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Sotationsdruckund Verlag der Zuldaer Ak- ttendrnckerei in Lulda Zernsprecher Rr. 9.

M 113.

Fulda, Mittwoch den tS. Mal 1909.

36. Jahrgang.

Iwertes Matt.

X Der neue Poststreik in Frankreich ist gescheitert. Die großen Worte, mit de­nen die Leiter der Bewegung in den Versammlun­gen den Mut der Ausständigen anzustacheln ver­suchten, haben versagt. Immer mehr Beamte kehren an ihre Arbeitsstätte zurück, und das Pu­blikum nimmt die verhältnismäßig geringen Ver­kehrsstörungen in Ruhe hin, weil es ihr Ende voraussieht. .

Vor zweiMonaten wollte es bereits zur Kraft­probe kommen zwischen den sozialistisch angehauch­ten Beamten und der Regierung. Damals wurde durch alle möglichen Künste des Ministeriums ein sog. Friede herbeigeführt, der sich aber bald als ein fauler Friede erwies. Der Ministerpräsident Clemenceau und seine Kollegen hatren deu strei­kenden Beamten gute Worte gegeben und ihnen die lieblichsten Aussichten für die Zukunst eröff­net, um sie zur Rückkehr an den Arbeitstisch zu bewegen. Als die streikenden Beamten nachge- geben hatten, warteten sie vergebens auf die Er­füllung der Hoffnungen. Der sehr mißliebige Unterstaatsfekretär Symian, dessen baldigen Rück- 'tritt sie aus den diplomatischen Wendungen Cle- mcncoaus gefolgert hatten, blieb ruhig in seinem Amte. Dagegen wurden sieben Postbeamte -die wegen der unerfüllten Versprechungen rufgemuckt hatten, disziplinarisch abgeseht. Da :a>.'.f fetzbe die «neue Streikbewegung ein. Wenn er auch das öf­fentliche Leben nicht tief berührt hat, nicht wie der erste Streik einen allgemeinen V-rkehrswirr- warr im Gefolge hatte, das ist trotzdeni sicher, daß die Bewegung den Beweis geliefert hat für eine ungeheure, noch vor kurzem nicht ge-chnte Lo­ckerung gerade derjenigen Organstation der Republik, deren Solidität und Unerschütterlichkeit für die heutige menschliche Gesellschaft di» aller­erste Lchensbedingung ist.

Die Beamten stehen auf dem Standpunkt, daß sie die sog. Syndikatsrechte besitzen, wie alle anderen Arbeitnehmer, also auch ihre gewerk- ifchaftliche Organisation nach allen Regeln der Streikkunst ausbauen und betätigen dürften. Die­ser Standpunkt ist grundsätzlich zu verwerfen und als verderblich für die staatliche und gesell­schaftliche Ordnung zu verurteilen. Der Beamte steht in einem besonders rechtlich-sittlichen Ver­hältnis zum Staate, das ihm höhere Rechte ge- währt, aber auch höhere Pflichten aufer­legt. Von diesen besonderen Pflichten wollen die aufsässigen französischen Beamten nichts mehr wissen. Diese Verirrung ist bedauerlich, aber nicht ^unbegreiflich. Die Beamten dienen der franzö­sischen Republik, und die letztere tut sich etwas zu gute auf ihren revolutionären und gott- losen Charakter. Die Achtung vor der Autori­tär ist systematisch untergraben worden. Als ein­ziges Evangelium galten die „Menschenrechte". Wie sollten die Beamten der Versuchung wider­stehen, mit vereinten Kräften ihre Menschenrechte ebenso zur Geltung zu bringen, wie es die Arbei­ter usw. tun? Die Verbrüderung mit der Sozial­demokratie konnte für sie keinen Schrecken mehr haben, nachdem die Regierung der Republik Jahre lang sich auf die Sozialdemokratie gestützt und ,Sozialdemokraten -als Minister in sich ausgenom­men hatten.

j Die Republik hat die Grundsätze selbst ^gezüchtet, die ihr jetzt unbequem werden. Es kommt noch das praktische Verhalten der republikanischen Machthaber hinzu, insbesondere die heillose Günstlingswirtschaft, die so­gar von liberalen Blättern als ein Krebsschaden der Republik zugestanden wird. Zufriedenheit und Zucht im Beamtentum kann dabei nicht ge­deihen.

Deutsches Reich.

(*) Gegen das Lehrerbesoldungsgesetz in der vom Abgeordnetenhause beschlossenen Form sollen nach einer Meldung eines mitteldeutschen Blattes die Bürgermeister Einspruch erheben wollen, weil sie der Ansicht sind, daß den Städten ein Siaatszuschuß zum Schulwesen wegen der Beseitigung des Schulgeldes gebühre.

a. Die Novelle zum Strafgesetzbuch, die „lex Eulenburg", ist in der zuständigen Reichs­tags - Kommission in Arbeit genommen worden. Der Tierquälerei-Paragraph wurde nach den Vorschlägen der Regierung unter Ablehnung aller Verschärfungs - Anträge angenommen. Ein Antrag Engelen (Zentr.), der in Abs. 1 des § 242 (Diebstahl) neben der Gesängnisstrafe „Geldstrafe bis zu 1500 Mark" einschallen will, wurde abgelehnt, weil sich zurzeit die Konsequen- zen nicht übersehen lassen, namentlich auch inbezug auf die Landesgesetzgebung. Am Dienstag denkt man die ganze Materie zu erledigen.

Ausland.

** Das französische Beamtenstatut, das von der Regierung zur Beruhigung der unzufriede­nen Beamten beschlossen, in diesen Tagen der Kammer vorgelegt werden soll, wird jetzt in grö­ßeren Umrissen bekannt gegeben. Den Beamren wird gestattet, sei es als Berufsgenvssenschaft, sei es als Gegenseitigkeitsvereinigung, Gruppen zu bilden. Es ist ihnen aber nicht gestattet, Ge­nossenschaften beizutreten, deren Mitglieder nicht im Staatsdienste stehen. Weiter sollen aus den Kreisen der Beamten selbst Disziplinarkommis- sionen ernannt werden, ebenso Kommissionen für das Avancement. Dagegen sollen sie im Falle von Delikten einem Gerichtshof unterstehen, der aus sieben ordentlichen Richtern des Justizdien­stes bestehen wird. Den Vorsitz wird der älteste Richter des betreffenden Gerichtshofes führen. Ausdrücklich ist den Staatsb-.-amten in dem neuen Statut das Streikrecht nicht zuer- rannt worden, und im Falle eines Streiks der- lieren sie alle Garantien und Vorteile, die ihnen das Statut gewährt.

** Auf die italienischen Beamten scheint das Beispiel der französischen Beamten ansteckend ge­wirkt zu haben. Wie nämlich aus Rom gemeldet wird, zeigen dort die Post- und Telegraphenbe­amten Neigung zum Streik. Eine große Anzahl von Telephonistinnen, die mit den Vorschriften der italienischen Postbehörde, die ihnen unter anderem auch das Heiraten verbieten, schon sehr unzufrieden waren, haben sich zu einem Akt der Obstruktion Hinreisen lassen, indem sie eine regelrechte Abwickelung des Telephon- värkehrs nach Kräften verhinderten. Die Be­hörden haben gegen di- Schuldigen eine Unter­suchung angestrengt und bereits eine Reihe von Telephonistinnen diszipliniert. Diese Maßnah­men der Postbehörden haben viel böses Blut bei den Beamten «regt und werden vielleicht zu einer ernsten Bewegung unter den italienischen Post- und Telegraphen-Angcstellten führen.

* Die Flottenhetze in England will noch keines­wegs nachlassen. In einem öffentlichen Aufrufe wird das englische Volk zur energischen Abwehr der „deutschen Drohungen" aufgefordert. Nach der neuesten englischen Darstellung sollen die Deutschen es vor allem auf die englischen Kolo­nien abgesehen haben. So meldet ein Londoner konservatives Blatt, daß während der jüngsten Unruhen auf Lxunoa deutsäx Seeoffiziere mit Kameras und Vermessungsapparaten die benach­barte Fidschi-Insel Suwa durchstreiften, und

fragt, wie die Behörden dieses Vorkommnis auf­fassen. Diese unsinnige Meldung bedarf wohl keines Dementis.

** Italienische Rüstungen. Vor einigen Ta- gM hat eine italienische Zeitung ausgeführt, die Zwitterstellung Italiens zwischen den zwei euro­päischen Dreibünden nötige Italien, aus alle Fälle gerüstet zu sein, da Italien leicht in Verlegen­heiten kommen könne. Daher müsse Italien zu Wasser und zu Lande wohl gerüstet sein. Auch sonst sucht ja auch bekannilich Italien die in der Welt üblichen Rüstungen nach Möglichkeit mit- zumachen. Man hat daher schon feit einiger Zeit über das nötige Flottenprogramm beraten und nunmehr ist im Ministerrat der fol­gende Bauplan angenommen. Binnen dreier Jahre sollen insgesamt vier Dreadnoughts (einschließlich der zwei schon beschlossenen Panzer- schiffe) gebaut werden. Jeder Dreadnought hat zwölf Geschütze zu 305 Millimeter und kostet fünf­undzwanzig Millionen Lire. Außerdem soll eine Anzahl schnellster Jnformationsschiffe, Torpedo­boote und Unterseeboote gebaut werden, wosür in den drei Jahren 264 Millionen vorgesehen sind. Im Jahre 1912 wird dann die italienische Schlachtflotte umfassen: Vier Dreadnougths zu 20 000 Tonnen, sechs Panzerschiffe zu 13 500, sechs Kreuzer zu 9800 Tonnen, drei Kreuzer zu 7350, zwei Kreuzer zu 6500 Tonnen, zusammen dreiundzwanzig Schlachtschiffe. Dazu kommen die Jnformationsschiffe, die Torpsdoflotte und die Unterseeboote. Tas „Gwrnale d Italia bezeich­net dieses Floitenprogramm als Antwort auf die österreichischen Sichffsbauten. Diese Meinung des italienischen Blattes wirft auf seine Auffas­sung von der Festigkeit und Wirksamkeit des Dreibundes ein ganz interessantes Licht.

Aus Kirche und Schule.

** Der Papst über Wissenschaft und Glauben. Die katholischen Studenten Italiens, die in Rom ihren Kongreß abhielten, wurden vom Papste in Audienz empfangen. In einer Ansprache an sie führte der hl. Vater aus, Wissenschaft und Glaube seien die beiden Flügel, mit denen sich der Men- schengerst zur Kenntnins der Wahrheit emporhebe. Die Vernunft, der Verstand, so sagte Pius X., ist das Auge des Menschen, das vom Glauben, dem Ange Gottes, unterstützt wird, damit es die Wahrheit entdecke, ohne befürchten zu müssen, sich geirrt zu haben. Dann richtete der Papst an die Studenten ernste Ermahnungen, im Glauben fest zu bleiben. „Es ist nicht wahr", fuhr er fort, „daß die Kirchs die Unwissenheit will, und daß sie sich der Entwicklung der Studien entgegensetzt, es ist nicht wahr, daß die Disziplin den Fort­schritt der Wissenschaft verhindert. Sie hat stets die Gelehrten aller Zeiten geehrt, und die Stu­dierenden, die sich daran machten, die heilige Har­monie zwischen den beiden Schwestern, Wissen- schaft und Glauben, ins richtige Licht zu setzen.

Aus dem Rachbargebiete.

Gießen, 14. Mai 1909. Vor einigen Tagen wurden in der Hefenfabrik von Denninghoff zwei Arbeiter wegen Diebstahls kurzerhand entlassen, währeno von einer gerichtlichenVer- folgung Abstand genommen wurde. Die übrigen Arbeiter erklärten sich sonderbarerweise mit den zwei Entlassenen solidarisch und legten die Ar­beit nieder, um die Firma zur Einhaltung der vicrzehntägigen Kündigungsfrist zu zwingen. Sie sind jetzt aber arbeitslos, da die Firma alsbald Ersatzleute einstellte. — Dem ehemaligen Proku­risten Acker, der seinerzeit in der Sache des Bü- dinger Hofrats Rothschild zu 1 Jahr 1 Monat Gefängnis verurteilt war, sind vom Großherzog

Kleines Feuilleton.

— Ein Hundeleben ist keineswegs immer un­angenehm, zumal nicht das eines hochherrschaft­lichen. Das zeigen die Auslagen eines Geschäf­tes im Westen von Berlin. Da erhält man voll­ständige Hundekostüme zu Preisen von 10—100 Mark, solche mit Umlegekragen und einer Tasche für 5—50 Jl, ferner weiße mit Leinenkragen und roter Krawatte für schwarze Pudel in der gleichen Preislage. Gummischuhe für die Bekleidung der vier Beinchen zu 10 =H, Taschentücher für 50 Pfg., Huiwe-Hausapoiheken, Wärmeflaschen, Spielzeug, parfümierte Seifen und anders Dinge. Auch in einem Frisiersalon wird den geehrten Ködern alles geboten, was der moderns Hund notwendig gebraucht. Berlin gibt deu Leuten jenseits des großen Teiches, die nichr wissen, wie sie die Zeit totschlagan sollen, nicht mehr viel nach. -a.

— Japanische Delikatessen. Seltsame Fein­schmecker sind die Völker Ostafiens. Auch im Reiche des Mikado labt man sich an sehr eigen­tümlichen Delikatessen. So verzehrt man z. B. in der fern von der Küste im Innern gelegenen Provinz Shinano, wo Mangel an Fleisch und frischen Fischen herrscht, außer Froschschenkeln auch Schlangen, Eidechsen und sonstiges wenig appetitliche Viehzeug. Als Leckerbissen gelten den kleineren Bauern Heuschrecken, die nach dem Fangen noch einen Tag eingesperrt werden, da­mit sie ihren Darminhalt entleeren können: Kopf junb Beine werden vor dem Verspeisen entfernt. In anderen Gegenden Japans schätzt man, eine tn Erdlöchern wohnende Bienenart samt ihren .Larven, die mit einer eigens präparierten Sauce Mergossan werden, als große Delikatesse. Um «e Insekten zu fangen, wird etwas Pulver in v« Erdlöcher geschüttet und angezündet. Bei Aufgroben können die betäubten Tiere gefangen werden, worauf man sie in

“em Wasser tötet. Ferner finden sechs Arten

Meeresalgen und verschiedene Arten Süßwassor- algen Verwendung. In der Poesie der Japaner spielen die Kirschen- und Chrysantamumbliiten eine große Rolle; sie haben aber auch den Weg in die Küche gefunden. Den Ausguß von Kirschen­blüten trinkr man als Ersatz für Tee. Aeußerst reichhallig ist auch die Zahl der japanischen Ge­müse. Während wir von Pslanzenschößlingen fast nur ben Spargel genießen, verzehrt der Japaner die Schößlinge von nicht weniger als zehn Arten, daruntsr Bambus und Ackerschachtel­halm. Von den jungen Bambustrieben sind jo- gar einige Europäer derart begeistert, daß sie die Einführung dieses Gerichres in unsere Küche aufs wärmste empfehlen. -p.

— Der singende Teekessel der Japaner. Wer glaubt, daß die Japaner neben« ihren! hervor­ragenden kriegerischen Eigenschaften keinen Sinn für die Poesie der Häuslichkeit haben, wird aus seinem Irrtum herausgerissen, wenn er erfährt, daß im Reiche des Mikados Teekessel verfertigt werden, die die Fähigkeit des Gesanges besitzen. Jeder echte japanische Teekessel muß einan singen­den Laut hervorbringen können, und wer den Gesang eines solchen Kessels gehört hat, wird ge­stehen, daß darin etwas außerordentlich Anhei­melndes liegt. Um den Gesang hervorzubringen, geht man in folgender Weise zu Werk. Auf dem Boden deS Kessels werden vier, im Quadrat 1% Zentimeter große und ungefähr % Millimeter dicke Eisenblechplatten, und Kvar mit Hilfe von japanifchem Lack, angebracht, der der Temperatur des kochenden Wassers zu widerstehen vermag. Zwischen den Platten befindet sich eine schmale Spalljr. Wenn der Kessel mit Wasser gefüllt wird, tteibt etwas Lufi zwischen den Platten zu­rück. §e stärker der Boden erhitzt wird, desto mehr Dampf entsteht, der durch die Spalten zwi­schen den Platten dringt. Während das Wasser nach und nach die zwischen und unter den Platten zurückgebliebene Luft Vertreibt, wird eS in Dampf verwandelt. Dies geschieht erst stoßweise, dann

aber anhaltend. Hieraus resultieren die klang­vollen Töne, die sich mit dem Summen gewisser Insekten vergleichen lassen. Die Form des Kes- sels scheint einen gewissen Einfluß auf die Ton­höhe auszuüben. Die Kefselfabriken in Marioka legen auf diese Eigenschaften ihrer Fabrikate großes Gewicht, und manche Fabriken haben ihre eigenen Spezialitäten. Der singende Kessel ist keine Errungenschaft der Neuzeit. Er ist in Japan schon feit Jahrhunderten im Gebrauch.

— Eine Warnung für stellensuchende Mädchen. Zahlreiche Meldungen sind aus Frankreich über unwürdige Stellungen, welche deutsche Mädchen dort haben übernehmen müssen, in Deutschland eingetroffen. Statt Lehrerinnen und Erzieherin- wen sind viele nur Dienschoten. Anderen ist es noch viel schlechter gegangen. Niemand sollte einen Vettrag unterschreiben oder zum Antritt einer Stellung abreifjn, bevor er sich genau er- kündigt hat. Der internattonale Verein der Freundinnen junger Mädchen in Berlin und Neu- chatel steht mit Rat und Tat zur Verfügung, -p.

— Kirchen auf Rädern. Erzbischof Mc. Evay in Toronto (Kanada) hat gut besseren Pastor ie- rung der weit auseinander liegenden, mit katho­lischer Bevöllerung bewohnten Ortschaften eine dankenswerte Neuerung eingeführt. Er ließ nämlich in eigens hergestellte überdeckre Wagen Altäre einbauen. Diese Altäre werden dann in bie Ortschaften gefahren, wo Gottesdienst abge- halten werden soll. Der Geistliche, der gleich mit­fährt, zieht das Meßgewand an und lieft die Messe, während die Leute vor dem Wagen stehmd oder knieend das Meßopfer anhören. -p.

— Ein uueutdccktes Urvolk. Auf der Mor- nington-Jnsel im Golf von Carpentaria entdeckte der mit dem Schutz der Eingeborenen in Queens­land betraute Beamte Howard einen Urstamm, der noch nisnals mit Weißen in Berührung ge- konnnen ist. Nachdem er ein paar Tage bergeb« lich nach Einwohnren der Insel gesucht hatte, traf er einzelne Anaeböriae des Stammes und schließ-

sünf Monatd seiner Strafe Erlassen, so daß er am 1. Juni auf freien Fuß gesetzt wird.

• Frankfurt a. M., 18. Mai 1909. Die stöbt. Straßenbahn hat am Bahnhofe sprachenkun- dige Führer aufgestellt, kenntlich durch um- hängende Taschen mit entsprechender Aufschrift, die den Fremden Auskunft über Fragen der Straßenbahnverbindungen zu geben haben.

' Offenbach a. M., 18. Mai 1909. Der D e- f raudant Böning hat offenbar Unglück mit feinen Briefschreibereien. Haben die verschiede­nen Katten, die er an feine Frankfurter „Freun­dinnen" schrieb, zur Entdeckung seiner Spur und zur Verhaftung im Newyorker Hafen geführt, so hat fein letzter Brief, der stadt ein Teil des Gel­des wieder gegeben.' Der Brief war an ein« Frankfurter Geschäftsfrau, zu der Böning Be­ziehungen hatte, geschrieben, Schiffpost Bremen- Newyork gestempelt und enthielt die Bitte, die inneliegenden 1000 Mark einstweilen aufzuheben. Die ehrliche Frau hat Brief und Geld der Staats­anwaltschaft Darmstadt übergeben.

* Kassel, 17. Mai 1909. Von verschiedene» Gruppen hiesiger Gewerbetreibenden ist bei dem hiesigen Magistrat der Antrag gestellt, die hiesigen Messen auszuheben. Die Handwerkskammer ist ersucht worden, sich zu diesem Anträge gut­achtlich zu äußern.

* Apolda (Thür.), 14. Mai 1909. In ver- gangener Nacht wurde hier in der Superinten- dentur eingebrochen, es wurden viele Schmucksachm, darunter eine Brillantbrosche, und auch Bargeld gestohlen. Der Schaden beträgt gegen 8000 Mark. Die Diebe sind noch nicht er­mittelt.

* Erfurt, 18. Mai 1909. Die Sektion Erfurt ües sächsisch-thüringischen Lustschiffervereins hat beschlossen, einen eigenen Ballon anzu- schaffen. Der Ballon, der 1600 Kubikmeter In­halt haben soll, wird mit vollständiger Aus­rüstung 8500 Mark kosten. Die „Taufe" soll im Jult stattfinden.

* Gera, 18. Mai 1909. Eine originelle Eingabe an die vorgesetzte Militärbehörde in Gera hat ein Glasbläser aus Mellenbach gemacht: „Werthe Vorgesetzten! Da ich Vergessen habe (habe), welches Jahr daß ich Geboren war, ist das Jahr 1899 (89) und 19. Jahr alt. So bitte mir sofortige Antwort. Da wird es auch gleich sein ob ich nächstes Jahr mit zur (Mu) Musterung gehe oder dieses Jahr. Ist es Ihnen Recht so lauernd Hochachtungsvoll N. N., Glasbläser."

* Ems, 17. Mai 1909. Wie man der „Franks. Zrg. mhteilt, kam in einer Versamm­lung des hiesigen Bürgervereins ein ganz merk­würdige? Ergebnis einer Trinkwasser- Untersuchung zur Sprache: Ein Einwohner hatte die Aufforderung erhalten, das Wasser seines Brunnens untersuchen zu lassen. Der Pfiffikus lat, wie ihm geheißen nur entnahm er die für das Uniersuchungsamt in Wiesbaden bestimmte Probe nicht seinem Brunnen, sondern der städtischen Wasserleitung. Und richtig traf auch der Untersuchungsbefund bald ein: Das Wasser ist ungesund, der Brunnen muß zu- geschüttet werden!

Der beleidigte Evangelische Bund.

C. Neuwied, 17. Mai 1909.

Vor der ersten Strafkammer des hiesigen Landgerichts begann heute die Verhandlung gegen dm Tierarzt Fritz A l t h o f aus Betzdorf, dey Pfarrer Markelbach aus Kirchen, den Dechanten Eberhardy aus Betzdorf und den verantwortlichen Redakteur der Betzdorfer Volks- zeitung, Langer aus Wissen wegen Beleidi- lich eine größere Anzahl. Sie erwiesen sich als ein vollkommen im Urzustand lebendes Volk. Der Tabakgenuß war ihnen völlig fremd, auch die Nahrungsmittel der Europäer, wie Brot, Fleisch und Zucker, widerstrebten ihrem Gaumen augen­scheinlich auf das Entschiedenste, obgleich die Leute voll Neugier die ihnen vollkommen unbekannten Dinge zu kosten versuchten. Sie sind anscheinend heruntergekommene, tatsächlich aber äußerst be­hende und kräftige Menschen, denen jede Krank­heit unbekannt ist. Ihre Lebensweise ist ganz und gar die eines Urvolkes. Sie bauen keine Häuser, sondern begnügen sich damit, ihre Lager­stätten durch eine Art Windfang zu schützen. Sie nähren sich von den Früchten des Pandantls- Baumes, die ja auf vielen Inseln der Südsee ein wichtiges Nahrungsmittel für die Bevölkerung bilden, von Fischen und einer Art Knollenfrucht °p.

— Amerikanisches Geschenk an den hl. Vater. Einige Amerikaner haben dem hl. Vater ein prachtvolles Automobil geschenkt. Es ist eine drei- ßigpferdige Landaulette mit schwarzem Lackan­strich und kostbar ausgeführtem päpstlichen Wap- pen. Die innere Ausstarung fft in weißem Samt und weißer Seide gehalten. An beiden Wänden find große, goldene Josephsmedaillen eingelassen. Als Chauffeur wurde der langjährige frühere Lenker des Kraftwagens der Königin-Mutter, Cagno, geronnen, der nun den Papst in den vati­kanischen Gärten spazieren fahren soll. «a.

— Ein besseres Handwerk. König Adolf Fried- rich von Schweden, der sich aus Liebhaberei viel mit Drechslerarbeiten beschäftigte, schenkte dem englsschen Feldmarschall Hamilton bei dessen Be­such in Stockholm eine von ihm selbst gearbeitete hölzerne Tabakdose. „Ich danke Ew. Majestät utttertänigff," sagte der Feldmarschall bei Em­pfangnahme derselben, „doch wäre es mir in bet Tat lieber gewesen, wenn Ew. Majestät statt der Drechslerei ein besseres Handwerk, etwa Gold­schmied. «lernt hätten!"