Einzelbild herunterladen
 

Lrschewt tigliq mit Auruahm« -er 5ojm= «»dZeirrta-e. viertel. iSbrlicherv«;»srprelr obat vringerlshn und SeftellseldinZuldasc,- roie ottsroärts 1-50 Ult.

Verantw. Redakteur: «arl schütter für die Anzeigen:

I.parzerer in Fulda. wochenbMKe:„

Zeitung

Monatrbellage: „8uldaer Geschichtsblätter"

Anzeigen: Vie «in. spaltige Petitzelle oder deren Raum rs pfg. ReNamendiepetitzeile 25 Pfg., bei Wieder­holungen wird entspr

Rabatt gewShrt.

Rotationrdrnckund Verlag der Fuldaer Ak> tiendruSerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

M 127.

Fulda, Montag den 7. Juni 1909.

36. Jahrgang.

Kvstes Matt.

6 Ueber die Haltung des Zentrums läßt sich in den „Berl. Reuest. Nachr." ein Poli- tiknZ vernehmen, der sich als Katholik aufspielt, aber sich als ein ganz sonderbarer Kauz entpuppt.

Was von den angeblichen Katholiken zu halten ist, die in gegnerischen Blättern ihre Weis­heit über das Zentrum verzapfen, das weiß man allmählich. Auf solche Geschichten fällt niemand mehr hinein. Die Absicht des Verfassers geht dahin, die Blockparteien wieder zusam- menzuschweißen und um das zu erreichen, verfällt der angebliche Katholik auf dir nicht mehr neue Idee, vor dam Zentrum bange zu ma­chen.

; Der angebliche Katholik hat in staunenswerter .Scharfsinnigkeit allerhand Entdeckung gemacht, sdie der übrigen Welt bisher verborgen geblieben find. Don ganz ausnehmender Beobachtungsgabe zeugt seine Feststellung, daß die Wähler des Zentrums ungehalten darüber sein, daß das ^Zentrum im Reichstage aus der Politik ausge- -schaltet sei. Das Zentrmn habe alle möglichen Tro st grün de seinen Wählern auftischen müs­sen, um sie bei der Stange zu halten und zu die­sen Trostgründen habe die Versicherung gehört, daß das Zentrum bald wieder zur ausschlaggeben­den Stellung gelangm werde.

Wie man sich doch irren kann! Da haben wir bisher stets geglaubt, dem Zentrum sei es in der glorreichen Blockzeit ganz kannibalisch wohl ge­wesen, es habe mit innigem Wohlbehagen zuge­sehen, wie dieser famose Block in einer Weise .fortgÄvurstelt habe, die ihn zur Blamage beider Mdhälsten machte, es habe sich diebisch gefreut, daß nicht es, sondern der Block die Verantwor­tung für die immense neue Steuerlast tragen müsse und es sei keineswegs in Juchhe-Stim­mung, nachdem der Block darüber aus dem Leim gegangen sei und nun das Zentrum doch in den sauren Apfel beißen und aktiv an der Steuer- vrbeü sich beteiligen müsse. Der Neueste-Nachrich- ten-Katholik weiß das aber alles besser, er sieht die Zentrumswähler die Fäuste ballen wegen der „Ausschaltung" und sieht die leitenden Persönlich­keiten des Zentrums sich die Köpfe zerbrechen über Trostgründe, mit denen sie die Wähler zur Rai- son bringen können. Verehrter Herr, lassen Sie sich versichern, Sie sind auf dem berühmten Wege des Holzes!

Pfiffig, wie er ist, vermutet der Herr auch eine besondere Pfiffigkeit beim Zentrum. Es hat, meint er, in der Finanzkommission nur mit­gearbeitet, um den Blockzusprengen. Wenn das wahr wäre, dann hätte das Zentrum wirklich .Schläge verdient. Der Block war für das Zentrum wirklich unbezahlbar ,er war eine Boni­benreklame für das Zentrum. Meint der Herr denn, im Lande seien die Blockwähler so entzückt gewesen von den Leistungen des Blocks? Sie hätten sich vor Vergnügen nicht halten können 'über feine Heldentaten, eine immer noch schöner als die andere? Meint er nicht, sie hätten nicht gelegentlich Vergleiche angestellt zwischen diesem »Fammerbilde, das wie der Greis auf dem Dache sitzt und.sich nicht zu helfen weiß, und zwischen !der festgeschlossenen, einigen und einheitlichem Zentrumspartei? Das Zentrum hat sich im­mer sehen lassen können, aber solange der Glock besteht, kann es sich er ft rech t sehen lassen. Mir sind allerdings so schlecht, daß wir es dem Glock von Herzen gönnen, daß er jetzt bis über idie Ohren im Sumpf sitzt, aber das Zentrum M wirklich nicht nötig gehabt, dazu nur einen

Seekaspar.

Nach einer Sage aus der Fuldaer Gegend. Von A. Hellwald.

6] (Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Nun begann aber eine wilde Hetzjagd zur Er­greifung des Verbrechers. Die Förster des gan- ßn Reviers wurden durch Eilboten herbeibefoh- n und diese entfalteten nun eine fieberhafte Diätigkeit, durch welche sie ihre Pflichtverletzung wieder einigermaßen gut zu machen suchten. Doch !in dem großen, fast undurchdringlichm Dickicht vlieb ihr Suchen lange erfolglos, als plötzlich das 'wütende Gebell eines auf die Fährte gebrachten -Schweißhundes ertönte, der weit am anderen fente des Waldteils allem Anschein nach den Wil- -erer gestellt hatte. Von allen Seiten eilte man darauf zu; doch hatte noch keiner der Suchenden die Stelle erreicht, als ein Schuß fiel und das Gellen verstummte. Der treue Hund hatte tat- sächlich den Mörder gesunden; dieser aber hatte -ihn erschossen und war weiter geflüchtet. Doch imin war fein Schicksal besiegelt. Andere Hunde nahmen seine Spur auf, und bald war er um­zingelt. „Zurück", rief er dem sich zuerst ihm nähernden Förster zu und schlug das Gewehr auf ihn an. Doch schon krachte der Schuß -es Bedrohten ünd der zerschmetterte Arm des Mör» ders ließ die Büchse fallen. Gleich darauf toar ier überwältigt und gebunden.

Beim ersten Anblick des Verbrechers über- »nannte den Oberjägermeister die Wut. Er zog den Hirschfänger und hätte den Elenden durch­bohrt, wenn ihn nicht einer seiner Förster davon abgehalten hätte. „Es ist wahr", sagte er dann, ein solch schneller Tod wäre für diesen Teufel eine zu geringe Strafe. Er soll sterben, aber so, wie er es verdient hat."

Er ließ nun den Seekaspar nach einem ein-

Finger zu rühren; der Block hat den Weg dahin ganz schön allein gesunden.

Von Rücksichten aus den Bestand oder Nicht­bestand des Blocks hat sich das Zentrum niemals leiten lassen; einzig und allein maßgebend waren ihm die Interessen des deutschen Vol­kes. Auch als die Liberalen noch nicht zur Ob­struktion gegriffen hatte, hat sich das Zentrum stets an der Beratung beteiligt. Wenn das Zen­trum, nachdem der Block Monate hindurch nichts zustande gebracht hat, positive Arbeit gemacht hat, so ist das kein Fehler des Zentrums gewesen, fon- -dern ein Verdienst.

Trotzdem der Artikelschreiber das Zentrum von der Politik ausgeschaltet wissen will, hebt er hervor, daß es für die Katholiken wünschens­wert wäre, wenn das Zentrum im Reiche m i t- z-usp rechen hätte. Um dieses zu begründen, versteigt er sich zu folgendem blühenden Blödsinn:

Die Möglichkeit hierzu wäre gegeben, daß das Zentrum ernstlich und vollwertig einen Wechsel in seiner Politik eintreten ließe, der es mit dcn anderen bürgerlichen Parteien auf einen gemeinsamen Boden stellen würde. Diese Gemeinsamkeit kann nur in nationalen Gedanken gefunden werden. Das Zentrum muß also sozusagen in den Block ein­treten, b- h. es muß sich den Grundgedanken des Blocks, Einigung der verschiedensten Parkeieinrichtungen auf nationaler Grundlage, zu eigen machen. Es muß sich frank und frei zu einer Politik bekennen, die in erster Linie national ich in zweiter kathelisch sein mag, aber nicht umgekehrt. Es muß ferner die Brücken zwischen sich und der Sozialdemokratie vollkommen und endgültig abbrechen.

Bewahre -uns -er Himmel vor dem entsetzlichen Schicksal, in -en Block eintreten zu müssen! Dann würben unsere Wähler gewiß „ungehalten" wer­den, was sie jetzt nicht sind. Sie würden das Zentrum elinfach umbringen. Und es wäre wirklich wert, umgebracht zu werden. Rational ist das Zentrum immer gewesen und es hat auch als Partei des Ausgleichs stets die verschieden­sten widerstrebenden Interessen zu vereinigen ge­äußert, in so musterhafter Weise, daß sogar Fürst Bülow deshalb das Zentrum dem Block als Mu­ster, hingestellt hat. Was schließlich die Brücken zwischen,Zentrum und Sozialdemokratie betrifft, ja wer sind die dann? Wir kennen keine. Wohl aber wissen wir, daß zur Zeit die Liberalen und die Sozialdemokraten gegenüber den Beschlüssen der Finanzkoinmisfion sich die Hände reichen. Brücken brauchen sie freilich nicht ab= zubrechen, denn sie stehen beide am selben Ufer.

Ganz besondere Hochachtung nötige uns hie Erfindung von der „katholischen" Poli­tik ab, die das Zentrum bei der St.'u-'rberatung angeblich verfolgt hat. Daß nur ja der Evangel. Bund nichts erfährt von den katholischen Steuern, die ja ausgeheckt worden sind. Der brächte es fertig und proklamierte allgemeine Zteuerver- weigeruug, und dann säße das deutsche Reich in einer bösen Patsche!

— Der Kaiser und die Finanzreform. Eine verschiedenen Zenlrumsblällern zugehende, aus Parlamentskreisen bediente Korrespondenz schreibt.

1. Es ist falsch, daß die deutschen Bunbes- türsten sich auf die Erbanfallsicuer verpflichtet haben; diese Steuer wurde schon als Nachlaßsteuer nur gegen eine Minderheit im Bundesräte durchgekeht und nach schweren Kämpfen. Gegen die Erdanfallfleuer selbst herrscht in den Reihen der Fürsten begreifliche Ab­neigung.

2. Fürst Bülow hat tatsächlich in Wiesbaden er­klärt, daß er fein Amt zur Verfügung stelle, wie er auch am 11. Mai um seine Elittassung gebeten hat. Der Kaiser steht es aber aIS Ehrenpflicht des Reichs­kanzlers an, (er hat am 11. Mai ein viel schärferes

amen, mitten. im Walde siegenden Forsttzaus iringen, in dmt nur ein alter, finster aussehen- der Forstwart mit zwei Gehilfen wohnte. Hier wurde die wilde Meute gehalten, die bei den zu­weilen stattfinöendm Hetzjagden Verwendung fand. In einem Gatter nahe bei dem Hause standen mehrere starke Husche, von denen bei einer solchen Jagd einer losgelassen und so lange von den Hunden gehetzt wurde, bis si? ihn er­reicht und nisdergerissen halten. Die fürstlichen Herrschaften folgten der Jago zu Pferde, wie es auch heute noch bei den sogen. Parkorcejagden üblich ist. Bei diesem Gatter stand neben seinem Wagen der Oberjägermeister und erteilte dem alten Forstwart einen Befehl, indem er mehrmals auf den stärksten Hirsch deutete. Dann fuhr er rasch davon. Der Alte aber, dem der Auftrag seines Herrn besonderes Vergnügen zu bereiten schien, ging ins Haus und kehrte mit den Gehil- feit zurück, die beide starke Stricke trugen. Der eine warf nun mit geschickter Hand oem bezeich­neten Hirsche eine Schlinge über das Geweih, worauf sie mit vereinten Kräften das sich heftig sträubende Tier an das Gatter heranzogen. Nun fesselten sie dem Hirsch die Vorder- und Hinter- süße so, daß er sich fast gar nicht bewegen konnte. „So", sagte der Alte mit grimmigem Lachen, nun hätten wir ihm das Roß gesattelt, auf dem er die letzte Reise machen soll. Hat der Schurke einen braven Jäger wegen eines Hirsches gemor­det, so ist es nicht mehr als billig, wenn er durch einen Hirsch ins Jenseits befördert wird."

Sie holten nun den an Händen und Füßen gefesselten Seekaspar und befestigten ihn an dem daliegenden Hirsche so, daß er fast quer über den Rücken des Tieres zu liegen kam. Der zum Tode Verurteilte wütete und zerrte an den ihn festhal­tenden Stricken und biß den einen Forstgehilfen in die Hand, daß dieser laut aufschrie. „Der Hund beißt auch noch", knirschte der Verletzte, „nun warte, Du sollst schon noch Gelegenh.iit ha­ben, Deine Zähne zu gebrauchen. „Tyras" und „Wolf" und die anberat werden Dich schon leh. reu. was Beißen heißt."

Wort gebraucht) daß er sich alle Mühe gibt, da- Werk zustande zu bringen, und er erklärte auch, daß es ihm gleichgillig sei, ob mit oder ohne Block; die Finanzreform müsse unbedingt gemacht werden.

3. Man ist in Wiesbaden an den Kaiser mit dem Vorschläge herangetreten, daß er in der Finanzreform eine Botschaft an den Reichstag erlassen möge. Der Kaiser hat diesen Vorschlag in bestimmtester Form und unter ausdrücklichstem Hinweis auf die Vorgänge im November adgewiesen.

Aus diesem Sachverhalt ergibt sich, daß der Kaiser dem Reichskanzler volle freie Hand ge­lassen hat, daß er aber das Zustandekommen der Vorlage fordert. Diese Stellungnahme des Kaisers ist unanfechtbar.

* Zur Reichsfinanzreform äußert sich die ,Nordd. Allg. Ztg/ in ihrem Mochenrückblick. Das offiziöse Blatt bezeichnet es als ersreulich, „daß durch den Abschluß der Kommissions- arbeiten nunmehr dem Plenum des Reichstages Gelegenheit gegeben wird, in dieser das ganze Volk bewegenden Frage Stellung zu nehmen", will aber „die gefundene Lösung" als eine be­friedigende nicht ansehen. Schon der Um- stand, daß „von der Kommission in den Finanz­gesetzentwurf neue materielle Steuervorschriften hineingearbeitet wurden, die mit den Vorschlägen der Regierung nicht zusammenhängen", erscheint der ,Rordd. Allg. Zlg/ als „bedenklich". Roch schwerer scheinen ihr insbesondere die sachlichen Bedenken gegen die Steuer auf Wertpa­piere, die Mühlen um sahst euer und der Kohlenzoll. Die Finanzreform, so meint das offiziöse Organ, die bereits erhebliche Lasten für alle Volkskreise bedeute, dürfe „nicht noch mit Bestrebungen bepackt werden, die, mögen sie auch zum Teil populären Ideen entfließen, doch be­züglich ihrer Wirkungen sehr bestritten und keinesfalls bereits völlig geklärt sind". Indem die ,Rordd. Allg. Ztg/ schließlich die Vorschläge der Regierung zur Reichsfinanzresorm als die richtigen Wege bezeichnet, schreibt sie zur Frage der Erbschaftssteuer:

„Die Verbündeten Regierungen haben sich nicht davon überzeugen können, daß an die Stelle ihres Planes, den Besitz durch eine Besteuerung der Erb­schaften hei anzuziehen, etwas besseres gesetzt werden f könne Sie werden daher, ausschließtich durch sach­liche Molive geleitet, an ihrem Plane festhalten, zum Ausgleich für die der Allgemeinheit ohne beson­dere Berücksichligung der Leistungsfähigkeit anferlegten Verbrauchsabgaben eine progressiv gestattete Erbschafts teuer einzuführen, und werden auf sonstige Besitzabgaben nur insoweit zurückgreiien, als die Umgestaltung der Nachlaß- in eine Erbansallsteuer die urfprünglich vorgesehenen Erträge vermindert. Sie vertrauen darauf, daß der gesunde Sinn des deutschen Volkes dieses Programm steuerlicher Gerechtigkeit sich zu eigen machen wird."

Mil ber progressiv gestalteten Erbschafts­steuer bezw. Erbansallsteuer werden die Verdün- Deten Regierungen fein Glück haben, wie von vornherein gesagt werden muß. Und die Ersatz­steuern? Darüber schweigt die /Jlorbb. Allg. Zig/ sich leider vollständig aus.

w. Zur Frage der Ersahstencrn erfährt das „Berliner Tagebl." folgendes: Augenblicklich fin­den täglich im Reicksschatzaint unter dem Vorsitz des Herrn Sydow lange Konferenzen statt über die dem Reichstage bei feinem Zusammen­tritt vorzulegeuden neuen Steuern. Irgendwelche positiven Beschlüsse sind aber bisher noch nicht gefaßt worden. Die Konferenzen im Reichsschaßamt haben lediglich den Zweck, den Fi- nanzministcrn und leitenden Ministern der Bun­

Sie entfernten nun den zunächst liegenden Teil des Gatters mrd schnitten die Seile durch, mit welchen die Läufe des Hirsches festgeschnürt waren. Wie ein von der Sehne geschnellter Pseil flog das geängstigte Tier davon und eilte dem nächsten Dickicht zu. Je länger es aber die un­gewohnte Last auf dem Rücken fühlte, desto mehr geriet es in Aufregung und raste blindlings durch Gehölz und Dornen, an denen die Fetzen von Kleidern und Fleisch vom Körper des Ge- bunbenen hängen blieb u. Seine Schmerzens- fchreie hallten durch den Wald, wurden aber bald übertönt von dem wütenden Geheul der Meute, ivelche von den Forstgehilfen losgelafscn und auf die Fährte des Hirsches gesetzt worden war. Als dieser das Bellen feiner Todfeinde hinter sich hörte, setzte er seine letzte Kraft ein, und immer weiter ging die wilde Jagd, dem Verbrecher jede Sekunde neue Schmerzen bereitend. Da, am Sodenrain kommt das Tier beim Sprung über einen baliegckndert großen Stenn zu Fall und wälzt sich mit dem fast ganz zerfleischten, aber noch lebenden Seekaspar am Boden. Währen- der Hirsch sich vergeblich bemüht, wieder auf die Läufe zu kommen, faust auch schon mit heiserem Gebell die Meute heran. Wie blutdürstige Tiger stürzen sich die Hunde auf Hirsch und Mann. In wenigen Minuten sind beide eine formlose Masse, und erst nach Wochen findet man die Gerippe, die dort an derselben -stelle verscharrt toerben. Der Stein bezeichnet ben* Ort, wo Seekaspar sein unrühmliches Ende gesunden hat.

Hm Hause des Oberjägermeisters herrschte tiefe Trauer um den jäh ermordeten Freund un- große Sorge um die ,'inzige Tochter, die Wochen- lang zwischen Leben und Tod schwebte. Sie war gerade aus ihrer Ohnmacht erwacht, als die Jäger die Leiche ihres Geliebten brachten. Auf- horchend bei dem ungewöhnlichen Geräusch unb dem Gewirr von Stimmen, die vam Hofe zu ihrem Fenster heraufschallten, sprang sie plötzlich, ehe die erschreckte Haushälterin es gewahr wurde, von ihrem Lag.'r auf und eilte hinaus. Als sie die Babre erblickte. stieß sie einen schmerzlichen

desstaaten, die in der nächsten Woche mit dem Reichskanzler und dem Reichsschatzsekretär zu einer Beratung zusammentreten, Material zu un­terbreiten. Erst bei dieser Konferenz dürften be­stimmte Beschlüsse bezüglich der Einbringung von neuen SteuervorschlägM gefaßt werden.

Der Block ist tot? Der württembergische Abg. Konrad Haußmann, der Blockdemokrat, untersucht, ob der Block noch Leben hat, findet aber keines mehr. In der Zeitschrift ,März' stellt er den Totenschein aus: „Tatsächlich tot, und zwar beiseite geschafft von den Konser­vativen, weil er sich nicht von ihnen beherrschen ließ." Das Urteil dieses Leichenbeschauers lautet sehr bestimmt, wird aber wieder etwas verdächtig durch den Zusatz, der die Konservativen des Blockmoides anklagen will. Das verrät Partei- ltchkeit. Wer wollte denn eigentlich den Block beherrschen? Sind die Konservativen auf Er­oberung der Herrschaft ausgegangen, oder wurden sie zur Abwehr gezwungen gegen die liberalen HerrschastSbestrebungen, die von der Regierung unterstützt werden?

„Die konservative Partei", so sagt Herr Hauß. mann, „richtet ihre Machtprobe bewußt gegen den Block unö den Blockkanzler; sie will ihn fernerhin nur am Ruüer dulden, wenn er das Steuer führt, wie der unverantwortliche konservative Kapitän kommandiert. Auch den Konservativen ist die Erbschaftssteuer nicht mehr die Hauptsache, sondern nur der bequeme An­laß" usw.

In der Tat hat die Sache sich zu einer Art Machtprobe ausgebildet, doch müssen wir als unbeteiligte Zuschauer der Wahrheit dahin die Ehre geben, daß es nicht die Konservativen ge- wesen sind, die den Geßlerhut aufgepflanzt haben. Haben etwa die Konservativen ihren liberalen Blockgenossen die Pistole auf die Brust gesetzt und gesagt: Ihr müßt unbedingt die und die Steuer annehmen, sonst schießen wir!? Nein; aber der gesamte Liberalismus nebst der Regierung hat ein unerbittliches Zwangsver­fahren gegen die Konservativen ein­geleitet, um sie zur Annahme der verhaßten „Witwen- und Waisensteuer" zu nötigen. Na­türlich unter dem Vorgeben, daß gerade diese Steuer unbedingt notwendig sei. Das glaubt kein unbefangener Sachverständiger; denn sür die paar Dutzend Millionen, die vom Gatten- und Kindeserbe geholt werden sollten, läßt sich eben­sogut Ersatz schaffen, wie sür die hundert Mil­lionen indirekter Steuern, die den Liberalen nicht gefallen hatten. Als die Regierung an die Be­steuerung des Gatten- und Kindeserbes mit einer sanft nicht erhörten Zähigkeit sesthielt und auf öen konservativen Widerspruch mit einer sonst nicht erhörten gouvernem en taten Agitation ant­wortete, Da mußten die Konservativen freilich stutzig werden und sich sagen: Die Regierung hat -sich ganz auf die liberale Seite geschlagen, man will uns biegen oder brechen, der Libe­ralismus soll im blockpolitischen Spiel Trumpf werden! So war die „Machtprobe" eingeleitet. Wer will es den Konservativen ver­denken, wenn sie sich ihrer Würde und ihrer Haut wehren? — Ob nun der Block tatsächlich tot oder nur scheintot ist, das ist doch wohl noch nicht ausgemacht. Vorläufig wollen wir un3' zum Begräbnis lieber noch nicht rüsten.

Wehruf aus, warf sich bei der Leiche nieder und bedeckte das Antlitz des Toten mit Küssen. Mit großer Mühe brachte man sie wieder in ihr Zim- nter wo nun das Fieber mit aller Mack)t zum Ausbruch kam. Lange schwankte das Zünglein an Der Wage, das Leben ober To- bedeutet end» lieb siegt' die jugendliche Kraft über Die schwär­en Schatten, und Gertrud genas. Aber es war fein freudiges Erwachen zu neuem Leben. Ihre frühere sinnige Heiterkeit war einer tiefen Schwermut gewichen, di- fchließlich in völlige Umnachtung -es Geistes überging. Eines Tages war sie aus -em Hause verschwunden, und nie­mand wußte, wohin. Aus ihren bisherigen irren Steuerungen konnte man aber schließen, daß sie sich nach dem großen Walde gewandt habe, wo nach ihren Wahnvorstellungen ihr Geliebter auf fie warte. Nach lang-an Suchen fand man sie tat „an der Stell», wo später das sogenannte „Maokreuz" errichtet wurde, ein alter Bildstock, der heute noch zu sehen ist.

— Zeppelm über Leipzig. In Leipzig wollte man am Pfingsttage in einer Familie die Taufe -es ersten SprößlingS und Stammhalters festlich begehen. Eine größere Anzahl Gäste ist geloben und auch zu köstlichem Taufschmause gegen 1 Uhr in -er Wohnung fast vollzählig versammelt. Die glückstrahlende Mutter hat eine berühmte Koch­frau gemietet. Auch ein Lohndiener ist aetoon- trnen- Eine leckere Speisenfolge harrt ihrer na­türlichen Bestimmung, und schon nimmt man Platz um die festlich geschmückte Tafel. Da stürmt herem ein Nachzügler mit der Bombe unachrich!: „Zeppelin ist soeben auf dem Meßplatz geian-

Spechts, macht kehrt tut- verläßt eilenden Schrittes das gastliche Hauö. Der Lehndiener, -er soeben zwei Teller Krebssuppe bringt, hört bte Botschaft, setzt die Teller auf bett Anrichte­tisch und ist — verduftet. Und ehe eine Minute verronnen, bergen die Rämne -es Taufbundes nur noch eine weinende Mutter, einen schreienden Säugling und eine schimpfende Kochfrau!" -a.