krscheittt tS-lkch mit Lnsnahme der So.m» und Leiertage, vlertel- iShrlicherve;»grpreir offne vrlngerlshn und Bestellgeld in Lulda ss- wie auswärts 1.50 IRL verantw. «edattenrr
Carl Schütter
ul-aer
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Rotationsdrnckund Verlag der Luldaer N- ttendrnckerei in Lulda Zernfprecher Nr. 9.
M 113.
Fulda, Mittwoch den 19. Mai 1909.
36. Jahrgang.
Erstes Matt.
Wegen des Feiertags Christi Himmelfahrt wird die nächste Nummer der ,Fuldaer Zeitung' erst am Freitag ausgegeben.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 18. Mai 1909.
Der Reichstag erledigte zunächst eine Reihe von kleineren Vorlagen in dritter Lesung, so die Berner Uebereinkunst zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst, das Patentabkommen mit Amerika und Vas Gesetz über die Verwaltung des Reichs- tnvaliden- und des Hinterbliebenenfonds.
Es folgte die dritte Beratung des
Biehseuchengesetzes.
Nach einer Polemik zwischen Abgeordneten der freisinnigen Bereinigung und Vertretern des Bundes bet Landwirte wurde auf Antrag v. Pfetten (Ztr.) da? Gesetz en bloc angenommen.
In der dritten Beratung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb werden die §§ 1, la "Xnb 2 unverändert angenommen, desgleichen der § 3 Unter Ablehnung eines Antrages Dove (srs. Bgg.) auf Wiederherstellung der gestern gestrichenen Worte „tatsächlicher Art".
Der Rest des Gesetzes wird unverändert genehmigt. Als Zeitpunkt des Inkrafttretens wird der 1. Oktober 1909 bestimmt.
Sodann wurden noch einige Rechnungssachen ohne Debatte erledigt.
Zur zweiten Lesung -der Uebersicht der Einnahmen u r. b' Ausgaben der ostafrikanischen und südweftafrikanischen Schutzgebiete für 1901 beantragt die Kommission, die Etat-Überschreitungen zu genehmigen unter Beanstandung der Posten von 192000 Mark für den Bau eines Hellings und von 127000 M. für die Herstellung eines Molenquerarms in Swakop- mund.
Abg. r 'vsiehlt den Kommissions
beschluß.
Slaatsjetteiur Dernburg erklärt die Etatsübcr- SHeilungen und meint, der in Frage kommende eamte habe im guten Glauben gehandelt. Wenn auch der Beschluß der Kommission geeignet sei, Ordnung in die Rechnungssachen zu bringen, so bitte er doch, die beanstanveten Posten zu bewilligen.
Abg. Erzberger (Z.) meint, es fei dringend not, daß die Kommission gegen einen solchen Unfug, wie er in den Kolonien geherrscht hat, energisch einschritt. Sie hat hier eine schmutzige Eiterbeule aufgestochen. (Heiter- keit.) Es ist doch unerhört, daß ein ganz gewöhnlicher Beamter Bauten ausführen kann, die Hunderttausende kosten, ohne daß er sich dabei um Bundesrat, Reichstag oder sonst wen kümmert. Mag es auch im guten Glauben gewesen fein. Der Staatssekretär habe hier «inen Eiertanz aufgeführt, wie er ihn in so vollendetet Form hier noch nicht gesehen habe. (Heiterkeit.) Der Beamte habe die Mahnungen der Regierung einfach in den Wind geschlagen. Die Initiative der Beamten solle nicht eingeschränkt werden, aber sie solle sich nur aus dem Gebiete betätigen, das ihr zustehe. (Sehr richtig'!) Sonst könnte ja ein Beamter auf eigene Initiative eine große Luftflotte bauen. (Sehr gut! im Zentrum.) Das in der Berfaflung niedergelegte Bewilligungsrecht des Reichstages darf nicht zurückstehen vor der Betätigung irgend eines Beamten. An diesem Budgettecht des Reichstags ist gesündigt und gefrevelt worben, deshalb müssen wir eine entsprechende Sühne forvern und deshalb bitte ich Sie, dem Beschluß der rkommisfion beitzutreten. (Lebh. Beif. i. Zentr.)
Staatssekretär Dernburg: Der betreffende Beamte hat keinen eigenen neuen Bau aufgesührt, sondern nur bei einem vom Reichstag bewilligten Bau sich einer Ueberschreitung schuldig gemacht, die er im Interesse des Baues für unerläßlich ließ.
| Abg. Dr. Görcke (ntL): Der Herr Staatssekretär hat — wenn ich so sagen darf — noch niemals so ungeschickt gesprochen wie heute.
Präsident Graf Stolberg: Herr Abgeordneter, Sie wollen damit wohl sagen, der Herr Staatssekretär habe wenig geschickt gesprochen. (Große Heiterkeit.)
Abg. Dr. Görcke: Wir können es nicht dulden, daß ein Beamter Bauten aufführt, ohne daß sie im Etat bewilligt find.
Abg. Er,berget (Ztr.) polemisiert nochmals gegen den Staatssekretär.
Staatssekretär Dernburg: Ich habe nicht die Verletzung deS Budgetrechts durch einen Beamten decken wollen, sondern ich habe bloß die Opportunitäisfrage erörtert, ob gegen den Beamten eine Regreßklage eingebracht werden soll ober nicht. (Der Staatssekretär bittet den Abg. Ledebour, der Zwischenrufe macht, ihn nicht zu stören. Abg. Ledebour tust: Sie machen ja doch nur Redensarten!)
Präsident Graf Stolberg ruft den Abg. Ledebour zur Ordnung.
Abg. Ulrich (Soz.): Für jede Dummheit seiner Beamten tritt der Staatssekretär ein. Schon in der Kommission hat er versucht, uns durch seinen glatten Schmus einzulullen. (Große Heiterkeit.)
Präsident Graf Stolberg: Bitte, wählen Sie doch andere Ausdrücke! (Erneute Heiterkeit.)
Abg. Ulrich (Soz.): Wir lassen uns durch seine Reden nicht beeinflussen. Der heillosen Wirtschaft muß ein Ende gemacht werden.
Abg. v. Oertze« (Rp.): Wir werden dem Kom- missionsanttag zustimmen, behalten un? aber zur dritten Lesung einen Anttag vor, wonach wir die Etalsüber- schreitung nicht billigen, eine gerichtliche Verfolgung des Beamten aber ablehnen.
Der Kommissionsantrag wird einstimmig angenommen.
Damit ist die Tagesordnung erschöpft.
Präsident Graf Stolberg beraumt die nächste Sitzung auf Dienstag, den 15. Juni, 2 Uhr, an. Tagesordnung : Interpellation auf Aenderung der mecklenburgischen Berfaflung.
Preußischer Landtag.
Abge»rdnktk«ssans.
Sitzung vom 18. Mai 1909.
Zunächst wurde der Staatsvertrag zwischen Preußen und Hamburg vom 14. November 1908 betr. die Verbesserung des Fahrwaffers der Elbe (Köhlbrandvorlag e) in dritter Beratung angenommen. Der Gesetzentwurf über den Bergw erks b etrieb ausländischer juristischer Personen und den Geschäftsbetrieb außerpreußischer Gewerk» chaflen wurde in dritter Lesung angenommen. Es folgte die Fortsetzung der Beratung des
Berggesetzes.
Bei Artikel 1 (Verantwortlichkeit der Bergwerks- besitzer und Aufstchtsbeamten) begründete
Abg. Leinert (Soz.) die Anträge feiner Partei, nach denen für die Aussichtsbeamten ein vom Oben bergnnit ausgestelltes Bergschulzeugnis ' verlangt wird. Ferner soll gegen die Qualifikationsentziehung der Rekurs an das Oberverrvaltungsgericht zulässig fein. Die Aufsichtspersonen sollen nach den Anträgen nicht verpflichtet fein, die Anordnungen der Vorgesetzten, die den Betriebsplan und den Borschristen der Bergpolizei nicht entsprechen, auszuführen.
Nach kurzer Debatte wurden die Anträge der Sozialdemokraten abgclehnt. Artikel 2 und die §§ 75 und 76 wurden unverändert angenommen.
Es folgte die Beratung über § 80f des Artikels 2, wonach auf Steinkohlenbergwerken auf unterirdischen Betrieben von Broun- und Erzbergwerken sowie auf Kalisalzbergwerken oder aussei bstän digen Bel rieben dieser Art, wenn auf ihnen mindestens 100 Mann beschäftigt werden, Sicherheitsmänner und ein Arbeiterausschuß sein sollen. — Ein Antrag Brust (Zentr.) wünscht die Beschränkung der Geltung der Bestimmungen auf „unterirdisch betriebene" Bergwerke fallen zu lassen. Das gleiche will ein Antrag Borgmann (Soz.), der außerdem noch die Zahl der Werksarbeiter, bei deren Vorhandensein Sicherheitsmänner und Arbeiterausschüsse vorhanden sein muffen, von 100 auf 20 herabsetzen will.
Abg. Dr. Beumer (natl.) kommt auf das geheirue stenographische Protokoll einer Versammlung von Bergwerksbesitzern zurück und polemisiert gegen die Sozialdemokraten, die bekanntlich zuerst das Protokoll veröffentlichten. Den Widerspruch der Bergwertsbesitzer gegen die Arbeiterausschüsse erklärte man gestern damit, daß die Bergwertsbesitzer Herren ,m eigenen
Hause sein wollen. Das wollen sie allerdings, aber nicht in dem Sinne als Sklavenhalter mtt der Peitsche in der Hand, sondern in dem Sinne als Disponenten und als verantwortliche Leiter der Betriebe. Wer heute noch von dem „unfreien" Arbeiter redet, der muß mit verbundenen Bugen urnherlausen. Redner polemisiert dann gegen die christlichen Gewerkschaften, die die Arbeiterausschüsse zu Parteizwecke benutzen wollten. Ueberhaupt fei die ganze Sozialpolitik nur das Werk einzelner bestimmter Parteien, welche die Arbeiter bei den Wahlen gebrauchten. An die schweren Pflichten des Arbeitgebers denke man keinen Augenblick, man spreche nur immer von Erweiterung der Rechte der Arbeiter.
Abg. Leinert (Soz.): Der Abg. Beumer will die Arbeiter auf die Kniee zwingen. Es wird die Zeit kommen, wo den Arbeitern der Druck der Unternehmer zu hart werden wird und wo sie dann dieser Geschichte ein Ende machen werden. Weiter meint Redner, daß die christlichen Bergarbeiter mit der Schwenkung der christlichen Gewerkschaften nicht einverstanden und deshalb auch mit der jetzigen Faffung des Gesetzentwurfs nicht zufrieden seien.
Abg. Jmbusch (Ztr.): Die Nnzusriedenheit mit der Vorlage, wie sie in manchen Arbeilerkreifen wie auch in Unleinehmerkreisen vorhanden ist, hat ihren Hauptgrund darin, daß dieses Gesetz wie überhaupt die Gesetze zum Schutz der Arbeiter, allzusehr von politischen Gesichtspunkten aus beurteilt werden. Der Abg. Beumer hat eben noch ein Beispiel dafür gegeben. Wir betrachten derartige Gesetze lediglich mit Rücksicht auf ihre soziale Wirksamkeit. Man dringe doch den Arbeitern, zumal denen, die durchaus ernst an die Dinge heranzutreien wünschen, etwas mehr Vertrauen entgegen. Wenn der Abg. Leinert konstatieren zu muffen geglaubt hat, daß meine Freunde und ich in der Frage der Grubenkontrolleure umgelippt wären, so kann ich ihm versichern, daß gerade das Gegenteil der Fall ist, und daß seine Parteifreunde früher genau deiiselben Standpunkt entnahmen, wie wir heute. Schließlich möchte ich bitten, daß der Ärbeitgeberstand sich den Arbeiterorganisationen gegenüber objektiv verhalten möge, wie dtes seitens der Arbeiter den Arbeiterorganisationen gegenüber geschieht.
Handelsminister Delbrück: Den Antrag Borgmann bitte ich abzulehnen, iffitr können und wollen kein Gesetz für die Arbeitgeber allein schaffen, wir können und wollen aber auch kein Gesetz schaffen, das nur die Interessen des Arbeiterstandes vertritt, sondern wir können nur Gesetze verabschieden, die allen Interessen nach Möglichkeit gerecht werden. In dem grundsätzlichen Zugeständnts, daß die Arbeiter in einer den Verhältnissen entsprechenden Weise am Sicherheitsdienst der Gruben beteiligt sirkd, ist eine Errungenschaft, welche die Vertreter den Arbeiterinteresfen nicht unterschätzen dürfen. Die Sicherheitsmänner werden gewählt durch direlte tmd geheime Wahl und zwar in einer Zahl, die ihnen eine sachgemäße Erfüllung ihrer Pflichten gewähr!?istet. Sie sind auch geschützt gegen Maßregelungen in Ausübung ihres Berufes. Wenn die Regierung diese Vorlage eingebracht hat, so ist das ein Vertrauensvotum an' die großen Kreise unserer Arbeiter, deren Vertreter wiederholt gesagt haben: „Wir^erkenncn an, daß wir nicht allein auf dieser Welt sind, sondern wir geben zu, daß auch die Arbeitgeber berechtigte Interessen haben." Ich möchte Sie bitten, sich dies stets gegenwärtig zu halten und den Gesetzentwurf fo zu verabschieden, wie er aus der Kommtsfion herausgekommen ist.
Abg. Korfanty Pole) wiederholt die Forderung nach einem Reichsberggesetz und polemisiert gegen die Ausführungen des Abg. Beumer.
Abg. Spintzig (fit) hätte Beschränkung des Gesetzes auf den Steinkohlenbergbau gewünscht.
Abg. Wolff-Lissa (frf. Vgg.) polemisiert gegen den Antrag Beumer, der nur den extremen Standpunkt der Arbeitgeber vertrete, und erklärt, daß seine Partei in der zur Debatte stehenden Frage auf dem Standpunkt beS Zentrums stehe.
Abg. Brust (Ztr.) tritt den Ausführungen des Abg. Beumer entgegen und meint, die Klagen der Arbeiter über ihre Borgesetz en seien besonders im Ruhrrevier so groß, weit sie es dort nicht mit den Besitzern der Gruben, sondern nur mit den Direktoren zu tun haben, denen vielfach die Zeil fehle, sich eingehend nm die Interessen der Alberter zu kümmern.
Beider Abstimmung über ß 80 k stimmt die Rechte versehentlich für den Antrag Brust, der in- olgedessen angenommen wird. Daraus stimmen
Zm Sanne des GetzeimW.
108s Aus dem Englischen von K. v. Ra essetd Marian West lag sehr krank auf Kenninghall, »u krank, als daß sie ihrer Schwester nach London hätte folgen können, tote sie es so gern getan chatte. Der Schlag toar zu viel für sie gewesen. Ahr ganzes Lebe,! war sie einer Falschheit, einem Trugbilds treu gewesen, — und sie konnte das ^Gleichgewicht ihres Gemüts und ihrer Seele noch nicht wieder gewinnen.
Lord Nomsey war einer der ersten, die die Wahrheil erfuhren. Nicht von beteiligter Sette; kein Brief war ihm von London aus geworden. Lord Wayne verbrachte seine ganze Zeit damit, daß er von c-inem berühmten Advokaten zum andern ging; es ließ sich jedoch wenig Trost aus all diesen Besuchen und Vesprechrmgen schöpfen. Nachdein er den ganzen Fall vorgetra- gen, stimmten sämtliche Herren Rechtsgelehrten darin überein, daß es sehr schlimm für Lady Wayne aussehe.
Es hatte ihm zuerst geschienen, daß es gar niemand glauben könne. Auf den ersten Blick erschien es ja auch unglaublich, unfaßbar — eine sanfte, schöne, hochgeborene Dame angeklagt, einen Mann mit kaltem Blute niedergeschossen zu haben; aber zu feinem Kummer und seiner .Entrüstung machten die, die zunächst die Anklage gehört und sie für abgeschmackt erklärt hatten, alsbald ein ernstes Gesicht, nachdem sie alles gehört, was vorhergegangen. Lady Wayne's Ge- schichte schien ein grelles Licht auf die Mordtat zu werfen; sie lieferte den Schlüssel, das Motiv, das eine, woran es bisher immer gefehlt.
Lord Wayne fand alsbald, daß er für feine Gemahlin den geschicktesten Anwalt im ganzen Londe beschaffen, daß er überhaupt an juristischer Hülfe haben konnte, soviel er nur wollte; aber er konnte wenige finden, die seinen Beteuerungen von ihrer Unschuld auch nur die geringste Auf-
merksamkeit schenkten. Herr Sinclair schien mit seiner Prophezeihung im Rechre zu bleiben.
Er toar so gänzlich außer sich, daß er sein Versprechen, noch Downham zu schreiben, vollständig vergaß. Mittlerweile taten der Earl und die Gräfin dort ihr Bestes, diese unangenehmen Tatsachen vor Elfis zu verheimlichen. Sie konnten sie jedoch Lord St. Gilbert nicht verheimlichen. Dieser kam eines Tages nach Hause, mit rotem Kopf und noch bebend vor Entrüstung' und platzte zu ihrem großen Schrecken alsbald mit der Mitteilung heraus, er Hobe den jungen Baronet Clifford mit der Reitpeitsche traktiert weil dieser öffentlich erzählt habe, Lady Wayne sei des vorsätzlichen Mordes angeklagt. Der Earl nahm den Aufgeregten bei Seite und erzählte ihm, daß er allen Grund habe zu der Annahme daß cs sich tatsächlich auch so verhalte, aber der junge Lord kehrte sich empört von seinem Vater ab.
„Versteh' mich recht. Bald", sagt« der Vater ernst; „ich sage nicht, daß die Anklage auf Wahrheit beruht — Gott verhüte! — Ich will ledig, lich sagen, es ist wirklich wahr, daß eine derartige Anklage erhoben ist."
Lord St. Gilbert bebte vor Entrüstung
„Wer überhaupt eine solche Geschichte glauben kann, muß blödsinnig sein!" ries er wenig re- spektvoll aus, „Lady Wayns würde keinem Wurm, geschweige denn einem Menschen, etwas zu Leide tun! Nun ihn noch gor ermordet haßen — es ist wirklich zu abgeschmackt, zu verrückt!"
Seine Eltern baten ihn, feinen Zorn und seine Entrüstung zu mäßigen, damit wenigstens Elfis nichts zu Ohren komme; aber die Sach- sollte sich nicht mehr lange verheimlichen lassen' Am folgenden Tage nachmittags stahl Elsie sich hinunter zu ihrem Bräutigam und bat ihn unter strömenden Tränen, ihr doch nntzuteilai, was eigentlich vor sich gehe.
„Es ist etwas von Mama", sagte sie kläglich, „das weiß ich. Bald, denn die Leute sehen mich so merkwürdig und auer an. wenn ich ihren Na-
men nur erwähne. Was ist s? Wenn alle mich täuschen, so wirst wenigstens Du mir doch die Wahrheit sagen."
Er wußte, früher oder später mußte sie ja doch davon hören oder lesen, — und deshalb teilte er es ihr schonend mit. Er sagte ihr, einige Esel von Geheimpolizisten, die ihre Nase bekanntlich in alles stecken müßten und alles andere besser verständen wie ihr Fach und Recht und Gesetz, hätten sich in die Angelegenheit hinein gemischt und sich erdreistet, Lady Wayne zu verdächtigen, weil sie sie mit dem Toten früher hätten sprechen sehen.
Er erzählte es ihr so lieb, so vorsichtig, behutsam und zärtlich, mit soviel Entrüstung über die Tölpelei der Polizei, wie er es nannte, daß seine Mitteilung die Hälfte ihres schreckens verlor.
Und doch wurde Elsie's liebliches Gesichtchen sehr blaß, als sie alles hörte.
„Arme Mama!" schluchzte sie. „O Bald, wiS freut es mich, baß Raymond und Harry im Auslande sind und nichts davon gewahr werden. Was meinst Du, wird es Papa das Herz brechen"
„Lord Wayne wird ganz zweifellos schon bald beweisen können, daß alles eine ganz unverzeihliche Dummheit, ein wahnsinniger Mißgriff von feiten dieser Detektivs ist. Diese Kerls werden ihren Bock alsdaim schwer büßen müssen."
Sie sah ihn mit bülflosem Kummer in den schönen, in Tränen schwimmenden Augen an.
„Bald, weiß denn nun jedermann, daß meine schöne, unschuldige Mutter dieses gräßlichen Verbrechens angeklagt ist?"
Statt aller Antwort schloß er sie in die Anne, küßte sie auf ihr liebes, blasses Gesicht und slü- sterte ihr zärtlich zu, das sei ganz nebensächlich; diejenigen, die ihre Mutter am besten könnten, wüßten auch, wie unschuldig sie sei, und würden sie wegen dieses ihr so ungerechterweise bereiteten Kummers nur noch lieber haben.
„Es wird uns doch nicht trennen. Bald", slü- sterte sie angstvoll und schmiegte sich enger an ihn. „Du wirst Düb meiner doch mcht schämen.
weiterhin Rechte und Nationalliberale unter großer Heiterkeit gegen den ganzen grundlegenden § 80f, der damit in zweiter Lesung ab gelehnt ist.
Ohne Debatte wird darauf § 80 a, der die Vorschriften über die Zahl der Sicherheitsmänner enthält, angenommen.
Bei § 80 f b, der die un..ittelbare unb geheime Wahl der Sicherheitsmänner nach Stetgerableilungen als die Regel vorschretbt, begründet
Abg. Sauermann (Ztr.) Anträge des Zentrums, dir eine Erweiterung der Wahlberechtigung bezwecken.
Abg. Korfanty (Pole) befürwottet eine Reche von Abänderungsanträgen.
Sämtliche Abänderungsanträge werden abgelehnt. § 80 fb wird in der Kommisfionsfaffung angenommen.
Bei § 80fc begründet
Abg. Graf Strachwitz (Ztr.) einen Antrag, nach dem das Oberbergamt unter besonderen Umständen die fünfjährige Beschäftigungszeit als Hauer als Voraussetzung für die Wahlberechtigung bis zu 2 Jahren herabfetzen kann.
Abg. Röchling (ntl.) erklärt das Einverständnis seiner Partei mit diesem Anträge.
Handelsminister Delbrück hält diesen Antrag für eine Verbesserung der Vorlage.
§ 80 fc wird mit dem Antrag Strachwitz angenommen.
§ 80 fd bestimmt, daß auf je 500 Mann ein Vertreter in den Arbeitsausschuß entsandt werden soll.
Abg. Gronowsky (Ztr.) begründet einen Antrag, der verlangt, -daß auf je 3ü0 Mann ein Vertreter kommt. Einen Klaffenkamps wünschen wir nicht, wie die Sozialdemokraten. Es find nicht alle Arbeiter mtt den Sozialdemokraten in einen Tops zu werfen. (Beifall.) Alle Werkbefitzer sind aber nicht Ausbeuter und Feinde der Arbeiter. Die Sozialpolitik mag den industriellen Aufschwung Deutschlands nicht veranlaßt haben, sie hat ihn aber auch nicht gehinvert. Dr. Beumer sprach sp.ttisch von „unfreien Arbeitern". Er möge sich einmal erkundigen, welchen Druck seine Freunde bet den letzten Stadtverordnetemvahlen in Bochum ausgeübt habe». Seine Rede öffnete dem Klaffenkampfe Tür und Tor.
Das Haus vertagt sich nach einigen persönlichen Bemerkungen.
Mittwoch: Wahlprüfungen, unter denen sich die beanstandeten vier Berliner' Wahlen befinden, kleine Vorlagen.
Zur Reichsfinanzreform.
s Die Finanzkommission wählte gestern zu ihrem Vorsitzenden den Abg. Frhrn. v. R i ch t - Hofen (kons.), nachdem Abg. Paaschs, auf eine Anfrage erklärt hatte, daß er die Wiederwahl nicht annehme. Nach der Wahl des Vorsitzenden sand die Abstimmung über Artikel 4 der Vorlage der Sublommifsion berr. die Tabaksteuer statt. Der erste Absatz des Artikels 4 (Termin des Inkrafttretens) wurde mit 13 gegen 12 Stimmen der Sozialdemokraten, Polen und eines Teils der Freisinnigen und Nationallibe- ralen angenommen. Die Kommission erklärte damit die Abstimmung über bis Band ero lenst e u e r in erster Lesung für erledigt, sodaß diese in erster Lesung abgelehnt ist.
Darauf trat man in die Beratung der „Reform" der Fahrkarten st en er ein. Die Fahik rtensteuer ist vor 3 Jahren bei der damaligen kfinanzreform eingeführt worden. Damals hat man, im wesentlichen auf Betreiben des Zentrums, di? 4. Wagenklasse, die Klasse der kleinen Leute, von der Steuer frei gelassen. Die Folge Lieser Steuer ist nun aber eine Verschiebung in der Bcrmtzung der verschiedenen Klassen gewesen. Durch die Steuer wurden die Passagiere aus den oberen in die unteren Klassen vertrieben. Für Las Gros der Passagiere steht ja wohl di? Klasse, die sie benutzen, ein für alle mal fest. Eine sehr große Schicht aber schwankt zwischen zwei verschiedenen Klassen hin und her, und bei dieser gab die Steuer Len Ausschlag für die untere Klasse. Die einzelstaatlichen Eisenbahnvertoal- tnngen haben daher von der ©hater schweren Schaden gehabt. Jetzt ist die Regierung auf die
weil dies — diese Wolke über uns gestanden hat?"
„Selbst der ToL sollte uns nicht trennen, Elsie", erwiderte er zärtlich, und Loch empfand er bei diesen Trostesworten insgeheim eine schreckliche Angst, Laß seine Eltern vielleicht doch die Schmach als zu groß ansehsn und der Verbindung ihre Zustimmung versagen würden.
„Einerlei, komme, was da wolle", sagte er sich; „ich werde Elsie treu bleiben, und wenn ich deswegen enterbt werden sollte."
Kein Wort sagte -r ihr von den "Gerüchten über die erste Heirat ihrer Mutter, — Las überließ er Lord Wayne. Er toar ein blinder Parteigänger der schönen Herrin von Ksninghall. Angenommen, sie wäre wirklich früh-r verheiratet getoqen und Härte ihrs Heirat verheimlichen root- lsn — ging das denn vielleicht irgend jemanden außer ihr selbst etwas an?
So blieb Elsie der schlimmste Schlag erspart. Balduin widmete sich ihr in ausgedehntestem Maße, er verbrachte feine ganze Zeit in ihrer Gesellschaft, und diejenigen, die nur irgendwie Neigung zeigten, dem jungen Mädchen durch un- angenehme Teilnahme lästig zu fallen, sahen sich bald mit derartiger Entschiedenheil in ihre Schranken zurückgewiesen, daß sie Len Versuch nicht zu wiederholen wagten —
Jack Jefferies lag nunmehr schon mehrere Tage unter dem grünen Rasen, uni feine Mutter war noch immer im Försterhaujs.
Am Tag« nach dem Begräbnisse hatte sie sich zu Bett gelegt und hatte es nicht mehr verlassen wollen. Der Kummer hatte Lis früher so nette, freundliche und gemütliche Frau schrecklich verändert; finster, trotzig und schweigsam brütete sie vor sich hin und sprach oft Tage lang kein Wort, kaum, Laß sie die notdürftigste Nahrung zu sich nahm. Die Aerzte, die auf Lord Wayne's Veranlassung sie behandelter^ blickten ernst drein und sprachen von beginnender Gemütskrankhert.
(Fortsetzung folgt.)