Maer W Zeitung
»wÄ w»chenh-imgi:„IllustrierteSonckagrzeitung"
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moitdsMase: „Klldaek Geschichtsblättsr"
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Fulda, Dienstag den 18. Mai 1909.
M 112
36. Jahrgang
Lnzrigeu: Vie ti» fpaltigt Petitzeile ober deren Kaum 15 pfg. KeNamendrePetitzeile 25 Pfg., bei wieder- Holungen wird entspr.
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verantw. Kedatteurr LarlSchNiter
Erstes Matt.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 17. Mai 1909.
Der Präsident gab ein Telegramm des Grasen Zeppelin bekannt, in dem dieser den Reichstag zur Besichtigung feines Luftschiffes und Teilnahme an einer Fahrt am 5. Juni einlädt. (Lebhaftes Bravo.)
Darauf wurde die Beratung des BiehseuchengesetzrS i fortgesetzt.
Die Abänderungsanträge zu § 67d wurden abgelehnt und der Rest des Gesetzes ohne weitere Debatte angenommen. Angenommen wurde ferner eine Resolution Siebenbürger betreffend das Abdeckereiwesen. Ueber die Vetüionen wird in der dritten Lesung abge- sttmmt werden.
Es folgte der
Gesetzentwurf eines Schutzgebietsetat
tn erster Lesung.
Die Vorlage faßt unter Ausmerzung der veralteten Bestimmungen die gegenwärtig geltenden Vorschriften zu einem einheitlichen Gesetz zusammen.
Staatssekretär deS Kolonialamtes Dernbnrg bittet um Annahme der Vorlage, die ja nichts neues bringe.
Abg. Erzberger (Z.) hält eine eingehende Prüfung der Vorlage für notwendig und beantragt Verweisung derselben an die Budgetkommission. Weiter bittet er um Auskunft, wie es komme, daß die Verwaltung im März erSärt habe, daß die südwestafrikanische Bevölkerung mit der verliehenen Selbstverwaltung durchaus zufrieden sei, während jetzt die gegenteiligen Nachrichten von dort kämen.
Abg. Dr. Arning (ntitb.) schließt sich dem Antrag auf Kommiffionsverweisung an.
Staatssekretär Dernbnrg erwidert dem Abg. Erz- lberger, daß die Gerüchte über die Unzufriedenheit der Bevölkerung Südwestafrikas über die Selbstverwaltung sehr übertrieben seien. Ihm sei nur eine einzige Versammlung bekannt geworden, in der diese Unzusrieden- heit zum Ausdruck gekommen sei. (Während der Ausführungen des Staatssekretärs warf ein Besucher der Tribüne mehrere Bündel Flugblätter in den Saal. Er wurde auf Anordnung des Präsidenten von der Tribüne entfernt. In den Zetteln wird von einer Heiß- wafferkur gesprochen, die Kaiser Wilhelm von dem Zettelwerfer 1903 empfohlen und durch die der Kaiser von dem Kehlkopfleiden geheilt worden sei.)
Nach weiterer unerheblicher Debatte wurde des Gesetzentwurf an di» Badgetlommisston verwiesen.
Es folgt die erste Lesung des Gesetzeutwurfs betr.
Verwaltung des Reichsinvalidenfonbs.
Abf Anregung des Abg. Görke (ntl.) sagte Staatssekretär Stzdow beim Uebergang der Verwaltung des Fonds an das Reichsschatzamt eine Ausstellung über den Bestand des Fonds zu.
Abg. Erzberger (Ztr.) schließt sich dem Vorredner an und meint, eine Kommissionsberatung sei nicht nötig.
Die Debatte schließt, die Vorlage wird in erster und zweiter Lesung angenommen.
Zweite Beratung des Gesetzentwurfs betr. den unlauteren Wettbewerb.
§ 1 bestimmt, daß, wer im geschäftlichen Verkehr zu Zwecken des Wettbewerbs Handlungen voniimmt, die gegen die guten Sitten verstoßen, auf Unterlassung und Schadenersatz in Anspruch genommen werden kann.
Abg. Bitter (Ztr.) begrüßt es, daß der § 1 die Generalklausel als wirksamstes Mittel zur Be- Mmpsung des unlauteren Wettbewerbs enthält.
i Die Abgg. Dr. Junck (ntl.), Graf Carmer.Zicscr- Witz (kons.) und Linz (Rp.) erklären, daß ihre Parteien dem § 1 zustimmen werden.
Die Diskussion schließt. Die §§ 1, la und 2 werden einstimmig angenommen.
Zu 8 L (Reklameparagraph) erhält das Mort
Abg. Roeren (Ztr.): Nach § 3 soll als unlautere Meklame bestraft werden, wenn wiffentlich unwahre Angaben tatsächlicher Art gemacht werden, die geeignet find, das Publikum irre zu führen. Die Fassung »Angaben tatsächlicher Art", die schon in dem
I« Bme les Geheimnisses.
(107] Aus dem Englischen von K. v. Raesfelds
> Nein, nichts: sie hatte gesündigt, und dies war nun die Strafe für ihre Sünde. Es hatte (lange Jahr« gedauert, bis sie sie errercht hatte, aber gekommen war sie zuletzt doch.
„Werner", sagte Lord.Wayne, „es freut mich, daß Deine Mutter Dich zur Hülfe hat; niemand weiß besser wie Du, wie unbegründet,, wie abge- sschmackt diese Anklage gegen sie ist, dre wir alle hochachten und verehren. Ich gehe mrt ihr, ich überlasse Dir ihre Verteidigung; wenn Du rr- »end einen Plan ausfindig machen kannst, ihr Au helfen, so tue es; es muß doch eine Losung Hes Geheimnisses geben, nur, daß sie uns brs jetzt Znoch unbekannt ist."
। „Ich werde nach Elton gehen", sagte Werner Entschlossen, „der arme Jack Hai fast sein ganzes kurzes Leben dort zugebracht; dort werde ich -urch vielleicht den Schlüssel zu diesem Geheimnisse finden." —
Nicht lange nachher, und die Linden Kenning- challs sahen ein Schauspiel, das sie noch nie zu- Dor gesehen; ein geschlossener Wagen fuhr vor Dem großen Portal vor, darein ftieg die gold- chaarige Herrin des Schloßes, neben ihr zwei schwarze, stumme, aufmerksame Gestalten, ihr Antlitz blaß wie der Tod, ihre Lippen bebten, die Augen dunkel vor zurückgehaltenen Tränen, dre ffchlanke, stolze Gestalt fast erdrückt unter der Last seines Kummers, wie ihn die Sonne nie zuvor Deschienen.
| Tann stieg auch Lord Wayne ein; er sah blaß Kind ernst aus; er hätte alle feine werten Bedungen, sein ganzes, großes Vermögen, jede gute Gabe, die ihm zugefallen, alles, alles tausendmal hingegeben, um sie zu retten, und — er tonnte es nicht
L Ein Flüstern und Raunen lief durch die Lin- »en, als der Wagen davonfuhr; dann war alles ftiH »wrichen rbnen. kern Blättchen, regte sich mehr.
bisherigen Gesetze stand und von da übernommen worden ist, hat notorisch in der Rechtsprechung zu den größten Schwankungen und zu widersprechenden Rechls- eutscheidungen geführt, indem tn zahlreichen Fällen von den Gerichten ein und dieselbe Reklame als Reklame tatsächlicher Art, von einem anderen Gericht als Reklame nicht tatsächlicher Art angesehen worden ist und demnach entweder Verurteilung oder Freisprechung erfolgte. Dies hat zu großen Unzuträglichkeiten für die Geschäftswelt geführt. (Sehr richtig!) Daher ist keine Bestimmung des bisherigen Gesetzes so entschieden und so allgemein angefochten worden, wie diese Faffung. Alle Petitionen, die in dieser Beziehung gemacht worden sind, sind sich in der Rüge dieses Punktes einig (Hört! hört!», so z. B. die Petition der gesamten deutschen Mittelstandsvereinigung, des DetaMstenverbandes für Rheinland und Westfalen, der bayerischen Verbandes der Vereine zum Schutze von Handel und Gewerbe, deS Verbandes der katholisch-kaufmännischen Vereine Deutschlands usw. Die Urteile über die Fassung „Angaben tatsächlicher Art" werden immer weiter ausein- andergehen, weil es an jeder bestimmten präzisen Definition des Begriffs „unwahre Angaben nicht tatsächlicher Art" vollkommen fehlt und weil eine solche Definition überhaupt nicht gefunden werden kann, well es unwahre Angaben nicht tatsächlicher Art gar nicht gibt (Sehr richtig!) angesehensten Kommentatoren und sonstigen Praktiker und Theoretiker sind stets für die Streichung eingetreten. Auch die schweizerische Gesetzgebung, die stütz er nach unserem Beispiel diese Worte aufgenommen hatte, hat dieselben in dem neuen Entwurf gestrichen. Es ist mst deshalb unverständlich, daß man diese Worte, die von jeher ein Stein des Anstoßes gewesen sind, in die neue Vorlage wieder ausgenommen hat. (Lebh. Beifall und Zustimmung im Zentrum.) Der Redner führt einen typischen Fall gn: In einer westfälischen Stadt hatte sich ein einfaches Manufakturwarengeschäft als Hamburger Engroslager bezeichnet, obwohl die Ware weder aus Hamburg stammte, das Geschäft nicht nach Art deS Hamburger Engroslagers eingerichtet und überhaupt keine Beziehungen zu diesem halte. Die Dortmunder Kammer für Handelssachen und in zweiter Instanz das Oberlandesgericht in Hamm batten der Strafanzeige eines örtlichen Gewerbeoereins entsprechend den Firmeninhaber verurteilt, das Reichsgericht hat ihn freigesprochen mit der Begründung: „es lägen keine Angaben tatsächlicher Art vor, sondern nur Kundgebungen subjekttver Anschauung". «Heiterkeit.) Der tlagenbe Verein hat über 1500 Mark Kosten gehabt; es ist begreiflich, wenn den Vereinen nach derartigen Erfahrungen die Lust zum Klagen vergeht. Die Gefchäftswell hat dieses Gesetz einmütig mit großer Freude begrüßt; da sollten wir nicht durch Aufrechterhaltung eines Hauptsteines deS Anstoßes ihr von vornherein das Vertrauen nehmen. Wer es mit dem Mittelstand gut meint, muß die beiden Worte streichen. Der Redner bittet deshalb aufgrund feiner Ausführungen, seinen An trag auf Streichung dieser Worte anzunehmen. (Lebh. Beifall.)
Reg. Kommissar Geh. Oberregierungsrat Dunge meint, die Streichung der Worte berge eine große Gefahr für das ganze Leben in sich und bittet deshalb, die Worte aufrecht z« erhalten.
Abg. Arnold (kons.) erklärt, feine politischen Freunde würden dem Antrag Roeren znstimmen. (Lebh. Bravo! im Zentrum'.
Abg. Linz (Rp.) spricht sich für, Abg. Frank (Soz.) gegen den Antrag Roeren aus.
Vizepräsident Dr. Paasche teilt mit, daß ein Antrag auf namentliche Abstimmung über den Antrag Roeren eingegaugen fei.
Abg. Dr. Junck (natlib.) und Abg. Neumanu-Hofer (freif. Bgg.) erklären sich gegen den Antrag Roeren. Letzterer meint, daß der Antrag auf namentliche Abstimmung geradezu etil demagogisches Vorgehen sei.
Abg. Roeren (Z.) weist darauf hin, daß der Antrag aus namentliche Abstimmung nicht von den Antragstellern eingebracht fei. Er bitte um Annahme seines Antrages, well dieser den dringendsten Wünschen des gesamten gewerblichen und kaufmännischen Mittel standes entspreche. (Beifall im Zentrum.)
Abg. Werner (Rfp.) zieht den Antrag aus nament- liche Abstimmung zurück.
Der Antrag Roeren auf Streichung der Worte „tatsächlicher Art' wird mit großer Mehrheit gegen Sozialdemokraten, Freisinn und einen Teil der Nationalliberalen angenommen.
eisiger stummer Schrecken schien über sie gekommen. —
Isabel Wayne beobachtete alles mit gespannten, neugierigen Augen.
Was bedeutete ba§? Wohin war Lady Wayne gefahren? Was war nur vorgefallen?
Lord Wahne hatte hastig hergeschickt und sie fragen lassen, ob sie die Sorge für das Hauswesen eine kurze Zeit lang übernehmen wolle, während Lady Wayne und er abwesend seien — aber warum das nur, warum?
Es war vorher nichts von einer solchen Reise erwähnt worden.
Sie hatte Lord Wayne flüchtig zu Gesicht bekommen, und seine Miene hatte sie erschreckt, ein blasser stiller, unverwischbarer Kummer war darin ausgeprägt.
Wie das Gerücht zuerst entstanden, wußte kein Mensch, aber es verbreitete sich langsam, un- merklich: „Es ist mit Lady Wayne nicht alles in Ordnung."
Was es war — das wußte niemand. Die Leute trafen sich, sahen sehr teilnahmsvoll und geheimnisvoll aus, dann fragten sie sich:
„Haben Sie diese merkwürdige Geschichte von Lady Wayne schon gehört?"
„Darm, wenn sie dazu kamen, die Geschichte zu erzählen, war jede Lesart anders, und keiner wußte so recht und bestimmt, was eigentlich nicht in Ordnung war.
„Etwas, was mit diesem schrecklichen Mord in Verbindung sicht", sagte der eine.
Ein anderer behauptete: „Nein, es ist eine sonderbare Geschichte über eine frühere Heirat an s Licht gekommen."
Niemals war Mrs. Isabel Wayne so unaus- gefetzt in Anspruch genommen gÄvesen, wie jetzt. Dir Herzogin von Chisledon kam angefahren in brennender Eile, neugierig, erregt, glücklich.
„War es wahr? War wirklich mit Lady Wayne etwas nicht in Ordnung?"
Zur allgemeinen Enttäuschung hätte Mrs. Isabel Wayne nichts in erzählen. Die Mordtat
Zu 8 6 wird ein Antrag Müller-Meinmgen (steif. Vp.) angenommen, wonach vor der Entscheidung der Verwaltungsbehörde betreffend Ankündigung bestimmter arten von Ausverkäufen die zuständige gesetzliche gewerbliche und Handelsvertretung zu hören ist.
§ 10a stellt das Geben und Annehmen von Schmiergeldern unter Strafe.
Die Sozialdemokraten beantragen Streichung dieses Paragraphen. Die Abgg. Dr. Mugdan (freif. Vp.), Dr. Potthoff (freif. Bgg.) und Dr. Frank-Mannheim (S.) treten für den sozialdemokratischen Antrag ein.
Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg,, Graf Carmer (!.), Lin» (Rp.), Dr. Bitter (Ztr.), CarftenS (freif. Vp.) und Dr. Junck (Ml.) bekämpfen den sozialdemokratischen Antrag.
Der Antrag wird abgelehnt.
Bei § 10b verlangt
Abg. Sir (Zentr.), daß Maßnahmen gegen das Lo ckmittelunwesen getroffen würden.
Von teilen bei Regierung wirb erwidert, baß das gegenwärtige Gesetz schon eine Handhabe biete.
Der Rest wird ohne besondere Debatte unverändert angenommen.
Dienstag: Drstte Beratung des Gesetzentwurfs betr. Viehseuchen mid unlauteren Wettbewerb. Kleinere Vorlagen. .
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 17. Mai 1909.
Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt
Abg. Dr. Hetz (Z.), daß es ihm ferngelegen habe, den Abg. Maurer durch seine Darlegungen persönlich zu verletzen.
Abg. Friedberg (ntl.): Ich habe dem Abg. Heß bei der neulichen Verhandlung einen Vorwurf daraus gemacht, daß er bei Vorbringung des Essener Falles von der bereits im Januar erfolgten Abstellung der Mißstände Kenntnis gehabt und trotzdem die Angelegenheit hier vorgebracht habe. Nachdem Herr Dr. Heß erklärte, daß er von jener Revision im Januar nichts wußte, ist mein Borwurf unhaltbar geworden, und ich nehme ihn hiermit zurück.
Abg. Malkwitz (kons.) erklärt auf eine Bemerkung des Abg. Hoffmann von Samstag hin, daß er weder der Sozialdemokratie je angehört noch irgendwelche Beziehungen zu ihr unterhalten habe.
Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung eines Gesetzentwurfs über den Bergwerks - betrieb ausländischer furistischor Personen.
Abg. Dr. Hager iZ.) führt aus, daß begründete Bedenken gegen das Gesetz nicht vorliegen. Die Beschränkungen, denen die außerpreußifchen deutschen Gewerlschaften unterworfen werden sollten, seien durch gewisse Unzuträglichkeiten erforderlich geworden. Selbstverständlich könnten und dürften bieletben einem Reichsberggesetz nicht im Wege stehen. Die Ausdehnung der Gewerkschastsreform auf Hannover fei erstrebenswert.
Nach weiterer unerheblicher Debatte wird der Entwurf angenommen.
Es folgt dir zweite Beratung der
Berggefetznovelle.
In Verbindung damit sollen beraten roeroen.
a) Antrag Dr. Szuman (Pole) betr. die geheime Wahl der Knappschaftsättesten, dir Einführung von Vertrauensmännern der Bergarbeiter und die Einführung des Achtstundentages in den Bergwerken; bi Antrag Aronsohn (frf. Vp.) betr. Einführung von Vertrauensmännern der Bergarbeiter und die reichsgesetzliche Regelung des Bergrechts; c) Antrag Jmbusch (Ztr.) betr. die Mitwirkung der Bergarbeiter bei der Grubenkontrolle und die reichsgesetzliche Regelung der Bergardeiterverhältnisse; d) Antrag Krause-Waldenburg und Frhr. v. Zedlitz (frk.) betr. die Verantwortlichkeit der Bergwerksbetriebsbeamten und Werkbesitzer und die Mitwirkung der Arbeiterausschüsse bei der Grubenkontrolle.
Die Kommission beantragt, diese Anträge durch die Beschlußfaffung über das Gesetz für erledigt zu erklären.
Zu der Berggesetznovelle selbst liegt eine ganze Reihe von Anträgen vor.
In der allgeuieinen Besprechung geht
war wirklich sehr unangenehm, ein sehr störender Zwischenfall gewesen. Lord und Lady Wayne wären in London, sie wüßte nichts darüber, wann sie zurück ettvartet würden.
„Was war denn eigentlich nicht in Ordnung?"
Sie. bedauerte, das wußte sie nicht. —
Am Tage nach Lady Wayne's eiliger Abreise wurden die Ueberreste des armen Jack zu Grabe getragen.
Noch lange, lange vorher erzählte man von dem wilden Schmerze der Mutter — sie und Werner waren l je . nzrgen Leidtragenden — wie sie laut ^weuu und geschrieen, allen Trost zu- :jgtnx.’ien habe, und wie man, als der Sarg ins Grab gelassen worden, sie nur mit Mühe darin verhindern konnte, nachzuspringen, wie sie kmt gerufen, daß Gott die strafen würde, die das getan, die sie ihres einzigen Sohnes beraubt hätten.
Lord Wahne hatte die Anordnungen für das Begräbnis getroffen, es war nichts vergessen, nichts gespart worden, und während die Leute wnherstanden und seine Freigebigkett lobten, sahen sie sich gleichzeitig etwas sonderbar an und fragten:
„Was ist dies eigentlich für eine Geschichk mir seiner Frau?"
Ja, was war es? — Fragt die flüsternden Linden, die alles gesehen, fragt den tröpfelnden Regen, der fo lange schon das Verhängnis verkündet, fragt die schöne jugendliche Tochter deS Hauses, die in stummem Erstaunen in einen fremden Hause fitzt, fragt die schlaue, lauernde Verwandte, die nie die Augen zutut und immer die Ohren offen hat.
Und antworten hätte augenblicklich noch keiner von ihnen können — das Geheimnis blieb vorläufig noch Geheimnis — niemand wußte augenblicklich^ daß Evelyn Lady Wayne ihrem ersten Verhör wegen vorsätzlichen Mordes ent- aegensah.
Abg. Beuchelt (kons.) auf die einzelnen Punkte bet Vorlage ein und betont, daß darin nach Möglichkeit die Wünsche der Werkbesitzer wie der Gewerkschafts- Organisationen berücksichtigt feien, und daß auch die Konservativen verschiedene Wünsche zurückgestellt und mehreren Punkten zugestimmt hätten, gegen die sie anfänglich Bedenken gehabt hätten, um allen bürgerlichen Parteien die Annahme der Vorlage zu ermöglichen.
Abg Goebel (Ztr.) erklärt, feine Partei halte nach wie vor an reich?gejetzlicher Regelung fest. Durchaus einverstanden sind meine politischen Freunde mit der Regelung der sogen. Qualifikation für die Aussichls- beamten, ebenso mit der Regelung des Verfahrens bei Aberkennung der Qualifikation. Im weiteren tadelt Redner die Krittk der Oppelner Handelskammer an der Aeußerung des Ministers bei der Begründung der Vorlage m erster Lesung. Den Arttkel 2 der Vorlage begrüßen meine Freunde mit besonderer Freude. Sie stehen aber dem Punkt mit gemischten Gefühlen gegenüber, daß an die Stelle der in der Vorlage vorgesehenen großen Zahl der Sicherheitsmänner nut ein kleines Kollegium getreten ist, das von den Sicher-, heilsmännern selbst aus ihrer Mitte gewählt ist. Zum Schluß bittet Redner, die Zentrumsanträge anzunehmen. (Beif. im Zit.)
Abg. Krause-Waldenburg (freit) lehnt ein Reichs«, berggesetz ab und ist damit einverstanden, daß der An-, trag feiner Partei durch Annahnze des Gesetzes sät erledigt erklärt wird.
Abg. Wolff-Lissa (fr. Bgg.) hätte gewünscht, daß die Regierungsvorlage bestehen geblieben wäre, und meint, einzelne Bestimmungen seien ungenau. Seine Partei siehe auch auf dem Staudpuntt einer reichsgesetzlichen Regelung.
Abg. Dr. Röchling (natt): Ein Reichsberggesetz ist weder notwendig noch erwünscht Trotz mancher Bedenken stehen wir dem gegenwärtigen Gesetzentwurf sympathisch gegenüber. Alles, was zur Erhöhung der Sicherheit von Leben und Gesundheit der Bergarbeiter, bient, findet unsere Unterstützung. Doch können wir, uns nicht für Maßnahmen erwärmen, die andere Zweck«, verfolgen. Die besten Sicherheitsmänner find di», Bergarbeiter selbst. Bestimmungen über die Höhe deS, Lohnes gehören nicht zum Ressort der Arbeüeraus«, fchüfse. Die wirtschaftliche Freiheit der Arbeitgeber, darf nicht eingedämmt werden, wenn eS sich nicht um. Leben und Gesundheit der Arbeiter handelt -
Abg. Flesch (frf. Vp.): Wir find grundsätzlich füti ein Reichsberggesetz. Wenn wir auch nicht verkennen," daß die Vorlage manchen Fortschritt bringt, so find, wir doch vorläufig der Ansicht, daß es beffer wäre, der Regierung ihren Entwurf wieder zurückzugeben.
Abg. Seinert (So;.): Das Gesetz ist für uns un», annehmbar, well das Institut der Sicherheitsmänner, und der Arbeilerausschüsfe ein wirkungsloses Gebilde ist. Mit einem solchen Gesetz läßt sich der Fried«, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern nicht herbeiführen. Die Werksbesitzer werden fortfahren, die' Arbeiter als Arbeitstiere zu betrachten, von denen fi« Kadavergehorsam fordern müssen. Das Gesetz ist btt», tiert von Haß gegen die Arbeiterorganisationen. ES gibt den Arbeitern Steine statt Brot.
Abg. v. Wohna (freikons.) erklärt sich für di« Vorlage.
Abg. Brust (Ztr.) stellt fest, daß die Forderung vollständig freier vom Staate besoldeter Arbeiterkon». trolleure von den christlichen und Hirfch»Dunckerschen Gewerkschaften nicht erhoben worden sei. Auf einer Bergarbeiterversammlung in Recklinghausen hätten sich die christlichen Bergarbeiter auf den Boden der Vorlage gestellt. An dem Berliner Bergarbeiterkongreß hätten sich die christlichen Bergarbeiter nicht beteiligt Um. den Frieden zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu fördern, habe das Zentrum eine Reihe von Abänderungsanträgen gestellt, auf die man später zurückkommen werde.
Abg. v. Gescher (kons.); Die Opposition der Ar» beiter gegen die Vorlage geht vielleicht von der Er» wägung aus, daß, wenn dieses Gesetz nicht zustande komme, eine reichsgesetzliche Regelung erfolge. Eine solche halte ich für ausgeschlossen. Es handelt sich hier um polizeiliche Vorschriften. Solche kann man nicht in das Reichsrecht aufnehmen. Wir werden für da- Gesetz ftimmen.
Dienstag: Köhl brand Vorlage, Bergwerksbetrieb ausländischer juristischer Personen, Rest der heutigen Tagesordnung.
74. Kapitel.
Die Welt und ihre Meinung.
Die Wahrheit wurde bald bekannt Wie man dahintergekommen, wußte niemand. Die sonderbaren Gerüchte, die Klatschgeschichten, die dunklen Andeutungen wurden endlich klar. Die Leute auf und bei Keninghall trafen sich, sahen einander entsetzt an und flüsterten sich gegenseitig zu, daß Lady Wayne des vorsätzlichen Mordes angeklagt fei.
Nie war eine solche Erregung, ein solches Aussehen dagewesen. Was, — die liebliche und liebenswürdige, königliche Frau, die sett so vielen Jahren unbestritten in der Grafschaft dominiert und sich durch ihre bezaubernde Anziehungskraft die abgöttische Verehrung aller erworben — und Mord? Es schien unglaublich.
„Wer war denn der Ermordete?" fragte man, und die Antwort warf auch kein Licht auf das Geheimnis — „Der Bruder von Lord Romsey's Sekretär."
Was hatte er denn mit Lady Wayne zu schaffen? Weshalb hätte sie ihn ermorden sollen?, Woher kannte sie ihn, was wußte sie denn über- Haupt von ihm? Eine kurze Zeit lang wunderte man sich, plauderte, klatscht, kombinierte und, erfand; dann kam so etwas wie ein Schimmer der Wahrheit. Eine Geschichte über Lady Wavne's Leben vor ihrer Verheiratung war an's Licht gekommen, und der Ermordete stand damtt im Zusammenhang«.
Die Herzogin von Chisledon triumphierte. Wieder fand sie sich als „Königin der Grafschaft" fester denn ie auf dem Throne, von welchem ihre Nebmbuhlerin so plötzlich herabgestiegen.
„xjd) habe mich nie täuschen lassen," sagten ■avte Durchlaucht „Vom ersten Augenblick an, wo ich Lady Wahi« in meinem Ballsaale gesehen, habe ich eine böse Ahnung gehabt. Die Jahre haben bewiesen, daß mein Instinkt ein richtiger war. Die ganze Grafichast hat sich düpieren lassen." " " (Forti, folgt.) '