Einzelbild herunterladen
 

M 107

Fulda, Mittwoch, den 12. Mai 1909

36. Jahrgang.

Erstes Malt

drs

Anzri-en: Vie eto« fpalstgeprtttztileodrr bereit Saum 15 Pfg. Serlamenbiepesttzeil« 25 pfg., bet Wieder­holungen wirb etitfpr.

Rabatt gewährt

Rotatkonrbruckuno Verlag der Fuldaer Ak- ttendruckerei in Fulda

Femfprecher Nr.9.

6frb fortgesetzt beim Etat des Ministeriums ileußereu.

Abg D. Hackenberg (natl.) erörtert die Frage deS neutralen Gebietes von Moresnet bei Aachen und

sinnen, daß ich unter einem schwülen Himmel stand, seine leidenschaftlichen Worte klangen mir in den Ohren, seine leidenschaftlichen Küsse brann- ten mir auf den Lippen — aber er war fort — fort! Eine große, fürchterliche, schreckliche Leere! Mein Geheimnis hatte mich nicht so sehr gequält lind gedrückt, so lange wie er da war und es mit mir teilte, aber jetzt fiel die ganze Last und Bürde wie mit einem Male auf mich, um mich zu Boden zu drücken, zu erdrücken.

„Kein Augenblick bei Tag oder Nacht verging, wo ich nicht dachte, es würde entdeckt werden. Wenn es etwas lauter wie gewöhnlich an der Tür schellte, fuhr ich empor und glaubte, es komme jemand und erzähle alles von mir. MrS. Thorn­ton kehrte gerade am Tage, nachdem mein Mann abgereist war, zurück, machte aber merkwürdiger Weise keinerlei Bemerkung über das Vorgefallene, nicht einmal über die Abreise meines Mannes, obwohl er doch regelmäßig in ibrem Hause ver­kehrt hatte. Ich glaube, ihre eigenen Angelegen­heiten nehmen sie damals gerade sehr stark in Anspruch. Dir einzige Bemerkung, die sie fcllen ließ, bezog sich darauf, daß Marian nicht nach Brighton gekommen war, sie sagte, es habe sich wohl nicht arrangieren lassen, herüberzukommen, worauf 'ch erwiderte: „Nein". .Hoffentlich habe ich mich nicht gelangweilt, was ich ebenfalls ver­neinte. So ging diese Gefahr vorüber. Ich blieb noch zwei Wochen bei ihr und kehrte dann nach Hause zurück.

„O, Marian, es dauerte lange, bis ich mein schreckliches Geheimnis in seiner ganzen Schwere erfaßte. Meine Qual und Angst läßt sich in Worten nicht wiedergeben. Ich hatte keine Hülfe, keine Hoffnung, keinen Trost — keinen, keinen. Wenn ich so darauf zurückblicke, nimmt es mich nur Wunder, daß ich nicht darunter erlag. Dann — weißt Du noch, Marian? — ging ich auf Be­such zu einigen Bekannten in Nord-England. O, L>chwester, es kommt alles wieder über mich wie ein fürchterlicher, wüster Traum — die Angst, die Furcht, die Qual des Entsetzens und Schre-

Preutzischer Landtag

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 11. Mai 1909.

Die dritte Etatsberatung

Erfchetm täglich mit

Hustrobwe berSo.m- . _ ® _ A

und Feiertage-viertel- .4 V-A X

Wrstcht^ewgwreir I

ohne vrtnserlohn und || Igli I MZ W

Veileigeld in Fulda so- W M W »H ■

«ieaurwäriL l.50 Kit MM Ja..

verautw «ebattenrr W ■ ▼ ▼ ▼

Carl Schütts

Mr die Anzeige»:

S-ParzeSer in Fulda, wochenbeilage: „inuftrierte Sonntagsjeitung"

* 8«$ii6fteii«ii.

In der Finanzkommission fand, wie schon ge­meldet, ein von den Abgeordneten Speck und Müller-Fulda ausgearbeiteter neuer Ge­setzentwurf zur Schaumwein st euer ein­stimmige Annahme, der die Steuer nach dem Fa­brikpreis bemißt, aber sehr hohe Steuersätze vor­schreibt (statt bisheriger 0,50 «M, künftig 0,75, 1,00, 1,50 2,00 und 2,50 M pro Flasche) und zu­gleich den Zoll für ausländischen Schaumwein auf 200 oft statt 120 M pro Doppelzentner er­höht.

Nach diesem Entwurf dürften der „Köln. Bztg." zufolge Schaumweinsteuer und Schaum­weinzoll, weÜhe bisher zusammen etwa 8 Millio­nen Mark einbringen, künftig 16—18 Mil­li o n e n Mark ertragen, erheblich mehr als die Regierungsvorlage. Die ganze Beratung dvr- ses neuen Gesetzentwurfs nach dem Antrag Speck und Müller Lauerte nur etwa 15 Minuten, er fand nicht allein die einmütige Zustimmung aller bürgerlichen Parteien, sondern auch deS Reichsschatzamts, die sozialdemokratischen Mit­glieder der Kommission waren anscheinend so verblüfft, daß sie erklärten, sich der Abstimmung enthalten zu wollen. Die Kommission beschloß auch einstimmig, der Schaumweinsteuererhöhung sofortige Wirksamkeit zu geben, d. h. selbst wenn das Gesetz erst am 1. Oktober 1909 in Kraft treten sollte, wird aller Schaumwein schon vom 8. Mai 1909 ab der erhöhten Steuer unterliegen, bezw. die. Differenz nachzahlen -nässen, es sei denn, daß er auf Grund eines vor dem 8. Mai erfolgten Kaufabschlusses geliefert wird. DaS wird manchen abhalten, sich jetzt noch den Keller voll Schaumwein zu legen, denn er würde für das am 8. Mai d. I. an bezogene Quantum die Steuerdifferenz von 25 Pfg. bis 2 Mk. pro Flasche nachzahlen müssen, selbst wenn er den Schaumwein bis zum Oktober schon konsumiert hat.

Ein wichtiger Beschluß erfolgte, wie wir wei­ter aus der „Köln. Bztg." nachtragen, auch zum Branntweinsteuergesetz, in welchem gemäß dem Antrag Müller-Fulda die Zollsätze für Rum, Arrak, Kognak usw., ebenso auch für ausländische Parfümerien verdop­pelt wurden. Auch dieser Beschluß dürfte für eine Einfuhr von etwa 40 000 Doppelzentner eine Mehreinnahme von 6—8 Mill. Mk. jährlich bringen. Die Annahme dieses Antrages erfolgte gleichfalls mit großer Mehrheit und unter Zu- timmung des Reichsschatzamtes. Es scheint fast, als ob jetzt die Weisung nicht mehr bestände, daß nichts zustande kommen dürfe, außer unter Aus­schaltung Les Zentrums. SeitdÄn Liesch: ver­änderte Wind weht, legen sich die Vertreter der verschiedenen Parteien in der Finanzkommisfion auch keinen Zwang mehr auf, sondern nehmen das Gute, gleichviel, von welcher Seite es kommt.

„Beendige Deine Erzählung, Evelyn; ich habe noch viel zu erfahren."

Dunkles Rot überflutete ihre Züge; ihre Lip­pen bebten.

„O Mortimer," rief sie: „wenn mir der Rest nur erspart bleiben könnte!"

Sie rang die weihen Hände, daß die Ringe, die sie trug, große rote Male auf den Fingern zurückließen.

„Dann kam noch ein Aufschub der Trennung. Mein Mann verließ England erst fünf Tage spä­ter, wie er zuerst geglaubt. Mrs. Thornton war noch immer abwesend; und das Einzige, was mich jetzt noch wundert, ist, daß die beständigen, langen Besuche meines Lstannes in ihrem Hause keine Aufmerksamkeit erregten. Ich kann nur anneh­men, daß die Dienerschaft während der Abwesen­heit der Herrin für nichts weiter Sinn hatte, als sich nach Möglichkeit zu amüsieren, und gar nicht an mich dachte.

„Dann kam die Zeit, daß er fort mußte. Nur Gott wußte, was et litt; nur Gott kannte die Qual dieses leidenschaftlich liebenden Herzens. Ich ging mit ihm zur Bahn. Ich habe Kummer. Schmerz, Verzweiflung gesehen, aber keine wie seinen — keinen.

„Er hielt mich im Arm, heiße Tränen fielen mir aus seinen Augen anf's Gesicht; er füfote mich wohl tausendmal, mit solchem Schluchzen, wie ich nie geglaubt hätte, daß ein Mann eS könnte.

„Du wirst Marian also kein Wort sagen? versprich mir das noch einmal; ich werde sofort schreiben. Ehe ich erwaz Geschäftliches oder ir­gend sonst etwa» beginne, werde ich an sie schrei- den."

„Und ich wiederholte mein Versprechen. Das war es, warum ich, als Du gegen mich wie ein Engel der Barmherzigkeit wärest. Deine Güte und Liebe nur mit verstocktem Schweigen erwi­dern konnte, LaS als das Höchste von Undank er­scheinen mußte. — Dann beginnt eine große Leere in meiner Erinnerung. Ich kann mich nur ent-

-k- Bedenkliche Mittel.

Der deutsche Beamtenbund hat, wie ge­meldet, in Berlin eine zweste Versammlung abge­halten, die dem Protest gegen die Beschlüsse des Herrenhauses zum Lehrerbesoldungsgesetz galt. In der Versammlung sind nicht ganz so scharfe Worte gesprochen worden, wie bei der bekannten ersten Protestversammlung, aber auch diesmal war der Ton, auf den die Diskussion gestimmt war, durch­aus nicht derart, daß man ihn als angemeffen be­zeichnen könnte.

Wir verstehen, daß eine gewisse Erregung in der Beamtenschaft Platz greift, weil die als not­wendig anerkannte Erhöhung der Besoldungen so lange auf sich warten läßt. Die Beamtenschaft hat auch ein gutes Recht, sich zur Vertretung ihrer Standesintereffen in Verbänden zusammenzuschließen, sich mit Eingaben und Resolutionen an die gesetz. gebenden Körperschaften und die Regierung zu wenden, um ihre Wünsche vorzulragen und zu be­gründen. Wir sind die lchten, die dessentwegen ihr einen Vorwurf machen wollten, solange ihre Kund­gebungen nach Inhalt und Form die Grenzen des Sachlichen innehalten. Der deutsche Beamten­bund läßt dies leider in erheblichem Maße ver­missen. Der weitaus größte Teil unserer Beamten steht den Bestrebungen dieser Vereinigung fern, mißbilligt durchaus die Art der von ihr beliebten Agitation. Sie muß dies um so mehr tun, als sie sich nicht verhehlen kann, daß die Tätigkeit des deutschen Beamtenbundes, weit entfernt, der ge­rechten Sache der Beamten zu nützen, im Gegen­teil ihr nur Nachteile bringen wird.

Daß die gesetzgebenden Körperschaften sich in ihren Entschließungen durch den gerechten Unwillen über die Art und Weste, wie in den beiden Ber- liner Versammlungen an ihren Beschlüfleu Kritik geübt worden ist, beeinflußen lassen könnten, das ist als ausgeschlossen zu erachten; die Ausschrei­tungen und Üngebührlichkeiten Einzelner werden weder das Abgeordnetenhaus noch das Herrenhaus bestimmen, dem ganzen Stande die Erfüllung ihrer berechtigten Forderungen zu verweigern. Dagegen dürste eine ungünstige Beemflussung der Stimmung, die in der Bevölkerung gegenüber den Forde­rungen der Beamten besteht, nicht ausgeschlossen fein. In weiten Kreisen unseres Volkes ist diese Stimmung ohnehin nicht besonders günstig. Man weiß hier, daß große Berufsklassen in den sog. freien Berufen viel ungünstiger gestellt sind, als es die Beamten heute noch sind; es ist auch nicht zu vergessen, daß die Steuerlasten, die infolge der Erhöhungen der Besoldungen eben- älls erhöht werden müssen, eine große Zahl von Steuerzahlern recht empfindlich drücken werden. Schon darum dürste es im Interesse der Beamten selbst liegen, daß sie alles vermeiden, was den Unwillen der übrigen Bevölkerung wachrusen könnte.

Auf daS Konto der maßlosen Agitation des deutschen Beamtenbundes ist es auch zu setzen, wenn bedenkliche Leute im Anblick der Vorgänge, die in

Abg. Brust (Z-): Auch ich will die Untersuchung abwarten und habe mich auch bisher jedes Urteils enthalten.

Beim Etat deS Ministeriums deS Inneren nimmt der .

Abg. Hcckenroth (k.) feine Anschuldigungen gegen die rheinische Proo nsialverwaltung in Sachen des Fürsorgewesens teilweise zurück, beharrt aber bei seiner abfälligen Beurteilung des Landesrats Schmidt.

Abg. Schmedding (Ztr.): Ich freue mich, daß der Borredner seine abfälligen Bemerkungen aus der zweiten Lesung zum Teil zurück^enommen hat. Leider aber hat er das nicht getan bezüglich feiner Beschuldi­gungen gegen den Landesrat Schmidt, der sich mit so großer Liebe und großem Verständnis in dem Für­sorgeerziehungswesen betätigt hat.

Mittwoch Beamtendesoldungsvorlage; Rest der heutigen Tagesordnung.

ckens, die Tag und Nacht auf mir lagen. Ich wagte kaum zu hoffen, daß ich mein Geheimnis vor ihnen würde verbergen können. Ich wußte nicht, was ich tun, wohin ich mich wenden, wen ich um Hülfe bitten sollte. Ich war fast wahnsinnig vor Elend.

„Nimmt es Dich Wunder, daß ich so wenig Liebe für den Mann empfinde, dessen selbstsüch­tige Leidenschaft all dies unsägliche Weh über mich gebracht? Nimmt eS Dich Wunder, daß ich vor der Erinnerung an ihn zurückschaudere — zu­rückbebe vor der Erinnerung an die Liebe chie mein Leben vernichtet, wie der glüheiüie Sturm- wind der Wüste die Blumen und daS Grün ver­sengt?"

„Ich war damals gerade achtzehn. Ich war in einem Wirbel der Leitenschaff fortgeriffen, halb- im Traume getraut worden, wußte kaum, was heiraten hieß. Mein Mann hatte mir eiiz Versprechen äußersten Geheimhaltens abgezwnn- gen, war tausende von Meilen weit fortgegan­gen und hatte mich — barmherziger Gott — allein in meinem Elend zurückgelassen.

„Ich schrieb ihm, Marian, ach, einen solchen Brief! Es schien mir, daß die meinem tiefsten Herzen habet entquollenen Tränen blutige Zäh­ren seien. Ich schrieb ihm, daß er zurückkommen müsse — einerlei, was es gäbe — einerlei, ob Kö­nigin oder Land gut oder schlecht von ihm dächten, einerlei, ab seine Zukunft dadurch vernichtet werde oder nicht — er müsse Mriickkommenl Weltsicher Ruhm! Das schien nichts — Verlust der Stellung oder des Glücks, das schien weniger wie nichts. Er müsse znrückkommen, möchten die Folgen sein, wie sie wollten.

„Und dann — o, Marian, ich muß stark sein, daß die Erinnerung mich nicht überwältigt — eines Tages saß ich allein im Gesellschastszimmer, und Miß Greenaway, die Dame, bei der ich zu Besuch war, kam herein. Sie hielt eine Zeitung in dar Hand, die sie gerate gelesen hatte.

(Fortsetzung folgt.)

unserem Nachbarlande Frankreich den Staats­organismus schwerer Schädigung durch die ©teil» Organisation der Post- und Telegraphenbeamten aussetzen, die Frage erheben, ob nicht auch in Deutschland solche Gefahr wenigstens in Zukunft drohen könne und ob nicht der Staat jetzt schon auf Maßnahmen sinnen müsse, welche gleiche Vor­gänge bei uns für immer unmöglich machen. Organisation ist heute die allgemeine Forderung der Beamten; wenn ihnen daran liegt, nicht neue Widerstände seitens der staatlichen Faktoren heraus­zubeschwören, werden sie darauf bedacht sein müssen, alles fern zu halten, was den Verdacht könnte auf­kommen lasten, daß es auf die Bildung gewerkschaft­licher Streikorganisationen nach französischem Vor­bilde abgesehen sei.

fragt die Regierung, ob sie gewillt sei, den wunder­lichen Zuständen dort endlich ein Ende zu bereiten. Redner gibt eine kurze Darstellung der Zustände, die sich dort aus staatsrechtlich en Verhältnissen ergeben.

Geheimrat FrantziuS teilr mit, daß ein Vertrags­entwurf an Belgien emgereicht ist, und daß Preußen die Antwort erwartet.

Abg. Dr. Kaufmann (Zentr.) stimmt den AuS» Stungen des Abg. Hackenberg ju. Es sei zu be- ßen, daß die Regierung eine Regierung abgegeben habe, die geeignet fet, die Beruhigung der Bevölkerung herbetzusühren.

Beim Etat der Domänenverw altung tadelt

Aba. Dahlem (Zentr.) das Verhalten des LandratS Io» Rüdesheim, der an die Regierung in Wiesbaden ober nach Berlin geschrieben haben soll, baß die W in zertmRheingau nicht unterstützt werden sollten, und zwar auS politischen Gründen nicht. Es soll nämlich vorgekommen fein, daß verschiedene Wähler nicht im Sinne bet Regierung ihre Stimme abgaben, für welches verbrechen sie nun gezüchtigt werden sollen, indem man ihnen die bisher gewährten staatlichen Zuwendungen vorenihalten will. Ich frage die Regierung, ob dies richtig ist oder welche andere Bewandtnis eS mit dem landrätlichen Schreiben hat. Wenn den Winzern die staatliche Hilfe versagt wird, so werden weite Kreise deS Rheingaues ver­nichtet sein und viele Weinbauern wüsten auSwandern oder sich andere Berufsbefchästigung suchen. Ich bitte daher die Regierung, den Winzern wie bisher ihr Wohlwollen zu erhalten.

Landwirtfchaftsminister v. Arnim: Der Regierung ist von einer derarttgen Handlungsweise deS betreffen­den LandratS nichts bekannt. Die Regierung wird sich Nach wie vor bemühen, den Winzerstanb des Rhein- gaues zu fördern und zu kräftigen.

Beim Etat der Forstverwaltung wiederholt

Abg. Borgmann (Soz.) feine Forderung, den Ober­förstern ihr Privileg auf die alleinige Ausübung der Jagd in den StaatSsorflen zu nehmen und die­selben zu verpachten.

Abg. v. Arnim«Züsedom (kons.) tritt den Aus­führungen des Vorredners entgegen.

Oberlandforstmetster Wesen«: Die Behauptung deS Abg. Borgmann, daß nur die Oberförster das Jagdrecht hätten, ist nicht richtig.

Beim Etat der AnsiedlungSkommiffion beantragten die Konfervattven die Besttzfestigung größerer Güter in der Ostmark nicht durch die Ansiedlungs- kowmission, sondern durch die Bauernbank in Danzig >nb die Mittelftandskaffen in Posen vornehmen zu kaffen. Ein freisinniger Antrag forderte die müntel- ^chere Hinterlegung der Ausrüstungsgelder der An-

Landwirtschaftsminister v. Arnim erklärte, daß die Gelder, die die Ansiedler Nachweisen müßten, sicher Und verzinslich angelegt würden.

Nach kurzer Debatte wurden die beiden Anträge tot die Budgttkowmi sston überwiesen.

Beim Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung wünscht

Abg. Dr. Gaigalat (kons.) für überschwemmte Ge­biete im Osten beffere staatliche Unterstützung.

Abg. v. Flotiwell (kons.) verbreitete sich über LandeSmltur und Bodenmeliorationen im Osten.

ES folgt der Etat der Berg- und Hüttenver- #) altung.

Abg. Brust (Ztr.): Der Vorsitzende deS Steiger» Verbandes, Herr Werner-Sffen, hat seinerzeit erklärt, daß ein oder zwei Beamte der Zeche Radbod Wichtige Aussagen machen könnten, die fich auf die Grubenkatastrophe beziehen. Herr Werner hat den Minister gebeten, auch diesen Leuten Anstellung Inf fiskalischen Gruben zu sichern. Der, Herr Minister

hat diese Bitte abgelehnt. Herr Werner ist nun ge- richtltcherseitS aufgefordert worden, feinen Gewährs­mann zu nennen. Dessen weigerte sich dieser, um die­selben vor Maßregelung zu schützen und ist nun zu 300 Mark Strafe verurteilt worden. Die AnSfage der Gewährsmänner deS Vorsitzenden deS Steigerverbandes soll fich darauf erstrecken, daß ein Steiger vor dem Unglück auf Radbod dem zuständigen Stellvertreter deS Berarevterbeamten, Bergaffeflor Holländer, gegen­über geäußert habe, er könne tue Verantwortung für die Sicherheit der Grube nicht mehr tragen und lehne sie ab. Radbod war alfo nicht in dem Zu­stande, der beit Bestimmungen über Sicherheit von Gesundheit und Leben der Arbeiter entspricht. Ich richte daher an den Minister die Frage, ob er feine Weigerung ausrecht erhalten ober nunmehr nach Zu­spitzung der «erhältniffe die Zuficherimg geben will, die Gewährsmänner des Vorsitzenden des Steigerver­bandes im Falle einer Maßregelung auf fiskalischen Gruben anzustellen. Meine zweite Frage betrifft die Verhällnifle ber fiskalischen Zeche Waltrop in meinem Wahlkreise Recklinghausen. Es sind daselbst große Wassermengen eingebrochen, die Wafferhaltung hat fich als unzulänglich erwiesen und die Grube steht daher jetzt unter Wasser. Nun find mehrere benach­barte Privatdergwerke zeitweise mit großen Waffer- mengen überstürzt worden. Da? wußte doch die fis­kalische Bergverwaltnng und trotzdem scheint man nicht vorgebeugt zu haben durch Ausstellung genügend starker Waffermaschiuen, waS m. E. sofort nach dem Abläufen des Schachtes hätte geschehen müssen. Warum geschah hier keine Abhilfe?

Handelsminister Delbrück: ES ist richtig, daß der Vorschende deS SteigerverbandeS an mich daS Ersuchen richtete, ich möchte auch die Beamten, die wegen ihrer Aussage etwa gemaßregelt würde«, auf staatlichen Gruben einstellen. Ich habe eS abgelehnt, diesem Er­suchen zu entsprechen. Bei den Arbeitern konnte ich dieS unbedenklich tun, bei den Beamten aber liegt die Sache ganz anders. Erstens sind nicht immer geeig­nete Stellen frei und zweitens find die Beamtenstellen Vertrauensposten, in die ich nur Leute setzen tarnt, die ich genau kenne. Ich kann daher nach wie vor dem Wunsche nicht entsprechen.

Oberberghauptmann Seifen: Auf der Zeche Waltrop ist jetzt durch stärkere Maschinen Vorsorge getroffen, das Wasser zu heben, und wir hoffen, nach einiger Zeit ten Betrieb auf Waltrop wieder aufnehmen zu können.

Abg. Brust (Ztr.): Ich kann die Erklärung des Ministers nur bedauern. Es handelt sich ja nur um zwei Personen und anderseits liegt auch alles daran, daß die Ursache des Radboder Unglücks fest- gestellt werde. Der Minister kann die Steiger sehr wohl anstellen, da sie in den in Frage kommenden Be­zirken nur auf Kündigung angefteUt sind.

Haudelsminister Delbrück. AIS ich seinerzeit ver­sprochen habe, die vernommenen Arbeiter in den fis­kalischen Dienst aufzunehmen, ist man allgemein über dieses Entgegenkommen erstaunt gewesen. Nun wird auch noch weiter verlangt, ich solle auch die Beamten i« fiskalische Betriebe aufnehmen. Aber so ist es: wenn man den kleinen Finger reicht, |o wird sofort die ganze Hand gewünscht. Vielleicht ist die Ver­nehmung bet Steiger ja nicht einmal notwendig.

Abg. Brust (Ztr.): Tatsache ist, daß Arbeiter gemaß­regelt worden find und der Minister sie eingestellt hat. Wir können dock nicht erst die Beamte» maßregeln lassen und dann dem Minister anheimgeden, zu prüfen, ob er sie annehmen könne.

Abg. Sthchel (Pole) sucht nachzuweisen, daß bet Einsturz der Marienkirche in Hohensalza nur durch Eindringen von Wasser in das dortige Salzwerk ver­anlaßt wurde.

Abg. Leiueri (Soz.) verlangt, daß der Minister jetzt Be­richt über die Untersuchung des Unglücks von Radbod er­statte. Er hat seinerzeit gesagt, er wolle uns über alles unterrichten. Was tut er nun? Er sagt, die Veinch- mung der Steiger sei nicht notwendig. Das ist alles. Redner führt Kille an, in denen em Redakteur gemaß­regelt wurde, weil er erklärte, Aussagen vermitteln za können, in denen ferner in Schlesien ein Arbeiter ent­lassen worden fei, weil er zum KnappschastSvorsitzenden erwählt fet

Handelsminister Delbrück : Die Untersuchungen über Radbod schweben noch und ich kann daher keine Aus­kunft geben. Im übrigen glaube ich, weit genug ent» gegengekommen zu sein.

Abg. Dr. Beumer (ntl.) meint, die Presse habe im Radboder Falle gehetzt.

Zeitung

f Monakbellage: „MdlM GeschlchKdlätter"

Zm Sonne te Geheimnisses.

j.02] AuS dem Englischen von K. v. R aeSfeld.

70. Kapitel.

WaS darauf folgte.

/ Marian West konnte der großen Liebe ihres Lebens nicht untreu werden. Sie konnte der Bitte ter Schwester, für die sie alles geopfert, ßvaS ihr lieb und teuer war, auf die Dauer nicht jwiderstehen; sie konnte Lady Wayne, die dort mit Ditrsäglich flehenden Augen und Lippen kniete, «licht lange ohne Antwort lassen.

„Marian," klang es an ihr Ohr, „meine Schwester, die einzige Mutter, die wahrste Freun­din, die ich je gekannt, sag, daß Du mir vergibst; lieh, nur, weil er Dich so liebte, und weil ich Dich fo liebte, verbargen wir Dir unser Geheimnis. Q. Marian, die Du so gut bist, so hoch über allem stehst, was irdisch ist, bergieb mir, einem elenden Weibe, die jetzt gerate die Vergeltung erreicht, tztergib mir!"

„Marian," sagte Lord Wayne leise, „ich ber­einige meine Bitte mit ter meiner Gattin; schwe­rer Kummer steht ihr noch bevor; vergib ihr, da­mit sie wenigstens den Trost Deiner Liebe hat, tzrm das Kommende bestehen zu können."

Und Marian gab nach; die Schwesterliche stegte. Sie beugte sich nieder und küßte das blasse, flehende Antlitz.

: „Ich vergebe Dir, Eve. Ich würde Dir mehr wie baS vergeben, mein Liebling; es war ja nicht Deine Schuld; Du wärest jung und leicht zu be­einflussen. Ich vergebe Dir, wie auch ich Gott bitte, mir alle meine Fehler und Verirrungen Meines Lebens zu vergeben, und es sind ihrer piele."

Wieder suhlte Lady Wayne sich von liebenden armen umschlungen, fühlte die sanften Lippen, ne nur den einen Vorwurf geäußert, wieder auf Hrer Stirne; fühlte ihr Haupt wieder an das treue Herz gedruckt, dann sagte ihr Gemahl: