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36. Iflhrqan-^.

Fulda, Mittwoch den 9. Juni 1909

M 129.

Deutscher Reich

Mstes Mtcrtt

Aus Kirche und Schule

des erweiterten Kinderprivilegs find die ge-

Ausland.

Lokales.

Fulda, den 9. Juni 1909.

Lieferung für sich. .....

Gerade wegen ihrer Öffentlichkeit ist die Fronieilhnamsfeier manchem Gegner der Kirche ein Dorn im Auge. Mit gutem Grunde mcht, denn die Prozession mutet den Andersgläubigen nichts weiter zu, als die Wahrung der gewöhn­lichen Höflichkeit, die Leute von guter Lebensart gegenüber allen öffentlichen Aufzügen erfüllen. Weder durch Traktätchen noch durch Ansprachen <'er sonstige Bekehrungsveriuche wird jemand be-

•tigt; die Katholiken halten ihre Feier uack i er Alt, und jeder unbefangene Zuschauer eines aiberen Bekenntnisses kann seine künstlerische und sittliche Freude, sein kulturhistorisches Behagen an der schönen Bekundung des religiösen Jdealis- mus des Volkes haben. Das Bißchen Prozessions. freiheit, was wir noch haben, soll man uns lassen, und um es zu verteidigen und zu sichern, wollen wir allzumal uns treu beteiligen an dieser Feier. Namentlich ist es Pflicht der sog. höheren Stünde, durch eifrige Teilnahme an diesem Bekenntnis­gange ihr soziales Gewicht in die Wagschale des Guten zu werfen, die zugleich die Wagschale des

Wegen des hl. Fronleichnamfestes wird die nächste Rümmer der,Fuldaer Zeitung" erst am Freitag ausgegeben.

Schönen ist. . o

Wo es an Mut zum offenen Bekenntnis des ' laubeus gebricht, da kann auch nicht die rechte Glaubensfreude aufblühen. Die Feigheit verdirbt das Behagen an dem heiligen Schatze, der uns zu Teil geworden. Und es liegt gar kein Grund zur Scheu oder gar zur Aengstlickkeit vor. Trotz aller Anfeindungen steht der Katholizismus in hohem Respekt. Ja, gerade ine krampfhaften Anfein­dungen liefern den Beweis, daß die.Hasser unsere Kirche zugleich fürchten: sie würden nicht so rie­sige Kriegsmittel aufbieten, wenn sie nicht von der Stärke des Gegners überzeugt wären. Die Pforten der Hölle haben zu allen Zeiten Zeugnis geben müssen von der Stärke des Felsens und der Erhabenheit der Kirche. Nicht leise und zaghaft, sondern laut und stolz wollen wir uns als Glie­der der einen, heiligen, katholischen und apostoli­schen Kirche bekennen, ohne Zudringlichkeit, aber auch ohne Scheu, friedlich und freundlich, aber auch fest und furchtlos. Wer das tut, dem wird schon zeitiger Lohn zuteil in der Freude, die er an seinem Glaubensschatze findet. Er dient dem Höchsten mit Frohlocken und spürt schon hier einen Vorgeschmack von der Seligkeit, die im Himmel den Sängern des Heilig, Heilig, Heilig beschie- den sein wird. ______________

gewandt." - .....

richt des Gouverneurs selbst bald em.

x Fulda, 8. Juni 1909. Die hiesige Marianische Jungsra uen .Sodalität kann in diesem Jahre aus ein 25 jähriges Be­stehen zurückblicken. Anläßlich des Jubiläums werden nächste Woche vom 14. 18. Juni M der Ronnenkirche für Die Sodalinnen ^er« ziüen. abgehalten (lltichtmitgliedern ist die TeU- nähme an den hl. Hebungen nach vorheriger An­meldung bei der Präsektin der Sodalität gern gestaltet.) Der Stiftungslag, der 18. 3uli, fou I durch Festgottesdienst und durch ein gemütliche-

** Berlin, 8. Juni 1909. Tas preußische Etatsgesetz ist nunmehr im .Reichsanzeiger" | publiziert worden. Desgleichen das Gesetz belr. die Ergänzung der Einnahmen in dem Staats- laushaltsetat für dos EiatSjahr 1909 in Der Preußischen Gesetzessammlung. — Das .Reichs- ge'etzblatt" veröffentlicht das Gesetz über die Sicherung der Bausorderungen. Der Bundesrat hat in der heutigen Sitzung der Befchlußnahme des Reichstags zum Entwurf eines Viehseuchengesetzes die Zustimmung erteilt. — Dem Abgeordneten Justizrat Dr. Porsch (ßtr? -i Breslau, ersten Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses, ist der Charakter als Geheimer Justizrat verliehen worden.

— Der Kaiser weilte am Dienstag in Kiel, wo er auf dem Linienschiff „Deutschland" Wohnung genommen hatte. Er wohnte Vor­führungen der Flotte nach einem besonderen Programm bei. Am Mittwoch trifft der Kaiser wieder in Berlin ein. Die Kaiserjacht und deren Begleitschiffe fahren Freitag nach Danzig ab, wo sich der Kaiser für das Zusammentreffen mit dem Zaren einschifft. , _

(♦) Freiherr v. d. Goltz wird feine Ernen­nung zum Reorganisator der türkischen Armee m den nächsten Tagen erhalten. Die türkische Re- qierung beauftragte den Polizeiminister, der Mit- qlied der Mission ist, die in Berlin die Thron- besteigung des Sultans notifizieren wird, dem General seine Ernennung mit «teilen.

** Für die Auflösung des Reichstages tritt em Artikel der .Franks. Ztg." ein. Es wirb dann ausgesührt, daß es bei eventuellem Scheuern der Finanzreform noch eine andere Alternative gab?, die unseren konstitutionellen Verhältniffen viel me r entspricht. „Einen Reichstag, mit dem die Ver­bündeten Regierungen sich nicht einigen romien, lösen die verbündeten Regierungrn eoeu null Und eine wirklich slaatsmännische Leitung oer beut» scheu Geschicke müßte zu di-,em Mittel greifen, um den Kamps gegen die unerträglich gewordenen Herr- schastsgelüste der Agrarier durchzusührc«. Gewiß, das Zentrum würde in gleicher Stärke wiedcrkchren. Das ist möglich. Und die Sozialdemokraten wur­den gewinnen, das ist auch möglich. Aber dai; die Konservativen stark verUerenwnroen,w>.rd eigentlich von niemand bezweifelt"'. — 'ÄIS ob mit der Schwächung der Konservativen eine Finanz, reform im liberalen Sinne garantiert wäre i Eina- weilen glauben wir nicht daran, daß die Regierung dem Gedanken einer Reichstag?aufiöl>.ing na;er treten wird und wenn der Berliner Vertreter der Frankfurter Zeitung diesen Gedanken croitert, ,o geschieht das ivohl nur, nm die Konservattven em- zuschüchtern. . L

)( Eine Jnstruktionsfahrt tu den Osten macken augenblicklich 21 Mitglieder ber Budgetkommission des Abgeordnetenhauses. Die Herren iraien am Dienstag morgen in Danzig em und wurden dort durch die Behörüeu begrüßt. Mittags fuhren sie nach Marienburg zur Besichtigung des Orbensschlofses und nacy Elbing zum Besuche der Schichau-Werst weiter. Sie werden noch Trakeynen, Königsberg, Memel

* Der englische Staatssekretär des Aus- wärtiaen, Grey, hielt in der Dienstagfitzung des Presse-Kongresses eine Rede, in der er die AufrrckterhaUmrg des Flottenstandards als die wichtigste Tia e nicht nur für die Engländer in der Heimat, sondern auch für alle überseeischen Besitzungen mit Selbstverwaltung bezeichnete. Seme ganze Politik gehe dahin, das Reich zu tonfolibieren und zu entwickeln und Streitigkeiten mit anderen Nationen soviel als möglich zu ver- meiden. Die Presie fönne viel zur Förderung I dieser B-stredungen, das Reich zu stärken und ihm den Frieden zu erhalten, beitragen. Er -volle auf den Ernst der von Lord Rosebery eehalteuen Rede Hinweisen, von der er jedes Wort unterschreibe. ________________

t Das Sronleichrramssest.

Glaubensfreube und Glaubens mut sol­len an diesem Tage in der katholischen Welt ßch bekunden. F re ude an dem unschätzbaren Gut, das nur allein die katholische Mutterkirche be­wahrt hat, und M u t zur öffentlichen Bekundung des Glaubens und der religiösen Gefühle.

Die Fronleichnamsfeier fugt sich.sehr gut an das Pfingstfest an. Mit der Heimlichkeit hinter een verschlossenen Türen war es vorbei, als der hl. Geist auf die Apostel herab gekommen war. Bor der ganzen großen Schar des Volkes, das sich zu Pfingsten in Jerusalem versammelt, verkündig­ten sie öffentlich den Gekreuzigten und ferne Lehre. Das Christentum trat auf Markt und Gassen hinaus. Wenn unsere Kirche sich sticht nach dem Verlangen mancher Neider und Feinde vollständig in die Kirchenmauer einschließen las­sen will, sondern gelegentlich unter freiem Him­mel den Herrn des Hinnnels bekennen will, so l)at ■ie auch in diesem Punkte die apostolische Ueber-

Sie ist eine herrische, leidenschaftliche Natur, die unter ihrer Stellung leidet, als Freiin von der Eiche Lehrerin zu fein, und noch dazu in einem Kaufmannshause."

Ines bückte rasch zur hohen Gestalt chres Bruders empor. ... .

„AVer die Weümeis, bei denen Herta ist, sind feine, sehr liebe Leute," sagte Ines . „Ick) lernte sie kennen, als sie voriges Jahr bei Oberförster» einige Woche» in der Sommerfrische waren. Herta genießt dort jedenfalls Annehmlichkeiten, die der Reichtum bietet. Ich glaube, sie wurde sich in den bescheidenen Verhältnissen unseres Palerbauses nicht mehr glücklich fühlen. Ich habe eo bei ihrer letzten Anwesenheit gemerkt." .

Sie ist eben anders wie du, mein Liebling, sagte Bernhard innig. „Dich muß man nicht ne­ben Herta stellen: sie verliert zu viel dabei."

.,O, Hardy, sie ist so schönl Ich bin nn Der- a'üicb zu ihr nur ein unbedeutendes Geschöpf."

„So findest du das, mein Kleines?"

Liebevoll blickte Bernhard auf das goldblonde Köpfchen an seiner Seite nieder, auf das bl innen- gliche frische Gesicht mit den dunkelblauen Au­gen und dem Ausdruck reinster Herzensgute. Zärrlich schmiegte sich Ines an die kräftige Ge­stalt des Bruders; zwischen ihnen herrschte eine ganz besondere Liebe, wie sie gerade bet Gc- sckMstern so schön ist. Bernhard war das rttter- liche Ideale dre jungen, unschuldigen Madchen- jccle- sie schaute zu ihm auf mit dem Gedanken: „Du' bist groß und gut, leite mich, ich vertraue Dir blind." ...

Und er dachte an die inngste Schwester mu der ganzen tiefen Zärtlichkeit des starken Man­nes der etwas sehr zartes, Kostbares vor den rauhen Stürmen des Lebens beschützen möchte.

Sie gingen Arm in Arm vom Bahnhof zur Stadt, die wunderhübsch liegt, umgeben von Herr- lichem Walde. Tie Höhenzüge des Harzes bauen sich rechts auf; bei klarem Wetter kann man die Spitzen des Brockens deutlich sehen. Wie oft hatte Bernhard weite Fußtouren in der GegeiÄ ge­

nommen, wonach die Schifffahrts-Abgaben nach | wie vor abgelehnt werden. I

_ Die englischen Geistlichen, die am Mon- taa Dover verließen, treffen am heutigen Mitt­woch in Cuxhaven ein. Die Vertreter der parlamentarischen Arbeiterpartei England?, die auch eine sehr herzliche Begrüßung des Staatssekretärs v. Beihmarw-Hollweg einteten, haben Berlin wieder verlassen und streben über Bremerhaven der Heimat zu. — Die Anwesen- beit des Staatssekretärs v. Bethmann-Hollweg bei der Begrüßung und des Koloniai'ekretars Dernburg bei der Abschiedsseier der englischen Arbeiter-Abgeordneten hat in England iurchter- lick verschnupft. Fast die gesamte reffe frag.. | Was würde Deutschland wohl sagen, wenn die deutschen Sozialdemokralen unter Bebels ^uhrung in Lmidon erschienen, dort heftige Reden gegen die deutsche Flotte hielten und dann von bet | englischen Regierung freundlich begrüßt wurden - * Die Unterdrückung der Unruhen nur «a- moa. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: „Bizeao- nnral Cörper, der aus Anlaß der Unruhen mit einem Kreuzergeschwader nach Samoa entsandt worden war, hatte, wie em von ihm emgegange- ner Bericht mitteilt. im Namen bes Kaiiers eine Bekanntmachung art öie aufständischen eaaupt- linae erlassen, worin den Aufständischen von Sa- toai Vergebung zugesichert wird, falls sie ich er­geben und der Anführer Lauakl mnjetnen An- stellte^ich^uaki nach Ablauf der gestellten Frist I Zusammenftin in der „Harmonie- gefeiert werden, am ersten April mit sechs Häuptlingen. Zwei l ------— —

weitere Häuptlinge wurden in Gewahr;am^ge­bracht. Damit waren die Unruhen a n t s a- moa vollständig unterdrückt. .Der Ao- niiral betont ferner, daß die Unruhen nicht gegen

den Gouverneur gerichtet waren. Keinen helleren — Ue6er bic Steuerermäßigung aus Grund Beweis für das Ansehen Dr. solfs gibt es, at» erweiterten Kinderprivilegs find die ge- daß er Lauaki i(^Q^ne bm bio setzlichen Bestimmungen gestern amtlicherseits rm

vor die Füße warsnnd „KreiSblatt" bekannt gemacht worden. Zur ^>urck^ur Umkehr bewegte. Er hat damit un- id)neUeren Erledigung des Lerfahrens empfiehlt

: Sn<fi SeiI von Apia und der Kolonie ab- her Herr Vorsitzende der Emkommensteuer-Ver- — Hoffentlich trifft nun auch der Be- anlagungskommission mündliche Beantragung , x>er Ermäßigung in seinem Bureau, Schloßstr. 4,

--------- Zimmer 5 und 6, werktäglich vormittags von 8—12 Uhr. — Auf verschiedene Anfragen stelle« wir hier fest, daß bei Feststellung der für die Ermäßigung maßgebenden Peffvnenzahl nicht mitgerechnet werden die Ehrsran deS Steuer- pflichtigen und diejenigen Kinder und Angehöri­gen, die das 14. Lebensjahr überschritten Haven und entweder im landwirtschaftliche oder gewerb­lichen Betriebe des Steuerpflichtigen dauernd tätig find oder ein eigenes Einkommen von mehr als der Hälfte des ortsüblichen Tagelohnes nach ihrer Altersklaffe und nach ihrem Geschlechte haben. Wir werden - übrigens in einer der nächsten Nummern die Bestimmungen über d« ! Steuerermäßigung nochmals ausführlich erläutern. | = Ter Albertus-Magnus-Verein, Diözesan-

Verband Fulda, wird, wie wir gestern nutteil- len, in diesen Tagen seinen Jahresbericht für 1908 zur Versendung bringen. Wie wir dem Bericht« entnehmen, wurde in dem Berichtsjahre 27 Studie­renden Beihilfe in der Höhe vonz usammen 2405 Mk. gewährt. Bon den Unterstützten studierten 10 Philo- I lvgie, 1 Mathematik, 1 Zahnheillunde, 1 Bau­jach und 1 National - Oekonomie. Außerdem murdeii von der Zentralstelle Trier noch 6 Stu- dielende aus der Diözese Fulda mit zusammen 550 Mark unterstützt. Als. Ersatz für diese Lei- | stung führte der Diözesan-Verband statutengemäß

Bernhard von der Eiche. Roman von Baronin Gabriele von Schlippendach- 2j (Nachdruck verboten.;

„Ich muß mich unterorönen und abhängig sein, ich," die ich herrschen könnte. "

So ungefähr ließ sich der Ausdruck des tref- brünette« 'Mädchenkopfes deuten. Kopsschutteliid legte Bernhard von der Eiche das Bild artt Leuten Platz zurück. Ec hatte sich nie m da- Wcwn Hertas finden können. E- hatte manchen Mei- nungswschsel gegeben. Der Bruder vertrat metst die richtige Ansicht, aber das wollte die Ligen* sinnige nie zugeben. Wie fo ganz anders war JneS. das jüngste Kind des Majors, schon das liebliche, ovale Gesichtchen, mit der Fülle blonden, lockigen Haares, die strahlenden Blauaugen, das «erliche Figürck>cii bildeten den größten Gegen­satz zu Hertas königlicher Ericheinung. Und nun -er Charakter erst! Dieses anschmiegeiide, icbel- mische Menschnekind, selbstlos und bülssbereit, Von herzerquickender Fröhlichkeit, und vom Zau­ber holdester Unschuld umgeben.

j ^Ja, meine liebe, kleine Ines, Dein großer Bruder will Dir ein glückliches Heim bieten, wenn Du verwaist bist," dachte Bernhard von der Eiche UW(fr warf einige Worte auf das Papier, eine Bitte mn Urlaub an den Chef des Hochofens^ Er wußte, daß er ibn ungern vermißte, aber im Sep­tember waren ihm drei Wochen Urlaub zugep- chert. Er wollte fie benutzen, um einen langge- hegten Wunsch zu erfiMen, nm eine Reffe ni dte Schrveiz anzutreten. Nun durfte lelbftventand- lich von einem solchen Vergnügen nickt mehr die Rede sein. Des Sohnes Herz zog ihn in das klerne Haus unter den hohen Bäumen, wo der kranke Vater seiner harrte. , ,,

Bernhard von der Eicke steckte! die blauen Scheine, die er sich für die Vergnügungstour zu- fammengefpart hatte, in di- Brieftasche; sie wa­ren zu Hause nötiger. Mitten im Packen hielt

* Frankreich. In der flkacht zum Dienstag wurden im Tunnel bet dem Kap Psrtdie ntch. weniger als 5 Telegr aphe n - Leitungen durchschnitten, von dtnm 1 dem Staate, die 4 anöeien bet Paris - Lyon r Mtltekmeer - Bahn gehöreii. Die Gendarme.ie sahndet bisher ver­gebens auf die Täter. M m hat überall eine strenge Leu a hang der Leitungen angeoxtniet. Die Remerimg beharrt aber nach rote vor an der ab-1 lernenden Haltung in der Frage der Änerlennung dr? Syrdikaie? der Postbeamt'n.

* Die ungarifchc Minifferkrife hat bisher aller Beilegungs-Erperimente und felbst Ser persön­lichen Bemühungen des Kaisers und Königs ge­mottet. Ter Kaiser empfing am Dienstag die Minister Kofsuth und Andrasiy in längeren Son- oeraudienzen. Als das wahrsche,uuckOe wird jetzt angenommen, daß das gegenwärtige Kabi­nett im Amte bleiben wird, um die Wahlresorm duicktzuiühren Auf Grund des reformierten Wahlgesetzes sollen bann Neuwahlen stattslnden, für welche die Baukfrage die Parole bilden wird.

* Tic glatte Erledigung der englischen Fl- rmuzreform könnte den Neid Deuffchlaiids er­wecken. Das Unterhaus trat am Monbag in die zweite Lesung des Finanzgesetzes ein die vier Tage in Anspruch nehmen dürfte.

macht. Er liebte das friedliche Harznest mit den altmodischen, weißen Häusern, den Heine» Gärt­chen davor, und den von Kletterrosen und wildem Wein umrankten Mauern. Zwischen dem Schmuck der Rosen und dem herbstbunten Laub des Wei-, nes blickten helle Fenster wie freundliche Augen, es waren die Augen der schmucken Villen und Häuser, in denen es so sauber und wohnlich aus- sah. Und das Sck;öuste bildete für Bernhard da.s spitzgioblige Vaterhaus, dem er fo oft froh ent- gegengeeilt war.

„Vater, ich habe das Emmen gut bestanden." „Vater, id; bin angesiellr als Chemiker!" „Vater, ich bin zweiter Assistent in H. ge­worden."

So hatte es geheißen, wenn Briefe Famen oder wenn er gar felbst heimwärts reiste, um die welke Greisenhand im warmen Truck zu fühlen. Aber heute war das Herz des Sohnes schwer. Eine trübe Ahnung sagte ihm, daß er zum letzte« Male de« Vater besuchte, daß es viel schlimmer stand, als der Major schrieb. Das muntere Geplauder Hnes verstii.mmte nach und nach, des Bruders ernstes Gesicht sing an, fie zu bedrücken.

So fihreiten sie schweigend neben einander her. Es war Abend. Die Sonne warf rote Re­flexe auf de« Wald und den im Grunde dohiir- hüpsenden Fluß. Heber eine Brücke schreitend, erreichten die Geschwister ihr Heim. Bernhards Befürchtungen bewahrheitete« sich. Er war er- idnerft über den Zustand das Kranken. Der To­desengel hatte an die Pforte des Hauses repocht; nicht mchr lange dauerte es und er trat über die Schwelle.--

Als Ines zur Ruhe gegangen war, blieben die Männer allein. Bernhard wußte, daß der Va­ter ihm jetzt die Enthüllung machen wiirde, auf die er in seinem Briefe anfpielte. Ein schwerer Kampf malte sich auf den verfallenen Zugen, endlich sagte er: „•sd'jiefie die Tur mein Junge, komm hier an um-ne« Schreibtisch, rolle einen Stuhl dahin. Was ich Dir zu sagen habe, darf niemand hören."

und Tilsit besuchen.

s. DM den Schifffahrts-Abgaben auf den naiürlichen Wasserstraßen hat sich soeben der Vorstand des deutschen Handelstages be- schäjligl. Er hat, obaleich «ch die Vertreier der Handeiskammetn Berlin, Bremen mu Hanau nicht prinzipiell ablehnend gegenüber dec S?ch'sts- fahrts-Abgabe »erhielten, einen Beschluß ange- ec inne und sah gedankenvoll vor sich hin. Wie war es gekonimen, daß sich dre Vermögenslage der Seinen fo völlig geändert hatte? früher mußte« sie wohlhabend gewesen fern. Sie hat­te« in einem schönen Hause in Potsdam gelebt, hatten Reit- und Wagenpferde gehabt, Diener und einen reizend gepflegten Garten. Bernhard erinnerte sich, daß bei den Eltern oft Gesellschaf- ten stattfanden, daß sie Reisen machte« und sich vieles erlaubten, was nur reiche Leute können. Bernhard befugte in Berlin die Schule, aber er war oft in Potsdam, fast jeden Sonntag.

Es hatte auch immer geheißen, daß er nach bem Abitucium die militärische Karriere ergrei­fen sollte. Mit dem Tode der Muster änderte sich alles.

Was war geschehen? Aus welche Weise hatten die Eltern, bis auf dos geringe Vermögen Frau v. EicheS alles verloren?

gdjon früher hatte sich Bernhard oft gefragt, ohne eine Antwort zu finden. Heute stihtte er sich davon überzeugt, daß die Mitteilung, von der im Briefe des Vaters die Rede war, darauf B^ug haben mutzte. Dem Sohn war er Rechen­schaft schuldig, dem Erben seines Kamens, dem er sterbend die Sorge um die Schwestern anheim- gab.---

„Hardy, mein Hardy!" rief eine Mädchensttrn- me und zwei Arme streckten sich nach dem. Neisen- ben aus. Ines von der Eicke lachte und weinte vor Freud beim Wedersehen des geliebten Bru­ders.

„9hm, Kleines, wie steht es zu Hause?" fragte Bernhard die Schwester. „Ist Herta schon ge- kc-minen? Wie gebt es dem Later? Nicht gut? <£>u schüttelst den Kops."

Ach, Hardy, er ist sehr krank," versetzte bas iunne Mädchen und ihre Augen schimmerte.« un­ter Tränen. „Wie gut, daß Tu da bist. Ich habe mich so sehr nach Mr gesehnt ich war so allein bei Papa. . Herta schrieb, 6aß sie erst m einigen Tagen frei fei."

„Wie schwer wird ihr dieser Zwang fallen.