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Maer W Zeitung

mondsbtuage: „Zuldaer GeschichtsbMer"

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M 106,

Fulda, Dienstag, den 11. Mai 1909.

36. Jahrgang.

Zweites Wtcrtt.

**Zu einer neuen Hetze gegen Lourdes wird der eigenartige Beleidig ungspro- z e ß, der dieser Tage in Metz verhandelt wurde, von der liberalen Presse benützt. Der Prozeß bietet ihr auch erwünschte Gelegenheit, gegen den Glauben an Wunder vorzugehen. Tas veranlaßt uns, nochmals auf die Sache zurückzukommen.

Eine Frau Rouchel war an Lupus schwer er­krankt nach LourdeL gegangen, wo sich ihr Zu- stand fast plötzlich wesentlich besserte. Dr. Ernst in Metz stellte darüber ein Attest aus. Es wird ihm nun vorgeworfen, daß er darin von Lupus, aber nicht von Lues gesprochen habe, woran die Frau auch gelitten habe. Dr. Ernst behauptet, schon früh die Diagnose auf Lues gestellt und in Verbindung mit Dr. Bender Kuren dagegen bei der Frau gemacht zu haben. Die Bezeichnung Lues habe er wegen des ärztlichen Berufsgr- heinmistes ohne Zustimmung der Frau R. in einem Zeugnisse, welches für die breiteOeffentlich» feit bestimmt war, nach seiner Ueberzeugung nicht aufnehmen dürfen, er habe jedoch die Diagnose Lues durch die Anführung des Heilmittels dage- gen in einer für Fachleute verständlichen Werfe angedeutet. Ob das berechtigt war, darüber läßt sich streiten. Die persönliche Ueberzeugunz und Ehrenhaftigekit des Herrn Dr. Ernst ist aber — «nd drs ist für uns das Entscheidende —w schon öarnit klargestellt. Noch weit mehr geschieht es durch den zweiten Grund, den er angibt: Er habe die Diagnose fallen lassen, weil die angewandten Heilmittel keine Besserung ergeben hatten. In 88irklichkeit hatten sich die Aerzte durch die Frau täuschen lassen, sie hatte dis Heilmittel gar nicht genommen. Auf die Frage des Rechtsanwaltes Dr. H.: „Wenn Dr. Ernst die Wahrscheinlich- kÄtsüiagnose oder die Difserenstialdiagnose ge- stellt har, mußte ec sie dann in das Attest auf­nehmen?" antwortete der Gegensachverständige Dr. Wolf: „Nein." Der Sachverständige Spe­zialarzt Dr. Fürth erklärt:

»Herr Dr. Ernst brauchte die Diagnose Lues nicht >m Attest zu erwähnen. Er hat diese Diagnose fallen taffen, weil er glaubt«, die Frau habe groß« Mengen Quecksilber genommen. Da die Krankheit nicht besser wurve, nahm er an, die antiluetischen Kuren hätten nicht geholten. Wenn Dr. Ernst sagt, ich habe mit dem Ausdruck Jodkali, sagen wir einmal an Lues gedacht, so muß man ihm völlig Glauben schenken. Das Attest war doch nicht fürs große Publikum, sondern für das Aerztekomitee in Lourdes geschrieben.'

, Damit ist dis persönliche Ehrenhaftigkeit des Herrn Dr. Ernst sirr jeden ehrlich Denkenden zweifellos erwiesen, umsomehr als ec in dem Attest nid>i von einer Heilung, sondern nur von einer „außergewöhnlichen Besserung, man könnte fast sagen, Heilung" gesprochen hat.

Man beachte nur das Verhalten des Metzer A e r z t e v e r e i n s. Hinter dem Rücken des Dr. Ernst wurde ins Protokoll ein Zusatz ausgenom­men, worin ihm vorgeworfen wird, „wissentlich und absichtlich" die Diagnose auf Lues verschwie­gen zu haben.. Von diesem Zusatz wird Dr. Ernst nichts mitgeteilt, wohl stellt man nach Jahren das Protokoll einem Münchener Mitglieds des Moni- stenbundes, der eine Broschüre gegen die Heilung schreiben will, zur Verfügung, wodurch dann erst Dr. Ernst überhaupt etwas von der Sache erfährt. Dieses mindestens unschöne Verhalten der leiten­den Kreise des Vereins wirft ein grelles Schlag, licht auf die wenig objektiven Tendenzen, von de- «en die ganzen Verhandlungen des Vereins ge­tragen waren, und die Mittel, die man nicht ge­scheut hat, anzuwendsn.

Die Frage, ob die Heilung eine natür- »i ch e ist, konnte durch den Prozeß nicht geklärt werden. Aus gewisien psychologischen Gründen

Kleines Feuilleton.

— Mörderische Hüte. Ein Sturm, den die Frauen von Illinois auf das Parlament unter­nahmen, hat eine unvorhergesehene Wirkung ge­zeitigt: der Abgeordnete Henton hat jetzt ein Ge­setz eingebracht gegen die Gemeingefährlichkeit der modernen Damenhüte. Die Abgeordneten von Illinois sind nämlich im Gedränge das Opfer der Hutmode gÄvorden, eine große Zahl von ihnen hat durch die breitrandigen Hüte und die weit hervorstehenden Hutnadeln im Gesichte Schrammen und zum Teil sogar schmerzhafte Ver­letzungen davongetragen. Denn die Frauenrecht­lerinnen von Illinois wollten bei ihrem Sturm aufs Parlament zugleich den Verdacht wider­legen, Blaustrümpfe zu sein, und erschienen ge­rüstet mit den neuesten Schöpfungen der Hut- smode. Der Abgeordnete Henton hat durch eine Hutnadel eine Verletzung empfangen, durch die «r nach seiner Angabe drei Tage lang der Gefahr Akuter Blutvergiftung preisgegeben war. Das jetzt eingebrachte Gesetz belegt jedermann mit .Strafen von 409—800 Mark, der Hüte verkauft «der trägt, die mehr als 40 Zentimerer Durch­messer haben und eine Feder, Hutnadel oder ir­gend ein anderes Schmuckstück aufweisen, das mehr als 15 Zentimeter über den Hutrand hin- pusragt. Auch gegen die wallenden Federn haben die Abgeordneten von Illinois einen bitteren Haß gefaßt, dann der zarte Zierrat belästigre sie im Gedränge auf das schlimmste und machte man­chs nervös. Aber nicht nur die unmittelbare Ge- Einzelnen, auch allgemein hygienische Gesichtspunkte bestimmen das neue Gesetz. So fouen au^estopfte Vögel, Schlangenhaut und 6er- gleichen Brutstätten von Krankheirskeimen am rtQuenbut künftig verboten werden.

möchten wir die Heilung für eine natürliche hal- ten, müssen aber betonen, daß für die fast plötz­liche Heilung der eiternden Wunden, die das Wangenfleisch völlig durchbohrt hatten, das in dem Prozeß herangezogene Gutachten des Straß­burger Professors Dr. Wolf wohl Worte, aber keine überzeugende Erklärung gibt. Auch kann nicht geleugnet werden, daß die Hei­lung der Wunden eine dauernde gewesen ist. Wenn die Frau auch heute noch an Lupus leidet, tote das nach den Gurachten angenommen werden muß, so bleibt doch bestehen, daß sie seit sechs Jahren keine Wunden mehr gehabt hat.

Es muß also eine plötzliche Heilung dieser Folgeerscheinung von Lues und eine Besserung des Lupus als zweifellos konstatiert werden. Ob diese auf natürlichen Ursachen beruhten oder nicht, läßt sich eben nicht einwandfrei entscheiden. Wir haben keine Veranlassung, im Interesse unseres Glaubens die fragliche Heilung unbedingt als ein Wunder ju erklären. Unser Glaube ist ohne Lourdes verbürgt und wird weiter bestehen, ob Lourdes existiert oder nicht. Ebensowenig haben wir aber auch Veranlassung, um j'den Preis eine Wunderheilung zu leugnen, wie das der Monis­mus auf Grund seiner „Dogmen" muß. Wir stehen als Katholiken der Sache objektiv gegen­über. Das zeigen auch die Bwiäste der Presse. Ten einzigen ausführlich:», wirklich objektiven Bericht haben wir in dec „Augsb. Postztg." ge­funden die Berichte der lib Taien Presse waren all', tendenziös zu uugunsteu des Wunderg'au- bc.is und des Klägers Dr. Ernst gefärbt.

Tie „Frkf. Ztg.", der Lourdes ein Dorn im Auge ist, verlangt, laß die französische Regierung gegen Lourdes vorgehr und Polizeimittel an- wende, um den Gläubigen den Be'uch des Wall­fahrtsortes unmöglich zu machen. Sie jammert:

Der Gnadenort blüht weiter, und ter Justiz- minister scheint Lourdes gegenüber vergessen zu haben di, daß nach den französischen Gesetzen zur Ausdeutung (!) von Heilquellen die Genehmigung des Präfekten und der medizinischen Fakultät erforderlich ist. Auch das Trennungsgesetz hat dem Treiben keinen Einhalt getan. Der Gewinn geht in die Millionen, der Papst allem erhält jährlich eine Million Francs von Lourses al3 Abgabe: trotzdem sind bis heute die Wunder von Lourdes von dem vorsichtigen Vatckan nicht zum Dogma der katholischen Kirche gemacht wordeuch (!) Daß große Summen der Pilgergelder gerade aus Deutschland — vor allem aus dem Reichsland und der Rheinprovinz — kommen, zwingt neben dem allge­meinen Aufklärungsgedanken noch besonders zum Kumpf gegen Lourdes.....

Wie besorgt das liberale Blatt auf einmal um den Wohlstand der deutschen Katholiken ist! Wenn der Börse einmal znleibe gegangen werden soll, die unter Umständen den Volksreichtum um Mil­lionen schädigen kann, dann schreit der Liberalis­mus Zeter und Mordio. Wenn aber Katholiken ür eine Wallfahrt nach Lourdes ein paar Hun- wrt Mark auswenden, dann ist auf einmal der Volkswohlstand gefährdet! Kein Hahn kräht im »emokratischen Ärger dranm, wenn reiche Groß- tadtjugend Tausende und Millionen in „Bergnü- zungen" verpraßt, die vom moralischen und rechl­ichen Standpunkte aus nichts weniger als an­echtbar sind, oder wenn Großkapitalisten für Rei- en zir ihrem Vergnügen im Auslande Tausende und Abertausende ausgeben. Wenn aber ein Ka­tholik oder ein Kranker, dessen Leiden die ärzt- liche Wissenschaft rat- rind machtlos gegenüber» 'teht, nach Lourdes wallfahrtet, um dort Trost oder gar Heilung zu finden, dann heult der de­mokratische „Freiheits"sinn über die „großen Summen", die dort werteren gehen"!

Deutsches Reich.

* Das Herrenhaus will auf seinen von dem Abgeordnetenhaus abweichenden Beschlößen zum Lehrerbesoldungsgefetz beharren. In der

— Wahlberechtigte Frauen. Daß es in Deutschland überhaupt Frauen gibt, die ein Stimmrecht irgendwelcher Arr heute schon be­iden, wird mancher nicht toisfen. Um ein eigent­liches politisches Stimmrecht handelt es sich denn such keineswegs, sondern lediglich um Ansätze und Keime eines Gemeindewahlrechts der Frau. Das passive Wahlrecht, d. h, das Recht, in die Ge­meindevertretung gewählt zu werden, besitzen die deutschen Frauen in keiner einzigen Stadt- oder Landgemeinde. In den Städten sind die Frauen fast regelmäßig auch von dem aktiven Wahlrecht, d. h. von dem Recht, die Gemeindevertretung zu wählen, ausgeschlossen. Nur die Bewohnerinnen der Städte des Großherzogtums^Sachsen-Weimar- Eisenach, der Fürstentümer L-chwarzburg-Son­dershausen, des rechtsrheinischen Bayern sowie des lübeckschen Städtchens Travemünde sind zu dem aktiven Wahlrecht zugelassen. In allen baye­rischen Städten steht den Hausbesitzerinnen, in den Sachsen-Weimarischen und Schwarzburgis'chen allo» Bürgerinnen das Stimmrecht zu. Aber sie dürfen die Stimmabgabe nicht persönlich voll­ziehen, sondern müssen sich dazu eines männlichen Vertreters bedienen. Travemünde ist die einzige deutsche Stadt, in der die Frauen den Männern in bezug auf das aktive Gemeindewahlrecht gänz­lich gleichgestellt sind, denn sie find hier zu seiner persönlichen Ausübung wenn auch nicht verpflich­tet, so doch berechtigt. Die Bewohnerinnen dieser Jdaalstadt machen allerdings von dem ihnen zu­stehenden Recht wenig Gebrauch. In den L a n d- gemeinden, in denen das Stimmrecht am Grundbesitz oder an bestimmten ©teuerleiftungen haftet, besitzen die Frauen fast regelmäßig das aktive Stimmrecht. In ganz Preußen, im König- reich Sachsen, in den beiden Mecklenburg, in den Herzogtümern Braunschweig und Sachsen-Alten­burg, in den Hansastädten Hamburg und Lübeck und m den Reichslanden Elsaß-Lothringen

Nachzahlung der Gehaltserhöhungen für fämt- Ijche Beamten bis 1908 und der Zubuße von 100 Mark für die unverheirateten Lehrer wird sich eine Einigung mit dem Abgeordnetenhause erzielen lassen.

(*) Stuttgart, 10. Mai 1909. 1000 kath. Geistliche Württembergs haben in einer Ein­gabe an die 1. Kammer zur Volksschulno­velle sich gegen sämtliche Beschlüsse der 2. Kammer zur Ortsschulaussicht gewendet, gegen die Einführung der fachmännischen Bezirksschul- aussicht und die Schaffung eines gemeinsamen Oberschulrats, der eine für die Erhaltung der konfessionellen Volksschule und den religiösen Frieden sehr gefährliche Einrichtung wäre. Sie bitten „im Jntereffe der christlichen Erziehung der Jugend, sowie der Erhaltung der christlichen Weltanschauung und Gesittung in unserem Volke", diesen Beschlüssen die Zustimmung zu versagen.

Ausland.

** England. Admiral Scott prüfte mit Erfolg auf drei Schlachtschiffen die neuer] unbene elektrische Äorri chtu ng, die einem einzigen Offizier ermöglicht, mittels eines Knopfes die in den Geschützbänken liegenden Geschütze zu richten und abzuseuern.

**■ Die Unruhen in Kleinasien sind außeror­dentlich ernst zu nehmen. Die Jungtürken ver­fügen dort offenbar nicht über die Autorität, die Ordnung verbürgt. Sie haben in Konstantinopel genug zu tun, um ihre Autorität zu befestigen, und sind dabei, ihre Feinde nach Möglichi'eit un­schädlich zu machen. Allerdings sind sie auch in Kleinasien nicht untätig gewesen, aber ihre bis­herigen Bemühungen, dort die Ruhe wieder her­zustellen, sind bis jetzt völlig gescheuert. Neue Meldungen aus Konstantinopel besagen, daß die Lage äußerst Besorgnis erregend sei, daß die Un­ruhen größere Ausdehnung annähmen, daß die Behörden daran mitschuldig seien, daß die dorti­gen Truppen ohne Manneszucht seien und daß furchtbare Ausschreitungen vorgekommen seien. Eine Meldring aus Paris besagt, daß tausende von Armeniern in Mersina, Tarsus, Älexandrette rind Larakich um Schutz flehen. Auch für diese Un­ruhen soll Abdul Hamid verantwortlich sein. Er habe die Kurden ausgehetzt gegen die christliche Bevölkerung, um eine Intervention der Mächte herbeizuführen. Der Petit Parisien fordert von den Jungtürken direktes Einschreiten, Bestrafung der Malis, die den Aufreizungen des Estsultans Folge gegeben hätten. Das Pariser Blatt „Li­berte" will bereits Nüssen, daß die französische und die englische Regierung entschlossen seien, in Kon­stantinopel Vorstellungen wegen der den Christen Kleinasiens drohenden Gefahren in eindringlicher Form zu erheben. Die Regierung in Konstan­tinopel scheint sich vollkommen bewrrßt zu fern, was für sie auf dem Spiele steht, wenn sie sich als unfähig erweist, die Aufgaben der Regieruug zu erfüllen. Das türkische Kriegsiiii-sisterinin hat die Mobilmachung von 40 Bataillo­nen zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstel­lung der Ruhe in Kleinasien angeordnet.

volkswirtschaftliches und Soziales.

Dom Vormarsch der christlichen Gcwerk- schirsten. Wenn es nach den Prophezeiungen der sozialdemokratischen Partei- und „freien" Gewerk- schaftspresse gegangen wäre, dann müßten die christlichen Gewerkschaften heute in den letz­ten Zügen liegen; schrieb doch schon vor Jahren ein Spezialfreund derselben vom sozialdemokrati­schen Bergarbeiterverband von ihnen, sie humpel­ten auf den letzten faulen Krücken herum. Nun

herrscht im großen und ganzen der dem Frauen­stimmrecht günstige Typus der Eigentumsge­meinde In der Provinz Hannover und im lübeckschen Freistaate sind die Frauenrechte in den Landgemeinden am weitesten gehend. Seltsam mutet es an. daß im Königreich Sachsen das Recht der persönlichen Stimmabgabe nur den unver­heirateten Grundbesitzerinnen zusteht. Diese Auf­schlüsse über das Frauenstimmrecht gibt das vom Allgemeinen Deutschen Frauen-Verein soeben her- ausgegebene Politische Handbuch für Frauen.

— Tie geangelte Tiebin. AM originelle Weise wurde eine russische Taschendiebin entlarvt, die längere Zeit den Wochenmarkt in Steglitz unsicher machte. Um die Tiebin zu überführen, veranlaßte der Polizeiwachtmeister Grünewald die Wirwe eines ehemaligen Polizeibeamten, an ihrem Por­temonnaie eine dünne Schnur zu befestigen und diese durch die Markttasche und das Jackett hin­durchzuziehen und an ihrem Körper anzubringen. Mit diesem präparierten Portemonnaie begab sich die Frau auf den Wochenmarkt. Die Frau war kaum einige Schritte gegangen, als sie mit einem plötzlichen Ruck stehen blieb. Die Umstehenden entdeckten zu ihrer Verwunderung eine dünne Schnur, die von dec Markttasche dec einen Frau ausging und in der Tasche der Angeklagten lan­dete. Das Gericht verurteilte die völlig über­führte Diebin mit Rücksicht auf ihre Vorstrafen zu vier Jahren Zuchthaus. -a.

— Der frühere Wert des Zuckers. Der Zucker wurde in Deutschland erst im 14. Jahrhundert be- kannt. Bisher hatte man an seiner Stelle Honig benutzt. In einer Dresdener Hofliste ist das Lot Zucker mit 8 Groschen berechnet, doch ging man mit dessen Verwendung sehr sparsam um. Bei Ge­legenheit einer großen Galatafel, die damals Kur- fürst Ernst anläßlich eines fürstlichen Besuches veranstaltet hatte, wurden im ganzen nicht mehr als 11 Lot Zucker verbraucht.

ist es mit diesen Prophezeiungen ebenso ergan­gen, wie mit so vielen frühem von sozialdemo fratifdjer Seite. Die christlichen Gewerkschaften sind aber von Jahr zu Jahr steigend im Vor­marsch. Das haben auch sozialdemokratische Bläh ter, wenn auch widerwillig, später wiederholt zu- gestehen müssen, und eben schreibt wieder der „Grundstein" (Nr. 17) vom sozialdemokrarischeu Maurerverband in der Besprechung dec Jahres abrechung des christlichen Maurerverbandes: „Im allgemeinen kann man nicht bestreiten, daß bei christliche Verband die schwere Zeit der Krise ziemlich gut überstanden hat.....Daß di?

Arbeiterbevölkerung vieler Gebiete noch nicht rei, war für den Gedanken des Klassenkampses, und daß hier die christlichen Gewerkschaften manche Erfolge erzielen würden, das haben wir immer gewußt und auch oft ausgesprochen. Aber jetzt sind die fetten Weiden so ziemlich abgegrast. In der nächsten Prosperitätsperiode werden die christ­lichen Gewerkschaften noch manches Tausend neuep Mitglieder gewinnen, und auch der christlich: Bau- arbeiterverband wird noch einige Eroberungen machen; aber die Zeiten von 1903 bis 1907 kehren nicht wieder; er ist dem Beharrungszustande nahe gefoinmen." lieber letztere Prophezeiung braucht mau sich ebensowenig aufzuregen wie über frühere!

Aus dem Nachbargebiete.

* Aus der Rhön, 7. Mai 1909. Vom Groß-, herzoglichen Staatsministerium in Weimar ist dec Verkehr von Arbeitszügen mit Lokomotivbetrieb auf der im Bau begriffenen Ei s e n ba h n st r e ckö Geisa-Tann von Mitte Mai d. I. ab unter Beachtung der üblichen Sicherheitsmaßregeltt (Läuten der Znglokomotive bei Annäherung von Wegübergangen, sowie Aufstellung von tzalteta- seln an Wegekreuzungen genehmigt worden.

* Alsfeld, 9. Mai 1909. In Elbenroth wurden heute zwei Gehöfte durch Feuer zerstört.

* Höchst, 7. Mai 1909. Ein kleiner Sch u l- s ch w ä n i e r, der hier durch einen Polizeiserge­anten der Schule zugeführt wurde, erschien barfuß und erklärte auf die Frage des Lehrers, warum er in diesem Auszug erscheine: „Ei, mir hawe bloß een paar Strimp, un die trägt heut mei Schwester!" Hoffentlich hat der kleine Strolch nur geflunkert. Seine beiden Brüder befinden sich bereits in Zwangserziehung.

* Kassel, 10. Mai 1909. Eine interessante Versteigerung fand vor einigen Tagen hier statt. Es handelte sich um den Verkauf von nicht weniger als 16 ausgeschiedenen Eisenbahnlokorno- tiven. Die Preise schwankten zwischen 1709 und 4365 <3t für das Stück.

* Würzburg, 8. Mai 1909. Der fränkische Weinbauverein erhob energischen P rotest gegen die Einführung einer Weinsteuer, auch der Flaschentoeinsteuer, und beschloß eine diesbe­zügliche Resolution an den Reichstag zu richten.

vermischter.

'* Eine schreckliche Strafe für seine unsinnige Wette mußte ein Tischler aus Klagenfurt erleiden. Er hatte gewettet, die Stadt in volle Finsternis zu setzen. Zu diesem Zwecke warf er einen an einem Blumendraht befestigten Stein über die von dem Elektrizitätswerk zur Stadt führsnden Hochspannungsleitung. Durch die Berührung deS Drahtes mit dem nackten Boden wurden elektrische Funken erzeugt. Der Tischler, hierdurch bedenk­lich gemacht, wollte den Draht von der Leitung wegziehen, erhielt aber einen so heftigen elektri­schen Schlag, daß er sofort tot zusammen- stürzte. Ein Straßeneinräumer, der den Ver­unglückten entfernen wollte, wurde weit fortge- schleudert, erlitt jedoch keine Verletzung.

' Eine Hotelmisere herrscht in Berlin. Zimmer sind genug da, aber keine Gäste. Der „Verein Berliner Hotzelbefitzer" protestiert jetzt energisch gegen neue Hotelgründungen in te”. Reichshauptstadt.

* Der oldenburgische Landtagsabgeordnet« Harns hat sich erhängt, angeblich infolge van Eetoisfenbissen über seine Abstimmung im Land­tag, bei der er gegen den Wohnungsgeldzuschuß der Beamten stimmte. Er äußert; nach der Ab­stimmung fein Bedauern darüber und sprach die Absicht aus, sich das Leben zu nehmen. Zwei­fellos hat er die Tat in einem Anfall von geistiger Störung verübt.

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