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RotationsdruSund Verlag der Fuldaer Ak- ttendruckerei in Fulda Fernsprecher Rr. 9.
M 121.
ftulba, Samstaa den 29. Mai 1909.
36. Jahrqanq.
Allerlei.
— Der letzte Scheiterhaufen. Man hat sich daran gewöhnt, die Strafe des Verbrennens auf dem Scheiterhaufen als eine ausschließlich mittelalterliche zu betrachten. Das ist irrig; auch dis neuere Zeit hat derartige Hinrichtungen aufzuweifen. Eine folche hat noch im ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts stattHefundem und zwar in Berlin auf einem Acker in der Gegend der heutigen Gerichts- und Hochstraße. Das Datum ist der 28. März 1813. Peter Horst und feine Braut Elise Delitz waren überfuhrt, gemeinschaftlich 45 Brandstiftungen in Preußen, Sachsen rind Oesterreich begangen zu haben, in der Absicht, die beim Brande herrschende Verwirrung zum Stehlen zu benutzen. Bei diesen Bränden waren sechs Menschen ums Leben gekommen und ein Schaden von 300,000 Talern entstanden. Das Urteil lautete, daß sie zur Richtstätte zu schleifen und allda durch Feuer vom Leben zum Tode zu befördern seien. Die Delinquenten wurden ans offenem Wagen aus der Stadtvogtm am Molkenmarkt zum Richtplatz gebracht, dort Rücke", an Rücken auf eine am Boden liegende Kuhhaut gelegt und fo bis zum Holzstoß geschleift, dann auf eine Leiter gelegt, auf den Holzstoß getragen und an zwei über denselben hinausragende Pfeiler gebunden. Als der Holzstoß angezündet wurde, zog man ihnen eine Kappe über das Gesicht und bald verschwanden sie in dem von dem Winde entfachten Flammenwirbel. Nur bas ver» zweifelte Schreien drang aus den Flammen zu den Umstehenden heraus, die sich trotz der damals politisch bewegten Zeit in großer Anzahl eingefunden hatten, um Zeuge des schaurigen Schauspiels zu sein. p.
— Aus Messina. Anschauliche Bilder von dem Leben und Treidelt auf der Stätte "des wiedererstehenden Messina entwirft Jean Carrdre int „Temps". Lngs dem Strande zieht sich eine unregelmäßige Kette von mit hastiger Willkür wie für den Augenblick hingesetzt. Dazwischen tauchen hier und dort allerlei Zeltbauten auf, an gespannten Seilen flattert trocknende Wäsche int Morgewinde. Tie Wände der Schuppen sind mit allerlei buntem Zierat geschmückt: Bildern aus illustrierten Zeitschriften, Oecdrucken des Königs und der Königin, daneben hängen Firmenschilder und Reklameplakate. Die Barbiere haben ihre Läden trotz der Enge des Raumes nach Kräften ausgeschmückt. Kleine Spiegel glitzern. Es ist Snnntag, die Kunden stehen wartend vor der offenen Tür und sprechen eifrig, die neuen Zeitungen in der Hand. In einem anderen StÄt» viertel, unter zusammengestürzten Palästen, ha- den sich einige Häuser leidlich erhalten; man hat sie von Schutt und Trümmern gereinigt, Läden wurden errichtet und Kantinen für die Matrosen und Soldaten eingerichtet. Aber die Hauptverkehrsstraße ist der Viale San Martino; von Hütten, Baracken und Ruinen umsäumt, zieht er sich weit nach Süden. Unzählige Trinkstuben und Wirtschaften werden hier betrieben, der Raum ist beschränkt, und so sind alle Küchen ins Freie verlegt. Händler ziehen durch die Straßen, Esel- wagen holpern einher, die Rufe der Verkäufer tönen weithin; dort spielt eine Gruppe Kinder mit einem Esel, der unaufhörlich sein „J-a" klagend ertönen läßt. Die Lebenden denken Nicht an die Gräber, auf denen sie stehen. Durch halb- geöffete Türen sieht man in kleine Räume, wo eng zusammengedrängt die Betten stehen, alte Frauen genießen beschaulich den Sonnt und vor kleinen Spiegeln putzen sich junge Mädchen zur Prozession. Früh abenos erlischst dann das Leben in der Barackenstadt. Um 9 Uhr geht alles schlafen. Vorher aber tönt Gelang durch die Straßen. Feierabend. In der Schankstube sitzen plaudernde Manner beieinander, die lange dunkle Zigarre int Munde. Die Sterne fttwnern, der Geruch von Schutt und Trümmern vermengt sich tri1 dem herüberwogenden schwülen Dufte blüh"n- ver Sio en, und im Schatten der Nacht nnr.vltte.-t die Ruinen der Zauber sagenhafter alter Bauten. Durch die Nachtstille tönt das zitternde Zirpen ton Mar dein,en und der Klang halblauten Gesanges. Es sind junge Burschen, die ihre Kunst er. der Mandoline erproben.
— Die Million der „Dollarprinzesiin". Dec große pekuniäre Erfolg von Leo Falls Operette „Die Dollarprinzessin" fordert zu einer kleinen Theaterstaiistik heraus. Im Juni ist es ein Jahr her, daß die „Dollarprinzessin" in Berlin tnt Neuen Schauspielhaus ihren Einzug hielt. Dann siedelte sie im Herbst ins Neue Operettentheater über, um jetzt unter Direktor Palfi den zwetten Berliner Sommer im Lessing-Theater zu terleben. In diesem 'einen Jahre nun hat die „Dollarprinzessin" eine Million und 200 000 M <rn Einnahmen erzielst. Die Worte aus dem Libretto: „Das sind die Dollarpriitzesien, die Mädchen aus purem Gold" — sind für den Komponisten und dem Direktor zur ,,klmM»de»" Wahrheit aewordet» 1
Drittes Wtatt.
Äleiu-HeiLigkreuz.
lieber diesen in der letzten Zeit vielgenannten Wallfahrtsort unserer Diözese hat schon im Jahre 1 896 die „Fuld. Ztg." einige Aufzeichnungen aus der Feder unserer Fuldaer Schriftstellerin Fräul. Josephine Grau gebracht, die jetzt, da die völlige Wiederherstellung dieser ehrwürdigen Ge- betesstätte bevorsteht, besonderes Interesse haben. Der Artikel lautete:
Nachdem die hl. Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, das Kreuz Christi glücklich auf- «gefunden hatte, wurden bald Stücklein von diesem geheiligten Holz — das itach mikroskopischen Unterstühungen von einer Konifere stammen soll — abgetrennt und weithin gebracht, denn in der ganzen christlichen Welt wurde das Werkzeug der Erlösung hochverehrt.
Eine große Kreuzpartikel erhielt bekanntlich der hl. Rabanus Maurus vom Papste Sergius VI. als Gegengeschenk für sein berühmtes Werk über das Lob des hl. Kreuzes. Der gelehrte Ver- siasicr hatte dasselbe eigentlich dem Papst Gregor IV. bestimmt, aber die beiden Fuldaer Mönche Aschcik und Ruodbert, die das Buch überbrachten, hatten bei ihrer Ankunft in Rom den (am * 25. Januar 844 verschiedenen) Papst Gregor nicht mehr am Leben getroffen und es deshalb seinem Nachfolger auf dem Stuhle Petri überreicht.
Eine Reliquie vom hl. Kreuzholz befindet sich auch in der westlich vor dem Himmelsberg im Zuiioerhart sich erhebenden Waldkapelle zmn hl. Kreuz, im Volksmund meist „Klein-Heiligkreuz" genannt. Da dieser früher sehr viel besuchte Wallfahrtsort, der nur 2% Stunden von Fulda entfernt ist, in diesem Jahre (1896) ein Jubiläum begeht, so gibt uns dies willkommene Veranlas- x. sung, einige Aufzeichnungen darüber hier mitzn- teitcu.
Der Himmelsberg in dem umfangreichen Walde Zunderhart wird schon in dem von König Karlmann dem hl. Bonifatius geschenkten Grundbesitz als südwestlichster Punkt der Klostermark bezeichnet. Am 29. Dez. 1012 aber verlieh der hl. Kaiser Heinrich II. den Wildbann im Zunderhart der fuldaischen Kirche, die damals von dem Abte Brantho regiert wurde. Das ganze Quellgebiet der Lüoer war nun Eigengut des Klosters Fulda, und mehr und mehr drang die Kultur in das Watdesdunkel ein. Die Namen jener Männer, die zuerst Lichtungen in diese Urwaldwildnis schlugen, sino nicht mehr bekannt, nur hat sich die Nachricht von einem E'nsiebler namens Günther erhalten, der sich westlich von, - Himmelberg dort wo die bei Sieberts enlfprin- i zende sogen, kalte Lüder eine enge Talschlucht durchfließt, eine Klause mit einem daran stoßenden Holzkirchlein erbaut haben soll. Diele Ein- siedetei im Walde hieß nun Güntherskirche.
Doch verödete dieselbe wieder, nodjoeru der fromme „Waldtreter" gestorben war; der Wald wuchs mehr und mehr darüber hin, bis zu Anfang -es 14. Jahrhunderts wiederum ein Gottes- ntom den Zunderhart zum einsamen Leben sich er ko . Dieser soll ein Berrebiktinermönch aus dem Kloster Johannesberg bei Fulda gewesen feil' mit Namen Hermann von Hammelburg. Noch heute heißt die Stelle, wo er zuerst siedelte: Her- mc unshüÜe. Tiefer in die Wildnis einöringend, !gelangte Bruder Hermann an die verödete Gün- Äerskirche; er rodete diese Stätte auf's Neue und erbaute dort ein Kirchlein zu Ehren des hl. Kreuzes.
Die Urkunde, die ihm Abt Heinrich VI. von Hohenberg und der Großdechant Berno samt der Klostergemeinde ausstellte, ist datiert vom Donnerstag vor Magdalena 1348 und lautet folgendermaßen :
„Nachdem unser in Christo andächtiger und - „geliebter Bruder Hermann in der schauerlichen „Einöde, vorhin genannt Güntherskirche, im - „Zunderhart auf dem mit eigenen Händen gepeinigten Boden ein Bethaus zu Ehren des hl. „Kreuzes erbauet und hat einweihen lassen: so „wollen wir (Abt, Dechant und Convent) auf „dessen Bitte zur Vermehrung des Lobes Gottes „gedachtes Bethaus samt dessen gerodeten Boden „genehmigen und bestätigen. Zu diesem Ende „überlassen, schenken und übergeben wir unferm „geliebten Bruder Hermann, und daß nach ihm „auch andere daselbst ihren Unterhalt finden, den „erwähnten Platz, nämlich: Von der Kapelle her- „ab ins Tal bis an die Lüder mit allen auf bei- „den Seiten liegenden Quellen und Hutweiden „am Fuße des Himmelsberges, der Erlerswiesen „gegenüber, wie auch mit allen anderen hutbaren „Rainen zwischen dem gedachten Berge und dem „Ufer der Lüder bis dahin, wo sich das Wässer- „chen, genannt Berembach, mit ihr vereinigt" ufto. (L. S.)
Die Namen der Nachfolger des Eremiten Hermann sind nicht auf uns gekommen. Isidor Schlei- chert, der verdiente Fuldaer Lokaihistoriker, nimmt an, daß sie bis zu den Zeiten der Reformation sich dort gehalten hätten. Dieselben waren Konventualen der Klostergemeinde vom Andreas- berg (Neuenberg), und bekanntlich wurde dieses Kloster, nachdem es im Frühjahr 1525 von Öen rebellischen Bauern zerstört worden, nicht mehr mit Mönchen, sondern stets mit einem adeligen Propst besetzt. DaS Einsiedlergut aber wurde von da an Lableuten übergeben. Diese blieben Pfarrkinder
der Klosterpfarrei zum hl. Andreas mit 'eigenem Tauf-, Traurings- und Begräbnisrecht, und die Kapläne der Pröpste mußten in der Waldkapelle die bezüglichen Pfarrhandlungen vollziehen.
Vom Jahre 1540 an wurde die genannte Propstei immer vom Fürstabt, dem erwählten Groß- Dechanten des Stiftes, verliehen. Unter diesen Würdenträgern aber waren es zwei, deren Namen in der Geschichte von Klein-Heilig-Kreuz besonders verzeichnet sind: Michael von Ho ch- ste11en und Adalbert von Schleifras. Ersterer (f 1683) vererbte mit Beistimmung des Jürstabtes und Kapitels jene Besitzungen, mit Ausnahme der Kapelle und seines Einkehrrechtes, gegen gewisse jährliche Leistungen ufto.: letzterer ober war es. der vor nunmehr 200 Jahren, im Jahre 1696, die jetzige stattliche Wallfahrtskapelle „samt Eremitage" erbaute. An Stelle von Günthers und Hermanns schlichtem Holzkirchlein war nun ein stattliches Gotteshaus im Renaissancestil gerieten, das für uns auch dadurch noch ein besonderes Jnteresie gewinnt, weil wir in ihm wohl die erste Betätigung jenes hervorragenden BausiUnes sehen, den Adalbert von Schleifras nach 'einer Erhebung zum Fürstabt später tn zahlreichen Werken offenbart und vorab mit dem Tomban in Fulda so glänzend gekrönt hat. — Erst 1729 wurde die Kapelle von Amaud von Busek feierlich fonfefriert. An den Kreuzfesten und am Feite des hl. Laurentius wurde darin von den De- chantskaplänen ein feierlicher Gotesdienst gehn!- ter., zu dem viele Wallfahrten gezogen kamen. Besonders soll die Prozession der Fuldaer Bürger- Sobaiität am St. Lavrentn-Feste gar erhebend gewesen fein. An allen Freitagen von der Fasten bis Michaelis aber wurde eine stille hl- Messe gefeiert. bis die Säkularisation diesen Andachtsübungen ein Ende bereitere. Wenn jevoch die katholische Kirche ein Kreuzfest begeht, dann wallen auch heute noch „im Feierzug die Frommen abseits der großen Straße" zu der Waldkapelle hin.
Die Hosleute von Klein-,Heilia-Krcuz, die fo weltentrückt in der grünen, von fischreichem Gewässer durchschämute» Talschlucht sitzen, sind jetzt dem nahen Pfarrort Giesel eingepfarrt. Dennoch genießen sie noch ihre besonderen, der Kapelle zu- slebenden Rechte, und wenn sie aus^ ihrer. von frommen Waldbrüoern einst urbar Mniachren Sck-olle sterben, so bleiben sie auch dann noch, im stillen Waldesfrieden, denn sie werden auf ihrem eigenen Friedhösthen begraben, das sich, an das Gotteshaus schmiegt und mit seinen paar schlichten Kreuzlein eigenartig zur Stimmung des gesamten anu'utenden Einsiedeleibildes bei trägt.
Jawohl, ein süßer Gortessriede ruht auf der altehrwürdigen Gebetsstätte im Znnderlxirt! Und wie in. alten Zeiten, so mag auch jetzt noch jeder Waller, der sein Kreuz zu diesem Heiligtum hin- austrägt, mit befreitem Gemiite Heimziehen.
KC. Aus dem türkischen WarterSuch.
Der moderne Mensch muß honte olle Sprachen beherrschen — wenn auch nicht io. daß elfte alle sprechen könnte, aber jeden Tor findet er in seinem Zettungsblatt fremde Ausdruck'. über die er sich orientieren muß. ..Die Verhandlungen mit dem Jildis haben sich zerschlagen', meb beten die Zeitungen. Wer ist der JilöisV Ist er eine Person oder eine Körperschaft, oder was sonst? Keines von beiden, sondern der Jiidis- Kiosk (spricht: Jildis-kiösckk), wörtlich der Ster- neupavillon, ist lediglich der präcbliae Palast, in welchem der Sultan Abdul Hamid 11. residierte. Er liegt in Beschiktafch l— die steinerne 'Siegt), einer Vorstadt von Konstantinop l. 3 Kilometer nordöstlich der Neuen Brücke, auf der europäischen Seite des Bosporus. Gerade unter dem Jildis liegt der moderne, 1863—67 erbaute, nicht weniger als 750 Meter lange TschiragSn SerA.i (leuchtender Palast), in welchem 1876 der Vorgang, r des jetzigen Sultans. Abdul Ans. ermordet wurde. Bei dem Jildis-Kiosk befindet sich ein großartiger Park und die Hamidi-e Moschee wo das S e l a m i k stattsinder. d. i. die regelmäßige feierliche Kirchenfahrt des Sultans am Freitag, verbunden mit einer Truppenparade. Wenn also in den Zeitungen die Rede war von Verhandlungen mit dem JHldis, so war hiermit die Hofpartei des Sultans Abdirl Hamid gemeint. Und toenn es dann gleich bar auf hieß, der Marsch der Jungtürken werde Konst uüinoprl vermeiden und den Jildis zum Ziel nehmen, so war gesagt, daß man nur des Sultans engere Residenz aufs Korn zu nehmen gedachte.
„Vor dem Scheik-nl-Jslam sollen die meuternden Regimenter vorbeidefilieren." — Scheich, Schech, Scheck heißt soviel wie Alter oder Greis. Es ist im mohammedanischen örieii» der Titel ehrwürdiger Männer über 50 Jahre, namentlich der Stammeshäupter. aber auch der Vorsteher von Derwischorden, Lehrer und Pre- biger. Der Scheik-nl-Jslam ist das geistliche Oberhaupt der Muslimen, d. i. der muham- medanischen Rechtgläubigen in der ganzen Tür- fei. Er wird vom Sultan ernannt und steht im gleichen Range wie der Großwesir d. i. der Reichskanzler, und derKislLr-Apassi, d. i. — der Mädchenaufseher, der oberste der Eunuchen und Vor- steher des Harems. Wenn die Jungtürken verlangten, daß die meuterischen Truppen an dem Sckeik-ul-Jslam vorbeimarschierten, fo sollte darin eine gewisse religiöse Sühne liegen: man wollte aber auch die geistliche Autorität gegen die weltliche des Sultans ansspielen und gleich- zeitig den koran-fanatischen Truppen zeigen, daß man trotz aller politischen Reformen fein Rest- gionsvernichter fei und die Gunst der geistlichen Autorität gemeßen.
In den Zeitungsberichten wurden oft cks die UrhÄer der Meuterei und Verführer der Soldaten die Sofias und Hodschas erwähnt.
Sofias heißt so viel wie der „Entbrannte", der Eiferer. Es sind die Studenten, welche auf dm höheren Schulen Theologie und Rechtswisfenschast nach dem Koran studieret Nach bestandenem Examen heißen sie „Molla" — Meister und „Hodscha" — Herr. Nicht bloß bei diesem letzter: Aufstand haben sie eine Rolle gespielt, sondern schon lange Zeit sind sie bekannt als gefährliche, jeder Neuerung feindlich gegenüberstehende Fanatiker und haben als solche oft genug eine blutige Rolle gespielt. Die blutigen Niedermetzelnngen von Armeniern, Christen und Juden sind hauptsächlich auf ihr Konto zu setzen gewesen. Abdul Hamid, der jetzt enthronte Sultan, wußte sie mit großem Geschick als gefügige Werkzeuge auszunutzen, bis jetzt mit ihm auch viele dieser Fanatiker ihr Schicksal erreicht hat.
P. Warum ist dasMeerwaster salzig?
Diese Frage ist zuweilen Gegenstand sonderbarer Auslegung gewesen, und doch, meint ein englischer Chemiker, mutz uns ein wenig Nach- denken überzeugen, daß es ein Wunder wäre, wenn das Meerwasser anders als gesalzen wäre.
Steuere Forschungen haben bargetan, daß das Meerwasser beinahe jedes chemische Element enthält, das die Erde aufweist. So wird Gold und Silber nebst den übrigen schweren Metallen im Meerwasser gefunden, selbswerständlich nur in minimalen Quantitäten. Nun darf man nicht vergessen, daß der Ozean das Sammelbecken alles Wassers der angrenzenden Kontignente ist, das als Regenwasser von den Gehängen herabfließt und schließlich in Form von Flüssen und Strömen dem Meere zueilt, ober aber auch durch den Boden sickert und in Erdspalten sich verliert, um schließlich als Quellen ober unterirdische Wasserläufe wieder an die Oberfläche zu treten. In einem jeden dieser Fälle übr das Wasser eine auf- löfende Wirkung und führt alle lösbaren Stoffe, denen es begegnet, mit sich, sodaß die Quantität der Lösung deni Grade der Lösbarkeit der be- treffenden Stoffe unb der Zeit entspricht, während sie dem Auflösungsmittel, dem Wasser, ausgesetzt waren. Der niederfallende Regen ist destilliertes Wasser, oas bis auf kleine Verunreinigungen aus der Atmosphäre nahezu ohne fremde Bestandteile ist. Flußwaffer hingegen führt bei seinem Eintritt in den Ozean meßbare Ouanti- läien aufgelöster mineralischer unb vegetabilischer Stoffe mit sch, die unablässig zufließen unb sich immer mehr anhüufen.
Dieses fort.vährende Amvachsen aufgelöster mineralisier Salze ist vor sich gegangen, so lange die Oberfläche der Erde aus Wasser uns Land besteht. Daß diese Ansicht die richtige ist, findet in der Unrersuchung anderer kontinentaler Was- ferbecken die gleich dem Ozean Wasserläufe auf- nebmvn, deren Entleerung aber einzig und allein in deren Verdunstung besteht, ihre volle Bestätigung. Alle diese Wasserbecken sind mehr oder weniger gesalzen, und zwar einige derselben in höherem Grade als der Ozean selbst, so z. B.' ’ gibt es auf der großen Hochebene Asiens eine Menge kleiner Seen, welche die Wasserläufe der Region aufnehmen und keinen Abfluß nach dem Ozean haben. Alle diese Landseen sind salzig unb viele sogar in hohem Grabe, weil sie einfach fort und fort Ftußwasser von leichtem Salzgehalt auf- nehmen, während bas Wasser, das sie ausdünsten, ganz unb gar nicht salzhaltig ist. Ungleich den großen amerikanischen Seen und dem Bodensee gibt es dort keinerlei Strömung. So sind auch der Aral- und der Kaspische See Sammelbecken ohne andere Abnahme als die Verdunstung, und daher salzhaltig. Das Tote Meer, das an einem Ende den Jordan, sowie am andern und an den Seiten eine Menge kleinerer Wasserläufe aus- nimmt, ist wegen seines äußerst hohen Salzgehaltes allgemein bekannt. Die Totalbodenfläche, die sich in die Ozeane entwässert, betrügt etiva ein Viertel von der Ausdehnung der letzteren, während das Tote Meer die Entwässerung und bte löslichen Bestandteile eines Areals empfängt, das fein eigenes um das Zwanzigfache übersteigt. Ta ist es denn begreiflich, daß sein Salzgehalt selbst den des großen Ozeans weit übertrifft.
Nach Ansicht Sadjberftänbiger muß der Salzgehalt des Ozeans sich beständig, wenn auch fe&£ langsam vermehren und hierdurch eine allmähliche. ocmentsprechende Anpassung seiner Bewohner sowohl des Tier- als auch bei Pflanzenreichs bewirken.
a Allerlei Pfittgstichmuck.
Als das eigentliche Frühlingsfest gilt zwar eigentlich Ostern, das Aufecstehungsfest; aber im Grunde nur bei den Dichtern, denen es leicht fällr, sich mit ihrer blühenden Phantasie über den ärgsten Schnupfen hinweg in die Gefilde bei blumigen Lenzes zu versetzen. Im vollen Schmuck prangt die Natur erst um die Pfingstzeit, wenn die Erde dem kunswollsten Teppich gleicht.
Sie muß denn auch allüberall reichlich bei- steuern, um der Freude am Pfingstfeste den rechten Ausdruck zu geben. Wald und Baum unb Strauch, Feld und Flur müssen Zweige, Laub und Blüten hergeben, um das Heim der festlich gestimmten Menschen zu zieren.
Uralt müffen diese Gebräuche fein, wahrscheinlich gehen sie weit in das Heidentum zurück, das Christentum aber hat sie dem poetischen Empfin- den des Volkes zu erhalten gewußt.
Da ist vor allem der noch in vielen Gegenden Deutschlands existierende Maibaum, eine junge Birke, die entweder der Bursche seiner Angebeteten vor das Fenster setzt, nachdem er sie mit kostbaren Bändern verziert, ober die das ganze Dorf zur Frühlingsfeier auf dem Dorfplatz errichtete. um bann beim Klange der Fiedel luftige Tänze aufzuführen
Diese „Maie" ist wohl der Ursprung des heute noch in Deutschland verbreitetsten Pfingstfch.nucks. Tie Birke ist eine der ersten Bäume, die sich bei uns belauben: „Der Frühling webt schon in den Birken und auch bie Fichte schmückt sich schon." Sie bringt ein kleines Stückchen Frühling in das Alltagsleben der Arbeiterviertel und Großstadt- kasernen; jede Wohnung, jeder Omnibus ist mit einem Birkenbusch, womöglich mit einem ganzen Stämmchen geschmückt. Die Barbarei ist nicht all- zugroß, denn die Forstwirlschafr hat längst gelernt, wie bei den Weihnachtsbäumen, mit dem Massenverbrauch an Maien zu rechnen und richtet ihre „Aufputzarbeiten" zum Teil nach diesen Lieferungen ein. Viele Wagenladungen kommen nach den Großstädten, wobei allerdings die Entfernung stark mitspricht; das Lob welkt nur allzu schnell unb die Zweige sterben ab.