i.%$dS*Siku wochendeilase: „Illustrierte Sonntagrzeitung"
36. Jahrgang.
Fulda, Freitag den 4. Juni 1909.
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ist. Erich ist ein Frühaufst.'her; er bat wahr- Renten müssen, in meinen alten Ta-
Anzeige«: Vie ti* fpaltige Petitzeilr »der deren «au« ;s Pf-. SeNamendiePetitrellr 25 psg^ btt wieder. Holungen wirb eittfpt Babatt gewährt.
Botatlonrbrnckund Verlag der Zulbaer Ak-
„Du brauchst Dir um Erich keine Sorge zu machen: er ist ein so ausgezeichneter und vorsichtiger Jäger, daß er sich auch in der schwierigsten Lage zurerlst finden würde. Wenn Robert nur di« Hälfte des Geistes besäße, der unseren Gast | beseelt, dann würde ich nicht so oft an dir bittere
sehrn."
Gertrud war bei bett Worten ihres Vaters abwechselnd rot und blaß geworden, und als sie nun ihre schönen Augen voll zu ihm aufschlug, sah er, welch' freudigen Widerhall sein Lob für Erich in ihrem Herzen fand. Sie lehnte sich an seine Brust und umschlang seinen Hals und ihr Blick verrier, wie es in ihrem reinen Herzen aussah. Er drückte einen Kuß cntf ihre Stirn und gab ihr damit die beseligende Gewißheit, daß ihre Wahl feinen vollen Beifall gefunden hatte, noch ehe ein Wort darüber gesprochen worden war. Nun wollen wir aber doch einmal nach ihm ausschauen", sagte er, sich zur Heiterkeit zwingend, obwohl ihm gar nicht darnach zumute war. Er befahl dem Kutscher, ten Jagdwagen anzuspannen und Ivar gar nicht überrascht, als Gertrud
„Ich will einmal nach ihm sehen", sagte Robert: ich glaube aber niete, daß er noch im Hause
Er ging und klopfte an das Zimmer des Gastes, bekam aber keine Antwort. Als er sah, daß der Schlüssel von außen in der Tür steckte, öffnete er diese und fand seine Barmutung bestätigt: das Zimmer war leer und auch die Büchse seines Sreunbeg hing nicht an dem gewohnten Platze. Er teilte dies dem Vater und der Schwe- ster mit und meinte: „Erich ist wohl frühe weggegangen: wie er gestern sagte, möchte er gern einmal den Kapitalhirsch sehen, den der Fürst von I. schießen soll. Er kann auch noch nicht zurück sein, ba er doch mindestens zwei Stunden zu gehen hat."
Schweigend hatte bet Oberjägermeister den Worten seines Sohnes zugehött. Er schien von einer inneren Unruhe befallen, und je weiter der Morgen vorrückte desto mehr umwölkte sich sein
mit schweißbedecktem, wutverzerrten Antlitz neben seinem Opfer stand.
„Du wirst mich nicht verraten", sagte er, teuflisch grinsend, als er sah, üaß der junge Mann den letzten Atemzug tat. „Doch nun fort, bis sie ihn finden, muß ich Weir über die Berge sein." Ta fiel sein Blick aus das prächtige Geweih des Hirsches. „Soll ich ihnen diese herrliche Trophäe tollen? Nein, gerade diese muß ich haben, koste es, was es wolle." Und schnell den Hirschtopf ausnehmend, verschwand er in den Büschen.
Im Hause des Oberjägermeisters hatte man sich eben zum Frühstück niedergesetzt. das man meistens gemeinsam mit dem Gaste cimtahm. „Wo nur heute unser junger Freund bleibt", sagte der alte Forstmann: „er ist doch sonst immer pünktlich und eS Ware doch wunderbar, wenn sich ein fv tüchtiger Jäger verschlafen haben sollre."
scheinlich schon einen Spaziergang oder eine Birsch in den Wald gemacht."
«fichettit iS-ttch mtt Ausnahme der ro.m- tmb Feiertage vlertel- tthrllchetvemsrpreir ohne vrtngrriohn tntb VesteT-eld i« 8«ll>a sowie auswärts X.50 Ulf.
verantw. Behafteten «arl Schütte;
$en an der Stelle, die seit Generationen unsere Familie inne gehabt hat, einen Fremden zu
+ „Machtgelüste des Zentrums". Der alle Ladenhüter von den „Machtgelnsten des Zentrums", die bei der Haltung des Zentrums in ber Sleurrkommisston die treibende Feder gewesen seien, spukt wieder in der liberalen Presse. Die .Deutsche Tageszeitung' besitzt den Mut, aus die Gefahr eines neuen vielstimmigen Zeitungszetergeschreies hin der Wahrheit die Ehre zu geben und sestzuftellen, daß das Zentrum mit einer Sachlichkeit und Loyalität geai teilet habe, die für die Linke geradezu vvrdi'vlich sein könnten. Daß das Zentrum boshafte Hintergedanken habe, davon hätten weder die Konier- ualioen noch auch die Parteigänger der .Deutsch. Tageszig.' etwas gemerkt. Als ein erbarmungswürdig "schlechtes Zeugnis, das sich die Liberalen selbst außstellten, stellt es die »Deutsche Tageszeitung', hin, wenn liberalerseils behanplet werde, daß die Konservativen dem Zentrum wieder zur Alleinherrschaft verhelfen wollten:
Wenn das Zentrum vor l'JOG in e njt Machtstellung gewesen sei, so habe es doch nur daran gelegen, daß kein« bürgerliche Mehrheit ohne das Zen- lrum mehr vorhanden gewesen sei, die Staalsnotwen- vigkeiten zu bewill gen. Wenn die Regierung eine Reform, die der Not des Reiches steuere, nur deswegen nicht nehmen wolle, weit das Zentrum unter den Gebern sei, so fet das der Gip.el her Unverständigkeit."
Tagen Besprechungen mit den einzelnen Führern der Blockparteien haben wird.
Die Besprechungen zwischen der Regierung und den Mitgliedern der Bank- und Börsenwelt cheinen noch nicht abgeschlossen zu sein, denn es wird gemeldet, daß der Reichsschatzsekretär auch den früheren Staakskommisiar an der Berliner Börse, jetzigen Direktor der Commerz- und Dis- ontobank Herrn Hemptenmacher über die Wirkung der Kotierungssteuer befragt habe. Der Meldung wird hinzuqesügt, daß der Befragte im Prinzip gegen biefelte nichts einzuwenden gehabt habe.
Bei dieser Gelegenheit fei erwähnt, daß die „Kons. Korr." dem erneuten Gerüchte vom Rücktritt des Staatssekretärs Syoow mit Ent- schiedenheit entgegentritt. Sie sügt hinzu, Herr Sydow sei entschlosien, die Reform zustande zu bringen ohne Rücksicht auf irgendwelche vorübergehende Parteikonstellationen.
Die „Kreuzztg." schließt einen längeren Artikel über die Finanzreform mit dem Hinweis darauf, daß das Endergebnis der noch nicht 14 tägigen Beratungen der Finanzkommission unter dem Vorsitz des Herrn v. Richthosen die volle Bewilligung des von den verbündeten Regierungen geforderten Betrages in Höhe von 380 Millionen Mark an Ausivand- und Bei- brauchssteuern sei. Nach einer Rentabrlüals- rechnung, gegen die sich auch vom Standpunt! der verbündeten Regierungen ntch s einwenden lasse und in einer Form, die mit Musuahme allein von zwei Positionen die volle Billigung der verbündeten Regierungen gefunden habe. „Kurze Plenarberatungen", so schließt die „Kreuz- zeitung", „können dieses Riesinwelk bis zum 1. Juni zum Abschluß bringen. Die Mehrheit im Plenum ist dafür vorhanden. Voraussetzung ist nur, daß auf dem Gebiet der sog. Besitzsteuer nicht noch in letzter Stunde e:ne Störung eintritt." Nun, das haben die Konservativen ja selbst in der Hand.
ihn bat, sie mitzunehmen, welchen Wunsch sie sonst ganz selten äußerte. ...
„Ja, gewiß", meinte ihr Vater, „die Fahrt durch ben Wald wird Dir gut tun, und auch Erich", fuhr er schelmisch lächelnd fort, „wird nicht böse sein, wenn, ich ihn in Deiner Begleitung abhole."
Gerttube eilte hinweg und kam halb mit Mantel und Umschlagetuch zurück, um neben dem Vater auf dem Wagen Platz zu nehmen. Rasch griffen die feurigen Pferbe aus, und bald umfing sie bcr herrliche Buchenwald. Die Fahrt an dem taufrischen Morgen war wundervoll; bet in der Nacht gefallene Regen hatte tausend neue Blumen erschlossen, bie Wassertropfen hingen noch an Büschen und Gräsern, und bie hellen Sommerstrahlen brachen sich in allen Regenbogenfarben Jedem Menschen hätte bas Herz aufgehen müssen bei bem Anblick solcher Pracht; ater der Ober- jägermeister unb seine Tochter schienen heute kein Auge bafür zu haben. Schweigend unb sehnsüchtig schauten sie den Weg entlang, jedes seine Sorge vor dem andern verbergend. Jeban Augenblick glaubten sie die hohe Gestatt des ermatteten ihnen entgegenkommen zu sehen, aber immer vergebens.
„Wo er sich nur so lange aufhalten mag, sagte der Oberjägermeister; „wir müßen hier warten, benn ba stoßen die Sßsge aus ben verschiedenen Richtungen zusammen. Wenn wir weiter fahren, könnte er an uns vorbei kommen, ohne baß wir ihn sähen."
Da fiel fein Blick auf eine mit hohem Gras bewachsene Waldschneise, auf der man deutlich bie Spur eines Menschen sehen konnte, der nach bem Regen daher gegangen sein mußte. „Bleibe hier bei bem Wagen, sagte er zu feiner Tochter, ich glaube, wir sind hier in feiner Nähe. In btefer Dickung steht bet Zwanzigenber, um ben zu scheu Erich eigentlich hergegangen ist. Ich denke. diese Spur führt mich zu ihm oder zeigt mir den Weg, wohin er sich von hier aus gÄvandt hat."
(Fortsetzung folgt.)
H Das Trauerkonzert in der Blockpresse, das den Streik der Liberalen in der Finanz- kommission einleitete, wird noch Tag sur Tag fortgesetzt Dem Fürsten Bülow wird Vater nicht W in bie Ohren'getutet. Offenbar steckt die Absicht dahinter, den Reichskanzler zu einem neuen Rettungsversuch des Blocks auszu- peitschen. Man malt ihm fein Schicksal so düster aus/wie nur irgend möglich, um auf diese Weise seinen Ehraeiz anzuspornen Da Bulow noch immer in »Erwägungen" fiectt, fann man sich davon ja vielleicht noch einen «ersuch versprechen. Wenn Bülow sich in feiner Eigenschaft als Blockvater zu einer neuen „Tat" auirafft, bann darf man sich im Block freilich nicht viel versprechen. Aber auf jeden Fall erreicht man eine Verschleppung der Entscheidung über den Sommer hinaus, unb das ist vorläufig ja doch das einzige, worauf man im Block noch zu hoffen wagt. K.
-j- Die wahren Beweggründe für bie Haltung der Konservativen in der Steuer- kommission glauben die,Berl. Reue;ten Rachr. entdeckt zu haben. Sie sind m den Bentz eines konservatiren Flugblattes gelangt in dem es u. a. heißt, daß der Freisinn die Schwächung der Stellung des Monarchen gegenüber dem Parlament, bie Beseitigung des christlichen Geiste« aus dem öffenilichen Leben unb dre Ab- fcbaffuna des Schutzes der Landwirtschaft ver- folqe, — Wenn die Konservativen eine derartige Vorstellung vom heutigen Freisinn haben, so hauen sie keineswegs daneben. Aber was der christliche Geist mit der Kotierung-steuer und der Wertzuwachssteuer zu tun haben sollte, das vermögen wir nicht einzusehen. Es ist schade um bie viele Druckerschwärze, welche die /Berliner Neuesten Nachrichten' in ihrem Ingrimm über bas Zusammengehen der Konservativen mit dem Zentrum biefent Flugblatt wibmcn.
' * Ein Liebesdienst des Abg. Erzberger. Als am vorigen Fieitog die Liberalen in feier- sichern Zuge bie Finanzkommission verließen, ließ der nationalliberale Abgeordnete Dr. Paasche einen von ihm gestellten Antrag schnöbe im Ssich, der damit nicht hätte zur Besprechung und Annahme kommen können. Da erbarmte sich Herr Erzberger dieses Antrages und machte ihn zu dem seinigen, sreilich nicht, wie er dabei ausdrücklich betonte, weil er dem Anträge bei- püiile, sondern nur, weil der „Rabenvater" Paasche sein Rinb treulos verlassen habe und weil er es für nötig hielt, daß die Undurchjuhr- barkeit deS Paascheschen Antrags gründlich beleuchtet werde. AnbeinfallS würde man später zu hören bekommen, daß ein wichtiger Antrag Paasches infolge des „Auszuges aus dem Herl. Berg" nicht hätte angenommen werden können. Der Antrag Paasche-Erzberger wurde dann auch tatsächlich einstimmig abgelehnt, nachdem sämtliche Redner, auch die Vertreter der Regierung, ihn für undurchführbar erklärt hatten. "Nun wild Herr Paasche wohl zusrieben fein.
den Meldungen versichert, auch m diesem Sommer seinen Urlaub auf Norderney verbringen. — Der ehemalige polnische Reichs- und Landtags- abgeordnete Rittergutsbesitzer Dr. Julian v. Ehelmicki ist am Mittwoch gestorben. — Landgerichtsdirektor Lehmann, der m den Hardenprozessen viel genannte Vorsitzende der vierten Strafkammer des Berliner Landgerichts 1, ist an bas Zivilgericht versetzt worben.
*♦ Die Zwei-Kaiser-Begegnung in der Ostsee. Die Meldung von einer Zusammenkunft des Kaisers mit dem Zaren Mitte Juni in dem nördlichen Teil der Ostsee wird jetzt durch das halbossiziöse Wolsf'sche Telegraphenbüro bestätigt. Die Begegnung wird angeblich in den Formen einer großen politischen Aktion vor sich gehen. Unser Kaiser wird, Petersburger Meldungen zufolge, von dem Fürsten Bülow, .der Zar von Den Ministern Stolypin und Iswolski tegleitet sein. Die Londoner wie die Pariser söläter, denen bie Entrevue augenscheinlich überraschend kommt, knüpfen an diese eingehende politische Betrachtungen. Wie die .Voss. Zig.', erfährt, stand bie Begegnung ursprünglich nicht tm Reife- Programm unseres Kaisers, erst auf bie Einladung des Zaren wurde die Fahrt der „ Hohen- zollern" in das östliche Becken der Ostsee tn daS Reifeprogramm eingesügt. ..
+ In den verschiedensten Rrichsamtern hat man jetzt bereits mit den Vorbereitungen sur die Feststellung und Begründung der tm Reichs- Haushaltsetat für 1910 aufzustslleiü)en rxu4i Forderungen begonnen. 931§ L»r mn» reichung dieser Forderungen ist noch eine Frrsi von etwa zwei Monaten. Während in Preußen bie Etatsneuerungm beim Finanzmuiistertum dis zum 1. September angemeltet fein muffen, ist un Reiche ter gegebene Zeitpunkt dafür der 1. Aug. Bis dahin muß also in den Einzelressorts die Ktnze Etatsvorarbeit für das nächste Furanziayr geleistet sein. Es ist selbstverständlich, daß na- mentlich die Ausstellung und Begründung komplizierter Forderungen eine geraume Zeit tn Anspruch nehmen. Uoberall da, wo solche in Frage kommm, ist deshalb auch bereits nut den betret- senden Vorarbeiten der Anfang gemacht.
)( Für dir Landtagsersatzwahl in Kreuze bur g—R osenberg anstelle teS neulich Mit dem Automobil tödlich verunglückten Grafen Bal- leftrem wird Graf Leopold Zielen auf Schmolize (Provtiiz Pofen) als Zmtrumskandidat ausgestellt werben.
** Die deutsche Landwirtkchaftsgesellschaft wirb ihre diesjährige Wanderausstellung, die große landwirtschastliche Veranstaltung, in den Tagen vom 17.-22. Juni in Leipzig Haban. ,
X Das Ende der „Demokratie". Die freisinnigen Sezessionisten, die die Blockpolitik nicht mitgemacht haben unb die sich unter dem Namen „Demokraten" zusammengeschloffen haben, haben einen unersetzlichen, für die Zukunft ihrer Richtung geradezu vernichtenden Verlust erlitten. Ihr Haupt, der fiühere Reichstagsabg. Dr. Theod. Barth, ist in der Nacht zum Donnerstag in Baden-Baden, wo er sich zur Kur aufhielt, unerwartet gestorben. Der hervorstechendste Zug der Barth',chen Tätigkeit war sein Eintreten für den Freihandel. Die Schutzzollpolitik hat er un- entwegt mit wahrem Fanatismus bekämpft. Politisch scheint er keinen sesten Boden unter dm Füßen gehabt zu haben. Eugen Richter schrieb einstens von ihm: „Schade um ihn, seine Direk- tioneiosigkrit richtet ihn zugrunde." Er hat eS denn auch niemals zu einem sestm Wahlkreise . bringen können, bei jeder Wahl mußte er sich
Seekchpar.
Nack einet Sage auS bet Fuldaer Gegend.
Von A. Hellwald.
(Nachdruck verboten.)
Mehrmals ließ nun .^r iunge Mann den Horiiruf erschallen, um vielluchr emmd« For ster zur Stelle zu rufen. Ater nichts ließ 'w blicken und fo sah er sich gezwungen, den R ick weg anzutreten, um den Oberwgermcistto selbst von bem Vorgefallemm in Kenntnis zu letze».
mit Rücksicht auf die Gefährlichkeit des Wilddiebes, der vielleicht auch weniger ichiver ge- troffen sein und dann entflieh.m konnte, loste er den Riemen seines Gewehres, um den Frevler zu binden. Eben wollte er die Schlinge um die Füße des Verbrechers ziehen, als dieser rote em Blitz vmporsprang. das neben ihm liegende Messer ergriff und sich auf feinen Gegner stürzte. Die Kugel hatte nur den Kopf gestreift, und die momentane Erschütterung hatte eine kurze Betäubung hervorgerufen, aus welcher er eben er- wachte, als sich ter andere zu ihm nie-derbeugte. Ein wildes Ringen begann. Erich hatte den mit dem Messer bewehrtm Arm des Wilddiebes gefaßt während er mit seinem rechten Arm den wutschnaubenden Feind zu umschlingen unb nie- derzuwerfen versuchte. Doch die Kräfte der betten Gegner waren ziemlich gleich, und Minuten- /lang kämpften sie, ohne daß einer einen, Vorteil über den andern gewann. So kamen tm Jungen auf die Stelle, wo sich neben dem Hirsch eine große Schweißlache befand. Auf dem schlüpfrigen Erdreich glitt dec Fuß Seekas^ars aus,und beide Kampfer stürzten zu Boden. Dabei löst: sich die Hand @rid)g von dem Handgelenk seines Todfeindes, und rief fuhr ihm die Klinge desselben tn die Brust. Ein schneller zweiter Stoß vollendete das Werk des Mörders, der nun auflvrana und
[] Zur Reichsfiuarrzreform.
Gegen die Beschlüffe der Steuerkommission deS Reichstages wird jetzt nach dem Streik der vereinigten Liberalen zum Sturm lauf geblasen. Für die Mitte ds. Mts. ist eine ganze Reihe von Protestversammlungen zu erwarten, die nach Berlin emberufen worden sind. Bis jetzt haben getagt: eine Vertretung der Han- delskammern, eine Vertretung der Parfümeriefabrikanten und der Zentralausschuß kaufmänm- scher, gewerblicher unb industrieller Vereine tn Berlin. Dieser Zentralausschuß hat am Mittwoch eine Resolution gefaßt, in der bie Beschlüsse bet „agrarisch-klerikal-polnischen Mehrheit" ber Finanzkommission auss schärfste verurteilt unb Handel, Industrie, Groß- und Kleingewerbe auf- gerufen werden, sich zu einer geschloffenen Kampforganisation gegen bie „agrarischen Heraus- forbernngen" zusammenzuschließen. Es soll eine Riesenprotestversammlung aller gewerb- lichen Htänbe organisiert werben. Eine Abwehr- Versammlung, bie ber Zentralverbanb be8 beut- schen Bankgewerbes unb ber beut schert Industriellen einberufen hat, soll am 12. Juni stattfinden.
Bon ben Sinberufern wirb immer betont, daß sie bereit seien, an der Finanzresorrn rnitzuwirken, baß sie aber nicht gesonnen seien, zuzulassen, baß Hanbel unb Gewerbe geschädigt würben. Merk- würbigerweise haben bie Börsenleute, als es sich um bie Steuer auf Bier, Tabak unb Spiritus hanbelie, ein Bedenken hinsichtlich ber Schäbi- gung von Hanbel unb Gewerbe nicht gehabt. Jetzt aber, wo sie von ben Steuern selbst betroffen werben sollen, spielen sie sich auf einmal als bie Retter von Hanbel unb Gewerbe auf.
Inzwischen bauern bie Auslassungen in ber Presse, bie au8 sicherer Quelle schöpfen wollen unb sich über bie Absichten bes Fürsten Bülow al« eingehenb informiert geben, fort. So glaubt bie ,Neue Gefellsch. Korr.' zu wissen, baß bie BunbeSfürsten es als eine Art von Ehrenpflicht ansähen, bie Erbansallsteuer durch- Metzen. Wir möchten hinter diese Behauptung doch ein großes Fragezeichen setzen. Wir möchten vielmehr bie Auffaffung vertreten, baß eS ben Mitgliedern besBundesrates ganz gleichgiltig ist, mit wem bie Finanzresorrn gemacht wird unb daß eS ihnen bei ber Misere, in ber sich die Einzelstaaten finanziell befinden, viel lieber ist, baß eine Reichsfinanzreform überhaupt zn- ftanbetommt, al8 daß sie scheitert.
Wie wenig zutreffend bie Auslassung ber .Reuen Ges. Korr/ ist, bürfte auch wohl bat ans hervorgehen, baß bie Finanzmin,ster der Einzelstaaten zu ben Beschlüssen ber Fincmzkom- mision offiziös noch gar keine Stellung genommen haben. Diese Stellungnahme wirb erst am nächsten Dienstag erfolgen, benn für bie;en 2tog finb bie Finan^Minister ber Einzelstaaten nach Berlin zu einer Konferenz einberufen woröen. Die Auffassung bet »Neuen Ges. Korr.' rottb auch nicht gestützt burch eine Auslassung des .Reichsboten', baß ber Kanzler baran denke, sich mit der Mehrheit von Konservativen unb Zen- lrum auseinanderzufetzen, um mit ihr unb einem &il ber Liberalen bie Reform zu machen, wöbe, die Erbanfallfteuer in nur abgeschwachter Form tuftanbe kommen würde. Vielleicht hangt hier- mit zusammen eine Meldung der Berliner /tun. Ron.' wonach Fürst Bülow ,n den nächlten
Mdaer WZeilmg
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monakbellage: „Mdaer Geschichtrblatter Fernsprecher Rr. 9.
Deutscher Keich
** Berlin, 3. Juni 1909. Der Kaiser weilte heute in Pofen, wo er das nahezu leitiggeftelUe neue Ressten.schloß besichtigte. Am Nachmittage trat er bie Rückreise nach Potsdam an. — Der Reichskanzler Fürst Bülow wird, ivie die .Voss. Ztg.' im Gegensatz zu anberslaulen-
Blick, sodaß es seinen Hausgenossen, insbesondere aber seimw Tochter Gertrud auffiel.
„Was hast Du nur, Vater", sagte sie beforgt, „fit Dir nicht Wohl?"
„O doch", antwortete er, „nur habe ich nicht fo gut geschlafen als sonst."
„Mir ging es merkwürdigerweise ebenso, meinte sie, und dann, wie von einer plötzlichen Ahnung erfaßt, sfietz sie angstvoll die Worte hervor: „Es wird doch Erich nichts Schlimmes zu- gestoßen fein!"
Der Oterjägermrifter zuckre zusammen, denn die Tochter batte feine eigenen Gedanken ausgesprochen. Doch ließ er es nicht merken und sagte, intern er ihren blonden Schettel streichelte: