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36. Jahrgang

Fulda, Donnerstag, den 13. Mai 1909

M 108

Irveites HSttrtt

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Itoiiitr ,£nl). Zlz.' oo« ßchrrm Erfolz.

abzuändern, daß auch der Fla, chen b ter h an­bei konzessionspfli ckrrz werde: die Ge­meinden würden auf diese Weise recht wesentliche Einnahmen erzielen und dem E^stwirtsgelverbe würde eine scharfe Konkurrenz dre zudem steuer­liche Vorteile genießt, abgewehrt. Herr Jacob- Erfurt unterstützt diesen Antrag und die Der- sammlung beschließt, die Angelegenheir dem Bun- destage Deutscher Gastwirtsverbande tn Darm- stadt als Antrag zu unterbreiten. Herr Gr en- zeba ch-Kassel spricht über Errichtung ron Gast- wirtekammern, die er als eine lehr gebrere- rische Forderung für den gesamten Gastwirtestand bezeichnete und mit sehr interessantem und ret- chem Material begründen konnte. Auch diese An­gelegenheit soll dem Bundestage unterbreitet wer­ben Herr Jacob-Erfurt wandte sich gegen bre Konzessionserteilung an Großindu­strielle Der Antrag, auf dem Bundestage m Darmstadt zu vertreten, daß an eine Einzelperson nie mehr als 2 Konzessionen erteilt werden durf- ten fand einstimmige Annahme. Herr Stein- ha'rdt-Fulda sprach über die gesetzliche Arch- unq der Branntwein- und Likörfäsfer: er wies darauf hin, daß sehr oft Branntwein- und Likör- Mer nachgemessen und nachgewogen worden sind und fehr erhebliche Mindermaße sowie -gewichte ergaben. Redner selbst hctbe oft die lriebinde nachgewogen oder nachgemessen und dabei u. a. bei einem größeren (ilebin.de von 15*0 Libsrn Branntwein ein Mindermaß von 19 Litern, bei einem kleinen Fäßchen Kognak von nur 20 Litern Inhalt 2 Liter zu wenig gefunden. Bei anderen Kollegen hätten sich oft noch größere Differenzen ergeben. Alle diese Nachteile für das Gastwirts- gewerbe seien nur dadurch aus der Welt zu schaf­fen, ober wmigstens doch erheblich einzuschränken, wenn die Likör- und Branntwcinfäiser gesetzlich geaicht werden müßten. Das Referat des Herrn Reinhardt rief eine lebhafte Debatte hervor. Schließlich wurde folgmd;r Antrag des Wirtevereins Fulda einstimmig ange­nommen: ..Der Reichsverband Deutscher Gast­wirteverbände ist zu veranlassen, an maßgebender Stelle ganz energisch dahin zu wirken, daß bei der Neugestaltung des Aichgesetzes, die minde­stens alle zwei Jahre vorzuirehmende amtliche Aichung sämtlicher Bier-, Wein- und Spirituoien- fässer obligatorisch eingeführt wird." Herr Ein- stnger-Sll-malkalden berichtete sodann über die Notwendigkeit der Kontrolle des Alters von Konserven. An dieser Kontrolle hab das deutsche Gastwirtsgewerbe das größte Interesse, den« die Gastwirte verbrauchen bekanntlich sehr viel Kcmsetven und sie werden schwer geschädigt, wenn ihnen alle und unbraiüchbare Konserven ge­liefert werden. Das deutsche (Hastwirtsgewerbe diirse daher ver'mngen, daß die «wnservenbüchsen 'amt und sonders mit dem Jahresstempel ver­sehen würden. Dieser Antrag, der ebenfalls die Bundesoersammlung in Darmstadt beschäftigen

wird, wurde einstimmig angenommen. Böhme- Schleusingeu brachte eine ^Anzahl Ilebergriffe von Animierkneipen zur Sprache, die geeignet seien, dem Ansehen der reellstem Gastwirtschaften Abbruch zu tun. Di.' Aussprache ergibt Einmü­tigkeit darüber, daß man gegen derartige Hebel­griffe vorgehen will. Es kamen sodann die Wohlfahrtseinricht nngen be§ Bundes zur Besprechung. Es wurde von verschiedenen Seiten empfohlen, auch an den kleineren Plätzen Spar- und Tarlehnskassen nach Möglichkeit ins Leben zu rufen.

Der gesamte geschäftsführende Vorstand wurde auf Antrag des Herrn H a i n k e-Fulda durch Zu­ruf auf drei Jahre rviedergewählt: zum ersten Vorsitzenden wurde Herr Alfred Hartleb toieber- g.-wähli. Zum diesjährigen Bundestage nach Darmstadt wurde Herr Kaletsch-Hoigeismar als Verbands-Bertreter bestimmt. Als Crt des näch­sten Derbandstages wird Marburg gewählt. Herr Redakteur Tlabal-Castel ga^ sodann einen Ueberblick über de gegenwärtigen Stand der Kontingentierung der deutschen Biererzeugung, die lebhaften Beifall fand und zur einstimmigen Annahme einer Resolution führte, worin augesprochen wird, daß der wich­tigste Zweck der Kontingentierung, nämlich die Abwälzung der Steuer auf den Konsum, keines­wegs garantiert werden könnte. Dahingegen würde durch die Konringentierung ein Monopol für die Brauindustrie geschaffen, wodurch dem Gastwirtsgewerbe die Gewer befreiest stark be- schnitten, auch die gesetzlich unterstützten Genosten- schastsbestrebungen im Gastwirtsgewerbe unter­bunden würden, sodaß selbst die unabhängigsten Wirte gezwungen sein würden, von ein und dersel­ben Kontnigentsbrauerei Bier zu beziehen, ohne auf Erfüllung betätigter Reklamationen brin­gen zu können. Die größte Gefahr für das Wirts­gewerbe aber würde die Kontingentierung der Biererzeugung dadurch bekommen, daß sie keinen transitorischen Charakter haß, Zandern lediglich der Kartellbildung der übrig gebliebenen kapftal- kräftigsten Brauereien zum Nachteil des gesamten Gastwirtsgewerbe vorbereite. .

Am Nachmittag fand im Hotel „Hessischer Hof" ein F e st m a h l zu 100 Gedecken statt. Herr Kaletsch brachte das Kaiserhoch aus, Herr Hart­leb feierte den Hofgeismater Wirteverein und da» städtisch Oberhaupt, Herrn Bürgermeister Hotte- ian; dieser gedachte der sachlich verlaufenen Der- Handlungen am Vormittage, die zur Förderung der Interessen des Gastwirtsgewerbes beitragen werden.

panische Kreuzer zu Besuch. Diese beiden Kreu- zer sollte die Stadt wie andere derartige Gaste feierlich bewirten. Dagegen aber erhob sich im Stadtrat ein gewaltiger Stlttrm. Verschiedene Stadträte hielten gchässige Reden gegen dre Ja­paner und schlietzlich wurde beschlossen. leinen Pfennig zur Bewirtung der japanischen Kreuzer auSzugeben. Auch die Handels- und Arbeiter- Vereinigungen wollen von bett Japanern nichts wissen. Sie haben ihren Mitgliedern bei Strafe bes Ausschlusses aus dem Verband verboten, an irgend einer Festlichkeit zu Ehren der Japaner teilzunehmen. Desgleichen würbe ben Hotel- unb Laben besitzern der Boykott angedroht, wenn sie chre Häuser oder Geschästslokale dekorierten.

Deutscher Reich.

• Zur Frage der Ersatzsteueru wird der »Köln, kztg." geschrieben: Im BundeSrat ist man ich über die Ersatzsteuern, welche, abgesehen von ter „Besitzsteuer", nach den bis jetzt erfolgt«! Ab- ehnungen einen Betrag von rund 120 Mm. Mk. unfassen müßten, noch immer nicht fchlus- i g geworden, es kann also leicht der Fall ern­teten, daß die Finanzreformkommissiow ihre tätigfeit einstweilen einstellen muß, um die «uen Vorlagen des Bundesrats abzuwarten, be- wr sie die zweite Lesung der Steuergesetze be­ginnen kann. Wollte man letztere vornehmen, che die sogen. Ersatzstauern vorgelegt sind, so würbe dies auf die Beratung der Brau-, der Branntwein- und der Tabaksteuer nicht günstig wirken, denn jeder, der denselben gerade nicht ab- khnend gsgeniiversteht, aber die daraus «it- tehende Belastung doch möglichst gering halten vill, kann sich dann um so leichter gegen hohe Steuersätze erklären, weil er denkt, es kommen p noch die Ersatzsteuern und bei diesen läßt sich ter Ausfall schon nachholen. Wenn also der Bun- «eSrat nicht bald mit seinen neuen Vorlagen vmmen kann, so ist es besser, die zweite Lesung ter Steuern in der Kommission bis zum Sep­tember zu vertagen, bis dahin lverben sich inch die Leidenschaften etwas beruhigt haben inb man wird einsehen, daß es noch mancherlei lSege gibt, den Besitz kräftig zu be- i e u e r n, an die man jetzt noch gar nicht denkt, inb es auch möglich sein wirb, eine Finanzreform ton 500 Millionten jährlich durchzuführen, die licht mit knapper Not unter Anwendung des schärfsten Drucks durchgrpeitscht zu werden raucht, sondern für die eine überwältigende Mehrheit des Reichstags eintreten kann.

* • Neber Bismarck'- Entlassung sollen sich in Herrn v. Holsteins nachgelassenen Papieren »ähere Einzelheiten finden. Sie sollen einer enutetenten Person hinterlassen fein mit dem Auftrage, im Falle des Erscheinens von „Ge- «anfen und Erinnerungen". Band 3, das nach Jage der Dinge etwa geeignet ober notroenbig Erscheinende zu veröffentlichen. Es wird behaup­tet, daß auch von anbaren Seiten auf diesen tzeitpunkt gewartet wirb. Danach also könnte »och manches an die Oeffentlichkeit kommen, was nart bisher nicht wußte.

Im Hotel „Deutscher Kaiser" wurde heute unter starker Anteilnahme der Behörden der 16. BerbaiHStag bei Mitteldeutschen Sastwirte-Ver- bandeS, S. V., durch den Vorsitzenden des SBirte- bereini Hofgeismar, Herrn Kaletsch e.öffnet. Außer 67 stimmberechtigten Delegierten hatten zahlreiche Vereine Vorstands- und Versinsmit- glieber als nichrsÄmn-berechtigte Vertreter.ent- sandt. sodaß gegen 200 Personen den Berhand- lungen amvohnten. Herr Friedrich 5kroll-Kassel erstattete den vom Herrn Verbandssekretär Tei- cher-Kaffel zusammengestellben Jahresbericht. Er kann als erfreuliches Resultat festftellen, daß alle Wirtevereine namhafve Mitglieberzunahmen aufweisen' können, so verzeichnet Eschwege jetzt HO Mitglieder, Fulda 130, Hanau 156, Hers­feld 67, Hofgeismar 68, Rotenburg-Bebra 35, Marburg 77, Hesfifch-Lichtenau Großalmerode 40, Göttingen 97 und Kassel 317. Herr Heinrich Holzhauer-Kassel berichtete sodann über den An- trag ben § 33 ber Reichsgewerbe-Orbnung dahin

Katholische Arbeiter des Main- «nd «inziggauesr

Ans «ach Fechenheim am 23. Mai!

Eine ernste Aufgabe hat unser Bezirksver- band der kathol. Arbeitervereine zu lösen. 6000

Katholi c Arbeiterl Karho - j lische Männer unserer Arbeitervereine! i Wenn wir unsere Reihen nicht schließen, weml, wir nicht aus Stadt und Land den letzten Mann in unsere Organisationen hineinzubringen su­chen, dann werden unsere Feinde immer weiter Vordringen und auch in unfern karholischen Land­orten wird die Sozialdemokratie als unüberwind­liche Macht eindringen.

Wenn wir unsere kathol. Arbeiterschaft von dem roten Lager zurück hatten wollen, bam ist jetzt die letzte Stunde, die höchste Zeit; durch Gründung von Arbeitervereinen unsere kathol.' Männer sammeln, in ben Arbeitervereinen sie festigen in ihrer kathol. Ueberzeugung, und öf- ters die gesamte kathol. Arbeibwschaft in Be­zirkstagen zusammenzuführen, um dort gemein­same Pläne zur Agitation und Abwehr zu entwer­fen unb das nötige Feuer der Begeisterung sich für die Kleinarbeit zu holen. >

Ein solcher Bezirkstag ist am 23. Mai in Fechenheim. Die Lage ist ernst und darum verdiente der Arbeiterverein den Bor- Wurf der Pflichtvergessen heft, der dem Berbands- tage fernbleibt, und anstatt dessen eine Dergnii- gungstour unternimmt. Es sind an alle kathol. Pfarrämter Zirkulare geschickt worden, worin ein jeder kathol. Arbeiter, ob ein katholl Arbeiter­verein besteht ober nicht, ein geladen ist, z« er­scheinen. Die Arbeiter unseres Verbände- wol­len ja bis auf ben letzten Mann zur Stelle sein, zumal kathol. Kollegen des Frankfurter und Offenbacher Bezirks erscheinen werden.

Um %1 Uhr beginnt die Delegierten­sitzung. Diese ist als der wichtigste Teil deS Tages anzusehen unb darum von allen Sereinen zu beschicken. Diese Sitzung soll eine Gewissens­erforschung sein über das vergangene Dereins- leben und die Pläne für die systematische Arbeit der Zukunft festregeln.

Um 3 Uhr ist Festpredigt und Andacht. Hier- zu mögen alle Vereine schon in corpore da sein. Der in ganz Deutschland durch seine apologe­tischen Schriften unb Vorträge bekannte Herr Dr. Meffert roirb die Predigt halten.

Um 4 Uhr ist sodann katholische Arbetterver- sammlung. Das zweifache Ziel der katholischen Arbeiterbewegung, die kathol. Männer im erlau­ben zu festigen und ihre wirtschaftliche Sage zu heben, wird die Grundidee der beiden Vorträge bilden. Herr Dr. Meffert redet über: „Dar- wini smuS und Arbeiterfrage", unld Herr Redatteur Geis über „die nächsten sozial- polittschen Forderungen des Arbeiterstandes". Darum, auf nach Fechenheim l

katholische Arbeiter, die unser Bezirk zählt, nach unb nach durch fortgesevte systematische Arbeit ür unsere katholische Sache zu gewinnen, die Treuen unter der Fahne Christi zu halten, die Säumigen in unser Lager berüberziiziehen, die Irrenden auf den rechten Weg zurückzuführen, i>a§ ist das hohe Ziel unseres Verbandes. Um dieses zu erreichen, müssen alle maßgebenden Fattoren Mitwirken.

Unsere Gegner sind an allen Orten rege an der Sir beit. Die Frankfurter Volksstimme zeigt dies durch folgenden Artikel vom 3. Mai dieses Jahres:

AuS dem Wahlkreise H an a u-B ockenheim- Gelnhansen-Ord. Der Abschluß des KreiSwahlver» eins vom 1. Vierteljahr 1909 weist erireuliche Fort- chritte aus. Während die Mitgliederzahl am 1. Oktober 1908 3565 betrug, um dann bis 1. Januar 1909 auf 4388 zu steigen, erhöhte sich die Zahl der Parteimitglieder bis zum 1. April auf 5684. Das be­deutet im letzten Vierteljahr eine Steigerung der Mitglied schäft um 1296. Die Zahl der Parieifikialen im Wahlkreise erhöhte sich im Laufe de» 1. Quartals 1909 um 10 und betrug am 1. April d. I. | insgesamt 62 Die Parteifilialen weisen in der Stärke' ihrer Mitgliedschaft salzende Sruppieruug aus: Hebet: 1000 Mitglieder haben Hanau (110 ) un» Bocken- heim (1041>, ihnen folgt als dritlstärkste Filiale Fechenheim mit294Mitglieber. Ein besondere» Interesse beaniprucht u. a. auch der Kreis Geln­hausen, wo die Gegner feit jeher mit allen Mitteln kämpfen, um ein Vorwärtsdrinaen der Arbeiterbewegung zu verhindern. Waren in diesem Kreise am Jahres« schlug 19 8 175 Mitglieder zu verzeichnen (am 1. Ott. 1908 nur 30 organisierte Genossen), so hat da» erste Vierteljahr 1909 die Zahl der Pnleimitgliever auf 361 gebracht, welche sich auf 22 Orte verteilen. Ob Christlich-Soziale, Konservative, Nationalliberale oder Freisinntge, ob im Bund der Laudwirte, im evangelischen Bund oder kathol. Arbeiter­verein, ob Kriegervereinler oder ReichsverdSndler, mögen sie alle im trauten Bunde vereint gegen un» känpfen, das Nassenbewuste Proletariat wird ihn« zeigen, daß ks zu kärnp,en versteht. Die Frauenbewegung hat tm verflossenen Quartal schöne Fortschritte gemacht. Durch eine mtenfioe Agi­tation ist es gelungen, bis zum L April d. I- 758 Frauen im Wahlverein zu vereinigen, welche sich auf 23 Parteifilialen verteilen. Bon letzteren Haden Frauen organisiert: Hanau 207, Bockenheim 97, Langendiebach 50. Recht lebhaft war die Agitation im Kreise. Neben 28 öffentlichen Frauenverfammlungen fanden 12 6ffent-i, trch« Versammlungen statt, welche sich mit der Gewerbe- j ordnungsnovelle, Arbeiterschutz und Ardeiterverficherung: beschäftigten. Hinzu kommen eine große Anzahl weitem; Versammtnngen und D.sprechungeit, ohne die regel-, mäßigen Milgliederversammlungen der einzelnen Filia- len. 68 Orte (,. X. wiederholt) wurden von Vertretern, des Kreiswahlverelnsvoritandes besucht, dazu 76 Orte vom Parteisekretär des Kreises. Die Hauptagita­tion brachte an einer Reihe von Partei-, orten einen guten Erfolg, und muß auch in; Zukunft mit Energie fortgesetzt werden. Der Vertehr des feit 1 Oktober v.J. errichteten Partei- sekretariats zeigt aleichsalls eine steigende Tendenz.

Ausland.

♦* England. Von her englischen Nationa- istenpartei ist im Unterhaus ein Gesetzentwurf nngebracht worben, der verlangt, baß die ver- jchiebenen gegen die Katholiken gerich­teten gesetzlichen Besttmmungen, die aus der Zeit der ersten Könige aus bem Hause Hannover stam­men, beseitigt werben sollen. Außerdem ver- langt der Vorschlag eine Aenberung der bekann­ten für die katholischen Untertanen des Königs «>n England so beleidigenden Erklärung im KrönnngSeid, Es wird gefordert, daß S e f n i t e n- unb andere Orden der katho- lischen Kirche wieder in Großbritannien und Ir­land zugelassen werben sollen, sie sollen bas Recht ,rhalkn, Grundeigentum zu erwerben und zwar unter denselben Bedingungen, unter denen das änderen geistlichen Orden gestattet ist. Weiter joirb verlangt, daß künftighin auch Katholiken kn Posten deS Lord Kanzlers von Großbritan­nien, sowie des BizekönigS von Irland bekleiden dürfen, waS zurzeit nicht möglich ist. Mit Bezug ouf den KrömmgSeid wird borgef^tagen, baß der Satz, in dem von dem „Aberglauben" und dem „Götzendienst" der katholischm Kirche die Rede ist, Wegfällen und an seine Stelle eine Er­klärung treten soll, durch die der Monarch sich Verpflichtet, ^daS Gesetz Gottes hochzuhatten, die reine Auslegung des Evangeliums und die pro­testantische reformierte Religion, wie sie gesetz­lich festgelegt ist".

• Der Prozeß Lopuchin. In Petersburg hat te Verhandlung gegen den ehemaligen Direktor s PolizeidepartemMtS Staatsrat Alexis Lo-

uchin begonnen, der unter der Anklage steht, an geheimen, revolutionären Verbindungen heiligt zu haben, die ben Umsturz der bestehen- Gesellschaftsordnung zum Ziele hatten. Der ngeklagte erklärte sich für nichtschuldig.

Die Regierung-krisiS in Rußland. Der daß her Zar dem Gesetz über den Etat s Marine-GeneralstabS seine Billigung versagt

, wird daS Ausland keine sonderliche Bedeu- ng beimessen. DaS Interesse liegt weniger m

Sache selbst, als in der Frage, ob die S t e l • uns Stolypins nach der Entscheidung des ifer» als erschüttert anzusehen ist- Der Kai­

selbst scheint nicht die Absicht zu Haden, Sko­pin gehen zu lassen. Immerhin kann man die Nichebestätigung de» Marine-Etats nur so auf- kiffen, daß Gegner Stolypins sich stark und ein­flußreich bewiesen Haden, um eine Verordimng durchzusetzen, die Stolypin in eine recht unbe­queme Lage gebracht hat. Eine Stärkung der Stellung Stolypins dürfte der Zwischenfall kaum bedeuten und eher seine Gegner ermutigen, bei gebotener Gelegsnhait seine Beseitigung zu ver­buchen.

** Japan und Amerika. Wieder emmal ^kommt eine Nachricht über den Ozean, die ein eichnendes Licht auf die Beziehungen zwischen

n und den Vereinigten Staaten von Ame- ika, ober besser zwischen den Japanern und ben stlichen Amerikanern, wirft. Den Daily News wirb nämlich aus Vancouver gemeldet, daß dort die asiattsche Frage in neuer Form aufgetaucht

Zum 17. d. M. erwarte man dort zwei ja-

Aus dem Nachbargeblete.

cP Flieden, 12. Mai 1909. Am vergan­genen Sonntag den 9. d. M. hielt der hiesige katholische Arbeiterverein (Josephsverein) seine gut besuchte Monats-Versammlung ab. 9iach Erledigung der üblichen Tagesordnung hielt Herr Pfarrer Müller einen sehr interessanten und lehrreichen Vortrag über das Leben und Wirken des hl. Franziskus und über den von ihm ge­stifteten Orden. Wünschenswert wäre e§, daß dem Vereine auS unserer großen Gemeinde noch mehr Arbeiter beitreten wollten, namentlich jene, welche die Woche hindurch auswärts, namentlich in Frankfurt a. M., arbeiten. — Am Montag fand eine Besichtigung und Schätzung des Schadens unseres durch den Blitz zum Teil zerstörten Kirchturmes durch den Herrn Königl. Baurat Heu sch und einiger weiterer "Sachveiständiger au» Fulda statt. ES stellte ft* heraus, daß der Schaden doch noch etheb^chngrößer war, als zuerst angenommen wurde. Der Turm wild wieder in seiner ursprünglichen Form aufgebaut werden. Ein großer Teil der Kosten w rb die Pfarigemeinde zir tragen haben, da die Kirche nur schlecht ver­sichert ist. — Da Herr Lehrer Mohr schon län­gere Zeit krank ist und vorläufig auch noch feinen Beruf nicht ausüben kann, ist dessen Tochter, Fräulein Elisabeth Mohr, aushilfsweise als Lehrerin hier angestellt worden.

Hanau, 11. Mai 1909. Der Bureau- diener Georg Wieser von hier, welcher im Oktober d. I. 18 Jahre alt wird, erhielt am 22. Januar von dem Prokuiisten der Qaarz- lampengesellschast einen Geldbetrag von 2600 Mk. ausgehändigt, welchen er zf Gutschrift an die Bankfirma Gebr. Fürth cb!r ■*. n sollte. Da es bald Msttag war, nahm et uae Geld mit in seine Wohnung, um es nach 2 llhr bei dem Bankhaufe zu deponieren. Während der Mittags­pause traf Wieser einen Freund namens Göbel, der ihn zum Epazierengehen aus'orderte, doch lehnte es Wieser ab, weil er den Geldbetrag ab- zuliesern habe. Runmehr sagte Wiesers Freund, er solle da- Geld behalten, sie wollten ge- meinsam nach Frankreich reisen. Wieser war diesem Vorschlag zugangig, und um 2 Uhr om selben Tage fuhren beide Abenteurer, versehen mit dem Geldbeträge von ^600 ’JHf., nach Frank- jurt, wo sie sich mit neuen eleganten Kleidern versahen. Nun ging die Reise weiter nach Mainz, Bingen, Trier, Luxemburg, Seda» und in Ngkizy wurde Halt gemacht. Hier lebten die briben Freunde vier Wochen lang, um sich in der französischen Sprache etwas auszubilden. Wiener fand Stellung in einem Varietee, wah­rend Göbel in einem Hotel Mester Putzer wurde. Göbel erhielt von Wieser daS gesamte Geld zur Aufbewahrung, welches in Luxemburg noch etwa 1900 Mark betrug. EiueS Tage« erschienen tn Nanzv zwei weitere Freunde des Wieser und zwar ein Bursche namenS Gcegor Lang und der Bruder deS Göbel. Laug hatte in Hanau seinem Prinzipal 800 Mk. unterschlagen und war eben- fäll» geflüchtet. Wenige Tage nach Eintreffen deS Besuche» waren sämtliche Freunde Wiesers verschwunden und mit ihnen sein gestohlenes Geld und seine Kleider. Rat« und hilsloS stellte sich Wieser in Dieux fteiwiüig der Behörde, die ihn nach Hanau ablieferie. Heute wurde Wieser vom Schöffengericht zu 4 Monaten GesäugniS verurteüt und sofort der Polizei übergeben, dir ihn der Fürsorgeerziehung zuweist.

1«.Berbaudstagdes Mitteldeutsche» Gaftwirte-Berbaudes, G. B.

§§ Hofgeismar, 11. Mai 1909.

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