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Mtzaer W Zeitung

Fulda, Samstaq den 22. Mai 1909

36. Jahrgang.

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Anzrigen: Vie tht- spaltlgepetitzeileoder bereit Hauet 15 pfg. ReNamendiepetitzeile 25 Pfg., bet Wieder­holungen wird entspr.

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Rotationsbrudunb Verlag der Fuldaer Ak- tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

B. Seligsprechung «. Heiligsprechung.

Die großartige Feier der Heiligsprechung, die am Himmelfahrtstage in St. Peter in Nom statt, fand, hat für Deutschland eine besondere Bedeu- mng, denn diesmal ist es, nach einer Pause von 163 Jahren, wieder einer unserer Landsleute, ein Deutscher, dem diese größte Ehre, welche die Kirche zu verleihen vermag, zuteil wird. Nach der von Benedikt XIV. am 29. Juni 1746 vorge­nommenen Heiligsprechung des Kapuziners Fi­delis von Sigmaringen, des ersten Mär­tyrers der Propaganda (gest. 24. April 1622) wurde kein Deutscher mehr heilig gesprochen.

Es hat von jeher im Charakter der Mensch, lichen Gesellschaft gelegen, ihren bedeutendsten Mitgliedern besondere Ehrungen zukommen zu affen: man errichtet ihnen Monumente, stellt ihre Bilder an einen Ehrenplatz und sucht auf alle mögliche Art die Erinnerung an sie festzu­halten.

Auch die Kirche hat eine solche Praxis von eher geübt: diejenigen, die während ihres Lebens nn gottseliges Dasein führten oder sich durch be- andere Laten auszeichneten, oder gar ihr Leben ür den Glauben ließen, ehrte und ehrt sie da­durch, daß sie sie für würdig erachtet, die Ehre des Altars zu genießen und angerufen zu werden, um ihre Fürsprache beim Allmäch. igen zu gewinnen. Diese Ehrungen, welche die Kirche verleiht, unterscheiden sich indessen von denjenigen der menschlichen Gesellschaft vor allem dadurch, daß die Kirche sich niemals durch rein menschliche Gefühle oder durch die vorüber» aebende Gunst der Menge leiten ließ, sondern

Erscheint täglich mit Ausnahme bet So,m= und Feiertage, viertel­jährlicher vezugrprei, ohne vringerlohn und Vrstellgeld in Fulda so- Wle auswärts j.50 M.

verantw. Redatteurr «arl Schütte»

Armee" Napoleons über den Semmering zu er­retten. Ein neuer großer Entscheidungskampf be­reitete sich vor, zu dem beiderseits während der nach der Schlacht von Aspern bedungenen sechs- wöchentlichen Waffenruhe umfassende Vorberei- tungen getroffen wurden. Unter den blutigen Kämpfen, durch welche die Armee des Erzherzogs Johann während ihres Rückzuges die übermäch­tigen Verfolger aufhielt, verdienen die Verteidi­gung von Malborghet und des Predilpasses be­sondere Erwähnung. Man wehrte sich dort bis auf den letzten Mann. Die tapferen Tiroler hat­ten Innsbruck, nachdem es Lefelwre beseht, zum zweitenmal am 29. Mai erobert und ihr 8anb von den Feinden gesäubert. Napoleon befand sich freilich in besserer Lage als Erzherzog Karl, da ihm die Verbindungen nach Italien und Deutschland und damit unerschöpfliche Quellen zur Verstärkung seiner Armee zu Gebote standen. Da es Napoleon gelang, die italienische Armee des Vizekönigs Eugen mit der seinigen zu ver­einigen, indes Erzherzog Johann zu spät auf dem Schlachtfelde von Wagram am 1. Juli ein­traf, gelang es ihm nochmals, Oesterreich zu de­mütigen und zu dem verhängnisvollen Schön­brunner Frieden (Oktober 1809) zu zwingen. Aber gerade dieser verzweifelte .Kampf Oester­reichs erweckte das nationale Bewußtsein der übrigen Unterdrückten und führte die Morgenröte des deutschen Befreiungskrieges herauf.

Monatrbeiiage: „Fuldaer Geschichtsblätter"

solche Ehrungen nur und ausschließlich nach der eingehendsten und peinlichsten Unter- suchnng vornimmt.

Unsere Kirche verfugt über zwei derartige Ehrungen: die Selig- und die Heilig sprech- ung, von denen die erstere die Vorstufe zu der letzteren ist.

Selbstverständlicherweise sind nicht alle Hei­ligen und Seligen unter genauer Innehaltung des komplizierten Zeremoniells und mit der Entwickelung des Pompes in den „Katalog" (wie der kirchentechnische Ausdruck heißt) aufgenom- tuen worden. Die „Beati", d. h. die Seligen und Heiligen aus den allerersten Jahrhunderten, waren fast alle Märtyrer: auf ihren Grabstät­ten in den Katakomben oder am Orte ihres Mar­tyriums wurden Altäre errichtet, an denen das hl. Meßopfer dargebracht zu werden pflegte. Später wurde dann ihr Name in den Kanon der Messe ausgenommen. Indessen auch bei die­sen, gewissermaßen „formlosen" Heiligsprech, ungen hat die kirchliche Autorität, selbst in den primitivsten Zeiten, niemals auf ihr Recht ber-

Z.parzrller in Fulda. wochenbeikaxe: „Illustrierte Somttagrzeitung

Vernichtung zu schlagen. Ein wütender Kampf entbrannte am 21. Mai, dem Pfingstsonntag, auf allen Linien. Aspern wurde wiederholt von den Oesterreichern erstürmt, wiederholt berieten; am Abend behaupteten sie sich in dem Besitz des wichti­gen Punktes. Die Erde dröhnte unter den An- griffen der schiachtengewohnien Kavallerie Napo­leons auf das Zentrum der Oesterreicher, doch sie prallte wirkungslos an der Feuerdisziplin der Karrees der österreichischen Infanterie ab. Eß­lingen konnte trotz wiederholter Stürme den Franzosen nicht entrissen werden, Nachdem Na­poleon während der Nacht über die Loban be- deutende Verstärkungen herangezogen hatte, be­gann Massena am 22. um 3 Uhr morgens den Kampf mit einem Sturm auf Aspern, das er denn auch wirklich überrumpelte und besetzte. Wie­der waren alle Angriffe der Oesterreicher auf Eß­lingen fruchtlos. Aber im Zentrum wurden wie am Vortag die Anstürme der französischen Reiterei zurückgewiesen. In einem entscheidenden Augen­blick ergriff der Generalissimus selbst die Fahne des zurückweichenden ruthenischen Regiments Zach, die derzeit als kostbare Reliquie im k. und k. Heevesmuseum auib«wahrt ist, und brachte durch sein erhebendes Beispiel die Wankenden zum Stehen. Colloredo, sein Generaladjutant, wurde neben ihm von einer feindlichen Kugel nie­dergestreckt. Fürst Liechtenstein glänzte durch Wunder der Tapferkeit. Da traf um 6 Uhr Vor­mittags auf dem Schlachtfelde die Nachricht ein, daß die Brücke abermals beschädigt sei, und Na­poleon, der einsah, daß rasche Zuzüge der Seinen unmöglich seien, beschloß von da ab den Rückzug. Er mußte an die Erhaltung seiner geschwächten Truppen denken. Nachmittags erlahmte die Kampfeslust auf beiden Seiten und bei Einbruch der Nacht begann der Rückzug der Franzosen über die Brücke, wovon Erzherzog Karl allerdings erst nm 3 Uhr morgens Kunde erhielt. Napoleon selbst kam um Mitternacht, durch Nachtwachen und die Aufregung der letzten Tage an Geist und Körper erschlafft, im „Schlösset" zu Kaiser-Ebers­dorf an, wo er in einen 36stündigen Schlaf Ver­fiel. Der Nimbus der Unbezwinglichkeit, der bis jetzt den Zwingherrn umgeben hatte, verblaßte, und Körners Weihelied „Hoch lebe das Haus Oe­sterreich I" durchbrauste die deutschen Lande. Der Löwe auf dem Friedhöfe von Aspern mahnt noch späte Geschlechter an den Ruhm der österreichischen Waffen.

Erzherzog Johann befand sich damals bereits mit dem Gros der italienischen Armee in Mittel­steiermark, um über Westungarn die Vereinigung mit der Armee des Generalissimus zu bewirken, während der Vizekönig Eugen Beauharnais, der ihm gefolgt war, danach strebte, die „große

X Sprachsünden.

Unsere Muttersprache, der so viele Vorzüge 1 vor anderen Sprachen eigen sind, ragt nicht ge­rade durch Kürze des Ausdrucks hervor. Sie steht in dieser Hinsicht zum Beispiele hinter dem Eng­lischen zurück. Umsomehr ist es zu bedauern, daß seit vielleicht zwanzig Jahren — oder ist es noch gar nicht so lange her? — sich immer mehr die : Neigung zeigt, einfache Zeitwörter durch Um­schreibungen von Zeitwörtern mit . einem Haupt­wort zu ersetzen, ohne daß der Sinn dadurch ir­gendwie an Klarheit gewänne. Man hört heute leider nur noch selten: „Der Kaiser sprach seine Freude über dies oder jenes aus", sondern es heißt: „Der Kaiser gab seiner Freude Aus- d r it et". Und so gibt auch der Reichskanzler, der Oberpräsident und der Bürgermeister, kurz jeder, der amtlich spricht ober schreibt, seiner Freude Ausdruck. Ebenso wünscht und hofft man nicht, sondern man gibt dem Wunsche, der Hoffnung Ausdruck. Wenn diese Umschreibung gelegentlich, einmal, um der Abwechslung unb Mannigfaltigkeit willen, gebraucht würde, so lohnte es sich nicht, etwas darüber zu sagen; aber daß sie zur Regel wird und die einfache Aus­drucksweise ganz zu verdrängen droht, das ist be­dauerlich.

In ähnlicher Weise geht es bei hundert ande­ren Zeitwörtern. Man schlägt nicht vor, son­dern man bringt in Vorschlag: die Steu­ern werden nicht erhoben, sondern kommen zur Erhebung; der Verbrecher wird nicht angezeigs, sondern zur Anzeige gebracht: man rech, net nicht an, sondern man bringt in Anrechnung; man zieht nicht ab, sondern bringt in Abzug; irgend etwas fällt nicht weg, sondern kommt iit Wegfall; das Geld wird nicht ausgezahlt, son­dern gelangt zur Auszahlung; das Schriftstück wird beileibe nicht vorgelesen, oder verlesen — — nein, es kommt zur Verlesung; die Starten oben Briefe werden nicht ausgegeben ober ausgetragen, sondern gelangen zur Ausgabe. Sogar das Denk­mal wird nicht mehr eingeweiht, sondern komm! zur Einweihung.

Ferner werden auch andere schwerfällige längere Neubildungen an Stelle klarer, einfacher Zeitwörter gesetzt. Das Geld wird nicht ausge­geben, sondern verausgabt (also mit dem Umweg über das Hauptwort Ausgabe, das selbst erst eine Ableitung ist). Ebenso werden 1000 <M nicht eingenommen, sondern vereinnah mt. Bald wird man vielleicht so weit sein, zu sagen: Das Geld kommt zur Verausgabung, zur Ver­einnahmung. Nach Fertigstellung heißt es jetzt (anstatt des schönen, wohlklingenden Worte? Vollendung!) der Brücke ober bes Warenhauses, Erwähnt seien schließlich noch die Wörter Rückantwort, rückerinnern und vor- ahnen, bet benen eine überflüssige Verlänger­ung ohne jede Aenderung bes Sinnes herbeige­führt wird.. Denn in Antwort! und erinnern liegt schon die angeflickte Silbe rück —, und ahnen birgt schon den Begriff „vor" in sich!

Durch alle solche Neubildungen macht man die deutsche Sprache noch länger, als sie schon ist. Und schöner wird sie dadurch sicher auch nicht.

Woher diese häßliche Erscheinung stammt, ob aus den Schreibstuben der Behörden oder woher sonst — wer will es entscheiden? Jedenfalls wird das, was von amtlicher Stelle gelchieht, in den weitesten Volkskreisen nachgeahmt, und so ist es geschehen, daß heute jeder Halbwegs gebildete Mensch, der schreibt (beim Sprechen drückt man sich doch meist natürlicher aus), sich der erwähnten Ausdrucksweise bedient und noch wunder meint, wie „schön" er sich ausdrücke. »

und den Gläubigen der ganzen Kirche gewisser» maßen empfohlen, ihm den diesbezüglichen Kultus zu erweisen. Um eine Heiligsprechung vornehmen zu können, sind wiederum verschie­dene langwierige Prozesse erforderlich. Als un­bedingte Voraussetzung werden mehrere Wunder angesehen, die sich nach der Seligsprechung des Betreffenden ereignet haben müssen. Außerdem wird die Angelegenheit zum Schluß noch in drei Konsistorien durchberaten; im letzten müssen alle Bischöfe zugegen sein, die in einer Entfernung von weniger als 100 Meilen von Rom residieren; sie alle müssen ihr „placet" abgeben. Erst bann erfolgt bas Heiligsprechungsdekret (Bulle), die der Papst mit sämtlichen Kardinälen unter­zeichnet.

Die größte Anzahl von Heiligsprechungen haben Alexander III. (1159—1181) und Leo XIII, nämlich je 12 vorgenommen; Pius IX. kanonisierte 9, Pius X. bisher 2 Selige (Pauli und Majella am 11. Dezember 1904). Im gan­zen haben, soweit sich dies nachweisen läßt, 214 förmliche Heiligsprechungen stattgefunden.

etzte bann noch einige Einzelheiten bes Ge­schäftsganges biqfer Kongregation fest.

Die Entwickelung einer Selig- it n b Heiligsprechung ist bie folgenbe: Zunächst muß eine solche Ehrung beantragt sein, sei es von einer Diözese, einem Orden, einer Stabt ober einem Lande. Man bestellt bann ben sogenannten Postulaior, ber bie einleitenden Schritte unternimmt. Er sammelt zunächst das Matneial und überreicht es bet Riten.longree gation, bie alsdann den Bischof ber Diözese des betreffenden Kanbidaten mit der Vornahme ge­nauer Nachforschungen beauftragt. Diese Akten gehen nach Nom, wo alsbald ein regelrechter Prozeß beginnt: ein eigens bestellter Advoicht sammelt die Zeugenaussagen und ein Prokurator verfaßt eine dokumentierte Lebensbeschreibung des Kandidaten; unter den Kardinälen wird ein „Ponent" ausgesucht, der die Sache des Kandi­daten der Ritenkongregation gegenüber vertritt; der „Promotor des Glaubens" macht seine Gegen­bemerkungen, die „Animadversiones", indem er alle nur denkbaren Einwände gegen die Selig­sprechung macht, Wenn nun alles günstig ver­laufen ist, so tritt die Ritenkongregation zusam­men und beschließt, dem Papste die Anordnung der „Tndroductio" der Angeleigenheit vorzu­schlagen. Ter Papst unterzeichnet das betreffende Dekret alter Sitte gemäß nur mit einem Buch­staben und zwar bem bes ersten seines wirk­lichen Taufnamens. Also Pius X. mit einem „G" (Giuseppe). Von biefem Augenblick an er­hält der Kandidat den Titel eines „Verehrungs­würdigen".

Nunmehr beginnt ein neuer Prozeß, der­jenige des „de non culti", daß dem Kandidaten niemals ein öffentlicher Kultus erwiesen wurde. Dann folgt der Prozeß „de fama sanctitatis", ein anderer der Tugenden und wieder ein anderer „des Heroismus der Tugenden", Sind dann die Akten wieder aus der Diözese nach Rom zurück- gekehrt, so beginnt der Prozeß „de validitate". Ist alles günstig verlaufen, so werden in Rom in drei Kongregationen in der eingehendsten Weise alle diese Prozesse revidiert. Die letzte dieser Kongregationen findet in Gegenwart des Papstes statt. Sind dann schließlich auch noch die auf die Fürbitte des Kandidaten bewirkten Wunder approbiert, dann erläßt der Papst das Dekret, durch das die Seligsprechung angeorbnet wirb. Die barauffolgenbe Zeremonie der Selig­sprechung ist eigentlich nur bie feierliche Verles­ung dieses Dekrets, wodurch die Erlaubnis erteilt wirb, dem neuen Seligen einen beschränk­ten Kultus zu erweisen, der aber niemals obli- gatorisch sein und auf die ganze Kirche ausgedehnt werden darf. Auch darf ein Seliger niemals zum Patron einer Pfarrei, einet Kirche ober einer Stabt erwählt werden; sein Festtag kann niemals obligatorisch werden, er hat keine Ok­tave und keine Vvtivmeffe.

Anders bei einer Heilrgsprech- ung; hier wird der betreffende Heilige vom Papste „ex cathedra" für einen solchen erklärt

ausbrach, nicht Herr werden, und dieser Umstand trug ivesentlich dazu bei, auch in Oesterreich die Begeisterung für einen neuen Krieg gegen den Zwing Herrn Europas zu entfachen.

Als Kaiser Franz den Franzosen den Krieg erklärte, nachdem Napoleon wiederholt in brüsker Weise von Oesterreich die Einstellung der Nüstun- gen verlangt hatte, durchbrauste ein Sturm von Kampfbegierde das ganze Land. Freiheitssänger, so Matthäus und Heinrich von Collin und Ca­stelli, dichteten ihre frischen Lieder, die allenthal- ben gesungen wurden, und jung und alte sammelte sich bei den Landwehren und den Freiwilligen­bataillonen, die sich allenthalben bildeten. Am 10. April wurde der Krieg erklärt und Erzher­zog Karl rütffe über den Inn nach Bayern, Erz­herzog Johann ins Venezianische und Gosteiner nach Tirol vor. Trotz glänzender Erfolge der österreichischen Waffen in Italien und der Ein­nahme von Innsbruck am 12. April durch die tapferen Tiroler wurde der Angriffskrieg Oester- reiche durch mehrere Siege Napoleons in Bayern so bei Abendsberg, Landshut, Eggmühl und Re^ geiü-burg in einen Verteidigungskrieg verwan­delt. Napoleons Heeressäulen wälzten sich un- aufhaltsam donauabwärts nach Wien, das sich nach kurzem Bonchardement am 12. Mai ergeben mußte, und Erzherzog Karl mußte damit'rech­nen, daß nördlich der Donau unterhalb Wien ein neuer großer Kampf mit dem Gegner stattfinden müsse. Er hatte sich mit dem Rest seines Heeres über Sübböhinen und um Krems gegen ben Bi­samberg bewegt unb bei Krems mit bem am rechten Donauufer zurückgebrängten Armeekorps Hillers vereinigt.

Oesterreich war aber diesmal zu wohlgerü­stet, als daß Napoleon von Wien ans nunmehr ohne weiteres ben Frieden hätte diktieren kön­nen. Der Versuch, bei Nußdorf die Donau zu überschreiten, wurde durch das glückliche Gefecht der Oesterreicher auf der Schwarzlackenau (13. Mai) bereiten unb so beschloß Napoleon, unter­halb Wiens auf die Insel Löbau und von ba nach der Mühlau an's linke Donauufer eine Brücke zu legen. Seine Kräfte, bie er tatsächlich zur Hand hatte, betrugen rund 110 000 Mann, während Erzherzog Karl über ungefähr 104 000 Mann Verfügte. Freilich konnte Napoleon auf dem Schlachtfelde von Aspern wegen der Schwierigkeit des Ueberganges nur etwa 26 bis 27 000 Mann Infanterie und 9000 Mann Kavallerie ins Tref­fen bringen, unb wieberholt brach die Brücke an beiden Schlachttagen, ba bas Wasser hoch war und Flöße und brennende Flußmühlen von Lan- genzensdors gegen sie abgelassen wurden. Die Franzosen hatten bereits Aspern und Eßlingen besetzt, und nun beschloß Erzherzog Karl konzen- ttisch vorzurückeii, auf Aspern unb Eßlingen Vie glugel zu stützen, bie Flanken des Feindes zu umkmmmern und mit ber Kavallerie Liechten- ftcinS das Zentrum zu durchbrechen, um den ü-einb, ber im Rücken bie Donau hatte bis mr

Die Schlacht von Aspern und Eß­lingen.

(21. und 22. Mai 1809.)

Ein Gedenkblatt aus Anlaß der Hundertjahrfeier. Von Karl Fuchs.

Seitdem durch die Schlachten von Jena und Auerstädt die Verbündeten Armeen von Preußen und Sachsen durch Napoleon vernichtet worden waren, wendeten sich die Augen des durch den ge­waltigen Korsen 'bedrängten Europas hoffend auf Oesterreich, wo in den nächsten Jahren Erzherzog Karl eine umfassende Heeresreorganisation, und im besonderen durch bie Begründung ber Land­wehren eine volkstümliche Waffenmacht schuf. Er hatte sich auch bereits burch zahlreiche Siege, so bei Würzburg, dann weiter bei Stockach, (Talbinero usw. Lorbeeren errungen. Erzherzog Johann, ber Bruder bes vom Kaiser zum Generalissimus ernannten Erzherzogs Karl, und Freiherr von Hormayr, ein gebürtiger Tiroler, Vorstand des Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Wien, nährten die nationale Begeisterung des Volkes und knüpf­ten insbesondere mit Tirol, dessen Bewohner un­ter dem Druck der bayerischen Herrschaft seit dem Preßburger Frieden 1805 seufzten, Verbindun­gen zu deren Sturz an. Hatte bie bayerische Re­gierung ja sogar in bie religiösen Gebräuche bes von jeher frommen Bergvolkes mutwillig Ein­griffe gemacht, z. B. Feiertage, Bittgänge und das Wetterläuten verboten, bie Bischöfe von Thur unb Trient vorübergehend gefangen genommen unb die beim Volke so beliebten Bettelmönche, darun­ter bie Kapuziner, Vertrieben. Aus ben letzteren erhoben sich benn auch bie vornehmsten Führer des fclgenben Befreiungskrieges, u. a. Pater Joachim Haspinger („Pater Jochem"). Napo- Icon ober hatte seit ber Niederlage Preußens immer deutlicher gezeigt, daß es ihm durchaus nicht um bie Aufrechterhaltung des Friedens in Europa, sondern um bie weitere Ausbildung einer französischen Weltmonarchie zu tun fei. Er ver­einigte Toskana 1807 mit Frankreich, bsstjtzte 1808 ben Kirchenstaat unb führte ben Papst gefan­gen nach Fontainebleau fort und entthronte im selben Jahre die königliche Familie in Spanien, wos lbst er seinen Bruder Joseph als Herrscher einsetzte. Hier konnte er zum erstenmal des bluti­gen Volkskriegs, ber wegen dieser Gewalttat

Allerlei.

„ — Ein Bürgermeister, der das Sakrament der Firmung spendet. Monsigneur be Ligonnez, Bi­schof von Rodez, ist nach der Trennung von Kirche und Staat in Frankreich zum Bürgermeister der Gemeinde Auxillae imDapartement Lozdre er­nannt worden. Der Bischof begibt sich von sei­ner Bischofsstadt sehr oft nach der Gemeinde, deren Bürgermeister er ist, um seine Funktionen ms Dorfältester zu erfüllen. Die Einwohner des betreffenden Ortes benutzten letzthin die An- wesenheil des Bischofs, um ihn zu bitten, ihren Kindern das Sakrament der Firmung zu spen­den. Der Bischof übte so an einem Tage bie dop­pelte Funktion als Bürgermeister unb Bischof aus. Nach beendeter Feier empfing die Menge ben Bischof vor ber Kirche unb rief: „Vivo Mon­seigneur I Dive Monsieur le Maire!" (Es lebe bet Bischof! Es lebe der Bürgermeister!") -p.

zichtet, nur nach ben genauesten Nachforschungen ihre Bewilligung zu solchen Ehrungen zu geben. Es dauerte daher oft sehr lange Zeit, bis die Autorität, ungeachtet des oft sehr stürmischen Drängens der Gläubigen, ihre Einwilligung gab. Ja, es kam wiederholt vor, daß die kirch­liche Behörde gewissermaßen den betreffenden Kandidaten gegen den allzu großen Eifer der Gläubigen verteidigen mußte.

Eine Beschreibung ber bamaligen Prozeduren dieser Art verdanken wir dem hl. Augustin. Sie ivar ziemlich einfach: ber Diözesanbischof ordnete einen Prozeß an, dessen Akten dann zur Prüf­ung dem Metropoliten vorgelegt wurden; dieser nahm dann selbständig die Heiligsprechung vor. Ein genauer Unterschied zwischen ben Heiligen unb Seligen wurde vielfach nicht gemacht und aus vielen Beati wurden ohne weiteres Zutun ber Obrigkeit Sancti.

Erst im 10. Jahrhundert nahmen die P äp st e für sich das Recht in Anspruch, Heiligsprechungen vorzunehmen und den Kultus derselben auf die gesamte Kirche auszudehnen, während dieselben bis dahin eigentlich immer nur für eine Diözese oder ein Land Giltigkeit gehabt hatten. Die beiden ersten feierlichen und förmlichen Heiligsprechungen, die von Päpsten vorgeuommen wurden, betrafen zwei Deutsche: 993 kano­nisierte Johann XV. den Bischof Udalrich von Augsburg und 1042 Benedikt VIII. ben seligen Simon von Trier.

Der eigentliche Schöpfer ber heute geltenden Prozedur war Sixtus V., ber bie Ritenkongre- gation einsetzte und sie mit ber ausschließlichen Oberaufsicht über alle Selig- unb Heiligsprech­ungsangelegenheiten beauftragte. Benebikt XIV.