß er einer jener Menschen sein mußte, die treu und fest das umfassen, was sie lieben. ,
Als Herta noch immer schwieg im Vollgefühl <hrer Macht über ihn, ergriff er die Hand des jungen Mädchens und wiederholte seine Bitte. Kühl und regungslos ruhte die schmale, weiße -Hand in der gebräunten des Mannes; wie ei» Marmorbild stand sie da, fo schön und eisig. —
Die neue hessische Landgemeindeordnung.
Dem Gesetzentwurf über die Neuregelung der Städteordnung hat die ^ffische. Regierung tn ben letzten Tagen einen weiteren über die Land- aemeindeordnung folgen lalsen. Der Entwurf bringt keine grundlegende AeNderun- aen, soll vielmehr lediglich unter Anlehnung an die Städteordnung eine Revision der öWii' toärtig geltenden Landgemeindeordnung enthal-
1 [ 1 1 V l V v l q WI« V r , t
kammengesetzt sein. Die für die Burg-rmeffter- mt> Gemeinderatswahlen bestehenden Vorschrift ■en habe» eine genauere und präzisere Formime- ;ung erfahren. So werden die Stimni/.ettel in
Schutzporrichtungen getroffen. Unberücksichtigt | Teilnehmer em großes D-.n er geben wird. — Bereits ist das Verlangen auf gefetzliche Festlegung der Oeffentlickkeit der Gemeinderatssibungen geblieben, das wohl bei den Derhandlungen m der Kammer von neuem angegriffen werden toirb.
Die Wahl der Bürgermeister erfolg» gleichfalls direkt. In Gemeinden von mehr als 3000 Einwohnern kann die Wahl eines besoldeten vom Gemeinderat zu wählenden Bürgermeisters beschlossen werden. Im Allgeinemen ist das Amt des Bürgermeisters ein Ehrenamt und er mhält nur den Ersatz seiner Bureaukosten, wo- ,’ür er das zur Führung seines Annes nötige Hilfspersonal zu stellen und zu besolden hat. Die Bestätigung des Bürgermeisters und der Beigeordneten soll nach wie vor der Regierung vorbe-