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wochenbeilase: „Illustrierte Sonntagrzeitung"

36. Jahrgang.

Fulda, Dienstag, den 11. Mai 1909

M 106.

Krrstes WlcrtL

zu gehen, so merkwürdig, daß ich meinen Trau« ring abziehen und sorgfältig verstecken mußte; daran zu denken, daß ich eine verheiratete Frau war, deren Mann sie über alles liebte. So son­derbar, und doch war alles Wahr."

Ein leiser Schrei entfuhr Marian West, der Schrei einer Seele in Qual — in so bitterer Qual, daß jeder weitere Tropfen das Maß überlaufen

„Evelyn, still, o still! Weißt Du auch, daß jedes dieser Worte Tod für mich ist?"

DaS unaussprechliche Weh in dem lieben, guten Gesichte, die Qual im Tone dieser leisen Stimme ließen Lady Wayne verstummen und ihre Schwe­ster ansehen. ,

Zum ersten Male tn ihrem ganzen Leben wandte Marian West sich ab von der Schwester, lüe sie mit so unermüdlicher, nie wankender, treuer Liebe geliebt. t m ,ri

Sie legte das goldene Haupt auf das Polster des Ruhebettes und falbste die Arme über der Brust, während ein tiefes Stöhnen sich ihren Lip- pen entrang.

„Das war meine einzige Liebe, Evelyn," sagte sie leise, „und Du hast sie mir genommen. Mein ganzes Leben lang bin ich also einer falschen Liebe, einer falschen Erinnerung treu gewesen. OI es ist hart zu ertragen f"

Doch Lady Wayne folgte ihr und kniete vor ihr nieder.

„Du mußt mir verzeihen, Marian — Du mußt mir vergeben," schluchzte sie, „fein Tod könnte mir so bitter fein, wie Deine Liebe verlie- ren. O, meine Schwester, meine geliebte schwe-

Freund oder Rat und Hülfe brauchen," sagte er leise zu mir, „so kommen Sie zu mir."

„Lebt er noch?" unterbrach Lord Wayne.

„Ich weiß es nicht, ich wollte es nicht einmal wissen; später, als mir die Schuppen von den Augen gefallen, fchämte ich mich bitterlich dessen, was ich getan.

„Wir waren also getraut, und mein Mann sagte, dieser unser Hochzeitstag sollte in einem nahegelegenen kleinen Strandorte zugebracht werden.

„Wenn ich jetzt mit ruhigem, kühlem Urteil auf alles dies zurückblicke, so erstaune ich über seine Selbstsucht, — diesen einzigen Flecken in einem großen Charakter, das einzige, das ein ed­les und prächtiges Gemüt entfteHte - dem, es war Selbstsucht, ein Kind, als welches er mich fand, dazu zu veranlassen, einer heimlichen Stau­ung zuzustimmen.

„Zunächst, nachdem wir die Kirche verlassen, brachte er mich zu einem hübschen, kleinen Hotel, das eine schöne Aussicht auf das Meer hatte. Am Speisesaal war ein großer Balkon, dort früh­stückten wir. ES ist lange Jahre her, doch ich erin­nere mich des Dustes der Kletterrosen und der weißen Jasminblüten, die den Balkon umrang, tat, so gut wie wenn es gestern gewesen.

„Ich fing an zu weinen, Marian sollte zu mir kommen. „Laß mich ihr doch schreiben, ihr alles mitieilen," bettelte ich, „sie wird nicht böse wer­den — sie ist nie böse."

„Das einzige Mal, daß ich ihn habe die Sttrn runzeln und ungehalten werden sehen, war da­mals.

„Evelyn," sagte er und nahm meine Hände in die seinigen, „Kind, versuche mich doch zu ver­stehen, versuche doch zu begreifen, was meine Ver­heiratung Marian an tut. Vor Jahren habe ich sie geliebt und sie mich; ich weiß, daß sie mich liebte und weiß, daß — so lange sie lebt — sie sich nie wieder um irgend einen anderen Mann kümmern wird Vor Jahren hätte sie mich geheiratet, wärest Du nicht gewesen. Sie sagte mir, sie könnte ihr

Erscheint täglich mit Ausnahme der $o.m« und Feiertage, viertel' sSbrlichee Bezugspreis ohne vringrriohn und vestellgeld in Fulda so­wie answättsll .5« lNt.

verantw. Redatteurr «ar» Schütter

sterl Ich habe gesündigt, gesündigt — vor Gott bekenne ich es, wie schwer und schrecklich ich ge­sündigt — aber meine Strafe ist schwer, so schwer, Marian; und wenn Du Dich von mir wendest, wenn Du mir Deine Liebe entziehst, wie ,soll ich sie dann ertragen? Sieh, Martan, ich Intee hier zu Deinen Füßen. Du, die Du niemals irgend eine Bitte unerhört gelassen, wirst nur meine (Forts, folgt.)

zu den Bemerkungen, die hier gemacht sind, nicht aus- spricht. (Lebh. Widerspruch.)

Abg. Dr Arendt (srrüons.): Ich denke, wir werden das Ansehen dieses hohen HauseS auch ohne den Regierungsvertreter zu wahren wissen. (Lebh. Zu­stimmung.) DaS Fernbleiben deS Ministers hat hier einen demonstrativen Charatter. (Beifall.) Dazu kommt, daß der Minister sich so vertreten ließ, daß er einen HeiterkritSersolg davontrug. Für die guten Beziehungen zwischen Ministerium und Haus wär« es wünschens­wert daß die gegenfettigen Aeußerungen tn einer anderen Tonart gehalten wären. Redner geht bann auf den Antrag ein und erklärt ihn für nicht weit ^""Vizepräsident Krause-Königsberg: Ich stelle fest, daß es sich hier um keinen Initiativantrag handelt, sondern um einen zum Etat gestellten Antrag des Abg. Glatzel, den die Kommission mit einer Resolution ver­sehen hat. Trotz Resolutionen zum Etat haben die Minister wiederholt an der Besprechung teilgenommen.

Nachdem die Abgg. Leinert (Eoz.) und Dr. Pach- nicke (srs. Bgg.) ausgeführt, daß chnen der Antrag nicht weit genug gehe, wird der Anttag Glatzel gemäß dem Kommisstonsbeschlub mit großer Mehrheit angenommen.

Ohne Debatte wurden erledigt der Etat der all­gemeinen Ftnanzverwaltung und des EtatS- gesetzes.

Es folgt die erste Beratung deS Gesetzentwurfs betr.daSHöferecht in der Provinz Hannover.

Justizminister Beseler: Der Entwurf soll das An- erberecht festigen und einen kräftigen Bauernstand er­halten.

Abg. Bahrenhorst (kons.) beantragt, den Entwurf einer Kommission von 14 Mitgliedern zu überweisen.

Nachdem die Abgg. Reinhardt (Ztt.), Meyer (ntl.) und Dr. Hahn (kons.) für den Antrag gesprochen hatten, wurde derselbe einer Kommission von 14 Mitgliedern überwiesen.

ES folgt die dritte Beratung deS Etats.

Nach debatteloser Erledigung einer Reihe von Etats trat Vertagung ein.

DienStag: Fortsetzung der dritten Le^mg des Etats.

Deutsches Reich.

** Berlin, 10. Mai 1909. Die Gerüchte über einen demnächstigen Besuch unseres Kaisers beim Zaren in Petersburg werden offiziell für grundlos erklärt. — Die Verhandlungen, die unter Leitung deS Direktors v. Körner vorn Auswärtigen Amte zwischen deutschen und schweizerischen Müllern zum Zwecke der Beilegung des Streites über die Ausfuhrver­gütung für Mehl geführt werden, find wegen der ablehnenden Haltung der schweizerischen Müller ergebnislos verlaufen. — Für das ab­gelaufene EtatSjahr haben aus den im Etat der preußischen Staalseisenbahnverwaltung zur Prä- miierung nützlicher Erfindungen vorge­sehenen Mitteln 61 Beamten und Arbeitern der Eisenbahnverwaltung Belohnungen im Gesamt­beträge von 20000 Mark für Erfindungen und Verbesserungen, die zur Erhöhung der Betriebs­sicherheit ober in wirtschaftlicher Beziehung von Bedeutung find, bewilligt werden können.

* Die Mittelmeerreise des Kaisers. Das Kaiserpaar traf gestern nach einer Fahrt durch das Jonische Meer aus der zwischen Sizilien und der afrikanischen Küste gelegenen brtttschen Insel Malta ein. Nach einer Truppenrevue und einer Automobilfahrt verließen der Karser und die Kaiserin die Insel, und die Fahrt ging in nördlichen Richtung zurück, an Korfu vorüber, nach Brindisi, an der Südostküste Italiens, wo am Mittwoch die Begegnung mit dem König und der Königin von Italien stattfindet. Am Freitag trifft unser Herrscherpaar dann beim Kaiser Franz Joseph in Wien ein.

c Die Zentrumsfraktion des Abgeordnetenhauses hat am Montag beschlossen, sich hinsichtlich der

Stellungnahme zu den vom Herrenhaufe abge-i dnberten Besoldungsgesetzen den anderen Parteien anzuschließen, sodaß es nunmehr für die Mittwoch ht Aussicht genommene Beratung der Gesetze zu Kompromißanträgen aller Parteien (einschließlich der Sozialdemokratie) lomtnen wird. Dieselben werden sich hinsichtlich deS Wohnungs- aeldzuschusseS dahin bewegen, daß die vom Serrenbause gestrichene Rückwirkung des erhöhten Wohnungsgeldzuschusses bis 1. April E wieder- hergesteüt, im übrigen aber den Beschlüssen des Serienbaues beigetreten wird. DaS Kompromiß bezügl. des Lehrerbesoldungsgesetzes geht dahin die vom Abgeordnetenhaufe den Lehrern be- willigten Bezüge emschließlich Zulagen, die vom Herrenhause abgeändert worden sind, wieder herzu- stellen, wie sie das Abgeordnetenharts festgesetzt hatte. Dann sollen unter Umständen auch Schulverbänden mit mehr alS 25 Schulstellen die bisherigen Staats- znschüffe erhalten bleiben. Hinsichtlich der B e- amtenbesokdungsordnung wird das Abge- ordnetenhaus den nur unwesentlichen Abänderungen bezüglich der Professoren beitreten.

Oberlandesgerichtsrat Georg Wellstein, Mit- glich der Zentrumsfraktion des Reichstags und des preußischen Abgeordnetenhauses, feiert am Mittwoch seinen 60. Geburtstag. Er wurde geboren am 12. Mai 1849 zu Oberbiel (Kreis Wetzlar) studierte, in Göttiugm und Berlin, nahm an dem Feldzuge gegen Frankreich mit Auszeichnung teil, wurde tm Jahre 1879 zum Amtsrichter in Braunfels er­nannt, 1887 Amtsgerichtsrat in Ehrenbreitstem und 1898 Oberlandesgerichtsrat in Frankfurt a. M. In der Juristenwelt genießt er großes Ansehen wegen eines ausführlichen Kommentars zu dem Gesetz über die freiwillige Gerichtsbarkeit. Im parlamentartfchen Leben steht Oberlandesgerichtsrat Wellstem seit dem Jahre 1890, wo er als Nachfolger des Freiherrn v. Heriling als Vertreter von Koblenz in den Reichstag entsandt wurde. Hier hat er eme überaus erfolgreiche Tätigkeit entfaltet. Seit 1903 leitet er als Nachfolger des Abg. Spahn die schwie­rigen Verhandlungen der Wahlprüfungskommission. Daneben hat er als Vorsitzender der Justizkomnus- ston an verschiedenen wichtigen Jnstizgesetzen erheb­lich mitgewirkt. Dem Abgeordnetenhause gehört Abg. Wellstein seit dem Jahre 1893 an, auch hier vertritt er die Stadt Koblenz. Welches An- fehen er bei seinen Fraktionskollegen besitzt, dafür zeugt am besten die Tatsache, daß er dem Fraktions­vorstande als Mitglied angehört. Auch an den Bestrebungen des katholischen Deutschlands nimmt Abg. Wellstein regen Anteil. 1905 war er Vize- Präsident des Straßburger Katholikentages. Auf den Katholikentagen führt er seit einigen Jahren den früher vom Prinzen Arenberg innegehabten Vorsitz in dem Ausschuß für Aeußeres und Mission. Wir wünschen dem verdienten Abgeordneten, der sich wegen feines gewinnenden Wesens überall größter Beliebtheit erfreut, noch recht viele Jahre segens­reicher Arbeit für Partei nnd Vaterland.

4- Die konservative Reichstagsfraktion und die Erbanfallstener. In ihrer diesmaligen Wochenschau teilt die .Kreuzztg." aufgrund zuverlässiger Er- kundiaung mit, daß in der konservativen Fraktion des Reichstages nur noch drei sächsische Konser­vative bereit seien, die Ausdehnung der Erbschafts- steuer auf Ehegatten und Kinder unter gewissen Bedingungen gut zu heißen.. Die übrigen 58 Ab­geordneten würden eine solche Erbanfallsteuer unter allen Umständen a blehven. Diese Stellungnahme sei endgültig. Keine Rücksicht auf Personen ober auf etwaige nachteilige politische Folgen, auch auf eine Reichstagsauflösung, werde daran noch etwas ändern. Die Fraktion fei bereit, alle aus dieser Stellungnahme sich ergebenden Kon­sequenzen auf sich zu nehmen. — Das Blatt erörtert ferner den Gedanken, nötigenfalls auch ohne die Blockmehrheit die Finanzreform zu- stände zu bringen. Ter Reichskanzler habe sich

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 10. Mai 1909.

Bei der Fortsetzung der zweiten

Beratung deS Etats

wurden zunächst zwei Restttte! vom Etat der Eisen - b abnv erw a lt un g und der Bauverwaltung angenommen. „ _ ,

Darauf wurde der Etat des Herrenhauses be­raten.

Eine Resolution der Budgetkommtfsion betr. Vor­lage eines Gesetzentwurfes, wodurch das Recht der Präsidenten beider Häuser des Landtages zur Vertte- tuns deS Fislus und die Rechtsverhältnisse des Herren­hauses und des Abgeordnetenhauses neu geregelt wer­den, wurde einstimmig angenommen.

Beim Etat des Abgeordnetenhauses be- grroortete Abg. Wagner (sreilons.) eine Resolution der udgetlommisston betr. Erhöhung des Renumerations- fondS für ältere Diener.

Abg. Wallenborn (Ztr.) und Abg. Schröder-Kassel (natl.) schloffen sich dem Anttag an.

Berichterstatter v. Brandenstein berichtet über die Verhandlungen der Budgetkommission über den Antrag Glatzel, der von allen Parteien unterstützt wird, bett, freie Eisenbahnfahrt für die Abgeordneten zwischen Berlin und ihrem Wohnsitz sowie ihrem Wahl­kreis. Der Antrag, der von allen bürgerlichen Parteien unterzeichnet fei, sei in der Kommission mit 15 gegen vier Stimmen angenommen worden.

Ein Regierungsvertteter erklärt, die Regierung pflege bei so wichtigen politischen Angelegenheiten (große Heiterkeit) erst Stellung zu nehmen, wenn die Parteien des Hauses sich dazu geäußert hätten. Die Regierung habe ihn hierhergeschickt, um alle Gesichts- puntte zur Information der Regierung entgegenzuneh­men. (Große Heiterkeit.)

Abg. Glatzel (ntl.): Sehr zu bedauern ist, daß nicht ein Minister hier erschienen ist (Sehr richtig!), zumal die Regierung dem Anträge eine hochpolitische Bedeutung zumißt, was ich nicht tue. Der Anttag soll uns lediglich eine Annehmlichkeit verschaffen. Aber er dient auch allgemeinen Interessen. Bei der Länge der Sessionen sind Reisen in die Heimat unausbleiblich.

Abg Meyer-Tilsit (kons.): Em jeder von uns »pfert so viel an Zeit, daß man ihm die Gelegenheit nicht nehmen darf, von Zeit zu Zeit nach Hause zurück­zukehren und seine Geschäftsobliegenheiten zu erledigen. Es ist wirklich nicht zuviel verlangt, wenn freie Fahrt 0Cro Wagner-Breslau (fit.) erklärt sich gleich-

falls für den Anttag Glatzel.

Abg. Frhr. v. Erffra (kons.) spricht sich im Namen einer kleinen Minderheit gegen den Antrag Glatzel aus.

Abg. Kirsch (Ztr.): Wir haben hier die erste Etats­beratung, bei der kein Minister anwesend ist. Und doch entspräche es der Würde des Hauses, daß die Minister hier wären. (Lebh. Beifall). Als die Ministergehälter erhöht werden sollten, da waren die Minister anwesend. (Langanhaltender Beifall und Heiterkeit.) (Landwirt- schaftsminister v. Arnim tritt, offenbar tn der Mei­nung, daß das Höferecht für Hannover zur Berhand- kuna stehe, tn den Saal. — Langanhaltende, nicht enden- wollende Heiterkeit.) Es handelt sich hier nicht um einen Initiativantrag, sondern um einen zum Etat eingebrach­ten Antrag. Mir geht der Antrag bei weitem mcht wett genug, denn es ist unbedingt notwendig, daß der Abge­ordnete nicht nur zwischen Berlin und Wahlkreis, so­wie Berlin und Wohnort verkehren kann, sondern auch direkt zwischen Wohnort und Wahlkreis. Zum Zwecke von Informationsreisen wäre es erwünscht, daß die Abgeordneten freie Fahrt durch die ganze Monarchie hätten. Eine Berfaffungsänderung ist das, ivas der Antrag will, nicht, also auch keine so wichtige politische Frage. Falls die Regierung auf den Antrag nicht reagiert, wird er so lange wiederholt werden, bis sie darauf eingeht. (Lebh. Beifall.) .. .

Geh. Rai v. Falkenhayn: Der Antrag verliert von seinem Charakter als Initiativantrag absolut nichts durch die Tatsache, daß er bet der Etatsbera- tung gestellt ist. Ich glaube, es hegt imJnteresse des HauseS und seines Ansehens, daß die Regierung sich

persönlich nicht dazu verpflichtet, sie nur mit dem Block zu machen, wie von liberalen Federn immer wieder behauptet werde, und es habe sich nun definitiv ergeben, daß der Block dazu auch gar nicht im Stande sei.

)( Die Finanzkornrntssion des Reichstages und ihre Subkommissionen arbeiten weiter, als ob sie all die Kämpfe, die sich jetzt abspielen, gar nichts angingen. Aus der Subkommission. der Steuerkommission für die Beratung der Tabaksteuer liegen jetzt jetzt die Beschlüfse im einzelnen vor. Sie gehen dahin: An Zoll ist zu erheben von einem Doppelzentner: 1. Tabak­blätter, unbearbeitet oder nur gegoren (fermen­tiert) oder über Rauch getrocknet, auch in Büscheln, Bündeln oder Puppen 85 Mark, 2. Tabak? erzeugnisse: a. Tabakrippen und Tabakstengel, auch mit Tabakbrühe behandelt, (gebeizt) 85 Mk b. Tabaklaugen, auch gemischt mit Tabakbrühe 100 Mark, c. Tabakblätter, bearbeitet (ganz oder teilweise entrippt, auch mit Tabakbrühe be- handelt (gebeizt) usw. Abfälle von bearbeitete! Tabakblättern 180 Mark, d. Karotten, ©langet und Rollen zu Schnupftabak 210 Mark, e. Kaw und Schnupftabak; Pfeifentabak in Rollen, ge schnitten usw. mit Ausschluß des seingeschnittenev Tabaks; Tabaksmehl, Tabaksstaub und Abfälle von Tabakerzeugnissen, auch gemischt mit Ab fällen von Rohtabak (Schraps); Papier auS Stengeln oder Rippen von Tabakblättern SOG Mark, f. Zigarren 400 Mark,, g. feinga schnittener Tabak 700 Mark, h. Zigaretten 1000 Mark. — Die Steuer für inländisches Tabak wird für Tabakblätter von 45 auf 50 Mark pro Doppelzentner erhöht; für Grumpen beträgt sie 45 Mark. ‘

a. Der Wohnungsgeldzuschutz. Die Budgetkom' Mission des Reichstages verhandelte über den Ab«; schnitt des Besoldungsgesetzes, der dm WohnungS geldzuschuß der Reichsbeamten betrifft. ES wurden nach einem Kompromißanttage der Sub­kommission folgende Tarifsätze für die sechs Tarif- klassen beschlossen. (Die abweichmden Sätze der Regierungsvorlage sind in Klammern beigefügt): in Ortsklasse A: 2100 (2250) — 1680 (1800) — 1300 (1350) — 570 — 800 (810) — 480; in OrtS« klasse B: 1680 (1800) — 1260 (1350) — 920 (990) — 440 (480) — 630 (650) — 360; in Ortsklasse 0: 1260 (1350) — 1020 (1080) — 800 (810) — 360 (400) — 520 (540) — 290; in Ortsklasse D: 1080 — 900 — 720 — 300 (320) — 450 — 220; in Ortsklasse E: 900 — 810 — 630,— 220 (250) — 320 — 150. In Hessen-Nassau wurden in andere Klaffen versetzt: Wiesbaden aus B nach A, Marburg auS D nach C, Homberg, Bezirk Kassel, aus E nach D, Hausen bei Frankfurt a. M. aus E nach D, Falkenstein aus E nach D, Frankenberg aus E nach D, Hadamar aus E nach D; im Groß­herzogtum Hessen u. a. Bischofsheim aus E nach D, Büdingen aus E nach D. Der Wohnungsgeld­zuschuß wurde nach dem Kompromißanttage ein« stimmig angenommen. Es folgte sodann die Be­ratung der Besoldungsordnung für die Offiziere des Landheeres. Der Kompromißanttag stellt zu­nächst die älteren Oberleutnants besser. Nach der Vorlage follten die Leutnants, Oberleutnants erhalten vom ersten biS vierten Jahre 1500, vom fünften bi­schten Jahre 1800, vom neunten Jahre ab 2100 M. Nach dem Kommissionsbefchluß erhalten sie vom ersten bis dritten Jahre 1500, vorn vierten bis fechsten Jahre 1700, vom siebenten bis neunten 1900, vom zehnten bis zwölften Jahre 2100, und vom dreizehnten Jahre ab 2400 Mark. Der Antrag der Subkommission, der eine Mehrausgabe von 1300000 M. voraussieht, wurde angenommen, da­gegen stimmen die Sozialdemokraten. In der Be»

lOlj Aus dem Englischen von K. v. Raesseld-

Jch weiß noch, Mortimer, daß ich beinahe die "ganze Nacht am Fenster saß »nd das Flim- mern und Funkeln der Sterne auf den Wogen beobachtete; die Wogen stiegen und fielen, ich vernahm in ihrer stillen Musik zuweilen eine Warnung, zuweilen einen Vorwurf, doch kern Wort, keine Andeutung des Graufens und Ent­setzens, das jetzt über mich gekommen.

„Ich war gewohnt, früh aufzustehen und hin­unter an den Strand zu gehen, sodaß^es feinerlet Aufsehen erregte, als ich an diesem Morgen nocy etwas früher fortging.

„Ich entsinne mich dieses Morgens noch sehr rari; es war einer der schönsten, den ich ie gesehen Himmel und Erde schienen ihr bräutliches Gewand angelegt zu haben; auf Land und Meer lag em eigentümliches Licht, und er sagte nur, das Jet bas Lächeln der Liebe. Wir erreichten bte Heine Kapelle bereits, als noch der Tau auf dem Grase lag.

„Ich weiß noch, Mortimer, wie der Geistliche, der uns traute, mich ansah. als ob er über meine Jugend erstaunt sei. Edward Aylesford hatte ihm Horcher gesagt, unsere Heirat sei eine durch wich­tige Umstände gebotene eilige, und hatte alle seine Bedenken zu beschwichtigen verstanden. Seine Haushälterin, Helene Bird, und sein Kutscher, John Fortescue, waren unsere beiden Zeugen. Ich bin überzeugt, daß er, der Geistliche, keine Ahnung von dem Range und der Stellung meines Mannes hatte. Als wir in die Sakristei gingen, sagte er zu ihm:

»Ihre Frau ist sehr jung, sie sieht noch wie tin Kind aus, seien Sie gut mit ihr."

Dann schüttelte er mir die Hand, wünschte mir Glück und gleichzeitig Lebewohl. Ich las beut- fich Mitleid in seinem gutmütigen, vertrauener­weckenden Gesicht. „Sollten Sie jemals einen

Leben für uns hingeben, daß Du aber als hulf- loses Kind das stärkste Anrecht auf ihre Liebe be- säßest. Sir gab mich auf, verzichtete freiwillig und mit voller Ueberlegung auf ihr ganzes Le­bensglück, und zwar Deinetwegen; und letzt be­kenne ich Dir, ich bin ein zu großer Feigling, um dies edle Herz zu Tode zu verwunden dadurch, daß ich ihr sage, ich habe die junge „Schwester ge­heiratet, um derettvillen sie das Glück ihres gan­zen Lebens aufgegeben. Von allen weiblichen We- sen der Welt bist Du mir tausend und tausend mal die liebste, Evelyn; aber Marian hat den höchsten Anspruch auf meine Achtung und Ver­ehrung. Ich würde Dir mein Leben geben, wenn Du es verlangtest, aber quäle mich nicht, daß ich jetzt Marian alles mitteile."

Sie muß es doch einmal irgendwie wissen, rief" ich „und wie kann ich sie wieder sehen, täg­lich mit ihr verkehren und ihr dies nicht sagen/"

Um meinetwillen," erwiderte er; „weil ich Dich darum gebeten habe; und alle Opfer sind leicht für die, die wir lieben. Evelyn, das Aller­erste was ich tue, sobald ich in. Indien bin, soll sein,' daß ick ihr schreibe. Ich könnte sie nicht sehen und es ihr sagen, obwohl ich ihr kein Unrecht getan habe. Ich könnte nicht tn ihr liebe? Gesicht blicken und ihr erklären, daß ich eine andere und teurere Liebe gefunden, als die ihre. Sei also zu­frieden — sie wird Dich nicht tadeln, wenn sie alles weiß." , „ ., ,,

„Und Du wirst sicher als allererstes schreiben, sagte ich zu ihm, „sobald Du in Indien landest, damit sie alles weiß?" „ m ,

Gewiß, gewiß; nut der ersten Post. Vertraue mir',' Evelyn: ich habe bis jetzt noch nie etwas Unwahres gesagt. Nun aber laß uns diese eine Sorge vergessen und nur daran denken, daß nichts im Leben noch im Tode uns trennen kann. "

„Wir blieben in dem kleinen Strandorte bis des "Nachmittags. Meine Abwesenhett fiel nicht weiter auf; die Dienerschaft zu Hause dachte nur an ihr eigenes Vergnügen. ..... ------ -------

„Es schien so merkwürdig,'ohne ihn nach Hause jetzt nicht abschlagenl"

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