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Fulda, Dienstag den 8. Juni 1909.

Jahrgang

Krfies Mcrtt

Ansagen: Vie em* spaltigepetitzeNeoder deren Baum 15 pfg. Reklamendlepetttzeile 25 pfg., bei Wieder­holungen wird entspr.

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Rotattonrdrnckund Verlag der Luldaer Ak- ttendruckerei in Lulda Zernsprecher Ur. 9.

beider Völker in bett Kolonien und auf Lein Kon- tinent zu fördern. Oberbürgermeister Kirschner erklärte, daß in ganz Deutschland kein verstän­diger Mensch sich finde, der an eine Störung der innigen Beziehungen zwischen dem englischen und dem deutschen Volke glaube. Robert-Norwich er­widerte, Deutschland habe durch seine Freund­schaft und Güte die Herzen dec englifchen Gäste erobert. Nynes-Manchester sagte, die Urbeiterpar- tei werde alles tun, um den Frieden zwischen allen Nationen aufrecht zu erhalten. Die Gäste traten alsdann die Rückfahrt über Bremen nach London an.

nete er ihn. Sein klares, graues Auge war leicht umflort, als er nachdenklich das Blatt zusammen- faltete.

„Ach must zu ihm!" das stand bei dem Assi­stenten fest. Langsam schritt er in dem Zimmer aut und nieder. Ein Ausdruck von Sorge ließ sein junges Gesicht älter erscheinen; denn Bernhard von der Eiche zählte erst 26 Jahre, ein Alter, in deut die meisten seiner Freunde noch keine selb­ständige Lebensstellung errungen hatten. Sein Heister Wunsch, so wie Vater und Großvater den Soldatenrock zu tragen, ward ihm versagt, denn der Major wäre nicht imstande gewesen, bsm Sohn eine Zulage zu geben. So ergriff Bernhard junior ein Brotstudium, schlug sich schlecht und recht auf der Bergakademie in Freiberg in Sach­sen durch, war eilt beliebter Kamerad und Stu- dent und stand seit zwei Jahren auf eigenen Fü­ßen, erst als Chemiker mit nur hundert Mark monatlich, dann seit kurzer Zeit als Assistent des Hochofenwerk.' in H. Auch hier war sein Gehalt noch bescheiden, aber es ermöglichte ihm, die bei­den Stübchen zu mieten, und sich anspruchslos zu möblieren. Manches liebe alte Stück aus dem Elternhause, hatte aus dein Harz den weiten Weg nach Mitteldeutschland angetreten, und immer, wenn Bernhard Eiche über die Schwelle seines He'mes, trat, fühlte er sich glücklich. Verdruß und Lwger, deren es mehr als genug auf dem Werk gab, schwiegen, um einer behaglichen Ausgegli­chenheit Raum zu geben.

Wie der junge Mann in seinem Auf- und Ab- gchen inne hält, und an den Schreibtisch tritt, um die Bilder seiner Lieben, eins nach dem an­dern anzufehen, liegt ein weicher, sehnsüchtiger Ausdruck um den feingeschnittenen Mund, den ein starker, dunkelblonder Schnurrbart beschattete. Tas feste, energische Kinn, die gerade kräftige Nase, und die hohe breitschultrige Gestalt paßten gut zusammen. Prächtig hätte Bernhard von der Eiche der goldblitzende Küraß der Garde du Corps oder die flotte Ulanenuniform gekleidet, aber auch

vielleicht nicht recht an ihr gehandelt, daß ich sie nicht auch in eine größere Stadt schickte, wo sie, wie Herta, ihr Lehrerinnenexamen machen konnte^ aber ich konnte mich nicht entschließen, mich von meinem Sonnenstrahl zu trennen, der durch feine Gegenwart meine Krankenstube mit Licht und Wärme füllte. Ines hat, so vi-l es hier zu er- möglichen war, gute Lehrer gehabt. Sie ist ein liebes, selbstloses Wesen, ganz der Mutter Eben­bild. Du mein geliebter Sohn, bist nun Assistent beim Hochofen in H. geworden; Dein Weg liegt vor Dir. Bei Deiner Energie und Deinem Ehr- geiz kannst Du es weit bringen; Du bist mein Stolz, auf Dich setze ich meine Hoffnung. Du wirst unferm alten Namen Ehre machen und un­ter Wappenschild hochhalten.

Und nun nmß ich schließen; meine Kräfte sind erschöpft. Komme bald, es dürfte sonst leicht zu spät werden. Ich habe Dix eine wichtig; Enthül­lung zu machen. Du hast ein Recht ,es zu erfah­ren, mein Junge.

Es erwartet Dich voll Ungeduld Dein altrr treuer Vater

Freiherr Bernhard v. d. Eiche, Maioc a. D."

Der Empfänger dieses Briefes lvar gerade vom Hochofen nach Hause zurückgekehrt. Es hatte wieder einen heißen Arbeitstag in der Glut bcr Augustsonne gegeben. Der junge Assistent hatte überall mit angepackt, wo es not tat. Er hatte mitten im Tosen, Fauchen, Hämmern und Zischen dec Oefen gestanden, um nach dem Rechten zu sehen, hatte die Arbeiter angespornt, ermutigt, aber oft auch gehörig gescholten.

„Kerls, seht Ihr denn nicht, so muß es ge­macht werden. Wenn Ihr die Sache richtig an- faßr, geht es!"

Wie wohltuend wirkte die Ruhe seines beschei- denen Heims auf den Müden. Ec strich sich das lichte, blonde Haar aus der erhitzten Stirn und wechselte dm Anzug, säuberte die Hände und trat dann an den schlichten Birkeicholzschreibtisch. Da erblickte er den Brief des Vaters und hastig off»

so im schlichten Rock des Zivilisten kam sein« männliche Erscheinung voll zur Geltung.

.. -Ein Mensch, der weiß, was er will und durch­fuhrt", so lautete das Urteil seiner näheren Be­kannten über ihn. Und doch blieb ihnen das Beste in seinem Wesen ein Buch mit sieben Siegeln, denn Bernhard Eiche gehörte zu denen, die sich nicht leicht ausgeben. Die Tiefe seines Empfin­dens, der Griund seines stolzen Männerherzans, das warm noch ungehobeme Schätze. Nur ein liebendes Weib konnte das: „Sesam, öffne dich" sprechen, um aus dem reichen Born zu schöpfen. Aber würde er diese Zauberin je finden? Bis­her war es ihm nicht geglückt. Die flüchtigen Jugendschwärmereien als Primaner und Stu­dent kamen nicht in Betracht; anders, ganz anders müßte es ihn packen, wenn er der Frau begeg­nete, die ihm als Ideal vorschwebte.

Tie Bilder der Eltern des Asiistenten stan­den im Doppelrahmen auf dem grünen Tisch des Schreibtisches. Das reizende, sonnige Gesicht der Mutter, das schnautzbärtige kluge Antlitz des Va­ters, der in voller Galauniform seines Dragoner- regimmts aufgenommen war, blickten den Sohn an. Seit 8 Jahren war Fran von der Eiche tot. Plötzlich war die blühende Frau den Ihren nach kurzer Krankheit entrissen worden. Und als dec Sohn sie heute im Bilde sieht, geht derselbe heiße Schmerz durch seine Seele, wie ihn damals der sechzehnjährige Jüngling fühlte, als er zu dm Ferien heimkehrend die Mutter im Sarge sah. Bald darauf trat Major von der Eiche aus dem Dienst, fein Gichtleiden erlaubte ihm nicht mehr, Offizier zu bleiben. Er zog in das kleine Harz- städtchm.

Aus einem ganz modernen Rahmen im sezef- sionistischenStil blickten der ältesten, jetzt zwanzig- jährigm Schwester schöne, aber stolze Züge den Bruder an. Herta hatte den Rahmen selbst ge­malt, steife, gelbe Sonnenblumen, auf tiefgrünem Grunde, modern aber geschmacklos.

(Fortsetzung folgt)

krschetttt täglich tnh Aurnahme der So;m= und Feiertage-virrtel- iährlicherverugrprek ohne vringrrlohn und vesteSgeld in Fulda so­wie aurwärtr 1.5» Mt.

Verantw. Redakteurr Sari schütter

, Aber auch die Konservativen werden aller Voraussicht nach den Bülowschen Drohungen kühl bis ans Herz hinan gegenüberstehen. Das läßt eine Auslassung der ,Kreuzztg/ (Nr. 259) M! '"er nur wünschenswerten Deutlichkeit er kennen. Das Blatt hält zunächst den National­liberalen vor, daß die Konservativen sich redlich Mühe gegeben hätten, ihnen gut zuzureden; das Blatt fährt dann fort:

„Doch müssen wir nach unserer Kenntnis der Ver- ihaunisse vor der Annahme warnen, daß etwa die -Rechte, gerührt von der Treue der liberalen Freunde, ihre günstige Position aufgibt und sich von den I Nationalliberalen die Friedensbedingungen diktteren läßt. . . . Die positive Mehrheit des Reichs- itages ist fest entschlossen, die Finanzreform in 14 Tagen zu erledigen — .durchzupeitfchen", wenn man diesen Ausdruck schöner findet."

Und an anderer Stelle heißt es:

Da die „neue Mehrheit" ihre Pflicht anerkennt, für vollen Ersatz der abgelebten Erb anfallsteuer zu sorgen, wobei sie freilich nicht alle ihre Karten auf« decken kann, so werden die verbündeten Regierungen ckeinessalls in die Lage kommen, aus prinzi- spiellen Gründen das Angebot der Mehrheit ,zurückzuweisen, zumal nach allgemeiner Voraus­sicht im Juni 1909 nicht zum letzten Mal Über neue Steuern Beschluß gefaßt wird. . . . Daß es dem I Reichskanzler unangenehm ist, die eigens für den Block I präparierte Finanzreformvorlage an eine andere I .Mehrheit übergehen zu sehen, ist begreiflich; aber! mit den, Freisinn ist ja in Steuersragen nicht zu I reden."

t Sl Auslassungen der .KreuzztH." dürsten -reichlich Wasser in den liberalen Wein gießen, Jbenn sie lassen mit aller Deutlichkeit erkennen, 1

)( Der deutsche Flottenverein hat auf sein I an den Kaffer gesandtes Huldigungslelegramm folgende Antwort erhalten:

Großadmiral v. Koester, Kiel. Herzlichen Dank für die treuen Grüße des deutschen Flotlenvereins. Es freut mich, daß die Mitglieder des Vereins einen schönen Eindruck von Kiel und der Flotte gehabt haben Wilhelm I. B.

)( Die preußische Berggesetz Novelle mit den Bestimmungen über die „Sicherheitsmänner" wird nach Mitteilungen, die aus Kreisen des Herren- Hauses verbreitet werden, im Oberhause des Parlaments Schwierigkeiten nicht begegnen und eS wird daher angenommen, daß dos Gesetz mit Juli in Kraft treten kann. — Die Bestimmungen über die Arbeitsausschüsse sollen bekanntlich A nach 6 Monaten in Kraft treten.

— Die Nachweisungen über die kommunale Imparität zum Nachteil der Katholiken reißen nicht ab. Neuerdings wird der.Köln, Volkztg." auS D u i s b u r g-R u h r o r t geschrieben:

.Daß der Oberbürgermeister und sämtliche Beigeordnete, besoldete und unbesoldete, trotz der überwiegenden Mehrheit der katholischen Einwohner sämtlich dem evangelischen Bekenntnifle angehören ist hier so selbstverständlich, daß zweifellos auch der an Stelle des nach Saarbrücken gewählten Beigeordneten Schlaffer neuzuwählende Beigeordnete wieder ein Protestant sein wird. Auch die weiteren oberen Be- amlenstellen der städtischen Verwaltung, ja selbst die

bürg solch „musterhafter Parität" erfreut, da von den 66 Stadtverordneten nur ein Fünftel dem katholischen Bekenntnis angehört. Daß auch die städtischen Ehrenämter fast ausnahmslos mit Pro testanten besetzt sind, kann ebensowenig auffallen. So sind fast sämtliche Wahlvorstände mit evangelischen Bürgern besetzt, neben denen auf das Drängen der Katholiken hin erst in de» letzten Jahren einzelne Katholiken als Beisitzer zugelaffen sind. In Duisburg-Meiderich sind sogar bei Wahlen die Wahllokale nur in Wirtschaften, deren Besitzer evangelisch sind, obgleich manchmal ge­eignetere Lokale von Katholiken ganz in der Nähe liegen. Solche und ähnliche Behandlung sind die Katholiken der Stadt Duisburg schon so lange ge­wöhnt, daß sie ihnen kaum noch auffällt."

Daß es sich in Duisburg um ein System handelt, kann schlechterdings nicht wohl bestritten werden.

)( Die mecklenburgische Verfassungsfrage scheint ihrer Lösung näherzukommen. Bekanntlich hat der Großherzog trotz der ablehnenden Hal­tung der Ritterschaft im Mai vorigen Jahres eine neue Vorlage an die Stände gelangen lassen. Die Ritter haben bis jetzt die Verhandlung über diese neue Vorlage hinauszuschieben verstanden. Jetzt aber ist definitiv beschlossen worden, daß an, 25. August die kommissarischen deputatischen Verhandlungen über diese Vorlage beginnen sollen.

)( lieber den Weiterbau der Usambara- Bahn in Deutsch-Ostasrika bis Moschi wird eine Gesetzesvorlage für den Herbst bestimmt ange- kündigt. Die Verhandlungen mit der jetzigen Pächterin über die Uebernahme der weiteren Strecken sollen abgeschlossen worden sein.

ns. Ter deutsche Privatbeamtenverein hat oeben in Dresden seine Hauptversammlung ab­gehalten. Der Verein hat gegenwärtig 15736 Mitglieder. Man beschloß die Gründung einer Waisenkasse.

s. Der Verband der Vereine für weibliche kaufmännische Angestellte hielt soeben in Braun­schweig seine Jahresversammlung ab. Die Tagung trat für das Wahlrecht der Frauen zu den Kaufmannsgerichten ein, mit der Begrün­dung, daß heute 174000 Handlungsgehilfinnen nur 308 000 Handlungsgehilfen gegenüberstanden, sodaß die Handlungsgehilfinnrn sehr wohl ein Anrecht auf das Wahlrecht hatten.

* Halle, 7. Juni 1909. Der freisinnige Reichs­tagsabgeordnete Karl Schmidt (Halle) ist an einem Herzschlag gestorben. Der Schmidtfche Wahlkreis Halle-Saalkrris, der vorübergehend von den Sozialdemokraten erorbert worden war, gehört nicht zu dem gesicherten Besitzstand der Freisinnigen.

überwiegende Mehrzahl der unteren und mittleren Beamtenstellen, sind mit wenigen Ausnahmen mit Protestanten besetzt. Unter den drei Bauräten ist ein Katholik. Als im vorigen Jahre der Oberbaurat starb, kam als Nachfolger naturgemäß der dienstälteste Baurat in Frage. Da dieser aber „leider' Katholik ist, wurde statt dessen ein auswärtiger evangelischer Herr gewählt. Bei der Neuwahl eines höheren Polizei­beamten im Stadtteil Meiderich vor mehreren Jahren kam ein katholischer Bewerber ernstlich in Frage. Er schied aber bei der Wahl auS, ja es hieß, daß diesem Beamten gegenüber sogar das Wort gefallen sei: „Schade, daß Sie katholisch sind!' Die Leiter und Leiterinnen der höheren paritätischen Schulen sind gleichfalls durchweg evangelisch, wie es auch die überwiegende Mehrheit der an diesen Schulen wirkenden Lehrer ist. So z. B. sind am Realgymnasium in Duisburg-Meiderich der Direktor und 22 Lehrer evan­gelisch; neben ihnen unterrichten mit Einschluß des katholischen geistlichen Religionslehrers nur vier Katho­liken an dieser Anstalt. Bei der großen Mehrzahl der katholischen Volksschüler hat allerdings die Stadt nicht umhin gekonnt, hier wenigstens einen katholischen Schulinspektor anzustellen, neben dem aber die prote­stantische Minderheit gleich wieder einen evangelischen Schulinspektor besitzt. Kein Wunder, daß sich Duis-

△ Der antiultramvntane Reichsverband hielt in Eisenach feinen Vertretertag ab. Natür­lich war unser alter Busenfreund dabei: Graf Hoensbroech, der frühere Jesuit, der seit seinem Austritte aus dem Jesuitenorden die Ver­nichtung des Zentrums sportsmäßig betreibt. Er hielt einen Vortrag: „Das Zentrum, eine natio­nale Partei?", der zur Annahme einer langen Resolution führte. Die Herren geben darin der Auffassung Ausdruck:

Daß die „Wiedereinsetzung des Zentrums in die parlamentarische Machtstellung eine schwere Schädigung des nationalen Gedankens' sei, die um so verwerflicher sei, als sie bei der Reichsfinanzreform einsetzr. Das Zentrum verfolge „als Partei und als Verkörpe­rung des internationalen Ultramontanismus unbeschadet der nationalen Gesinnung vieler seiner Anhänger keine nationalen Ziele", die „Brüchigkeit, an der die äußere und innere Entwickelung des deutschen Reiches zweifel­los krantt, sei zurückzuführen auf die Macht de» Zen­trums, d. h. auf den in allen Gebieten des öffentlichen Lebens sich betätigenden offenen oder geheimen Wider­stand des Ultramontanismus gegen die freie Entfaltung der Kräfte unseres Volkes". Es wird dann ein Wott Bismarcks zitiert: „Ich habe erkannt, daß mit den Grundsätzen des Zentrums weder das deutsche Reich noch der preußische Staat bestehen können", und dann wird ein „so erleuchteter und frommer Katholik wie Reinhold Baumstark' zitiert, der den .Ultramontanis­mus die Pestbeule am Leben der katholischen Kirche' genannt haben soll.

Daß Graf Hoensbroech die Einzelheiten dieser Resolution in seinem Vortrage mit gepfefferten Ausdrücken „begründete", versteht sich von selbst.

Die Tagungen des antiultramontanen Reichs­verbandes lassen uns sonst kalt. Diese Gründung eines Herrn, der den Namen Frhr. v. Münch­hausen trägt, war bisher nicht in der Lage, unserem Ansehen irgendwelchen Abbruch zu tun. Auch wegen der Eisenacher Verhandlungen lassen wir uns keine grauen Haare wachsen. Aber die Art und Weise, wie man hier den Haß gegen das Zentrum vor den Karren der Bülowschen Reichsfinanzresorm zu spannen sucht, macht denn doch eine Zurückweisung nötig.

Jedesmal, wenn das Zentrum, getrieben von seiner Uebcrzeugung, eine andere Politik verfolgen mußte, als sie der leitende Staatsmann betrieben,

bann ertönte der Ruf von dem „unnationalen* Zentrum. Das ist so, seit Bülow sich in seiner Hurrah- und Kolonialpolitik festgefahren hat, das war so, als Bismarck bei seiner einseitigen Gewaltpolitik auf den Widerstand des Zentrums stieß. Damals hat Bismarck jenes Wort ge­sprochen, an dem jetzt Graf Hoensbroech so großes Vergnügen hat. Daß Bismarck später ganz andere Ansichten vom Zentrum hatte, als er seinen „Gang nach Canossa" angetreten halle, als er die Worte „es gelingt nichts mehr!" ge­sprochen hatte, davon schweigt unser alter Freund ängstlich. Er schweigt auch davon, daß Bülow früher, als er noch nicht unter dem Einflüsse des Evangelischen Bundes stand, mit dem Zentrum alles das geschaffen hat, was ihn emporgehoben hat. Auch er muß, wenn er das nationale Wohl ins Auge saßt, sagen: Seit ich den Streit mit dem Zentrum vom Zaune gebrochen habe, gelingt nichts mehr.

Heule steht Bülow in der Krisis, die seine zentrumsfeindliche Politik geschaffen hat. Jetzt soll er ohne das „unnationale" Zentrum, ohne die bösen „Ullramontanen" das Reich aus seiner Kalamität erteilen, und .... er kann nicht! Er kann nicht, weil sein „nationaler" Block der unnationalen Eigenbrödelei die Zügel schießen läßt. Da nimmt eS sich dann allerdings sehr

daß die Konservativen nicht gesonnen sind, die Kommissionsbeschlüsse aufzugeben. Und wir sind überzeugt, daß Fürst Bülow, wenn er einsieht, 4- An aaSm»«* I daß alle Drohungen und Bitten nichts nutzen,

LZU fruy gefreut «sich hüten wird, den Bogen zu Überspannen.

hat sich sicher die liberale Presse. Sie ist einmal .......— ■ i——

wieder quietschvergnügt; Anlaß dazu gibt ihr

die gestern mitgc teilte Auslassung der,Nordd. I UCUl)u)CS HClu),

, bie bie Steuer auf Wertpapiere, ♦* Berlin, 7. Juni 1909. Die Konferenz bet n c numfa$^eucr und den Kohlenausfuhr-1 einzelstaatlichen Finanzmini stet und leitenden roll bekämpft als schädliche, ungerechte und ver- Minister für die Reichsfinanzreform findet kehrte Steuern. I nicht diesen Dienstag, sondern erst an einem

Einen kleinen Tropfen Wermut in ben Selber I fpäteren Tag in dieser Woche statt.

der Freude läßt die offiziöse Kundgebung zwar = Der Kaiser hörte am Montag Vorträge fallen, denn sie spricht sich nicht gegen die Wert-! und fuhr in der Nacht zum Dienstag nach Kiel, zuwachssteuer und die Umsatzsteuer auf Jmmo-1roo er am Dienstag morgen eintraf.

dilien aus. Aber im übrigen ist die Hoffnung! = Die Kronprinzenreise nach England wird

des Liberalismus, daß die Regierung sich auf die I voraussichtlich erst in der zweiten Hälfte des Beschlüsse der Kommission nicht einlaffen werde, I ^er Anfang Juli erfolgen. Es handelt durch die offiziöse Kundgebung erheblich gesteigert. M t S °ren Besuch.

Das ,Berl.Tagebl/ konstatiert mit Befriedigung, Gegenbesuch des Zaren. Ter Zar

daß bie ,Nordd. Allgem. Zig/ eine scharfe Rede o" bevorstehenden Besuch

führe und daß die Erklärung der 'konservativ- Wilhelms im Laufe des Sommers tn klerikalen Koalition" sehr unbehaglich sei. Kiel zu erwidern.

Nun, vom Zentrum können wir sagen, daß "«lischen Arbeiterparlamentarier wur-

es sich durchaus nicht unbebaatidi fühlte- Berlin am Sonntag tn einer Festver- nermftrt E9 t 'U9lIC' fammlung von dem Vizepräsidenten des ^eidl■5-

zu tages. Kämpf, begrüßt. Die Herren besuchten s?besser. Da aber der bisherige Verlauf verschiedene Maschinenfabriken, Häuser des vewlesen hat, daß mtt dem Liberalismus praktische Spar- und Bauvereins, die Ausstellung für Ar- Arbeit Nicht zu leisten ist, so wird sich Fürst Bülow I beiterwohlfahrt und den Zentralarbeitsnachweis, wohl ober übel dazu bequemen müssen, die I Staatssekretär Dernburg erklärte in einer An- pleitertefoun aus den Händen der Konservativen I spräche, die leitenden Staatsmänner Deutsch­und des Zentrums entgegenzunehmen, wenn er I svnds würden alles tun, die gemeinsame Arbeit nicht den berechtigten Vorwurf auf sich laden :WtH, daß durch feine Schuld die Finanzresorm gescheitert ist. Die Schuld, die er auf sich laden würde, würde um so schwerer sein, als sachliche :Gründe gegen die Beschlüsse der Kommission nicht geltend gemacht werden konnten, noch geltend

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Bernhard von der Liche.

Roman von Baronin Gabriele von Schlippenbach, jy (Nachdruck verboten.)

Sieben au hn Harz, 10. Aug. 19 . .

„Mein lieber Sohn, ich fühle mich sehr krank; mein Gichtleidssn nimmt zu und quält mich Tag und Nacht. Heute habe ich den Arzt auf Ehre und Gewissen gefragt wie lange ich noch leben kann. Er wollte nicht recht mit der Sprache heraus, da habe ich ihm gesagt, daß ich endlich Klarheit haben will. Zum Kuckuck, ein alter Soldai, der, wie ich, im Jahre 1870 die großen Schlachten ntitge- macht hat, die Deutschlands Größe befestigten, ein Mann, der dem Feind Aug in Aug gegenüber- ftabn und schwer verwundet wurde, der darf sich snichl vor dem Tode fürchten. Nun, das schien un- ferm guten Doktor einzuleuchien, er hat mir volle Wahrheit gegeben. Sie lautete so, wie ich es Elbbe; meine Tage sind gezählt mein Junge, ruft mich der große Schicksalslenker zu sich. Ach fürchte mich nicht, wie ich Dir schon sagte, ober mein Herz ist recht sorgenvoll, wenn ich an Seine Schwestern denke. Herta steht ja auf eige­nen Füßen, da sie ihr Lehrermnenexamen machte. Gern hätte sie ihr Talent zum Malen au »gebildet; jeider fehlten mir die Mittel dazu. Ich weiß, -aß Deine ältere Schwester sich widerwillig darein (fügt, in einem fremden Hause eine abhängige Stellung einzunehmen. Ihr hochfahrender, un- Lenksamer Sinn leidet unter der Abhängigkeit. Es ßväre mir eine Beruhigung gewesen, sie vor mei- <wim Tode an einen braven Mann verheiratet zu “en- ern^n Mann, der ihrer Eigenart gerecht

Meine Pension erlischt nach meinem Tode, hinterlasse Euch nur eine kleine Summe, die tn ,vrel Teile zersplittert. Du mein lieber meinem Scheiden der natürliche Beschützer Deiner Schwestern; ich lege sie Dir ans .Herz, besonders unsere kleine Ines, die ja noch irn sparkm Alter von sechzehn Jahren steht. Ich habe