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uldaer W Zeitung

M 127

Fulda, Montag den 7. Juni 1909.

Jahrgang

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Erscheint täglich mit Ausnahme der So.m= »ndKeiertageviertel- jjöhrNcherveMgspreis ohne Vringerlohn und vesteSgeld in Fulda ss- »ie auswärts 1.50 Mit

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Kleines Feuilleton

1] Protestantismus u. Arbeiterschaft.

Auf 5em evangelisch-sozialen Kongresse in Heilbronn hat man, wie berichtet, eine überaus wichtige Beratung gepflogen. Die Sozialdemo­kraten haben in den letzten Jahren in Berlin und

Masse des Volkes solchen Alarmschlägen Heeres- folge leistet.

auch in Süddeutschland, um die Futterernte. Die Berichte hierüber lauten vielfach geradezu verzweifelt. Besonders Kleefelder und Wiesen sind vielfach bei der Dürre ausgebrannt, und nur die Luzerne scheint Noch etwas Ertrag zu liefern. Die letzten Niederschläge sind für den ersten Schnitt vielfach zu spät gekommen, so daß eme Futternot für den nächsten Herbst und Win- ter befürchtet wird. In Elsaß-Lothringen wird der Futtermangel bereits so bedrohlich wie im Jahre 1893 beurteilt, wo dieses Produktionsge­biet 17 Prozent seines Nindviehbrstandes in we­nigen Monaten verlor. Auch in anderen Gegen­den hegt man die Besorgnis, daß besonders die kleinem Betriebe den Futtermangel nicht über­winden und infolgedessen einen Teil ihres Vieh­bestandes verschleudern werden. Ob diese schlimm­sten Befürchtungen sich in größerem Umfange' verwirklichen werden, blecht nach dem letzten Regen noch abzuwarten. Die Früh sah rsbestel- lung und Vegetation sind in diesem Jahre nm etwa 10—-20 Tage zurück. Auch die Getreide­ernte sowie die erste Futterernte wird sich in Norddeutschland voraussichtlich um 10—15 Tage verspäten, soweit nicht bei weiterer Dürre eine Notreife eintreten wird. Jedenfalls hängen von der Witterung der nächsten 2—3 Wochen viele Millionenwerte der deut­schen Landwirtschaft ab. Wüßkohl ist im bis­herigen Umfange angebaut und im allgemeinen gut aufgegangen, doch wird mehrfach über Schä­den durch Erdflöhe geklagt.

er bleibt in reger Fühlung mit dem Volke und darum behält er sein soziales Verständnis bis ins hohe Alter hinein. So kommt es, daß auch in ganz alten katholischen Industriestädten, wo eine seit Generationen in der Stadt ansässige Arbeiter­schaft ist, die Sozialdemokratie keinen nennens­werten Boden in der Arbeiterschaft Hai finden knö- nen, während in sozialdemokratischen Bezirken auch die ganz frisch vom Lande mit feinen ge­sunderen sozialen Anschauungen kommenden jun­gen Leute in kurzer Zeit der Sozialdemokratie verfallen.

F- Monatskalender des Gartenbau- Vereins.

Gartenarbeiten im Jmri.

Obstbau. Auf den Kirschbäumen zeigen die ersten Früchte zart- Nöte und eröffnen das neue Obstjahr. An den Qbstbaumen und an den Bee­rensträuchern kann durch Bewässern und Düngen das Festhalten und die gute Ausbildung der Früchte sehr gefordert werden. An Spalier- und Formobstbäumen muß rechtzeitig das Entspitzen der Triebe erfolgen. Ueberflüssige Triebe, Wur­zel- und Stammausschläge sowie Wasierschosse werden an sämtlichen Bäumen bald beseitigt. Wo es möglich ist, lockere man unter den Obstbäumen gut den Bechen. Bäume, die in diesem Frühjahr srisch gepflanzt wurden, haben die Boden locker ung zum Anwachsen und Gedeihen doppelt nötig, Weinspaliere werden geheftet und noch vor der Blüte die unnötigen Triebe a-usgebrochen.

Gemüsebau. In diesem Monat können gesät werden Bohnen, Erbsen, Salat, Endivien (Ende Juni), Radies, Rettiche, Mohrrüben, Kohl- rabi, Winierkohl. Gepflanzt werden Wirsing, Rosenkohl, sowie alle anderen Kohlarten für Herbst- uns Winterbedarf, Kohlrüben, rote Riiben, Mangold (gelbe Köhl), Salat, Sellerie, Lauch, Tomaten, Löwenzahn, Gurken, Kürbis. Unter günstigen Umständen können ßnbe des Monat- geerntet werden Kohlrabi, Mohren, Erbsen, Salat, Frühkartoffeln. — Sobald ein Beet leer gewor­den ist, wird sofort kurzer Düngw oder Kom­post darauf geschafft, dann wird es mngegrabe» und neubesät oder bepflanzt. Im Uebrigen sin- fortwährend die verschiedenen Gemüsebeets zu jäten, zu hacken, zu behäufeln, zu begießen und flüffig zu düngen. Die Erdbeerstauden werden gleich nach der Blüte und zum zweit-nmale kurz vor der Beerenreife entranft. Die Gewürzkräuter werden in voller Blüte abgeschnitten und tm Schatten getrocknet.

Blumen Pf lege. Tie Frühlingsblumen sind am Verblühen. Sie toerbsn von -en Beeten geräumt, diese werden neu in Ovdmrng gebracht und nut anderen Blumen neu bepflanzt. Stau­denartige Frühlingsblüher können geteilt und vorläufig auf Ersatzbeeten unter gebracht werden. Die abgeblühtm Blumenzwiebeln nimmt man aus dem Boden und breitet sie an einem luftigen, trockenen Orte aus. Bei trockener Witterung muß fleißig gegossen und gespritzt werden. Der Monat Juni ist eine günstige Säezeit für verschiedene Gewächse, die erst tm nächsten Jahre zeitig blühen, wie Goldlack, Glockenblume, Fingerhut, bren- nende Liebe und andere Stauden. Zinerarien, chinesische Primeln und ähnliche Blumen werden jetzt in Töpfe gesät, später in Kästchen oder To- pfen verstopft und dann frostfrei überwintert. — Sier junge Rasen wird gejätet, fleißig gemäht und bewässert. Schlingpflanzen werden ordentlich an- geheftet. Das Ungeziefer an den Rosen erfordert mdausgesetzt Aufmerksamkeit und Bekämpfung, Tas Okuliaren der Rosen aufs treibende Auge 2>- ginnt. Damit die Rinde gut löst, wird rings u.n den Stamm eine Grube gemacht und mehrmals durchdringend begossen. Die wilden Stamm- und Bodensckößlinae muffen beseitigt werden.

* Würzburg. 3. Juni 1909. Sämtliche Schrei- nermeifter mit Ausnahme von drei haben ihre Ge- aitfen ausgesperrt. Die Gehilfen verlangen für dieses Jahr zwei Pfennige, für 1910 einen und für 1911 einen weiteren Pfennig Stundenlohn mehr. — Der Amtsrichter Gehring vom Schalk­auer Amtsgericht wurde im Würzburger Schnell­zug mit einer Wunde am Halse aufgefunden. Ter Verwundete wurde in ein Würzburger Kranken­haus übergeführt, too sich feine Verletzung nicht als lebensgefährlich herausstellte. Es liegt Selbstmordversuch vor.

— Frische Eier gesundheitsschädlich? Eine -Amerikanerin, Miß Pennington, suchte auf dem [7. internationalen Kongreß für angewandte Che­mie in London an der Hand zahlreicher von ihr 'angestellten Untersuchungen nachzuweisen, daß der Genuß frischer Eier gesundheitsschädlich fei. In 63 von ihr untersuchten Eiern habe sie 35 verschie­dene Art«r von Bakterien entdeckt. Wohin das .führen soll, wenn die Chemiker uns eines der be- 'liebtssten und rmentbehrlichsten Nahrungs- und -Genußmittel verekeln, mag der Himmel wissen. Schon bei früheren Gelegenheiten ähnlicher Art äst nochgewiesen worden, daß Milch bakterienhaltig fist, daß der Speck mit Bazillen bis an den Rand gefüllt ist, daß der Tee unser Nervensystem zer­störe, der Kaffee eine geradezu vergiftende Wir- Mng auf unseren Organismus ausübe, das Was­ser der reinste Bazilleicherd fei, daß sich zumeist in Brot gesmidheiitsschädliech Substanzen lauernd Verbargen und daß sogar die Lust, die wir einat- <nen, als Trägerin aller möglichen Krankheits- stvffe eine birefte Lebensgefahr für die Mensch- Veit bilde. So ziemlich das einzige, was die Che- ,imker uns noch zu essen, bezw. trinken erlauben, w —Milch. Bis auf dem 8. internatwna-

Ehennkerkongreß Miß Penmgton aufstehen m,t sorgenschwerer Miene verkünden

ZKauch bfc saure Milch sich eigentlich nur er m s?sf ä sm häufiger genossen wird, sie müßte allen t ha l-

Ausland.

** Eine italienische Sensations-Broschüre, betitelt „1912", ist soeben erschienen. Sowohl ihres Inhaltes wie ihrer dunklen Herkunft wegen ruft sie großes Aussehen hervor.

Ihre Tendenz ist sehr scharf gegen den Dreibund gerichtet, den sie als den Ruin Italiens bezeichnet. Solange habe sich Italien pon Oesterreich-Ungarn jegliche Herausforderung, jegliche Kränkung gefallen lasten wüsten, ohne den geringsten Nutzen. Jetzt sei der Zustand geradezu unerträglich geworden, und Italien habe sich dementsprechend innerlich vom Drei­bunde bereits losgesagt. In der Tat sei es auch ein Verbrechen, heute noch gegenüber der Wirk­lichkeit die Augen zu verschließen. Man solle der Wahrheit gemäß handeln und zum Kriege gegen den wahren und natürlichen Feind Italiens, gegen Oesterreich. Oesterreich habe bei der süditalienischen Katastrophe gar die Absicht ge­habt, Italien zu bekriegen. Dieser österreichische Plan fei nur infolge des Widerstandes Deutsch­lands und der derzeitigen Schwäche der öfter- reichischen Flotte gescheitert. Aber Oesterreich rüste jetzt eine Flotte aus, die stark genug sei für die Ausführung des Planes, und zwar werde diese Flotte im Jahre 1912 kriegsbereit fein. Besonders werde der österreichische Krieg gegen Italien von dem Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand betrieben, der die Absicht habe, ein für alle Mal die Adria in ein österreichisches Meer zu verwandeln. Dies alles seien Gründe, die eine Verstärkung der italienischen Marine dringend notwendig machten und daher richtet der Ver- faster der Broschüre einen warmen Appell an Die Parteien der äußersten Linken, ihre ablehnende Haltung gegen die italienischen Rüstungen auf­zugeben. Zum Schlüsse fordert der Verfasser die Erhöhung des ordentlichen Marinebud­gets auf 200 Millionen, sowie einen außerordentlichen Marinekredit von — einer Milliarde und hundert Millionen.

Zu dieser Broschüre bemerkt der offiziö'e ,Popolo romano', ihre einfache Lektüre genüge, um die Legende zu zerstören, daß sie einen ehe­maligen Minister zum Verfasser habe. Das Blatt weist dann im einzelnen die Ausführungen der Broschüre als übertrieben und unrichtig nach. Auch das ,Giornale d'Italia' findet, daß der Verfasser sehr übertrieben und in allzndüsteren Farben geschildert habe. Auch die .Tribuna" beschäftigt sich eingehend mit der Broschüre, weist sie aber im ganzen doch zurück.

Es scheint demnach, daß die italienische Preffe, d. h. also die italienische öffentliche Meinung, in ihrer besseren Mehrheit für derartige Macheu- fchaften gegen den Dreibund nicht zu haben ist. Bezeichnend aber für gewiße italienische Unterstömungen ist das Pamphlet immerhin. Jene Unterströmung scheint aber nicht minder krankhaft und extravagant zu fein, wie die ge­wisser englischer Kreise gegen Deutschland. Er­freulicherweise ist nicht anzunehmen, daß die

* Teutscher Saatenstand

Hebet beit Saaten stand im Deutschen Reiche am 1. Juni 1909 macht die PreiZb wichtsstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats folgende wenig tröstliche Mitteilungen:

Die außergewöhnlich trockene und kühle Wit­terung sowie die häufigen Nachtfröste im Monat Mai drohten bereits, die Frühjahr-Hoffnungen vieler Landwirte in Deutschland zunichte zu ma- chen, als endlich in dm letzten Maitagen ergie­bige und durchdringende Niederschläge die viel- fach unter einer vierwöchigen Dürre lechzenden Fluren getränkt und die Hoffnungen neu belebt haben. Wenn damit auch die Befürchtung einer vielfachen Mißernte beim Wintergetreide vorläufig beseitigt erscheint, so bleibt die Lage nach wie vor überaus kritisch. Der Regen ist nicht überall in gleicher Stärke niedergegangen und in manchen Gegenden Norddeutschlands fast ganz ausgeblieben, außerdem befürchtet man vielfach, daß die Durchfeuchtung des Bodens für die Win­tersaat, besonders für Roggen zu spät erfolgt ist. um die Maischäden noch wieder gut machen zu können. Dies gilt natürlich nur für die erst im Spätherbst in die Erde gekommene Wintersaat, soweit sie nicht im Frühjahr umgepflügt wurde. Es wird der Prsisderichtstelle des Deutschen Land- wirtschaftsrates mehrfach berichtet, daß noch in der zweiten Hälfte des Mai Umpflügungen der Wintersaaten, sowohl Weizen wie Roggen, ftatt- gefunden haben, und daß viele Landwirte die späten Wintersaaten im April umgepflügt hätten, wenn sie eilten so schlechten Mai hätten voraus- schen können. Tie Strohernte bei Winker- getreide gilt in Norddeutschland fast allgemein als weit unter mittel, währerid für den Körner­ertrag des Wintergetreides bei günstiger Witte- rung noch eine knappe Mittelernte erwartet Wer­ben darf. Besonders häufig wird in Norddeutsch­land über schlechten Naggenstand mit Brandstel­len auf den leichten Sandböden geklagt. In Süddentschland ist auch jetzt noch der Stand der Wintersaaten im allgemeinen günstiger als in Norddeutschland.

Die Sommersaaten lassen sich iwch chwer beurteilen, da sie zur Zeit der Berichter- tattung vielfach eben erst aufgegangen und in manchen Gegenden, wie im Norden und Osten, überhaupt noch nicht ans Tageslicht getreten wa­ren. Im aHgsmeinen ist der Stand der Som­mersaaten ein befriedigender, zumal nach den letzten Niederschlägen, doch wird noch mehr Re- gen herbeigesehnt. Tasielbe gilt von den Hack­früchten. Immerhin sind Klagen über Unkraut, Disteln, Hederich, sowie über das Austreten der grittfliege und des Drahtwurms nicht selten. Auch wird mehrfach über Verwehungen von Rü­ben und Futterpflanzen auf leichten Böden ge­klagt. Am schlimmsten steht es allgemein.

vermischtes.

* Würstel statt Gedichte. Aus Breslau erzählt das ,Berl. Tagebl/ folgende Geschichte: Neulich wurde dort zur Hebung des Fremdenverkehrs eine »Festwoche* «rangiert, verbunden mit einem Fest­zuge, einer Vogelwiese im Scheitniger Park, sport­lichen und künstlerischen Veranstaltungen. Außer­dem wurde noch im Preßausschuß von einem Ide­alisten der Vorschlag laut, zum billigen Preise von zwanzig Pfennigen ein Büchlein mit Gedichten zum Ruhme Breslaus herauszugeben — ein Vorschlag, gegen den jedoch ein anderes Mitglied mit der realistischen Begründung auftrat, daß, solange ein richtiges Breslauer oder schlesisches Kind noch zwanzig Pfennige in der Tasche habe, eS diese Summe weit eher zum Ankäufe von einem paar Würstel und einem Schnitt Bier, als zu Gedichten verwenden würde, womit der Redner eine berattig' stürmische Zustimmung erzielte, daß von dem Ge­dichtsbuche keine Rede mehr war. Die Würstel hatten gesiegt.

Aus -em Nachbargebiete.

* Hofgeismar, 4. Juni 1909. Herr Postmeister Beer hoff beging am gestrigen Tage sein bOjähriges Dienstjubiläum, aus welchem Anlaß ihm der Titel Rechnungsrat verliehen worden ist.

* Hann. Münden, 4. Juni 1909. Ein I n- fanterielehrkommando des 11. Armee­korps, bestehend aus 8 Offizieren und 48 Unter- Offizieren, traf zn einer vierwöchigen Hebung bei dem hiesigen Pionierbataillon ein.

* Oberkaufuiigcn, 6. Juni 1906. Tie hiesige L n n g e n h e i la n sta l t soll erweitert wer­den. Mit dem Neubau, der allen hygienischen Anforderungen entsprechen wird, ist eifrig begon­nen worden. Die Ausführung liegt in den Hän­den der Banfirma H. Schmidtmann u. Sohn in Kassel.

* Offenbach, 6. Juni 1909. Der wegen Unter­schlagungen im Amt verfolgte Bureauge­hilfe B ö n i n g ist auf der Rückkehr von Ame­rika durch die französischen Behörden ausgelie­fert und in das Untersuchungsgefängnis nach Darmstadt verbracht worden.

* Mainz, 2. Juni 1909. Der Mainz. Anz. berichtet vom letzten Besuche des Großherzogspaares eine hübsche Episode. Die Großherzogin besuchte auch die hiesige Kinderkrippe. Den Kleinen mußte wohl vorher mitgctcilt worden sein, daß die hohe Dame auch ihren Sohn, den Erbgroßherzog Georg, mirbriugeu werde. Voller Erwartung harrten die Kinder auf die Ankunft der hohen Herrschaften. Die Großherzogin war allein, der Erbgroßherzog war nicht dabei. Eines der Kleinen ging nun zur Großherzogin hin und fragte: „Ei, warum host de dann bei Schorsch'che nit mitgebracht?*

* Kastel bei Mainz, 5. Juni 1909. Eben sieht man hier am Rheinufer eine Menge toter F i s ch e treiben. Aus dem Maine kommen sie größtenteils, wo sie durch Abfallwasser der Höchster Fabriken, die in den Ftuß gelassen werden, zugrunde gehen. Auf eine größere Breite hat das Rhein- ivafier dem hiesigen Ufer entlang auch öfter eine schwärzlich e Färbung, was ebenfalls von dem Höchster Unrat herrührt.

ben ein Volksgetränk bilden. Sie ist laicht ver­daulich und hat alle Vorzüge der reinen Milch. Wegen ihres säuerlichen, frisch angenehmen Ge­schmackes wird sie auch mit Vorliebe von den Kranken getroffen und oft vor der anderen Milch bevorzugt. Für Magenkranke ist di- Dickmilch oft zuträglicher als die Vollmilch, weil sie bereits ge­ronnen ist und daher nicht mehr im Magen ge­rinnt und ihre Verdauung der in der gleichen Mahlzeit genoffenen Speisen beeinträchtigt. Die Dickmilch kann auch zur Ueberernährung verwen­det werden, durch ihren Gehalt an Milchzucker und an Kochsalz wirft sie auf die Nieren. Endlich hat sie der reinen Milch gegenüber den Vorteil, daß sie eine anregende Wirkung auf den Tarrn ausübt.

— Was der Kaiser tauft. Auf Befehl des Kaisers mußte zu feinem eigenen Gebrauch wäh­rend der drei Tage des Gesangwettstreites in Frankfurt Aepfelwein-Champagner in der Fest- Halle bereit gehalten werden. In den Erfrisch- ungspausen trank der Kaffer ausschließlich diesen Aepfelwein-Seft. — Für das kaiserliche Hoflager zu Wiesbaden war während der Dauer der An­wesenheit Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin wiederum der Wiesbadener Kronen­brauerei die Bierlieferung (Helles Lagerbier nach Pilsener Brauart) übertragen worden.

— Elektrische Offen, die nach verschiedenen Systemen das Eisen veredeln, sind ans der ganzen Erde gegenwärtig 77 im Betriebe. Den Haupt­anteil haben die Oefen von Heroult (19), dann kommen die nach Kjellin (14), Slaffano und Röchling- Rodenhauser (je 10). Der Löwenanteil fällt auf Deutschland, das mit 21 elektrischen Offen an der Svitze steht, bann folgt Italien mit 12 und Schweden mit 7, in England stehen nur 4, übrigens wieder ein Zeichen des technischen Stillstandes dieses Landes.

anderen Großstädten den Abfall v e m Pro­testantismus durch eine stürmisch betriebene Agitation bedenklich gefördert. Im letzten Jahre sind allein nach Angaben von kirchlicher Seite an 10 000, nach Angaben von sozialdemokratischer Seite 13 000 erwachsene verfügungsberechtigte Personen abgefallen, und für die Zukunft ver­sprechen sich die Macher der Bewegung, an ihrer Spitze der berühmte, mit der Grammatik auf ewi- 6>em Kriegsfuße lebende sozialdemokratische Land- ftagsabgoordnete Hoffmann, noch viel größere Zäh­sten, da tatsächlich viele Hunderttaufende innerlich imit der Kirche zerfallen feien, deren Gemeinschaft atoar noch angehören und Kirchensteuern bezahlen, in Wirklichkeit aber nichts mehr von der Kirche wissen wollten.

Die Sache geht uns nur indirekt an. Aber sie :ift doch zu ern st, als daß wir daran vorübergehen Pfönuten. Das Anwachsen der Sozialdemokratie stn dem protestantischen Landesteilen ist auch für jltn» alles andere, als eine erfreuliche Erscheinung.

Die Ursache des bedrohlichen Anwachsens des Unglaubens in den protestantischen Landesteilen shat Pros. Drews auf dem evangelisch-sozialen Kongreß dahin gezeichnet: „der P ra t e st an t i s- M u s ist nicht sozial, er tut nichts für st> re Arbeiter, er überläßt sie ihrem Schicksal, er sucht,einen Pakt zwischen den bestehenden Klas- fem, bei denen die Arbeiter zu kurz kommen". Der Protestantismus tut das und muß das tun weil er auf dem Boden des Staates, als S t a a ts- ck i r che groß geworden ist, weil er Staatskirche ist stmd fein Schicksal unabwendbar mit dem Staate ^verknüpft hat. Der Staat aber hat es nicht ver­banden, sich die große Masse der Arbeiter zn !treunden zu machen. Das muß der Protestantis­mus miftragen, solange er Siaatskirche ist, und uf die Zurückgewinnung der Massen darf er auch n der jetzt beginuenden Zeit religiöser Dertie- ung, deren erste Anfänge sehr deutlich im öffent- ichen Sebm wahrnehmbar sind, nicht hoffen, weil em Staate nicht gelungen ist, das einmal ver­scherzte Vertrauen der Arbeiterschaft zurückznge- toininen. Der preußische Staat ist durch und durch reaktionär, und das Reich folgt ihm dabei. Was für die Arbeiter geschieht, geschieht, weil man dem Verlangen der einsichtigen Parteien aus allgemein Apolitischen Erwägungen folgen muß. Würde es ge­lingen, die arbeiterfreundlichen Parteien, beson­ders das Zentrum, dauernd matt zu setzen, dann würde eben an eine loeitere staatliche soziale Poli­tik nicht, zu denken sein. Auf feden Fall tut der Staat nichts oder nicht in der richtigen Form, was geeignet wäre, den Haß der Massen gegen den Staat abzuschwächen. Das muß der Protestantis­mus mittragen.

Em weiteres Moment ist die auch von Pros. Drews gestreifte Teilnahmslosigkeit der protestantischen Prediger. Ihre Haltung ist die glänzendste Lobrede auf das viel geschmähte Zölülbat der katholischen Geistlichen. Die jungen Prediger kommen vielleicht mit ebenso sozialen Ideen ins Leben wie die jungen katholischen Geist- ilichon. Aber bald heiraten sie, und zwar so gut -wie ouÄiahmlos Töchter reicher oder wohlhaben- ,der Familien. Einen Pastor, der -ine Arbeiter­tochter heiratet, gibts nicht. So kommen Be- sziehnngen zum Besitzstände, die Sorge für den .eigenen Besitz, der der Nachkommenschaft erhalten ibleiben soll .macht aus den ehemals sozial denken­den jungen Leuten fürforgenbe Familienväter, i denen allmählich das Augenmaß und das Ver- j fftöndms für die Lage der arbeitenden Klassen ver- ; loren geht. Der k a th o l i s ch e Geistliche ist der- artigen bedenklichen Anregungen nicht ausgesetzt, 1