36. Jahrgang.
Fulda, Mittwoch den 9. Juni 1909
M 129
Zweites Wtatt
den zwilchen Berlin und Petersburg zur Seit recht gut sind. Das ist angesichts der Hetzereien im Westen angenehm zu hören. Entjchei- denden Wert legen wir freilich Nicht auf den Gang der Höflichkeiten und dem Klang der Worte, sondern nur auf die Tatsache, daß der mitteleuropäische Bund in durchschlagender Weise eine Uebermacht erwiesen hat.
= Bom Lchrrlkampf in Belgien.
Seit den 25 Jahren katholisch-konservativen Regimes in Belgien gibt es dort einen erbitterten Kampf auf dem Gebiete der Schule zwischen der herrschenden Partei und der liberalen Linken. Die letztere will um jeden Preis die staatliche neutrale Schule nach französischem Mirster em- führen, während die Konservativen für die freie Schule eintreten.
In jedem anderen Lande, wo die Katholiken die Mehrheit unbestritten in Händen haben, würden sie einfcch die konfessionelle Staatsschule ein- führen. In besonders hoch entwickeltem Liberalismus, zu dem sich die viel engherzigere Linke, welche den Namen „Liberalismus" gepachtet hat, niemals aufschwingen kann, verzichteten die Ka- iholiken auf die konfessionelle Staatsschule und begnügten sich mit der Gleichberechtigung beider Schulgattungen. Die religiös gleichgültigen Eltern können ihre Kinder in die konfessionslose Staatsschule schicken, während die gläubigen Eltern die freie Schule mit konfessioneller Unterweisung bestimmen können. Die staatliche^ Unterstützung geht zu gleichen Teilen an die staatlichen und an die freien Schulen.
Man sollte doch glauben, das sei für die liberale Linke ein idealer Zustand, der das Prinzip der Gewissensfreiheit peinlich,genau hochhält und auch rein demokratischen Prinzipien entspricht. Aber die Sache hat eine Folge für die neutralen Staatsschulen gehabt, die von den Katholiken in diesem Umfange selbst nicht erwartet worden ist: Das Unterrichtspersonal für die neutralen Staatsschulcn genügt nicht mehr. In die staatlichen Lehrerseminare treten nicht genug Studierende ein, dagegen sind die freien Lehrerseminare der Katholiken wirklich überfüllt. Die liberale Linke einschließlich der Sozialisten sucht dem Mangel an Lehrkräften für die neutralen Sraats- schulen so abzuhelfen, daß sie an jedem Orte womöglich ein staatliches Lehrerseminar auftun möchte, das dann nur von einem halben Dutzend Schülern besucht wäre. Versuche dieser Art liegen genügend vor, und man braucht wohl kaum zu konstatieren, daß solche Seminare, die keinem Bedürfnis entsprechen und nur ein letztes verzweifeltes Mittel der Liberalen sind, ihre Schulen zu retten, dem Staate ganz gehörig zur Last fallen. Für solche Rettungserperimente, die einer verlorenen Sache gelten, braucht der Staat kein Geld zur Verfügung zu stellen.
Die liberale Linke ging aber in ihrem Verlangen gar soweit, daß sie für die freien katholischen Lehrerseminare eine Beschränkung der Schülerhöchstzahl forderte, so daß ein Teil der nach der konfessionellen Lehrerbildung strebenden jungen Leute naturnorwendig hätte in die freien konfessionslosen Seminare eintreten müssen. So versteht der Liberalismus das sonst so sehr von ihm verfochtene freie Spiel der Kräfte — er möchte die mächtig sprießenden Keime der katholischen Weltanschauung zurückschneiden, um die Säfte seinen verdorrten Strünken zuzuleiten, und dazu beansprucht er noch eine Staatshilfe, die in gar keinem Verhältnis zu dem wirklichen Bedarf steht.
Um die Aufregung der Liberalen zn begreifen, muß man an den alten Satz denken, daß dem, dem die Jugend gehört, auch die Zukunft gehört. Die Jugend aber hat sich so gründlich von den Religionsneutralen abgewandt, daß einige Ziffern allein im Stande sind, hievon ein überzeugendes Bild zu geben.
Von den 27 staatlichen Lehrerseminaren sind seit 1884 nicht weniger als 14 überflüssig geworden. Ihr Besuch war so gering, daß die staatliche Subvention für sie nicht mehr gewährt werden konnte. Dagegen ergab sich die Notwendigkeit,
krfcheint tSgNch w.it Äusnalmte der Za.m- «id Feiertag« viertel- chhrlichervrmgsprt!? »hne vringerlshn und vestelgeld in Fulda fs- wieauswSttsl 5VM.
verantw. Redakteur:
Carl Schütte;
wochenbettase: „Illustrierte Sonntagrzeitung"
für den Schweimnarkt nötig ist, bleibt ja ohnehin» nicht allzuviel Raum für eventuelle Bauplätze übrig. An der Stadtmauer entlang liehen sich recht trauliche Anlagen (Epheulauben rc.) schaf- fan und dort, wo ehedem, die allen alten Ful- daenr wohlbekannte nicht im besten „Geruch" stehende „Miste" war, würde einer der schönsten Plötze das Auge erfreuen., Die städtischen Finanzpolitiker werden allerdings für diesen Plan sich nicht so leicht begeistern können, aber bei der Verwendung eines solchen Terrains kommt il E. nicht nur die finanzielle Seite, sondern auch die künstlerische in Betracht; sie dürfte von ebenso großer Wichtigkeit fern.
Wenn man von Plätzen redet, dann denkt man natürlich auch an unfern größten Platz, Den DompIatz, dessen jetziger Zustand jedenfalls sehr verbesserungsbedürstig ist. Der jetzt dort befindliche „Rasen" würde wohl bester ganz ver- schvinden, er hindert den Verkehr und ist sicherlich keine Zierde des Platzes; dec durch die ihm rings umgebenden Bäumen uno Alleen schon genügend belebt ist. Früher ist allerdings an einigen Stellen das Gras wild gewachsen, und da das nicht schön aussah und die Entfernung viel Mühe marine, hat man wohl die Rasenplätze angelegt. Wir möchten aber doch den Vorschlag machen, den früheren Zustand wieder herzustÄ- len und wie man für die Beseitigung der in den Straßen umherliegenden Papierfetzen ein „Papi e r m ä n n ch e n" angestellt hat, mit der Instandhaltung des Domplatzes und anderer Plätze, wo oas Gras nicht wachsen soll, einige „Grasmännchen" betrauen. Im Kollegium der städtischen Arbeiter finden sich sicherlich bie geeigneten Kräfte.
Wir schließen diese vom Fuldaer.Lokalpatrio- tismus veranlaßten Ausführungen mit dem Wunsche, -aß sie einer nicht allzu u^reundlichen Kritik begegnen.
Alleen 2C., sondern auch durch Anlage neuer Rasenplätze, Blumenbeete ic. für die Verschönerung des Stadtbildes nach Möglichkeit Sorge tragen.
Als der Bürgermeister D r. Lueger von Wien kürzlich auf neue sechs Jahre wiedergewählt worden war, hielt der Statthalter Graf Kielmannsegg bei der Vereidigung dem Wirken Luegers einen gewaltigen Lobeshymnus. Tarin hieß es auch: „w o n u r ein Fleckchen Erde frei ist, hat er es durch Bäume, Pflanzen und grüne Rasen ges chmück t."
Dazu böte sich wohl auch in Fulda noch hier und da Gelegenheit. Wir denken da z. B. an den Bonifariusplatz. Das alte eiserne Gitter, das unseres Wissens schon bei Anbringung der Reliefbilder beseitigt werden sollte, weil fein gotischer Stil in die ganze Umgebung nicht paßt, ist recht schadhaft; auf die Dauer kann es nicht bleiben; vielleicht entschließt man sich, wenn es entfernt wird, dazu dem Platz eine ganz andere Gestaltung zu geben, die die Anlage einer kleinen gärtnerischen Umrahmung gestattet, ohne daß der — dort übrigens nur unbedeutende — Wagenverkehr zu beiden Seiten des Denkmals behindert wird. Sicherlich würde das majestätische Denkmal dadurch noch mehr gewinnen und der Boni- fatiusplatz würde wie der Kaiserplatz wirklich das, was ein jeder städtische Platz sein soll, em „Prunksaal unter freiem Himmel". Einen neuen architektonisch schönen, traulichen Platz könnte die Stadt gewinnen, wenn das Terrain, das jetzt durch Niederlegung des Schäfer'schen Hauses am Schweinemarkt frei wird, nicht wieder, wie das geplant sein soll, bebaut würde, sondern als freier Platz liegen bliebe. Dort ist in der wohlerhaltenen Stadtmauer ein prächtiges Stück von Alt-Fulda wieder harvorgezaubert worden, das man nicht durch borgebaute eintönige Mietshäuser wieder verschwinden lasten sollte. Da dort ein Stratzen- durchbruch erfolgen soll und ein Teil des Platzes
Fulda im Blumenschmuck.
Es gibt gewiß keine schönere Zier für eine Stadt, eine Straße und auch für das Einzelhaus als den Schmuck mit lebenden Blumen und Pflanzen. Es ist außer allem Zweifel, daß eine solche Ausschmückung viel dazu beiträgt. Fremde gleich beim Betreten der Stadt zu fesseln und den Aufenthalt in derselben reizvoller und anregender zu geftaltan, damit den Fremdenverkehr zu heben und mehr noch den eigenen Bewohnern in dem hastenden Treiben des heutigen Erwerbslebens durch die Beschäftigung mit der Natur und der Pflanzenwelt eine wohltuende Abwechselung und Erholung für die Mußestunden zu gewähren.
Fulda kann sich in dieser Beziehung legen lassen; dank der jahrelangen rührigen Tätigkeit des Gartenbauvereins herrscht in ro“l:en *7r2t cn der Bewohnerschaft recht viel Sinn für Blumen- unb Pflanzenschmuck. Besonders anerkennens- w-rt ist es, daß der Gartenbauverein auch die Schuijugenb schon für die Blumenpflege zu interessieren sucht durch die Verteilung von Blu- menstöcken und entsprechende Belohnung für die । gute Pflege derselben. Abgesehen von dem manig. fachen sonstigen erzieherischen Wert der Blumen- pflege wird der Sinn für das Schöne dadurch geweckt und das „Schmücke Dein Hei m" in der einfachsten, anheimelndsten u. billigsten Weise gefördert. Der schmutzige Plunder verschwindet von der Fensterbank, die blinden Scheiben werden gereinigt, um ben Blumen Platz und Licht zu schaffen. .
Vielleicht ergreift der Gartenbauverein auch einmal die Initiative zu einem Wettbewerb (für gärtnerischen Häuser sch muck, «init Prämiierung der schönsten Objekte, wie dies in manchen anderen Städten durch ähnliche Vereine schon mit gutem Erfolg geschieht. In Würz- ZUkg z. B.^hat der Fränkische Gartenbauverein sich dieser Sache angenommen, in Augsburg hat ßch ein eigener „Ausschuß zur Förderung des iBlumenscknnucks" aebildet, dem auch Vertreter der
Aus dem Nachbargeblete.
[:] Aus bet Rhön, 8. Juni 1909. Außer bei in ver letzten Samstagsnummer b. Bl. bereits erwähnten Stildenten» unb Schülerherberge in Hilders (Hotel-Restaurant Nüdling), sinb solch« Stationen für unser Rhöngebirge in Fulda (Bahnhofshotel), in Gersfeld, Anmeldung bei Herr« Postverwalter Röder, in Tann, Meldestelle bei Herrn Rentenverwalter Barthelmes, und in Vacha, Anmeldung bei Herrn Oberförster Krehan, eröffnet worden. Anspruch auf Benutzung der Herbergen mit Nachtlager unb Frühstück hat jeder Besitzer eines von der Hauptleitung der deutschen Studenten- und Schülerherbergen in Hohenelbe ausgegebenen und von der Studienanstalt für das betreffend« Jahr bestätigten Ausweises. Die Anmeldung b« Herbergsbesucher hat in jedem Stationsorte bet dem Herbergsleiter, beziehungsweise bei der im Herbergs-Verzeichnis namhaft gemachten Auskunft-
-+■: Zu plump.
MU welchen Mitteln gearbeitet wird, un die Konservativen in der Frage der Reichsfi: mz- resorm mürbe und dem Reichskanzler gesügi zu machen, dafür liefert einen drastischen Bc oeis die ,Neue Gesell. Korr/. Es wird dort aisge- führt,
daß sich bei den verbündeten Regierungen eine starke Verstimmung geltend mache gegen die Konservativen. Diese Verstimmung babe ihren Hauptgrund in gewissen sehr ernsten Erwägungen der auswärtigen Politik des Reiches. Das Ausland sttzle große Hoffnungen auf die Beseitigung des gegenwärtigen Reichskanzlers. Frankreich und England bemühten sich seit langer Zeit, den Fürsten Bülow zn stürzen. Wenn also die Konservativen dem Fürsten Bülow Schwierigkeiten bereiteten, die ihm zum Rücktritt veranlassen könnten, so besorgten die Kon- ervativen die Geschäfte des Auslandes und die Verantwortung sür die Folge hiervon falle auf die Kon- servativen.
Die Korrespondenz gibt sich den Anschein, offiziös zu sprechen. Wir nehmen aber im In- tereffe deS Fürsten Bülow gern an, daß ein derattig plumper Versuch, die Konservativen einzuschüchtern, nicht auf ihn zurückzuführen ist, umfomehr als die in dem Artikel beliebte Glorifizierung der Tätigkeit des Fürsten Bülow eine Ueberspannung der Selbsteinschätzung des Reichskanzlers bedeuten würde, Rach wie vor sind sie, wie sich aus den Auslassungen der ,Kreuzztg/ ergibt, entschloffen, den einmal betretenen Weg weiter zu gehen. Die Konservativen sind endlich zu der Uederzeugung gekommen, daß sie es find, die bei der Blockwirtschaft bie Zeche zu zahlen haben. Daß sie sich dagegen wehren, kann man ihnen wirklich nicht verdenken.
Mit Recht bezeichnet die „Kreuzztg." es als puren Schwindel, wenn liberalerseits behauptet werde, die Konservativen seien darmrs ausgegcm- gen, den Block zu sprengen. Ter ganze Gang der Kommissionsverhandlungen hat bewiesen, daß der Liberalismus der gewinnende Teil sein wollte und das beweist jetzt auch der Spektakel, bereit ben Protestverfammmngen geschlagen wirb. Wenn es den Liberalen ernst mit der Lösung der Finanzreform vom Standpunkt des Gebens und Rehmens wäre, so müßte doch irgendwie bet Wunsch unb die Absicht ihrerseits in die Erscheinung treten, noch jetzt mit den Konservativen zu einer Verständigung zu gelangen. Aber davon ist nichts zu bemerken. Man hofft durch die Aufwühlung der Volksseele am besten im Trüben fischen zu können.
Die „Rordd. Allg. Ztg." registriert mit Vergnügen alle Symptome der Erregung des sogen. Voltswillens, indem sie jede Blättermeldung, die sich gegen bie Beschlüße der Kommission äußert, mit emsigem Fleiß sammelt. Wir können nicht glauben, daß das dem Reichskanzler ein besonderer Trost ist. Mit Spektakelmachen bringt man keine Reichsfinanzreform zu Stande. Ta muß praktisch gearbeitet werden.
die freien Seminare auf 39 zu steigern. Man seht es deutlich an den Zahlen der Frequenz, )enn die freien Seminare bildeten in den letzten drei Jahren 2063 Lehrer heran, die freien Schuten konnten damit nicht nur ihren Bedarf an Lehrkräften decken, ja ein Teil der liberalen Gemeinden war gezwungen, um ihren Staatsschulen Lehrkräfte geben zu können, sich an die in den reien Seminaren herangebildeten zu wenden.
Die staatlichen Lehrerseminare in Flandern z. B. lieferten 103 Lehrer, während für die staatlichen Schulen deren 263 erforderlich waren. Der Rest mußte von den freien Seminaren genommen werden. Da die Vorbedingungen für die Ausübung des Lehramtes in beiden Gattungen von Seminaren völlig gleich sind und beide ein staatlich fixiertes Minimum nachweisen müssen, besteht auch kein technisches Hindernis, diese Aushilfe zu betätigen. Das Hindernis liegt nur auf dem Gebiete der Weltanschauung. Die Liberalen fürchten, ein im freien Seminar herangebildeter Lehrer könne den Kindern etwas zu viel vom lieben Gott erzählen und ihnen von religiösen Verpflichtungen reden. Das ist alles. Um Lehrer zu erhalten, die Gewähr geben, daß die Laienidee rein erhalten bleibt, soll durch ein religionsloses Seminar an jeder Straßenecke eine verlockende Gelegenheit zum Studium, geschaffen werden. Mit diesen Mitteln, die eine äußerlst schwache Position verraten, braucht eine Partei, welche die Verantwortung für die Staatsfinanzen hat. im Ernste nicht zu sympathisieren. Eia Antrag Woeste will denn auch diesem Unfug mit Recht ein Ende machen.
städtischen Behörden angehören. Für die Preisverteilung werden verschiedene Gruppen gebildet, sodaß es möglich ist, sich auch mit einem einzelnen schön geschmückten Fenster am Wettbewerb zu beteiligen und das wohlgepflegte Blumenbrett vor dem Fenster einer Arbeiterwohnung mit derselben Freude einer wohlwollenden Prüfung unterzogen wird, wie die schönsten Arrangements an den Villen und Herrschastshäusern.
Zur Ausschmückung eignen sich vor allem die F e n st e r und die B a l k o n e unb zwar bei letzteren nicht nur die Brüstung, sondern auch das Geländer bgzw. Gitter, indem die Pflanzen, die in ihren Gefäßen auf den Boden gestellt werden, das Güterwerk begrünen und mit Blumenschmuck überziehen. Außerdem kommen aber noch weiter in Bettacht die Brüstung und die Pfeiler der Loggia, in deren Bogen auch Ampeln aufgehängt werden können, weiter die Wangen und Pfeiler von Freitreppen, Erkern usw. Besonders den Hausfrauen ist hierbei Gelegenheit geboten, ihren Sinn für Farbenschönheft und geschmackvolle Blumenarrangements zum Ausdruck zu bringen.
Im vorigen Jahre hat eine disbezügliche Anregung in der „Fuld. Ztg." schon einen recht guten Erfolg gehabt, vielfach konnte man an Ballonen einen wirklich schönen Pflanzen- und Blumenschmuck bewundern. Hoffentlich wird in diesem Jahre das Bftimenkleid Fulda s noch schöner und reichhaltiger.
. Erfreulich ist es, daß auch die Stadt selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Mit Recht wurde dieser Tage in der „Fuld. Ztg." auf den im herrlichen Blumenflor prangenden städtischen Schloßgarten! hin^ewiesen und auf die hübsche gärtnerische Anlage auf dem Kaiser Friedrichs platz. Auch der städtischen Anlagen am Fraueniberg kann lobend gedgcht werden; manche größere Stadt mag uns darum beneiden. Möge die Stadt auch ferner nicht nur durch Pflege der schon vorHmidenen Anlagen,
Deutsches Reich.
* Wer handelt nach dem Grundsatz: Der Zweck heiligt die Mittel? Unter den von einer Anzahl Professoren der Theologie herausgegebenen .Religionsgeschichtlichen Volksbüchern' findet sich Reihe 4 Heft 9; Johann Calvin von Dekan Ar. A. Baur-Weinsberg: Dortselbst ist Seite 29 zn lesen:
Es konnte nicht anders sein, als daß sich in Calvin der Grundsatz, daß der Zweck die Mittel heilige, bewußt und unbewußt immer tiefe» fest setzte, das heißt der Grundsatz, daß der heilige gottgewollte Zwe^t auch den Gebrauch solcher Mittel rechtfertigt, deren Anwendung sonst für ein geläuterte- sittliches Gefühl völlig anstößig und verwerflich ist, wenn eben kein anderes Mittel zur sicheren Erreichung des Zweckes sich darzubieten schien. Auf di« Erreichung des Zieles zu verzichten um eines Mittel» willen, das dünkte Calvin ein Verrat an Gottes Ehr« und Sache zu sein.
Johannes Calvin ist bekanntlich kein — Jesuit gewesen!
[] Die Zweikaiserzufammerrkiinfl.
In der englischen Presse ist es so dargestellt oorden, als ob die Anregung zu der bemnadjft tattfindenden Zusammenkunft zwischen dem Leutchen Kaiser und dem Zaren von Berlin au3- (egangen sei. „Der Kaiser", sagt der Standard, chat sich dem Zaren angeboten, ein Kompliment, wß dieser nicht ablchnen konnte." Daran wer- ,en allerlei gehässige Bemerkungen geknüpft, die «en Russen die Annäherung verleiden foltern
Es läßt sich aktenmäßig, nachweisen, daß diese mglische Darstellung unrichtig ist, u. a. durch >ie Tatsache, daß das Berliner Sommerpro- (ramm bereits für die Zeit, die jetzt dem Besuche leim Zaren gewidmet sein sollte, eine Reise des Kaisers nach Hamburg vorgesehen hatte.. Aber lie schönste Widerlegung wird nicht verhindern, »aß in den weitesten Kreisen „etwas hängen ileibt" von den Vorurteilen, welche die englische Hetzpresse durch diese Fälschung der Wahrheit reu zu beleben sucht.
Wenn nun auch die Ränke unserer Gegner die (Siebe zu Deutschland gefährden mögen, so haben ne doch zur Erhöhung des Respekts vor Deutschland beigetragen. Durch den Widerspruch ?on England aus hat der Entschluß des Zaren Die Begegnung herbeizuführen, eine hochpoli- ische Bedeutung erlangt. Man sieht, daß ,ie Feinde Deutschlands in ihren Erwartungen schwer enttäuscht sind. Sie hatten ..Hofft, 'daß Der Zar wegen des Mißerfolges der Js- oolskhschen Politik in der Balkanfrage einen grimmigen Zorn gegen Deutschland haben und sich rückhaltlos von Berlin abwenden und in die Arme der deutschfeindlichen Eiiikreifungspoli- -iker werten werde. Das hat er nicht getan. Vermutlich hat er erkannt, daß die Haltung Deutschlands in der jüngsten Krisis nicht aus Feindseligkeit gegen Rußland berborgegangen ist, sondern einfach aus den Geboten der Bündnis- heue und des eigenen Interesses, die mit einer zwingenden Selbständigkeit Deutschland solidarisch mit dem bedrohten Oesterreich machte. Auf reden Fall hat der Zar erkannt, daß die vielgepriesene Macht der Weststaaten nicht ansreicht gegen die überlegene Militärmacht der beiden mitteleuropäischen Kaiserreiche, und daß also Rußland eine Politik des freventlichen Leichtsinns treiben würde, wenn es sich mit den englischen oder sonstigen Deutschlandfressern solidarisch machen und die Fühlung mit Berlin aufgeben wollte.
Für Rußland wäre es vor allem mit Rücksicht auf die persische Frage von allergrößtem Vorteil, wenn es England gegenüber nicht verlassen dastände, sondern das moralische Gewicht, die diplomatische Unterstützung des Dreibundes hinter sich hätte. Ein Interessengegensatz zwischen Rußland und Deutschland besteht, ivenn mau die Pans'iävistischen Phantastereien außer Betracht läßt, eigentlich gar nicht. Wirtschaftlich sind sie sehr auf einander angewiesen. Nur is die russische Volksstimmung so deutschfeindlich wie nur möglich. Vielleicht mag das ein Grund mit gewesen sein, weshalb der Zar nicht eher au: deutsch-österreichische Freundlichkeiten reagiert hat.
Die offiziöse „Nordd. Allg. Ztg." spricht ganz bestimmt aus, daß der Versuch, Rußland in einen dauernden prinzipiellen Gegensatz zu den beiden benachbarten Kaiserreichen zu bringen, „nicht gelungen ist und aller Voraussicht nach nicht gelingen wird." Diese zuversichtliche Sprache läßt annehmen, daß die Beziehun-
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