Z.ParMer wFulda. Wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagsjtttung"
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Rotationsbrudunb Verlag der Fuldaer Ak> ttendruekerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.
M 120.
Fulda, Freitag den 28. Mai 1909.
36. Jahrgang.
Zweites Wto - .
Kleines Feuilleton
— Was uns noch fehlte. Dem Wiener Freni- den blatt schreibt ein Leser: Jede Neuerung zieht neue Bedürfnisse nach sich, jede neue Mode gebiert eine andere. Seit geraumer Zeit sind bekanntlich die Riesenhüte der Damen modern. Sie haben sAui exorbinante Dimensionen erreicht, erst in dre Breite, jetzt auch in die Höhe. Natürlich bedürfen solche Schöpsungen nicht nur erhöhter Pflege, sondern auch entsprechender Anfbewal». rungschüllen. Die Hutschachtel reicht nicht tneor aus, und so ist denn etwas . Passen» deres" nn ihre Stelle gerückt: der H u t k a st e n. Diese Hulkasten werden in allen Größen und For- men verfertigt, aus mehr oder minder elegantem Aufputz, aber - darüber läßt sich nicht streiten — sie sind „unentbehrlich" geworden. Und so ließ sich denn eine Dame meiner Bekanntschaft einen solchen Hutkasten bauen, der zwei oder drei ihrer Kopfbedeckungen aufnehmen konnte. Der fertige Schrank wurde in die Wohnung -transportiert. Als ec aber in die dem Schlafzimmer benachbarte Garderobe gebracht werden sollte, war er durch di» schmale Tavweniür nicht durchznbringen. Ein Nicht zu besiegendes Hindernis l Man könnt« doch dem Hutschrank zuliebe nicht die halbe Wand demolieren und eine Flügeltür durckchrechen, um dem Ungetüm Einlaß zu verschaffen. Was tun? Da kam einem der Transporteure eine glückliche Idee. Die Garderobe besitzt ein breites, nach dem Hofe gehendes Fenster. So wurde der Hui- schrank zuerst in den Hof und dann mittels einer W in d e durch das Fenster an die ihm zugedachte Stelle befördert. Die Hülle eines Damenhutes, die ivie eine, feuerfeste Kasse in die Höhe gezogen imd durch ein Fenster befördert werden muß — nt das auch schon dagewesen, sehr geehrter Herr
Ben Akiba? Und ich bitte, das was ich erzählte.^ ist vollste Tatsache und nicht ettoa ein ^ajerj, der einem Witzblatts entnommen ist.
* Die Hinter-lieberreiWerficherimg nach -er Reichsverficherurrgs» ordnnng.
Es-ist unzweifelhaft ein Verdienst des Zentrums, daß die H in t e r b l i e b e n e n v er - sichern ng der gegen Invalidität versicherten Personen endlich einmal verwirklicht werden soll. In das Zolltarifgesetz vom Dezember 1902 ist aus Antrag des Zentrums ein § 15 ausgenommen worden (lex Trimborn), der besagt, daß die durch den Zolltarif erzielten Mehrerträge aus beflimm- ten Lebensmittelzöllen (Getreide, Fleisch usw) zur Erleichterung der Durchführung einer Witwen- und Waisenversorgung zu verwenden und über diese Versicherung durch ein besonderes Gesetz Bestimmungen zu treffen sind. Dieser Paragraph sicherte einmal den unbemittelten Volksklassen einen Beitrag aus den Zolleinnahinen des Reichs zwecks Versorgung der Hinterbliebenen dieser Volksschichten. Zugleich war er aber auch ein starkes Pressionsmittel auf die verbündeten Negierungen, mit der Hinterbliebenenversicherung endlich Ernst zu machen.
Die Neue Reichsversicherungsordnung sieht Nun eine A b l ös u n g der in 815 des Zolltarif- gesehes gedachten Zollmehrerträge insoweit vor, als diese Beträge in Zukunft den allgemeinen Reichseinnechmen zugeführt werden sollen. Dafür sind aber feste Zuschüsse des Reichs für die Durchführung der Hinterbliebenenfürsorge vorgesehen .ähnlich wie sie das Reich ja auch jeder' Invaliden- und Altersrente gewährt.
Die große Frage ist nun die, ob die vorgesehenen festen Zuschüsse des Reichs zu den Hinterbliebenenrenten den Mehrerträgen aus den ttt Anspruch genommenen Lebensmittelzöllen ziemlich gleich sein werden. Darüber dürf- ten mit Recht Zweifel bestehen. Die Lex Trimborn brachte 1907 die Summe von 42 Millionen Mark. Wenn man erwägt, daß das Reich in den letzten Jahren durchschnittlich 50 Millionen Mark pro Jahr Zuschüsse zu den Invaliden- und Altersrenten geleistet bat, und sich die vorgesehene Hinterbliebenenverficherung etwas näher ansieht, dann kann man gewiß annehmen, daß die Hin- teMiebenensürsorge, wie sie der Entwurf der Reichsversicherungsordnung plant, das Reich in 'gleich hohem Maße nicht belasten würde. Denn Vuf 100 gegen Invalidität Versicherungspflichtige männliche Personen kommen nur 46 Verheiratete, 'an deren Hinterbliebene im Todesfälle Renten zu zahlen wären. Jedenfalls wird man billigerweise erwarten dürfen, daß das Reich aus der Ablösung des § 15 des Zolltarifgesetzes und der Einführung der festen Zuschüsse auf Kosten der Hinterbliebenenversicherung einen Vorteil für die Reichskasse nicht erzielt. Daraufhin wäre der Gesetzentwurf eingehend zu prüfen.
■ Von weiten Kreisen ist mit Recht verlangt worden, daß neben dem Reich, Arbeitgebern und ^Versicherten auch die Gein einden zur Bei- tragsleistung herangezogen würden, da hie Arme n e t a t s durch die Hinterbliebeuenversiche- rung noch mehr entlastet würden. In her Denkschrift der Reichsverwaltung zur Reicbsvei siche- rungsordnung wird demgegenüber jedoch betont, daß der Heranziehung der Gemeinden, wie schon Bei der Einführung der Invalidenversicherung hervorg^oben sei, „überwiegende praktische Schwierigkeiten" entgegenständen. Es fehle ein gerechter und praktisch verwendbarer Maßstab für die anteilige Belastung her einzelnen Gemeinden, der sich auch kaum feststellen lasse. Dazu schreibt man uns:
Dies« Einwendungen der Denkschrift zu entkräften, ist unS nicht möglich, fie scheinen uns auch zutreffend zu sein. Dann bliebe aber die Tatsache bestehen, daß mancher reiche Steuerzahler, der keine Berstcherungs» pflichtigen beschäftigt, wenigstens nicht in großer Zahl, durch bat weiteren Ausbau unserer Arbeiterversicherung wieder gemeindesteuerlich entlastet würde, wenn auch gerade nicht in zu Buch schlagendem Umfange, während die Gewerbetreibenden und Landwirte durch die Zahl der von ihnen beschäftmten Versicherung?, pflichtige» Personen in größerem Maße durch erhöhte Beiträge zur Hinterbliebenenverstcherung beitragen würden, die durch die Verringerung der Armenlasten nicht ausgeglichen würden. - Zweifellos ist es nicht leicht, hier einen Ausgleich zu schaffen. Hätten wir in allen deutschen Bundesstaaten em einheitliches Steuersystem (Einkommen- und Vermögenssteuer), dann würde dieser Ausgleich nicht allzu schwierig sein. Ja, hätten wir nur eine zuverlässige VermögenSeinlchätzung nach gleichen Grundsätzen, dann ließe sich vielleicht durch eine progressiv gestaltete Reichsversicherungssteuer das Kapital zugunsten der Erwerbsstände in Gewerbe und Landwirtschaft usw. zwecks gerechten Ausgleich? der sozialen Lasten heranziehen.
Vielleicht fördert die nach Erledigung der Reichsfinanzreform sicherlich lebhoflcr entsetzende Diskussion über die Reichsversicherungsordnung einen brauchbaren Vorschlag entsprechend den Gedankengängen dieser Zuschrift zutage.
Auf die Einzelbestimmungen des Entwurfes kommen wir noch zu sprechen.
Ausland.
** Das Vermögen des Exsultans Abdul Hamid. Zwei verschiedene Meldungen aus Wien, die eine im ,Berliner Tageblatt', die an- bete- in der .Neuen Gesellsch. Korrespondenz', bringen aussehenerregende Meldungen über die Vermögensabtretung des Abdul Hamid. Nach dem ,Berl. Tagebl.' hat man dem Exsullan mit einem ernsten Prozeß gedroht, da der Sultan nicht blos den größten Teil der griechischen Kriegsentschädigung, sondern auch ansehnliche Beträge, die für die Verwunderen und ihre Familien, sowie für sonstige durch den Krieg Geschädigte bestimmt waren, für Jildiszwecke in Anspruch genommen haben soll. Auch wegen anderer Handlungen aus seiner Regierungszeit soll Abdul Hamid nachträglich zur Verantwortung gezogen werden. In Konstantinopel verlautet mit Bestimmtheit, daß gegen ihn zwei Sensationsprozesse beoorstehen. Der eine wird von Ali Hajdar Midhat Pascha und der andere vom Prinzen Salah Eddin wegen der dreißig Jahre dauernden Gefangenschast seines Vaters, des Sultans Murad, angestrengt werden. Die andere oben erwähnte Meldung besagt. Laß die Jungtürken bereits seit längerer Zeit den Sultan gedrängt hätten und daß dieser nunmehr diesem Drängen nachgebend in doppelter, nämlich in türkischer und französischer Sprache abgefaßtes Schreiben an eine deuische Bank gerichtet habe. Angeblich fordert der Sultan in diesem Schreiben die Bank auf, der neuen türkischen Regierung lein Depot auszuhändigen. Jene Meldung weiß a ch schon, was die deutsche Bank hierauf tun (i irö. Sie werde einen eigenen Boten mit dem Depot des Ex'ultanS nach der Türkei schicken, der dort mit dem Sultan eine Unterredung unter vier Augen fordern werde, um aas dessen eigenem Munde zu erfahren, ob et den schriftlich ge- äußerten Wunsch aus freien Stücken gefaßt habe und ob er ihn auch aufrecht erhalten wolle. Dann soll die Auslieferung des Depots an die Rechtsnachfolger des Sultans ohne weiteres vorgenommen werden.
v Schweine im Postbüro. In Irland wird die Schweinezucht en gros betrieben. Auch verreist der Irländer lehr selten und bann nur in Begleitung eines der grunzenden Tiere, das er nach der Nächsten Stadt zum Markt bringt. Wenn er auf der Post etwas zu besorgen hat, zögert er nicht einen Augenblick, das Schwein mit in die Räume des Postamtes mitzunehmen, wobei sich der Vierfüßler oft Nicht sehr anständig benimmt. Daß hierdurch Hygiene und Sauberkeit leiden, versteht sich von selbst. Die irländischen Postbeamten sind dieses Mißstandes müde und haben sich besck-verdeführend an ihre Vorgesetzte Behörde gewandt. Diese hat nun auf ganz originelle Weise die Wünsche der Postbeamten berücksichtigt und ist gleichzeitig auch den Besitzern der Schweine gerecht geworden, die sich von diesen nun einmal nicht trennen können. Sie läßt nämlich bei jedem Postamt einen Schweinestall bauen, in welchem die Vierfüßler so lange unierzubringen sind, bis der Bauer seine Geschäfte im Postbüro erledigt hat. Man muß sich zu helfen wiffen. -p.
— Luftschiffverkehr Europa-Amerika. In den letzten Wochen ist wiederholt das Projekt auf* gctaucht, zwischen Europa und Amerika eine regelmäßige Luftschiffverbindung einzurichten. Die von einem amerikanischen Journalisten aus- gehende Idee wurde von den einen mit Hohngelächter, von de» anderen mit wahrem Enthusias- mus begrüßt. Nun hat einer der berühmtesten amerikanischen Gelehrten, der Meteorologe Henry Clayton, offiziell bestätigt, daß ein Ueberfüegen des Ozeans mich nur möglich, sondern durch ein atmosphärisches Phänomen geradezu ein Kinderspiel sei. In den höheren Luftschichten besteht eine beständige Windströmung, deren Richtung Osten, also Europa, ist, ungefähr ein Luft-Golf- strom. Ein Ballon, der an einem beliebigen Punkte der Vereinigten Staaten auffteigt, wird also vor allem, was nicht schwer fallen kann, diese Strömung, die sich in etwa 3000 Meter Höhe befindet, auffud&en müssen. Von diesem Luftstrom getragen, wird das Fahrzeug nach vier Tagen in
Au§ dem Nachbargevme.
• Frankfurt, 25. Mai 1909. Eine Leserin teilt der „Franks. Zrg." folgendes niedliche Geschichtchen mit, das während des Sängerwettstreites in Frankfurt passierte und das den Vorzug haben soll, wahr zu fein: Ein betagter Chordirigent, dem die vorzügliche Vor- pflegung in Frankfurt sichtlich gut bekam und der dem Spezialstudiuni all der gebotenen kulinari- scheu Genüsse mit Gründlichkeit oblag, wurde nach einem opulenten Mahle vom Kaiser ins Gespräch gezogen. „Majestät", sagte der würdige Herr, der sich gerade in die Bekanntschaft mit einer neuen Sektsorte vertieft hatte, „nächstens dirigiere ich ein Konzert, in das auch Ihre Frau Gemahlin kommt." „So? Haben Sie auch inbezug auf meine Frau einen netten Text gewählt?" „Gewiß, Majestät!" „Nun, welchen denn?" „Wenn alle untreu werden!" (Text eines alten Kirchenchores.) Tableau 1 — Der Kaiser lachte laut auf, Graf Hülsen-Häseler windet sich vor Lachen. „Wie heißt denn der Verein, für den Sie ein Konzert geben?" entringt es sich nrühsain dem Monarchen, der des Lachens nicht Herr werden kann. „Der — Frauenländische Vaterverein, Majestät!"
* Marburg, 26. Mai 1909. Die Zahl der S t u- diere nden beträgt nach der nunmehr erfolgten endgiilngen Feststellung 2164. Die zum Hören von Vorlesungen Berechtigten find in dieser Zahl nicht einbegriffen. — Am 21. Juni beginnt eine neue Schwurgerichtsperiode unter dem Vorsitz von Landgerichtsrat Wenzel.
* Carlshafen, 25. Mai 1909. Den bergange- neu Sonntag hatte man, da die Mühlenbetriebe ruhten, vielenorts im Diemeltale dazu benutzt, öa§ Wasser auf die Wiesen zu teilen, wodurch das Flußbeet der Diemel hier bei uns f ast ganz wasserleer tvar. Verschiedene Einwohner hiesiger Stadt machten sich diese Gelegenheit zunutze, um billige Fische essen zu können. Ganw Körbe voll wurden ans dem seichten Wasser beransgeholt z. B. Weißfische, Barsche, Forellen und ein Hecht von 8>V> Pfund. So ganz billig dürfte der Schmaus aber doch nicht gewesen fein, da sämtliche Beteiligten zur Anzeige gebracht worden sind.
* Fritzlar, 25. Mai 1909. Die Stadtverordneten genehmigten ein Statut, nach dem die Straßen Fritzlars, tivu die Fluchtlinien anbelangt, dasselbe Bild wie jetzt beibehalten sollen. — 20 Ziegeleibesitzer hier haben sich zu einer Verkaufsvereinigung zusammengeschlossen imd zwar für die Dauer von 7 Jahren.
* Aschaffenburg, 25. Mai 1909. Heute vor- mittag e r f ch o ß s i ch auf dem hiesigen Friedhöfe auf dem Grabe feines Vaters der 29jährige Kauf- mann Max Walter aus Ludwigshafen a. Rh. Der Verstorbene, der schon längere Zeit schwermütig war, hatte die Absicht geäußert, sich hier zu erschießen. Die Polizei, die hiervon benachrichtigt wurde, erhielt die Mitteilung zu spät, sodaß sie die Tat nicht mehr verhinoern konnte.
* Heiligenstadt, 26. Mai 1909. Die Witwe Kambartel Hierselbst hatte vorgestern abend am Ofen Kinderwäsche zum Trocknen aufgehängt und sich dann aus der Wohnung entfernt, um Ein- fäufe zu machen. Bei ihrer Rückkehr fand sie die Stilbe voller Rauch und das K i n d t o t vor. Dia Kleidungsstücke waren in Brand geraten und der Rauch hatte den Erstickungstod des Kindes herbeigeführt.
vermischtes.
* Die Generalversammlung der Görres-Gesell- schaft wird Heuer in Regensburg staitsinden.
Europa landen. — Leider bat der Plan, der ja ganz schön klingt, eine schwache Seite, In Europa angekornrneii, steht ocm Luftschiff fein eu wegen- gesetzter Luftstrom zur Rückfahrt zur Verfügung. Der Passagier müßte also notgedrungen aus jenen lichten Höhen herabsteiyen und sich zur Heimreise der Dampfer bedienen. -p.
— Für die 1960jährige Gedenkfeier der Schlacht im Teutoburger Walde, die im August d. A. am Hermannsdenkmal stckttfinden wird, ist jetzt die Festordnung ausgestellt. Die Feier gilt der Erinnerung an die im Jahre 9 n. Ehr. geschlagene Varusschlacht, in welcher die Germanen unter dem CheruSkerfürsten Arminius die römi- scheu Legionen besiegten. Am Samstag, den 14. August ist eine Vorfeier, die in Konzert und Kommers besteht. Das Hauptfest folgt am Sonntag, den 15. August. Es wird mit Morgenmusik an zwei Stellen in Detmold eingeleitet; hierauf bewegt sich dann ein großer historischer Festzug (altgermanischer Siegeszug) durch die Straßen der Stadt; nachmittags ist eine Feier am Her- tnannsmonument, dessen Schöpfer, v. Bandel, durch die Enthüllung eines Denkmals geehrt wird. Abends wird ein großer historisches Festspiel aufgeführt. An den Wochentagen vom 16. bis 21. August schließen sich Festlichkeiten der Schulen und der Vereine an. Am Sonntag, den 22. August wird eine turnerische Feier veranstaltet.
— Ohrenkrankheit und Gedächtnis. Nach den Wahrnehmungen von Dr. Urbantschitsch in Wien nimmt der chronische Mittelohrkatarrh öfters einen ungünstigen Einfluß auf das Gedächtnis, so daß Studenten an der Fortsetzung ihrer Studien nicht selten durch diese Krankheit gehindert werden. Die Vergeßlichkeit erstreckt sich zuweilen auf eine bestimmte Art des Gedächtnisses, häufig auf das Zlchlen- und Namengedächtnis, selten auf das Ortsgedächtnis. Bei einem Knaben mit beschränktem Auffassungsvermögen hob sich die In- telligenz in auffallender Weise, als eine Anzahl Steinchen entfernt wurden, die jahrelang unbe-
Als Termin ist der 4. und 6. Oktober in Anssich genommen.
* Zum Gcsangswettstreit. Ermuntert burd die Mitteilung des Kaisers, daß er in einem be sonderen Erlaß eine Reform des Wanderpreis singens nnlundigen werde, macht sich unter bei zahlreichen am Wettstreit beteiligten rheinisch westfälischen Gesangvereinen eine Bewegung gel tend, in einer Immediateingabe an den Kaiser di Bitte zu richten, daß beim nächsten Kaisersingel eine Klassifizierung der teilnehmen den Vereine eintreic, damit nicht jeder mitt lere Verein mit anerkannt leistungsfähigen erst fluffigen Gesangvereinen in eine Klasse zusam mei'gebracht werde. Weiterhin soll dahin gewirk werden daß mehr Preise als bisher zur Vertei lang kommen, und daß außer dem Sechs-Wochen Chor und dem Stundenchor nur Volkslieder zun Vortrag kommen dürfen. Man glaubt, daß mar hierin auch den Ansichten des Kaisers begegnet wird, der den Präsidenten jener Vereine, welch anerkannt schöne Volkslieder zum Vortrag ge bracht haben, feine besondere Anerkennung aul sprach.
* Dir Krvupriuzensammluug für die Hinter bliebenen der Radbodopfer ist jetzt zur Ver teilung gekommen. Es standen 200 000 JC für die Witwen und Waisen zur. Verfügung, die unte; 1165 Personen zu verteilen waren; jede Witwi l>at 171,60 M erhalten, und zwar in Form eins Sparkassenbuches. Die Witwen können über der Betrag frei verfugen, während die Beträge fiit die Kinder bis zu deren Großjährigkeit nicht ab gehoben werden dürfen.
Literarisches.
Der Frühling ist da! Dem trägt auch du illustrierte Wochenschrift Die Welt (Verlag bei Germania, Berlin C. 2, Stralauer Straße 25) ir erfreulicher Weise Rechnung. Man 'lese die tnter essanten Artikel „Lenzeswunder" und „Lenzes- Poesie" und „Was die Frühjahrsmode bringt' Man betrachte die duftigen, stimmungsvollen Bi! der, in denen sich die Herrlichkeit des junger Herrschers Lenz so entzückend offenbart (Blumen, fächer, 6 Bilder, Baumblüte in Werder, Blumen- automobil in Honolulu, Kölner Blumenspiele Maienkönigin). Dazu die interessanten Beiträgt zur Zeitgeschichte, die belletristische, humoristisch« 2c. Abteilung. Für 10 Pfennig eine ganz vorzügliche Zeitschrift.
Deutsche Rcichsgesetze in Einzelabdrucke«. M 360/36. Internationaler Funkentelegraphen vertrag vom 3. Nov. 1906. Textausgabe mit Vorwort, Einleitung, erläuternden Anmerkungen und ausführlichem alphabetischer Sachregister. Herausgegeben von Geh. Ju- stizrat Univ.-Prof. Dr. Karl Gareis-München. Preis 40
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NESTLE
WW Altbewährte Nahrung für Ki n de rundK ranke
merkt' auf dem Trommelfell gelegen und einen Druck nach einwärts ausgeübt hatten. Bei einem Universitätsprofessor, der wiederholt während feinet Vorlesungen plötzlich außerstande war, das paffende Zeitwort in den Sätzen anzuwendsn, fand sich in beiden Ohren Ohrenschmalz vor, das einen Druck auf das Trommelfell ausübte; unmittelbar nach Entfernung des Pfropfes schwand das frühere Gefühl der Eingenommenheit des Kopfes und der Professor konnte seine Vorlesum gen anstandslos halten. -r.
— Eine sinnige italienische Ausdruckswcise. Zwei Weiber zanken sich von Fenster zu Fenster ihrer benachbarten Wohnungen. Als die eine der Frauen an den Schmähungen der anderen genug hatte und offenbar fürchtet, etwas Gegen- sthmähpng schuldig bleiben zu müssen, zieht sie sich zurück und steckt einen Besen zum Fenster hinaus. Damit soll kurz und kräftig erklärt fein, daß alles das, was die Gegnerin noch sage ober tue, wie Unrat behandelt wird, den man nicht an sich herankommen lassen oder in seiner Nähe haften läßt, sondern mit dem Besen fortkehrt. Es ist das eine viel verbreitete, summarische Ausdrucksweise. -p.
— Die Verdeutschung im amtlichen Verkehr hat wiederum einen Fortichritt zu verzeichnen. Schon im Etat für das laufende Jahr ist an die Stelle der Bezeichnung „Bahnhofsportier" die Bezeichnung „Bahnhofspsörtnet" getreten. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat daher die königlichen Eisenbahndirektionen angewiesen, bei der Neuanschaffung von Brufffchildern für jie Bahnhofspförtner diese mit der neuen Bezeichnung versehen zu lassen. -p.
— Eine totale Mondfinsternis ereignet sich in den ersten Morgenstunden des 4. Juni. Die Finsternis, die zum Teil auch in unseren Gegenden zu sehen sein wird, beginnt um 12 Uhr 43 Minuten morgens und endet um 4 -Wr 15 Minuten.