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Är. Jahrgang

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Fulda, Mittwoch, den 5. Mai 1909

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-rung schlug als Termin für diese auch den 1. April 1908 vor. Abg. Erzberger aber bean­tragte, für die Pension den 1. April 1907 zu setzen (nur für diese, nicht für die aktiven Be­amten) mit der Begründung, daß man die paar Beamten, die 1907 in Pension gehen mußten, nicht strafen dürfe, weil der Block dieses Gesetz nicht zustande gebracht hat. Der Antrag wurde in der Kommission angenommen, der Freisinn stimmte dagegen. Sehr bezeichnend!

# Karlsruhe, 4. Mai 1909. Der Evan- gelische Bund als politischer Schieds- richt er — das ist das Neueste auf dem Gebiete der Tätigkeit dieses „unpolitischen" Gebildes. Bekanntlich stehen sich im badischen Landtags­wahlbezirk Schwetzingen zwei protestantische Pfarrer als Kandidaten gegenüber: der konser­vative Pfarrer Karl und der nationalliberale Pfarrer Klein, beide Mitglieder des Evange­lischen Bundes. Das hübsche Schauspiel, daß zwei Bundesbrüder gegen einander kandidieren, ging dem Evangelischen Bund auf die Nerven, zumal der eine, Pfarrer Karl es wagte, der aus­gesprochen evangelibündlerischen Partei, den Nationalliberalen, ein paar recht derbe, unange­nehme Wahrheiten ins Gesicht zu sagen. Da mußte schleunigst Wandel geschaffen werden. Der Vorsitzende des Evangelischen Bundes, General­leutnant v. Lessel, erbot sich, „ganz aus freien Stücken", einem Schiedsgericht zu präsidieren, das über die beiden Pfarrerkandidaturen entscheiden soll. Pfarrer Klein hat sich auch schon bereit erklärt, sich einem solchen Schiedsgericht zu unter­werfen. Er kann das leicht, denn der Bund würde selbstverständlich sich für den „Los von Rom"-Agitator Klein entscheiden. Interessant ist die Geschichte vor allem deshalb, weil der an­geblich „unpolitische" Evangelische Bund sich an- maßt, in einer rein politischen Angelegenheit den Schiedsrichter zu spielen und Kandidaten in irgendeinem beliebigen Wahlkreise nach seinem Belieben auszustellen. Gegen solche ganz offen­kundige Verquickung von Politik und Religion haben die Liberalen nichts einzuwenden. Nehme man einmal cm, der Volsverein für das kathol. Deutschland will sich das Recht nehmen, in einem ähnlichen Falle zwischen Katholiken in rein poli- tischer Angelegenheit zu entscheiden: das Gsichrei von Metz bis Memel möchten wir hören! Beim Evangelischen Bund schweigen alle Flöten!

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* Wiesbaden, 2. Mai 1909. Der Besuch der Ausstellung für Handwerk, Gewerbe, Kunst und Gartenbau belief sich am 1. Mai, dem Eröffnungs­tage, auf 5098 Personen, wovon 4411 Abonnenten, und am 2. Mai, trotz des ungünstigen Wetters auf 12 052 Personen, darunter 8866 Abonnenten. Diese Ziffern laffen den Schluß zu, daß in der Haupt« iaison bei gutem Wetter der Besuch an Sonn« und Festtagen mit 20—30 000 Personen eingeschätzt werden muß.

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Aus dem Nachbargebiele.

* Giesel 4. Mai 1909. Beim Düngerstreuen fand dieser Tage Herr Ferd. Beiz von hier im Korn eine 75 Zentimeter lange Kreuzotter.

# Poppenhausen, 4. Mar 1909. Am Sonn­tag abend fand im Gasthaus zum Engel eine Versammlung des Volksv ereins statt. Der ^rtspfarrer brachte als Leiter der Versammlung das Hoch auf die höchsten Gewalten aus. Herr Regens Dr. Schreiber sprach in ebenso wls- senschaftlicher als populärer Weise über dre Exr- stenz und Unsterblichkeit der Seele und zog die mit dem Frühlingserwachen und dem Aufer­stehungsfest der Christenheit in innigstem Zusam­menhang stehenden Folgerungen. Humoristische Vorträge und Lieder und namentlich auch ge­meinsam gesungene Volkslieder erhielten die Versammlung in der rechten Stimmung,

§* Aus dem Vogelsberg, 4. Mal 19i 9. Die Bereifung der projektierten Vo« gelsbergbahn seitens der Kreistagsmitglieder veilief, wie uns zur Ergänzung der gestrigen Mitteilungen noch geschrieben >vird, in der schönsten Wei'e. Der Himmel halle ein Ein- sehen und ließ den Vogelsberg im besten Lichte erscheinen, so daß alle Herzen entzückt waren über des Vogelsberges reiche Nalurschönheiten und einstimmig dafür waren, diese Gegend dem Verkehr zu erschließen. Auch die Wirte von Hosenfeld und Hauswurz hatten ihr möglichstes getan, um den Herren ein gutes Andenken an den Vogelsberg zu sichern. Doch den schönsten Teil der ganzen Fahrt bildele der Schluß, die Besichtigung des Kaliwerkes in Neuhof unter Führung des Herrn Direktors Kronjäger und dessen liebenswürdige frugale Bewirtung aller Herren im Bahnhof Neuhof. Schade, daß der Zug keine Verspätung hatte!

X Hanau, 4. Mai 1909. Die Finanzkommis- sion, welche sich noch viermal mit der Er h ö h u ng des Schulgeldes der hiesigen städtischen Schulen zu beschäftigen hatte, lehnte die Er­hebung des Schulgeldes nach dem Einkommen ab. Die Kommission schlägt der Stadtverord- neten-Versammlung folgende Sätze für das Schulgeld vor: Höhere Mädchenschule und Ober­realschule 150 Mk., Mittelschule 48 Mk. Pro Schüler und Jahr.

* Ans bet Wetterau, 3. Mai 1909. Gestern, am 1. Mai, fand unter festlicher Beteiligung der Behörden und der Einwohner der nächstgelegenen Ortschaften die Eröffnung der ersten Strecke der Wettertalbahn von Rockenberg nach Griedel, von wo aus Anschluß nach Butzbach be­steht, statt.

* Eschwege, 3. Mai 1909. lieber einen ganz auffallenden Mangel an Lehrlingen wird in Fleischerkreisen sehr geklagt. Eine der ersten hiesigen Metzgereien hat in fünf verschiede­nen Zeitungen ein Lehrlingsgesuch inseriert und trotzdem keine einzige Offerte erhalten. Daß zu Ostern kein einziger Fleischerlehrling eingestellt werden konnte, wie es in diesem Jahre in Eschwege geschehen ist, dürfte Wohl noch nicht vor­gekommen fein.

* Mainz, 3. Mai 1909. Die den Mainzer Volksschulen von Zeit zu Zeit zugewiesenen Kinder „fahrender" Leute genießen meist eine sehr vielseitige Schulbildung. Kürzlich meldete sich ein solcher 13jähriger Schüler, der wach feinem Zeugnisbuch bereits 179 Schulen in Deutschland und Oesterreich besucht hatte.— Die fehlende Nummer 13. Es wird dem ,Journal' ge­schrieben: In der Walpodenstraße wird man vergeblich nach einem Hause suchen, das die Nummer 13 trägt. Auf Nummer 11 folgt 15. Diese Tatsache berührt umso eigentümlicher, als der Erbauer und frühere Besitzer des Hauses ein ausgeklärter Mann fein wollte, und doch scheint er die abergläubische Furcht vor der Nr. 13 nicht losgeworden zu fein. An jenem Hause war auch früher ein Madonnenbild an­gebracht, das von Leuten, die gleichfalls „aufge­klärt" sein wollten, später entfernt wurde.

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O Eine große Verwirrung haben in der Neichsbeamtenschast falsche Mitteilungen ange- richtet, die durch die ganze Preffe über die Rück­datierung des Besoldungsgesetzes gelaufen sind. Die Regierung schlug vor, das Gesetz auf den 1. April 1908 rückwirkend zu gestalten, aber dabei die Truerungszulagen anzunehmen; das tostet rund 100 Millionen Mark. An diesem Vorschläge änderte die Kommission nichts. Wie aber steht es mit den Pensionären? Die Regie-

Huslanö,

* I» der serbischen Skupschtina beantwortete Ministerpräsident Novakowitsch eine Interpel­lation bezüglich der Affäre Kolakowitsch, der be­kanntlich der Diener des gewesenen Thronfolgers war. Novakowitsch erklärte, daß sich die Regie­rung an das vom Kolakowitsch unterfertigte Pro­tokoll halten müsse, in dem erklärt wird, daß an seinem Tode Prinz Georg keine Schuld trage. Demgegenüber bemerkte der Interpellant, daß die Unterschrift unter dem Protokoll von dem kranken Diener erzwungen wurde. Vom mora­lischen Standpunkte aus könne man mit der Lö­sung der Affäre Wohl befriedigt fein, da der Thronfolger infolge des Vorfalles abdankte, allein der strafenden Gerechtigkeit sei nicht Genüge ge­tan, denn der Täter müsse bestraft werden Die Session der Skupschtina wurde hierauf durch einen Ukas de8 Königs geschlossen.

* Der russische Ministerpräsident Stolvpin ist nach mehrmonatiger Abwesenheit nach Peters­burg zurückgekehrt und hat seine Amtsgeschäfte wieder übernommen. Vorläufig wird er auch auf seinem Posten bleiben. Russische Blätter melden aber, daß die Ernennung eines Kanzlers des russischen Reiches bevorstehe. Angeblich fei Sto­lvpin oder Goremykin zum Reichskanzler aus-

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tlurzer Getreide-Wochenbericht der Preisberichtsstelle des deutschen Landwirtschafts«

rats vom 27. April dis 3. Mai 1909.

Der Weizenmarkt stand in der ersten Hälfte der Berichtswoche noch unter dem Einfluß der flauen Stimmung an den amerikanischen und russischen Märkten. Während der letzten Tage hat der Weltmarkt indes infolge des plötzlichen Unischlages in Amerika wieder feine alte Festigkeit gewonnen. Mit veranlaßt wurde diese Aufwärts- bewegung durch die überraschend geringen Ver­schiffungen aus Argentinien, welche nur 47 000 Tonnen erreichten, gegenüber 82 000 der Vor­woche und 102 100 in der gleichen Woche des Vor-, jabres. Auch der deutsche Morkt folgte der Duf- wärtsbewegung, zumal das inländische Angebot nur knapp blieb und die unrentable Disparität zwischen den in- und ausländischen Preisen be­sonders für Julilieferung nach wie vor aufrecht erhalten wurde. Der Roggenmarkt ist dagegen von den Schwankungen der, Weizen- preise verhältnismäßig nur wenig beeinflußt wor­den, er blieb im allgemeinen fest, umsomehr, als wieder erhebliche Mengen zum Export gelangten.' Ebenso verharrten Hafer, Mais und Futtergerste in fester Hastung. Der Handel in Braugerste hat ganz aufgehrt. Der Saatenstandsbericht der Preisberichtstelle des D. L. R. vom 1. Mai d. I. konnte feststellen, daß die warme Witterung Ende April zwar die Vegetation im allgemeinen sehr gefördert hat, doch scheint die späte Weizensaat in verschiedenen Bezirken Norddeutschlands doch in größerem Umfange umgepflügt zu fein, als man bisher vielfach angenommen hatte. Jedenfalls ist überaus warmes und feuchtes Wetter erforderlich, um namentlich die späten Wintersaaten noch »um normalen Ertrage zu bringen. Aus Südrußland wird guter Saatenstand und vermehrter Export gemeldet. 1

Es stellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage in Mark pro 1000 Kitogr. je nach Qualität, wobei das Mehr (-s-) bezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern 0 beigefügt ist

ersehen.

* Castro hat sich nach der Einbringung der Klag'» gegen die französische Regierung von Paris nach dem spanischen Hafen Santander be­geben, um dort seine Gattin abzuwarten.

- In Chicago begann gestern der natio- Friedenskongreß unter dem Ehren- Präsidium TastS. Der deutsche Botschafter Graf

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* Ein Defizit vo« 330 Millionen Mark

klafft im englischen Staatshaushalt, ein Defizit, das man noch vor zwei Jahren kaum geahnt hat. Die Lösung der Frage, an welcher Stelle und in welcher Form die neuen Erforder­nisse Deckung finden sollen, kann ein entscheiden­der Wendepunkt der inneren Politik Englands werden.

Die große grundsätzliche Frage, ob die Steuern oder die Zölle den nötigen Mehrbetrag zu liefern hätten, war für das freihändlerische Kabinett von vornherein in dem Sinne entschieden, daß keine Reform des Tarifgesetzes eintreten dürfe. Aber indem es entschlossen den Steuern zu Leibe gehen mußte, hatte sich das Kabinett dar­über klar zu werden, ob es frank und frei den stärkerer» Schultern die stärkere Last zumuten, damit aber auch in ihrer Gesamtheit noch gar nicht zu übersehende zähe Widerstände entfesseln wollte. Als sicher ist anzunehmen, daß die An­ziehung der Steuerschraube um hunderte Millio­nen Mark tiefen Unwillen erzeugen wird, wenn auch das Flottengruseln noch so sehr gelehrt wird. Weiter mußte das Kabinett mit der Tatsache rechnen, daß die beiden Faktoren, die hauptsäch­lich das Anschwellen der Ausgaben bewirken, die vernachlässigte soziale Fürsorge, insbesondere die Altersversorgung und die Flotte, keine vorüber­gehenden Erscheinungen, sondern dauernde und wachsende Posten des Ausgabenhaushalts bilden.

Unter diesen Umstände konnte, da in keinem Fall eine Anleihe für die Dreadnoughts in Be­tracht gezogen werden sollte, offenbar nur rück­sichtslose Kühnheit helfen. In der Tat hat der Schatzkanzler einen festen Griff durch Erhöhung der Einkommensteuer getan. Bisher zahlte man für ein Pfd. Sterl. des Einkommens einen Schilling Steuer, jetzt wird die Steuer für Einkommen über 7500 Franken um 20 Centimes oder 6 Proz. erhöht. Für Familien, deren Ein­kommen 12,500 Franken nicht übersteigt, werden je 250 Franken für die Kinder unter 16 Jahren abgesetzt. Die Regierung erwartet aus dieser Steuer 87% Millionen für das laufende Jahr und 157 Millionen für das nächste Jahr. Daneben wird die Erbschaftssteuer für Brüder von 8 auf 5 Prozent, für die andern Verwandten von 6 auf 10 Prozent erhöht.

Kräftig pocht der Schatzkanzler an die Tür der Reichen auch durch die erhöhte Grundsteuer, die 2,85 Millionen liefern soll. Demnächst kämen die Schanksteuem und andere Lizenzsteuern, die 2,6, die Steuern auf Spirituosen, die 1,6 und die Steuern auf Tabake und Zigarren, die 1,9 Mil­lionen mehr bringen sollen. Den Rest des Fehl­betrages sollen Steuern auf Kraftwagen und ihren Brennstoff und die Kürzung des Schulden­tilgungsfonds um 3 Millionen Lstr. aufbringen.

Um diese teilweis recht bitteren Pillen zu ver­süßen, spricht der Finanzplan von schönen Dingen der Zukunft, wie Besiedelung des offenen Landes und Aufforstung der Wälder und läßt in der Ferne sogar die herrliche Hoffnung aufleuchten, daß England noch dahin gelangen wird, selbst zu erzeugen, was es gebraucht!

Es unterliegt keinem Zweifel, daß die eng- lische Regierung, um diesen Finanzplan durchzu- vringen, mit ungeheuren Schwierigkeiten zu käm­pfen haben wird. Zwar scheint im Unterhaus eine dem Schahkanzler günstige Strömung zu herrschen. Der Widerstand des Oberhauses kann sich aber erfolgreich aufbäumen. Und dann ist es um Kabinett und Partei gefchehen.

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