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uldaer W Zeitung

ÄS* wochaibeUage:„Illustrierte Sonntagrzeitung"

Fulda, Mittwoch, den 12. Mal 1909

M 107

Zweites Matt

Kleines Feuilleton

Erscheint täglich mit IttsnoW der 8o«m- »ndZeiertage. viertel­jährliche'-Bezugrpreir »hne vringerlohn und veMgeld in Fulda s<>- »k auswärts t.50 Bit

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Rotationsdruckund Verlag der Fuldaer Ak- tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

-36. Jahruanü

Ulonatrbeilage: „Fuldaer GeschlchtSblStter"

worden. Die Regierung war mit Recht der Ansicht, daß die parüätischen höheren Schulen die Interessen de§ Protestantismus ebensogut fördern könnten, wie die ausgesprochen protestan­tischen, andererseits verstand sie es, kacholische Sttftungsjchulen durch Anstellung protestantischer Lehrer nach und nach ihres katholischen Charak­ters zu entkleiden. Jetzt wird auf einmal wieder von der Gründung einer konfessionellen Schule berichtet. Auf dem Gebiete der ehemaligen Do­mäne Dahlen vor Berlin, wo man auf die Ansiedlung einer feineren Kolonie für reiche Leute hinarbeitet, ist ein „Arndt-Gymnasium" gegründet worden. Der Domänenfiskus ist Schulpatron und die Anstalt ist stistungsmäßig evangelisch. Mt der Schule ist ein Internat verbunden, bei welchem der sehr hohe Pension-«^ preis für den Schüler von 1600 Mark (bei ja.' 9 monatiger Schulzeit) vorgeschrieben ist. Das Höchstgehalt des Direktors geht um 900 Mk. über das Gehalt der übrigen Gymnasial­direktoren in Preußen hinaus. Das WohnungS- geld der Lehrer ist um 100 Mark höher als sonst in Preußen. Der umgekehrte Fall, daß staatliche Gelder zur Bevorzugung einer aus­gesprochen katholischen Anstalt benutzt werden, ist in Preußen ausgeschloffen.

(:) Kleinhandelsausschüffe. Die Gewerbe« kommisswn des Abgeordnetenhauses hat ihren' Bericht über die Beratung des Antrages Hammer' betreffend die Bildung von Kleinhandelsaus­schüssen bei den Handelskammern erstattet. Die Kommission beantragt, die Staatsregierung zu' ersuchen, um dem Kleinhandel eine seiner Be-' deutung und Zahl entsprechende Vertretung seiner Jntereffen zu ermöglichen, unter Berück­sichtigung der örtlichen Verhältniffe des Handels- kammerbezirks und der Zusammensetzung der Handelskammern tunlichst auf Einrichtung von Kleinhandelsausschüssen, die an die Handels­kammer anzugliedern sind, hinzuwirken. — Die Handelskammer Hanau hat bekanntlich Klein- handelsausschüffe bereits eingerichtet.

X Natürlich! Berliner Blätter melden aus Schlesien:

ser: „Ob nicht die Heilung auch durch eine Plötz, liche Reise in ein schönes Klima erfolgt sein kann?" antwortete der Sachverständige: „Ja. Aber was die Folgeerscheinungen der Lues be­trifft."

Neben dieses Urteil stellen wir die Urteile des Dr. du Castel, Dr. Ten neson und Dr. L e b e k, welche diese Autoritäten von Paris dem Chefarzt Dr. Boissarie als Sachverständige über den Fall Rouchel i. I. 1905 abgegeben.

Dr. Boissarie stellte an Dr. du Caste! die Frag«: „Zwischen den ärztlichen Untersuchungen sind 10 oder 12 Tage verstrichen. Konnten der Gaumen und di» Wange sich vernarben und jede Eiterung versiegen?* — Die Antwort lautete: „Ohne energische Be­handlungen während dieser Zeit oder ohne Röntgen- trahlen, deren Wirkungen noch unbekannt sind, — «einst' — Der bekannte Dermatologe Dr. Tenne­on in Paris schrieb an Dr. Boissarie unter dem 25. April 1905: „. . . . Die energischste, am besten an« zewandte spezifische Behandlung hat merkliche Er- olge nur gegen Ende d.er ersten Woche. Die Vernarbung der Geschwüre verlangt mindestens mehrere Wochen. Hat der geschwürige Vorgang eine Fistel erzeugt, so handelt es sich nicht mehr um Vernarbung, sondern um Obliteration (SBer« chlreßung) und dies dauert länger. Und wenn das Loch die Breit« eines Fingers hat, dann zweifle ich, ob Obliteration möglich ist; ich habe sie

wieder einmal auf. Ein Königsberger Blatt meint in dieser Beziehung bei der Erörterung der Frage, wer Hammanns Nachfolger werden werde:

„Wer immer aber zur Leitung des Preßbureaus berufen werde, müsse eine gründliche Reform der ganzen Preßabtellnng des Auswärtigen Amtes vornehmen, die auswärtige Presse müßte ausreichender und ge­schickter informiert und die deutsche Presse ohne Unter­schied der Partei mit gleichem Maße gemessen werden: es dürsten nicht mehr mit Nachrichten Gnaden ausgeteilt werden, wie es bisher geschieht!*

Unter Herrn Hamm arm bestanden die Ver­hältnisse, wie sie sich unter Bismarck entwickelt hatten, glänzend fort. Diejenige Preffe, die der Regie­rung unter allen Umständen bedingungslos zur Verfügung stand, konnte darauf rechnen, mit Nachrichten versorgt zu werden. Je nach der Bedeutung, die ein Blatt für die jeweilige Re< gierungspolitik hatte, wurden die besten Nach­richten ausgeteilt. Leitstern bei jeder Mitteilung, die an einen Preßvertreter gemacht wurde, war das Jntereffe der jeweiligen Regierung. Das Jntereffe der Oeffentlichkeit an der Aufklärung über die Verhältniffe in der auswärtigen oder inneren Politik spielte nur eine untergeordnete Rolle. Unabhängige Blätter und Korrespondenzen halten es daher längst aufgegeben, aus den Re­gierungsämtern Nachrichten zu holen. Das, was da zu holen war, war aber unter Umständen geeignet, ein einwandsfreies Urteil zu fördern. So war allmählich das „Abklappern der Aemter" zu einem journalistischen Handwerk geworden, deren Verirrter mit ihrem feingedügelien Zylinder bei der unabhängigen Presse nicht im besten An­sehen standen. — Es ist allerdings nicht anzu- nehmen, daß das bei uns in absehbarer Zeit anders wird. Dafür ist das Ansehen der Preffe bei unserer Regierung doch zu gering.

[] Staatliche höhere Schulen mit ausgespro­chen konfessionellem Charakter sind seit dem Kulturkampf in Preußen nicht mehr gegründet

Deutscher Keich.

)( Die Affäre des Legationsrates Dr. Ham­man», der bekanntlich wegen eines in seiner Ehescheidungssache geschworenen Eides unter Anklage des Meineides gestellt worden ist, rollt die Preßverhältnisse der Regierung

dem Fall Rouchal hier wieder, ohne selbst damit ein Urteil abgeben zu wollen:

V o r der Reise nach Lourdes litt Frau Rou». chel an zwei verschiedenen Krankheiten. Die eine Krankheit bestand in Lupus (fressende Flechte), die andere wurde verschieden gedeutet, als Lues oder irgend etwas, was auf alle Fälle nicht zum Lupus gehört. Diese zweite Krankhest äußerte sich in Perforationen (Durchlöcherungen) und Eiterungen. Frau Rouchel berichtet darüber un­ter eidlicher Aussage: „Ich hatte mehrere offene Wunden im Gaumen, an her Backe; es war überall auf, auch auf der Nase." „Auf der Reise ekelten sich die Leute vor mir, weil die Wunden eiterten und es immer stark roch. Alle Leute mieden mich. Die Leute hatten alle Ekel vor mir, weil der Eiter gestunken hatte. Von Paris bis Lourdes ist keiner mit mir gefahren." Außer­dem beteuert Frau Rouchel, weder von Aerzten noch von Kurpfuschern Heilmittel vernomm m zu haben.

Welches ist nun der Zustand der Kranken nach der Heimkehr von Lourdes? Die Aerzte der beiden Parteien sind einig, daß die erste Krankheit, der Lupus nicht geheilt ist. Nach Aussage der Frau Rouchel war der Zu­stand des Lupus nach der Heilung in Lourdes am 5. September 1903 viel besser, hat also in den sechs Jahren wieder eine Verschlechterung er­fahren.

Doch was die zweite Krankheit anbe­langt, so waren „die spezifischen Zeichen der an­dern Krankheit verschwunden", waren ,chie äuße­ren Zeichen der Krankheit nicht mehr zu sehen", d. h. die Perforationen und Eiterungen; „diese Zeichen sind verschwunden mit Anschluß an die Reise nach Lourdes". Frau Rouchel bezeugt: „Um 9 Uhr früh am 5. Sept. 1903 habe ich die Wunden noch gehabt. Dann betete ich und ' um 5 Uhr bin ich nach Haus gekommen, und da hatte ich die Wunden nicht mehr. Seit sechs Jähren habe ich keine Wunden mehr gehabt."

Nun ergibt sich die Frage: Wie konnten ohne The rap ie innerhalb einiger Stunden die offenen Wunden am Gaumen und der Wange vernarben und jede Eiterung versiegen?

Der Sachverständige Prof. Dr. Wol f-Straß- burg äußerte vor dem Metzer Gerichte über die Heilung der Frau Rouchel: „Es handele sich im vorliegenden Falle um eine plötzliche Heilung. Solche Fälle erleben wir Aerzte alle Tage; da ist nichts Außergewöhnliches. Wenn man nicht Spezialist ist, sieht man die Wunden nicht so leicht." Auf die Frage des Rechtsanwalts Sei«

Ausland.

* Das russische Marinegrsetz ist vom Zaren ab- gelehnt worden. Er hat sich enbgiltig geweigert, ba§ Gesetz, das bereits von der Reichsduma und vom Reichsrat angenommen war, zu unterzeich- nen. Die Vorlage zur Feststellung des Etats des Maringeneralstabes. der die tu besten omanischer

. Nochmals die Hetze gegen Lourdes.

Von unterrichteter Seite wird uns zu dem Metzer Lourdes-Prozeß noch geschrieben:

„Wohl selten ist über den Verlauf eines Pro- sefses tendenziöser berichtet und die Wahrheit durch Entstellungen und Unterdrück- u n gen schwerer mißhandelt worden, als im Be» leidigungsprozesse Dr. Ernst gegen Dr. Müller und Genossen.

.Da verschiedene liberale Blätter, darunter auch die „Iranksurrer Zeitung", das noch gar nicht rechtskräftige, durch Berufung angefochtene Ur» teil kritisch verwerten, Jotoie politisch und religiös ausbeuten, so kann die Darstellung der gegne- rischen Presse schon :ejt nicht unwidersprochen bleiben. Eine eingehende kritische Würdigung wird, solange das Verfahren nicht durch ein rechts­kräftiges Urteil abgeschlossen «ist, sich von selbst verbieten. Für jetzt genüge es, festzustellen, daß die Berichterstattung wichtige Teile der Verhandlung verschwiegen hat.

So hat der Vertreter des Privatklägers ein ärztliches Zeugnis des angeklagten Sanitäts­arztes Dr. Lentz, unter dessen Mitwirkung als Vorsitzender des Metzer Aerzte-Vereins das fa­mose Zusatzprotokoll ohne Wissen des Dr. Ernst zustande kam, Mr Verlesung gebracht, daß von Dr. Lentz nicht bestritten wurde und mit Be­ziehung auf eine Heilung in Lourdes aus dem Jahre 1888 folgende Stelle enthüll: „Ich be- trcuchte den Kranken als geheilt und muß diese Heilung unbestreitbar einer wunderbaren Dazwischenkunft (Intervention miracu- teuse) zuschreiben.

Was sagen die liberalen Blätter und der Metzer Aerzteverein zu diesem Atteste? War­um unterblieb diese so ungemein inter­essante und charakteristische Feststellung in den Berichten? Oder ist nicht diese Stelle bei der Vervielfältigung des Korrespondenzberichtes ge­strichen worden? Jedenfalls sind wir begierig zu erfahren, welche Stellung der Metzer Aerzte­verein, die „Metzer" und „Frankfurter Zeitung", Dr. Aigner usw. diesem Zeugnis gegenüber ein­nehmen. Oder sollte Herrn Dr. Lentz vielleicht sein früherer Vorsitz in der liberalen Partei von Metz gegen eine solche Stellungnahme schützen?

Wie ist ferner die Aussage des einzigen Entlastungszeugen der Angeklagten wiederge­geben? Dr. Adelmann, der selbst mitangeklagt war und nur deshalb als Zeuge vernommen werden konnte, weil Dr. Ernst unmittelbar vor ber Verhandlung mit diesem Angeklagten einen Vergleich zugab, stellte an die Spitze feiner Aus­sagen den Satz, daß er sich an die Vorgänge der Boiffarie-Sitzmrg nicht mehr genau erinnere. Insbesondere mußte er auf Befragen zugeben, daß er nicht mit Bestimmtheit erklären könne, ob die fragliche Aeußerung überhaupt in der Bois- farie-Sitzung ober in einer anderen Vereins- sitzung gefallen sei.

Diesem einzigen Entlastungszeugen stand zu­dem positiv die Aeußerung des Berichterstatters Houpert gegenüber, der ausdrücklich erklärte, er hätte eine solche Aeutzerung, wenn sie gefallen wäre, hören müssen.

Eine Kritik des Urteils versagen wir uns einstweilen: doch sei festgestellt, daß selbst einer der gegnerischen Rechtsanwälte erklärt hat, die im Urteil bezeichneten Motive seien dem Privaf- ftäger nicht einmal von den Angeklagten unter­stellt worden. Die allgemeine Meinung geht da­hin, daß die Ergebnisse der Verhandlungen die gemachten Dr. Ernst belastenden Schlußfolgerun­gen dieses Urteils in keiner Weise rcchtfertigen."

Im Anschlüsse hieran geben wir noch folgende Feststellungen der „Augsburger Postzeitung" M

Magd die rechte Achsel auseinander brach mtb der Knecht sich die Hand zerstauchete". Zugleich zeigte sich, daß eine Achse zerbrochen war und ein Pferd am linken Vorderfuß „vollständig gelähmt wor­den". Man mußte also zum zweiten Male über­nachten, in Hosen Pferde und Wagen, Knecht und Magd Mrücklaffeu und einen Leiterwagen mieten auf welchem die Reisenden endlich „ganz erbärm­lich zusammengeschüttelt" um Mittwoch „ums Ve­sperläuten" vor dem Tore von Ellwangen anlano- ten. — Bis ins 17. Jahrhundert machte man Rei­sen fast ausschließlich zu Pferde. Um 1550 kamen Zwar aus Ungarn die aus dem Morgenlande stam­menden „Alben" nach Deutschland, wo sie Gut- schmr" genannt wurden, man hielt es jedoch für weichlich, sich dieser Fuhrwerke zu bedienen, und der Herzog von Braunschweig untersagte 1580 ge­radezu deren Gebrauch, weil dadurch „die männ­liche Lugend,, Redlich-, Tapfer-, Ehrbar- und Standhaftigkeit deutscher Nation" beeinträchtigt wurde, und „das Gutschenfahren gleich dem Faul- lenzen und Bärenhäutern" wäre.

— Eine, die gern heiraten möchte. Aus Gum­mersbach erhielt das „Sauerl. Volksb!" fokaen- des amüfante Schreiben: „Lieber Herr! Ich habe schon ost gehört, daß die Mädchen durch ihre Zer tünch einen Mann krichen können. Ich möchte es auch mal Versuchen. Setzt bitte eine Notiz m die Zestunch. Ich will euch alles schreiben dan

ihr es euch selbst aufsetzen . Ich will'euch auch schreiben wie ich einen Mann haben will Ich werde im Mai 28 Jahve All. Kräftige Er- cheinung auch ganz nett.. Amlibssten wäre mir Einne Mrischaft. Ich habe auch etwas viel Der- mögen. Schreibt noch um ein Bild dabei Nun wißt hir ja Bescheid. Besorgt es bitte schnell Diele Grüße Eure dankbahre N. N.". — Wer dos Glück hat, führt die Braut beim.

— Ruhe ist vornehm! Der Antilärmverein in München versendet jetzt Karten mit der Auf.

, »MU Rücksicht darauf, daß im Laufe der letzten fünf Jahre in den schlesischen Kreisen Glogau, Frey­stadt, Großwartenberg, Guhrau und Wohlan gegen 70 mittlere Besitzungen und mehrere größere Güler in polnisch« Hände üdergegangen sind, hat die in Walden­burg tagende Generalversammlung de? schlesischen Hauptvereins des Evangelischen Bundes ein­stimmig eine Resolution angenommen, in der an die evangelische» Glaubensgenossen der gefährdeten Be- prke der drrugeud« Appell gerichtet wird, sich ihrer Verpflichtung als deutsch-evangelische Christen bewußt zu bleiben, namentlich aber unter keinen Um- standen ihre Hand dazu zu bieten, daß der Grund- besitz aus deutsch-evangelischen in national-polnisch, Hände übergeht.'

Am liebsten würde der Evangelische Bund es sicherlich sehen, wenn sämtliche Katholiken Dttttschlands enteignet würden. Da das leider nicht geht, muß man sich mtt der Knechtung eines Teiles der Katholiken zufrieden geben.

niemals gesehen." Nach genauer Untersuchung der geheilten Frau Rouchel schrieb Dr. Tenneson am 10. Juni 1905: „Das Ergebnis Ihrer Unter­suchung ist, daß diese beiden Perforationen und die eiternden, geschwungen Lästonen des Mundes in wenigen Stunden in Lourdes geheilt wurden. Ich erkläre, daß kerne Heilmethode dieses er­zielen kann, und daß die Tatsache, falls sie richtig ist, nicht medizinischer Rarur ist. . . . Die Per- soralioue» des Gaumenbogens und der Wange obüle- rieren nicht selbständig, wenn ste von solcher Dauer und Ausdehnung sind. Außerdem floß aus dem Munde ein seit langem unterhaltener, reichlicher, stinkiger Eiter ab; die Eiterung konnte von dem ge« schwürrg zerfallenen Lupus der Mundhöhle herrühren, sie konnte sekundärer Natur sein. Ader dies hat wenig zu bedeuten. Die innerhalb weniger Stunden vollständige Herlung einer eilerzeugenden diffusen Lä­sion der Mundhöhle ist etwas, was ich nie ge­sehen habe."

Dr. Leb ec vom Josephshospital in Paris be­merkt: „Der Fall ist tnlereffant, ... und wie auch die Natur des Hebeis sei, die Heilung ist eine augen­blickliche gewesen. Das ist der Hauptpunkt und ist naturwidrig." (Die ausführlichen Urteile finden sich in der Broschüre des Dr. v. Westphalen. Lothring Druckaustalt, Metz.)

Der Sachverständige Dr. Wolf wird wohl nicht verlangen können, daß wir ihm allein Glau­ben schenken und bum genau begründeten Urteile der Pariser Autoritäten weniger Gewicht beimes­sen als dem {einigen.

Aber die „plötzliche Reise in ein schö­nes Klima!" Ja, schönes Klima! De» heil-

— Das Reisen in früherer Zeit. In der Mitte des 18. Jahrhunderts, wo an gefangen wurde, von Staatswegen für Anlegung und Instandhaltung der Straße« zu sorgen, gehörte das Reisen wahr­lich nicht zu ben Annehmlichkeiten. Ein aus jener Seit stammender handschriftlicher Bericht schildert die Fährlichkeiten der Reise eines Burgers von Schwäbisch-Gmünd nach Ellwangen, die in den Spätherbst 1721 fiel. Die Entfernung der beiden Städte voneinander betrug etwa neun Poststun­den. Der Reisende, ein wohlhabender Mann, fuhr Ln Gesellschaft seiner Frau und ihrer Magd an einem Montagmorgen ans feiner Vaterstadt ab, -nachdem er am Tage zuvor in der Kirche für „glückliche Erledigung vorhabender Reise" eine Messe hatte lesen lassen. Er bediente sich eines tzweispäilnigon, sogenannten „Planwägekhens". Koch bevor er eine Wegstunde zurückgelegt und bas Dorf Huffenhofen erreicht hatte, blieb das Fuhrwerk im Schmutz stecken, so daß die Gesell- Lchast aussteigen und, „bis übers Knie hn Dreck patschend", den Wagen schieben mußte. Mitten im Dorp Böbingen fuhr der Knecht „mit dem linken Vorderrad unversehens in ein Mistloch, daß das Wägelchen umkippte und di« Frau Eheliebste ft chNase und Backen an den Planreifen jämmer- Uch zerschund". Von Mögglingen bis Aalen mußte Man drei Pferde Vorspann nehmen, und dennoch brauchte man sechs Stunden, um letztgenannten

öu erreichen, too übernachtet wurde. Am an- vern Morgen brachen die Reisenden in aller Frühe «uf und langten gegen Mittag glücklich im Dorfe

• ^t€r a^cr hafte die Reise vorläufig

«n Isube, oenn hundert Schritte hinter dem Dorfe

,r um und in einen „Gumpen"

^Pfütze), daß alle „garstig beschmutzet wurden, die

schrist: ,Ltuhe ist vornehm!"' Sie sollen, wie wir in dem Maiheft der Zeitschrift „Recht auf Stille" lesen, tunlichst der Allgemeinheit vor Augen ge­halten werden, und zwar Lurch Anheften in öffent­lichen Lokalen, Hotels, Badeanstalten u. dgl. Sei­nen Friseur, so rät Las Organ des Antilärm- Vereins, verpflichte man, die Karte an den Spie­gel feines Geschäftes zu stecken. Aber auch in speziellen Fällen werden die Karten dienlich sein. Schlägt z. B. ein Hausgenosse in seiner Etage trotz Beschwerde die Türen zu, so stecke man ihm eine Zeitlang täglich eine solche Karte in den Briefkasten. Vollführt die Dame am Buffet den üblichen Höllenlärm, so schick- man ihr durch den Kellner eine solche Karte. Auch als Drucksache können die Karten per Post zuaestellt werden.

— Ein Gemeingefährlicher. Die Emptehlungs- karte des Dampfmühlenbefitzers B. in Neurod« lautet: „Den geehrten Ackerbürgern und den hev- mnliegenben Landleute» empfehle ich als vorzüg­liches Düngmittel aus meiner neu eingerichteten Dampfknochenmühle feinstes Knochenmehl. Auch bin ich gegen eine geringe Vergütung bereit, den Herren Landwirten, falls es diesen lieber ist, ihre eigenen Knochen zn mahlen."

— Renommiert. A: .Mein Junge hat nenllch bei den Husaren ein Pferd zuschande geritten. Der Spaß kostet mich 1200 Mk." — B.: ,Unb meiner, der hat eine Kanone entzweigeschoffen zu 3000 Mk.' — C. (der sich bisher zurückgehatten Hai): das ist garnichtS. Mein Sohn dient bei der Ma­rine. Bei dem letzten Sturm ist er ins Dieer ge­fallen und hat den ganzen Meeresspiegel zerschlagen Wieviel er kosten wird, das weiß ich noch nicht."

— Zodividuelle Erllärnug. Fran Bierdimfl: »Du, Atter, was ist den» eigenlllch a' Fata Mor- gana?' — Herr Bierdimfl: .Dös iS wenn st, in der Wüste Sahara bist, an' Mordsdurschk hast und in der Luft lauter Maßkrüg' siechst!'

{amen Einfluß eines mildernsten Klimas kennt die ganze Welt. Daß aber mehrere kleinfinger­dicke, eiternde Wunden, aus welchen die Reise­begleiter die Flüssigkeit ausfließen sahen, welche man an der Wange verstopfen mußte, wenn die Kranke trank, daß diese Wunden und der stin­kende Eiter, vor welchem sich die Umgebung der ' Frau R. flüchtet, ohne Heilmittel, in­nerhalb einer ober zwei Stunden, einfach durch das schöne Klima verschwinden konnten — wahrhaftig, da müssen Ungläubige, welche dies so gern glauben, einen geradezu be­wundernswerten Glauben, besitzen! Wenn das „schöne Klima" solche Wunder wirkt, so mögen die Aerzte ihre Kranken doch in großer Zahl auf unsere herrliche Alpenwelt schicken, welche an schönem Klima, Reiz und Lage Lourdes'nicht nachsteht! Das „schöne Klima von Lourdes" hat bislang über 3350 ärztlich festgestellte Heilungen gewirkt. Ja, „man käme", erklärte Bischff Schöpfer von Larbes auf dem Marianischen Weltkongreß zu Rom, 1. Dez. 1904, „auf 5000 außerordentliche Gnadenerweise und noch höher, wenn man sine hinzufügen würde, die man nicht offiziell in Lourdes auszeichwkn konnte, und welche die Leiter und Mitglieder der verschiede­nen Pilgerzüge dennoch mit eigenen Augen fest- gestellt haben." Welch unermeßlicher Setgen wird bann nicht von all den herrlichen Gebirgs- orien mit dem „schönen Klima", von diesen New Lourdes auf die kranke Menschheit ausströmen! Wenn ich bann mit eigenen Augen sehe, wie an einem Gebirgsorte mit „schönem Klima" in einigen Stunden ohne ärztliche Heilmittel eitern­de, stinkende Wunden vernarben, wie Kranke, welche fünf Jahre krank darniederlagen, in der Heimat erfolglos schreckliche Operationen durch- gemacht, jetzt infolge des schönen Klstuas wieder gehen, mit Appetit essen können, wie ich solches in Lourdes mit eigenen Augen mit angesehen, dann — werde ich mich mit Begeisterung in den Monistenbund aufnehmen lassen'-