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z p^eLtt"in Mida. Wochenbeilase:.Illustrierte Zsnntagrzeitung
36. Jahrqansi.
Fulda, Donnerstap, den 6. Mai 1909
■M 102.
Zweites
Kleines Feuilleton
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Mütter.
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!T rusts goldene Zeiten im i mansche Antitrustyesetz ist gewiß nicht viel wert,
Worten. Er hat 1907er Wein erheblich überstreckt und verkauft. Das Urteil lautete auf 500 Mark Geldstrafe oder 50 Tage Gefängnrs und Einziehung der beschlagnahmten 16 Stück Wein.
* Vom EichSfelde, 5. Mai 1909. Die Stricker der Firma Wedekind in Helmsdorf find in den A u s st a n d getreten. Verhandlungen, die zwr- schen dein Vertreter des Verbandes christlicher Textilarbeiter und der firmet stattgefunden haben, sind erfolglos verlaufen. In einer zu Hilms- dorf abgehaltenen öffentlichen Versammlung wurde eine Resolution gefaßt, worin die von der Firma Wedekind vorgenommene Lohnreduktion aufs schärfste verurteilt wird.
werden. Wenn das so weiter geht, sind für die Anbruch. Das Sher-
«rschtM täglich «Ät Ausnahme der $o.m= »ndZeierlage-virrteö- MrlcherSerugsprei» ohne Vringerlohn und Vestellgeld in Znlda sowie auswärts 1-50 Ult
verantw. Redakteur;
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— Tas sportlnstige England. In keinem 'Lande der Welt wird soviel Sport getrieben wie in England. Das Interesse der Engländer für alles, was mit körperlicher Ausbildung und Betätigung zusammenhängt, zeigt sich om besten, wenn man die Summen heranzieht, die das englische Volk alljährlich für feine Svortleidenfchaf- ten ausgibt. Das Fußballspiel ist es, für das am meisten Geld ausgewendet wird: 234 Millionen Mark. Um 33 Millionen mehr, als für den „teuern'' Pferdesport, der 201 Mill, kostet. Dies hat seinen Grund wohl darin, daß dem Fußballjport weitere Kreise der Bevölkerung ergeben sind, während das Halten von Pferden nur den Gutsituierten möglich ist. Auch für die Jagd hat der Engländer viel Geld übrig: 162 Millionen Mark. Ganze 102 Millionen Differenz trennen diesen Sport von dem Segeln, auf das nur 60 Millionen pro. Jahr kommen. Am wenigsten wird für das Rudern aufgewendet. Nur 11,5 Millionen. Weniger wie für Golf (14 Millionen) und Angeln (12 Millionen). Im ganzen werden also in dem vereinigten Königreiche 694,5 Millionen Mark dem Sport geopfert. Fürwahr ein nettes Sümmchen, das noch größer wird, wenn man die verschiedenen anderen, hier nicht ange- führten Sportarten hinzuzieht, die gleichfalls ihre Anhänger in England haben.
— Die Luftreise und der Blitz. Wir hören ziemlich alle zwei Wochen von einem neuen Plan, eine bestimmte Ballonlinie für feste Luftreisen einzurichten, aber die Erfahrungen besagen doch, daß diese Angelegenheit reiflich überlegt sein will. Das Malheur Has jüngst einen Fesselballon des Berliner Luftschifferbataillons passiert ist, gibt doch gewaltig zu denken. Daß der Sturmwind einem Ballon hart zusetzen ckann, ist schon eine Gefahr, die bei plötzlich ausbrechendem starken Winde nicht unterschätzt werden darf, aber größer ist, wie es hier geschah, die Bedrängnis durch eine Entzündung des Ballon-Gases infolge Blitzes oder elektrische Luftströmungen. Das
• Der Militäretat in der italienischen Kam- mer eine Vorlage, der zufolge der ordentliche Militäretat von 234 auf 260 Millionen Lire (1 q = 80 Pfg.) erhöht wird. Gleichzeitig erbat sich'der Krregsminister zu den für Nen.beschaf- funa -er Felüartillerie und für Grenz- und Ku- stenbesestigungen bereits bewilligten 283 Millionen Lire noch 125 Millionen Lire mit dem Recht, diesen Gesamtbetrag in vier Jahren, also bis Ende 1912 zu verausgaben. Der Aktivstand des Heeres wurde auf 225 000 Mann festgesetzt. In der Folge dürften weitere Etatserhöhungen ein- treten.
** Dm Schah von Persien hat Vie Angst vor seinen russischen .Freunden" befallen. Rußland bat bekanntlich in Vie Provmz Asherbewschan und deren Hauptstadt Täbris Truppen einrücken lassen, um -ort die Ruhr wieder herzustellen. Der Schah scheint nunmehr eingesehen zu haben, daß ihn der russische Agent, Oberst Liakhoff, nur in den Kampf mit seinem Volke hineingesetzt hat, um eine Gelegenheit zur russischen Einmischung m persische Angelegenheiten zu schaffen. Jetzt, da Rußland diese so lange gejuckte Gelegenheit zur Einmischung gefunden und ergriffen hat, da möchte der Schah durch die Wiederherstellung der Verfassung schnell wieder Frieden mit der Jntellrgenz fernes Landes macken, um so die Widerstandsiähigkert gegen Rußland zu stärken. Am Rionlag hat daher im Auftrage des Schahs das Ministerium telegraphisch allen Provinzen mitgeteilt, daß die Wiederherstellung der Verfassung unmittelbar bevorstehe und das Volk zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung ermahnt. Der Schah bat de.ur auch gleich den Erlaß vollzogen zur Einberufung der Par- lam ettte, des Reicksrats und des Medschlis. — Als ob Rußland nun seine Truppen zurückziehen würde!
Ausland.
** Ter Zusammenkunft des Kaisers mit dem König von Italien, die für die nächste Zeit be- vorsteht, legt die italienische Presse große Bedeutung bei. Man erwartet, daß die Trinksprüche an Bord des „Vittorio Emanuele" über den Rahmen der üblichen Tischreden hinausgehen werden. Zur Begrüßung des Kaiserpaares ist das Mittelmeer-Geschwader bereits in Tarent eingetroffen.
Aus dem Nachbargebiele.
□ Büchenberg, 5. Mai 1909. Dem K r r e - gerbe rein von Büchenberg wurde zur Führung einer Fahne die Genehmigung erteilt. Die Weihe der Fahne soll am 18. Juli stattfinden.
* Vacha, 3. Mai 1909. In der Zeit vom 5. bis 8. Mai findet eine Besichtigung der Werra von Wernsvausen bis Wandfried statt. Die Besichtigung wird zum Zwecke der Kanalt- sierimg der Werra erfolgen.
' Frankfurt a. M., 5. Mni 1909. Während der Internationalen S u ttschiffahrt-Aus- fiel In nfl wird täglich eine Zeitung erscheinen, welche das Programm der Wettbewerve, die Namen -er Gewinner, die Landungen der abgelasse- nen Ballons, Passagierzahl. Vorträge und beton« dere Veranstaltungen ankündigt. Die künstlerische Oberleitung für die auf dem Ausstellungs- gelönde zu errichtenden Gebäude ist dem Architekten Bernoully und dem Stadtbaumeister Grö- rich übertragen worden. Es stellten an Geldpreisen der „Ila" zur Verfügung: Die Mannes- mannröhrenwerke zur Förderung der Flugtech- nik 5000 Mk., Baron von Golöschmidt-Notbschild 2000 Mk., Bauer sche Gießerei 1000 Mk., Direktor Niederhofheim 200 Mark, Frau Joseph Wert- Heim stiftete einen Ehrenpreis.
* Darmstadt, 3. Mai 1909. Auf dem sogen. Griesheimer Schießplatz, wenige Kilometer westlich von Darmstadt, ist durch das Entgegenkommen der Militärbehörde eine große private Versuchsanstalt für die Flugmafchi- nentechnik entstanden, dank der Opfenvillig- keit des Kaufmannes August Euler in Frankfurt a. M., der in erster Linie seine Mittel und Ersindunflsgabe auf die Konstruktion eines Flugapparates richtet, der in den Dienst der Militär- verwaltiiiig gestellt werden soll.
* Mainz, 3. Mai 1909. Wegen Weinfäl- schling hatte sich der Landwirt Franz Forch II aus Alshnrn vor der Strafkammer zu verant
X Der amerikanische Zolltarif.
Der Vereinigten Staaten treffen Vorbereitungen für einen Zolltarif, der unfern Waren sehr gefährlich werden kann. Wer von Taft erwartet hat, daß er die Zollmauern erniedrigen werde, der hat sich sehr getäuscht. Selbst wenn der neue Präsident wollte, er könnte es nicht, da die Mehrheit im Kongreß fchutzzöllnensch ist. Wir wären aber auch schon zufrieden, wenn nur die Zollschikanen beseitigt würden, unter denen unser Handel so sehr leidet.
Um die Zollerhöhungen zu rechtfertigen, werden in den Vereinigten Staaten F i n a n z f r a - gen in den Vordergrund gestellt. Ein Defizit von 135 Mill. Dollar (man denke an die Finanzen Deutschlands und Englands) soll gedeckt werden. Man berechnet die Zolleinnahmen des neuen Tarifes auf rund 345 Mill. Dollar für das erste und auf 385 Mill, für das zweite Jahr. Trotz erhöhter Ausgaben soll das Defizit mit Hülfe des Zolltarifs schon im ersten Jahre, auf 74 Mill, sinken und im Jahre 1911 sich in einen Ueberschliß von 30 Millionen umwandeln, der sich dann ununterbrochen in steter Steigerung fortsetzt.
Von den Rednern der demokratischen Partei ves Senats, Daniel und Bayley sind neue Steuern vorgeschlagsn; eine Steuer auf Korporationen und eine Einkommensteuer. Diese Steuern würden vorzugsweise die reichen Klassen treffen; dafür sollen aber die Zolltarifsätze ermäßigt werden. Daß der Vorschlag der Demokraten in weiten Kreisen populär ist, kann nicht geleugnet werden, aber der Tarifvorkämpfer Aldrich weiß ihn mit Geschick zu parieren. Er sagt, die Meinungen seien verschieden, ob die von der Demokratie empfohlenen Steuern gut seien, obd- besser fei es jedenfalls, wenn man sie entbehren könne. Und dies sei der Fall, wenn man feinen Tarif annehmen würde; die Herren hätten gar feine Ahnung davon, was der für riesige Einnahmen bringen werde. Schon die öiel zu niedrige Zollabschätzung, die gegenwärtig ge- bräuchlich sei, führe zu enormen Mindereinnahmen; das Land büße dadurch 10 bis 25 v. H. der Hölle ein. Im ganzen kämen für das gegenwärtige Rechnungsjahr schon eine Zunahme der Ein- inahmen um 54*4 Millionen heraus. Ergo werde 'fein Tarif die Mittel zur Deckung aller notwen- .digen öffentlichen Ausgaben reichlich liefern und ieiue weitere Besteuerung fei nicht erforderlich. Die Auferlegung anderer Steuerlasten würde unter diesen Umständen nicht allein unklug, sondern auch ungerecht sein und nicht im Einklang mit den Gesamtinteressen des Volkes stehen.
Wir Hinnen- also auch hier feststellen, wie die Flottenriistungen die Finanzen ruinieren. Deutschland, England und die Union haben nun illesamt diese traurige Erfahrung gemacht und roch wird immer weiter gerüstet, bis die Völker »isammenbrechen.
Ter neue Zolltarif soll aber nicht nur Geld iteben. sondern auch die amerikanische Indu- Vt r i e schützen, daß sie leicht zum Monopol oder Trust kommen kann.. Manche Zölle des Tingley-Tarifes sind schon so hoch, daß sie nahezu die Einfuhr unmöglich machten. Wie soll das nun werden, wenn die Schraube weiter ange- zogen wird? Es ist ein Maß in den Dingen imd mit einant allzuhohen Schutzzoll schneidet man sich ins eigene Fleisch. Die Demokraten behaupten einstimmig, daß viele der vorgeschlagenen Zollsätze das durch die Verhältnisse gebotene Maß überschreiten und die Einfuhr unmöglich machen
Deutsches Reich.
a Tie Bestimmungen über die Heimarbeit in der großen Gewerbenovelle (§ 139) wurden am Dienstag von der zuständigen Reichstag s- komntission weiter beraten. Nach § 139 traben Arbeitgeber über die Personen, denen sie Hausarbeit übertragen, Listen zu führen und auf Verlangen der Polizei vorzulegen. Außerdem müffen sie sich in angemessenen Zeiträumen davon unterrichten, daß die Einrichtungen und der Betrieb' der Werkstätten den gestellten Anforderungen entsprechen. Die Nationalliberalen verlangten die Streichung dieser letzten Bestimmung, waren jedoch mit der Vorschrift über die Führung von Listen über Arbeiter einverstanden. Der Auffaffung, daß die regelmäßige Kontrolle der Heimarbeiter durch ihre Arbeitgeber unmöglich sei, trat der größere Teil der Kommission bei, weit auseinander, dann aber arbeiteten viele auch für verschiedene Unternehmer, sodaß dabei eine böse Konkurrenzschnüffelei entstehen könne. Außerdem würden Schwierigkeiten bei den Heimarbeiterinnen entstehen. Das Zentrum beantragte, daß diese Koltrollmöglichkeit sich auf die Heimarbeit im Nahrungs- und Genußmittelgewerbe be- schränke solle. In dieser Fassung wurde dann der Antrag gegen bis Stimmen der Freisinnigen und der Konservativen angenommen. Die National- liberalen waren bei der Abstimmung nicht zuge- gen. — Die Kommission hofft, die gesamte Vorlage noch vor Pfingsten zu erledigen. Sie will deshalb von jetzt ab an Arbeitsfreudigkeit mit der Steuerkommission wetteifern.
vermischtes.
* Nene Kompositionen Kaiser Wilhelms. AuS Korfu wird dem „N. Wien. Tagbl." gemeldet: Kaiser Wilhelm Hai dem König den Text von drei neuen Marschen übergeben, die er selbst komponiert hat. Der König beauftragte den Direktor der Philharmonie in Korfu mit der Einstudierung der Kompositionen.
* Allgemeine Spekulationslust herrscht irn Publikum. Eine Berliner Zeitung hat bei den Leitern der Berliner Wechselstuben eine Umfrage wegen der Geschäftslage gehalten. Diese haben übereinstimmend gesagt, daß seit Jahren bei bem Kapital besitzenden Publikum das Spekulationsfieber nicht so groß gewesen sei, wie heute.
* Rätselhafte Verschwinden eines junge» Mädchen. In Köln ist feit Freitag ein vier- zehnjähriges Mädchen verschwunden, das Verwandte besuchte und alsdann den Heimweg ange- tieten hatte. Seither hat man nichts mehr von dem Mädchen gehört. Der Vorfall, weckt die Erinnerung an das Verschwinden einer gleichaltrigen Tochter eines Kölner Journalisten,, die vor etwa drei Jahren auf dem Wege zur Ringstraße verschwand und bisher trotz eifrigster Bemühungen seitens der Eltern und Behörden nicht gefunden roorben ist. Augenscheinlich liegt gewaltsames Entführen durch Mädchenhä übler vor, dir in der letzten Zeit wieder Westdeutschland unsicher machen.
* Hungertod eines Geizkragen. Ein armer Millionär ist der steinreiche Gutsbesitzer Gabriel Rump geivesen, der vor einigen Tagen in Antwerpen gestorben ist. Obwohl er ausgedehnte Grundstücke besaß, ans denen er ein riesiges Einkommen bezog, gestattete es fein Geiz ihm nicht, sich satt zu essen. Jahrelang hungerte er schon und führte abseits von Freunden und Verwandten ein elendes Leben. Er hauste in einem Bodenverschlag und schlief auf einem allen Strohsack. In der Kammer herrschte die größte Unordnung. Jetzt ist er gestorben, da der durch die jahrelangen Entbehrungen geschwächte Körper am Ende seiner Widerstandskraft angelangt war.
‘ Die Bankeinbrecher im Tunnel. In Suffolk im Staate Virginia wurde die Bank nachts von Dieben heiingesucht, die ihren Weg durch einen eigens zu diesem Zweck hergestellten Tunnel genommen hatten. Dieser Tunnel führte unter vier Häuser hindurch. Er begann im Keller eines Warenhauses, der selten gebraucht wurde, und dort fand man nach geschehener Tat auch die Werkzeuge der Bankeinbrecher, Ueberbleibsel von Mahlzeiten und mehrere Zeitungen, aus denen hervorging, daß die Diebe zur Herstellung des Tunnels mehr als einen Monat gebraucht hatten. Dieser Riesenanstrengung entsprach jedoch nicht der Erfolg: denn als die menschlichen Maulwürfe aus dem sehr tief geführten Tunnel in das Gewölbe der Bank eingedrungen waren, widerstanden die stählernen Geldschränke allen ihren Anstrengungen. Alles, was ihnen in die Hände fiel, waren 1500 Dollars in bar, die der Kassierer in einer Nische des Gewölbes liegen gelassen hatte.
man hat nach dem Mißerfolge der Aktion gegen den Oeltrust getagt, Rockefeller fei „vierspännig hindurchgefahren". Dennoch hat es wertvolle Seiten und wird auch hin und wieder nützlich angewendet. Das Gesetz bezweckt die Verhütung gemeinsamer Abmachungen zur Beschränkung des Handels und zur Erzwingung ungerechtfertigt hoher Preise, es soll den ehrlichen Wettbewerb schützen und die Bildung von Trusts verhindern. Wie gesagt, es erfüllt diesen Zweck nur unvollkommen, aber es schafft doch manches Gute und verhindert manchen Betrug. Roosevelt wollte es weiter ausbauen, aber es gelang ihm nicht. Jetzt scheint sich der Wind vollkommen gedreht zu haben. Der Hilfsgeneralanwalt Ellis, der in den Vereinigten Staaten dieselbe Stellung bekleidet, wie in PreußM der Unterstaatssekretär im Justizministerium, hat kürzlich eine Rede gehalten, in der er für Abschaffung des Sherman-Gesetzes ein trat, ohne einen Ersatz vorzuschlagen. Obgleich er erklärte, nicht im Namen der Negierung zu sprechen, wird das doch allgemein so aufgefaßt.
Der amerikanische Tarif in feiner Vorbereitung geht darauf hinaus, die amerikanische Industrie nach Kräften zu begünstigen und dieser selben Industrie eine Gelegenheit zu geben, auch im fremden Lande so günstig wie möglich gegen andere Industrien gestellt zu sein. Der Import in den Vereinigten Staaten wird lahmgelegt, dagegen durch verbilligte Einfuhr, der Rohmaterialien eine unbegrenzte Möglichkeit für den Export geschaffen. Diese Gefahr für die europäische Industrie darf nicht leicht genommen werden.
— Kindermädchen vor einer Kneipe. Nach dem neuen Gesetz darf in England kein Kind unter 14 Jahren eine Kneipe betreten.
wegen haben einzelne Wirke vor ihrer Tür b'l'au- gekleidete Mädchen aufgestellt, deren weiße Schärpen den Aufdruck „Kinderschutz" tragen, und die gegen ein kleines Entgelt die Kinder überwack^n, deren Mütter die Kneipe besuche.!. — Nette
Luftschiff ist verbrannt, der Insasse zum Glück nur leicht verletzt, aber wir haben bei allen großen Fortschritten in der Aeronautik jetzt schon den zlveiten Fall, der erste war der Zeppelin» brand bei Echterdingen, daß Ballon und Elektrizität in der Lust auf Kriegsfuß stehen. Die Bildung von Gewittern kann eine langwierige Sache fein, sie kann aber auch, namentlich in Gebirgsgegenden, außerordentlich schnell erfolgen. Wir haben in Deutschland verschiedene sehr fruchtbare Gegenden, die geradezu als „Gewitterstriche" bekannt sind. Wenn ein Lenkballon nun auch wohl in der Regel so viel Zeit behalten wird, um in kritischen Momenten landen zu können, so werden sich für die Passagiere nicht gerade immer angenehme Verhältnisse ergeben. Denn bei einem Gewitter in einer Gondel zu verbleiben, werden sich wohl die wenigsten entschließen
— Rur den Strick. Aus Zwiesel (Niederbayern) wird geschrieben: Wurde da vor ein paar Tagen ans der Stallung des hiesigen Pfarrhofes ein Kalb, ein schönes,schweres Stück, gestohlen. Man fahndete und bald hatte man b?n nächtlichen Besucher des Pfarrhofstalles herausgebracht: es war ein lebiger Metzger in Zwiesel. Nach einigem Hin und Her gestand er den Diebstahl auch ein: doch habe er nur, wie er höchst glaubwürdig versicherte, bat Strick steblsu wollen, um sich daran aufzuhängen. Dabei sei aber das Kalb daran gehängt und ihm dann nachgelaufen — als er am Stricke anzog, natürlich.
— Der Eulenspiegel der Türken. Chodfcha Nassr-ed-Tin-Efendi, der vor etwa 300 Jahren in der asiatischen Türkei lebte, wanderte in seinen jüngeren Jahren viel im Lande umher. Dabei hielt er sich bald in dieser, bald in jener Stadt auf, lebte dürftig, aber unabhängig und bewahrte sich überall feine derbe Laune als treue Beg!eitert n. Später heiratete er, wählte einett festen Wohnsitz und betrieb den Ackerbau. Daneben wurde er Schulmeister, infolgedessen er den Beinamen Chodscha, d. h. Lehrer, Meister, erhielt. jDer Anekdoten über Naffr-ed-Din, den man den türkischen Eulenspiegel nennen kann, gibt es unzählige. Einige derselben mögen hier folgen: Einmal borgte er von einem Nachbar einen Kessel. Nach einigen Tagen stellte er ihn dem Eigentümer wieder zurück, nachdem er in die Höhlung des Kessels eine Kasserolle gesteckt hatte. Als der Nachbar über diesen Zuwachs sein Erstaunen zu •ernennen gab, versicherte ihn der Meister, der Kessel habe inzwischen ein Junges bekommen. Der Nachbar nahm erfreut Kefsel und Kasserolle und entfernte sich. Nach einiger Zeit borgte sich der Meister denselben Kefsel, gab ihn aber nicht zurück. Der Nachbar, der vergeblich auf Zurückgabe seines Kessels wartete, ging endlich zu Nassc-ed- Din und forderte sein Eigentum. Der aber sagte ganz betrübt: „Freund, der Kessel ist gestorben, aber du mögest gesund bleiben!" Ta rief der Nachbar befremdet: „Meister, du treibst Scherz mit mir! Wie kann der Kessel sterben?" Nassr- ed-Tin entgegnete jedoch ruhig: „Sonderbar! Du hast doch geglaubt, daß der Kessel ein Junges bekommen hat, nun glaube auch, daß er gestorben ist." — Eines Tages befand sich der Meister im Bade, als ihm jemand, der ihn wohl für einen Bekannten halten mochte, plötzlich einen Schlag )n das GmÄck versetzte. Der Meister wandte sich
um, und da er den Schläger gar nicht tonnte, stieg er sogleich aus dem Wasser und führte ihn zum Kadi. „Bewirke," sprach er zu letzterem, „daß mir von diesem Manne Genugtuung werde." Da der Beklagte indessen ein Freund des Kadi war, sprach dieser milde: „Wir wollen gleich sehen, worin dein Recht besteht." Da klagte Naffr- ed-Din: „Dieser Mann hat mir ohne Ursache einen Schlag versetzt." „Die Strafe eines Schlages ist ein Pfennig", entschied der Kadi. „Mann, ich befehle dir, dem Kläger einen Pfennig zu zahlen." Der Verklagt suchte in allen Taschen, und da er keinen Pfennig fand, ging er nach Hause, um einen zu holen. Inzwischen wartete Naffr- ed-Din, der Kadi aber kauerte sich zum Schreiben nieder. Es verging eine Stunde und der Mann mit dem Pfennig kam nicht. Da erhob sich Nassred-Din, näherte sich dem Kadi und versetzte >hm einen derben Schlag in den Nacken. Erzürnt wandte sich der Getroffene um und rief: „Meister, was tust du?" Der aber antwortete: „Was hätte ich anders tun sollen? Da ich ein wichtiges Geschäft vorhabe, kann ich nicht warten, bis der Mann den Pfennig bringt. Wenn er noch kommen sollte, nimm ihn statt meiner, denn darum gab ich dir den Schlag!" sprachs und ging davon.
— Er hat keine Feinde! Als Navarez, Herzog von Valencia, auf dem Todesbette lag, stand ein Bischof neben feinem Lager, um ihn für den Weg in die Ewigkeit vorzubereiten. „Denken Sie" fagte er, „auch an Ihre Feinde. Verzeihen Sie Ihnen, auf daß auch Ihre Schuld vor dem Herrn Vergebung finde." — „Ich habe feine Feinde," erwiderte der Sterbende. — „Aber Exzellenz, wenn man eine Stellung bekleidet hot wie die Ihrige — „Ich sage Ihnen, daß ich keine Feinde habe." — „Aber, Exzellenz!" — Ungeduldig geworden, richtete sich der Herzog nun mit letzter Kraft noch einmal auf und w.rn- bet e sich gegen den Bischof: „Ich habe keine, sage ich Ihnen, denn ich habe sie alle erschießen las-
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