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Fulda, Dienstag den 25. Mai 1909.
36. Jahrgang.
Erstes Mcrtt
schließt die allgemeine Besprech«», Spezialberatung wird zunächst bi
In der
Die
werden,
Herrenhaus.
Sitzung vom 24. Mat 1909.
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(Beifall.) Damit In der
,Lsack versprach mir, ich sollte eine feine Dame werden, sollte prächtige Kleider und Juwelen ha. ' werden.
. 78. Kapitel.
„Ich bin schuldig."
' Der Nachmittags-Expreßzug nach London saust durch die somm^lichen Fluren dahin, und in einem Wagen erster Klasse sitzt Werner Jefferies und ihm gegenüber ein junges Mädchen mit so blassen, verstörten Zügen, wie sie die Sonne nur je beschienen.
Er hat die Billets gelöst, hat Zeitungen ge- ,kauft, hat Erfrischungen auf der ersten Zwischenstation bringen lassen und bemüht sich nach Kräften, ihr alles so bequem und angenehm wie möglich zu machen; doch sie erwidert nichts auf olle Mündlichen Worte, die er an sie richtet. Die schwarzen Augen verlieren keine Sekunde ihren
Etatsberatung wurde begonnen. Generaldiskujston bemerkt
auS laufenden Mütrln ergänzen. Mit der Aufbefferuxg der Beamten ist der Bevölkerung ein« grobe Last auserlegt »erben. Ich hoffe, daß da- Reich über die gesteckten örenjen nicht hinauSaehen wird und in diesem Sinne werde ich meinen Einfluß geltend machen.
Ihr Verbrechen, aber er kennt ebensogut auch die Herausforderung."
„Ich wurde dazu gedrängt," sagte sie müde und träumerisch „Ihr ruhigen, kalten, förmlichen anderen Leute, die Ihr mit Gesetzen und Vorschriften großgezogen worden seid, die Ihr 'nie wild, feurig, oder ursprünglich seid — Ihr wißt nichts von dem ererbten Teufel in uns, der uns immer zuraunt und einflüsteri. — Ich siebte Jack. Er suchte mich und meinen Umgang, als ich Ver- ehrer genug hatte und ich ihn nicht suchte. Er war hübsch, in meinen Augen wenigstens. Er liebte mich und umwarb mich, wie Frauen unsrer Art gern umworben werden."
Sie hielt inne, und es schien ihm, daß Woge auf Woge der Erinnerung über ihr Herz dahin» brause.
„Ich warnte ihn ost, wenn er tändeln wolle, so möge er das mit anderen Mädchen im Dorfe tun, die wieder tändeln würden; mit mir zu tändeln sei gefährlich. Aber er lieh sich nicht warnen. Ich bat ihn, wenn er nicht vorhabe, mir für's ganze Leben treu zu sein, dann möge er mich lieber allein und ganz in Ruhe lasten. Er lachte nur. Er machte, daß uh ihn liebte. Und ich liebte chn auch wirklich."
Sie wiederholte die letzten Worte mit einem leisen, wehevollen Stöhnen, das ihn zusammenschaudern ließ.
„Mein Vater sagte mir gewöhnlich, Jack Jef- feries halte sich für höher wie mich; ich sollte mich lieber um einen von den jungen Farmern in der Nachbarschaft wie um ihn kümmern. Ich war aber nur wütend über die guten Ratschläge mei- nes Vaters.
Kultusetat
zur Beratung gestellt. — Hierzu liegt ein Antrag be8 Grafen Haeseler vor auf Vorlegung einer Gescheut- wurfeS, durch den berFortbildungSschulunter- richt bis -um 18. Lebensjahr obligatorisch ge. macht und da» gesamte Fortbildungsschulwesen bem Unterrichtsministerium unterstellt werden soll.
Graf Haeseler begründet seinen Antrag. Die Fort» blldungsschule muß zu dem btS zum 14. Lebensjahr ausgedehnten Schulbesuch ergänzend hinzutreten und zwar vorwiegend alS Winterschule. Im weiteren »er« breitet sich Redner eingehend über die Art und Weise, wie er den Lehrplan ver Fortbildungsschule geplant wisten will.
Ministerialdirektor Schwartzkopff: Mr find dem Vorredner für seine Anregungen sehr dankbar. Eine entscheidende Srllärung kann ich leider nicht abgeben, da die Fortbildungsschulen für gewerbliche Schüler dem HandelSminister und diejenigen für ländliche Schüler dem Landwirtschastsminister unterstehen. Sollte der Antrag angenommen werden, so wird er die eingehendste Prüfung finden.
Rach weiterer unerheblicher Debatte wird der An- ttag Haeseler an die UnterrichtSkommisfion verwiesen.
Prof. Rttntt-Kiel befürwortet eine Petition von außerordentlichen Univerfitätsprofefforen, die dahingeht, daß diese an der korporativen Selbstverwaltung der Universität mit teilnehmen können.
Ein RegierungSkommiffar erwidert, den Wünschen werde Rechnung getragen werden, wem» sie berechttgt seien.
K. v. b. Goltz führt Klage über die Viel- i, Bielregiererei und Kompliziertheit unserer Gesetzgebung und Verwaltung, besonder» der Unterrichtsverwaltung.
Graf OpperSborff bittet, den Titel Professor nur an hervorragende Aerzte zu verleihen unb die Einführung einer Altersgrenze für die Verleihung in Erwägung zu ziehen.
Oberbürgermeister Wilms-Posen dantt der Regierung für die Förderung der Körperpflege durch die BolkS- und Jugendspiele.
Graf v. b. Osten kritisiert die Ausführung deS Volksschulunterhaltungsgesetzes.
Ministerialdirektor Schwartzkopff bittet den Vorredner um Ueberlastung seines Beschwerdematerials, damit er eS gründlich prüfen könne.
Oberbürgermeister Bender - BreSlau beklagt sich gleichfalls über das viele Schreibwerk.
Auf eine Beschwerde des Oberbürgermeisters Struckmann-Hildesheim, daß der Staatszuschuß an die Universität Göttingen um 40000 Mark gekürzt und dieser Betrag auS Dem Klostersonds ersetzt werden solle, erwidert
ein RegierungSkommiffar, daß der Klosterfonds nicht gekürzt werde, da der Betrag auS seinen erhöhten Einnahmen gedeckt werde.
Oberbürgermeister v. Bruckhausen-Trier macht auf den trostlosen baulichen Zustand deS Altrömischen Amphitheaters in Trier aufmerksam, bittet, den Teil des Theaters, der noch im Privatbesitz sich befinde, an- «en, und die Arena für Volks- und Wettspiele zur jung zu stellen.
Ein RegierungSkommiffar sagt wohlwollende Erwägung der Anregung deS Vorredners zu.
Oberbürgermeister Struckmann wünscht daß mehr für die Denkmalspflege getan werde.
DienStag: Wetterberatung.
△ Bülow hilf!
Die gesamte liberale Presse verurteilt die von der Kommission angenommenen konservativen Besttz- steueranträge in Grund und Boden, aber während ein Teil der liberalen Blätter der Wut über den neuen Verlauf der Dinge freien Laus läßt, herrscht bei andern ein restgnietter Ton vor. Ganz besonders verärgert zttat sich die „Nationalztg."; das Blatt schreibt:
Oberbürgermeister a. D. Becker: Der Etat ist ein Spiegelbild der allgemeinen ungünstigen Wirtschaftslage. Seit wir ein Industriestaat geworden sind, werden solche ungünstigen Perioden regelmäßig wiederkehren. Daraus ergibt sich für uns die Notwendigkeit, uns in Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs durch Ansammlung von AuSaleichs-und Reservefonds gegen solche Schwankungen zu sichern. Der Ruf nach Sparsamkeit ist nur zu berechttgt; aber mit der praktischen Durchführung dieses Grundsatzes sieht es anders aus, Reichstag und Landtag sind in der Frage der Gehattserhöhung weit über die Regierungsvorlage hinausgegangen. Ich möchte daher mit der dringenden Bitte schließen, daß wenigsten» dieses Haus zu dem alten guten Grundsatz zurückkehren möge, nur in Ausnahmefällen über die Forderungen der Regierung hinauszugehen. (Beifall.)
Herr v. Buch: Ich kann bem Mahnrufe bei Vorredners nur beistimmen. Mit der Pumpwirtschaft im Reich, Staat und Kommunen, wie wir sie jetzt haben, kann es nicht weitergehen. Auch die ganze Art unserer Gesetzmacherei bedarf dttngend einer Reform. Jetzt haben wir schon Ende Mai und der Etat ist noch nicht verabschiedet. Statt sich darauf zu beschränken, die von der Regierung vorgelegten Gesetze zu prüfen und zu verabschieden, fetzt man sich hin, und macht selbst neue Gesetze. Dabei kann natürlich nichts vernünftiges herauskommen. (Hesterkeit.) Wir müssen zur altpreußifchen Sparsamkeit zurückkehren, nicht bloß in Worten, sondern auch in der Tat. (Beifall.)
Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben: Daß der Etat nicht rechtzeitig fertiggestellt ist, liegt daran, daß die Besoldungsvorlagen die Kräfte des Abgeordnetenhauses monatelang voll in Anspruch genommen haben. In der Beurteilung unserer allgemeinen Finanz- und Wirtschaftslage stimme ich den beiden Vorrednern bet. In jedem Falle müssen wir mtt der Zunahme unserer Schulden sehr vorsichtig fein und die unzulängliche Schuldentilgung möglichst durch Tilgungen
DaS Recht des Stärkeren wirb zurzeit in be» Finanzkommisfion von bett Konservativen und bem Zentrum mit Rücksichtslosigkeit ausgeübt. Ihre Abneigung gegen iebe Erweiterung der Erbschaft»» besteuerung geht soweit, daß auch durchaus vernünftige und erwägenswerte Abänderungen der bereits bestehenden Gesetzgebung ht Bausch und Bogen abgelehnt werden. Auf der anderen Seite aber werden von derselben Mehrhett Bestimmungen und Vorlagen, von denen mindesten» ein Teil der Antragsteller selber überzeugt ist, daß sie vollkommen undurchführbar sind, mit einer Hartnäckigkeit verfochten, die einer besseren Sache würdig wäre.
Wie kann man sich nur so sträuben gegen die neuen Anträge, die den leeren Staatssäckel füllen sollen? Der konservative Antrag bietet 170 Mil- lionen Mark Besitzsteuern durch das Reich und 60 Millionen Mark Matrikularbeiträge als Besihsteuer durch die Einzelstaaten, er schlägt damit den Rekord aller Besitzsteueranträge. Zum Vergleiche führen wir an, daß das Blockkompromiß, daS als Verlegensheitprodutt heute von den eigenen Vätern verleugnet wird, 100 Millionen, der Antrag Herold 150 Millionen, die Nachlaßsteuer, mit allem was drum und dran hängt, 92 Millionen Mark verlangt. Unter allen vier Vorschlägen geht also der konservattve Antrag in der Belastung des Besitzes am weitesten, und er kann das, da er nicht nur allgemein den Besitz trifft, sondern auch den unverdienten Wertzuwachs. Der Besitz am mobilen und immobilen Kapital wird erfaßt und damit eine gerechte Steuer geschaffen.
Das mobile Kapital wird getroffen durch die dem französischen System nachgebildete Kotierungssteuer, das immobile durch die Umsatzsteuer und beide» zusammen durch die Wertzuwachssteuer auf Grundstücke. Die Wettzuwachssteuer auf Wertpapiere steckt in der Kotierungssteuer. Möglich, daß ja noch bessere Anttäge gesunden werden können, vorläufig liegen sie aber nicht vor. Mit der Form, die die Konservativen für ihren Antrag gewähtt haben, muß die Finanzkommisfion unter den gegebenen Verhältnissen sich abfinden.
Die ,Voss. Ztg/ hat die Hoffnung aufgegeben, daß noch eine Wandlung berbergeführt werden könne. Sie glaubt nicht daran, daß die Besitzsteueranträge der Konservativen bei der Reichsregierung entschiedene Ablehnung finden werden. Jedenfalls werde ef gut fein, auf der Hut zu sein und nicht dem Vertrauen zu leben, daß die von der Mehrheit der Finanzkommisfion angenommenen Vorschläge andere» als durch den entschiedensten Widerspruch aller Beteiligten zu Fall gebracht werden könnten.
Das ,Berl. Tagebl/ (Nr. 257) ist auf denselben Ton gestimmt. Es schreibt:
„Fürst Bülow allerdings scheint am Grabe der Kommission seine Hoffnung auf daS Plenum de» Reichstags aufzupflanzen. Er erwartet, daß sich dann irgend eine Wandlung vollziehen werde. Aber dies« Hoffnung steht doch auf sehr schwachen Füßen. E» fehlt bisher wenigstens auch nur an den geringste« Anzeichen, daß eine Wendung zum Besseren eintreten könnte."
Da alles Schimpfen und Lamentieren dem Liberalismus keine Hilfe bringen tarnt, so soll der Blockvater Bülow helfen, um die ungeberdigen Kon- servativen zur Blockbotmäßigkeit zurückzuführen. „Bülow hilf!" ist auch der Refrain aller liberalen Zeitungspolitik. Es ist aber sehr die Frage, ob Fürst Bülow dies inständige Flehen erhören kann. Nationalliberale sowohl wie Freisinnige haben ja erklätt, daß sie sich an den weiteren Verhandlungen der Finanzkommission materiell nicht mehr beteiligen wollen. Würde sich also Fürst Bülow auf die Seite der Liberalen stellen, so würde er sich mitschuldig machen an einer wetteren Verzögerung der Finanzreform. Die neue Mehrheit der Finanzkommission wird bestrebt sein, da» Zustandekommen der Finanzreform auch weiterhin zu fördern und dafür hoffentlich auch im Plenum eine Mehrheit finden. Mit dieser
Bei der Tattfstelle 42 (NamenSveräNde runaen fragt
Abg. v. Stie» (kons.), ob ein BilligkeitSgrund, bei dem unter bett normalen Bettag heruntergegangen werden könnt (anstatt 100 Mark bi» auf 6 Mark) vorliege, wenn ein Hofbesitzer sich den Namen de» Hofe» als Beinamen zulegt?
Ein Regierungsvertreter bejaht die Frage.
Bei den Pacht- und Mietvetträgen beträgt die Steuer bisher btt einem MietzinS von mehr als 300 Mark ein Zehnte! Prozent der Miete. Nach der Regierungsvorlage soll der Stempel von drtt Zehntel Mrf ein Prozent btt Mietzinsen von über 7000 Mark stttgen. Die Kommission will Verträge bi» 400 Mark freÜaffen, auß<-rdem für landwittschaftliche Pachtver- lräge nur ein biS drtt Zehntel Prozent, für gewerbliche Mietsverttäge nur die Hälfte biS ein Fünftel der Regierungssätze erheben. Em Kompromißanttag der Konservativen, deS Zentrums und der Nationalliberalen will bei Mietsvetträgen über 14000 Mark für je 3000 Mark mehr ein Zehntel Prozent mehr erheben. Außerdem sollen die Stempel bei gewerblichen Räumen allgemein um die Hälfte ermäßigt werden.
Bei den Jagdpachtverträgen verlangte die Vorlage allgemein 10 Prozent der Pachtsumme. Die Kommission hat eine Staffelung von nur ein halb Prozent bis fünf Prozent beschlossen. Nunmehr beantragen die Kompromißparteien eine schnellere Staffelung von ein halb bis sechs Prozent. Nur sofern der JahreSpachtzinS einer gemeinschaftlichen Jagd den Betrag von 1500 Mark nicht übersteigt und die Pächter Inländer sind und im Gernttndebezirk ihren Wohnsitz haben und zu den Jagdgenossen de» JagdbezttkeS gehören, soll der ermäßigte Stempelsatz von ein Zehntel Prozent Anwendung finden.
Es folgte die Tarifstelle 55, die eine Fahrradsteuerkarte von 50 Pfg. für daS begonnene Kalenderjahr vorsteht. Die beiden freistnnigen Patttten beantragten die Strttchung dieser Steuer.
Nach kurzer unerheblicher Debatte wurde die Steuer angenommen.
Dienstag: Stempelgesetz, Berggesetz, Eisenbahnvorlage.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 24. Mai 1909.
Die Vorlage bett, die
Landwege im Regierungsbezirk Kassel wird an eine Kommission verwiesen.
ES folgte die erste Lesung deS Gesetzes betreffend Bewtlltgung weiterer Mittel zur
Verbesserung der Wohnungsverhältniffe von staatlichen Arbeitern und gettngbesoldeten Staats- i beamten.
Abg. Grunenberg (Ztr.): Pflicht des Staates ist es, dafür zu sorgen, daß die Beamten und Arbetter lesunde Wohnungen haben. Die Staatsaktion kann jedoch allein nicht genügen, um das Bedürfnis nach Wohnungen zu beliebigen, die 16 Millionen bilden nur einen Trchffen auf einen heißen Stein. Der Staat hat deshalb bie_ Bauvereine zur Mitwirkung herangezogen. Leider ist auch deren Aktion noch viel zu beschränkt infolge ihrer finanziellen Schwäche, da die i öffentlich rechtlichen Korporationen, von denen die Bau- verttne Geld leihen, in der Beleihung nicht weit genug gehen. Ich möchte die Regierung bitten, auf die öffentlich rechtlichen Korporationen einzuwirken, daß sie künftig nach staatlichen Grundsätzen bis zu 90 Prozent der wirklichen Herstellungskosten beleihen mögen. Ferner empfehle ich die Heranziehung der gewerbsmäßigen Produktion zur Herstellung von Wohnungen, den Ausbau der Bauvereine zu örilichen Zentralen, Schaffung einer sozialen Bauausstellung, und Zentralisation der ganzen Wohnungsfürsorge, die heute drei Ministerien untersteht. Zum Schluß bitte ich die Regierung, baldmöglichst ein neues Wohnungsgesetz einzubringen.
Abg. Gyßling (frf. Vp.) ist mit der Tendenz der Vorlage einverstanden, wünscht aber, daß die Mittel nur da verwendet werden, wo es wirklich notwendig ist.
Der Gesetzentwurf wird darauf in zweiter Lesung angenommen.
i Der Gesetzentwurf bett, die Umzugskosten ber Geistlichen ber evangelischen Landeskirche wird in erster Lesung erledigt.
Ohne Debatte erledigt wurden die erste und zweite Lesung der Gesetzentwürfe betr. Abänderung der Amtsgerichtsbezirke Kreuzburg, Muskau, Triebel, Kipp, sowie Errichtung eines Amtsgerichts in SEBetta mb Weiß wasser.
Darauf wurde die Beratung der Stempelsteuernovelle fortgesetzt.
Bei der Tarifstelle 11a (Automaten) begründet Abg. v. Tilly (kons.) einen von seiner Partei, den Freikonservativen, Nattonalliberalen und dem Zenttum unterzeichneten Antrag, der eine Staffelung der Stempelgebühren nach Maßgabe des Ertrags vorschlägt. Beläust sich der Jahresbetrag auf nicht mehr als 20 Mark, so solle eine Mark erhoben werden, bis 50 Mk. 3 Mark, bis 100 Mark 5 Mark usw. bis zu einem Betrage von 20 Mark. Frei bleiben sollen die Automaten, die von Behörden zu Betttebszwecken aufgestellt werden, die Apparate der automatischen Restaurants und die Gasautomaten.
Abg. Waldstein (freis. Bgg.) begründet einen Antrag auf Streichung der gesamten Automatensteuer.
Abg. Dr. Lohmann (natl.) tritt für die Kvmpro« mißantrag Fleuster ein.
Ein RegierungSkommiffar erklärt das Einverständ- niS der Regierung mit einer Besteuerung der Automaten.
Die Besprechung schließt. Der Kompromißanttag wird angenommen mit der Maßgabe, daß auch die Automaten, die elettrischen Strom für den Hausbedarf liefern, steuerfrei bleiben sollen.
Bei Tarifstelle 24 betr. Besteuerung der Errichtung von Fideikommißstiftungen beantragte Abg. Waldstein (freis. Bp.) den Steuersatz von 8 auf 5 Prozent zu erhöhen.
Nach kurzer Debatte wurde der Antrag abgelehnt und der Tarifsatz unverändert angenommen.
Tattfstelle 32 (Kans- und Tauschverträge) wurde unverändert angenommen.
’ ......... - » '
K Sanne öes Geheimnisses.
112s Aus dem Englischen von K. v. Raesfeld „Als ich hörte, die Tat würde Lady Wayne 5ur Last gelegt, war ich froh, es tat mir nicht eid. Es schien mir, als ob ich zwei Feinde statt Linen getötet hätte.
»Jetzt sehe ich alles in anderem Lichte. Sie soll für mein Verbrechen nicht leiden. Ich will mit nach London gehen und für meine Sünde büßen."
Er sah sie mir Tränen in den Augen an. j „Sie werden doch Ihren Vater, oder Ihre Freunde erst zu Rate ziehen", murmelte er. i „Mein Vater erwartet etwas Aehnliches; er ist auf alles gefaßt. Ich habe ihm gestern gesagt, daß ich Jack getötet hätte."
Det müde Ton der Stimme, dec geistesabwesende, verstörte Zug in dem todblassen jugend- lichen Gesichte, alles kontrastierte so seltsam und traurig mit dem Frieden und der Schönheit bet sommerlichen Natur ringsum, daß Werner's Herz, trotz ihres Verbrechens, mit unaussprechlichen Mitleiden für das unglückliche Geschöpf erfüllt ward.
„Auf einmal sah ich eine große Veränderung an ihm; er fing an, feine Kleider, Ringe und goldene Ketten zu tragen und fing an, über mich und meine Arbeit zu sticheln. Er ging von Elton fort, blieb lange aus und firm überhaupt kaum noch zu uns. Er schrieb nur rin einziges Mal, und dann auch nur von all den großen Damen und Herren, mit denen er in London bekannt ge» toorfcen war, und dann, als er zurückkehrte, sah ich deutlich, daß er aufgiehört hatte, sich um mich zu kümmern, daß er mich nur wie etwas inr Woge Stehendes betrachtete — wie eine Last, die er gern los gewesen wäre. Einer eifersüchtigen Frau läßt sich die Wahrheit nicht verbergen. Ich sah, daß er sich meiner schämte und frei sein wollte. Ich handelte, wie mein Mut es mir eingab, ich verlangte von ihm, er solle sein Versprechen halten und mich unverzüglich heiraten, er aber lachte nur höhnisch darüber, und damit wußte ich, daß er mich überhaupt nie heiraten würde.
„Mein Vater redete mir zu, meine Freundin- neu versjwtteten mich und sagten, ich könnte einen Mann wie Jack Jefferie» nie an mich fesseln; das Geschwätz brachte mich fast um den Verstand, und ich entschloß mich, meine Wut und Rache an ihm zu kühlem
„Ich folgte ihm, als er Elton verließ, ungesehen und unerkannt; ich reffte mit ihm in demselben Zuge und verlor ihn keinen Moment au» den Augen; wohin er nur ging, dahin folgten ihm auch meine brennenden, eifersüchtigen Äugen. Ich spürte ihm nach bis zum Park von Ken- ninghall und ich beobachtete, daß er dort wartete, und daß alsbald eine schöne, goldhaarige Dam« ju rhm kam, die ihn aber zu verabscheuen und vor rhm zuruckzubeben schien. Ich konnte nicht alles Horen, was sie sagten; sie sprachen leise und schnell; schließlich verstand ich, daß 'er sie wegen einer Heirat drängte. Ich muß Ihnen noch er* zahlen, daß ich vor meiner Abfahrt von Elton einen Revolver kaufte.
(Fortsetzung folgt.)
unbeimlichen, starren Ausdruck; sie bewegt sich nicht — sieht weder nach rechts noch nach lii ks.
Zwei ,drei Stationen fuhren sie so — Werner hatte zuletzt auch stillgeschwiegen — dann strich sie sich plötzlich das schwarze Haar aus der Stirn zurück und sah ihn mit fragendem Ausdruck an.
„Wohin gehen wir? ES ist mir alle» wieder aus dem Kopf gegangen."
In ihren Augen lag solche Müdigkeit und Geistesabwesenheit, daß er sah, sie sprach die reine Wahrheit. Sie hatte für den Augenblick dKvi vergessen.
„Nach London", erwiderte et langsam. „Sie sind im Begriff, eine unschuldig Angeklagte zu befreien."
„Ah! jetzt fällt mir alles wieder ein. Ich gehe zu Verhör, zu Kerker und Tod!"
Unendliches Mitleid lag in Werner's schönem, ihr zugewandtem Gesicht.
„Wie traurig es ist! Ich kann den Gedanken nicht ertragen. Ich wollte zu Gott, wir könnten aufwachen und finden, daß alles nur ein Traum wäre."
„Mn Traum," wiederholte sie mechanisch. „Wer hat mir doch einmal gesagt, Träume wären die barmherzigen Augenblicke unsere» Lebens? — Seit Jack tot ist, habe ich nicht wieder geschlafen und auch nicht mehr geträumt."
„Ich habe Ihnen noch Nichts Ausführliches dariiber erzählt," fuhr sie dann fort.
„Tun Sie's nicht. Sie Arme; ich müßte spä- ter vielleicht aller zu Ihrem Nachteil wiederholen und ich will gewiß nicht den Spion spielen."
Ihr Gesicht rötete sich.
„Sie sind kein Spion. Wenn alle Menschen so wie Sie wären, so säße ich hier nicht al» Mörderin. Ich will Ihnen alle» erzählen. Ich werde auch denen, die ein Recht haben, es au erfahren nichts verheimlichen. — Ich liebte Jack! Gott helfe mit! ich Itebte ihn!"--
„Davon bin ich überzeugt," sagte Werner mit wärmster Teilnahme. „Gott ist unendlich barm- herzia, aan, ander- wie alle Menschen. Er kennt
ben. Er sagte, wir würden so glücklich ein so angenehmes Leben führen, reich sorgenlos in den Tag hinernleben. Ich gbiubte ihm, und obwohl ich ihn seiner selbst willen liebte, mißfiel mir doch der Gedanke nicht, wie großartig es wäre, eine feine Dame zu werden.