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36. Jahrgang.

Fulda, Mittwoch den 2. Juni 1309

M 123.

Erstes Matt

[] Der Streik der Blocktinkerr

läge an die Rtmmtffton geht, so hält die »Voff. Ztg." e? für unmöglich, daß Vie bisherige FirmnzkomnMon nochmals zu einer Beratung über die Erbaufallsteuer und die Ersatzsteuern zurückkehren könne. Daß das t Plenum aber eine neue Kommission wählen wurde.

sich machten. t m

Man darf auf die Erklärungen des Reicklskanz. lers im Plenum gespannt sein. Fürst Büiow hat einmal int Reichstag gesagt, er müsse mit den gegebenen Realitäten rechnen und tonne kerne phantastische Politik treiben. Jetzt mutz es sich zeigen, ob für ihn die phantastische Idee des Blocks stärker ist als die gegebene Realität.

Vater von Jugend auf befreundet ist. Er ist feit einiger Zeit bei uns im Hause, und soviel ich ve- merken konnte^ werden wir bald Verlobung feiern, da Gertrud dem jungen, liebenswürdigen Dtann sehr zugetan scheint. Ich kann Dir also wenig Hoffnung machen; aber wenn Du gern einen "eigenen Hausstand gründen willst, so fin­dest Du wohl unter den Bürgerstöchtern der Stadt mehr als eine, die bereit wäre, die Gattin eines so reichen Mannes zu werden."

„Danke bestens für Deine freundliche Für­sorge", sagte Seekafpar, höhnisch lachend, »„ich werde mir die Sache noch einmal überlegen."

Damit wandte er dem jungen Mann den Rücken, und schlug den Weg nach seiner Wohnung ein. Robert suchte ihn nicht znrückzuhalten; aber mit schwerer Sorge schaute er dem Davonschrei- tenden nach. Eine bange Ahnung sagte ihm, daß diese Unterredung schwere Folgen haben werde.

Längere Zeit Uetz sich Seekaspar nicht in der Stadt blicken und auch an feinem bisherigen Aufenthaltsorte wurde er wenig gesehen. Nie- mand wutzte, wo er war; nur Robert hätte viel- leicht darüber Auskunft geben können. Es wa­ren nämlich während der letzten Wochen in der Kanzlei seines Vaters mehrfach Meldungen von ganz frechen Wilddiebereien eingelaufen, deren Täter man trotz angestrengter Wachsamkeit nicht fassen konnte. Insbesondere war es das Leibge- hege des Fürsten, welches sich der Frevler zum Schauplatz seiner Tätigkeit ausersehen hatte. Sechstverständlich standen dort die stärksten Hir­sche, auf welche Nur der Landesheer selbst oder ein von ihm eingeladener auserlesener Gast jagen durfte. Mehrmals waren dort erlegte Hirsch« gefunden wurden, von denen aber nur der Kopf mit dem Geweih fehlte. Dies deutete darauf hin, daß hier kein gewöhnlicher Wilddieb, der des Gewinnes halber jagte, sein unsauberes Wesen trieb, sondern daß nur ungezügelte Leidenschaft und die Sucht, schöne Geweihe zu erbeuten, dem Gesetze Trotz bot. Der OborjägerEister war außer sich vor Zorn und versprach demjei'.lgen

Erscheint täglich mit Ausnahme der $o;tn« rmd Feiertag«, virttel- phrlicherVeMsprri; ohne vringeLohn und veftkllgeldinznldass- irie auswärts 1.50 Ulf.

Verantw, Redakteur: Carl Schütte;

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ie gelegentlich einmal in die Minderheit gera­ten Was würden sie erst tun, wenn sie wie das Zentrum systematisch ausgeschaltet ^Vtolleicht denken sie durch ihre demonstrative Arbeitseinstellung an e i n e r s e h r ho he n Stelle Eindruck zu machen. Es fragt sich aber, ob der psychologische Augenblick nicht Koon ver­patzt ist. Dec Ritz zwischen der Rechten und der Linken ist jetzt so groß geworden, daß am Ende auch die Kunststopferei des Fürsten Bulow nicht mehr ausreicht.

Die Konservativen scheinen enrfchlosien zu sein, die Erbanfallsteuer nach wie vor a b z u- lehnen. In Hinsicht auf die Auslassung der „Nordd. Allg. Ztg." schreibt die „Kreuzztg.", daß durch sie die Aussichten der Erbanfallsteuer Nicht besser geworden seien und daß die Negierung ihre Ablehnung Voraussehen müsse. Oder glaube die Negierung etwa, daß sie, von den Polen ganz ab­gesehen, die Mehrheit des Reichstags sprengen könne? Würden Reichspartei Und Wirtschaftliche Vereinigung von der neuen Mehrheit für eine Erbanfallsteuer zurückgewonnen, so müsse die Vor­lage Aenderungen bekommen, die dem Freisinn Und der Sozialdemokratie die Zustimmung mog-

Seekaspar.

Nach einer Sage aus bet Fuldaer Gegend.

Von A. Hellwald.

2j (Nachdruck verboten.)

Doch da wir nun einmal bei dieser Sache sind, möchte ich Dir einen Plan Mitteilen, der mich schon lange beschäftigt und dessen Ausfnh- rung geeignet wäre, allen Unannchmlichkeiten ein Ende zu machen. Es wäre auch für Dich die glücklichste Lösung der Frage, tote Du aus Dei­nen ewigen Geldnöten herauskommen und mir einem Schlage Deine Schulden los werden konn­test. Sollte aber mein Vorschlag bet Dtr und den anderen, die es angeht, keinen Anklang fin­den, so müßte ich wohl oder übel meinen Wander- stab weitersetzen und mit eine neue Heimat su­chen. Selbstverständlich mußte ich dann auch meine ausstehenden Gelder und die Zinsen da­von einziehen, was für manchen nicht sehr ange­nehme Folgen haben könnte."

Robert hat mit steigendem Unbehagen den Er­klärungen Seekaspacs zugehört. Bei den letzten Worten aber fuhr er jäh empor Und sagte mit tonloser Stimme:

„Das würde heißen, daß Du auch Deine mir gieliehenen Gelder haben und mich damit ruinie­ren und meine Familie beim Fürsten und der ganzen Welt in schlimmen Ruf bringen wolltest?"

„Wenn ich feilte Aussicht habe, mein Ziel zu »reichen, könnte ich Dir freilich eine Demütigung nicht ersparen; aber Du hast es in der Hand, die Sache zu einem günstigen Abschluß zu brin­gen, falls Du meinen Plan unterstützest. Ich for­dere nichts Unmögliches und glaube, daß Du nach Anhörung meines Vorhabens, das ich Dir jetzt näher erklären will, mir Deinen Beistand nicht versagen wirst.

Du weist, daß ich Dich schon mehrmals ge­boten habe, mich in Deiner Familie einzufiihcen; aber immer wußtest Du einen Vorwand, die Sache

und doch sind sie nur dazu bestimmt, der Braut- schmuck meiner künftigen Gemahlin zu werden."

Robert hatte zuerst eine scharf abweisende Antwort auf der Zunge gehabt; aber beim An­blick des wahrhaft fürstlichen Vermögens und tn anbetracht seiner schwierigen Lage durfte er es nicht wagen, den unberechenbaren Menschen sich zum Feinde zu machen. Er sagte deshalb ein- lenkend: „Du kannst Dich nicht darüber wundern, daß mich diese ganz unerwartete Neuigkeit sehr überrascht hat; aber wenn ich auch Deinem Pian nicht gerade entgegen bin, so kann ich Dir doch nicht verhehlen, daß der Verwirklichung Deiner Absicht schwere Hindernisse entgegenstehen, wenn sie Nicht überhaupt unmöglich ist. „Laß mich ausreden", wehrte er ab, als er sah, daß Seekas­par eine Bemerkung machen wollte, „da ist zu­nächst mein Vater, der das gewichtigste Wort in dieser Sache zu sprechen hat. Bei dem starren Selbstbewutztsein und den tief eingewurzelten Stondesvorurteilen glaube ich, daß er nicht leicht seine Einwilligung zur Verbindung seiner ein­zigen Tochter mit einem Manne geben wird, von dessen Herkunft und Vergangenheit man so gut wie gar nichts weiß. Ich will Dich damit mcht beleidigen", fuhr er fort, als er sah, daß See- kafpars Auge wild aufblitzte, „aber der gerade Sinn meines Vaters forbert nun einmal volle Klarheit über die Person feines Schwiegersohnes, den er doch auch in die höheren Kreise einführen muß. Wenn es Dir aber auch gelingen würde, seinen voraussichtlichen Widerstand zu besiegen, so glaube ich, daß auch das Einverständnis mei­ner Ähwester schwer zu erlangen sein wird und zwar ans dem Grunde, weil sie allem Anschein nach schon gewählt hat." . ,

„Und wer ist dieser Glückliche?" fragte See­kaspar mit finsterem Blick.

Robert antwortete: „Wenn Du nicht in den letzten Wochen so feiten nach der Stadt gekom- men wärest, hättest Du ihn wohl kennen gelernt. Es ist der Sohn des Fürstlich Jfenburgischen Oberforstmeisters Gravenhorst, mit dem mein

hat man jetzt bedeutsame Maßnahmen getroffen, die Kavallerie für das Fußgefecht in stärkerem Maße auszubilden und die größte Aufmerksam, leit darauf zu richten, daß die Kavallerie befähigt werde, selbständig einen Angriff zu Fuß durch, -usühren. Durch diese neue Methode wird die Selbständigkeit der Reitertruppe ganz b.dentend erhöht und sie erhält dadurch tm Kampfe eine viel größere Bedeutung. Zugleich wird chre Berwendunqsart im Kampfe erweitert. Dme Neuerung wurde erst durch'die Emsuhrung des neuen Karabiners «nd der 8-Mumt.on bei der Kavallerie ermöglicht, da die Reiterschußwaffe, dem Jnfanteriegewehr als gleichwertig zu erachten ist. Durch diese neue Gestaltung ist auch fttzt die Absicht endgiltig ausgegeben worden, Rad- ahiertruppen bei der Kavallerie anftelle der, den Kavalleriedivisionen bisher beigegebenen Jager- bataillone zuzuteilen. Die Radsahrertruppen würden nämlich der Kavallerie nur hinderlich fein, da die Kavallerie in ihrer jetzigen Ans. nldungsart durchaus selbständig vorzugehen imstande ist, während die Radfahrer mehr oder weniger an feste Wege gebunden sind.

ns Eine Deputation englischer Arbeiterver­treter besucht gegenwärtig Weftdeukichland. JKan war in Duisburg, in T Meloscf, ui Köln und wird in den nächsten Tagen tn F r a n t su r t ein. Ueberall wurden viel Reden gehalten, sescndere wurde darauf hingcwiesen daß diese gegenseitigen Besuche geeignet.seien, die bestehen­den Mitzstimmnngen zu beseitigen. U. n. wurde auch mitgeteilt, daß Bestrebungen tm Gange seien, zwischen England und Deutschland einen Kin - derauZ tausch während der Ferien herbeizu- führen, wie dieser mit anderen Ländern bereits

Genossen haben ihm allerlei Ehrungen bereitet, und die Partei selber p'ant die Veranstaltung einer großen Demonstration, um sich diese günstige Gelegenheit zu Massenversammlungen nicht entgehen zu laßen. — Liebknecht wird nun­mehr, da das Abgeordnetenhaus noch ntajt in die Sommerserien gegangen ist, noch einige Tage an den Beratungen teilnehmen können. Da die „Fraktion" der Sozialdemokralen int Abgeorv« netenhause nach den letzten Mandatsprüfungen auf drei Mann zusammengesunken ist, dürste den Genoffen dieser Zuwachs an Zahl sowohl als vor allem an Intelligenz und Sachkenntnis un­gewöhnlich gelegen kommen.

)( Zur Selbstverwaltung in den Kolonien. Ter Reichskanzler hat jetzt eine Verordnung er- aflen, wonach das Gemeinde-Wahlrecht tn den Kolonien abgeändert und erheblich eingeschränkt wird. Bisher waren alle 25jährigen angesessenen G'meindebürger männlichen Geschlechtes wahlbe­rechtigt, sofern sie selbständig und ein Jahr tm Orte waren. Nunmehr sind noch diejenigen wahl­berechtigt, die 2 Jahre ansässig sind. Es wird durch diese Veränderung den unangenehmen Er­scheinungen entgegengewirft, die sich daraus er­gaben, daß junge Ansiedler nach verhältnismäßig kurzer Zeit dasselbe Recht zum Mitsprechen hatlen, wie alte erfahrene Praktiker.

--- Die Unruhe geister auf Samoa, unserer schönsten Insel im Stillen Ozean, sind gebannt. Die Ruhe ist wiedergekehrt. Von den vor Apia, der Hauptstadt des Landes versammelten deutschen Kriegsschiffen ist soeben das letzte, der Kreuzer „Leipzig" zurückgezogen worden.

Als vin erlösendes Wort hatte die liberale Presse die gestern mitgeteilte offiziöse Auslassung der „Nordd. Allg. Ztg.". empfunden. DieJöeget- sterung will aber doch nicht so recht auflodern, m Nicht wenigen Blättern stellt sich rm Gegenteil schon peinliche Ernüchterung em. Nachdem man sich ben Braten, den die „Nordd. aufgetrscht, näher betrachtet, bekommt man doch Bedearen, ob Fürst Bülow ihn einer Mehrheit des Reichstags mundgerecht machen kann. Wenn man die Berln ncr Blätter vom Dienstag lieft, so drangt sich unwillkürlich die Empfindung auf, als. ob das Wort des Fürsten Bülow, anstatt eme Klärung zu schassen, die Situation ebenso im Dunkel ge­lassen hat, wie sie bisher war.

Diese Empfindung spiegell sich auch wieder in einem Artikel der ,Voss. Ztg.'. Sie berechnet, daß die neuen Gesetzentwürfe der Regierung frühestens am 16. Juni im Plenum beraten würden. Was wird da» Plenum mit ben Entwürfen machen? fragt die ,Voff. Ztg.', und sie folgert,

daß Konservative und Zentrum die Vorlagen nicht ohne Kommtssionsberatung ablrhnen wurde», well die Regierung dadurch zur Auflösung des Reichstages ge­zwungen wäre, eine solche Auslösung aber bei den Konservativen nicht beliebt wäre. Wenn ab« dieVor-

hinauszuschieben, so daß ich glauben muß, daß Dir wohl mein Geld, aber nicht meine Person angenehm sei. Nun habe ich ja von den strengen Ansichten Deines Vaters, des Herrn Oberjäger- emisters, gehört und weiß, daß es nicht leicht ist, sein Vertrauen zu getoinnen. Aber es kann Dir doch nicht schwer fallen, ihm nach und nach eine bessere Meinung von mir beizubringen. Ich würde schon etwas dafür aufwenden und zu ge­mein neigen ober auch zu frommen Zwecken an- sehnliche Summen beisteuern, obwohl ich dafür sonst kein Geld übrig habe. Vielleicht würde mich dann auch Deine Schwester etwas freund­licher ansehen, wenn ich dem zu gründenden Wai- feiibaus, für daS sie sich doch sehr interessiert, einige Tausend Taler zuwenden würde."

Bei der Erwähnung seiner Schivester zuckte Robert zusammen, und wie ein Blitz durchleuch­tete ihn der Gedanke, was Seekaspar eigentlich beabsichtige. Also Gertrud, die schöne, tugend­hafte Tochter des Oberjägermeisters, war es, auf welche der zweifelhafte Mann seine Angen ge­worfen Haire, und die er im Verkehr mit der Familie Roberts zu erringen hoffte! Ja, wenn er dieses Ziel erreichte, war es ihm ein leichtes, als Schwiegersohn des obersten Jagdbeamten sei­ner Leidenschaft für das Waidwerk nachzugehen.

Seekaspar hatte mit scharfem Auge die Wir­kung feiner Worte beobachtet, und als fein Ge­fährte schwieg, fuhr er fort:

„Du scheinst meine Gedanken erraten zu ha­ben, und Dein Blick sagt mir, daß Du davon nicht sehr erbaut bist. Aber sage, was hast Du gegen meine Absicht, wenn möglich. Dein Schivager zu werden? Kann ich Deiner Schwester nicht einen Reichtum bieten, wie ihn kaum ein Fürst 'ein eigen nennt? „Da, sieh' her", fuhr er fort, indem er aus seiner Brusttasche einen mit den herrlich­sten Edelsteinen gefüllten Lederbeutel zog und ihn geöffnet dem erstaunten Robert vor die Augen hielt, „hier diese Steine haben einen Wert, daß man dafiir eine Grafschaft kaufen könnte.

Deutsches Reich,

* Kuraufenthalt Kaiser Wilhelms in Eng­land? Der,Daily Expreß' erfährt, daß zwischen der deutschen Botschaft in London und dem Headland-Hotel in Newquay an der Nordküste von Cornwalls Verhandlungen betreffs des Aufenthaltes Kaiser Wilhelms und der kaiserlichen Familie im September oder Oktober schweben. Newquay ist einer der schönsten Kurorte Eng­lands mit romantisch in Atlantischen Ozean ab­fallenden Klippen und ausgedehnten Landzungen.

** Rumänien und der Dreibund. Bekannt lich hat der deutsche Kronprinz vor einiger Zeit dem rumänischen König Karl aus Anlaß seines Jubiläums einen Besuch abgestattet. .Ein ita­lienisches Blatt behauptet nunmehr, diese Reise habe den Zweck einer militärischen Kon­vention offensiver und defensiver Natur zwischen Rumänien, Deutschland und Oesterreich-Ungarn zum Ziele gehabt. Genaueres darüber sei nicht bekannt, doch könne von einem direkten Anschluß an den Dreibund keine Rede fein. Dahingegen sei ein militärischer Anschluß an die beiden Kaiser- reiche gesichert.

** Keine neue Jnseratensteuer. Die Mit- teilung einiger Blätter, daß in der Finanzkoni. Mission auch eine Jnseratensteuer angekündigt sei, beruht auf einem Irrtum. Er ist dadurch entstanden, daß, als bei der Bestellung der Re- serenten die Mitteilung gemacht wurde, daß eine Mühlenumsatzsteuer eingebracht würde und be­reits ein Reserent für diese bestimmt wurde, auch von einer Jnseratensteuer die Rede war und auch für diefe daS Referat vergeben wurde. Es handelte sich aber dabei um die in erster Lesung abgelehnte Steuer, worüber Bericht erstattet werden muß. m

♦ Neuerung beim Militär. Wie die,Berl. Neueste Nachr.' von militärischer Seite erfahren.

besteht.

t. Ein Protest gegen die Streichholzsteuer. Die vor einigen Tagen in Berlin versammelten Vertreter ton 46 deutschen Zündholzfabriken, „welche etwa 95ji> der gesamten deutschen Pro- duttion darstellen", haben gegen die geplante Einführung der Zündholzsteuer energisch pro­testiert und die Regierung ersucht, von der Steuervorlage abzusehen, da sie eine weitere ungeheure Schädigung der deutschen Zündholz- tndustrie verursachen und insbesondere die mittleren und kleineren Betriebe geradezu vernichten würde. Weiter heißt eS bann in der auf der Versamm- hing angenommenen Resolution: „Sollte jedoch die Regierung wider Erwarten auf Einbringung der Vorlage" bestehen zu müssen glauben, so könnten die deutschen Zündholzfabrikanten unter folgenden hauptsächlichsten Voraussetzungen zu- stimmen: 1) dürfen für die nächsten fünf Jahre Konzessionen zur Errichtung neuer Fabriken seilens der Bundesstaaten nicht erteilt werden. •2) Der Einfuhrzoll muß neben dem Betrage der Steuer von 10 auf 25 Mark für 100 Kilo­gramm erhöht werden. 3) Die sämtlichen jeh bestehenden Zündholzfabriken müssen sämtlich von Reichs wegen kontingentiert werden.

— Gegen die Erhöhung des Kaffeezolls wendet sich eine vom Verein der am Kaffeehandel beteiligten Firmen in Hamburg an den Reichstag gerichtete Eingabe. Sollte die Zollerhöhung doch einlreten, so möchte die Eingabe gleichzeitige Einführung einer Jnlandssteuer auf Kaffeeersatz- stosse vorschlagen.

)( Obergenoffe Liebknecht, der Sohn des großen Vaters, hat soeben die Festung Glatz nach Verbüßung seiner IV» jährigen Festungs- strafe wegen Hochverrats verlassen. Die Berliner

Plenum aber eine neue------, _

erscheint dem genannten Blatt zweifelhaft, und noch zweifelhafter erscheint es ihm, daß die neue Kommission die Vorlagen annehmen werde.

Während die „Voss. Ztg." sich noch auf dem sachlichen Boden hält, wirft das „Berliner Tage- blatt" gleich sämtliche Fensterscheiben ein. Das- se'Le Blatt, das früher über den Marasmus in der Kommission geklagt hat und das den liberalen Blockflügel wiederholt scharf angriff wegen fernes Entgegenkommens gegenüber dec Regierung, meint, es handle sich jetzt picht mehr um die Frage bet Finanzerform, sondern es handle sich um eine Kraftprobe zwischen rechts und links. Mut in der Brust ruft es aus: die Zeit deI Par- 'lamentierens ist vorüber, jetzt gilt es den

Ausland.

* Aniimilitanstischk französische Landwehrlrule, die im Laaer von Larzacan an Schießübungen tellnahmcn, bedrohten und beschimpften einen Unteroffizier und sangen revolutionäre Lieder. Zwölf Landwehr.eu.e wurden wegen dieser Vorfälle mit Arrest bestraft.

* In der Umgebung von Paris sind zahl­reiche Telegraphen- und Telephondrähte durch- schnitten worden. Der Minister des Innern bat Beweise, daß dieses Zerstörungswerk wohlvor- bereitet war durch ein Rundschreiben, das ge­naue Angaben über die Ausführung der -rat enthielt und von Pariser Anarchisten ansgmg.

** Aus der Türkei. Im griechischen Grenz­gebiet ist eine türkische Bande aufgelaucht, die der griechischen Gendarmerie einen schweren Kampf geliefert Hai, wobei zwei Gendarme ge­fallen sind. Der neue Sultan hat die Absicht, einmal mit Deutschland gute Beziehungen zu unterhalten, dann aber auch, die Armee auf den Stand der modernen Kultur-Armeen zu bringen. Er hat den preußischen Generalobersten v. d. Goltz zur Reorganisation der türkischen Arme« berufen. — Großes Aufsehen wird die Meldung erregen, daß die jungtürkische Regierung den alten Sultan Abdul Hamid in Nacht und Nebel heimlich au8 der Villa Alatini bei Saloniki nach Kleinasien geschafft hat, wo er nunmehr in schärfster Br- wachuug gehalten wird. Die jungtürkischr Re­gierung hat sich zu diesem Schritte treiben lassen durch die Wahrnehmung, daß der alte Sultan andauernd Quertreibereien gegen die neue Re­gierung trieb. , .

** Persien. Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, hat bekanntlich der Schah wiederum dem Land« eine Verfassung verliehen. Das neue persische Wahlgesetz ist jetzt dem Provinz,al-End«

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, So tun, als ob es zu einer Kraftprobe ge- -fcmmen M, das ist ein durchsichtiges Beginnen. 'Die Achillesferse der Börsenleute ist verwundet worden. Das will man aber nicht zugeben, und man maskiert feinen Schmerz mit dem sozialen Mäntelchen, es könne nicht geduldet werden, daß die Zündhölzchen verteuert würden. Haben denn die Liberalen die 400 Millionen indirekter Steu­ern nicht auch aufbcingen wollen? und wer denn anders als daS Volk härte diese Steuern tragen müssen? . , ,

Wer des Pudels Kern finden will, der muß sich die schon erwähnte Auslassung der „Nat.-Ztg." gegenivärtig halten. „Wo soll eine Partei das In­teresse für die Finanzreform hernehmen, wenn sie sicht, wie alle Dinge über ihren Kopf hinweg ge­macht werden?" Die Liberalen haben fein n- te reffe mehr für das große nationale Weck dec Reichsfinanzreform, wenn sich im Parlament eine Mehrheit findet, die anders beschließt, als wie es den Liberalen paßt! Das Zentrum ist seit zwei Jahren Nach dem Blockrezept bchandelt wor­den, nach welchein alle Dinge über den Kopf des ausgeschalteten Zentrums hinweg geumcht werden sollen. Und d o ch hat man vom Zentrum Mirac- beit im nationalen Interesse verlangt, und daS Se n t r u m hat s i e treu ß eiet f t c t. Dre iberalen aber glauben streike n zu ßollen, wenn

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