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JV5 109.

Fulda, Freitaa, den 14. Mai 1909.

36. Jahrqanff.

Giftes WleltL.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 13. Mai 1909.

Auf der Tagesordnung stand zunächst die erste Lesung der am 13. November 1908 zu Bern abgeschlos­senen revidierten

Berner Uebereinkunft

zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst.

Staatssekretär v. Schön: Die Revision ist auf Grund der Wünsche des Reichstags bezüglich einer allgemeinen Ausdednung des Urheberschutzes vorge­nommen worden. Das Ergebnis der Konferenz ist zu begrüßen, wenn auch einige Staaten, wie Rußland und die Vereinigten Staaten, beiseite stehen.

Die Abgg. Junck (ntl.), Dr. Pfeiffer (Ztr.), Müller- Meinmgen (frs. Vp.>, Dietz (Soz.s, Dope (frf. Bgg.) und Henning (kons.) sprachen ihre Genugtuung über Den zu stände gekommenen Vertrag aus. Die Uebereinkunft wurde in erster und zweiter Lesung angenommen.

Es folgt die Beratung des Abkommens zwischen Deutschland und Amerika betreffend den gegenseitigen gewerblichen Rechtsschutz,

Die Vorlage, welche bestimmt, daß die Angehörigen des einen Bertragsstaates im anderen keinem weiter« gehenden Aussührungszwang ausgesetzt sein sollen, als im Heimatlande, wird nach unwesentlicher Debatte in erster und zweiter Beratung erledigt. Ebenso

das Münzgesetz, welches lediglich eine Kodifikation des Textes des MünzgesetzeS bringt.

Letzter Gegenstand der Tagesordnung ist die Be­ratung des

BankgesetzeS.

Die Kommission beantragt eine Resolution, welche die Vorlegung eines Gesetzes zur Bekämpfung der Ge- Kren fordert, die dem Publikum durch Banken und nkiers entstehen, die zur Anlage von Depositen oder Spargeldern durch öffentliche oder schriftliche Aufforde­rungen oder durch Agenten anreizen.

Bei Artikel 1 beantragt Abg. Raab (wirtsch. Vgg.) eine anderweite Verteilung der nach Abzug der Divi­denden verbleibenden Einnahme zu dem Zwecke, aus den Ueberschüssen der Reichsbank möglichst viel für das Reich herauszuholen.

Präsident der Reichsbank, Havenstein, bittet den Antrag Raab abzulehnen. Zwar erleide das Reich eine Einbuße, aber die Verstärkung des Notenkontingents Iei erforderlich im Interesse der Stärkung der Reichs- >ant und komme somit auch dem Reich zugut".

Die Abgg. Dove (frs. Bgg.) und Dr. Weber (natl.) sprechen sich gegen den Antrag Raab, Abg. Dr. Arendt (Rp) für denselben aus.

Arg. Faßbender (Ztr.): Auch wir werden den Antrag Raab ablehnen. Wir befürchten, daß er zu einer Verstaatlichung der Reichsbank führt, und daß bei seiner Annahme das Ansehen der Reichsbank leiden könnte.

Abg. Dr. Frank-Mannheim (Soz.) und Abg. Kreth (kons.) befürworten den Antrag.

Die Abstimmung über den Antrag Raab wird namentlich sein und zu Beginn der morgigen Sitzung vorgenommen werden.

Freitag: Biehseuchengesetz.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 13. Mai 1909.

Die Beratung des Etats

wurde beim Etat des Ministeriums des Innern fortgesetzt.

Abg. Schröder-Kaflel (natl.) dankt dem Minister für die Förderung des neugegründeten Volkssparvercins in Wiesbaden und bezeichnet die Ausführungen des Abg. Heckenroth über den Dezernenten für das Jugend­fürsorgewesen, Landesrat Schmitt zu Düsseldorf, als ungerecht und unzutreffend.

Abg. Frhr. v. Zedlitz ffrk.) erörterte die Frage der Verwaltungsreform.

Fm Sanne des Geheimnisses-

104] Aus dem Englischen von 5t. v. Raesfeld.

„Ich hatte einmal einen Traum, datz mein Ge- heimnis bekannt war, es stand auf fsdem Blatt des Waldes geschrieben, jeder Bogel zwitscherte und sang eS aus den Zweigen. Jetzt — jetzt scheint es mir, daß jener Tramn wahr geworden Afti"

Ihre klare süße Stimme erstarb bet den letzten Porten, und Lord Wayne stand und sah sie mit unaussprechlichem Mitleid, Kummer und Trauer in den Augen an. „ t

Der Schlag war fürchterlich für ihn. Er batte sie mit einem Stolze, einer Hingebung und Lei­denschaft geliebt, wie sie selten übertroffen wer­den. Sie war ihm der Inbegriff des weiblichen Ideals gewesen, — vollkommen, uniHdeltg an Ruf, an Schönheit, an Herz, Gemüt und Seele. Er hatte geglaubt, die Seele seiner Gattin, sei wie ein klarer See, der sein eigenes Bild ihm widerspiegelte. Er harte geglaubt, daß sie ihn liebe, wie wenige Frauen lieben — stark, treu und wahr!

Kein schrecklicherer Schlag hätte ihn treffen können, als dies Bewußtsein, daß sie einen an­dern geliebt hatte, bevor sie ihn geliebt, daß sie verheiratet gewesen, bevor sie ihn geheiratet, und ihm dies alles verheimlicht hatte. Es war ein Schlag an die Wurzel, an das innerste Mark sei­ner Liebe, seines Stolzes und seiner Ehre.

, Seine Herzensgute und seine ritterliche Natur ließen ihn jedoch fühlen, daß dies weder die Zeit noch der Ort seien, sich merken zu lassen, wie tief die Wunde war. Wenn je seine Gemahlin hiilfs- und trostbedürftig gewesen, so ioar sie es jetzt.

„Mortimer!" rief sie und schritt auf ihn zu, wandest Dich von mir ab — Tu sprichst wcht — Du kannst mir nicht vergeben!"

Er nahm ihre Hände in die seinen. Ein /Paar helle Tränen fielen ihm die Wangen her­unter.

Abg. Lohmann (natl.) verteidigte die Rechtspre­chung des Kammergerichts in Sachen der Fürsorge­erziehung.

Abg. Dr. Sehda (Pole) fragt den Minister, ob und wann er ihm auf seine bei der zweiten Lesung ge­stellten Anfragen antworten wolle. Es seien Fälle vorgekommen, daß man Die polnischen Fürsorgezöglinge zu germanisieren suche, indem man sie in deutsche Familien schicke. Redner bringt dann eine Reihe von Fällen zur Sprache, wo den Polen die Ansiedlungs­erlaubnis verweigert worden sei. Hierüber wolle er endlich eine klare Antwort haben.

Abg. Hirsch-Berlin (Soz.) wendet sich gegen das Spitzeltum Der Berliner Polizei, gegen die rigorose Handhabung des Vereinsgesetzes gegenüber der Sozial­demokratie und betont zum Schluß, daß die Sozial­demokratie es ablehne, den Etat zu bewilligen.

Abg. Heckenroth (kons.) stellt dem Abg. Schröder- Kaffel gegenüber fest, daß er sich nicht gegen die Per- fönllchkeit des Landesrats Schmitt gewandt, sondern nur betont habe, daß seine Partei prinzipiell die Familienfürsorgeerziehung vor der Anstaltserziehung bevorzuge und daß in der Rheinprovinz die erstere viel zu wenig gefördert werde.

Abg. Lusinsky (Polei wendet fick gegen die über­eifrige Verdeutfchung polnifcher Namen.

Abg. Dr. Wendlandt (natl.) fragt die Regierung, rote es mit dem preußischen Feuerversicherungsgesetz stehe.

Minister v. Moltke erwidert, daß die Vorarbeiten für das preußische Feuerverstcherungsgeietz im vollen Gange seien, und daß die Verdeutschung polnischer Ortsnamen auf Ortsbeschlüffen beruhe.

Nachdem Abg. v. Arnim-Züsedom (kons.) noch leb­haft gegen die Sozialbemokraten polemisiert, wird unter dem Wioerspruch einer großen Minderheit ein Antrag auf Schluß der Besprechung angenommen.

Bei Den persönlichen Bemerkungen beitrettet

Abg. v. Arnim-Zusedom (k.) auf einen Zwilchenruf des Abg. Hoffmann (wofür Vieler einen Ordnungs­ruf erhälti, daß er falsch zitiert habe. (Abg. Hoff­mann ruft: Sie lügen, daß sich die Balken biegen! — Lebhafte „Raus"-Ruse rechts. — Glocke des Präsi­denten.)

Vizepräsident Krause: Herr Hoffmann, ich bitte Sie, nicht zu vergessen, daß L-ie sich hier in an­ständiger Gesellschaft befinden. Ich rufe Sie zum zweitenmal zur Ordnung. (Lebhafte Zustimmung im Hause.)

Der Etat des Ministeriums des Inneren wird bewilligt.

Es folgt die Besprechung eines zu demselben Etat vorliegenden Antrages v. Wenoen (k.) betreffend Ausrottung Der Änimierkneipen.

Minister o. Mottke teilte mit, daß Die Regierung auf eine Abänderung Der Gewerbeordnung hinarbeiten werde dahingehend, daß Die LanDesregierungen er­mächtigt roerDen, Maßnahmen zur Einschränkung oder Ausrottung der »mmtevfneipett zu treffe».

Abg. Dr. Maurer (ntl.) erklärt im Namen feiner Partei, Daß sie dem Anträge zustimmen werde.

Abg. Schmedding >Z.) führt aus, daß seine Partei, die schon früher auf bte Beseitigung dieser Animier­kneipen gedrängt habe. Dem Anträge selbstverständlich zustimmen werde. Er bedauert jedoch. Daß Der Minister nicht mit schärferen Maßregeln gegen Die Animier­kneipen vorzugehen gedenke.

Abg. Müller-Berlin (sreis. Vp.) stimmt dem Antrag gleichfalls zu.

Der Antrag v. Wenden gelangt einstimmig zur Annahme; Desgleichen ein Antrag Engelbrecht (srk.) betreffend Nutzbarmachung der agrar statistischen Er­hebungen der nächstjährigen Ergebnisse Der Ausbau- stalistik.

Es folgt der Eisenbahnetat.

Abg. Schmieding (natl.) fragt den Minister wegen Der weiteren Einführung Der elektrisch en Zug - b etriebes und bittet ihn, im Interesse Der Deutschen Industrie mit der Erteilung Der Konzession an Private Nicht zu ängstlich zu fein.

Abg. Dr. Gottschalk-Solingen «natl.) kommt auf die Stadtverordnetenwahl in Opladen zurück, wo em liberaler Ingenieur wegen seines Verhaltens bei Der Wahl vom Minister getaDelt rootDen sei.

Eisendahnmmister v. Breitenbach: Der betr. In­genieur, Der in einem gewissen Autoriiätso rhältnis zu Den Arbeitern steht, hat sich Den ganzen Tag in Dem Wahllokal aufgehalten, in dem die Arbeiter wählten. Es ist nicht angemessen für einen Beamten, daß er Den Eindruck hervorruft, als wolle er kontrollieren,

„Evelyn, ich vergebe Dir. Das einzige Un­recht, bas Du mir angetan, besteht darin, daß Tu mir bas Geheimnis verborgen hast, wo Du es hättest mir mitteilen können — wo Tu mir hät­test vertrauen sollen. Deshalb mache ich Mr aber keinen Vorwurf — ich vergebe es Dir vollständig, aus freien Stücken, ganz und gar. Wenn je eine Frau die Liebe unb Hülfe ihres Mannes nötig hotte, so hast Du die meinige jetzt nötig. Tu hast mir Deine Geschichte erzählt, hast erklärt, was geheimnisvoll schien; nun sag' mir, meine Gattin, was hattest Du mit diesem jungen Manne zu schaffen — was wollte er von Dir?"

„Er war im Irrtum," sagte Lady Wayne schnell, „er hatte etwas von der Sache heraus- bekommen, aber nicht alles. Er glaubte, Marian sei Werner's Mutter, und sie, meine hingebungs­volle, liebende, tapfere Schwester, sie hatte ihn in diesem Jrrtume gelassen — sie hatte edelmütig die ganze Last und Bürde auf sich genommen.

Lord Wayne wandte sich zu Miß West, und bas Licht, das über seine Züge kam, blieb Marian stets unvergeßlich.

„Das weiß ich," sagte er. „Selbst mir gegen­über wollte Marian sich nicht auf Deine Kosten davon reinigen. Evelyn, sie ist eine Heldin es gibt wenige Schwestern wie sie."

„Es scheint mir," sagte Lady Wahne, „daß dieser unglückliche, junge Mensch mit Marian be­reits seinen Handel gemacht hatte. Ich wage Dir wirklich kaum mitzuteilen, Mortimer, was er von mir verlangte."

In Lord Wayne's Gesicht stieg eine leichte Röte. „Habe keine Furcht," erwiderte er trübe. „Nichts wird mich jetzt überraschen."

„Er schrieb mir." fuhr sie fort; „er sandte mir eine kurze Mitettlung des Inhalts, daß er ein Ge> heimnis von meiner Schwester in Händen habe, und daß ich seinem Ersuchen Folge leiste müsse, wenn ihr guter Ruf mir lieb rrnd wert fei. Was er mir zu sagen habe, bedinge äußerste Geheim-

als wolle er einen Druck auf die Arbeiter ausüben. (Sehr richtig 1)

Abg. Graf Spee (Zentr.): Ich kann nur meiner Freude darüber Ausdruck geben, daß der Minister seinen Standpunkt aufrecht erhält.

Abg. Röchling (natl.): Der Einfluß der Geistlich­keit auf die Wähler bei der Stimmabgabe ist unend­lich größer als ihn ein^vorgesetzter Beamter überhaupt haben kann.

Abg. Beyer (Zentr.) bezeichnet es als ein befon' Deres Verdienst des Zentrums, wenn Die Lage der Effenbahnarbeiter sich gebessert habe. Der Redner tntt für eine Besserstellung der Güterbodenarbeiter ein, insbesondere für ihre Befreiung von der Haftpflicht für beschädigte ober verloren gegangene Güter.

Freitag: Weiterberatung.

△ Ein neuer Ritz im Block.

In der Finanzkommission des Reichs­tags kam eS gestern bei der Fortsetzung der Tabaksteuerberatung zu einem Konflikt zwischen den Blockparteien. Da die Mehrheit (Konservative und Zentrum) entgegen einem An- trag des Vorsitzenden der Kommiffion, Abg. Dr. Paasche, beschloß, die Beratung über das Banderole-System bei der Tabaksteuer fortzu- setzen, legte Dr. Paasche den Vorsitz nieder- wor^uf der stellvertretende Vorsitzende, Abg. Dr. Spahn, ihn übernahm. Im Namen der Nationalliberalen erklärte nun Dr. Weber, daß sie sich nicht weiter beteiligten.

lieber den Verlauf der Sitzung wird uns noch berichtet:

Zurlfleratung stand die Banderolen st euer. Der Regterungsvertreter erklärte. Die Vor­tage mache keine bestimmten Vorschläge, um der Industrie nicht vorzugretsen. Abg. M ü l t e r - FulDa teilt ein neuerliches Urteil eines Sachverständigen mit, Dex f. Z. bei Der Einführung Der Zigaretten- banDerolenfteuer hervorragend mitgearbeitet hat, der aber jetzt nach drei Jahren zu einem vernichtenden Urteil über Die Bandecolensteuer kommt, weil sie zur Vorherrschaft weniger Marken führt. Der Regierungs­vertreter Dr. Liß her bittet, das individuelte Urteil eines Einzelnen nicht zu hoch einzu schätzen. Das Markengeschäft in der Zigarettenindustrie habe schon geblüht bei der Einführung Der Zigarelten- banderole. Abg. Hör mann (fr. Vp.) wundert sich Darüber, daß die Regierung, die selbst mit dem Urteile Einzelt er hausieren gehe, Mahnungen an Die Kommiffionen erteile, Einzelurteile nicht zu hoch einzuschätzen. Abg. Kreth (kons.) zieht ans der Wirkung Der Zigareltenbanderole im Gegensätze zu dem Vorredner Schlüffe zu Gunsten der Zigarelten- banberole und bittet um Durchberatung Der Bande- rolenvorlage. Abg. Graf Mielzynski (Pole) spricht sich namens seiner Freunde entschieden gegen Die Banderole aus. Ein sozialdemokratischer Redner (Geyer) übt Kritik an Der Art, wie der Vorredner das statistische Zahlenmaterial „frisiere". In Dresden allein seien 30 Bankerotte von kleinen und mittleren Geschäft n zu verzeichnen. Abg. Dr. Weber (natl.) meint, das Banderolensystem sei im Lande eher erwünscht als die Fakturenwertsteuer. Abg. Schultz (Rp.) ist ein Freund der Banderolensteuer und weiß ihr nur gute Seiten adzugewtunen. Abg. Müller- Fulda fragt, wie die Regierung zu dem Vorschläge der Herren Fetft und Genoffen stehe, das Schwer­gewicht auf die Fabrckatwertsteuer zu legen und Erleichterungen bei der Rohtabaksteuer eintreten zu lassen. Darauf erfolgt die Antwort, der Vorschlag sei durchaus annehmbar und durch­führbar. Abg. Mommsen bleibt bei seinem Bedenken gegen die Banderolenstcuer. Abg. Fuhr-

haltung, und er ersuche mich, an bem Abend um zehn Uhr an dem kleinen Tore zu fein, das zum Forste führt. Mortimer, Du bliebst noch auf und rauchtest und plaudertest mit Algernon Wayne; rch ging meinem Verhängnis entgegen! — Er war denn auch am Törchen, und der Zweck der Unter­redung Ivar der, daß er mich bedrohte, Marian und ihr Geheimnis bloßzustellen, wenn ich nichst verspräche, ihn meine Tochter, unsere liebe, schöne, Elsie, heiraten zu lassen."

Ein Ausruf zorniger Verachtung, etivas wie ein Fluch, entfuhr Lord Wayne.

„Was? Hat er sich wirklich erfrecht, feine Un­verschämtheit so weit zu treiben?" rief er. „Dann möchte ich beinahe sagen, er verdiente den Tod, der ihn ereilt hat."

72. Kapitel.

„Hilf mir, mein Sohn!"

Als Miß West die Worte ihrer Schwester bet- nahm, rötete sich auch ihr Gesicht vor Entrüstung.

„Evelyn, das unterstand er sich?" rief sie. „Ich möchte wohl mit Mortimer sagen, daß er sein Schicksal verdiente. Er versprach mir — nein, er schwur mir, daß kein Wort über seine Lippen kommen solle; er zwang mir das Versprechen ab, ihm tausend Pfund jährlich zu geben, was ich auch getan habe, unter der einen Bedingung, daß er nie auch nur ein Wort verlauten lasse, was nur im allerentserntesten Bezug darauf haben könnte. Und doch hat er Dir alles gesagt."

"Er drohte mir, wenn ich meinen Mann und meine Tochter nicht dazu überrede, dieser Heirat zuzustimmen, werde er uns verraten. Ich weiß nicht, ob es wahr oder falsch war, aber er tat so, als ob er ganz und gar in Elsie verliebt sei."

„Und was hast Du ihm darauf gesagt?" fragte Lord Wayne scharf.

„Ich kann mich kaum noch erinnern. Ich war betäubt, niedergeschmettert, erdrückt. Am meisten von allem war ich überrascht und fassungslos über

mann betont, feine Freunde blieben auch bei ihren Bedenken, wenn sie auch bereit seien, in eine Be­ratung Der Vorlage einzutreten. Abg. Gröber ist der Meinung, nachdem aus den Kreisen der Be­teiligten Abänderungsvorschläge gekommen seien, möge man nicht in Die Diskussion eintreten. Man wendet sich bann dem Vorschläge der Petition Feist zu: 1) keine Inlandsteuer auf Rohtabak, 2) Ermäßigung Des Rohtabakzolls auf 40 Mk. und 3) dafür eine hohe Banderolensteuer. Der Vor­sitzende ist jedoch der Meinung, daß bei dieser ersten Lesung von einer Erörterung des Vorschlages ab­gesehen werden soll. Abg. Dr. Wiemer will den neuen Vorschlag hier ausschalten. Abg. Gamp Dagegen wünscht ein Eingehen auf den Vorschlag, findet aber lebhaften Widerspruch seitens verschiede­ner Parteien, welche auf Klärung der Stellung zur Banderolenfrage drängen. Formell beantragt Abg. Dr. Paasche nach langer Debatte nunmehr definitiv abzustimmen, da man doch nicht zwei Gesetze mit entgegenstehenden Bestimmungen zur Grundlage der Beratung machen könne. Gegen Die Gesamtabstimmung, die nicht in der ersten Lesung statthaft, ist die große Mehrheit. Sodann beantragt Abg. Dr. Paasche die am Mittwoch ausgesetzte Abstimmung über Art. 4 der Vorlage der Sub­kow miffion nachzuholen. Auch dieser Vorschlag findet keine Mehrheit. Darauf bittet Dr. Paasche leinen Vertreier Dr. Spahn den Vorsitz zu übernehmen. Dr. Spahn schlägt vor, auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung das Finanzgesetz zu setzen. In diesem Augenblick kommt Staats­sekretär Sydow aus der Budgetkommiffion und bittet, am Freilag die Fahrkartensteuer zu beraten. Die Kommission leistet diesem Wunsche Folge.

Ergänzend wird uns hierzu aus Berlin ge­schrieben, daß gegensätzliche Auffaffungen über die Art des Vorgehens in der Kommission Herrn Paasche zu seinem Schritt veranlaßten. In der Sitzung vom Mittwoch hatten die Blockparteien beschlossen, die Banderolensraqe gestern zu behandeln und die Abstimmung über den Art. 4 (Inkrafttreten des Gesetzes) noch auszusetzen. In ' der gestrigen Sitzung richtete nun Abg. Müller- Fulda an die Regierung die Anfrage, was sie von dem Vorschläge des Straßburger Industriellen Feist halte, keine Jnlandsteuer auf Rohtabak zu zu erheben, den Rohtabakzvll auf 40 Mk. zu er­mäßigen und dafür eine hohe Banderolensteuer einzuführen. Als die Regierung diesen Vorschlag als einen gangbaren Weg bezeichnete, wellten die Konseroaliven eingehend über die Banderolen­sraqe verhandeln. Hierüber entspann sich eine Geschästsordnungsdebatte, in der der Vorsitzende; Dr. Paasche vorschlug, über die Regierungsvor­lage abzustimmen. Mit diesem Vorschlag fiel! er durch. Das gleiche Geschick traf ihn mit feinem Vorschlag, die' Abstimmung über Artikel 4 vorzunehmen. Das veranlaßte 'Dr. Paasche zu der Erklärung, daß er bann nicht mehr wisse, wie er die Verhandlung leiten solle. Jnsolgevessen bat er den stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Spahn den Vorsitz zu über­nehmen. Als Dr. Spahn in der Beratung fort- fuhr, beantragte Abg. Dr. Gröber die Beratung abzubrechen. Nach der Sitzung hat dann Abg. Dr. Paafche schriftlich die Niederlegung deS Vorsitzes mitgeteilt.

Mit jedem Tag wird die Finanzreform ver­wickelter.

* * ♦

In Kreisen der nationalliberalen Partei soll man den Bruch innerhalb der Block­parteien als endgültig betrachten. Die

Marian s Opfer, Marian s Liebe, über daS, waS sie für mich getan hatte, und über die Tatsache, daß mein Sohn lebte. Dessen erinnere ich mich lebhafter als alles anderen."

„Aber Du hast doch natürlich feine Unver­schämtheit gebührend znrückgewiesen?" fragte LordWayne mit derselben hastigen Ungeduld. „Ich wurde ihn zu Boden geschlagen haben l Sich zu erfrechen, seine Augen zu meiner Tochter zu er­beben, zu meiner strahlenden, schönen Elsie I"

„Aber ich habe ihn nicht erschlagen," sagte sie sanft, „ich habe rhn nicht einmal angerührt. Ich war ganz verwirrt, bestürzt, fassungslos. Ich weiß noch, daß ich mein Gesicht auf das eiserne Törchen gelegt und laut geschluchzt habe."

Sie hielt inne, und sie sahen an dem Zittern ihrer Lippen und Hände, wie vollständig die Er­innerung an jene gräßliche Stunde sie über­wältigte.

„Evelyn," sprach Marian tröstend, „kläre uns das Geheimnis auf — sag' uns, wie er zu Tode gekommen fft."

„Ich Weitz es nicht," rief sie verzweifelt. „Wenn ich felbst nur die leiseste Ahnung über dies Wie hätte, so würde ich es Euch ja sagen. Ich habe keine Ahnung — nicht mehr, wie Ihr selbst. Ich stand und sprach mit ihm, und ich hörte keinen Laut. Urplötzlich, und ohne daß auch nur das Geringste vorher zu hören oder zu sehen gewesen wäre, fiel ein Schuß, so unmittelbar in meiner Nähe, daß ich glaubte, es sei auf mich selbst ge- Sielt worden. Tann fiel er gegen mich. Ich fühlte, wie das wanne Blut auf mich tröpfelte, und doch wußte ich nicht mehr wie Ihr, wer die Tat began­gen. Ich hörte keine Tritte, kein Geräusch, kein Wort. Als meine wirbelnden Sinne sich wieder etwas beruhigt, bückte ich mich und hob ihm den Kopf in die Höhe; da sah ich, datz er tot war."

„Und niemand kam vorbei oder ließ sich über­haupt auf der Stelle blicken?"

(Fortketiuna folati