uldaer
36. Jahrqanq
»ie auswärts 1-50 Ml.
Perantw. Nedaktenn Carl Schütter für die Anzeigen:
I.parzeller In Lnlda.
DPhrtnt tü-Nch
Ausnahme bet so.m* und Feiertage, viertel'
i An;:igen: vie e«.
▼ J fpattige Petitzeile oder
/ yA 4A deren Bannt 15 pfg.
R H H ■ MM NeNamendtePeiitzeile
W g ZI II fl E 2S Pfg, bet wieder.
Mi WßM MM ZBMMMM Holungen wird entspr.
» M 1 JL äSL B | b| Rabatt gewährt.
M Hotatiottsbrtttfunb
Verlag der Zuldaer Al-
, , , , -««11 ii tiendruckerei in Luld«
Monattbellage: „$UlbGCt GeschichtZvlMer s«nfp«$« ur. 9.
Drittes Wtcrtt.
□ Die Koedukation.
Die Beratung Les Kultusetats im preußischen MpeorLnetenbause war in den letzten fahren stark in den Hintergrund geraten, weil die V'rab- schiedung des Etats vor dem 1. April eine längere Aussprache nicht zuließ. In diesem ^ayre hat die Verschleppung des Etats über den 1. April hinaus das eine Gute gehabt, daß die Erörterung der wichtigen Fragen, die in den Bereich des Kul- tusministerrums gehören, ausgedehnter und leben- drger war, als es sonst der Fall zu sein pflegte.
Aus den vielen Fragen, die bei di-ftr Ge- tlegenheit zur Erörterung gelangt sind, ist mit an erster Stelle die Frage der gemeinsamen Erziehung der männlichen und weiblichen Jugend hervorzuheben. Die Frau -drängt sich ja immer mehr in die Erwerbs'Ge- legenheiien der Männer hinein, und die Führer dieser Richtung unter den Frauen verlangen mit Energie eine Reform der Mädchenbildung auch in der Richtung, daß Jungen und Mädchen in derselben Klasse erzogen werden sollen. Der Kampf um diesen „Fortschritt" darf nunmehr als «ittschieden angesehen werden. Die Würfel sind Segen die radikalen Frauen gefallen.
Die Frage der gemeinsamen Erziehung der gesamten gleichaltrigen Jugend hat so heißuni- stritten werden können, weil die Vorkämpferinnen der Frauenoewegung in der Zustimmung zu die- 1;r radikalen Forderung ein Enrscheidungsmerk- mal für die mehr oder weniger fortschrittliche oder rückschrittliche Ansicht des einzelnen Politikers sahen. Wer nicht für die gemeinsame Er- ziehung, die „Koedukation" war, der war „rückschrittlich". Tie Entscheidung ist sehr erschwert worden, weil aus der Angst, sich „rückschrittlich" zu charakterisieren, manche Leute ihrer praktischen Erfahrung gegenüber eine unverständliche und unhaltbare Gefühlspolitik trieben. Die Praxis hat aber, und zwar vorzüglich in Amerika, unabweisbare Belege dahin erbracht, daß Jungen und Mädchen im gleichen Alter nicht gleichartig sind, daß dieselben Stadien nicht bloß der körperlichen, sondern auch der geistigen Entwickelung in verschiedene Jahre fallen, sodaß sich eine gemeinsame Erziehung, wenn man ein gutes Resultat erzielen will, nicht ermöglichen läßt. Diese Wahrnehmung bricht sich in 'B’retnigten Staaten, dem Lande der Ueberfreiheiten, immer mehr Bahn, und heute leugnet dort schon niemand mehr, daß man es mit einem verfehlten Experiment zu tun hat. Die gemeinsame Erziehung ist also abgetan. Dort freilich, in kleinen Gemeinden, wo die Kindererziehung ohnehin die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinden aufs äußerste in Anspruch nimmt, wird kein Mensch etwas dagegen haben, wenn die gemeinsame Erziehung in Volksschulen, sofern sie von altersher überkommen ist, beibehalten wird. Bei Volksschulen ist die Sache doch noch anders zu beurteilen als vom Standpunkt der höheren Schulen mir Schülern im fortgeschrittenerem Älter.
; Daß in der Frage der Koedukation der Radikalismus in der Frauenbewegung eine schlanke Niederlage erlitten hat, zeigte im Abgeordnetenhause die Tatsache, daß die Redner aller Parteien — vielleicht mit Ausnahme der äußersten Linke — die gemeinsame Erziehung als abgetan behandelten. Ein Teil von ihnen steht noch unter 6em Einfluß der Frauenbewegung, und dieser Teil warf denn auch die Flinte nicht ohne weiteres ins Korn, er verlangte wenigstens die Zulassung «inzelner Mädchen zu den höheren Knabenschulen. Die preußische Negierung ist bereit, -dem Ansinnen wenigstens prüfend entgegenzukom-
"Klemes Feuitteton.
— Eine Anekdote aus des Kaisers Jugendzeit «weiß der Maler Ziem in einer englischen Zeit- ischrist zu erzählen. Der Künstler berichtet, wie er im Jahre 1864 vom Hofe aufgefordert wurde, wach Berlin zu kommen. Der Kronprinz und die ^Prinzessin Viktoria besuchten ihn oft in feinem Ätelier, wo er mit der Fertigstellung von Aufträ- hgcn, die der König von Preußen ihm erteilt hatte, beschäftigt war. Der kleine Prinz Wilhelm faßte ?etne lebhafte Zuneigung für den französischen iKünstler, der oft mit ihm Soldat spielte und ihm zeigte, wie man die kleinen Spielkanonen ab- feuerte, die sein königlicher Großvaier ihm geschenkt hatte. Prinz Wilhelm war damals ein fröhliches, liebenswürdiges Kind, aber bisweilen überkamen ihn phantastische Launen. Manchmal belustigte er sich damit, die Wände mit Ziems Farben zu beschmieren oder er ging mit den Pinseln des Malers auf die Fliegenjagd. „Eines Tages," so erzähll Ziem in seinen Memoiren, „war ich in meinem Atelier, als die königliche Prinzessin sich auf einige Augenblicke entfernte mnd mich mit ihrem Sohne allein liefe. Ich arbeitete an einem großen Bilde, das der König bestellt batte. Alles war still, im Atelier herrschte die größte Ruhe, aber ich svürte wohl, daß diese Dollkommene Stille nicht Ifnge andauern würde ;imi> fragte mich nicht ohne Sorge, welchen Streich Änir der kleine Prinz wohl spielen würde. Plötzlich hörte ich ein Geräusch wie von berstender Leinwand. Mitten durch die Nase einer Göttin, an der ich gerade mit großem Eifer arbeitete, erschien ein kleiner Finger und winkt mit freundlich zu. „Hihihi, Herr Franzose," rief vergnügt äme klare Kinderstimme, „Wilhelm will Sie be- suchen l" Die Kronprinzessin wurde von der Missetat ihres Sohnes verständigt und der übermütige Kleine Prinz erhielt durch die Hand seiner Mutter
men. Die Herren aus dem Kultusministerium aber werden sich wohl nicht im Unklaren darüber gewesen fein, daß sie es hierbei mit einem Experiment zu tun haben, das nicht viel anders zu behandeln ist als die Frage der Koedukation über- Haupt. Die Gefahren, die sich hieraus ergeben, sind vielleicht noch bedenklicher als die der allge- meinen gemeinfamen Erziehung. Anderer Art freilich sind sie. Aus dem Kultusministerium ist bei früherer Gelegenheit einmal darauf hinge- wiesen worden, daß den Mädchen, die die höheren Studien betreiben, meistens eine weit über das weibliche Normalmaß hinausgehende Energie eigen ist. Diese Mädchen arbeiten verzweifelt darauf los; sie werden Vnanchen Jungen beschä- men und dadurch in ihren gesamten männlichen Mitschülern das Gefühl der Ueberlegenheit gegenüber dem weiblichen Geschlecht ertöten. Das wäre der erste Schritt zum „Feminismus", zur Weiberherrschaft, die bisher noch jedem Volke verderblich geworden ist. Außerdem sind diese energischen Mädchen gerade wegen ihrer energischen Entschlossenheit für den ständigen engen Verkehr mit Heranwachsenden Knaben erst recht nicht geeignet. Die Aufgabe der Schulverwaltung wird es daher eher sein müssen, den Mädchen einen anderen Weg zur Hochschule zu ebnen, sofern Inan das in stärkerem Maße für nötig erachtet.
Deutsches Reich.
— Der Metzer Beleidigungsprozeß will in der Presse immer noch nicht zur Rübe kommen. Viel Neues kommt habet nicht zutage. Die Berichterstatter der liberalen Presie hatten bekanntlich ihre „objektive Berichterstattung" soweit getrieben, daß sie ein Zeugnis des liberalen Metzer Arztes Dr. Lentz über eine Heilung in Lourdes einfach unterdrückt haben. In diesem Zengnts heißt es: „Ich betrachte den Kranken als geheilt, und muß diese Heilung unbestritten einer wunderbaren Dazwischenkunft (intervention nriraculeuse) zuschreiben!" Den Metzer Hintermännern dec ,Franks. Ztgtt gefällt dieses Attest natürlich nicht besonders, und es hat lange gedauert, bis sie eine geeignete Stellung- nähme gesunden haben. Die ,Frankf. Ztgtt ist jetzt von „kompetenter Seite" zu der Erklärung ermächtigt,
„datz es dem Sanitätsrat Dr. Lentz ganz ferngelegen pat, diese Heilung ass ei« SHJur.bet in dogmatischem Sinne aufjufaffen. Das Wort „unbestritten" ist dem Artest widerrechtlich zugesügt worden. Nach der Erklärung des Dr. Lentz war die Heilung eine solche, wie sie jeder Arzt in seiner Praxis oft genug sieht, die ihm aber außergewöhnlich erscheint. An eine übernatürliche wunderbare Heilung zu denken, ist Herrn Dr. Lentz nicht eingefallen."
Daß das Wort „unbestritten" widerrechtlich in das Attest hineingekommen wäre, wird von anderer Seite als unwahr bezeichnet. Was man unter einer „wunderbaren Dazwischenkunft" im Gegensätze zu einem „dogmatischen Wunder" zu verstehen hat, verrät die Erklärung wohlweislich nicht. Wenn die Sache sich so verhielte, wie sie jetzt gedeutet wird, war der erstere Aus- druck ungehörig. Es dürfte aber wohl richtiger sein, anzunehmen, daß der Ausdruck des Atleftes den damaligen Gedanken des Herrn Dr. Lutz richtig wiedergegeben hat, und die neuere Erklärung als das zu betrachten, was sie ist, als eine Verlegenheitsausrede^
* Kriegervereine und Sozialdemokratie. Der diesjährige Abgeordnetenlag des „Deutschen Kriegerbundes", der am 4. Juli in Eisenach stattfindet, wird eine besondere Bedeutung erhalten, daß auf ihm die Stellung der Kriegervereine
eine sehr tatkräftige Aufklärung über das Tadelnswerte seines Benehmens. -p.
— Wie sich die Bauern zu helfen wissen. Im Wiener Ackerbauministerium spielte sich dieser Tage eine merkwürdige Szene ab. Die Bewohner des Karstgebietes hatten schon wiederholt um eine Unterstützung zur Vernichtung der Heuschrecken ersucht, die Bitten blieben jedoch stets unberücksichtigt. Dre Bewohner des Bezirks Selana sandten daher vorige Woche an das Ackerbauministerium zwei große Kisten mit lebenden Heuschrecken. Der Acker- bauminifter bewilligte sofort, nachdem er von dem merkwürdigen Inhalt der Kisten Kenntnis erhalten hatte, 10000 Kronen Unterstützung.
— Zeitungsblüten. Ter Stadtanzeiger der,Köl- nischen Rettung' enthielt in Nr. 150 folgende Anpreisung eines Schuhwarengeschäftes: „Empfehle meine Spezialmarken Herren 9.60 M., Damen 5.50 Mark. Ferner farbige Damen von 7.50, Herren 9 Ni. an, Kinder in schwarz und farbig besonders billig. — Der ,Spremberger Anzeiger^ berichtete in Nr. 89 aus Stuttgart: „Ter Ballon „Württemberg", der in Kannstadt aufgestiegen war, ist nach zweistündiger Fahrt bei Luneviüe gelandet. Die Landung gestaltete sich sehr schmierig."
— Die gelehrte Köchin. Der neu eingetretenen Köchin sage ich, fo erzählt eine Leserin der ,Tgl. Rüsch.', daß Kartoffelbrei gemacht werden solle; fragend sieht sie mtch an und sagt, sie wiffe nicht, wie der zubereitet werde. Als ich ihr die Zubereitungsweise genau erkläre, sagt sie lebhaft und erfreut: Ach, gnädige Frau meinen Kartoffelpüree — ja natürlich, das kenne ich!
— Beider Schulprüfnng. Lehrer (zum kleinenJsi. dor, der sehr schlecht in Brüchen rechnen kann): „Wenn ich zu einem Anzug 3*la Meter Stoff brauche und das Meter kostet 2’/* Emden, was kostet mich der Anzug?" — Isidor: „Ernstes, Herr Lehrer, haben Sie an drei Meter genug und um zwei Gulden bekommen Sie bei uns heute einen guten Stoff — kostet Sie der Anzug sechs Gulden!"
gegen die Sozialdemokratie feftgelegt wer- ben wird. Es wird dort, wie verlautet, bestimmt werden, daß die Zugehörigkeit zu dem Deutschen Kriegerbund bezw. zu einem Kriegerverein die Zugehörigkeit zu der sozialdemokratischen Partei ausschließt. Bisher waren über diese Frage oroße Zwistigkeiten in dem einen oder anderen Orlsverem entstanden. Allerdings wurde es im allgemeinen in der Praxis so gehandhabt, daß Sozialdemokraten in Kriegervereinen keine Aus- nähme sanden, Nunmehr soll dies auf der Elienacher Tagung bindende Kraft für alle Mitglieder der deutschen fhtegeroereine erhalten. Es ist diese Maßnahme eigentlich etwas Selbstver- siändlickes. Die Kriegervereine sind Sammelpunkte für gewesene Soldaten, die ihrem Kaiser und König Treue geschworen haben. Die Sozialdemokraten sind gegen Kaiser und Reich gestimmt, haben also auch fein Anrecht darauf, in kaifer- und köniastreuen Vereinen Aufnahme zu finden.
— Esten, 13. Mai 1909. Herr Direktor Biese vom „Klassen".Ghmnasium in Essen sucht jetzt in dem Vorgehen gegen die von ihm eingesührien merkwürdigen Zustände eine „ultra- montane Tendenz" herauszufinden. Er meint, die „Aufdeckung einer marianiichen Kongregation" durch ihn habe bei den „Ulttamontanen" vielleicht besonders verstimmt. Das,st ein plumper Schachzug. „Ultramontanismus" und „mariamsche Kongregation" willen ja allerdings aus gewisse Leute, wie das bekannte rote Tuch. Wie die ,Estener Volkszeitung' aber feststellt, hat am Essener Gymnasium während der Amtswirksam- feit des Direktors Bieie niemals eine mariamsche Kongregation bestanden, er hat eine solche also auch gar nicht aufdecken können. Dagegen ist es richtig, daß Direktor Biese 1904 durch die einzelnen Klassen gegangen ist, um diejenigen Schüler sestzustellen, die in ben einzelnen Pfarrgemeinden einer kirchlichen Vereinigung angehörten, und hat sie bei Androhung der Entlassung aufgefordert, aus diesen Vereinigungen auszutreten. Herr Biese war der einzige unter den Direktoren der Esiener Lehranstalten, die damals sämtlich nicht katholisch waren, der ein derartiges verletzendes Vorgehen beliebte. Die damaligen Vorgänge haben aber mit der jetzt zur Debatte stehenden Frage absolut nichts zu tun; irgendwelche „uitramoniane"Einflüsse haben sich nicht geltend gemacht, als in der Presse die soziale Imparität und die tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Direktor und Lehrerkollegium zum Austrag gebracht wurden.
Am dem Nachbargebiete.
[?!) Florenberg, 14. Mai 1909. Die von der Firma Sauer zu Frankfurt a. d. O. für die hiesige Pfarrkirche gelieferte neue Orgel wurde von dem Herrn Domorganisten Rübsam aus Fulda und Lehrer Schnippering von Schmalnau abgenommen und in jeder Beziehung als gelungen bezeichnet. Sie macht der Firma alle Ehre. Sie kostet ohne Gehäuse, wozu das der alten Orgel verwandt wurde, 4470 Mk. — Die 3 des Einbruchsdiebstahles auf dem Florenberg Verdächtigen wurden nach vierwöchiger Untersuchungshaft wieder entlassen, da der Verdacht nicht aufrecht erhalten werden konnte.
♦ Vacha, 13. Mai 19<9. Das Einsetzen der gestern eingetrosseneu 10 000 Stück Aalbrut hat heute vormittag in der Werra und Oechse stattgefunden. Die Sendung war vom Deutschen Fiichereiverein in Hamburg an den hiesigen Gemeindevorstand gerichtet worden. Demnächst soll auch eine Sendung Karpfenbrut in Werra und Oechse eingesetzt werden. — Zu der Mordaffäre auf dem Gute Bussngraben wird mitgeteilt, daß es nunmehr als feststehend betrachtet werden kann, daß der polnische Arbeiter Krecho- wicz von seiner Frau und deren Bruder, dem Arbeiter Roman Didenko, erwürgt worden ist. Letzterer hat die Tat bereits eingestanden.
* Frankfurt a. M., 14. Mai 1909. Der Bürgermeister des kleinen hessischen Ortes Lillings bei Dieburg hat sich erhängt. Man nimmt als Ursache ein nervöses Leiden an. — Das Zeppelin'sche Lustschiff wird Mitte September nach Frankfurt kommen und bis zum Ende der Ausstellung dableiben.
* Spangenberg, 14. Mai 1909. Am Freitag der vergangenen Woche starb im 87. Lebensjahre der älteste Einwohner unserer Stadt, der Tam- bor Johannes Sinning, und am Sonntag wurde er unter überaus großer Beteiligung zur letzten Ruhe gebettet. Mit ihm ist auch ein Stück Spangenberger und hessischer Geschichte zu Grabe getragen worden, denn der Verstorbene war der letzte Spangenberger Schloßsoldat. Er diente zuerst 10 Jahre beim Kurhessischen Leibgarderegiment und nahm auch vom 10. April 1849 bis zum 19. Juli an dem Feldzug gegen Dänemark teil.
* Aus Nassau, 12. Mai 1909. In dem Taunusdörfchen Bremthal erlitt die Ehefrau des Landwirts Schmidt, die beim Kochen dem Herdfeuer zu nahe kam, schwere Brandwunden, daß sie bald darauf starb. Ihr Ehemann und der Lehrer Nebgen, die die Flammen ersticken wollten, trugen schwere Brandwunden an den Händen davon.
[:] Limburg a. L., 14. Mai 1909. Die diesjährige Generalversammlung des Verbandes deutscher Ge birg s- und Wand er vereine, dessen 25jährige Jubiläumsfeier vom 29. bis 31. August 1908 in Fulda stattfand, wird in den Tagen des 11., 12. und 13. September im Lim- bürg abgehalten werden.
* Heiligenstadt, 13. Mai 1909. Der hochw. Bisch os von Süd-Schantung in China Msgr. Ephrem Giesen, ist Mittwoch nachmittag 5 Uhr in Heiligenstadt, wo sein Prioatsekrelär der von hier gebürtige Pater Wand, sich gegem wärtig besuchsweise aufhält, eingetroffeu.
Literarisches.
Moral und bildende Kunst. Von Dr. Alois Wurm (23. Heft der Sammlung „Glaube und Wissen".) 108 S. 8°. München 1909. Münch. Volksichriftenverlag. Preis 50 Pfg.
Wie verhalten sich Kunst und Sittlichkeit zu einander? Die einen sagen, die Kunst brauche sich von der Sittlichkeit gar nichts einreden zu lassen. Die anderen verwerfen ftdes Kunstwerk, das geeignet ist, auf irgendwelchen Menschen un- moralisch zu wirken. Wurm, der sich vor allem durch seine Studien über Fra Angelico als feinsinniger Kunstkritiker erwiesen hat, trägt in vorliegendem Werkchm Grundsätze vor, die keiner unberücksichtigt lassen darf, welcher Richtung immer er angehören mag. Vorsichtig fastend sucht er den Mittelweg und er dürfte ihn gefunden staben. Die praktischen Fingerzeige, die er gibt, werden den Künstler und den Moralisten zu befriedigen vermögen.
vermischtes.
" Elektrische Bahnen von Bon» nach Sieg bürg und Honnef befchlosfen die Stadtverordneter von Bonn sowie die Kreistage des Landkreise? Bonn und des Siegkreises zu bauen.
* -Schwindler in der Sommerfrische. Jv Putzig wurden zwei Sommergäste aus Zoppot, welche sich unter den Namen van den Dyk, uni Leo Wellnich aus den Rheinlanden in die Fremdenliste eingetragen hatten, festgenommen. Dir Polizei hatte in ihnen Bergbeamte aus Saarbrücken erkannt, die von dort nach Nnterfchlag- ungen in Höhe von 50,000 Mark gefluchter waren. Es wurden noch 35,000 Mark in bar bei ihnen gefunden.
* Beim Zudecken einer Jauchegrube in dem Hunsrückendorfe Schnorbach wurde eine Dienstmagd infolge Einatmung giftiger Gase ohnmächtig. Die zu Hilfe eilende Hausfrau brach ebenfalls zusammen, ebenso der hinzukommende Ehemann. Dieser fiel in die Grube. Drei weitere Personen wurden bei dem Rettungsversuch ohnmächtig. Die Dienstmagd ist schwer erkrankt. Ter Hausherr ist tot, die übrigen Personen sind auf dem Wege der Besserung.
* Großstadt-Jugend. In Berlin griff die Polizei einen Schulknaben auf, der eine Räuberbande gründen wollte. Er wollte der „Hauptmann" fein und hatte sich bereits Revolver, einen Gummischlauch, Taschenmesser und Schlagring zu diesem Zweck gekauft. Das Geld hatte er feinem Vater gemaust. So was kommt von der Schundliteratur.
* Professor Dr. Heinrich von Ranke in M ii n- dj e n, ein berühmter Kinderarzt, ist hochbetagt gestorben. Ein Bruder des Verstorbenen ist der bekannte Anthropologe Professor Johannes vo« Ranke.
* Dynamit in einet Kerze. Aus dem B e h - rnter Zollamt machte man eine furchtbare Entdeckung. Eine aus Rußland angelangte Nresenkerze für die heilige Grabeskirche, die angeblich von einer frommen russischen Ac-siokratin abgeschickt war, fiel einem Beamten durch ihr ungewöhnliches Gewicht auf. Als man eilte Nadel in die Kerze bohrte, stieß sie auf Eisen. Tie sofortige weitere Untersuchung ergab, daß si: d r e i Kilo Dynamit enthielt.
'Ein Geständnis nach 100 Jahren. Bukarester Zeitungen berichten über einen unglaublich klingenden Vorfall. In der Gemeinde Darina- nefti (Bezirk Bacau) starb dieser Tage ein gewisser Mazilu in dem ungewöhnlich hohen Alter von 125 Jahren. Auf dem Totenbette gestand der Greis, daß er im Alter von 25 Jabren, also vor 100 Jahren, an der ungarischen Grenze in der Nähe des Dorfes Pojawa feine Geliebte ermordet habe. Mazilu schilderte den Mord in allen Einzelheiten. Ueber das Geständnis wurde von der Behörde ein Protokoll aufgenommen.
— Käufer. „Ich lasse Ihnen also meine Adresse hier und bitte, ein vollkommen verläßliches Thermometer mir ehestens nachzusenden." — Optiker: „Nach Reaumur?" — Käufer: „Nein, nach Pinne!"
Reklamen- und Anzeigenteil.
Wenn Sie Ihr Kind
gesund, munter und geistig frisch sich entwickeln sehen wollen, so geben Sie ihm Dr. Hommel's Haemarogen. gaffen Sie sich jedoch (eme der vielen Nachahmungen auf- reden!
Verleihanstalt wasserdichter Zeltdecken zu Festlichkeiten!