Zul-aer W Zeitung
Mouatrbellage: „zuldaer GeschichtrdMer"
Fulda, Samstaft, den 8. Mai 1909
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Fernsprecher Ur. 9.
36. Jahrgang
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Korporation. Einer, der -es Dielbstahls oder eines anderen Vergehens beschuldigt wurde, war seines Kirchenstuhles beraubt. Die anderen rück
ten nun mit ihren Stühlen auf. Kam er vielleicht später wieder hinzu, so mußte er den untersten Platz einnehmen und eine Strafe zahlen.
Die Köttner übten auch eine gewisse Gerichtsbarkeit untereinander aus. Verleumdungen wurden in der Versammlung bestraft. Man verurteilte zu Strafen in Geld oder Wein. Letztere werden Wohl gemeinschaftlich vertrunken worden fein.
Viraltn».
mußten sich gegen den Fürstabt und seine Beamten ehrerbietig benehmen. Es war verboten, vor dem Stift zu essen, sowie unter den Hallen miteinan
Die Erziehung dnrch die Frau.
Von H. G.
(Nachdruck verboleu.)
Jn^ der kleinen Gesellschaft war die Unterhaltung sehr lebhaft geworden. Man halte von dem traurigen Lose einer ehemals glänzenden und reichen Familie erzählt, die in allen ihren Teilen verarmt und ins Elend geraten war. Einige suchten dies damit zu erklären, daß nachgewiese- nermaßen schnell und leichterworbene Vermögen selten länger als eine Generation in einer Familie hielten, andere suchten die Ursache in einer krankhaften Verschwendungssucht, während ein früher der Familie nahestehender Freund das Mißraten des jüngsten hochbegabten Sohnes damit zu begründen suchte, daß die Mutter schon längere Zeit Witwe gewesen, und dec Erziehung die feste, strenge Hand des Vaters gefehlt habe. Einer Frau sei es eben unmöglich, allein ihre Kinder, besonders Söhne, zielbewußt und konsequent zu erziehen.
Ta nahm ein würdiger, greiser Jurist das Wort zu höflichem Widerspruch: „Sie entschuldigen, wenn ich Ihnen diese Ansicht zu widerlegen suche; aber ich habe in meiner jahrzehntelangen Tätigkeit als VormuNdschaftsrtchtec so oft das Gegenteil erfahren können, daß ich nicht unchin Fann, ey?e Lanze für die Erziehung der Frau zu brechen. Zugegeben, daß eine Frau nicht wie der Vater die griechischen und lateinischen pensa, seine sonstigen Arbeiten über- wachen kann — in den meisten Fällen wenigstens nicht —, daß sie ihrem Sohne also Vertrauen schenken muß, ein Vertrauen, das sehr leicht getäuscht werden kann, so wiegen auf der anderen Sette die gemütvollen, sanft erziehenden Einflüsse der Mutter dies bei weitem auf. Die Mutter ist diejenige, die den Samen alles Schönen, Guten und Edlen in eine junge Kindesseele legt, die die ersten Gebete mit ihrem Liebling spricht, ihn die ersten Gesetze der Religion lehrt, ihn auf den ersten Lebenswegen schützt. Der Mutter gehört ungeteilt das Vertrauen des Kindes, ihr gesteht es seine kleinen Verirrungen und Fehler, die es vor dem strengeren Auge des Va
ters verbergen möchte, sie lenkt es leicht auf de» rechten Weg zurück.
Und nun zu den Fällen, von denen ich vo» allem spreche, wo eine zur Witwe geworden« Frau allein ihre Kinder,- ihre Söhne, erziehe» soll. Naturgemäß zieht sie sich mehr wie bisher m die Familie zurück; ihr Wirken gehört ungeteilt ihren Kindern, die Sorge für deren Fort- kommen im Leben, pst für ihren Unterhalt, ihre Ernährung, die sie sonst dem Vater tragen half, tritt an sie allein heran, pekuniäre Fragen wollen erledigt, geprüft fein — was liegt da näher, all ba& sie sich die ungewohnte Last erleichtern will, indem sie einen Teil der SHvere auf die jugendlichen Schultern abladet, sich ihnen anvertraut, mit ihnen berät und bespricht. Das also gespendete Vertrauen ehrt die Kinder und spornt sie an, dasselbe weiter zu verdienen: ihr leidster, vielleicht zu leichter Sinn lernt, sich mit ernsten Lebensfragen beschäftigen, lernt den Wert bei Gchdes, die Annehmlichkeit des Heim», den Nutzen der Arbeit erkennen. So treten sie dem Leben gestählter und gereifter entgegen, als die anderen, für die das Leben nur Lust und heitere Freude hatte und die auf dem rauhen Wege stille stehn oder bei Versuchungen straucheln.
Goethe sagt: „Diejenige wird immer für die vorzüglichste Frau gelten, welche ihren Kindern den Vater zu ersetzen imstande ist." Ich habe während meiner Amtszeit unzählige von kleinen Bürgersfrauen'kennen gelernt, die dies im wahren Sinne des Wortes verstanden, die ihren Kindern Vater und Mutter zugleich waren, die ihre Familie zu beglücken und zu leiten verstanden und oft dabei ihrem Erwerbe, ihrem Geschäfte nachgehen mußten. Ich habe in die Häuslichkeit so mancher Menschen Einblicke getan und gesehen, daß die Kinder verwitweter Mütter fast niemals mißraten sind, sondern diesen in treuer Verehrung anhängen, während umgekehrt — Sie Kinder, die frühe die Mutter verloren haben, viel leichter auf Abwege gerieten. Mag es darin liegen, daß der Sinn des Mannes mehr nach außen geht, daß ihm die Gabe des behaglichen Zusammenlebens und -haltens fehlt, daß seine Strenge manchmal verbittert, wenn die versah-, uonde Vermittlung der Mutter fehlt — jedenfalls muß ich nach meinen langjährigen Erfahrungen der Frau die Palme in dieser Beziehung zuerkennen."
„Und Ihnen, meine Damen", wandte er sich' zu diesen, „die Sie in der angenehmen Sage sind, Ihren Kindern das Leben leicht und glücklich zu gestalten, machen Sie es ihnen nicht zu leicht, zu sorglos. Zeigen Sie ihnen die Not und das Elend, damit sie es lindarn können, lehren Sie sie die Vorzüge schätzen, die ein behagliches Henn getvährt, zeigen Sie ihnen, tvas sie haben und was andere entbehren müssen, damit sie nicht zu ungestählt und ahnungslos ins Leben hinaus- gehen. Lehren Sie sie in der Jugend leichte ~affen tragen, damit sie nicht später unter schweren zusammenbrechen!" ;
Allerlei.
— Calvin der — „Jesuit". In der Reihe der liberalen Religionsgeschichtlichen Volksbücher veröffentlicht Dekan Baur (Weinsberg) eine Biographie Johann Calvins. Sie soll den 400. Geburtstag des Genfer Kirchenstifters verherrli- chen. Auf S. 28 ist nun der Verfasser gezwungen, seinem Helden folgendes Zeugnis auSyt.1 stellen: „Es konnte nicht anders sein, als daß sich m Calvin der Grundsatz, daß der Zweck die Mittel heilige, bewußt oder unbewußt im-? mer tiefer festsetzte."
— Ein Flugkünstler des fünfzehnten Jahr-' Hunderts. In Italien gedenkt man gegenwärtig eines höchst merkwürdigen und obendrein gelun- genen Flugversuches, den ein Mechaniker Mach Battista Dankt im Jahre 1494 in Perugia un- ternahm. Dauti hatte auf einer Insel einen Apparat hergestellt, mit dem er wiederholt des Nachts über den See geflogen war. Anläßlich einer Hochzeitsfeier zeigte der Hexenmeister feine Künste in Perugia. Er kroch — wie die Chronik berichtet — in seinen hauptsächlich aus zwei großen Flügeln bestehenden Apparat und flog „un- ter madigem Gepfeife" (das von der geheimnis-
Maschine ausging) von ei mm Turm über den Marktplatz auf das Kloster von Sankt Maria zu. Dort hatte Dantit für die Landung Matra- tzen bereitlegen lassen. Leider brach eine Flügel-' stange und der kühne Mann mußte schon vorher' auf einem Dache landen, wobei er sich leichte Verletzungen zuzog. Die Chronik erzählt leib« nicht, was aus Dantis Erfindung geworden ist.
Wirklichkeit auf. Mustergültig benehmen sich die fremden Offiziere und Mannschaften. Als . die Eindringlinge endlich den Platz räumen, einem höheren Befehl zufolge, ziehen englische Freiwil- lige, mit einem Bäckermeister als Hauptmann an der Spitze, in eines Engländers Heim ein. Eine überaus komische Truppe, die dem Krähwinkler Landsturm getreulich nachgebildet ist. Als die Fremden zurückkehrten und das Haus besetzt finden, nehmen sie es unter Feuer. Disziplinlos erwidern die Engländer die Schüsse. Es ist ein grimmiger Humor, wenn der eine der jungen Engländer auf den Tisch springt und sich über feine Landsleute lustig macht, die kaum wissen, wie sie ihr Gewehr halten sollen. Und wie er dann, als Sie ersten Schüsse der Fremden fallen, fast bewundernd aufschreit: „Heissa, können die Kerle schießen! Jetzt kommt Leben in die Budel" Da trifft auch ihn das feindliche Blei und wirft ihn zur Erde. Im dritten Akt brennt das Haus an allen Ecken, die Mauern klaffen auseinander und ein englischer Berufsoffizier überbringt den Befehl zum Rückzug. Nur der alte Brown bleibt zurück: „Wenn Ihr zu feig seid, werde ich allein mein Haus verteidigen." Und schon rafft er ein Gewehr auf, das einem Toten entfallen ist, und fchießt unter die anstürmenden Feinde. Einen Augenblick nur, bann stehen sie vor ihm und der fremde Offizier verkündet chm, in ehrlichem Bedauern mit dem Graukopf, fein Schicksal: „Ter Krieg, Sir, wird nur von Soldaten gegen Sol- baten geführt. Sie haben Ihr Leben verwirkt. Es tut mir leid!" Mit aufgerissencn Augen starrt der Alte den Fremden ins Antlitz. Dann führen ihn die Soldaten hinaus und der Vorhang sinkt Silber einem rauchenden Trürnmerfelde.
Wie man hieraus ersieht, handelt es sich um eine recht blöde Stimmungsmache zugunsten der allgemeinen Wehrpflicht in England, ein Stück, das in den leichtgläubigen Köpfen der Engländer mehr Verwirrung anrichtet, als es Gutes stiftet. Das Stück ist ja auch darnach angetan, den Unwillen des deutschen Publikums zu erregen, aber daß es gerade notwendig war, ob dieses Machwerks einen derartigen Heidenlärm zu vollfiih- pen, wie dies im deutschen Theater der Fall war, war nicht gerade nötig. Uebrigens haben die Berliner schon ganz änderen Quark angehört, ohne mit der Faust auf den Tisch zu schlagen.
Vierteljahre hielten sie eine Versammlung ab. Die Aufnahme war mit einigen Opfern verbunden. Dem Hofmeister mußte ein neuer Köttner eine Kanne Wein liefern. Damit kein schlechtes GüvächS geliefert würde, waren 6 Batzen als Preis für die Kanne festgesetzt. Auch dem Dechant, sowie jedem Bruder mußten Weinspenden gereicht werden. Außerdem erhielten die Brüder insgesamt noch einen Gulden „zum Vertrinken". Auch die Frau deS Aufgenommenen hatte ein Maß Dein zu spenden. Wenn der neue Köttner zum erstenmal die Scheuer deS AltenhofeS dienstlich betrat, mußte et den Brüdern etwas Branntwein mit gesalzenem Kuchen überreitfjen.
Die Ziele der Vereinigung waren in erster Linie kirchlicher und geselliger Natur. Man sah darauf, daß die Brüder bid zur Messe und zur Vesper gingen. Sie sollten daselbst für den Fürstabt um eine gute Regierung und um ein langes Seben bitten, auch der Seelen der verstorbenen Fürstäbte und aller atmen Seelen zu gedenken. In bet Kirche (wohl hn Dom, als der Kathedrale oeS FürstabtS) hatten die Köttner ihr« eigenen Stühle. ES war ihre Pflicht, Sonntags hier zu erscheinen. Versäumnis einer Messe, Predigt oder Umgang, oder schwätzte er mit seinem Nachbar, so hatte er 4 Pfennig Strafe zu zahlen. Unterstand sich einer, in seinem Stuhl zu fluchen oder vergaß er den Rosenkranz, so wurde von dem Uebelkäter alsbald eine Kanne Wein eingezogen. In der Fastenzeit gingen die Köttner mehrmals den Kreuzweg, beteten auch mitunter gemeinMftlich den Rosenkranz und andere bestimmte Gebete. Ostern und Weihnachten gingen ,sie gemeinfam zu den Sakramenten. Wer fern blieb, zahlte eine Kanne Wein. Die Brüder
— Direkter Telegraph Mars-Venus—Erde^ Tie Londoner „Daily Mail" veröffentlicht den romanhaft klingenden Bericht über eine Unterre-* bung ihres Newyorker Korrespondenten mit bem* Professor der Astronomie Todd. Dieser Gelehrt«' will nichts weniger als sich mit den Marsbewohnern telegraphisch in Verbindung setzen. Er ist der Überzeugung, daß die Mars- und Venus-' bewohnet seit undenklichen Zeiten versuchen, uns' Nachrichten zu senden, aber vergeblich. Todd will nun im September in Begleitung eines Lust-; Kiffers in einem Ballon Höhen zu erreichen suchen die dem Einfluß der Erde nicht mehr unterworfen sind und die elektrischen Wellen nicht mehr o ^Sauerstoffapparat soll den fühlten'
l"[t rI4errt i'0? Atmen ermöglichen. Aus Liefer! Hohe soll versucht werden, Meldungen von MarS und Venus zu empfangen. — Das Projekt wird überall em bedenkliches Schütteln des Kopses her»' borrufen. Man würde wohl auch ohne weiteres darüber lächelnd zur Tagesordnung übergeben; wenn Professor Todd der erste beste wäre. Er har sich aber als Mann der Wissenschaft einen gtamaV gemacht. _ -.. ■ "
»Sie find ebenso wenig vom Glück begünstigt wie unser König."
.Wreso", frag Viktor Emanuel neugierig.
,Na ja, es ist ja landauf, landab betunnt, daß alle Fische fortschwimmen, wenn der König kommt. Er ist zwar ein guter Herrscher, aber ein miserabler Angler."
Viktor Emanuel lachte herzlich und gab dem Bäuerlein recht, lüstete jeooch nicht fein Jncognito.
Der Z a r von Rußland, der schon so viele gefahrvolle und unruhige Stunden durchlebte und so manche tragische Szene um sich her sah, ist der- jenige unter den europäischen Herrschern, der sich der toenigften Freiheit erfreut. Er kann nicht, wie die meisten feiner „Kollegen", feinen Launen und Passionen stöhnen. Seine einzigen Zerstreu- ungen bestehen im Billard- und Tennisspielen.
Der König von Griechenland ist unter allen Herrschern am meisten bestrebt, feine Ko- nigswürde zu verbergen. Ob er sich in Athen ober inPatis oder sonstwo befindet, er ist immer allein und es soll ihm stets einen besonderen Genuß bereiten, aus den großen Boulevards zu Varis ein Zlvei-Sous-Stück in einen jener Automaten zu werfen, wo Madame Lenormand auf gedruckten Zetteln die Zukunft weissagt. Während eines Aufenthaltes in Aix betrat er ein kleines Cafö. Drei frohe Zecher, die beim Glase Wein an einem Seitentische saßen und den König felbftoerftänb- sich nicht kannten, wollten unbedingt, daß er als Vierter ein Spielchen Manila mit ihnen riskiere. Ter König erwiderte, daß er das Spiel nicht kenne, doch die Zecher ließen nicht locker, und es blieb ihm nichts übrig, als gute Miene zum bösen Spie! zu machen und mitzutun. Da er von dem Spiel keine Ahnung hatte, verlor er natürlich. Plötzlich tuschelten die Zecher einander etwas ins Ohr — sie hatten den König, der oft in Aix weilt, erkannt. Höflich lüfteten sie ihre Mützen und baten den König tausendmal um Entschuldigung. Auch das Geld, das der König verloren batte, wollten sie zurückzahlen. Dieser aber akzeptierte dasselbe nicht, sondern zahlte noch etliche Flaschen Wein, amüsierte sich ob der verlegenen Gesichter der Bauern recht herzlich und ging dann seines Weges.
König Alfons von Spanien hat mit der ■alten Hofetikette aufgeräumt, die sich bis in die jüngste Zeit am spanischen Hofe erhalten hatte. Es ist bekannt, daß Alsons XIII. ein waghalsiger Chauffeur ist, und es madit ihm stets viel mehr Spaß, mit 80 Kilometer Geschwindigkeit über die Landstraßen dahinznfliegen, als den schmalen Weg derTradition zu wandeln. Allerdings hat ihm feine Kilometerhascherei schon manches Protokoll eingebracht. Das geniert ihn aber wenig, er zahlt einfach und rast lueit.-r In Jrun sah' man ihn eines Tages zum Güterbahnhof gehen, wo ein demontiertes Automobil für ihn eingetroffen war. Er zog einen blauen Anzug an, griff zum Handwerkszeug und machte sich ans Werk. Etliche Stunden später stand datz Töff-Töff fahrbereit. Dann goß er noch Benzin ins Reservoir und sauste eine Minute später mit dem Automobil davon. Der Sport interessiert ihn weit mehr als die Kunst. Nebenbei ist König Astons auch Kollektio- när und zwar besitzt er wohl die seltsalnste Sainm- lnng. die es je gegeben hat. Sie besteht nämlich nur aus Gegenständen, die sich auf Attentate oder Unglücksfälle beziehen, die sein Leben in Gefahr brachten. Nebenbei ist er auch ein fleißiger Turner und nimmt nicht selten an den Turnübungen des Gymnasiums, das sich in der Nähe seines Schlosses befindet, teil.
Die Köttner des Fuldaer Altenhofs, j Nur ein paar alte Scheunen stehen heute noch an der Stelle, wo sich einst in imposanter Größe der fürstliche Altenhof erhob. Wer denkt noch daran, daß die Verwaltung dieser Hofes von Mitgliedern des fuldischen Adels geleitet wurde, die als Hofmeister des Fürstabtes hier residierten l
Ter Altenhof war eine bedeutende Einnahmequelle für die Fürstäbte. Er verfügte über bedeutende Ländereien. U. a. waren ihm die Leute sbon der Tränke lange Zeit zu Frondienst verpflichtet, da der Grund und Boden, auf dem sie Ihre Häuser stehen hatten, Eigentum des Altenhofs war. Unter den zahlreichen Besitzungen be- Ianden sich auch 12 Güter, die nach der lieber- iefevung gelegentlich des großen Bürgerkrieges pon 1331-32 widerspenstigen Bürgern entzogen waren. Sie wurden vom Altenhof nicht in Eigenwirtschaft genommen, sondern pflegten an sog. Köttner ausgetan zu werden, die dafür Abgaben und Frondienst leisten mußten.
b Bemerkenswert ist, daß diese Köttner einen i ff artigen Verband gründeten. Als Vorsteher hlten sie aus ihrer Mitte einen sog. Dechant, ■ vom Hefmeister bestätigt werden mußte. Alle
?. Ans dem Leben gekrönter Häupter.
Kaiser Franz Joseph von Oesterreich, an dessen Füßen das Gewicht des Alters hängt, sodaß er nicht mehr wie früher dem Waidwerk obliegen kann, vergnügt sich mit Geduldsspielen oder blättert in der Tischkartenkolleklion herum, die er sich im Laufe der Iw re bei Galadiners aesammelt hat. Besonders wertvoll sind ihm jene Menns, die von Diner- anläßlich großer historischer Ereiamffe her- rühren. Wenn Kaiser Franz Joseph Tischkarten sammelt, so will das aber nicht etwa heißen, daß er ein großer Gourmand ist, im Gegenteil, Franz Josephs Mahlzeiten sind äußerst einfach und bestehen nur aus wenigen Platten. Eine seiner Lieb- lingsspeisen ist die sogenannte Rettichwurst.
Eduard VII. von England zählt zu jenen Herrschern, die das Jncognito lieben, und er soll sich am wohlsten fühlen, wenn er unerkannt in den Straßen promenieren kann, was allerdings leibet nicht oft vorkommt, denn meistens wird er erkannt. Besonderen Spaß macht es ihm stets, wenn er von der Polizei für einen gewöhnlichen Sterblichen angesehen und als solcher „angehaucht" wirb. Kürzlich erzählte er im Kreise einiger Diplomaten folgendes kleine Abenteuer, das ihm während seines letzten Aufenthaltes in Marienbad zugestoßen ist. Eines Morgens saß er auf einer Bank bet Promenade und schob mit der Spitze seines Spazierstockes einige Papierfetzen mechanisch hin und her, was auf dem Kies ein eigenartiges Kritzeln hervorrief. Da auf der Promenade zu Marienbad die größte Reinlichkeit herrscht und Papiersetzen nicht weggeworfen werden dürfen, kam ein Promenadenwächter herzu und apostrophierte ihn folgendermaßen:
„Haben Sie die Papierfetzen auf den Boden geworfen?"
.Rein!" erwiderte der König, den der Wächter natürlich nicht kannte, ruhig.
»Desto besser für Sie, beim es könnte Ihnen teuer zu flehen kommen", etroibette der Wächter grimmig. Er schien jedoch den Worten des Königs wenig Glauben zu schenlen, beim er wandte sich int Gehen noch einmal um und rief dem König zu: ,Jn jedem Falle bitte ich Sie, sich nicht erwischen zu lassen. Falls ich Sie nochmals bei dieser fon- berbaren Spielerei antteffen sollte, werde ich nicht mehr so nachsichtig fein."
AlS der Wächter später erfuhr, wen er so derb angefahren habe, fuhr ihm der bleiche Schreck in die ©lieber und er schaffte sich sofort die Photo- ?;raphien aller bedeutenden Herrscher an, damit ihm o etwas nicht wieder vorkomme. Eduard aber nahm die Sache nicht tragiich, sondern lachte recht herzlich über die kleine Strafpredigt.
König Viktor Emanuel von Jtalim fam- mell Medaillen. Daneben ist er auch ein passionierter Angelfischer, hat aber wenig Glück, beim obschon er manchmal stundenlang mit der Angelrute geduldig am Ufer sitzt, kehrt er meistens nach Hause, ohne daß auch nur ein Fischlein an feiner Angelschnur gezupft hätte. Kürzlich passierte ihm beim Fischen eine heitere Geschichte. In einfacher Kleidung saß er am Ufer des Raconigi-SeeS und huldigte dem Angelsport. Da kam em alles Bäuerlein vorbei, betrachtete den Fischer einige Zeit und ließ sich bann mit ihm, ohne zu wissen, wen er vor sich habe, in ein Gespräch ein. Als er sah, daß der Fischer nicht- fing, sagte er in mitleidigem Tone zu chm .r —' --
> Der Radau, der ob „Eines Engländers Heim" kor einiger Zeit in den Räumen des Neuen Theater» zu Berlin tobte, ist verrauscht und das Stuck vom Spielplan abgefetzt. Der größte Teil der Presse brachte zwar ausführliche BeriHe über den Skandal selbst, ohne sich näher mit dem so schlecht aufgenommenen Stücke zu befassen. ES Durfte daher nicht uninteressant sein, bett Inhalt desselben kurz zu skizzieren.
65 find drei knappe Akte nur, aufgebaut auf Jdex, daß dichter Nebel seit Wochen über dem Kritischen Jnselreich lagert, wie ihn die ältesten Leute noch nicht gesehen haben, und durchgeführt unter gleichzeitiger Zugrundelegung eines Post, beamtenstreiks, tote wir ihn soeben erst in Frankreich kennen gelernt habe. Seit ein Paar Wochen sind die Leute draußen auf dem flachen Lande ohne Zeitungen und ohne Nachrichten aus London. Indessen sind die Fremden in England Selanbet und haben im Handumdrehen die Insel berrumpelt. Der alte ehrliche Mr. Brown spielt noch immer vergnügt mit seinem Jüngsten Dia- bolo, und die übrigen Mitglieder seiner Familie beschäftigen sich mit tiefsinnigen Betrachtungen über das Fußballspiel, als fremde Soldaten durch den Garten schreiten und sie aus ihren Träumen schrecken. Wütend schreit Herr Brown, durch das . ■, - • ■• -- -------
gute Englisch des Führers irre gemacht, und, ohne $er »u sprechen. Ste sahen sehr aufdreEhre tljrer jede Kenntnis der Uniformen, die Leute an, die ~ er für englische Freiwillige hält, und begehrt von ihnen Auskunft darüber, wie sie zu der Frechheit kämen, in eines freien Engländers Heim einzu- dringen. Im 2. Akt haben die Fremden das Haus besetzt und seine Insassen auf ihre Zimmer verwiesen. Erst ganz allmählich steigt dem freien Engländer Brown ein leises Verständnis für die